Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

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Chancen für einen stabilen Aufschwung - Sachverständigenrat zur ...

Deutschland: Der starke Aufschwung verliert an Fahrt 47

der Arbeitskräftehortung während der Krise – nun in der Lage, auf die sich erholende Nachfrage

mit zeitnaher Produktionsausweitung zu reagieren. Faktoren, die zu der besser als erwarteten

Entwicklung sicherlich beigetragen haben, sind neben der robusten Arbeitsmarktentwicklung

die durch die Krise nahezu unbeeinflusste Konjunktur in den Schwellenländern

und weniger ausgeprägte Probleme der Finanzierungsbedingungen der Realwirtschaft. Demnach

sind die Effekte der Wirtschaftskrise auf das Produktionspotenzial geringer einzuschätzen

als noch vor einem Jahr befürchtet.

1. Produktionspotenzial und Output-Lücke

92. Das mit dem produktionstheoretischen Verfahren des Sachverständigenrates ermittelte

Produktionspotenzial ist vom Jahr 2009 auf das Jahr 2010 um 1,3 vH gewachsen (Tabelle 7).

Die negative Output-Lücke hat sich in diesem Zeitraum in etwa halbiert und beläuft sich im

Jahr 2010 auf 2,0 vH. Damit entspricht die aktuelle Wachstumsrate des Produktionspotenzials

in etwa dem Durchschnitt der vorhergehenden fünf Jahre. Obwohl die Ermittlung dieser

Größe gerade in Zeiten extremer Konjunkturentwicklung mit einiger Unsicherheit behaftet ist,

ergeben die Berechnungen, dass das Produktionspotenzial von der Krise bislang nicht erkennbar

beeinträchtigt worden ist.

Zeitraum 1)

Potenzialwachstum nach dem Verfahren des Sachverständigenrates

Produktion

vH

Arbeitsvolumens

1971 bis 1980 2,7 – 0,8 0,9 2,6

1981 bis 1990 2,3 0,0 0,6 1,8

1991 bis 2000 2,1 – 0,1 0,6 1,6

2001 bis 2006 1,3 – 0,1 0,5 1,0

2007 1,2 – 0,0 0,4 0,8

2008 1,2 0,0 0,4 0,8

2009 1,2 0,1 0,4 0,8

2010 1,3 0,2 0,4 0,8

2011 1,3 0,2 0,4 0,8

2012 bis 2016 1,0 – 0,2 0,3 0,8

1) Für die Zeiträume durchschnittliche jährliche Veränderung in vH.

Davon: Wachstumsbeitrag des/der

Kapitalstocks

Prozentpunkte

Tabelle 7

totalen Faktorproduktivität

93. Diese Entwicklung war im letzten Jahr nicht unbedingt erwartet worden. Erfahrungen

aus vergangenen Wirtschaftskrisen haben gezeigt, dass insbesondere Finanzkrisen einen signifikant

negativen Einfluss auf die Potenzialwachstumsrate haben (JG 2009 Ziffer 73; Cerra

und Saxena, 2008; Furceri und Mourugane, 2009). Theoretisch können dabei alle Komponenten

einer klassischen Wachstumszerlegung – Arbeitsvolumen, Kapitalstock und totale Faktorproduktivität

– in Mitleidenschaft gezogen werden (JG 2009 Ziffern 74 ff.). Trotz des extrem

starken Einbruchs der Konjunktur im Jahr 2009 sind für das Arbeitsvolumen und den Kapitalstock

bisher keine gravierenden Auswirkungen auf die trendmäßige Entwicklung festzustellen.

Aufgrund des moderaten Anstiegs der Erwerbslosigkeit im vergangenen Jahr und eines

Beschäftigungsausbaus im Jahr 2010 setzt sich der ab dem Jahr 2005 zu verzeichnende Rück-

Sachverständigenrat - Jahresgutachten 2010/11

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