Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

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Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

Weltwirtschaft: Ein Aufschwung der zwei Geschwindigkeiten 29

über hinaus hat sich der Einfluss der aufstrebenden Volkswirtschaften auf die Finanzmärkte in

den letzten Jahren deutlich erhöht. So halten die BRIC-Staaten zusammengenommen mit rund

3,7 Bio US-Dollar knapp zwei Drittel der gesamten Devisenreserven weltweit. Allein China verfügt

über Devisenreserven im Umfang von etwa 2,6 Bio US-Dollar und ist damit bereits jetzt

– nach Japan – der zweitgrößte Nettogläubiger der Welt.

Mit dem stetigen Rückgang der Armut eröffnen sich in den aufstrebenden Märkten der Schwellenländer

neue Absatz- und Investitionsmöglichkeiten für Produzenten weltweit (UN, 2010). Allein

das Importvolumen der BRIC-Staaten hat sich seit dem Jahr 1999 mehr als vervierfacht und

entsprach damit im Jahr 2009 etwa 43 vH des Importvolumens der vier größten Industrieländer –

Vereinigte Staaten, Japan, Deutschland und Frankreich. Ebenso stiegen die Privaten Konsumausgaben

in den Schwellenländern relativ zu denen der Industrieländer (gemessen in Kaufkraftparitäten)

im selben 10-Jahres-Zeitraum um 10 Prozentpunkte auf 33 vH (The World

Bank, 2010).

Die Schwellenländer werden voraussichtlich auch zukünftig ihre Stellung in der Weltwirtschaft

ausbauen: Dazu könnte zum einen eine relativ junge Bevölkerung – zumindest in Brasilien und

Indien – und die in den vergangenen Jahren deutliche Zunahme der Studierenden in den

Schwellenländern beitragen, wenn es gelingt, den Kapitalstock mindestens in gleicher Weise zu

steigern. Mit der zunehmenden Binnenorientierung der aufstrebenden Volkswirtschaften sollte

sich ihre Nachfrage weiterhin positiv entwickeln und diese für den Weltmarkt erheblich an Bedeutung

gewinnen. Allerdings bleibt festzustellen, dass die gesamte Inländische Verwendung

der BRIC-Staaten im Jahr 2008 (zu tatsächlichen Wechselkursen) lediglich knapp zwei Dritteln

der Inländischen Verwendung der Vereinigten Staaten entspricht; zudem ist der Anteil Chinas

und Indiens an der Weltproduktion mit zusammengenommen knapp 10 vH noch immer deutlich

geringer als der der großen Industrieländer.

Schleppende Erholung der Industrieländer

53. Nach einer deutlichen Erholungsphase seit dem zweiten Quartal 2009 schlug die Wirtschaftsentwicklung

in den Industrieländern zur Jahresmitte aufgrund auslaufender Konjunkturprogramme

und der notwendigen Konsolidierung in einigen Ländern eine langsamere

Gangart ein. Belastungen für die Konjunktur im Prognosezeitraum ergeben sich aus vier

Problemfeldern: Diese sind der Finanzsektor, der Immobiliensektor, die Staatsverschuldung

und der Arbeitsmarkt.

54. Selbst zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank

Lehman Brothers fehlt an den internationalen Finanzmärkten immer noch das vollständige

Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems. Die Betrachtung der Interbankenmärkte

zeigt, dass Banken mit ihren Ausleihungen untereinander noch nicht zu dem vor der

Krise gewohnten Niveau zurückgekehrt sind (Schaubild 35, Seite 139). Zudem beinhalten die

Bankbilanzen weltweit immer noch einen großen Abschreibungsbedarf, der sich aus der nicht

nachhaltigen Kreditvergabe im Immobilienbereich ergibt und infolge der realwirtschaftlichen

Krise entsteht (Ziffern 245 ff.). Wie zukünftige Regulierungsvorschriften die Ertragssituation

und die Kreditvergabepolitik der Banken beeinflussen werden, ist aus heutiger Sicht nur

schwer abzuschätzen (Schaubild 6, oben links, Seite 30).

Sachverständigenrat - Jahresgutachten 2010/11

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