Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

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Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

264 Arbeitsmarkt: Nach erfolgreichem Krisenmanagement vor institutionellen Veränderungen

455. Da die einzelnen Wirtschaftsbereiche von der Krise in unterschiedlichem Maße betroffen

waren, hat sich die Struktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nachhaltig

verändert. Diese Anpassungen zeigen sich in regionaler Hinsicht sowie bei Geschlecht und

bei Voll- und Teilzeitbeschäftigung. Die besonders von der Krise betroffenen Unternehmen

des Produzierenden Gewerbes sind vornehmlich in Westdeutschland beheimatet und sie beschäftigen

überwiegend Männer in Vollzeitarbeit. Folglich ging im Juni 2009 im Vergleich

zum Vorjahresmonat die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Westdeutschland

zurück (– 0,3 vH), während sie sich in Ostdeutschland kaum verändert hatte. Ferner verloren

in diesem Zeitraum 1,6 vH der Männer ihren Arbeitsplatz, wohingegen die Beschäftigung von

Frauen um 1,3 vH zugenommen hatte. Die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten insgesamt reduzierte

sich im gleichen Beobachtungszeitraum um 1,2 vH. Aber durch den Anstieg der Teilzeitbeschäftigung

um rund 4 vH konnte der Rückgang der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

insgesamt zum größten Teil abgefedert werden, sodass im Juni 2009 deutschlandweit

die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Vergleich zum Vorjahr nur um

0,3 vH abgenommen hatte.

Mit der seit der zweiten Jahreshälfte 2009 andauernden konjunkturellen Erholung erhöhte sich

sowohl die Arbeitszeit als auch die Beschäftigung wieder. Im Juni 2010 hat – auf Basis von

vorläufig hochgerechneten Zahlen der BA – die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

im Vergleich zum Juni 2009 in Westdeutschland um 1,2 vH und in Ostdeutschland

um 1,5 vH zugenommen. Damit lag die Beschäftigung in beiden Regionen über dem

Vorkrisenniveau. Ebenso wie ein Jahr zuvor erhöhte sich auch zwischen Juni 2009 und Juni

2010 die Teilzeitbeschäftigung (3,5 vH) und die Frauenerwerbstätigkeit (1,5 vH). Anders

als noch im Jahr zuvor stiegen im Juni 2010 im Vergleich zum Vorjahr die Vollzeitbeschäftigung

um 0,7 vH sowie die Beschäftigung von Männern um 1,0 vH zwar wieder an, allerdings

wurde bei beiden Beschäftigungsverhältnissen das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht.

Rückgang bei atypischen Beschäftigungsverhältnissen

456. Trotz der insgesamt guten Beschäftigungsentwicklung im Jahr 2009 haben die am Erwerbsleben

beteiligten Personen Anpassungslasten tragen müssen, allerdings in unterschiedlichem

Ausmaß (Tabelle 32). Die Anzahl der Beschäftigten in Normalarbeitsverhältnissen –

unbefristete Vollzeitbeschäftigung ohne Zeitarbeit – hat sich im Jahr 2009 gegenüber dem

Vorjahr weiter erhöht. Dagegen wurden atypische Beschäftigungsverhältnisse abgebaut,

und das vor allem bei befristet Beschäftigten und Zeitarbeitnehmern, die allerdings in Aufschwungphasen

vergleichsweise schnell wieder eingestellt werden. Branchen mit hohem Anteil

männlicher Beschäftigter, wie beispielsweise das Produzierende Gewerbe, wurden von

der Krise besonders stark getroffen. Eine Differenzierung nach Alter und beruflichem Ausbildungsabschluss

zeigt, dass vor allem Personen in der Altersgruppe der 15- bis unter

25-Jährigen sowie der 35- bis unter 45-Jährigen und solche mit einem mittleren und niedrigen

Bildungsniveau die Auswirkungen der Krise zu spüren bekamen.

457. Zusammenfassend kann die robuste Reaktion des Arbeitsmarkts über die Krise hinweg

auf die gemeinsamen Anstrengungen aller beteiligten Akteure zurückgeführt werden. Die

Arbeitnehmer haben durch die deutliche Reduktion der Arbeitszeit Einkommenseinbußen in

Sachverständigenrat - Jahresgutachten 2010/11

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