Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

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46 Die wirtschaftliche Lage und Entwicklung in der Welt und in Deutschland

II. Deutschland: Der starke Aufschwung verliert an Fahrt

89. Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland wurde seit Jahresmitte 2009 maßgeblich

durch die Verbesserung der globalen Konjunktur getragen. Die Binnennachfrage verzeichnete

zunächst einen eher verhaltenen Anstieg. Erst im Frühjahr 2010 wurden vermehrt

inländische Nachfrageeffekte wirksam: Der private Konsum stieg zur Jahresmitte 2010 erstmals

seit den zurückliegenden drei Quartalen an; ebenso haben die Ausrüstungsinvestitionen

im Frühjahr Tritt gefasst. Bei einer nach wie vor unterdurchschnittlichen gesamtwirtschaftlichen

Kapazitätsauslastung dürften die Investitionen eher noch dem Ersatz als der Erweiterung

der Produktionskapazitäten dienen. Die Bauinvestitionen legten ebenfalls sehr kräftig zu,

nachdem sie witterungsbedingt durch einen besonders kalten Winter zuvor gebremst worden

waren. Insgesamt wird der Wachstumsbeitrag der inländischen Verwendung aller Voraussicht

nach im Jahr 2010 höher sein als der des Außenbeitrags.

90. Aktuell befindet sich die deutsche Wirtschaft in einem unsicheren globalen Umfeld,

verursacht durch die stark heterogene Wirtschaftsentwicklung in den verschiedenen Volkswirtschaften.

Die Konjunktur in den Schwellenländern scheint von der zurückliegenden Krise

weniger beeinflusst zu sein, und sie sollten weiterhin expandieren. In vielen Industrieländern

ist jedoch zu erwarten, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt und die Konsolidierung der

Staatsfinanzen zu einer Abschwächung der Produktion führen wird. Die deutsche Wirtschaft

wird davon voraussichtlich über die Exporte beeinträchtigt werden.

Dagegen gibt es Anzeichen, dass im Prognosezeitraum zunehmend Wachstumsimpulse aus

dem Inland die Konjunktur antreiben könnten. Der robuste Arbeitsmarkt, ein niedriges Zinsniveau

und günstige Finanzierungsbedingungen könnten die Weichen für ein Anziehen des

privaten Konsums und der Bauinvestitionen stellen. Nachholbedarf wird ebenfalls bei den

Ausrüstungsinvestitionen gesehen. Verglichen mit der Situation zu Beginn der Währungsunion

könnte die deutsche Wirtschaft stärker durch die am Durchschnitt orientierte einheitliche

Geldpolitik der EZB entlastet werden. Insgesamt sind die Anzeichen gut, dass Deutschland in

Zukunft zu den am stärksten expandierenden Volkswirtschaften im Euro-Raum gehören wird.

91. Überraschend robust zeigte sich in den vergangenen zwei Jahren der deutsche Arbeitsmarkt,

da zunächst trotz des ausgeprägten Produktionseinbruchs kaum Beschäftigung

abgebaut, vielmehr im Zuge der seit einem Jahr andauernden Erholung neue Arbeitsplätze

geschaffen wurden (Kasten 2, Seiten 50 ff.). Damit verlief in diesem Bereich die Entwicklung

entgegengesetzt zu der in anderen Industrieländern, die teilweise stark gestiegene Arbeitslosenquoten

zu verzeichnen hatten, deren Abbau – wenn überhaupt – nur sehr zögerlich vonstatten

geht (Schaubild 6, unten rechts). Ebenso fällt im internationalen Vergleich der Anstieg

der Staatsverschuldung in Deutschland niedrig aus, trotz Konjunkturpaketen und den massiven

Stützungsbemühungen für das Finanzsystem.

Damit sind die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt und die öffentlichen Finanzen

weniger stark ausgeprägt als in anderen Ländern. Im Ergebnis zeigen sich daher bisher keine

durch eine höhere Arbeitslosigkeit verursachten Bremseffekte. Vielmehr konnten weite Bereiche

der deutschen Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten und sind – auch aufgrund

Sachverständigenrat - Jahresgutachten 2010/11

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