Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

sachverstaendigenrat.wirtschaft.de

Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

4 Chancen für einen stabilen Aufschwung

6. Die Belebung der privaten Binnennachfrage – der erste Pfeiler für Chancen auf einen

stabilen Wachstumspfad – könnte sich auf zwei Wegen vollziehen. Zum einen mag sich

die günstige Arbeitsmarktentwicklung positiv auf den privaten Konsum auswirken. Die Sorgen

der Arbeitnehmer über die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze dürften aufgrund der erfreulichen

Beschäftigungsentwicklung merklich zurückgehen, und es ist angesichts des prognostizierten

Fachkräftemangels in den nächsten Jahren ein weiterer Abbau der Arbeitslosigkeit zu

erwarten. Des Weiteren wird sich wohl eine fortgesetzte Aufwärtsbewegung der Beschäftigungslage

in steigenden Löhnen niederschlagen.

Zum anderen erscheint es nicht unrealistisch, auf eine stärkere private Investitionstätigkeit

zu setzen. Grundlage dieser Einschätzung sind historisch gesehen niedrige kurzfristige und

langfristige Nominalzinsen. Diese dürften sich in Deutschland im internationalen Vergleich

zudem in relativ geringen Realzinsen niederschlagen. In anderen Ländern hingegen bewirken

Risikoprämien aufgrund einer besonders hohen Staatsverschuldung sowie Sorgen über mögliche

deflationäre Tendenzen höhere Zinsen als in Deutschland. Die Risikobereitschaft international

agierender Kapitalanleger wird weiterhin gering bleiben, nicht zuletzt aufgrund der

Erfahrungen mit Engagements im Immobiliensektor in einigen Ländern des Euro-Raums oder

in den Vereinigten Staaten. Dort haben sich viele Investitionen als weitaus risikoreicher als

angenommen erwiesen. Angesichts der hohen Staatsverschuldung und der labilen wirtschaftlichen

Entwicklung in diesen Ländern ist auch in der unmittelbaren Zukunft eine signifikante

Minderung dieser Risiken nicht in Sicht.

7. Der zweite Pfeiler für eine stabile Aufwärtsentwicklung beruht auf der hohen Wettbewerbsfähigkeit

der deutschen Unternehmen und auf den teilweise sehr dynamischen Absatzmärkten.

Jedoch sind hier die Risiken besonders hoch. Ein Rückschlag bei den Exportaktivitäten

könnte die Belebung der Binnennachfrage kompensieren, wenn nicht sogar überkompensieren.

Ein solcher Rückschlag ist nicht von vornherein unrealistisch und könnte

durch vier Entwicklungen verursacht werden:

− Eine Reihe von Ländern mag in der absehbaren Zukunft durch eine konjunkturelle Schwächephase

und damit durch eine verhaltene Importnachfrage gekennzeichnet sein. Ursache

dafür können eine hohe und steigende Arbeitslosigkeit sowie durch die Finanzmarktkrise

hervorgerufene Vermögensverluste beispielsweise bei den privaten Haushalten sein.

− Die teilweise harte Konsolidierungspolitik zum Beispiel im Vereinigten Königreich und in

den Peripherieländern des Euro-Raums (Griechenland, Irland, Portugal, Spanien) kann die

deutschen Exporte in diese Länder und über Drittländereffekte nachteilig beeinflussen.

Nach wie vor bestehen erhebliche Ungleichgewichte in der Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum,

deren Folgen nicht absehbar sind.

− Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre ist nicht auszuschließen, dass es auf den Finanzmärkten

erneut zu unerwarteten Schocks kommt, die sich nachteilig auf die Realwirtschaft

auswirken. Nach wie vor weisen die Bankbilanzen Positionen auf, für die noch beträchtlicher

Abschreibungsbedarf besteht.

Sachverständigenrat - Jahresgutachten 2010/11

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine