Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

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Weltwirtschaft: Ein Aufschwung der zwei Geschwindigkeiten 27

des Jahres 2008, in Lateinamerika war es etwas mehr als 1 vH (Schaubild 4). Der zwischenzeitliche

Einbruch des Außenhandels in diesen Ländern konnte ebenfalls bereits zu Jahresbeginn

2010 wieder aufgeholt werden.

Im Gegensatz dazu konnte in den meisten Industrieländern das Vorkrisenniveau noch nicht

wieder erreicht werden. Hier liegt das Bruttoinlandsprodukt am aktuellen Rand jedoch bereits

deutlich über dem Tiefstand der Finanzkrise. Dies trifft besonders auf Volkswirtschaften wie

Japan oder den Euro-Raum zu (Schaubild 4). Da die aktuelle Krise vor allem das Verarbeitende

Gewerbe traf, waren diese Regionen aufgrund ihrer Ausrichtung auf den Produktionssektor

stärker in Mitleidenschaft gezogen worden als Länder mit einem größeren Dienstleistungssektor,

wie die Vereinigten Staaten. Auch die Schwellenländer Mittel- und Osteuropas

konnten den Rückgang bisher nicht vollständig aufholen.

Die Schwellenländer als Stütze der Weltwirtschaft

52. Die Expansion der Weltwirtschaft wurde maßgeblich von der guten Konjunktur in den

aufstrebenden Volkswirtschaften vorangetrieben. Insbesondere die Schwellenländer Asiens

konnten nach einer kleinen Konjunkturdelle wieder an die positive Entwicklung vor der Finanzkrise

anknüpfen und der Weltproduktion deutliche Impulse geben (Kasten 1). Ebenso

haben die Länder Lateinamerikas nur einen geringen Schaden genommen: Aufgrund der

Erfahrungen aus früheren Rezessionen bewältigten diese Länder gut vorbereitet – mit großen

Devisenreserven zur Vermeidung von Zahlungsbilanzkrisen und einem weniger in risikoreiche

Geschäfte involvierten Bankensystem – die Krise (JG 2009 Ziffer 49). In den meisten

Schwellenländern kam es kaum zu Verwerfungen, sodass sich dort der wirtschaftliche Aufwärtstrend

ungehindert fortsetzen konnte. Eine Ausnahme bilden die meisten aufstrebenden

Volkswirtschaften in Osteuropa, die im Vorfeld der globalen Rezession hohe Leistungsbilanzdefizite

und steigende Verschuldungsraten aufgewiesen hatten.

Bedeutung der Schwellenländer für die Weltwirtschaft: Stilisierte Fakten

Kasten 1

Seit Jahrzehnten sind die Vereinigten Staaten, Europa und Japan die wichtigsten Wirtschaftszentren

der Welt. Ihre Bedeutung für die Weltwirtschaft ist jedoch in den vergangenen Jahren

zugunsten der Schwellenländer etwas zurückgegangen, da diese an wirtschaftlichem und damit

an politischem Gewicht gewonnen haben. Der Anteil der vier großen Schwellenländer, Brasilien,

Russland, Indien und China (BRIC-Staaten), an der Weltproduktion belief sich im Jahr 2009 in

Kaufkraftparitäten berechnet auf 23,5 vH. Ermittelt man diesen hingegen auf der Grundlage der

tatsächlichen Wechselkurse, hat er sich seit dem Jahr 2004 von 9,2 vH auf 15,6 vH im

Jahr 2009 erhöht. Für die Auswirkung der wirtschaftlichen Entwicklung auf den Rest der Weltwirtschaft

ist die Berechnung zu tatsächlichen Wechselkursen relevanter, da sie zum Ausdruck

bringt, welche Exporterlöse durch den Handel mit diesen Volkswirtschaften erzielt werden können.

Wenn es darum geht, den materiellen Wohlstand in der Weltwirtschaft insgesamt abzubilden,

ist es demgegenüber zweckmäßiger, die Berechnung über Kaufkraftparitäten heranzuziehen

(Schaubild 5).

In den Jahren 2004 bis 2009 belief sich die durchschnittliche jährliche Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts

in China auf 11,1 vH, in Indien auf 8,1 vH, in Russland auf 4,4 vH und in Brasi-

Sachverständigenrat - Jahresgutachten 2010/11

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