Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

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Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

270 Arbeitsmarkt: Nach erfolgreichem Krisenmanagement vor institutionellen Veränderungen

lagen auf der individuellen Unternehmensebene – etwa in Form von Einmalzahlungen, sofern

dies die Ertragslage des jeweiligen Unternehmens rechtfertigt.

Nach den Berechnungen des Sachverständigenrates ergab sich im Jahr 2010 gesamtwirtschaftlich

ein lohnpolitischer Verteilungsspielraum von 2,9 vH. Dieser berechnet

sich aus der Summe der Veränderungsrate der um Beschäftigungsschwankungen bereinigten

Grenzproduktivität der Arbeit in Höhe von 2,1 vH und der Entwicklung des Deflators

des Bruttoinlandsprodukts (0,8 vH). Da die nominalen Tariflöhne je Stunde

um 1,7 vH gestiegen sind, wurde der Verteilungsspielraum im Jahr 2010 nicht ausgeschöpft.

Tabelle 34

Sachverständigenrat - Jahresgutachten 2010/11

Verdienste, Produktivität und Arbeitskosten

Veränderung gegenüber dem Vorjahr in vH

2007 2008 2009 2010 1)

Tarifverdienste je Stunde 2)3) …….................................………… + 1,2 + 2,8 + 2,3 + 1,7

Effektivverdienste je Stunde 4) …................................................ + 1,4 + 2,4 + 3,0 + 0,2

Stundenproduktivität 5) …...…........................……….................. + 1,0 – 0,2 – 2,2 + 1,4

Erwerbstätigenproduktivität 5) ….....................……….................. + 1,0 – 0,4 – 4,7 + 3,2

Reale Arbeitskosten 6) ………….................................……......... – 0,9 + 1,2 + 1,4 – 0,5

Reale Nettoverdienste 7) ……….........................................…..... – 1,0 – 1,1 + 1,9 + 1,3

Nachrichtlich:

Deflator des Bruttoinlandsprodukts 8) …..................................... + 1,8 + 1,0 + 1,4 + 0,8

1) Eigene Schätzung.– 2) Quelle: Deutsche Bundesbank.– 3) Tarifverdienste (einschließlich Nebenvereinbarungen, Urlaubs-

und Weihnachtsgeld, Vermögenswirksame Leistungen sowie Altersvorsorgeleistungen) je tariflich vereinbarter

Arbeitsstunde.– 4) Bruttolöhne und -gehälter je geleistete Arbeitnehmerstunde.– 5) Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt

je geleistete Erwerbstätigenstunde/je Erwerbstätigen.– 6) Arbeitnehmerentgelt plus kalkulatorischer Unternehmerlohn

(dabei wird unterstellt, dass jeder Selbstständige/mithelfende Familienangehörige das durchschnittliche Arbeitsentgelt

eines Arbeitnehmers erhält) je geleistete Erwerbstätigenstunde, preisbereinigt mit dem Deflator des Bruttoinlandsprodukts.–

7) Nettoarbeitsentgelt plus kalkulatorischer Unternehmerlohn (zur Berechnung siehe Fußnote 6) je geleistete

Erwerbstätigenstunde, preisbereinigt mit dem Verbraucherpreisindex (Basis 2005 = 100).– 8) Veränderung des impliziten

Preisindex.

2. Bewegungsvorgänge und Problemgruppen

464. Im Jahr 2005, dem Jahr der Einführung des Arbeitslosengelds II, hatte sich Deutschland

in einem konjunkturellen Aufschwung befunden, der nach dem ersten Quartal 2008 abrupt

sein Ende nahm. In den Rezessionen zuvor war die Arbeitslosigkeit immer deutlich angestiegen

und in anschließend guten Konjunkturlagen wurde die jeweils neu entstandene Arbeitslosigkeit

nur in einem unzureichenden Ausmaß abgebaut. Dies hatte zu einer höheren Sockelarbeitslosigkeit

geführt (JG 2005 Ziffern 193 ff.). Die immer weiter steigende Anzahl der

registriert Arbeitslosen hatte im Jahr 2005 einen Höhepunkt erreicht. Gut ein Drittel war länger

als ein Jahr arbeitslos. Besonders für Langzeitarbeitslose war es schwierig, wieder eine

Beschäftigung zu finden: Von den Kurzzeitarbeitslosen fanden in den Jahren 2000 bis 2005

jeden Monat 7,8 vH eine neue Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt und damit 4,6 mal

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