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Allalin News Nr. 11

Allalin News Nr. 11

2 Editorial

2 Editorial Ungewöhnliches Souvenir Sie war die erste im Saastal und bildete den Grundstein für den Aufbau des Winterund Sommertourismus: die Luftseilbahn Spielboden. Am 7. Juli 1954 ging sie im Gletscherdorf Saas-Fee in Betrieb und sollte fortan mit ihren 32 silbergrauen Gondeln bis zu 220 Personen pro Stunde auf 2448 m ü. M. befördern. 1976 Nadja Carmine Redaktorin Allalin-News folgte die markante orangene Bahn und brachte auf 96 Gondeln erweitert, stündlich bis zu 860 Gästen das Reich der Murmeltiere näher. Ja, sie waren herzig anzusehen, diese orangenen Kabinen. Fahrende Zeitzeugen. Nostalgie pur. Und doch war die Zeit längst reif für eine moderne Bergbahn. Und die kommt bald. Auf diese Wintersaison hin wird die neue Spielbodenbahn eröffnet. In 8,5 Minuten wird die zwei Sektionen umfassende Anlage mit ihren 39 anthrazitfarbenen 10er-Kabinen 1400 Personen in der Stunde komfortabel ans Ziel transportieren. Die Zeit des Neubeginns ist indes auch der passende Moment, Revue passieren zu lassen. Manch einer verbindet mit dem orangenen Bähnchen persönliche Geschichten. Was die 96 Gondeln wohl alles erfahren haben? Welche Geheimnisse wurden dort ausgetauscht? Wie manche Streitereien mussten sie ertragen? Vieles mag in diesen kleinen 4er-Gondeln passiert sein. Lustiges, Ärgerliches, Wichtiges und Belangloses. Und sicherlich reichlich Schönes und Unvergessliches. Es müssen besonders glückliche Momente gewesen sein, die einige Feriengäste hier erlebt und sie zum Kauf einer ausrangierten Kabine bewogen haben. Es sind Menschen, die das Saastal in ihr Herz geschlossen und für eine Gondel weder Franken noch Aufwand gescheut haben. Denn der Kauf ist eine Sache, der Transport und eventuelle Zollmodalitäten eine andere. Die alten Gondeln leben weiter! Nicht mehr in Saas-Fee, da findet sie der Gemeinderat zum Dorfbild unpassend. Der Weg für die grosse weite Welt stand ihnen somit frei. Als Gartenhäuschen, Fondue-Hütte, Fumoir, Spielstätte, Dekorationselement und sogar Elternbesprechungszimmer finden die Spielboden-Bähnchen eine neue, sinnvolle Bestimmung. Saaser Freunde, Luftseilbahn-Fans und Nostalgiker rühren so auf sympathische Weise kräftig die Werbetrommel für die Freie Ferienrepublik Saas-Fee. 145 Kilogram Nun sind sie weg – die 96 orangenen Gon Besitzer? Myriam Imseng, Sekretärin bei de 96 Gondeln, von 1 bis 96 durchgehend inklusive der 13 nummeriert, suchten neue Besitzer und fanden sie. Saas-Fee-Fans, Luftseilbahn-Liebhaber und Nostalgiker scheuten keine Mühen und waren gerne bereit, für ein ungewöhnliches Saaser Souvenir einiges an Geld auszugeben. Myriam Imseng hat das besondere Verkaufsprojekt von Anfang an begleitet und kennt die Geschichten, welche die Menschen mit der orangenen Spielbodenbahn verbindet. Myriam Imseng, gingen die Gondeln schnell weg? «Ja, wir konnten sogar auf eine Publikation verzichten, dass die Gondeln zum Kauf angeboten werden. Nachdem feststand, dass die neue Spielbodenbahn gebaut wird, bekamen wir direkt Anfragen.» Welche Nummern waren sehr begehrt? «Für die meisten Käufer war es zweitrangig, eine bestimmte Nummer zu erhalten. Sie waren an der Gondel an sich interessiert und nicht speziell auf eine Nummer fokussiert. Vielfach wurde dann der Jahrgang oder die Lieblingszahl ausgewählt.» Sind denn diese mittlerweile 40-jährigen Kabinen noch in einem passablen Zustand? «Obwohl schon 40 Jahre alt, präsentieren sich ausser zwei Ausnahmen alle Gondeln in einem noch erstaunlich guten Zustand.» Was sind das für Menschen, die eine Gondel gekauft haben? «Das sind alles Menschen, die eine enge Beziehung zu Saas-Fee haben, vor allem Stammgäste und Zweitwohnungsbesitzer. Mit der Spielbodenbahn verbinden sie sehr spezielle Erinnerungen. Ein Käufer erzählte mir, dass er in dieser Bahn seiner Liebsten einen Heiratsantrag gemacht hatte. Mit dem Erwerb einer Gondel nehmen sie ein Stück Saas-Fee, ein Souvenir des Glücks, mit nach Hause. Das ganze Projekt macht mir eine Riesenfreude. Im Kontakt mit den Gästen habe ich gespürt, wie sehr ihr Herz für Saas-Fee schlägt.» Wo fanden die Gondeln ein neues Zuause? «50 Prozent blieben in der Schweiz, die andere Hälfte verschlug es in verschiedene europäische Länder. Deutschland ist mit 16 Gondeln am stärksten vertreten, dann folgen die Niederlande, Grossbritannien, Frankreich und Österreich.» Kauften auch Einwohner von Saas- Fee Gondeln? «Nein, wohl auch deshalb nicht, weil der Gemeinderat entschieden hatte, dass das Aufstellen dieser orangenen Kabinen aus ästhetischen Gründen im Gletscherdorf untersagt ist. Man wollte damit eine Störung des Ortsbildes mit zu vielen Gondeln vermeiden.» Was kostet denn dieses besondere Saaser Souvenir? «Eine Gondel kostet 1200 Franken. Davon spenden wir 10 % an Blindspot, der Schweizer Förderorganisation für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung. Zum Preis von 1200 Franken kommen aber noch Transportkosten und bei Ausfuhr ins Ausland die Zollgebühren hinzu. Die Handhabung mit dem Zoll war wirklich nicht alltäglich. Denn für die Ausfuhr einer Gondel für den Privatgebrauch gibt es keine fixen Regelungen. Und so galt es, je nach Transportfirma und Zollamt andere spezielle Ausfuhrpapiere auszufüllen.» Dann mussten manche Käufer tiefer ins Portemonnaie greifen? «Das kann man wohl sagen. Je nach Distanz kostete der Transport innerhalb der Schweiz 200 bis 650 Franken. Käufer aus dem Ausland hatten Transportkosten zwischen 850 und 1200 Franken pro Gondel zu bezah-

29. Juli – 12. August 2016 Aktuell 3 m Saaser Ferienglück deln der alten Spielbodenbahn. Wohin hat es sie verschlagen? Wer sind ihre neuen n Saastal Bergbahnen AG, weiss Bescheid. Myriam Imseng: «Das Spielboden-Gondel-Verkaufsprojekt ist mir sehr ans Herz gewachsen.» len. Dazu kamen für die Verzollung noch 150 Franken hinzu. Alles in allem belastete eine Gondel das Budget mit bis zu 2500 Franken.» Haben manche Käufer ihre Gondel selber abgeholt? «Auch das kam vor. Unvergesslich in Erinnerung bleibt mir ein britischer Stammgast, der seine Gondel in Saas- Fee persönlich mit seinem Lastkraftwagen abgeholt hat. Sämtliche Gondeln befanden sich ja auf dem Parkplatz Alte Spielboden-Gondeln P4. Der Transportdienst der Gemeinde Saas-Fee war uns beim Aufladen eine grosse Hilfe.» Wie viel betragen überhaupt die Masse einer Gondel? «Eine Kabine ist 1,85 Meter hoch, 1,23 Meter breit und 1,72 Meter lang. Sie wiegt 145 Kilogramm, inklusive Gehänge sind es dann 260 Kilogramm.» War denn das Gehänge auch gefragt? «Selten wünschten Käufer auch das Gehänge. Der Mehrheit reichte die 145 Kilogramm schwere Kabine.» Gab es Gäste, die mehrere Gondeln gekauft haben? «Ja, das waren aber nur ganz wenige. So zum Beispiel ein Niederländer, der vier Gondeln und einen Originalteil der Masten erworben hat. Diese will er vor seinem Sportgeschäft installieren und zum Fahren bringen. Sieben Gondeln hat der Walliser Keller in Zürich gekauft. Dieses Restaurant ist als erstes Konsulat der Freien Ferienrepublik Saas-Fee der Treffpunkt für Saaser Freunde in der Deutschschweiz. Gastgeber John Rusterholz lässt die Gondeln renovieren und wird sie als Fondue-Hütten einsetzen.» Für was werden die Gondeln auch noch verwendet? «Die meisten Käufer nutzen die Gondel als Gartenhäuschen. Dann aber auch als Fumoir und Kinderspielstätte. Ganz speziell finde ich die Idee eines Schweizer Lehrers für seine Schule: In der Kabine lädt er zu Elterngesprächen ein.» Sie stehen ja noch immer in gutem Kontakt mit den Besitzern, erhalten von ihnen Schnappschüsse mit den alten Spielboden-Gondeln. Wie waren die Reaktionen aus derem Umfeld auf die orangenen Kabinen? «Es gibt doch für die Destination Saas-Fee/Saastal nichts Besseres, als wenn Stammgäste mit den Spielboden-Kabinen authentische Werbung für unsere Feriendestination machen. Obwohl die Gondeln nicht mit einem Logo beschriftet sind, fallen sie auf. Manche Käufer schmücken sie selber mit Saas-Fee-Klebern. Die Besitzer kommen mit Nachbarn und anderen Leuten ins Gespräch und erzählen ihnen von der glücklichen Zeit, die sie bei uns erlebt haben.» Nadja Carmine ☛ Symbolischer Spatenstich für die neue Spielbodenbahn auf Seite 4. Gruss aus der neuen Heimat Simon Philp, Somerset/GB: «Grossartig!» Die Seilbahn-Kabine Nummer 52 ging nach Grossbritannien. Simon Philp aus Somerset schreibt uns: «Die Spielboden-Gondel hat in unserem Garten ein schönes Plätzchen gefunden. Wir verwenden sie als Sommerhäuschen. Hier trinken wir am Morgen unseren Kaffee und geniessen abends manchmal einen Gin Tonic. Wir lieben diese Gondel und auch unsere Freunde finden sie einfach grossartig.»

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