Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

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Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

310 Analyse: Reform des Arbeitslosengelds II

− 287 Euro an Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren,

− 251 Euro an Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren,

− 215 Euro an Kinder im Alter zwischen 0 und 5 Jahren.

II. Modell zur verhaltensbasierten Mikrosimulation

517. Grundlage der durchgeführten Berechnungen ist ein ökonometrisch gestütztes Mikrosimulationsmodell

in der Tradition von van Soest (1995). Dieser Modelltyp, beruhend auf

einem diskreten Wahlmodell des Arbeitsangebots, hat sich wegen verschiedener Vorzüge

mittlerweile als Standard in der Ex-ante-Evaluation der Wirkungen arbeitsmarkt- oder sozialpolitischer

Maßnahmen etabliert. Insbesondere bleibt das Modell selbst bei komplexen Budgetverläufen

in Abhängigkeit vom Arbeitsangebot relativ leicht schätzbar. Hierdurch lassen

sich komplexe Steuer- und Transfersysteme detailgetreu in das Simulationsmodell integrieren.

518. Das eingesetzte Verhaltensmodell beruht auf dem ökonomischen Standardmodell des

Arbeitsangebots. Dieses geht davon aus, dass sowohl Nichterwerbszeit („Freizeit“) als auch

der Konsum von Gütern den Haushalten einen positiven Nutzen stiften. Hierdurch ergibt sich

ein Abwägungsproblem: Bei einer Ausweitung der Freizeit, also einer kürzeren Arbeitszeit,

erzielt der Haushalt unter sonst gleichen Umständen ein geringeres Einkommen aus Erwerbsarbeit,

sodass weniger Konsum möglich ist. Individuen wählen das Arbeitsangebot, das angesichts

dieses Zielkonflikts bei einem gegebenen Bruttostundenlohn, der als Preis der Freizeit

interpretiert werden kann, die aus ihrer Sicht beste Kombination von Freizeit und Konsum

sonstiger Güter ermöglicht.

519. Allerdings geht das gewählte Modell über dieses einfache Entscheidungskalkül hinaus,

indem es die Abstimmungsprozesse innerhalb des Haushalts berücksichtigt. Zum Einsatz

kommt ein so genanntes unitäres Modell, das die Annahme des Einkommenspoolings setzt.

Dies bedeutet, dass Paare eine gemeinsame Nutzenfunktion maximieren, in die die individuellen

Arbeitszeiten jedes Partners sowie das insgesamt verfügbare Haushaltseinkommen eingehen,

während ein potenzielles Arbeitsangebot von weiteren, möglicherweise vorhandenen

erwachsenen Haushaltsmitgliedern nicht betrachtet wird. Somit interagiert lediglich das individuelle

Arbeitsangebot der beiden Partner. Dabei ist insbesondere zugelassen, dass die Partner

ihre gemeinsam verfügbare Freizeit zu steigern versuchen und ein Partner bei einer Einkommenssteigerung

des anderen Partners mit einer Verringerung des Arbeitsangebots reagiert.

520. Das Verhaltensmodell behandelt die Arbeitsangebotsentscheidung als diskrete Wahlentscheidung.

Jedes Haushaltsmitglied hat nur eine Auswahl zwischen einer begrenzten Anzahl

von Arbeitszeitalternativen. Neben der Möglichkeit nicht zu arbeiten, wird zugelassen,

dass Arbeit im Umfang von 10, 20, 30, 40 und 50 Stunden wöchentlich angeboten wird. Zusätzlich

zu den durch die Wochenarbeitszeit abgegrenzten Handlungsmöglichkeiten enthält

das Modell als weitere Kategorie die Möglichkeit, eine geringfügige Beschäftigung mit einem

Bruttoarbeitsentgelt von exakt 400 Euro zu wählen. Diese Erweiterung des Handlungsraums

Sachverständigenrat - Jahresgutachten 2010/11

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