aerokurier 09/2016
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9/<strong>2016</strong> Deutschland € 5,50 / Schweiz sfr 10 / Österreich € 6,30 / Benelux € 6,40 / Finnland € 8,30 www.<strong>aerokurier</strong>.de / 60. Jahrgang<br />
<strong>aerokurier</strong><br />
DAS MAGAZIN FÜR PILOTEN<br />
plus 24 Seiten<br />
Helikopter<br />
Special<br />
Flugausbildung<br />
Verkehrspilot<br />
mit Bachelor<br />
ALS VOLUNTEER<br />
IN OSHKOSH<br />
Bahamas<br />
VON INSEL<br />
ZU INSEL<br />
10 Jahre Quax-Verein<br />
Typen und Typen<br />
Doppelsitzerklasse<br />
Ohne Index in<br />
die Zukunft?<br />
Restauration Foka 4<br />
Zweifaches<br />
Do-it-Yourself
Das neue Magazin über das<br />
älteste Getränk der Welt.<br />
www.bier-magazin.de
[ EDITORIAL September ]<br />
Segelflieger in einem<br />
„Boot“ – auch wennn es<br />
auf den ersten Blick gar<br />
nicht so aussieht.<br />
ZERSPLITTERT?<br />
Seit vergangenen Herbst gibt es einen weiteren deutschen Verband, der<br />
Luftsportinteressen vertritt: den Deutschen Segelflugverband. Vom DAeC<br />
wird er zurzeit heftig befehdet.<br />
Gerhard Marzinzik,<br />
Stellvertr. Chefredakteur <strong>aerokurier</strong><br />
Der Deutsche Aero Club vereinigt den deutschen Luftsport unter einem Dach. Viele Luftsportler sind<br />
hier indirekt Mitglied – über ihre Vereine und deren Organisation in den DAeC-Landesverbänden.<br />
Viele andere sind Mitglied über Sportfachverbände: die Ballonfahrer, die Drachen- und Gleitschirmflieger,<br />
die Fallschirmspringer.<br />
In einem eigenen Fachverband schlagkräftiger die Interessen des Segelflugs vertreten zu können,<br />
das war auch die Intention der Gründer des DSV. Im DAeC hatten sie sich integrieren wollen und<br />
wollen es wohl immer noch. Der eigene Verband sollte aber die Möglichkeit der unabhängigen Vertretung<br />
nach außen und der eigenständigen finanziellen Verwaltung einräumen. Als Galionsfigur<br />
wirbt jetzt Spitzensportler Bruno Gantenbrink für diese Idee.<br />
Im DAeC hat man sich damit nicht anfreunden können. DAeC-Präsident Wolfgang Müther hatte mit<br />
einem offenen Brief gleich heftig gegen den DSV geschossen. Man sieht mit der Ausgründung des<br />
DSV den Dachverband geschwächt. Aber ist das wirklich so?<br />
Um den Erhalt des Luftraums für den Sport treten jetzt zwei Verbände bei der Deutschen Flugsicherung<br />
und dem Verkehrsministerium auf: der Arbeitskreis Unterer Luftraum Segelflug – im Wesentlichen<br />
in der Zusammensetzung des bisherigen AUL – und ein neuer Bundes-AUL des Deutschen Aero<br />
Clubs, in dem verschiedene Luftsportsparten vertreten sind. Der AUL-S vertritt die Interessen von<br />
28 000 deutschen Segelfliegern. Für den Segelflug in Deutschland kann das ein Segen sein. Denn der<br />
Segelflug ist wohl der Luftsport mit den weitestgehenden Ansprüchen an Luftraumfreiheit. Wo ein<br />
Motor-, UL-Pilot oder Modellflieger mit einem Luftraumangebot schon zufrieden ist, kann ein Segelflieger<br />
das noch lange nicht sein.<br />
Getrenntes Vorgehen kann durchaus von Nutzen sein für alle. Geschwächt muss sich da der Dachverband<br />
keineswegs sehen. Sich intern zu befehden ist aber keine Lösung.<br />
Diskutieren Sie mit! Wir freuen uns über eine E-Mail (redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de), ein Fax (+49 711 182-1781)<br />
oder einen Brief (Redaktion <strong>aerokurier</strong>, Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart) für unser Leserforum. Bitte vergessen<br />
Sie nicht, Ihre Adresse und Telefonnummer für eventuelle Rückfragen anzugeben.<br />
Fotos: Marzinzik, Weitzel<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 3
24<br />
Cessna-Treffen<br />
Fly-in der Cessna-<br />
Liebhaber in Jena-<br />
Schöngleina<br />
Motorfliegen<br />
6 Reportage: Bahamas<br />
Wasserfliegen in der fantastischen<br />
Inselwelt der Karibik<br />
16 AirVenture <strong>2016</strong><br />
Oshkosh ist mit nichts zu vergleichen.<br />
So richtig erlebt man das<br />
Mega-Ereignis erst als Volunteer<br />
24 Cessna-Treffen<br />
Mit Alt und Neu zum Erfahrungsaustausch<br />
nach Jena<br />
34 Zehn Jahre Quaxe<br />
Der <strong>aerokurier</strong> blickt zurück,<br />
wie alles begann, und lässt<br />
die Oldtimerfans über ihre<br />
Lieblingsflugzeuge berichten<br />
Titelthemen<br />
im Abo<br />
Coupons auf S. 115 und Special S. 24<br />
Magazin<br />
29 Pilot mit Bachelor<br />
Immer mehr Flugschulen bieten<br />
eine Ausbildung mit Studium an<br />
32 Rotax mit Hybridantrieb<br />
Ein elektrischer Zusatzantrieb<br />
von Axter Aerospace<br />
46 Kolumne<br />
Dr. Spornrad sinniert über Sinn<br />
und Unsinn von Fliegeruhren<br />
Business Aviation<br />
42 Die Embraer-Jets<br />
Die junge Familie der Embraer-<br />
Business-Jets im Überblick<br />
Inhalt Nr. 9 <br />
September <strong>2016</strong> I 60. Jahrgang<br />
16<br />
4 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong><br />
<strong>aerokurier</strong> gibt es auch als E-Paper.<br />
Mehr Infos: www.<strong>aerokurier</strong>.de/epaper
Praxis<br />
71 Vertraut machen<br />
Was Piloten bei neuen Mustern<br />
beachten müssen<br />
74 Produkte für Piloten<br />
Nützliches und Schönes<br />
75 Expertentipp<br />
Umgang mit Propellerschäden<br />
76 Avioniktest<br />
Garmin aera 660 mit dem GDL 39<br />
– das mobile Glascockpit<br />
Segelfliegen<br />
78 SZD-24 Foka 4<br />
Flieger neu, Anhänger neu:<br />
eine doppelte Restauration<br />
83 Rendezvous der AS-Piloten<br />
Das etwas andere Fluglager für<br />
Schleicher-Fans<br />
84 Doppelsitzerklasse<br />
Die Wettbewerbsklasse in der<br />
Diskussion – ein Kommentar<br />
86 WSPA-Seminar<br />
Theorie- und Praxistraining (fast)<br />
nur für Frauen<br />
87 Segelfliegen News<br />
88 Meteo-Rückblick<br />
Launischer Sommer<br />
90 Unfallanalyse<br />
Beim ersten Alleinflug stürzt eine<br />
Flugschülerin tödlich ab<br />
93 Organisierter Segelflug<br />
Der DAeC im Wettstreit mit dem<br />
Deutschen Segelflugverband<br />
UL/LSA<br />
112 Porträt Jörg Hannemann<br />
Der Werkspilot von Comco<br />
Ikarus erklärt seinen Job<br />
Rubriken<br />
3 Editorial<br />
23 Leserforum<br />
94 <strong>aerokurier</strong>-Markt<br />
104 Jobbörse<br />
111 Termine<br />
111 Impressum<br />
114 Vorschau<br />
42<br />
32<br />
71<br />
Helikopter-Special<br />
3 lntro/Inhalt<br />
4 Die Erfolgsgeschichte der Bo 105<br />
Technik und Geschichte des ersten Hubschraubers<br />
der jungen deutschen Luftfahrtindustrie<br />
10 Technikreport: Robinson R66 Turbine<br />
Was das Topmodell von Robinson kann<br />
14 Frank Robinson<br />
Der Mann hinter R22, R44 und R66<br />
16 Konner K2 aus Italien<br />
Turbinenhubschrauber der Ein-Tonnen-Klasse<br />
18 Branchenguide <strong>2016</strong>/2017<br />
Helikopterbetreiber in Deutschland, Österreich,<br />
der Schweiz und Liechtenstein<br />
Titelfotos: Adam, MPS Quax, Reinhold<br />
Fotos: Embraer, Martini, Marzinzik (2), Prinzing, Robinson Helicopter<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 5
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Inselhopping auf den Bahamas<br />
ISLANDS<br />
Unter den Tragflächen leuchtet das Wasser in allen Blau- und<br />
Türkisnuancen, die man sich vorstellen kann, nur unterbrochen<br />
vom Weiß der Strände sowie dem intensiven Grün der<br />
Insel vegetation. Mit dem eigenen Flugzeug auf die Bahamas<br />
zu fliegen ist ein Traum, sich diesen Traum jedoch mit<br />
einem Amphibium zu verwirklichen, ist nicht zu toppen.<br />
AUTOREN: Sam Browne, Jörg Adam<br />
FOTOS: Jörg Adam<br />
6 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
IN THE SUN<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 7
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
[ 1 ]<br />
[ 4 ]<br />
8 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Vollgas, gleiten und abheben: Mit einer 172er auf Floats lassen sich die Bahamas<br />
unkonventionell erkunden. [ 2 ] Nicht nur Menschen fühlen sich im Inselparadies<br />
sauwohl. Wie die Schweine nach Big Major Cay kamen, ist ungewiss, in jedem Fall<br />
leben sie hier den Traum vom ewigen Strandurlaub. [ 3 ] Das Meer um die Inseln<br />
schimmert in unzähligen Blautönen. [ 4 ] Frei parken: Wenn die Cessna wassert und<br />
die Robinson am Strand landet, beginnt für die Crews das Sightseeing am Boden.<br />
[ 3 ]<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 9
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Von den rund 700<br />
Inseln, die zu den<br />
Bahamas gehören,<br />
sind nur 30 bewohnt.<br />
10 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Warum nicht das Angenehme<br />
mit dem Nützlichen<br />
verbinden, dachten<br />
Andreas, Fritz, Denis<br />
und Bernd, als sie Anfang des<br />
Jahres berufsbedingt zur weltgrößten<br />
Hubschraubermesse in die USA<br />
reisen mussten. Gesagt, getan. Die<br />
Abreise zur Heli-Expo wurde um ein<br />
paar Tage vorgezogen, um vor der<br />
Messe einen Abstecher auf die Bahamas<br />
zu machen.<br />
Andreas hat das Privileg, auf die<br />
172er Float-Cessna eines Freundes<br />
zugreifen zu können. Er kommt mit<br />
der 1977 gebauten Einmot aus Fort<br />
Myers zum Miami Opa Locka Executive<br />
Airport, wo er mich, der mit der<br />
Linie angereist ist, aufsammelt. Den<br />
beim Chartern in einer Flugschule<br />
fälligen Checkflug benötigt Andreas<br />
nicht, denn dieses Flugzeug hat er<br />
sich nicht zum ersten Mal geliehen.<br />
Fritz und Denis nutzen den USA-<br />
Aufenthalt, um ein paar Helikopterstunden<br />
zu sammeln. Auch sie können<br />
sich die Robinson R44 von einem<br />
befreundeten Piloten für das Inselhopping<br />
borgen.<br />
Am FBO in Opa Locka fühle ich<br />
mich in einer Einmot zwischen den<br />
ganzen Business Jets fast fehl am<br />
Platz. Andreas bereitet den Weiterflug<br />
vor, übermittelt den Flugplan und<br />
erledigt den notwendigen Papierkram<br />
für die Ausreise. Normalerweise sollte<br />
der Flug nach North Eleuthera,<br />
unserem ersten Flugplatz auf den<br />
Bahamas, gerade einmal zwei Stunden<br />
in Anspruch nehmen. Doch der<br />
Die Floats haben kaum<br />
Tiefgang, so kommt die<br />
172 in Buchten, die selbst<br />
Yachten nicht erreichen.<br />
Das Flugwetter auf den<br />
Bahamas ist fast immer<br />
nahezu perfekt, die<br />
Sichten reichen weit.<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 11
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Vom Schwimmer direkt<br />
ins warme Nass – beim<br />
Inselhopping auf den<br />
Bahamas kein Problem.<br />
Ordnung muss sein,<br />
Spaß aber auch: Polizeibeamte<br />
posieren auf<br />
Eleuthera für ein Foto.<br />
Falsches Element: Wie ein<br />
Pinguin an Land nimmt sich<br />
die Cessna mit ihren Floats<br />
auf der Asphaltpiste aus.<br />
12 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Das maritime Flair wird<br />
noch verstärkt durch die zahl -<br />
reichen Genüsse, die das<br />
Meer den Besuchern bietet.<br />
Wind weht aus Osten und wird unsere<br />
Flugzeit etwas verlängern.<br />
Um 11 Uhr local starten wir in Opa<br />
Locka und überqueren kurze Zeit nach<br />
dem Start schon den Strand von<br />
Miami Beach. In Reiseflughöhe ist es<br />
ungewöhnlich bockig, und die Ground<br />
Speed sinkt auf 80 Knoten. Das Meer<br />
ist tiefblau, nach einiger Zeit ist kein<br />
Land mehr zu sehen. Auch die Dunstglocke<br />
über Miami ist hinter uns<br />
hinter dem Horizont verschwunden.<br />
Die Insel Eleuthera ist 170 Kilometer<br />
lang, misst an der breitesten Stelle<br />
aber nur fünf Kilometer. Dank der<br />
guten Sicht heute erkennen wir sie<br />
als dünnen Strich im Wasser schon<br />
auf große Distanz.<br />
Nach zwei Stunden und 20 Minuten<br />
ist der Flugplatz North Eleuthera,<br />
unser „Port of Entry“, auf den Bahamas<br />
erreicht, und wir erledigen die<br />
Einreiseformalitäten. Vom Customs<br />
Department erhalten wir ein Dokument,<br />
das wir bei der Ausreise wieder<br />
abgeben müssen. Außer unserer<br />
rot-weißen N59XP steht nur noch ein<br />
zweistrahliger Leichtjet auf dem<br />
überschaubaren Vorfeld. Ein Tankwagen<br />
kommt vorgefahren und befüllt<br />
die beiden Flächentanks unserer 172<br />
mit Avgas. Wir wollen heute noch<br />
weiter nach Süden fliegen, unser<br />
Tagesziel ist der Flugplatz Staniel<br />
Cay. Auf dem einstündigen Flug dorthin<br />
leuchtet das Wasser unter den<br />
Tragflächen der Cessna in allen nur<br />
denkbaren Blau- und Grüntönen. Die<br />
Landebahn in Staniel Cay hat eine<br />
Nord-Süd-Ausrichtung, sodass wir<br />
mit sattem Seitenwind landen. Kurz<br />
vor Sunset stößt auch die R44 zu uns.<br />
Ein Golfcart vom Yacht Club bringt<br />
uns vom Flugplatz zum Hotel. Jetzt<br />
sind wir auch mental auf den Bahamas<br />
angekommen. Denn hier im Yacht<br />
Club empfängt uns karibisches Flair:<br />
Statt Gästezimmern stehen Bungalows<br />
am Strand für uns bereit, überall spielt<br />
Musik und im leichten Wellengang<br />
wiegen sich die Boote der Gäste.<br />
Am nächsten Morgen frühstücken<br />
wir unter wolkenlosem Himmel bei<br />
angenehm warmen Temperaturen<br />
auf der Terrasse. Das Freizeitangebot<br />
ist groß: Kajaks, Stand-up Boards und<br />
andere Wassersportgeräte stehen den<br />
Gästen kostenfrei zur Verfügung. Der<br />
Yacht Club hält sich ein paar „Haustiere“<br />
in Gestalt von Ammenhaien<br />
und Stachelrochen. Sie werden regelmäßig<br />
mit Küchenabfällen gefüttert<br />
und sind für die Hotelgäste völlig<br />
harmlos, versichert man uns.<br />
Doch wir wollen noch ein wenig<br />
fliegen. Andreas kennt sich aus und<br />
will uns einige seiner Lieblingsplätze<br />
zeigen. Hier in Big Major Cay leben<br />
die berühmten Wasserschweine der<br />
Bahamas, denen wir uns allerdings<br />
nicht per Flugzeug, sondern per Boot<br />
nähern. Sie sind eine echte Attraktion.<br />
Es handelt sich um ausgewilderte<br />
Hausschweine, die sich über<br />
mehrere Generationen ihrer Umwelt<br />
angepasst haben. Zehn, vielleicht 15<br />
dieser Tiere nähern sich dem Boot<br />
und wollen gefüttert werden. Melonenschalen<br />
sind ihre bevorzugte<br />
Speise. Sie an Land zu füttern wäre<br />
keine gute Idee, klärt uns die Bootsbesitzerin<br />
auf, denn dann würden die<br />
Schweine ihre gute Kinderstube vergessen<br />
und sich ohne große Rücksicht<br />
und mit einigem Nachdruck über die<br />
Futtervorräte hermachen.<br />
Nachmittags steigen wir in die<br />
Cessna und wollen das Wasserfliegen<br />
auf den Bahamas in vollen Zügen<br />
genießen. Andreas hat seine Favoriten<br />
im GPS gespeichert, die R44 wird<br />
uns begleiten und schöne Air-to-air-<br />
Fotos ermöglichen. Wir dürfen wassern,<br />
wo wir wollen, der Tiefgang der<br />
Floats ist minimal, und so bekommen<br />
wir Zugang zu Buchten, die selbst<br />
Als Flugbetriebsendbier<br />
bietet sich das landeigene<br />
Kalik bestens an.<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 13
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Einfach unkompliziert<br />
fliegen: Auf den Bahamas<br />
ist das mit ein bisschen<br />
Vorbereitung kein Problem.<br />
Spezialitäten werden von<br />
Einheimischen auf<br />
Wunsch frisch zubereitet.<br />
vielen Yachten verschlossen bleiben.<br />
Allerdings muss man dabei gut vorbereitet<br />
sein und die Tidenzeiten<br />
kennen. Dann eröffnen sich wahrhaft<br />
märchenhafte Perspektiven: Wir wassern<br />
direkt vor einer Sandbank, steigen<br />
aus dem Flugzeug, verankern die<br />
172er und baden in den warmen<br />
Fluten. Wir fliegen in der nahen Umgebung<br />
verschiedene Punkte an und<br />
ankern vor traumhaften Kulissen: Mal<br />
ist der Strand roséfarben, mal haben<br />
ihn ausgeblichene Korallen- und Muschelreste<br />
strahlend weiß gefärbt.<br />
Allen Stränden ist gemeinsam: Wir<br />
treffen kaum andere Menschen. Während<br />
wir wassern, kann die Robinson<br />
am Strand landen und ihre Besatzung<br />
ebenfalls das Wasser genießen. An<br />
unserem zweiten Tag des Aufenthalts<br />
schließen wir nach vier Stunden in<br />
der Luft das Flugbuch.<br />
Am nächsten Tag müssen wir zum<br />
Nassau International Airport fliegen,<br />
weil wir tanken wollen. Fritz muss<br />
heute schon zurück zum Festland<br />
und nutzt einen Linienflieger in Rich-<br />
tung Florida. Für uns geht es aber<br />
weiter zur Insel Norman’s Cay. Dort<br />
liegt im seichten Küstenwasser das<br />
Wrack einer Curtiss C-46 Commando.<br />
Das Flugzeug soll einem Drogenbaron<br />
gehört haben und in den frühen<br />
80er Jahren bei einem Flug, der in<br />
die USA führen sollte, unfreiwillig<br />
gewassert sein. Früher ragte noch<br />
das Leitwerk aus dem Meer, heute<br />
sieht man dem Wrack deutlich an,<br />
wie der Zahn der Zeit an ihm nagt.<br />
Selbst die Rumpfoberschale ist in<br />
Teilen schon dem Wellenschlag zum<br />
Opfer gefallen. Wir steuern noch<br />
mehrere Inseln an, kehren dann wieder<br />
nach Staniel Cay zurück und<br />
lassen den Tag ausklingen.<br />
Am letzten Tag wollen wir uns<br />
noch ein paar weitere Inseln anschauen,<br />
bevor wir uns auf den Rückweg<br />
machen. Andreas bringt die Cessna<br />
172 mit ihren Floats noch einmal vor<br />
einem unbeschreiblich schönen Strand<br />
herunter. Handtücher raus – und ab<br />
ins Nass. Es wäre eine Schande, die<br />
Gelegenheit zu einem letzten Bad im<br />
warmen Meer verstreichen zu lassen.<br />
Dann geht’s zurück.<br />
North Eleuthera, unser Port of<br />
Entry zu den Bahamas, wird auch<br />
unser Ausflugpunkt sein. Wir erledigen<br />
hier die Ausreise- und Zollformalitäten,<br />
geben unser Flugformular<br />
wieder ab und tanken auf, bevor wir<br />
von der 2000 Meter langen Asphaltbahn<br />
abheben und auf Kurs West<br />
gehen.<br />
Dieses Mal schiebt uns der Wind<br />
mit 110 Knoten in Richtung Miami.<br />
Erst bleiben wir noch auf 1000 Fuß<br />
Höhe, dann steigen wir auf Reiseflughöhe.<br />
Der Conti IO-360 schnurrt<br />
wie eine Katze auf dem Schoß, und<br />
die Luft ist ruhig. Bald kommt die<br />
Küste Floridas in Sicht, dann landen<br />
wir schon in Opa Locka. Ich fliege<br />
mit der Linie zurück nach Deutschland,<br />
Andreas bringt die N59XP wieder auf<br />
ihren Heimatplatz und sich auf zur<br />
Messe. Die drei Tage Miniurlaub im<br />
Inselparadies sind schnell verflogen,<br />
die Eindrücke aber werden noch lange<br />
bleiben.<br />
ae<br />
14 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Der Staniel Cay Yacht<br />
Club bietet Bungalows in<br />
exquisiter Lage.<br />
Bevor es weitergeht, heißt<br />
es, unnötiges Ballastwasser<br />
aus den Schwimmern<br />
zu pumpen.<br />
Wohin als nächstes?<br />
Die Karte gibt Aufschluss<br />
über mögliche Ziele.<br />
Ein seltener Anblick: die<br />
172er Schwimmer-Cessna<br />
aus der Perspektive von<br />
Haien und Rochen.<br />
Tipps für Nachahmer<br />
Fliegen zu und auf den Bahamas<br />
ist einfacher, als viele denken. Als<br />
Startpunkt für einen solchen Trip<br />
bietet sich der US-Bundesstaat<br />
Florida geradezu an. Dort sind<br />
etliche Flugschulen beheimatet,<br />
die Flugzeuge an Gastpiloten verchartern.<br />
Deren Fluglehrer können<br />
in den meisten Fällen auch<br />
Tipps für den Flug geben. Bei der<br />
Ein- und Ausreise in die USA sind<br />
einige Punkte in Bezug auf Zollund<br />
Einreisevorschriften zu beachten.<br />
Der jährlich neu erscheinende<br />
„Bahamas & Caribbean<br />
Pilot’s Guide“ ist die beste Informationsquelle<br />
für Piloten, die auf<br />
die Bahamas fliegen wollen. Das<br />
Werk gibt es als gedruckte Ausgabe<br />
und als Download-Version<br />
auf www.pilotpub.com.<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 15
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Mittendrin statt nur dabei sein, als Volunteer in der ersten Reihe<br />
stehen – erst dann lässt sich das große Happening der Luftfahrt,<br />
das AirVenture der Experimental Association of America (EAA) in<br />
Oshkosh, so richtig erleben. Ein Blick hinter die Kulissen.<br />
AUTOR: Thomas Schüttoff<br />
FOTOS: EAA, Florian Morasch, Philipp Prinzing<br />
ANOTHER WEEK<br />
16 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
IN PARADISE<strong>aerokurier</strong><br />
EAA AirVenture Oshkosh <strong>2016</strong><br />
9/<strong>2016</strong> 17
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
[ 4 ]<br />
[ 5 ]<br />
Nein, dies ist nicht der<br />
Bericht eines gehetzten<br />
Reporters, der von einer<br />
Ecke zur anderen rast, um<br />
die Nachrichten über Neuerfindungen<br />
der westlichen Hemisphäre für<br />
die Allgemeine Luftfahrt nach Europa<br />
zu bringen. Es ist ein Bericht aus<br />
dem innersten Zentrum des größten<br />
Luftfahrthappenings, das dieser Planet<br />
zu bieten hat.<br />
Oshkosh ist nicht einfach eine<br />
Messe, ein Treffen oder eine Luftfahrtveranstaltung.<br />
Nicht ohne Grund<br />
ist der offizielle Name des Ereignisses<br />
AirVenture. Um seinen Geist so richtig<br />
zu spüren, muss man früher aufstehen,<br />
früher da sein, länger wach<br />
bleiben und einfach ein Teil davon<br />
sein. Nirgendwo geht das besser als<br />
an der vordersten Linie, der Flightline,<br />
und das als freiwilliger Helfer,<br />
sprich Volunteer. Es ist bereits mein<br />
fünfter Einsatz als Helfer, und vielleicht<br />
animieren meine Zeilen ja auch dazu,<br />
einzusteigen in den Spirit of Oshkosh.<br />
Generell herrscht der Grundsatz,<br />
zuerst für die Sicherheit und dann<br />
für Fun, sprich Freude, zu arbeiten.<br />
Dabei gibt es keinerlei Zeitvorgaben<br />
oder Druck von irgendwoher. Jeder<br />
packt mit an, sei es Tische aufzustellen,<br />
aufzuräumen oder Ausrüstung<br />
zu schleppen. Gemeinsam klappt das<br />
einfach schnell, und man lernt dabei<br />
auch noch jede Menge Leute kennen.<br />
Und die kommen von überall her und<br />
entstammen allen Berufs- und Altersgruppen.<br />
Als Oldtimerliebhaber habe ich<br />
mich wieder bei den Vintage-Leuten<br />
und da für den Einsatz in der Flightline<br />
gemeldet. Zuvor gibt es eine<br />
zweistündige Einweisung. Egal wie
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Präzision mit der North<br />
American AT-6: das AeroShell<br />
Aerobatic Team. [ 2 ] Diese Stinson<br />
Gullwing hatte drei Tage vor der<br />
Anreise nach Oshkosh ihren<br />
Erstflug nach Totalrestauration.<br />
[ 3 ] In Knickerbockern auf dem<br />
Scooter: Unser Autor fühlt sich<br />
wohl. [ 4 ] Nicht weniger als elf<br />
DC-3 oder C-47 wurden dieses<br />
Jahr gezählt. Im Vordergrund eine<br />
Champ. [ 5 ] Die Sonex, ein<br />
Low-Budget-Homebuilt, begeistert<br />
Amateurbauer seit Jahren.<br />
[ 3 ]<br />
[ 1 ]<br />
oft man das gemacht hat, es wird neu<br />
eingewiesen und dokumentiert. Es<br />
geht dabei um den Umgang mit den<br />
Flugzeugen und – noch viel wichtiger<br />
– mit den Menschen. Ein „Welcome<br />
to Oshkosh!“ gehört für den Piloten,<br />
der eben seine Maschine abgestellt<br />
hat, genauso zum Briefing wie freundliche<br />
Ansprachen an die Zuschauer<br />
an der Flightline. Nicht zu vergessen<br />
das professionelle Handling für den<br />
Fall eines Unfalls. Patty „Flash“ Dorlac<br />
ist eine der Chefeinweiserinnen,<br />
die das zu festen Terminen mehrmals<br />
täglich macht. Am Ende der Woche<br />
haben sie und ihre Helfer mehrere<br />
hundert Personen gebrieft.<br />
Viele feste Helfer aus unserer<br />
Gruppe reisen bereits ein bis zwei<br />
Wochen vorher an. Oft geht dafür der<br />
Jahresurlaub drauf. Ich bin ebenfalls<br />
eine knappe Woche vorher da. Dies<br />
hat mehrere Gründe: Zum einen ist<br />
es das tolle Gefühl, Teil der Veranstaltung<br />
zu sein. Zum anderen natürlich<br />
auch, um zu sehen, wie „Oshkosh“<br />
stündlich mehr zu dem wird, was es<br />
sein soll. So kommen viele der Maschinen<br />
und ihre Besatzungen bereits<br />
am Wochenende vorher an. In dieser<br />
Zeit kann man noch tolle Gespräche<br />
führen, neue Leute kennenlernen oder<br />
einfach nur Flugzeuge bestaunen. Es<br />
ist erstaunlich, wie viel Hausrat in<br />
VIELE HELFER KOMMEN IMMER WIEDER UND<br />
VERBRINGEN HIER IHREN JAHRESURLAUB<br />
manch ein Flugzeug passt. Ganze<br />
Küchenzeilen nebst Gasgrill und<br />
Kühlbox stehen plötzlich hinter und<br />
unter den Flügeln. Die Stimmung ist<br />
fantastisch. Jeder ist nett und hilfsbereit.<br />
Ich fühle mich wie im Paradies.<br />
In unserer Flightline-Truppe ist<br />
das ebenso. Farmer Bernhard Brunsgaard<br />
kommt aus Dänemark. Wir<br />
kennen uns seit zwei Jahren, und ich<br />
bewundere seinen Tatendrang. Frühmorgens<br />
der Erste und abends der<br />
Letzte. Dieses Jahr hat er bereits über<br />
120 Stunden geholfen, und die EAA<br />
hat sich unangekündigt mit einem<br />
Freiflugticket für die Ford-Trimotor<br />
bei ihm bedankt. Niemand erwartet<br />
etwas, aber Lob<br />
gibt es von überall<br />
her, und so macht<br />
die Arbeit eben<br />
noch mehr Spaß.<br />
Gene Soucy überzeugte<br />
bei der Nacht-Airshow mit<br />
Aerobatik und effektvoller<br />
Pyrotechnik.<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 19
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
[ 1 ] Die WACO YKC, eine der frühen Kabinen-Wacos des einst<br />
weltgrößten Flugzeugherstellers aus dem Jahr 1934. [ 2 ] Die<br />
kanadischen Snowbirds überzeugten durch präzisen Formationsflug.<br />
[ 3 ] Auch moderneres Gerät flog ein. [ 4 ] Acht Spartan<br />
Executives waren dieses Jahr zu Gast. Der Fünfsitzer zählt zu<br />
den seltensten Oldtimern der späten 1930er Jahre. [ 5 ] Patty<br />
„Flash“ Dorlac bei einer Einweisung der freiwilligen Helfer.<br />
[ 1 ]<br />
[ 4 ]<br />
[ 5 ]<br />
Die „Operation Thrust“ trägt dazu<br />
bei. In einem alten Chevy-Van<br />
sitzen Ehrenamtliche, die unermüdlich<br />
für frische Getränke und Snacks<br />
sorgen. Von selbst gemachter Limonade<br />
bis zur Dosencola und von frischen<br />
Gemüsesnacks bis zur Chipstüte<br />
ist für jeden Geschmack etwas<br />
dabei. Ich bleibe meine zehn Tage<br />
wie gewohnt in meinem Zelt 100<br />
Meter neben der Flightline.<br />
Um 4:30 Uhr klingelt der Wecker,<br />
ab zur Dusche. Den ersten Kaffee<br />
genieße ich eine Stunde später, um<br />
pünktlich um sechs mit großen Augen<br />
und Ohren die ersten sechs Mustangs<br />
an mir vorbeirauschen zu sehen. Zwischen<br />
sechs Uhr und der Ankunft der<br />
ersten Welle Zuschauer gegen zehn<br />
Uhr habe ich schon meine erste Airshow<br />
erlebt. Ich patrouilliere auf<br />
meinem Scooter vor den Zuschauern<br />
und helfe den ankommenden Oldtimern<br />
beim Ein- oder Ausparken. Die<br />
Zeit vergeht wie im Fluge. Nach zehn<br />
Uhr nutze ich manchmal die Zeit für<br />
den Gang durch die Messehallen und<br />
das Static Display. Ehrlich gesagt,<br />
dieses Jahr enttäuschend langweilig<br />
und wenig innovativ. Wo früher noch<br />
Kleinhersteller aus allen Bereichen<br />
der Luftfahrt für ihre Produkte warben,<br />
finden sich heute zahlungskräftigere<br />
Standmieter meist völlig luftfahrtfremder<br />
Produkte. So gibt es neben<br />
Klimbim wie auf einem türkischen<br />
Basar auch Boxspringbetten und<br />
Haushaltszubehör. Eine merkwürdige<br />
Stimmung und von der Qualität<br />
her überhaupt kein Vergleich zur<br />
AERO in Friedrichshafen.<br />
Innovationen <strong>2016</strong>? Also entweder<br />
habe ich Fettbemmen vor den Augen<br />
oder ich finde sie einfach nicht. Bekannte<br />
Hersteller sind wie gewohnt<br />
mit den altbekannten Typen vor Ort.<br />
Neue Hersteller mit zündenden neuen<br />
Ideen finden sich kaum. Vielleicht<br />
erwähnenswert, dass es jetzt die<br />
Lancair Evolution als „Piston“ mit<br />
einem Kolbentriebwerk anstelle einer<br />
Turbine gibt. Schön – nur immer noch<br />
weit weg von einem GA-tauglichen<br />
Viersitzer.<br />
Richtig viel los ist abseits der großen<br />
Hallen und des zentralen Ausstellungsbereichs<br />
bei den Homebuildern.<br />
Eine unübersehbare Menge von<br />
RVs, Glasairs, kurzum Kitplanes aller<br />
Hersteller sind auf dem gesamten<br />
Gelände verteilt, Lackierungsvarianten,<br />
die man auch als kreativer Mensch
[ 2 ] [ 3 ]<br />
die grundsätzliche Begeisterung für<br />
die Fliegerei.<br />
Woran liegt es, dass das bei uns<br />
immer mehr verschwindet? Was machen<br />
unsere Verbände? Wo gibt es<br />
heute noch Lobbyisten für die GA?<br />
Ich fühle mich ausgeliefert an Verwaltungsbeamte,<br />
wenig geradlinige<br />
Politiker, die nur nach Stimmen haschen,<br />
und eine Luftfahrtverwaltung,<br />
die in jedem Bundesland<br />
das tut,<br />
nicht erwartet hätte, fantastische<br />
Detaillösungen und natürlich jede<br />
Menge stolzer Flugzeugbesitzer.<br />
Die vergleichsweise einfache Bauund<br />
Zulassungsmöglichkeit sowie die<br />
anstehende Medical-Reform würden<br />
aus meiner Sicht der GA in Europa<br />
auch einen gehörigen Schub nach<br />
vorne verpassen. Zwischen all den<br />
Maschinen entdecke ich dann doch<br />
noch das eine oder andere Neue. Für<br />
mich jedoch das Auffälligste: Die<br />
Menschen fliegen und tauschen sich was der aktuelle<br />
aus auf dem größten Fliegertreffen Behördenleiter mal<br />
der Welt. Man spürt an allen Ecken eben gerade vor-<br />
7606585-11-1.QXD_Layout 1 25.07.16 15:40 Seite 1<br />
gibt. Anders in Amerika: klare Regeln,<br />
klare Verbandsarbeit seitens EAA<br />
und AOPA.<br />
Dass der Amerikaner damit umgehen<br />
kann, beweist er allen Ortes.<br />
So geht das selbst im Kleinen schon<br />
los mit der „Brandline“, einer virtuellen<br />
Sicherheitslinie als Absperrung<br />
zum Flugfeld. Ein in den Boden gebrannter<br />
Streifen zeigt an: bis hierher<br />
4:30 UHR AUFSTEHEN, DUSCHE, KAFFEE.<br />
DANN GEHT ES AB ZUR FLIGHTLINE.<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 21
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
[ 1 ]<br />
[ 1 ] Die RV’s von Van’s Aircraft<br />
waren wahrscheinlich am<br />
zahlreichsten vertreten – vielleicht<br />
sogar noch vor Cessnas<br />
172er. [ 2 ] Klare An- und<br />
Einweisungen gehören ebenso<br />
dazu wie der freundliche Ton.<br />
[ 3 ] Die Martin Mars, das<br />
weltgrößte flugfähige Flugboot,<br />
steht nebst Flugbetrieb zum<br />
Verkauf. Sie war Debütantin in<br />
Oshkosh und galt als Zugpferd<br />
für die diesjährige Veranstaltung.<br />
Gut 27 000 Liter Wasser kann<br />
sie zur Brandbekämpfung in<br />
Sekunden abladen.<br />
[ 2 ]<br />
[ 3 ]<br />
Copiloten müssen<br />
nicht immer menschlich<br />
sein – können<br />
aber laut Warnschild<br />
bissig werden.<br />
40 STUNDEN EHRENAMTLICHE ARBEIT,<br />
UND DER EINTRITT FÜR 2017 IST FREI.<br />
und nicht weiter. Ich fahre mit meinem<br />
Roller die Linie entlang und habe<br />
keine Beanstandungen. Während der<br />
Airshow laufe ich hier ab und an –<br />
keine Beanstandungen. Der Amerikaner<br />
hält sich an die Vorgabe. Der<br />
deutsche Verwalter verlangt natürlich<br />
schon wieder einen Metallzaun, möglichst<br />
ICAO-gerecht, und dies auch<br />
von kleinen Vereinen. Flatterleinen<br />
dürfen es schon gar nicht sein. Na ja<br />
– nein, mein Bericht soll motivieren<br />
und vielleicht auch etwas Ansatz für<br />
ein Umdenken bei uns sein.<br />
Die Airshow findet täglich von 14<br />
bis 18 Uhr statt. Mittwochs und freitags<br />
gibt es zusätzlich noch die Nacht-<br />
Airshow. Dabei unterschieden sich<br />
die täglichen Vorführungen deutlich,<br />
und so ist jeder Tag auf seine Art<br />
sehenswert. Beeindruckend dabei<br />
die Professionalität und die Vielfalt:<br />
von einer Bücker Jungmeister bis zur<br />
düsenunterstützten Waco, vom Sonax-<br />
Jet bis zum Stealth Fighter, vom Segelflugzeug<br />
bis zum Homebuilt. Das<br />
Ganze unterlegt mit guter Moderation<br />
und einem klasse Drehbuch. Dieses<br />
Jahr gilt die große Aufmerksamkeit<br />
einem viermotorigen Supermonster,<br />
dem Feuerlösch-Flugboot Martin<br />
Mars. Sonor zieht dieser Flugsaurier<br />
seine Runden, ehe er der zuvor gezündeten<br />
Pyrotechnik mittels mehrerer<br />
Tonnen Wasser den Garaus<br />
macht. Eine Vorführung zur echten<br />
Ergötzung des Publikums.<br />
Zurück zu den Volunteers. Es macht<br />
Spaß, ein Teil des großen Ganzen zu<br />
sein. So man mindestens 40 Stunden<br />
schafft, ist der Eintritt für das Folgejahr<br />
passé. Sind es mehr als 60 Stunden,<br />
dann entfällt auch die Campinggebühr.<br />
Darüber wird täglich Buch<br />
geführt. Man kommt, lässt sich erfassen,<br />
geht wann man will und loggt<br />
sich aus, und niemand ist böse, wenn<br />
man mal etwas weniger macht. Eine<br />
herrliche Atmosphäre, ganz ohne<br />
Vereinsarbeitsstundenwahn.<br />
So macht jeder seinen Job. Jim,<br />
zum Beispiel, sperrt zuverlässig die<br />
Main Road, wenn ein Flugzeug kreuzt.<br />
Dabei findet er immer das passende<br />
Wort für Passanten<br />
und hat stets ein<br />
Lächeln im Gesicht.<br />
Oder James, der<br />
mit einem Buggy Helfer von A nach<br />
B und wieder zurück chauffiert. Als<br />
Dankeschön gibt es für die ganze<br />
Truppe fast jeden Abend ein kleines<br />
Happening. Frische Maiskolben serviert<br />
mit Butter und Gummikäse oder<br />
– zum Erstaunen – fränkische Bratwürste<br />
mit Sauerkraut und warmem<br />
Kartoffelsalat. Soll noch mal einer<br />
sagen, die Amis, die spinnen!<br />
Am Donnerstag ist Bergkirchweih,<br />
die Hälfte ist geschafft, und es gibt<br />
ein großes Helferfest mit allerlei<br />
Klamauk. Ehrungen, Fotos, Spaß,<br />
Musik – die EAA lässt sich was einfallen.<br />
Doch auch die Besucher bekommen<br />
fast 24 Stunden Programm.<br />
Freiluftkino, Liveauftritte von weltbekannten<br />
Bands, Workshops, Tupperware-Happenings<br />
für fluguninteressierte<br />
Hausfrauen oder die bekannten<br />
After-Show-Partys diverser Hersteller<br />
– Oshkosh bietet wirklich für<br />
jeden etwas.<br />
Glückselig lege ich mich abends<br />
kurz vor Mitternacht in mein Zelt und<br />
zwicke mich in die Nase – nicht dass<br />
ich das alles nur träume! Aber nein,<br />
es ist real, und ich schlafe zufrieden<br />
ein und freue mich auf den nächsten<br />
Tag im Paradies.<br />
ae<br />
22 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Leserforum<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong><br />
Special Avionik: Umstellung<br />
auf das 8,33-kHz-Raster<br />
Praxisuntaugliche<br />
Funktionen<br />
Mit der Anpassung an das engere<br />
Kanalraster sehen die Hersteller eine<br />
Chance, weitere Innovationen einzubringen,<br />
insbesondere einfachere Bedienung.<br />
Besonders hervorgehoben wird das Sayagain-Feature<br />
im Gerät AIR-COM von airavionics.<br />
Gepriesen mit der Möglichkeit,<br />
eine nicht gleich verstandene Lotsenansage<br />
mit QNH und Transpondercode sich<br />
per Knopfdruck vom Funkgerät wiederholen<br />
zu lassen, denn es speichert bis zu<br />
20 Sekunden der eingehenden Kommunikation.<br />
Man spare sich damit den Rückruf,<br />
das klingt nett, ist aber völlig realitätsfremd.<br />
Kein Lotse wird auf die Empfangsbestätigung<br />
so lange warten, bis ich die<br />
Ansage abgehört und dann hoffentlich<br />
verstanden habe, vielmehr wird er sich<br />
nach zehn Sekunden Stille im Äther nach<br />
meinem Wohlbefinden erkundigen. Bei<br />
starkem Traffic und IFR-Betrieb reduzieren<br />
sich die zehn Sekunden Responsezeit<br />
auf höchstens fünf Sekunden. Die Sayagain-Funktion<br />
ist in der Praxis deshalb<br />
kaum anwendbar.<br />
Manfred Müller, Niedernhausen<br />
<strong>aerokurier</strong> 8/<strong>2016</strong><br />
Premiere für die E-robatic<br />
Realitätsferne<br />
Elektroeuphorie<br />
Anlässlich des Erstfluges der Extra 330<br />
LE verkündet der mit dem Radialflussmotor<br />
beteiligte Siemens Entwicklungschef<br />
vollmundig, dass es Ziel ist, bis 2030 ein<br />
100-sitziges Verkehrsflugzeug mit Elektroantrieb<br />
und einer Reichweite von 1000 km<br />
verfügbar zu haben. Auch er scheint von<br />
der Elektroeuphorie befallen zu sein, jenseits<br />
der physikalischen Realitäten. Die<br />
derzeit erreichbare Energiedichte einer<br />
Lithium-Schwefelbatterie liegt bei 0,349<br />
kWh/kg, während Kerosin mit 11,911<br />
kWh/kg eine um das 34-Fache höhere<br />
Energiedichte aufweist. Wenn man ein<br />
Midsize-Flugzeug wie die Bombardier<br />
CRJ1000 mit GE Aviation CF34 Triebwerk<br />
zum Vergleich heranzieht, so verbraucht<br />
dieser auf 1000 km rund 3,1 t Kerosin,<br />
was einem Energieinhalt von 37 200 kWh<br />
entspricht. Dafür wären dann Lithium-<br />
Schwefelbatterien mit dem Gewicht von<br />
105,4 t notwendig, was sich natürlich ad<br />
absurdum führt.<br />
Selbst wenn es gelänge, bis 2030 die<br />
spezifische Batteriespeicherfähigkeit um<br />
Faktor zehn zu erhöhen, so würde der<br />
„elektrische Kraftstoff“ mit seinem Gewicht<br />
immer noch dreifach höher zu Buche schlagen.<br />
In der Grundlagenforschung zeichnet<br />
sich bei der Batterie-Speicherdichte ein<br />
Sprung mit Faktor zehn überhaupt nicht<br />
ab. Es ist nun mal fundamental, dass die<br />
molekulare Energiespeicherdichte im<br />
Kraftstoff nicht durch chemische Reaktionen<br />
in einer Batterie annähernd erreicht<br />
werden kann. Und eines hat der Siemens-<br />
Chef wohl völlig übersehen, diese Elektro-<br />
Verkehrsflugzeuge wären Propeller angetrieben<br />
mit der Konsequenz erheblich längerer<br />
Flugzeiten im subsonischen Bereich<br />
und im wetteraktiven low Level.<br />
Manfred Müller, Niedernhausen<br />
<strong>aerokurier</strong> 8/<strong>2016</strong><br />
Flugzeugreport: Maule M-7-235C<br />
Nachteil: Empfindlich<br />
gegen Seitenwind<br />
In dem Bericht wurde leider nichts<br />
über die Seitenwindempfindlichkeit geschrieben.<br />
Die halte ich, nach rund 400<br />
Starts und rund 60 Stunden mit der Maule,<br />
Gerne veröffentlichen<br />
wir Ihre Meinung. Schicken<br />
Sie uns Ihren Leserbrief<br />
(für Rückfragen bitte<br />
unbedingt mit Adresse<br />
und Telefonnummer) an<br />
E-Mail: redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Fax: +49 711 182-1781<br />
für den schwerwiegendsten Nachteil der<br />
Maschine. Sie ist ein anspruchsvolles<br />
Flugzeug. Für Segelflugvereine, die ein<br />
viersitziges, starkes Schleppflugzeug benötigen,<br />
ist die Maule aber eine preiswerte<br />
Alternative zu anderen Maschinen.<br />
Manfred Gante, Attendorn<br />
<strong>aerokurier</strong> 8/<strong>2016</strong><br />
Unfall: Nicht ohne Startcheck<br />
Hat der Pilot<br />
gar nicht gebremst?<br />
Sehr gut, dass man sich vor dem Start<br />
mal austauscht. Leichte Schlepper steigen<br />
schneller weg. Aber dann komme ich<br />
nicht mehr mit: Das Segelflugzeug hatte<br />
beim Abheben 100 km/h und gleich ausgeklinkt.<br />
Nach 200 m Rollstrecke sind<br />
beim beabsichtigten Ringelpiez noch 90<br />
km/h vorhanden. Das zeigt meines Erachtens,<br />
dass gar nicht gebremst wurde. Das<br />
Foto zeigt die linke Hand am Hebel, der<br />
Griff ist offenbar auch gezogen, aber zu<br />
spät? War hier die Angst zu groß, den<br />
Bug aufsetzen zu lassen? Egal, wie auch<br />
immer. Die Tatsache, dass dieser Vorfall<br />
einem erfahrenen Flieger passiert ist,<br />
zeigt wieder einmal, wie wenig über<br />
Startabbruch nachgedacht wird.<br />
W. Schulte, Bornheim<br />
Schreiben lohnt sich!<br />
Unter allen Leserbrief-Autoren des vergangenen Monats<br />
hat die Redaktion das Buch „Typenkompass Cessna –<br />
Flugzeuge seit 1927“ von Horst W. Laumanns verlost.<br />
Als Gewinner wurde Manfred Gante gezogen.<br />
Die in Leserbriefen geäußerte Meinung muss nicht mit der Redaktionsmeinung<br />
übereinstimmen. Wir behalten uns die Kürzung von Leserbriefen<br />
aus redaktionellen Gründen vor.<br />
Foto: Motorbuch Verlag<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 23
[ MOTORFLIEGEN Treffen ]<br />
3. Internationales Cessna-Treffen<br />
ALLER GUTEN<br />
DINGE …<br />
… sind bekanntlich drei. Das trifft auch auf das<br />
Cessna-Treffen in Jena-Schöngleina zu, das im Juli<br />
zum dritten Mal stattgefunden hat und sich zu einer<br />
Institution der Szene entwickelt.<br />
TEXT UND FOTOS: Frank Martini<br />
24 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Gut besucht: Auf der Wiese gegenüber dem Tower tummelten sich die Besucherflugzeuge<br />
dicht an dicht. Wenige Fremdfabrikate wie eine Bo 2<strong>09</strong> mischten sich unter die Cessnas.<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 25
[ MOTORFLIEGEN Treffen ]<br />
[ 1 ]<br />
Bestens vorbereitet: Die<br />
Piloten beim Studium der<br />
Briefingunterlagen für<br />
ihren Flug nach Leipzig.<br />
Als er im April 2013 als Geschäftsführer<br />
der Verkehrslandeplatz<br />
Jena GmbH<br />
angetreten war, hatte sich<br />
der Berufspilot Wolfgang Kuhnert ein<br />
Ziel für seinen neuen Job gesetzt:<br />
seinen Flugplatz so schnell wie möglich<br />
so bekannt wie möglich zu machen<br />
– am besten so, dass jeder GA-<br />
Pilot in Deutschland zumindest schon<br />
mal etwas von EDBJ gehört hätte.<br />
Das scheint immer besser zu gelingen.<br />
Vor einer Wiederholung des ersten<br />
Treffens im Juli 2014 hatte Kuhnert<br />
Ende Juni vergangenen Jahres<br />
zunächst das 32. Piper-Cub-Treffen<br />
ausgerichtet, ehe die Cessnas wiederkamen.<br />
Zwischen dem 8. und 10.<br />
Juli flogen sie zum dritten Mal in Jena-Schöngleina<br />
ein, und zwar mit<br />
deutlich besserer Beteiligung als noch<br />
zur Premiere. Hatten seinerzeit immerhin<br />
37 Cessnas den Flug nach Jena<br />
angetreten und im Vorjahr schon<br />
55, kamen in diesem Jahr mehr als<br />
60 Flugzeuge zusammen – wenn auch<br />
das eine oder andere Fremdfabrikat<br />
dabei war.<br />
Gut die Hälfte der Piloten hatte<br />
ihre Teilnahme angemeldet, die anderen<br />
kamen am Samstag spontan<br />
als Tagesgäste. Der wachsende Erfolg<br />
der Veranstaltung dürfte der guten<br />
Organisation und dem Programm<br />
geschuldet sein, das sich der Geschäftsführer<br />
mit einem Stab flugbegeisterter<br />
Mitstreiter auch dieses Mal<br />
wieder hatte einfallen lassen.<br />
Wer sich als Pilot für 20 oder als<br />
Begleiter für 10 Euro angemeldet<br />
hatte, konnte sich einen Platz für den<br />
jährlichen Ausflug sichern. Außerdem<br />
sind damit die Lande- und Campinggebühren<br />
am Platz beglichen – nicht<br />
wenige Piloten sah man am Freitagabend<br />
Zelte unter ihren Tragflächen<br />
aufbauen. Wer dagegen eine Unterkunft<br />
aus der auf der Internetseite<br />
des Flugplatzes veröffentlichten<br />
Liste ausgesucht hatte, musste sich<br />
über den Weg dorthin auch keine<br />
Sorgen machen. Denn Wolfgang Kuhnert<br />
hatte mit seinen Mitstreitern<br />
einen Shuttleservice eingerichtet, der<br />
die Gäste für ein kleines Fahrertrinkgeld<br />
hin- und herchauffierte. Ein<br />
Rundum-Sorglos-Paket also, bei dem<br />
mit moderaten vier Euro lediglich das<br />
üppige Frühstücksbuffet im Hangar<br />
aufpreispflichtig war und natürlich<br />
die Riesenbratwürste vom Grill oder<br />
Selbstgebackenes. „Fliegen ist schon<br />
teuer genug“, findet Kuhnert, „da<br />
muss man den Leuten nicht auch noch<br />
Geld für Kaffee und Kuchen aus der<br />
Tasche ziehen.“<br />
Möglich ist die Veranstaltung auch<br />
durch die Sponsoren, die Kuhnert<br />
anwirbt und mit deren Auftritten er<br />
seinen Gästen meist noch einen Mehrwert<br />
schaffen kann. Cessna beispielsweise<br />
war im vergangenen Jahr mit<br />
einer TTx vertreten. Wer sich zeitig<br />
angemeldet hatte, konnte den Renner<br />
aus Wichita sogar kostenlos Probe<br />
fliegen! Das kam nicht nur bei den<br />
Teilnehmern so gut an, dass viele von<br />
ihnen inzwischen Wiederholungstäter<br />
sind, auch Cessna schien damit<br />
sehr zufrieden. In diesem Jahr bot<br />
der Hersteller eine Grand Caravan<br />
EX auf – nicht nur für entsprechend<br />
lizenzierte Piloten als Vorführflugzeug,<br />
sondern auch als Presseshuttle für<br />
den geplanten Ausflug.<br />
Der ging in diesem Jahr zum wohl<br />
ungewöhnlichsten Sponsor, den man<br />
sich für ein Cessna-Treffen denken<br />
kann: zur DHL. Das Logistikunternehmen<br />
betreibt das europaweit<br />
größte Luftfrachtdrehkreuz, eines von<br />
drei DHL-Hubs weltweit, am Flughafen<br />
Leipzig. Der ist nur gute 15<br />
26 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
[ 1 ] Gleich zwei Cessna 195 flogen das Treffen in Jena an. [ 2 ] Zeitweilig starker Crosswind<br />
machte am Samstag das Landen in Jena für Spornradpiloten ziemlich spannend. [ 3 ] Viele<br />
Piloten hatten bereits am Freitag ihre Zelte am Platz aufgeschlagen. [ 4 ] Bei bestem Wetter<br />
ließen die Cessna-Fans es sich am Samstagnachmittag gut gehen. [ 5 ] Am Freitagabend<br />
hatten noch derbe Gewitterwolken den Himmel über Jena verdunkelt.<br />
[ 2 ]<br />
[ 3 ]<br />
[ 4 ]<br />
[ 5 ]<br />
76116<strong>09</strong>-3-1.QXD_Layout 1 07.04.16 <strong>09</strong>:51 Seite 1<br />
INKLUSIVE: EIN BESUCH DES<br />
DHL-LUFTFRACHTHUBS<br />
Flugminuten von Jenaer Platz entfernt.<br />
Die Tore zu dem riesigen Frachtumschlagplatz<br />
hatte der Konzern nun<br />
erstmals für Außenstehende geöffnet!<br />
So kamen die Cessna-Piloten in den<br />
exklusiven Genuss einer Busrundfahrt<br />
über das rund 200 Hektar große Gelände<br />
mit dem Riesenhangar, der<br />
allein schon drei Hektar für die Flugzeugwartung<br />
bereitstellt und mit<br />
Deutschlands größter Fußbodenheizung<br />
ausgestattet ist, damit auch bei<br />
Minusgraden an den Triebwerken<br />
der Flugzeuge gearbeitet werden<br />
kann, wie DHL-Tour-Guide Sara Bieder<br />
den Piloten stolz erklärte. Im<br />
Anschluss an die Rundfahrt konnten<br />
die Gäste Cockpit und Laderaum von<br />
zwei der 65 in Leipzig stationierten<br />
Frachtflugzeuge – einem Airbus A300<br />
und einer Boeing 757 – inspizieren,<br />
hinter deren Steuerhörnern Platz<br />
nehmen und sich mit den Frachtpiloten<br />
austauschen.<br />
Für dieses Highlight musste der<br />
Jenaer Flugplatzchef ordentlich Klimmzüge<br />
machen. Unzählige Male sei er<br />
im vorangegangenen Dreivierteljahr<br />
zu Gesprächen mit der Airportleitung<br />
und dem Logistiker in Leipzig gewesen,<br />
um für sein Vorhaben zu werben<br />
und die Bedingungen zu verhandeln.<br />
Denn die Gastgeber waren von der<br />
Vorstellung, einen Haufen Freizeitpiloten<br />
möglicherweise noch wild<br />
fotografierend und unkontrolliert im<br />
Hochsicherheitsbereich herumlaufen<br />
zu haben, zunächst wohl wenig angetan.<br />
Aber Kuhnerts Verhandlungsgeschick,<br />
gute Vorbereitungen und<br />
schließlich auch das disziplinierte<br />
Verhalten seiner<br />
Gäste ließen<br />
den Besuch<br />
gelingen.<br />
Der dürfte<br />
auch das Interesse bei den überregionalen<br />
Medien gesteigert haben.<br />
Jedenfalls war die als Presseshuttle<br />
eingesetzte Grand Caravan bis auf<br />
den letzten Platz belegt. Aufnahmen<br />
vom Flug und dem Treffen waren<br />
nicht nur bei JenaTV, sondern auch<br />
im MDR zu sehen. In der Tagespresse<br />
erschienen Beiträge in der Bild,<br />
der Ostthüringer Zeitung und der<br />
Leipziger Volkszeitung. Ein positives
[ MOTORFLIEGEN Treffen ]<br />
[ 1 ]<br />
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Vor dem Hangar Gästebetreuung, drinnen laufende Wartungen. Gut 27 000 Quadrat meter<br />
stehen DHL dafür zur Verfügung. [ 2 ] 65 solcher Frachtmaschinen fertigt der Logistikkonzern<br />
täglich in Leipzig ab. [ 3 ] Abstellplatz satt: Parken war auch in Jena kein Problem.<br />
[ 3 ]<br />
Ungewohnte Dimensionen<br />
für Cessna-Piloten: ein<br />
riesiger Hubwagen zur<br />
Beladung der Boeing<br />
757-200.<br />
Medienecho löst naturgemäß Besucherinteresse<br />
aus, und ein hoher<br />
regionaler Freizeitwert muss auch im<br />
Interesse des Flugplatzbetreibers<br />
liegen. Hinter dem, der Verkehrslandeplatz<br />
Jena GmbH, stehen je zur<br />
Hälfte der Saale-Holzland-Kreis und<br />
die Stadtwerke Jena. Sie tragen zwar<br />
die Kosten des Betriebes, Geld darf<br />
dessen Geschäftsführer aber trotzdem<br />
nicht verbrennen – und so macht<br />
Kuhnert sich einen Kopf darüber und<br />
Arbeit damit, den Flugbetrieb möglichst<br />
zu beleben und zu fördern. Durch<br />
die Cessna-Treffen eben oder auch<br />
mal eines für Gyrokopter. Um Ideen<br />
NUR EINE C120 FEHLTE BEI<br />
DEN KLASSIKERN IN JENA<br />
ist der Chef jedenfalls nicht verlegen,<br />
und seine Crew scheint mitzuziehen.<br />
Das merkte man auch an diesem<br />
Wochenende: Die zahllosen, freundlichen<br />
Helfer waren jederzeit ansprechbar.<br />
Wer nicht auf der AERO in Friedrichshafen<br />
gewesen war, konnte sich<br />
im Hangar Garmins Messeneuheiten<br />
ansehen und sich im Gespräch mit<br />
Florian Kienzle zum Beispiel über die<br />
Möglichkeiten bei der Umstellung auf<br />
das 8,33-kHz-Funkraster informieren.<br />
Oder sich von Markus Marth Tipps<br />
und Kniffe für seine JeppView-App<br />
holen. Auch fürs nächste Jahr hat sich<br />
der Platzchef etwas ausgedacht: Neben<br />
einer Wiederholung des DHL-<br />
Besuchs denkt er darüber nach, über<br />
weitere Programmpunkte auf der<br />
Website des Platzes abstimmen zu<br />
lassen. Eine Besichtigung des Walpersberges<br />
bei Kahla in Thüringen<br />
käme in Frage, wo Deutschland 1944<br />
in einem Stollensystem versuchen<br />
wollte, mit der unterirdischen Serienproduktion<br />
der Me 262 die Lufthoheit<br />
wieder zu erreichen. Oder ins<br />
nahe Erfurt? „Vielleicht<br />
wird‘s aber<br />
auch eine Floßtour<br />
auf der Saale“,<br />
lacht Kuhnert zuversichtlich.<br />
Ihm fällt schon etwas<br />
ein, noch mehr Flugzeuge nach Jena<br />
zu locken.<br />
Die sind schließlich das Wichtigste<br />
bei diesem Treffen. Pilotenschnack<br />
und Flugzeuge gucken gehören einfach<br />
zusammen. Gerade, wenn wie<br />
hier auch Vertreter älterer Baureihen<br />
in einem exzellenten Erhaltungs- und<br />
Pflegezustand zusammenkommen.<br />
Zum Beispiel die Cessna 170B D-EMAG<br />
von 1955, die bisher kein einziges Mal<br />
fehlte. Oder die 1952 gebaute Cessna<br />
195A mit dem amerikanischen<br />
Callsign N1567D aus Bremgarten.<br />
Unter den Oldies fehlte nur eine 120er,<br />
die zwar angemeldet, aber leider nicht<br />
erschienen war. Dafür vervollständigten<br />
Piloten anderer Cessnas die<br />
Sammlung als spontane Gäste – unter<br />
ihnen eine 140, noch in der Ausführung<br />
mit V-Struts und bespannten<br />
Flächen.<br />
Auch eine der seltenen Spornradumbauten<br />
der 150 oder die ebenfalls<br />
nicht allzu häufig anzutreffende<br />
177RG waren vertreten. Die 195A,<br />
die nach dem Ausflug nach Leipzig<br />
bald wieder Richtung Süden abhob,<br />
wurde am Samstag von einer zweiten<br />
195er aus dem Jahr 1949 abgelöst,<br />
der „Idaho Lady“. Das in hochglanzpoliertem<br />
Aluminium erstrahlende<br />
Flugzeug ist nach dem Bundesstaat<br />
benannt, in dessen Dienste es vor<br />
mehr als 60 Jahren mit dem Callsign<br />
N3898V gestellt worden war. Das<br />
trägt es seither unverändert und nun<br />
auch in Deutschland. Uwe Förster<br />
hat die „Lady“ erst vor wenigen<br />
Wochen in seine Sammlung geholt<br />
und sich für ihren bestmöglichen<br />
Erhalt etwas Besonderes überlegt.<br />
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.<br />
ae<br />
28 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
[ MAGAZIN ]<br />
Studium zum Pilotenschein<br />
Fliegender<br />
Bachelor<br />
Pilot ist ein Ausbildungsberuf. Richtig.<br />
Doch immer mehr Flugschulen bieten<br />
zusätzlich zum reinen Scheinerwerb<br />
ein integriertes Studium mit Bachelor-<br />
Abschluss an.<br />
Fotos: Maximilian Kühnl, AeroBeta<br />
Nach zwei Jahren Ausbildung<br />
könnte die Situation<br />
für Flugschulabsolventen<br />
derzeit kaum schlechter sein: Die<br />
begehrten Arbeitsplätze im Cockpit<br />
sind selten, und die Arbeitsbedingungen<br />
bei vielen Günstigfliegern<br />
längst nicht mehr so gut wie<br />
erhofft. Auf viele fertig ausgebildete<br />
Verkehrspiloten wartet daher<br />
nach der anspruchsvollen und vor<br />
allem teuren Ausbildung häufig<br />
die Arbeitslosigkeit. Denn eine abgeschlossene<br />
Pilotenausbildung<br />
taugt zu nicht viel mehr als dem<br />
Fliegen eines Flugzeuges. Das haben<br />
auch die Flugschulen erkannt.<br />
Immer mehr bieten aus diesem<br />
Grund auch Lehrgänge mit einem<br />
integrierten Studium an. So haben<br />
die Absolventen nach etwa drei<br />
Jahren zwei Standbeine: einerseits<br />
ein Hochschulstudium mit einem<br />
Bachelor-Abschluss und auf der<br />
anderen Seite eine Lizenz zum Fliegen<br />
von Verkehrsflugzeugen – dem<br />
Traum der meisten Absolventen.<br />
Die Verkehrsfliegerschule Aero<br />
Beta mit Sitz am Flughafen Stuttgart<br />
bietet gleich zwei Studiengänge<br />
an, um die angehenden<br />
Piloten auf eine breitere Basis zu<br />
stellen. Gesellschafter Hannes<br />
Braitmaier, selbst Flugkapitän, ist<br />
Sowohl im Simulator als auch im Klassenzimmer ist büffeln angesagt.<br />
sich trotz der momentanen, schwierigen<br />
Situation auf dem Arbeitsmarkt<br />
sicher: „Von unseren Absolventen,<br />
die zusätzlich ein Studium<br />
haben, wird definitiv keiner<br />
arbeitslos werden.“<br />
Vor drei Jahren wurde der<br />
Bachelor-Studiengang Maschinenbau<br />
und Mechatronik mit der Vertiefung<br />
Aeronautical Engineering<br />
aus der Taufe gehoben. Er findet<br />
an der öffentlichen Hochschule in<br />
Karlsruhe statt, auf die Teilnehmer<br />
kommen studienseitig daher nur<br />
die normalen Studien- und Semesterbeiträge<br />
zu. Die ersten drei<br />
Semester bilden das Grundlagenstudium,<br />
ab dem vierten finden die<br />
luftfahrtspezifischen Vorlesungen<br />
statt, darunter Fächer wie Flugzeugsysteme,<br />
Avionik, Triebwerke<br />
und Meteorologie. Das fünfte<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 29
[ MAGAZIN ]<br />
Zahlreiche Messungen und Experimente stehen während<br />
des Fluglabors auf dem Programm der Studenten.<br />
Semester zeichnet diesen Studiengang<br />
aus, denn hier haben die<br />
Studierenden die Wahl: Im Rahmen<br />
des Praxissemesters können sie<br />
entweder klassisch ein Praktikum<br />
in einem Unternehmen absolvieren<br />
oder in den Genuss der umfangreichen<br />
Theorie für die Pilotenlizenz<br />
kommen.<br />
Der ATPL-Unterricht findet in<br />
dem halben Jahr bei Aero-Beta in<br />
Stuttgart statt. Anschließend steht<br />
es den Aspiranten offen, ob sie<br />
sich den Theorieblock nur für die<br />
Vertiefung anrechnen lassen oder<br />
zusätzlich noch die Theorieprüfung<br />
beim Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig<br />
absolvieren möchten.<br />
Damit ist der Weg zur Lizenz geebnet,<br />
denn dann fehlt nur noch<br />
die praktische Ausbildung.<br />
Während des Praxissemesters<br />
fliegen lernen<br />
Doch zunächst folgen auf das<br />
fünfte Semester noch zwei an der<br />
Hochschule, in denen eine Projektarbeit<br />
und der Bachelor-Abschluss<br />
auf dem Programm stehen. Im<br />
Anschluss daran können die Schüler<br />
mit absolvierter Theorieprüfung<br />
ihre praktische Flugausbildung bei<br />
Aero-Beta absolvieren. Diese dauert<br />
in der Regel ein knappes Jahr.<br />
Insgesamt stellt die Stuttgarter<br />
Flugschule ihren Absolventen für<br />
die Frozen-ATPL-Lizenz 66 000<br />
Euro in Rechnung. Mit der Lizenz<br />
können die Jungpiloten auf Jobsuche<br />
als Copilot bei den Airlines<br />
gehen. Auf der anderen Seite qualifiziert<br />
das Studium mit dem Bachelor<br />
of Engineering für Ingenieursaufgaben.<br />
Die Maschinenbauer<br />
sind befähigt, in die Konstruktion<br />
oder Produktion der Hersteller<br />
einzusteigen. Im Idealfall verbinden<br />
sich beide Ausbildungsbereiche,<br />
und die Absolventen können als<br />
Flugversuchsingenieure arbeiten.<br />
Einen anderen Ansatz verfolgt<br />
der sechssemestrige Studiengang<br />
Aviation Management and Piloting<br />
der FH Worms. Hier ist Aero-Beta<br />
lediglich Dienstleister für die Praxisausbildung.<br />
Koordiniert wird<br />
dieses Ausbildungsprogramm vom<br />
European Institute of Aviation and<br />
Business (EIAB). Die Studieninhalte<br />
werden in Worms im Fachbereich<br />
Touristik der Hochschule vermittelt.<br />
Dabei stehen betriebswirtschaftliche<br />
und luftfahrtspezifische Vorlesungen<br />
auf dem Programm. Die<br />
praktische Sichtflugausbildung<br />
findet während des dritten Semesters<br />
im Florida Flight Training<br />
Center in den USA statt. Die Theorie<br />
für die ATPL-Lizenz lernen die<br />
Hier wird der Standschub einer Piper gemessen.<br />
Flugschüler in einem Fernlehrgang<br />
über Civil Aviation Training (CAT).<br />
Die Flugstunden für die Instrumentenflugberechtigung<br />
finden in den<br />
letzten drei Semestern in den vorlesungsfreien<br />
Zeiten bei Aero-<br />
Beta an den Standorten in Mannheim<br />
und Worms statt. Das MCC-<br />
Training, das die Zusammenarbeit<br />
mehrköpfiger Besatzungen optimiert,<br />
führt die TFC in Essen durch.<br />
Für die gesamte Ausbildung haben<br />
die angehenden Piloten einen Vertrag<br />
mit der EIAB, an die auch der<br />
Pauschalpreis von 76 500 Euro<br />
bezahlt wird. Den Abschluss bilden<br />
ein Bachelor of Science sowie die<br />
Verkehrspilotenlizenz. Felix Geissler,<br />
der den Studiengang im vergangenen<br />
Herbst begonnen hat,<br />
sieht sich nach der Ausbildung gut<br />
aufgestellt: „Wenn ich keinen Platz<br />
im Cockpit finde, kann ich bei einer<br />
Airline, einem Flughafen oder einem<br />
Reiseunternehmen arbeiten.“<br />
Aus wirtschaftlicher Sicht ist der<br />
18-Jährige gut gerüstet – und sieht<br />
seinen Traum vom Fliegen gut<br />
abgesichert.<br />
Auch der Branchenprimus Lufthansa<br />
stattet einen Teil seiner<br />
Pilotenanwärter noch mit einem<br />
Studium aus: Diese studieren an<br />
der Hochschule Bremen Internationale<br />
Luftfahrtsystemtechnik und<br />
-management und absolvieren<br />
parallel dazu im vierten und fünften<br />
Semester ihre fliegerische<br />
Ausbildung an der Verkehrsfliegerschule<br />
der Lufthansa. Auch sie<br />
30 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
haben anschließend einen Hochschulabschluss<br />
und eine Pilotenlizenz<br />
– allerdings einen MPL, der<br />
sie zunächst nur dazu berechtigt,<br />
bei Lufthansa zu fliegen. Auf der<br />
anderen Seite müssen sie keine<br />
Ausbildungskosten vorschießen<br />
– bis zuletzt hat Lufthansa ihnen<br />
die Ausbildung vorfinanziert, und<br />
die Rückzahlung wird erst bei einer<br />
Festanstellung fällig. Wie es<br />
allgemein an der Flugschule der<br />
Lufthansa weitergeht, ist aufgrund<br />
des geringen Personalbedarfs derzeit<br />
noch fraglich. Der ILST-Studiengang<br />
steht auch Flugschülern<br />
von anderen Flugschulen offen:<br />
So sitzen in den Vorlesungen Flugschüler<br />
der Flugschulen RWL aus<br />
Mönchengladbach oder InterCockpit<br />
in Frankfurt.<br />
Für diese Zielgruppe ist auch<br />
die Flugschule TFC Käufer aus<br />
Essen interessant: Am 1. März<br />
startete an der privaten Hochschule<br />
FOM zum ersten Mal der Studiengang<br />
Business Administration<br />
mit der Vertiefungsrichtung Aviation<br />
Management. Hier lernen die<br />
Studierenden neben betriebswirtschaftlichen<br />
Grundlagen auch<br />
flugbetriebliche Abläufe, Flugrecht<br />
und logistische Prozesse. Die Vertiefungen<br />
finden jeweils an der<br />
Flugschule statt. Da die FOM keine<br />
öffentliche Flugschule ist, werden<br />
alleine für das Studium gut<br />
13 000 Euro an Studiengebühren<br />
fällig. Das Studium kann, wie auch<br />
bei Aero-Beta, alleine aufgenommen<br />
oder mit der Pilotenausbildung an<br />
der TFC kombiniert werden – wofür<br />
weitere knapp 70 000 Euro<br />
fällig werden.<br />
Eines ist allen Ausbildungsangeboten<br />
gemein: Sie kosten mehr<br />
Fleiß als eine reine Pilotenausbildung<br />
– wer sie beendet hat, steht<br />
auf einer breiteren Basis und kann<br />
die momentane Flaute im Cockpitarbeitsmarkt<br />
überbrücken. ae<br />
Maximilian Kühnl<br />
Eine Woche lang können sich die Studierenden von der<br />
reinen Theorie der Praxis zuwenden.<br />
Fotos: Hochschule Karlsruhe<br />
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[ MAGAZIN ]<br />
Axter Hybrid AX-40S<br />
Zusatzleistung beim<br />
Start und bei Ausfall<br />
des Kolbentriebwerks<br />
einen rein elektrischen<br />
Betrieb – das verspricht<br />
Axter Aerospace<br />
für den Hybridantrieb<br />
AX-40S.<br />
Mehr Power, mehr Sicherheit<br />
Komplettlösung:<br />
Hybridträger,<br />
Kupplung und<br />
Elektromotor.<br />
Auf der Straße gehören Hybridantriebe<br />
heute zum Alltag.<br />
In Ballungsgebieten<br />
schonen damit angetriebene Pkw<br />
die Umwelt vor Feinstaub und Kohlendioxyd.<br />
Aber welchen Nutzen<br />
hat ein Hybridantrieb in der Luftfahrt?<br />
Feinstaub und Kohlendioxyd<br />
sind hier keine Ausschlussgrößen.<br />
Für das spanische Start-up Axter<br />
Aerospace war das Plus an<br />
Sicherheit, das ein zusätzlicher<br />
Elektroantrieb bieten kann, das<br />
ausschlaggebende Argument, einen<br />
Hybridantrieb für die Luftfahrt<br />
zu entwickeln. Im ersten Modell,<br />
dem AX-40S, mit einem 30 Kilowatt<br />
(40 PS) starken E-Motor für die<br />
Rotax-Motoren 912 und 914 gewinnt<br />
der Erprobungsträger, das Light<br />
Sport Aircraft Tecnam P92J, aus<br />
dem Lithium-Akku die Option für<br />
sieben Minuten reinen Elektroflug.<br />
In einer bereits für einen Kunden<br />
realisierten Version in einer Tecnam<br />
P2004 mit Verstellpropeller sind<br />
es zwölf Minuten, die der Pilot bei<br />
einem Ausfall des Kolbentriebwerks<br />
an E-Power gewinnt.<br />
Was das bringt? Die beiden<br />
Axter-Gründer Miguel Suárez und<br />
Daniel Christóbal haben tief in die<br />
Unfallstatistiken geschaut, bevor<br />
sie sich nach acht Berufsjahren,<br />
Fotos: Maria Alperi, Gerhard Marzinzik<br />
Daniel Cristóbal (li.) und Miguel Suárez mit ihrem Start-up Axter<br />
Aerospace sind die Väter des Hybridss AX-40S für Rotax-Motoren.<br />
Die Anzeige- und Bedieneinheit für das AX-40S im Cockpit der P92. Mit dem<br />
Drehknopf links wird die Leistung des Elektroantriebs reguliert.<br />
32 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
die sie mit Airbus-Projekten zugebracht<br />
haben, in das Wagnis Hybridantrieb<br />
stürzten. Der Luftfahrtingenieur<br />
Suárez und der Elektronikingenieur<br />
Cristóbal wollen mit<br />
ihrer Entwicklung der traurigen<br />
Jahresbilanz für Europa und USA<br />
von durchschnittlich 71 Toten allein<br />
aufgrund von Motorausfall im Flug<br />
begegnen. Derzeit verschafft der<br />
Hybrid den Piloten jedenfalls eine<br />
Verschnaufpause von dem Schreck<br />
nach einem Triebwerksausfall für<br />
stressfreies, überlegtes Handeln.<br />
Die spanische Regierung fand<br />
das Projekt förderungswürdig und<br />
steuerte eine Anschubfinanzierung<br />
bei. Die CT Engineering Group in<br />
Madrid-Getafe, die mit Ingenieur-<br />
Dienstleistungen für Airbus, Dassault<br />
und ATR ein starkes Standbein<br />
in der Luftfahrt hat, stieg als strategischer<br />
Partner ein. Jesus Prieto,<br />
der luftfahrtaffine Chef des 1500<br />
Mitarbeiter starken Unternehmens,<br />
sorgt damit dafür, dass Axter mit<br />
Finite-Elemente-Rechnungen (FEM)<br />
und Strukturanalysen unterstützt<br />
wird. Beim Entwurf der Leistungselektronik<br />
kam Hochschul-Knowhow<br />
der Madrider Universität<br />
Carlos III hinzu.<br />
Grundstein für<br />
eine Hybridfamilie<br />
Das inzwischen patentierte<br />
Hybridsystem von Axter ist der<br />
erste Schritt zu weiteren und leistungsfähigeren<br />
Systemen bis hin<br />
zum reinen Elektroantrieb. Angestrebt<br />
werden Zulassungen für<br />
Experimentals, Light Sport Aircraft<br />
(LSA) und Very Light Aircraft (VLA)<br />
bis hin zu Flugzeugen der Zulassungskategorie<br />
CS-23 und CS-25.<br />
VLA, die bis zu 750 Kilogramm<br />
maximaler Abflugmasse zugelassen<br />
werden können, sollten kein<br />
Problem mit der Zusatzmasse für<br />
das Hybridsystem haben.<br />
Das AX-40S wurde als die vom<br />
Aufwand her noch überschaubare<br />
Einstiegsvariante für die Anwendung<br />
im LSA- und Experimental-Bereich<br />
und den dort stark<br />
vertretenen Rotax-Motoren verwirklicht.<br />
Es ist inzwischen von<br />
der spanischen Luftfahrtbehörde<br />
zugelassen.<br />
Das System lässt sich an vier<br />
Punkten am Rotax 912/914 montieren.<br />
Der Träger gehört zum System.<br />
Die Kurbelwelle mündet in<br />
eine automatisch arbeitende Kupplung<br />
zum Elektromotor, den Endrax<br />
in Slowenien speziell für Axter<br />
fertigt. Der E-Motor kann nach<br />
Belieben zugeschaltet werden und<br />
arbeitet bei einem Motorschaden<br />
entkoppelt vom Kolbentriebwerk.<br />
Im Reiseflug allein mit dem Verbrenner<br />
können die Akkus wieder<br />
aufgeladen werden, sofern der E-<br />
Antrieb für den Start und den Anfangssteigflug<br />
mitgenutzt wurde.<br />
In Casarrubios del Monte, einem<br />
stark frequentierten Platz der Allgemeinen<br />
Luftfahrt südwestlich<br />
von Madrid mit 950 Meter langer<br />
Asphaltpiste, demonstriert Miguel<br />
Suárez den Einsatz des AX-40S.<br />
Vergleichsstarts auf dem 2050 Fuß<br />
hoch gelegenen Gelände bei 35<br />
Grad Celsius ohne und mit Unterstützung<br />
des Hybrids überzeugen.<br />
Unter Standardbedingungen<br />
verkürzt der Hybrid die Startrollstrecke<br />
der Tecnam P92J mit der<br />
maximal zulässigen Abflugmasse<br />
von 600 Kilogramm von 200 auf<br />
145 Meter. In der großen Dichtehöhe<br />
von Casarrubios fällt der<br />
Unterschied spürbar größer aus.<br />
Anders als das Kolbentriebwerk<br />
verliert der E-Motor mit zunehmender<br />
Dichtehöhe ja nicht an<br />
Leistung.<br />
Im reinen Elektromodus steigt<br />
die Hybrid-P92J bei 135 km/h noch<br />
mit 200 ft/min. Zum Beweis schaltet<br />
Miguel Suárez den Rotax aus.<br />
Das Leistungsplus des Hybrids bei<br />
Start und Steigflug zählt vor allem<br />
unter Hot-and-High-Bedingungen<br />
beziehungsweise auf kurzen Plätzen<br />
(mit höherem Gras, ansteigender<br />
Piste, …). Auf der anderen<br />
Seite kann der E-Antrieb unter<br />
Normalbedingungen genutzt werden,<br />
um die Leistung des Kolbentriebwerks<br />
zu reduzieren und<br />
damit den Lärm. Für den Hybridantrieb<br />
könnten somit Flugplätze<br />
mit zeitlichen Beschränkungen zur<br />
Lärmreduzierung wieder voll nutzbar<br />
werden.<br />
Sicherheit, wo kein<br />
Rettungssystem hilft<br />
Beim Anflug auf die Piste 26<br />
von Casarrubios arbeitet der Rotax<br />
wieder mit. Das wild zerklüftete<br />
Gelände im Endanflugbereich beeindruckt.<br />
Sollte gerade hier der<br />
Kolbenmotor ausfallen, kann der<br />
E-Antrieb das Flugzeug noch sicher<br />
bis zur Piste schleppen – für den<br />
Einsatz des Gesamtrettungssystems<br />
wäre man in dieser Situation vermutlich<br />
schon zu tief.<br />
Das Ein- und Zuschalten des<br />
Elektroantriebs erfordert an der<br />
Bedien- und Steuereinheit im Instrumentenpanel<br />
nur einen Dreh<br />
am Leistungssteller, einem Drehknopf,<br />
– wenn der Hauptschalter<br />
bereits auf EIN steht. Das Display<br />
informiert über die wichtigsten<br />
Leistungsparameter. Für den Alarm<br />
bei Fehlfunktionen gibt es im Instrument<br />
diverse LEDs.<br />
Größere Änderungen an der P92<br />
waren bei der Ausrüstung mit dem<br />
Hybrid nicht notwendig. Die Zusatzmasse<br />
von Träger (0,9 kg),<br />
Kupplung (5 kg) und E-Motor (12<br />
kg) ergeben mit dem Ausgleich<br />
durch Controller (6 kg) und Akkus<br />
(20 kg), die hinter den Sitzen Platz<br />
gefunden haben, keine Schwerpunktverschiebung.<br />
Auch der jetzt<br />
weiter vorn sitzende Propeller fiel<br />
in den unterschiedlichsten Flugkonfigurationen<br />
nicht durch negativen<br />
Einfluss auf. Während 200<br />
Flugstunden hat sich das Axter-<br />
System AX-40S inzwischen schon<br />
bei Testflügen für die Zulassung<br />
bewiesen.<br />
Für den Einsatz in Flugschulen<br />
haben die Axter-Ingenieure mit<br />
dem Einsatz des Hybrids nicht zu<br />
ignorierende Kostenvorteile errechnet<br />
– mittels Einsparungen<br />
beim Spritverbrauch und reduziertem<br />
Wartungsaufwand dank geringerer<br />
Nutzung des Rotax auch<br />
beim Rollen. Der Elektroantrieb<br />
und die Kupplung sind wartungsfrei.<br />
Auch mit einem verringerten<br />
CO 2 -Ausstoß kann das Hybridsystem<br />
punkten.<br />
Für das in Getafe gefertigte<br />
Gesamtpaket, das eine einfache<br />
Montage erlaubt, müssen derzeit<br />
18700 Euro plus Steuern und Versand<br />
aufgebracht werden. Miguel<br />
Suárez erklärt, dass es sich hierbei<br />
nur um die reinen Fertigungskosten<br />
handelt.<br />
Ein zweites Kundenflugzeug<br />
wird derzeit ausgestattet. Zwei<br />
Einheiten gehen dann an die<br />
Cranfield University für deren<br />
Drohnenforschung.<br />
ae<br />
Gerhard Marzinzik<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 33
[ MOTORFLIEGEN Flying ]<br />
Zehn Jahre Quaxe<br />
TYPEN<br />
UND<br />
TYPEN<br />
AUTOREN: Philipp Prinzing, Lars Reinhold,<br />
Thomas Schüttoff<br />
34 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Seit zehn Jahren sorgen die Quaxe mit<br />
ihrem Verein zur Förderung von historischem<br />
Fluggerät für eine artgerechte<br />
Haltung alten Geflügels. Heißt: Die Oldtimer<br />
enden nicht als Schaustücke, sondern<br />
werden geflogen. Zum Geburtstag<br />
verraten die Typen im Cockpit, welcher<br />
Typ es ihnen besonders angetan hat.<br />
Foto: jfhp – Fotolia, Quax/MPS<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 35
[ MOTORFLIEGEN Flying ]<br />
„Die Chipmunk war für mich Liebe auf den<br />
ersten Blick. Das enge Cockpit, der<br />
Geruch nach ÖL, die Vergangenheit beim<br />
Militär. Beim ersten Flug haben mich die<br />
gutmütigen Flugeigenschaften und die<br />
sehr direkten Ruder begeistert. Für mich<br />
das geilste Flugzeug auf der Welt!“<br />
Thomas Koch, Quax seit 2011<br />
de Havilland Canada DHC-1 Chipmunk<br />
Die Tiger Moth war eigentlich schon zum Zeitpunkt<br />
ihrer Einführung als Grundschulflugzeug<br />
bei der Royal Air Force veraltet – speziell<br />
verglichen mit Konstruktionen, die zur gleichen<br />
Zeit in Deutschland entwickelt wurden.<br />
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war es also<br />
höchste Zeit, der RAF ein neues Flugzeug zur<br />
Anfängerausbildung zu verschaffen. Am 22. Mai<br />
1946 verließ die erste Chipmunk den Erdboden.<br />
Angetrieben wurde das Ganzmetallflugzeug von<br />
einem knapp 150 PS starken Gipsy Major mit<br />
hängenden Zylindern. Der Motor war nur geringfügig<br />
modifiziert gegenüber dem Vorgängermodell<br />
in der Tiger Moth. Die Flächen waren teilweise<br />
bespannt, Gleiches gilt für die Ruder. Das<br />
Flugzeug überzeugte von Anfang an und wurde<br />
noch bis weit in die 1970er Jahre bei der RAF<br />
eingesetzt. Viele der Maschinen haben überlebt<br />
und werden auch heute noch gerne geflogen. Es<br />
gibt verschiedene Umbauten auf Boxermotoren –<br />
vor allem in Amerika. Der Verein hat gegenwärtig<br />
mehrere Chipmunks im Bestand. Der jüngste<br />
Zugang wird dabei von einem Sechszylinder-<br />
Franklin-Motor angetrieben. Spornradeinweisungen<br />
auf der Chipmunk sind besonders beliebt,<br />
passen doch Flugverhalten und Landeverhalten<br />
in das Schema, das sich ein Jung-Spornradflieger<br />
so wünscht, um nicht auf der Titelseite<br />
eines Sensationsblattes zu landen.<br />
Klemm 35<br />
Zu Zeiten, als in Deutschland aufgrund des<br />
Versailler Vertrages nur Leichtflugzeuge gebaut<br />
werden durften, machte sich Hans Klemm<br />
mit seinen Modellen Klemm L 18, L 20 und<br />
L 25 einen Namen. Elly Beinhorn, Freiherr<br />
von König-Warthausen oder Marga von Etzdorf<br />
flogen „mit 18 PS und Leuchtpistole“ um die<br />
ganze Welt. Die Erfahrungen mit diesen<br />
Flugzeugen verhalfen Klemm zu seinem nächsten<br />
großen Wurf, der Klemm 35. Ihr Debüt<br />
gab sie anlässlich einer Luftfahrtschau in<br />
Mailand im Jahr 1935. Der in Gemischtbauweise<br />
hergestellte, freitragende Tiefdecker<br />
besticht nicht nur durch seine schöne Form,<br />
sondern vor allem durch sein außergewöhnliches<br />
Flugverhalten. Die Vereins-Klemm flog<br />
bei der schwedischen Luftwaffe, in den<br />
USA und in England und gelangte durch eine<br />
große Spendenaktion wieder in ihre Heimat.<br />
„Ich erinnere mich genau an den ersten<br />
Flug mit unserer Klemm. Jungmann<br />
und auch die Stampe waren schon<br />
super geil, die Klemm 35 übertraf<br />
jedoch alles. Die Ruderabstimmung,<br />
das Handling, das Ausschweben am<br />
Boden – einfach klasse!“<br />
Matthias Erbse, Quax seit 2008<br />
36 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
„Ich liebe es, mit unserer offenen<br />
Jungmann über das Havelland zu knattern,<br />
weil man dabei den Duft von<br />
Feldern, Seen und Wäldern mitbekommt<br />
und manchmal sogar zusammen mit<br />
Störchen und Kranichen fliegt.“<br />
Heico Lorenz, Quax seit 2015<br />
Bücker 131 Jungmann<br />
Ein Schwede Namens Anderson war Carl Clemens<br />
Bückers Chefkonstrukteur. Ihm gelang es im<br />
Jahr 1935, ein Flugzeug so zu konstruieren,<br />
dass es vom Reißbrett weg direkt und ohne bauliche<br />
Veränderungen in die Serienproduktion<br />
gehen konnte. Die Bücker 131 Jungmann und ihre<br />
kleine einsitzige Schwester Bücker 133 Jungmeister<br />
zählen bis heute zu den wohl besten<br />
Doppeldeckern auf diesem Planeten. Zu Zeiten,<br />
wo in England und Amerika noch mit einfachen<br />
Querrudern geflogen wurde, waren die vier Querruder<br />
in Verbindung mit Flügelanordnung und<br />
Profil innovativ und ihrer Zeit um mindestens<br />
20 Jahre voraus. Das Flugzeug ist, was Landungen<br />
angeht, sehr anspruchsvoll, vor allem auf<br />
befestigten Pisten. Die tollen<br />
Flugeigenschaften und der Mythos Bücker haben<br />
dafür gesorgt, dass es bis heute immer wieder<br />
Kleinserien der Jungmann im Nachbau gibt. Die<br />
Quax-Bücker hat spanische Wurzeln. Sie wurde<br />
bei CASA in Lizenz unter der Typenbezeichnung<br />
1.131 gebaut.<br />
„Ich besaß vorher eine Klemm<br />
107c mit dem breiten Fahrwerk<br />
und bin damit viel geflogen. Da<br />
war es für mich kein Problem,<br />
dass ich bei der Einweisung auf<br />
die schmale Klemm 107b Crosswind<br />
mit 25 Knoten hatte.“<br />
Ralf Sprenger, Quax seit 2006<br />
Klemm 107<br />
Die Erfahrung mit dem Werkstoff Holz<br />
brachte Hans Klemm dazu, mit der Klemm 105<br />
die Halbschalenbauweise in die Serienfertigung<br />
zu bringen. Enteignung und Krieg<br />
ließen das Projekt lange ruhen, erst die<br />
Zusammenarbeit mit Ludwig Bölkow im Jahr<br />
1954 machte die Holzkonstruktion wieder<br />
bühnenreif. Obwohl ausgewogen im Flugverhalten<br />
und für Kunstflug und F-Schlepp<br />
zugelassen, hatte sie zur Blütezeit der<br />
Ganzmetallflugzeuge keine Zukunft mehr.<br />
Die Vereinsmaschine der Quaxe kam aus privater<br />
Hand und wurde vom vorherigen Eigentümer<br />
in hervorragenden Zustand versetzt.<br />
Es handelt sich dabei um eine Klemm 107B,<br />
Baujahr 1958 mit einem O-320 Motor mit 150<br />
Pferdestärken. Der Spornradklassiker wird<br />
von einer immer größer werdenden Fangemeinde<br />
gerne geflogen und hat auch keine<br />
Starallüren, wenn es um Landungen auf<br />
Hartbahnen geht.<br />
Fotos: jfhp – Fotolia, Quax/MPS, Constantin Vormfeld, Quax<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 37
[ MOTORFLIEGEN Flying ]<br />
„Dr. Spornrad hat mich vor<br />
Jahren regelrecht angefixt. Seit<br />
dem ersten Flug mit der Stearman<br />
kann ich die Finger nicht<br />
mehr davon lassen.“<br />
Eberhard Kölzer<br />
Boeing PT-13 Stearman<br />
Einer der großen „Wichita 4“ war neben Clyde<br />
Cessna, Walter Beech und Jake Moellendick Lloyd<br />
Stearman. Mit seiner später bei Boeing in Lizenz<br />
gebauten PT-13 gelang dem Altvater des Doppeldeckerbaus<br />
noch einmal der große Wurf, als sich<br />
seine Konstruktion bei der Ausschreibung zum<br />
künftigen Primary Trainer der US Air Force gegen<br />
Mitbewerber durchsetzen konnte. Die in Gemischtbauweise<br />
gefertigte Maschine verfügt über ein geräumiges<br />
Cockpit und sehr gutmütige Flugeigenschaften.<br />
Angetrieben zunächst von einem 225 PS<br />
starken Neunzylinder-Lycoming-Sternmotor, setzte<br />
sich später der Siebenzylinder-Stern von Continental<br />
durch. Nachkriegsversionen wurden mit bis<br />
zu 600 PS modifiziert. Bei der Quax-Stearman handelt<br />
es sich um eine Navy-Version der PT-17, eine<br />
N2S. Angetrieben wird das Schmuckstück in „Ganzkörpergelb“<br />
von einem originalen Continental-W-<br />
670-Sternmotor mit 220 PS. Diese Anzahl Pferde<br />
langt, um die maximal 1 230 kg schwere Boeing adäquat<br />
am Himmel zu bewegen. Die Wurst zieht der<br />
„Zerknalltreibling“ dabei nicht vom Brot – aber<br />
eine Harley fährt man ja auch nicht auf der Überholspur<br />
der Autobahn. Gute 50 Maß gönnt sich der<br />
Hubraum im Mischbetrieb. Wartungsintensiv ist die<br />
Stearman im Vergleich zu all den anderen Doppeldeckern<br />
der Quaxe hingegen nicht. Niedrige Drehzahl<br />
und bewährte Technik sowie eine entspannte<br />
Ersatzteilsituation machen die Stearman so alltagstauglich<br />
wie jede gewöhnliche Vereins-Cessna.<br />
Focke-Wulf Fw 44 Stieglitz<br />
Was Messerschmitt in Bayern, war Focke-Wulf<br />
in Bremen. Kein Geringerer als Kurt Tank<br />
zeichnete für die Konstruktion der Fw 44<br />
Stieglitz verantwortlich. Das deutsche<br />
Kunstflugass Gerd Achgelis brachte zur Grundkonstruktion<br />
seine Erfahrung bei der Entwicklung<br />
mit ein. Fortan war die Stieglitz<br />
das Grundausbildungsflugzeug der deutschen<br />
Luftwaffe. Der 160 PS starke Siemens &<br />
Halske-Sternmotor diente neben dem Argus-<br />
Reihenmotor als Antrieb.<br />
„Die Flüge zu den verschiedenen<br />
Airshows mit der Stieglitz waren<br />
die besondere Belohnung für all die<br />
Stunden, die ich bei der Grundüberholung<br />
mitgearbeitet habe.“<br />
Erwin Daniel, Quax seit 2006<br />
38 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
„Ich freu mich schon auf den<br />
nächsten Start bei gutem Wetter<br />
mit viel Sonne.“<br />
Ralf Wiesbrock, Quax seit 2007<br />
Grunau Baby IIb<br />
Der Versailler Vertrag erlaubte den Deutschen<br />
nach dem Ersten Weltkrieg – wenn überhaupt –<br />
nur sehr schwach motorisiert in die Luft zu<br />
gehen. Die Entente wollte so vermeiden, dass<br />
Deutschland wieder bombentragende Kampfmaschinen<br />
baut. Dies war die Geburtsstunde des sogenannten<br />
Rhöngeistes. Um Oskar Ursinus herum<br />
tummelten sich jede Menge Jungkonstrukteure<br />
von Segelflugzeugen, und die Wasserkuppe wurde<br />
fortan bevölkert von einer Herde von Flugenthusiasten<br />
aus Nah und Fern.<br />
Eine der bahnbrechendsten Konstruktionen war<br />
dabei das Grunau Baby von Edmund Schneider.<br />
Dieser hatte sein Konstruktionsbüro in Grunau<br />
im Riesengebirge. 1931 war die erste Version<br />
flügge, und es folgten diverse Variationen.<br />
Viele Babys wurden mangels Flugzeughersteller<br />
Anfang der 1950er Jahre in Vereinsarbeit hergestellt.<br />
Das Baby der Quaxe fliegt seit 2007 unter deren<br />
Flagge und ist ein Typ IIb. Mit nur 160 Kilogramm<br />
Leergewicht ist die Zuladung natürlich<br />
auf mittelschwere Piloten beschränkt. Dennoch<br />
erfreut sich auch dieses Flugzeug großer<br />
Beliebtheit. Mitunter langt es sogar, dessen<br />
Flugbild beim Start, im Flug und bei der Landung<br />
aus der Bodenperspektive zu betrachten.<br />
Stampe SV.4<br />
Belgien – eigentlich mehr bekannt für gute<br />
Schokolade – hatte Anfang der 1930er Jahre<br />
ebenfalls eine Doppeldeckerkonstruktion an<br />
den Start gebracht. Es war die Stampe SV.4<br />
vom Zeichenbrett ihrer Väter Stampe und<br />
Vertongen. Sowohl in Frankreich als auch<br />
in Belgien wurde die Maschine aber erst<br />
nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt und in<br />
Serie gebaut. Hauptabnehmer waren die<br />
französische und belgische Luftwaffe. Der<br />
komplett in Holzbauweise gefertigte, verspannte<br />
Doppeldecker verfügt über sehr<br />
ausgewogene und harmlose Flugeigenschaften.<br />
Die einfache Handhabung und Gutmütigkeit<br />
machen die Stampe zur Ka 8 unter den<br />
Motorflugzeugen. Durch ihren gut 150 PS<br />
starken Reihenvierzylinder-Motor von Renault<br />
verfügt sie über so viel Leistungsüberschuss,<br />
dass auch nach langsamen<br />
Bodenmanövern wieder direkt in den Kunstflug<br />
übergegangen werden kann. Die Vereins-<br />
Stampe kommt aus Privatbesitz und befindet<br />
sich in einem authentischen Zustand.<br />
„Mit der Stampe bin ich 2008 das erste Mal<br />
zu einer Veranstaltung geflogen. Das erste<br />
Mal mit einem Doppeldecker zur damaligen<br />
Quax-Station Tempelhof – mit geliehener<br />
Motorrad-Lederhaube auf dem Kopf. Meine<br />
eigene hatte ich vergessen. Der Anflug über<br />
die Dächer Berlins hatte schon was, und<br />
dass mir beim Slippen das Headset vom Kopf<br />
geblasen wurde, machte diesen Flug zum unvergesslichen<br />
Erlebnis.“<br />
Cyril Duysker, Quax seit 2007<br />
Fotos: jfhp – Fotolia, Quax/MPS, Quax<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 39
[ MOTORFLIEGEN Flying ]<br />
Typen und Typen<br />
Drei Kriterien sind für einen Quaxflieger in spe unabdingbare<br />
Voraussetzung. Erstens: die Leidenschaft für historisches Fluggerät.<br />
Zweitens: die Lust am Anpacken. Drittens: die Fähigkeit,<br />
im Team zu arbeiten. Ein dickes Portemonnaie gehört hingegen<br />
nicht unbedingt dazu. Letzteres verwundert, wenn man sich<br />
anschaut, welche Schätzchen der Verein hegt und pflegt und seinen<br />
Mitgliedern zur artgerechten Haltung anvertraut. Artgerecht<br />
heißt in diesem Fall: zum Fliegen.<br />
Um die Geschichte vollständig zu erzählen, muss man etwa elf<br />
Jahre zurückgehen. Im Sommer 2005 besuchte eine kleine Gruppe<br />
deutscher Luftfahrtenthusiasten die Shuttleworth Collection und<br />
das Jahrestreffen des Moth Club in Woburn Abbey, Großbritannien.<br />
Dort fiel der Blick auf einige Flugzeuge vom Typ de Havilland<br />
Canada DHC-1 Chipmunk. Die Freunde überlegten, wie man sich<br />
selbst einen solchen Trainer leisten könnte.<br />
Wenige Monate später war der Entschluss gefasst, einen Verein<br />
zu gründen – die Quax-Flieger waren geboren.<br />
Gemeinsam wurde die Chipmunk D-EPAK finanziert, und schon damals<br />
träumte man davon, den Verein wachsen zu lassen. „So 30 Mitglieder<br />
und vielleicht noch ein weiterer Klassiker, das wäre doch<br />
was!“, erinnert sich Vereinspräsident Peter Sparding. Die nächsten<br />
Monate zeigten rasch, dass diese Vorstellung kein Wunschdenken<br />
war. Am Ende des Gründungsjahres hatten die Quaxe weit<br />
mehr als 100 Mitglieder, darunter rund 20 aktive Piloten, und<br />
mit Chipmunk, Focke-Wulf Stieglitz, Stampe SV.4 und Bücker<br />
Jungmann sowie zwei Segelflugzeugen eine kleine Flotte beisammen,<br />
die sich sehen lassen konnte.<br />
Dass der Verein so schnell wachsen konnte, dürfte nicht zuletzt<br />
an der Struktur mit mehreren Standorten und unterschiedlichen<br />
Mitgliedschaften liegen. So gibt es fördernde Mitglieder, die<br />
den Verein unterstützen und dafür in den Genuss günstigerer<br />
Konditionen kommen – beispielsweise bei Mitflügen in Vereinsmaschinen.<br />
Dann sind da die Piloten ohne eigenen Oldtimer, die<br />
aber gerne Erfahrungen auf historischem Geflügel sammeln, und<br />
schließlich diejenigen, die ein eigenes Fluggerät besitzen und<br />
von der guten Infrastruktur des Vereins profitieren möchten.<br />
Jeder bringt sich ein – sei es mit seinem Know-how, seiner<br />
Arbeitskraft oder auch finanziell.<br />
Die Flugzeuge des Vereins sind nicht nur am Gründungsort in<br />
Hamm-Lippewiesen beheimatet, sondern werden von verschiedenen<br />
Stationen aus betrieben. Aus den bereits im Sommer 2006 gegründeten<br />
Dependancen in Rheine-Eschendorf und Berlin hat sich<br />
mittlerweile ein Netz aus acht Standorten in ganz Deutschland<br />
entwickelt, an denen regelmäßig geflogen wird. Ein bis zwei Hangarplätze<br />
sind jeweils für die Flugzeuge des Vereins reserviert,<br />
auf dem Flugplatz Bienenfarm westlich von Berlin wird sogar ein<br />
kompletter Hangar inklusive Werkstatt genutzt. Hier finden sich<br />
die Quax-Flieger seit mittlerweile acht Jahren nach dem Osterwochenende<br />
zum „Ausmotten“ ein. Dabei bereiten sich die Piloten<br />
auf die Flugsaison vor und trainieren auf Vereinsfliegern.<br />
Gleichzeitig hat sich das Trainingslager zu einem großen Treffen<br />
der Mitgliederfamilien entwickelt, die nicht selten eine<br />
komplette Woche in Bienenfarm verbringen. So leben die Quaxe<br />
ihr Konzept des „Vereins für jedermann“.<br />
40 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Dem Problem des fehlenden Nachwuchses, das auch Luftfahrtvereine<br />
zu spüren bekommen, treten die Quaxe aktiv entgegen. Die<br />
ganz jungen Flugzeugfans finden bei den Quäxchen ein Zuhause.<br />
Einen Mitgliedsbeitrag gibt es hier nicht, es reicht, wenn ein<br />
(Groß)Elternteil ordentliches Mitglied ist. Wer selbst in die<br />
Luft gehen will, für den haben die Quaxe die „Jungen Adler“<br />
ins Leben gerufen. Mit diesem Förderprogramm wollen die alten<br />
Hasen junge Menschen beim Erwerb der Pilotenlizenz unterstützen.<br />
Voraussetzung ist, dass sich die Nachwuchspiloten und<br />
-schrauber im Verein besonders engagieren und Verantwortung<br />
übernehmen. Zudem verpflichten sie sich, mit dem Einstieg ins<br />
Berufsleben beziehungsweise ab Vollendung des 30. Lebensjahres<br />
einen Teil der erhaltenen Fördersumme in einen Fonds einzuzahlen<br />
– aus dem wiederum „junge Adler“ beim Erwerb der Lizenz<br />
unterstützt werden. „Es ist eine Art Generationenvertrag<br />
zwischen alten und jungen Piloten“, sagt Alexander Stendel und<br />
muss schmunzeln, als er sich selbst als alten Piloten bezeichnet<br />
– ist er doch gerade erst 40. „Diejenigen, die Geld verdienen,<br />
unterstützen jene, die für die Fliegerei brennen, sich<br />
die Lizenz allein aber nicht leisten könnten. Darum geht es.“<br />
Auch die berufliche Zukunft des Nachwuchses ist den Quaxen<br />
wichtig. Am Hauptstandort in Paderborn gibt es neben dem 2010<br />
eingeweihten Vereinshangar für Events und besondere Schmuckstücke<br />
auch Werkstätten. Das ist die Heimat der Quax Technik<br />
GmbH. Derzeit werden hier zwei junge Enthusiasten zu Fluggerätmechanikern<br />
ausgebildet. Der LTB darf Wartungs- und<br />
Reparaturarbeiten an Flugzeugen bis 5,7 Tonnen durchführen.<br />
Mit ihren EASA- und LBA-qualifizierten Prüfern wird der gesamte<br />
Service für diese Luftfahrzeuge abgedeckt. In Kooperation mit<br />
der Oskar Ursinus Vereinigung können sogar die jährlichen<br />
Lufttüchtigkeitsprüfungen für Flieger bis 2730 Kilogramm<br />
vorgenommen werden. Damit bietet der Verein seinen Mitgliedern<br />
die Chance, ihre Klassiker perfekt zu warten – natürlich zu<br />
besonderen Konditionen.<br />
Seit der Eröffnung des Vereinshangars in Paderborn ist hier<br />
das Zentrum des Quax-Universums. Der Airport bietet dank guter<br />
Erreichbarkeit, der Infrastruktur und besonders seiner 2180<br />
Meter langen Hauptbahn perfekte Möglichkeiten für den Verein.<br />
Highlight der Flugzeughalle ist der Präsentationsbereich – ein<br />
gläserner Bau, dessen außen liegende Träger an die Rippen<br />
eines Flügels erinnern. An drei Seiten mit Fenstern versehen,<br />
ermöglicht diese Konstruktion Besuchern immer einen Blick auf<br />
die Schmuckstücke der Sammlung.<br />
Hier kann man derzeit auch den aktuellen Neuzugang bestaunen:<br />
Pünktlich zum zehnten Geburtstag ist es den Quaxen gelungen,<br />
die letzte flugfähige Bücker 180 Student zu erwerben. Damit<br />
konnte der Verein einen weiteren historischen Schatz einflotten.<br />
Neben Focke-Wulf Stieglitz, Klemm 35, Boeing Stearman und<br />
Bücker 131 haben sich die Vereinsmitglieder noch ein weiteres<br />
Geschenk gemacht. Seit Ende 2015 halten sie 50 Prozent an<br />
einem Schweizer Militärtrainer vom Typ Pilatus P-2. Der Ganzmetallflieger<br />
mit Einziehfahrwerk ist mit dem Zwölfzylinder-<br />
Argus-Motor ein Sprung in Sachen Leistung.<br />
So ist der Verein ständig in Bewegung, neue Projekte werden<br />
verwirklicht, neue Ideen ausgeheckt. Vor zehn Jahren hätte<br />
niemand eine solche Entwicklung für möglich gehalten. Doch der<br />
Erfolg ist den Ziehschülern von „Fluglehrer Hansen“ nicht zu<br />
Kopf gestiegen. Noch immer schlafen sie im Zelt unter den<br />
Tragflächen ihrer Doppeldecker, sitzen abends entspannt mit den<br />
Gästen ihrer Veranstaltungen zusammen und sind immer offen für<br />
neue Mitglieder und tolle Ideen.<br />
Fotos: Tanja Gehling, jfhp – Fotolia, Philipp Prinzing<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 41
[ BUSINESS AVIATION Übersicht ]<br />
Embraer<br />
JUNGE FAMILIE<br />
Embraer stieg erst<br />
2005 voll in den Markt<br />
der Business Jets ein.<br />
Im Frühjahr wurde das<br />
1000. Flugzeug der<br />
inzwischen weitgefächerten<br />
Geschäftsreiseflugzeug-Familie<br />
ausgeliefert.<br />
42 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
PHENOM 100<br />
Auch zu Schulungszwecken<br />
wird der Twin eingesetzt:<br />
Die Emirates-Flugschule hat<br />
fünf Exemplare geordert.<br />
Auch für den kleinsten Jet im Portfolio<br />
stehen den Kunden zahlreiche<br />
Kabinenoptionen und Gestaltungsmöglichkeiten<br />
zur Auswahl.<br />
PHENOM 300<br />
Der Bestseller aus Brasilien:<br />
Kein Business Jet wurde in<br />
den vergangenen drei Jahren<br />
so oft ausgeliefert.<br />
Fotos: AAS, Embraer<br />
Die Freude war groß, als<br />
Flexjet am 19. April seine<br />
vierte Legacy 500 übernahm<br />
– gleichzeitig der 1000. von Embraer<br />
gebaute Geschäftsreisejet.<br />
Den Erfolg führt Marco Tulio Pellegrini,<br />
Chef von Embraer Executive<br />
Jets, auf die Fähigkeit zurück,<br />
„auf unsere Kunden zu hören und<br />
sie mit innovativen Lösungen für<br />
verschiedene Anforderungen“ zu<br />
versorgen. Das Portfolio der Brasilianer<br />
reicht mittlerweile vom<br />
Leichtjet bis zum ausgewachsenen<br />
Airliner-Abkömmling.<br />
Phenom 100<br />
Aus dem 2005 angekündigten<br />
Projekt „VLJ“ (Very Light Jet)<br />
wurde die Phenom 100, die Ende<br />
2008 erstmals ausgeliefert wurde.<br />
Sie ist Embraers kleinster Business<br />
Jet und in der Very-Light-Klasse<br />
bis fünf Tonnen angesiedelt. Typischerweise<br />
finden in der 3,35<br />
Meter langen Kabine vier Passagiere<br />
Platz. Ein abtrennbarer Waschraum<br />
mit Toilette ist auf Wunsch<br />
erhältlich. Wird die Toilette verstaut,<br />
kann der Platz bei Start und Lan-<br />
dung auch als Sitz genutzt werden.<br />
Zusammen mit einem optionalen,<br />
quer montierten Einzelsitz anstelle<br />
eines Schranks ergeben sich<br />
zwei zusätzliche Sitzplätze. Damit<br />
tritt die Phenom 100 gegen Cessnas<br />
Citation M2 an, die fast auf<br />
den Zentimeter gleich lang ist,<br />
allerdings nur für vier oder wahlweise<br />
fünf Fluggäste in der Kabine<br />
ausgelegt ist. Diese ist mit 1,45<br />
Metern Innenhöhe fünf Zentimeter<br />
niedriger als bei Embraer. Dafür<br />
büßt das brasilianische Muster bei<br />
der Reichweite ein: 2182 Kilometer<br />
sind knapp 700 Kilometer weniger,<br />
als die Citation M2 erreicht.<br />
Der Listenpreis für ein durchschnittlich<br />
nach EASA-Richtlinien ausgestattetes<br />
Flugzeug beträgt 4,8<br />
Millionen Dollar. 2011 fand ein<br />
kleines Update statt mit neuen<br />
Sitzen, einer erhöhten Trockenmasse<br />
sowie multifunktionalen<br />
Spoilern. Die neu gegründete Flight<br />
Training Academy von Emirates<br />
wird die Phenom 100 ab 2017 als<br />
Schulflugzeug für die Jetausbildung<br />
ihrer Nachwuchs piloten nutzen.<br />
Die Golf-Airline hat fünf Maschinen<br />
des Typs bestellt.
[ BUSINESS AVIATION Übersicht ]<br />
LEGACY 450<br />
Im Cockpit der Legacy 450 und 500<br />
kommt das Pro-Line-Fusion-Paket<br />
von Rockwell Collins zum Einsatz.<br />
Bei knapp 20 Meter Außenlänge finden sieben<br />
Einzelsessel Platz in der 450. Eine Toilette ist<br />
ebenfalls an Bord. Die Steuerung erfolgt über<br />
Fly-by-Wire.<br />
LEGACY 500<br />
Sie basiert auf ihrer kleinen<br />
Schwester, der Legacy 450,<br />
verfügt aber über mehr Platz<br />
in der Kabine.<br />
Fotos: AAS, Embraer<br />
Phenom 300<br />
Die Phenom 300 wurde ebenfalls<br />
20<strong>09</strong> eingeführt und hat denselben<br />
Rumpfdurchmesser wie die Phenom<br />
100. Mit 8,6 Tonnen maximaler<br />
Startmasse wiegt sie dabei fast<br />
doppelt so viel wie ihre kleinere<br />
Schwester. Standardmäßig verfügt<br />
die 300 über sechs Passagiersitze.<br />
Anstelle eines Schranks in der<br />
Kabine sind entweder ein zusätzlicher<br />
Sitz oder ein Sofa für zwei<br />
Personen erhältlich. Die Reichweite<br />
von 3650 Kilometern ermöglicht<br />
Direktflüge von London nach Istanbul.<br />
Wie auch die kleinere Phenom<br />
100 ist die 300 für Single-Pilot-<br />
Betrieb zugelassen. Im Prodigy-<br />
Flight-Deck kommt moderne<br />
Avionik auf Basis des Garmin G1000<br />
mit drei Bildschirmen zum Einsatz.<br />
Darüber hinaus bietet es auch<br />
Touch-Funktionen. Gemäß Liste<br />
kommt eine Phenom 300 auf einen<br />
Preis von 10,4 Millionen Dollar.<br />
Legacy 450/500<br />
Im Jahr 2007 fiel der Startschuss<br />
für ein Doppelprojekt in der Midsize-Klasse:<br />
Die Legacy 450 und<br />
500 wurden gemeinsam von Grund<br />
auf neu entwickelt. Gleich ist die<br />
moderne Cockpitausstattung: So<br />
waren die beiden Legacys die ersten<br />
Jets in dieser Kategorie, die<br />
über eine Fly-by-Wire-Flugsteuerung<br />
mittels Sidestick verfügten.<br />
Die Avionik stammt aus der Pro-<br />
Line-Fusion-Reihe von Rockwell<br />
Collins und beinhaltet auch ein<br />
Head-up-Display sowie wunschweise<br />
ein Enhanced-Vision-System.<br />
Aufgrund der symmetrischen Anordnung<br />
stehen beiden Piloten<br />
dieselben Informationen zur Verfügung,<br />
was einen problemlosen<br />
Zweimannbetrieb ermöglicht. Des<br />
Weiteren kommt erstmals ein elektronisch<br />
geregeltes Brems system<br />
(Brake-by-Wire) zum Einsatz. Beide<br />
Modelle verfügen über einen<br />
vollständig abgetrennten Waschraum.<br />
Die Legacy 450 ist knapp 20<br />
Meter lang und hat in der serienmäßigen<br />
Ausführung Platz für<br />
sieben Einzelsessel in der Kabine.<br />
Diese bietet eine Innenhöhe von<br />
1,83 Metern. Die Reichweite beträgt<br />
typischerweise 5371 Kilometer.<br />
Zertifiziert wurde der Mid-light Jet<br />
im Spätsommer 2015.<br />
Ein Jahr früher kam seine technisch<br />
eng verwandte, gut einen<br />
Meter längere Schwester auf den<br />
Markt. Diese ist mit 17 200 Kilogramm<br />
maximaler Startmasse<br />
etwa eine Tonne schwerer und<br />
bietet neben den aus der 450 bekannten<br />
Features eine geräumigere<br />
Kabine mit einem zusätzlichen<br />
Sessel. Auf Wunsch sind zwei im<br />
Heckbereich längs montierte Sofas<br />
erhältlich. Die Reichweite ihres<br />
Pendants übertrifft die 500 um gut<br />
400 Kilometer, was sie für Direktflüge<br />
von der Ost- zur Westküste<br />
der USA qualifiziert.<br />
44 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
LEGACY 650<br />
Die Verwandtschaft zum<br />
Regionaljet ERJ 135 ist<br />
nicht zu leugnen.<br />
Noch mehr King Air-Performance,<br />
z.B. mit BLR Whisper Props !<br />
So komfortabel geht Business Jet: Die Legacy 650 profitiert von<br />
der großzügigen Kabine und sorgt mit einer Clubanordnung von vier<br />
Einzelsitzen für eine angenehme Atmosphäre.<br />
Unsere Modifikationen:<br />
Propeller:<br />
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Engines:<br />
Licht:<br />
BLR Whisper (5-Blatt) + Hofmann Props,<br />
Raisbeck Swept Blade Props (je 4-Blatt)<br />
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Frakes Exhaust Stacks + BLR Winglets<br />
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Beechcraft LED Kit + LoPresti Boom Beam<br />
Legacy 600/650<br />
Bereits zur Jahrtausendwende<br />
begann Embraer mit den Arbeiten<br />
an einer Businessversion<br />
seines Regionalflugzeugs ERJ<br />
135. Die Legacy 600 verfügt über<br />
ein Zweimanncockpit, dessen<br />
enge Verwandtschaft zu dem<br />
seines Basismodells nicht zu<br />
leugnen ist. Nicht nur der Preisunterschied<br />
von etwa zehn Millionen<br />
Dollar zur Legacy 500 macht<br />
deutlich, dass mit dem Airliner-<br />
Abkömmling der Sprung eine<br />
Klasse nach oben erfolgt. Die<br />
Kabine bietet drei Zonen mit Platz<br />
für insgesamt 14 Passagiere. Die<br />
Clubanordnung mit Viererabteilen<br />
ermöglicht großzügige Sitz-<br />
einstellungen bis hin zu Einzelbetten<br />
und einem geräumigen<br />
Waschraum. Mit einer Außenlänge<br />
von über 26 Metern spielt der<br />
Jet dabei in der Klasse einer<br />
Gulfstream G450. Deren Reichweite<br />
von gut 8000 Kilometern<br />
kann die Legacy 600 jedoch nicht<br />
erzielen. Um dieses Manko auszugleichen,<br />
begann Embraer 2008<br />
mit der Entwicklung der Legacy<br />
650. Sie hat dank größeret Tanks<br />
und höheret Abflugmasse eine<br />
um etwa 1000 auf 7200 Kilometer<br />
erhöhte Reichweite. Damit<br />
ist der Twin fit für Transatlantikflüge.<br />
Fast schon bei den Airlinern<br />
ist die Lineage 1000E<br />
einzuordnden.<br />
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Ein Unternehmen der Atlas Air Service AG
[ KOLUMNE ]<br />
Als Dr. Spornrad beleuchtet ein Kenner der Szene exklusiv für den <strong>aerokurier</strong> die großen und kleinen Geheimnisse der GA<br />
Vom Tick mit dem Zeitmesser<br />
Die Fliegeruhr gehört zum Aviateur wie die Sonnenbrille, der Overall und der Pilotenkoffer.<br />
Unser Kolumnist fragt sich, ob das klassische Zeiteisen noch zeitgemäß ist und was man von<br />
der Besser-genauer-teuerer-Politik der Uhrenhersteller halten soll.<br />
Illustrationen: Ralf Athen, Harald Hornig<br />
Kaum einer weiß heute noch, dass die<br />
Armbanduhr eine U(h)r-Erfindung aus<br />
der Luftfahrt ist. Kein Geringerer als<br />
der Uhrenhersteller Cartier hatte seinem besten<br />
Freund, Alberto Santos Dumont, just über<br />
Nacht die zu Zeiten der Belle Époque handelsübliche<br />
Herrentaschenuhr ans Handgelenk<br />
gezaubert. Grund dafür war, dass der Aviateur<br />
die Aufgabe hatte, den Eiffelturm binnen 30<br />
Minuten einmal zu umrunden. Alberto hatte<br />
aber, um die Steuerbarkeit von Luftfahrzeugen<br />
zu demonstrieren, alle Hände voll zu tun.<br />
Er konnte nicht ablassen von den vielen kleinen<br />
Hebelchen, um sein monströses Luftschiff<br />
ordnungsgemäß zu einem 360-Grad-Kreis um<br />
das Wahrzeichen der Weltausstellung<br />
von 1900 zu bewegen.<br />
Die Uhr half, das ausgelobte<br />
Preisgeld zu gewinnen.<br />
Dieses stiftete er<br />
sogleich den Arbeitern<br />
und Bettlern von Paris.<br />
Dumont war dank eines<br />
Milliardenerbes finanziell<br />
unabhängig und<br />
hatte im Gegensatz zu<br />
vielen seiner Mitbewerber<br />
um die Eroberung des<br />
Luftmeeres all sein Wissen<br />
und seine eigenen Patente der<br />
Luftfahrt kostenfrei zur Verfügung<br />
gestellt. Die Uhr „Santos Dumont“ kann<br />
man übrigens auch heute noch bei besagtem<br />
Juwelier für den Preis eines<br />
Mittelklassewagens käuflich erwerben.<br />
Der Mythos Fliegeruhr ist seither<br />
in merkwürdige Richtungen marschiert.<br />
Technologischer Höhepunkt ist heute<br />
wohl der Technische Standard<br />
Fliegeruhren, kurz TESTAF, ein Anforderungskatalog<br />
– entwickelt von<br />
der FH Aachen und Sinn Spezialuhren<br />
–, der altrenommierte Uhrenhersteller<br />
auf den ersten Blick wirklich<br />
alt aussehen lässt. Der andere Höhepunkt,<br />
in diesem Fall an Geschmacklosigkeit,<br />
findet sich an Stellen, wo<br />
schnell mal ein Euro gemacht wird bei<br />
dem Verkauf einer limitierten Sonderauflage<br />
für einen kurz zuvor verunfallten<br />
Fliegerfreund in memoriam. In beiden<br />
Gehäusen findet sich womöglich ein, ich<br />
nenne es mal Kaugummiautomaten-Kaliber<br />
der 1970er Jahre.<br />
OK, ich will eine Automatik, denn Quarz<br />
und Batterie sind schlecht für den ökologischen<br />
Fußabdruck. Das Werk muss natürlich aus der<br />
Schweiz oder – noch besser – der Sächsischen<br />
Schweiz kommen. Oder doch aus China? Oder<br />
aus Hongkong? Die wenigsten etablierten<br />
Markenuhren haben heute noch eigene Kaliber.<br />
Die Masse bedient sich mechanischer Werke<br />
asiatischen Ursprungs. Fakt ist, dass ich ’ne<br />
fette „B“ als Plagiat aus Hongkong schon für<br />
’nen „Fuffi“ bekommen kann. Protz am Fliegerstammtisch<br />
ist Programm.<br />
Nur wenige erkennen den<br />
Unterschied zum Original auf<br />
den ersten Blick. Nur dem<br />
Kenner fällt auf, dass der<br />
Sekundenzeiger, weil elektrisch<br />
betrieben, deutlich<br />
anders rennt als der mechanische.<br />
Dass das Ding<br />
bereits bei Regen oder<br />
nach einem Absturz vom<br />
Nachtkästchen der Liebsten seinen Geist aufgibt,<br />
gesteht niemand offiziell und freiwillig.<br />
Aber wozu in Zeiten hochpräziser GPS-<br />
Navigationsgeräte, Ich-Phones & Co noch in<br />
einen Chrono investieren? Understatement<br />
könnte ein Grund sein, Ästhetik ein weiterer.<br />
Sammelleidenschaft und Geldanlage erscheinen<br />
auch plausibel.<br />
Woher allerdings nehme ich die Gewissheit,<br />
wirklich Qualität zu kaufen? Hinter manch<br />
alter deutscher Marke verbirgt sich nurmehr<br />
die Vermarktungsidee des Namens. Steigt man<br />
tiefer ein, so finden sich auch hier oft nur drittklassige<br />
Uhrwerke unter dem Chassis. Aber<br />
es ist halt eine Branche, die anders tickt als<br />
die von der NASA als einzig weltraumtaugliche<br />
Uhr akzeptierte Omega Speedmaster. By<br />
the way – diese wurde unter hunderten von<br />
Ladenuhren anonym zu dem gemacht, was<br />
sie heute ist. Als Massenprodukt erfüllte sie<br />
einfach alle von der NASA vorab festgelegten<br />
Kriterien.<br />
Aber nochmal zurück zur Notwendigkeit:<br />
Wozu brauche ich als Pilot überhaupt eine<br />
Zeiger-uhr mit Chronograph? In meiner Theorieprüfung,<br />
ich glaube im Jahr 1983, hat der<br />
Prüfungsrat eine Pilotin in spe vor versammelter<br />
Mannschaft bloßgestellt. Originalaussage<br />
an die junge Dame, die eine Digitaluhr trug:<br />
„Wenn Sie zu mir in die theoretische Nachprüfung<br />
im Fach Navigation kommen, dann<br />
fallen Sie garantiert durch!“ Was wollte<br />
der böse Onkel der bajuwarischen Luftfahrtbehörde<br />
damit sagen? Nichts anderes<br />
als: Wenn der Controller sagt,<br />
in ihrer Zehn-Uhr-Position befindet<br />
sich Gegenverkehr und Sie antworten<br />
„Sorry, hab nur `ne digitale Uhr“, dann<br />
kommt das nicht gut an. Aber der<br />
Prüfer hatte damals wohl mehr die<br />
Positionsbestimmung via Sonnenstand<br />
und Stundenzeiger gemeint.<br />
Also wozu dann das Ding am Gelenk?<br />
Ganz einfach: Weil’s toll ausschaut<br />
und dazugehört wie der Pilotenkoffer<br />
und der Fliegeroverall. Und,<br />
nicht zu vergessen, die Sonnenbrille.<br />
Nur so sind wir zeitgemäße Piloten und<br />
als solche auch zu erkennen. Lasst es<br />
weiterticken. Und manchmal zeigt es ja<br />
sogar die richtige Zeit an.<br />
ae<br />
46 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Das Original seit 1988<br />
SPECIAL<br />
in Kooperation mit<br />
Technologie-Vorreiter<br />
Die Erfolgsgeschichte<br />
der Bo 105<br />
Helikopter<br />
Konner K2<br />
Der neue Turbinenhelikopter<br />
aus Italien<br />
Schutzgebühr € 2,60<br />
Technikreport<br />
Das kann die Robinson<br />
R66 Turbine im Einsatz<br />
Der aktuelle Branchenguide <strong>2016</strong>/2017<br />
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[ HELIKOPTER SPECIAL ]<br />
VARIABEL<br />
MODERN<br />
PREISWERT<br />
Die R66 Turbine<br />
hat die R44 als<br />
Robinsons Topmodell<br />
abgelöst.<br />
Fotos: Marzinzik, Robinson Helicopter<br />
Gerhard Marzinzik<br />
Stellvertr. Chefredakteur<br />
<strong>aerokurier</strong><br />
Technik auf dem Stand der Zeit, Kundenorientierung<br />
und Variabilität im Einsatz sind die drei<br />
Säulen für erfolgreiche Hubschrauber.<br />
In diesem Helikopter-Special zeigen wir, wie diese drei Säulen<br />
Robinson-Hubschraubern, von der R22 bis zur R66 Turbine, und<br />
die Bo 105 zu großer Marktakzeptanz verholfen haben.<br />
In den 40 Jahren seines Bestehens hat Robinson Helicopter weltweit<br />
12 000 Hubschrauber verkauft. Der Verkaufspreis für die R22<br />
lag zum Markteintritt bei heute kaum mehr vorstellbaren 40 000<br />
Dollar. Rund 900 000 Dollar kostet jetzt die R66 Turbine, von der<br />
seit 2011 auch schon 720 verkauft wurden.<br />
Eine andere Erfolgsgeschichte hat MBB mit der Bo 105 geschrieben.<br />
55 Jahre nach Entwicklungsbeginn wird der vielseitige Helikopter jetzt bei der Bundes wehr<br />
ausgemustert. Als technologischer Vorreiter mit Rotorblättern in Faserverbundbauweise<br />
und einem gelenklosen Rotorkopf hatte die Bo 105 schnell Karriere gemacht.<br />
Mit der Konner K2 stellen wir den jüngsten Turbinenhubschrauber der Ein-Tonnen-Klasse<br />
vor. Eigentlich hatte der Hersteller allein das Triebwerk entwickeln wollen. Jetzt baut er<br />
den passenden Hubschrauber drumherum.<br />
Inhalt<br />
4 Bo 105<br />
Technik und Geschichte des<br />
ersten Hubschraubers der<br />
jungen deutschen Luftfahrtindustrie<br />
nach dem Krieg<br />
10 R66 Turbine<br />
Was das Topmodell von<br />
Robinson mehr kann als das<br />
Ausgangsmuster R44<br />
14 Robinson<br />
Erfolgsgeschichte eines<br />
Familienbetriebs<br />
16 Konner K2<br />
Ein neuer Hubschrauber der<br />
Ein-Tonnen-Klasse<br />
18 Branchenguide <strong>2016</strong>/2017<br />
Helikopterbetreiber in<br />
Deutschland, Österreich, der<br />
Schweiz und Liechtenstein<br />
22 Impressum<br />
Titelfotos: RBCP/Flavien Duhamel, Robinson Helicopter<br />
Helikopter Special 9/<strong>2016</strong> 3
[ HELIKOPTER SPECIAL ]<br />
4 Helikopter Special 9/<strong>2016</strong>
Messerschmitt-Bölkow-Blohm Bo 105<br />
LADY BO<br />
Die MBB Bo 105 war der erste Hubschrauber der jungen<br />
bundesdeutschen Luftfahrtindustrie. Dank modernster<br />
Technik geriet er gleich zum Erfolgsmodell. 55 Jahre<br />
nach Entwicklungsbeginn wird er bei der Bundeswehr<br />
jetzt ausgemustert.<br />
AUTOR: Toni Ganzmann<br />
Foto: RBCP/Cornelius Braun<br />
Helikopter Special 9/<strong>2016</strong> 5
[ HELIKOPTER SPECIAL ]<br />
[ 1 ]<br />
6 Helikopter Special 9/<strong>2016</strong>
[ 1 ] Looping mit einem Hubschrauber. Das gab es erst mit der für Kunstflug zugelassenen<br />
Bo 105. [ 2 ] Als erster Hubschrauber weltweit erhielt die Bo 105 einen starrem<br />
Rotorkopf ohne Schlag- und Schwenkgelenke als Verbundkonstruktion. Der Rotorkopf<br />
besteht aus einer Titanlegierung mit innenliegenden Elastomerelementen zur Schlagdämpfung.<br />
[ 3 ] Kopfüber: Bei den Flying Bulls führt die Bo 105 dank ihrer Akrotauglichkeit<br />
ein Künstlerdasein.<br />
[ 2 ]<br />
[ 3 ]<br />
Fotos: RBCP/Adam Koch, Toni Ganzmann (2)<br />
Technische Geräte verlieren<br />
in unserer schnelllebigen<br />
Zeit rasch an Interesse. Anders<br />
bei Straßenfahrzeugen.<br />
Sind sie mindestens 30 Jahre alt, so<br />
bezeichnet man sie liebevoll als Oldtimer<br />
und pflegt sie. Bei Luftfahrzeugen<br />
denkt man bei Oldtimern in erster<br />
Linie an Doppeldecker und die<br />
damit verbundenen abenteuerlichen<br />
Geschichten. Und wie sieht es mit<br />
Hubschraubern aus, die in die Jahre<br />
gekommen sind?<br />
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts<br />
hatte Deutschland im Bereich<br />
der Hubschrauberentwicklung<br />
eine führende<br />
Position inne. Aufbauend<br />
auf den Konstruktionen<br />
von Baumgärtl, Hirt, Rüb,<br />
um nur einige deutsche Drehflüglerpioniere<br />
zu nennen, schafften es<br />
schließlich Konstrukteure wie Flettner<br />
und Focke, zuverlässige Senkrechtstarter<br />
zu bauen. Das Flugverbot<br />
der Alliierten nach dem Zweiten<br />
Weltkrieg führte allerdings zu einer<br />
Stagnation, die bis zur Wiederzulassung<br />
des Motorflugs im Mai 1955<br />
anhielt. Dann aber galt es, den Vorsprung<br />
ausländischer Hersteller wie<br />
Sikorski, Kamow, Bell oder Sud Aviation,<br />
aufzuholen. Die Bölkow-Entwicklungen<br />
KG, ein süddeutscher<br />
Luftfahrzeughersteller, sah Anfang<br />
der 1960er Jahre gute Marktchancen<br />
für einen deutschen Hubschrauber,<br />
wenn er sich denn durch folgende<br />
Sicherheitsmerkmale auszeichnete:<br />
Antrieb mit zwei Turbinen, Rotorsystem<br />
ohne Gelenke, Blätter aus Verbundwerkstoff,<br />
hoch liegender Heckrotor,<br />
besondere Langlebigkeit und<br />
Wartungsfreundlichkeit der einzelnen<br />
Komponenten. Der Entwicklungsaufwand<br />
wäre hoch und somit kostenintensiv;<br />
die Bundesregierung aber<br />
signalisierte aus wirtschaftlichen<br />
Gründen Förderwilligkeit und subventionierte<br />
das Projekt mit einem<br />
Darlehen von 60 Prozent, das bei<br />
Markterfolg zurückzuzahlen war. Und<br />
man vereinbarte Risikoteilung mit<br />
Zulieferern, wie zum Beispiel der<br />
Firma ZF Friedrichshafen, die das<br />
Hauptgetriebe auf eigene Kosten<br />
entwickelte.<br />
Im Gegensatz zu allen anderen<br />
Hubschraubern entschied man sich<br />
für ein vierblättriges Rotorsystem,<br />
dessen Kopf aus einem Stück aus<br />
Titan geschmiedet ist und zur Schlagdämpfung<br />
über innenliegende Elastomerelemente<br />
verfügt. Die klassischen<br />
Schlag- und Schwenkgelenke konnten<br />
aufgrund der hohen Elastizität der<br />
aus glasfaserverstärktem Kunststoff<br />
(GFK) gefertigten Blätter entfallen,<br />
und man sparte durch die Verringerung<br />
der Teilezahl im Rotorkopf Kosten.<br />
Im Flug stellte man eine erhöhte<br />
Roll- und Nickdämpfung fest sowie<br />
VON 1407 GEBAUTEN MBB BO 105 SIND<br />
WELTWEIT NOCH 467 EXEMPLARE IM EINSATZ<br />
eine außergewöhnlich gute Manövrierbarkeit.<br />
Als Antrieb sollten die<br />
deutschen MAN-Turbo-5-6022-Turbinen<br />
mit jeweils 375 PS Startleistung<br />
eingesetzt werden. Wegen auftretender<br />
Probleme entschied man sich<br />
bei der Serienfertigung jedoch für<br />
Rolls-Royce/Allison-Wellenturbinen,<br />
die es später in unterschiedlichen<br />
Leistungsstufen ab 390 PS Dauerleistung<br />
gab.<br />
Helikopter Special 9/<strong>2016</strong> 7
[ HELIKOPTER SPECIAL ]<br />
Bei den deutschen und niederländischen Streitkräften fand die<br />
Bo 105 vielfältige Verwendung.<br />
Eine Bo 105 im Rettungseinsatz beim ADAC für den Transport<br />
von Kranken und Verletzten.<br />
Zu ihrem Ausscheiden aus den Streitkräften erhielt diese Bo 105 eine Sonderlackierung.<br />
Von 1978 bis Ende 2014 stand sie bei der Bundeswehr im Dienst.<br />
Bo 105 im Einsatz für<br />
den Truppentransport.<br />
Am 17. Februar 1967 führte Chefpilot<br />
Baron Wilfried von Engelhardt<br />
einen 18 Minuten langen Erstflug mit<br />
einem Prototyp der Bo 105 durch.<br />
Bereits drei Jahre später, die Messerschmitt<br />
AG hatte mittlerweile<br />
Bölkow übernommen und durch Fusion<br />
mit einem Tochterunternehmen<br />
der Schiffswerft Blohm & Voss die<br />
Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH<br />
(MBB) gegründet, erhielt der Hubschrauber<br />
die Musterzulassung vom<br />
Luftfahrt-Bundesamt.<br />
Genau in diese Zeit fiel der Aufbau<br />
eines deutschen Luftrettungswesens,<br />
und ein moderner<br />
Hubschrauber aus<br />
dem eigenen Land war<br />
natürlich sehr willkommen.<br />
So bestellte das Bundesministerium<br />
des Innern (BMI) für ein<br />
flächendeckendes System 18 Bo 105.<br />
Gleichzeitig zeigten einige Länderpolizeien<br />
und die deutschen und<br />
niederländischen Streitkräfte Interesse<br />
an diesem Mehrzweckhubschrauber,<br />
für den bald auch individuelle<br />
Sonderausrüstungen zur Verfügung<br />
standen. Seitens dieser Bedarfsträger<br />
wurden für die Erprobung<br />
kleinere Stückzahlen in Auftrag gegeben.<br />
Zeitgleich erhielt die Bo 105<br />
die Verkehrszulassung in den USA<br />
und Großbritannien, wo sie, mit der<br />
405 PS starken Allison-C20-Turbinen-<br />
Baureihe ausgestattet, hauptsächlich<br />
im Offshore-Bereich eingesetzt werden<br />
sollte.<br />
Um die zivile Bo 105 CB auch im<br />
militärischen Bereich vermarkten zu<br />
können, musste sie den „taktischen<br />
Forderungen“ angepasst werden.<br />
Dazu war die Zellenstruktur zu verstärken,<br />
die Leistungsfähigkeit von<br />
Hauptgetriebe und Heckrotor zu erhöhen<br />
und ein bruchsicheres Kraftstoffsystem<br />
einzubauen. 1974 bestellte<br />
die Königlich Niederländische<br />
Luftwaffe 30 Hubschrauber. Zwei<br />
Jahre später genehmigte der deutsche<br />
Verteidigungsausschuss die Beschaffung<br />
von Bo 105 in der Version als<br />
Aufklärungs- und Verbindungshubschrauber<br />
(VBH). Die Zuverlässigkeit<br />
und konkurrenzlose Manövrierbarkeit<br />
dieses Drehflüglers – er gilt als der<br />
erste, der kontrollierte Loopings fliegen<br />
konnte – prädestinierten ihn<br />
schließlich nach weiteren technischen<br />
Veränderungen als bewaffneten Panzerabwehrhubschrauber<br />
(PAH). Insgesamt<br />
flogen 100 Bo 105 als VBH<br />
und 212 in den PAH-Regimentern.<br />
Über 30 Jahre lang standen diese<br />
problemlosen Hubschrauber im militärischen<br />
Dienst, bis Nachfolgemuster<br />
sie schließlich sukzessive ersetzten.<br />
Ende <strong>2016</strong> stellt die Bundeswehr<br />
FÜR DEN OFFSHORE-EINSATZ IN DEN USA<br />
UND GROSSBRITANNIEN ERHIELT DIE BO 105<br />
EINE 405 PS STARKE ALLISON-TURBINE<br />
ihre letzten Bo 105, die noch zu Ausbildungszwecken<br />
fliegen, endgültig<br />
außer Dienst.<br />
Seit Markteinführung zeigte MBB<br />
potenziellen Großkunden gegenüber<br />
immer wieder hohe Flexibilität und<br />
entwickelte bedarfsträgergerechte<br />
Modellvarianten. So gab es Unterschiede<br />
in der Zellenlänge, Turbinenleistung<br />
und Nutzlast, und es wurden kom-<br />
8 Helikopter Special 9/<strong>2016</strong>
Daten MBB Bo-105-Varianten<br />
Bo 105 C Bo 105 CBS Bo 105 LS Bo 105 M/P<br />
Rumpf (LxBxH cm) 830x158x300 881x158x300 855x158x300 972x158x300<br />
Triebwerk Allison 250- C20 C20B C28C C20BIII<br />
Start-/Dauerleistung (PS) 405/390 425/405 557/507 420/420<br />
Leermasse (kg) 1194 1261 1382 1430/1690<br />
Zuladung (kg) 1106 1039 1018 870/810<br />
max. Abfluggewicht (kg) 2300 2500 2600 2300/2500<br />
Hauptrotor<br />
Vierblatt, GFK, D = 98,4 cm, Blatttiefe 27 cm<br />
Heckrotor<br />
Zweiblatt, halbstarr, D = 192 cm, Blatttiefe 18 cm<br />
Flugleistungen robinson_r44_cadet_new_gen_ad_<strong>aerokurier</strong>__july_issue.pdf V max 270 km/h, best. Steigen senkr. 1 5/23/<strong>2016</strong> ca.3 m/s, 1:35:47 Flugzeit PM2,5<br />
h<br />
Fotos: ADAC, Bundeswehr, Bundeswehr/Sebastian Wilke (2), RBCP/Flavien Duhamel<br />
plette Innenausstattungen für diverse<br />
Anwendungsbereiche angeboten.<br />
Im Rahmen eines Hochgeschwindigkeitsprojektes<br />
erreichte eine Bo 105<br />
sogar die Marke von 400 km/h.<br />
C<br />
Obwohl alle Nutzer mit diesem<br />
M<br />
Mehrzweckhubschrauber überaus<br />
Y<br />
zufrieden waren, erfüllte er im neuen<br />
Jahrtausend bald nicht mehr die ge-Csamten<br />
überarbeiteten europäischen<br />
MY<br />
Betriebsvorschriften für den gewerblichen<br />
Verkehr und durfte im Rettungs-<br />
CY<br />
CMY<br />
dienst nicht mehr eingesetzt werden.<br />
Dennoch sind von 1407 gebauten Bo<br />
K<br />
105 weltweit immer noch 467 im Betrieb.<br />
Sie werden, je nach Restlaufzeit,<br />
heute noch mit mindestens 450000<br />
Euro gehandelt und kosten um die<br />
2000 Euro pro Flugstunde.<br />
Auch solch ein erfolgreicher Hubschrauber<br />
wie die Bo 105, übrigens<br />
der einzige Hubschrauber mit Kunstflugzulassung,<br />
geht den Lauf aller<br />
Dinge: Er wird von neuen Mustern<br />
abgelöst, die stärker und leiser sind,<br />
weniger Treibstoff verbrauchen und<br />
eine bessere Performance bieten. Im<br />
Hubschraubermuseum Bückeburg<br />
wird die Bo 105 aber dauerhaft zu<br />
bewundern sein.<br />
ae<br />
The new R44 Cadet combines the performance and<br />
comfort of the proven R44 Raven I with the economy<br />
and utility of the R22.<br />
• 2 Plus Cargo<br />
• 2400-Hour TBO<br />
• Optional Air Conditioning<br />
• Improved Performance at High Altitudes<br />
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$339,000<br />
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Helikopter Special 9/<strong>2016</strong> 9
[ HELIKOPTER SPECIAL ]<br />
Robin R66<br />
ROBINSON<br />
AUTOR: Toni Ganzmann<br />
Lange hat es gedauert, bis die R66<br />
Turbine die EASA-Zertifizierung erhalten<br />
hat. Was die R66 dem Piloten abfordert,<br />
hat sich Toni Ganzmann angesehen.<br />
Flugplatz Bonn/Hangelar. Zwei<br />
knallrote Robinson-Hubschrauber<br />
glänzen im Sonnenlicht<br />
vor den Hallentoren<br />
der Firma Air Lloyd. Zwei R44, denke<br />
ich zuerst, bis mir Unterschiede<br />
im Heckbereich der Zellen und in der<br />
Beschriftung auffallen: Einer der beiden<br />
ist die neue, fünfsitzige R66 Turbine!<br />
Ein Anruf bei Air Lloyd genügt,<br />
und Frau Lorenz, die oberste Qualitätsmanagerin<br />
des Unternehmens,<br />
vermittelt sofort ein Gespräch mit<br />
dem Geschäftsführer Dieter Klein.<br />
Schon wenige Tage später steht die<br />
rote R66 für einen Flug bereit. Mir<br />
wird Helmut Appelfeller, der Flugbetriebs-<br />
und Ausbildungsleiter der<br />
Firma, zur Seite gestellt, und ich bekomme<br />
während der Vorflugkontrolle<br />
von ihm eine Druckbetankung mit<br />
Fakten und Details. „Im Vergleich zur<br />
R44 ist dieser Hubschrauber rund 20<br />
10 Helikopter Special 9/<strong>2016</strong>
MIT TURBINE<br />
Zentimeter breiter und höher“, erklärt<br />
er. Und weiter: „Das Rotorsystem ist<br />
identisch, nur die Blatttiefe ist um<br />
vier Zentimeter gewachsen.“<br />
Um den Rotorkopf zu überprüfen,<br />
bedarf es keiner Leiter, denn es gibt<br />
Klappen, deren Rahmen als Trittstufen<br />
verstärkt sind. Ebenfalls genial<br />
durchdacht: Wird der Tankdeckel<br />
nicht richtig verschlossen, geht die<br />
Abdeckklappe nicht zu, und diese<br />
wird elektrisch überwacht. Das gilt<br />
auch für die Gepäckraumtüre. Hilfreich<br />
beim Check ist auch die Beleuchtung<br />
der Ölschaugläser im Getrieberaum.<br />
Bei abgenommener Cowling liegt das<br />
Triebwerk RR-300 völlig frei und lässt<br />
erkennen, dass es eigentlich eine<br />
Turbine der Allison-250-Familie ist.<br />
Die Firma Rolls-Royce, die die amerikanische<br />
Allison Engine Company<br />
übernommen hat, veränderte im Wesentlichen<br />
an dem bewährten Basismuster<br />
lediglich den Kompressorbe-<br />
Foto: Toni Ganzmann<br />
Helikopter Special 9/<strong>2016</strong> 11
[ HELIKOPTER SPECIAL ]<br />
[ 1 ]<br />
Auch die R66 Turbine<br />
fliegt mit Zweiblattrotor.<br />
reich. Sie schuf ein nur 91 Kilogramm<br />
wiegendes Aggregat, das für Robinson<br />
auf 224 PS Dauerleistung reduziert<br />
wurde, um in keiner Situation<br />
an die Leistungsgrenze zu stoßen.<br />
Der Verbrauch im Normalbetrieb liegt<br />
bei 80 Litern Kerosin je Stunde. Zur<br />
Verfügung stehen 279 Liter.<br />
Im Innenraum der Zelle hat der<br />
amerikanische Hersteller keine gravierenden<br />
Neuerungen eingeführt,<br />
nur die hintere Sitzreihe erhielt einen<br />
dritten Platz. Dieser macht allerdings<br />
keinen vollwertigen Eindruck, sondern<br />
gleicht eher einem Notsitz. Da die<br />
R66 auch einen passablen Gepäckraum<br />
hat, der mit 136 Kilogramm beladen<br />
werden darf, muss der Pilot genau<br />
kalkulieren, wie er bei vollem Tank<br />
die mögliche Zuladung von 379 Kilogramm<br />
verteilt.<br />
General Control Unit<br />
statt FADEC-Computer<br />
Bei einem Turbinenhubschrauber<br />
älterer Bauart muss der Anlassvorgang<br />
des Triebwerks immer genau verfolgt<br />
werden, um die richtigen Arbeitsschritte<br />
zum richtigen Zeitpunkt<br />
durchzuführen. Eine erhebliche Vereinfachung<br />
brachte die Entwicklung<br />
des FADEC (Full Authority Digital<br />
Engine Control). Hier übernimmt ein<br />
Bordcomputer die Überwachung und<br />
Steuerung der Turbine. Frank Robinson,<br />
kein Freund komplexer Elektronik,<br />
hat einen anderen, aber für<br />
den Piloten ebenfalls einfachen Weg<br />
gefunden: die GCU (Generator Control<br />
Unit). Durch einmaliges Drücken<br />
des Starterknopfs dreht der elektrische<br />
Anlasser die Turbine hoch. Steht die<br />
Kompressordrehzahl N1 bei 15 Prozent,<br />
muss die Kraftstoffzufuhr manuell<br />
mittels eines Zugknopfs am Panel<br />
geöffnet werden. Automatisch erfolgt<br />
dann die Zündung und bei Erreichen<br />
von 58 Prozent die Abschaltung des<br />
Anlassers.<br />
Eine Elektronikeinheit gibt es aber<br />
doch: die EMU (Engine Monitoring<br />
Unit). Sie zeichnet permanent die<br />
Parameter Drehmoment, Abgastemperatur,<br />
N1- und N2-Drehzahl auf und<br />
zeigt mit Blinksignalen an, wenn<br />
Grenzwerte überschritten werden<br />
oder wenn ein Sensorausfall vorliegt.<br />
Mittels eines Auslesegerätes können<br />
am Boden alle Details abgerufen<br />
werden.<br />
Die R66 ist bereits seit 2011 auf<br />
dem Weltmarkt, nur in Europa kam<br />
sie erst später ins Angebot. Der Grund:<br />
Die EASA verlangte für die Steuerhydraulik<br />
des Hubschraubers ein Ersatzsystem.<br />
Das Fliegen ist aber auch<br />
ohne hydraulische Unterstützung noch<br />
möglich. Das in die Zertifizierung<br />
einzubringen, dauerte bis Mai 2015.<br />
Wilbert Schmitz, Geschäftsführer<br />
der Firma Helitec in Kassel, dem einzigen<br />
Service Center in Deutschland,<br />
das sowohl von Robinson, als auch<br />
von Rolls-Royce autorisiert ist und<br />
zusätzlich Fachtechniker ausbilden<br />
darf, erklärt, dass nach 100 Betriebsstunden<br />
hauptsächlich Sichtkontrollen<br />
der Steuerorgane und der Struk-<br />
12 Helikopter Special 9/<strong>2016</strong>
[ 1 ] Die Robinson R66 Turbine in den USA im Einsatz bei der Polizei. Von dem Muster<br />
hat Robinson Helicopter seit der Markteinführung 2011 bereits 720 Exemplare verkauft.<br />
[ 2 ] Blick über das Panel der R66. Statt einer FADEC-kontrollierten Turbine wird dem<br />
Piloten hier der Startvorgang des Triebwerks mit einer Generator Control Unit erleichtert.<br />
Die Engine Monitoring Unit überwacht Drehmoment, Abgastemperatur, N1- und<br />
N2-Drehzahl und zeichnet die Daten auf.<br />
[ 2 ]<br />
Fotos: Toni Ganzmann, Robinson Helicopter<br />
tur durchgeführt werden und bei der<br />
200er- und 400er-Kontrolle im Wesentlichen<br />
das Triebwerk gewartet<br />
wird. Für diese Arbeiten werden<br />
jeweils drei bis vier Tage veranschlagt<br />
und zwischen 2000 und 3000 Euro<br />
berechnet.<br />
Sicher dank des sehr<br />
wirksamen Heckrotors<br />
Wo liegen nun die Vorteile der<br />
Turbinen-Robinson? Im Klassenvergleich<br />
ist dieser Hubschrauber derzeit<br />
der jüngste. Obwohl er nicht der<br />
größte ist, bietet er eine relativ hohe<br />
Zuladung und einen großen, gut<br />
beladbaren Gepäckraum. Ein besonders<br />
wichtiges Sicherheitsmerkmal<br />
ist die außergewöhnlich hohe Wirksamkeit<br />
des Heckrotors, der nur minimale<br />
Pedaleingaben fordert und<br />
selbst bei starkem Seitenwind im<br />
Bodenbereich nicht an seine Grenzen<br />
gerät.<br />
Der Basispreis von ungefähr 900 000<br />
Euro für die Standardausführung liegt<br />
im unteren Preissegment vergleichbarer<br />
Modelle. Als Zusatzausstattung<br />
können Pop-out-Floats, Klimaanlage,<br />
Autopilot und IFR-Instrumentierung<br />
mitbestellt werden.<br />
ae<br />
Daten Robinson R66<br />
Hersteller: Robinson Helicopter Company Triebwerk:<br />
Rolls-Royce RR300 mit 270 PS Startleistung<br />
Rotoren<br />
Hauptrotor-Durchmesser<br />
Heckrotor-Durchmesser<br />
Abmessungen<br />
Länge<br />
Höhe<br />
Massen und Mengen<br />
maximale Startmasse<br />
Leermasse<br />
Tank (ausfliegbar) <br />
Flugleistungen<br />
V max <br />
V Reise <br />
Reichweite<br />
10,06 m<br />
1,52 m<br />
11,65 m<br />
3,48 m<br />
1225 kg<br />
581 kg<br />
279 l<br />
260 km/h<br />
225 km/h<br />
600 km
[ HELIKOPTER SPECIAL ]<br />
Die Robinson R66 mit Sonderausstattung,<br />
Kameras und<br />
Scheinwerfer, für Polizeiaufgaben.<br />
Fotos: Robinson Helicopter<br />
Firmengründer Frank<br />
Robinson (85) hat<br />
inzwischen die Geschäfte<br />
Sohn Kurt übertragen.<br />
Der Robinson-Club<br />
Fast 40 Jahre ist es her, dass Frank Robinson<br />
seine Firma gründete, um die Idee des kostengünstigen<br />
Hubschraubers zu realisieren.<br />
Kennen Sie Robinson-Hubschrauber?“<br />
„Klar“, werden Sie jetzt<br />
antworten, „das sind doch die<br />
kleinen Dinger, die man so häufig<br />
sieht.“ Und das ist richtig, denn das<br />
Unternehmen hat weltweit über 12 000<br />
Hubschrauber verkauft – und eine<br />
langjährige Erfolgsstory geschrieben.<br />
Klein angefangen<br />
„Ich hatte immer eure Volkswagen<br />
als Vorbild“, erzählte mir Frank Robinson,<br />
als ich ihn vor neun Jahren<br />
einmal in Torrance, Kalifornien, ganz<br />
privat besuchen durfte. Er hatte sich<br />
einen leichten, zweisitzigen Hubschrauber<br />
vorgestellt, der den Farmern<br />
in den USA und in Australien die<br />
Arbeit auf ihren weitläufigen Arealen<br />
erleichtern sollte. So konzipierte er<br />
schon während seines Studiums der<br />
Luft- und Raumfahrttechnik einen<br />
einfachen Hubschrauber und realisierte<br />
die Entwürfe auf dem buchstäblichen<br />
Garagenhinterhof. „Ich<br />
habe bei Cessna, bei Kaman und bei<br />
Hughes in den Entwicklungsabteilungen<br />
gearbeitet und alle meine<br />
Prototypen vorgeflogen“, berichtete<br />
Frank Robinson weiter. „Aber alle<br />
wollten nur an die Großaufträge der<br />
Regierung kommen und glaubten<br />
nicht an die Marktchance eines kleinen<br />
kostengünstigen Hubschraubers.“<br />
So gründete er 1979 sein eigenes<br />
Unternehmen und bekam für die mit<br />
einem 160 PS starken Lycoming-<br />
Kolbenmotor angetriebene R22 die<br />
Verkehrszulassung der FAA. Bereits<br />
im Gründungsjahr konnte Robinson<br />
acht Hubschrauber, 1980 schon 78<br />
und im Jahr darauf 176 Stück verkaufen.<br />
Der Verkaufspreis lag bei<br />
40 000 Dollar. „Weil das Geschäft so<br />
gut lief“, erinnerte er sich, „konnten<br />
wir auch auf Kundenwünsche eingehen<br />
und die R22 mit einem stärkeren<br />
Motor, umfangreicher Avionik<br />
und Floats anbieten.“ In Vollausstattung<br />
wurden dann zirka 100 000 Dollar<br />
für die R22 fällig. Das Rekordjahr<br />
war 1991: Robinson verkaufte über<br />
400 Hubschrauber – mehr als alle<br />
etablierten Konkurrenten zusammen!<br />
Die R22 zeichnete sich durch Robustheit,<br />
Zuverlässigkeit und niedrige<br />
Wartungskosten aus und wird<br />
noch heute, hauptsächlich für den<br />
landwirtschaftlichen Einsatz in Australien,<br />
produziert.<br />
Der große Bruder<br />
Mitte der 80er Jahre, Frank Robinson<br />
wollte nicht wie alle anderen<br />
Mitbewerber am Rüstungsgeschäft<br />
teilnehmen, konzentrierte sich die<br />
Entwicklungsabteilung seines mittlerweile<br />
über 400 Mann starken Unternehmens<br />
auf eine größere Version<br />
der R22. „Von staatlichen Organisationen<br />
und in der Tourismusbranche<br />
wurde überwiegend der 600 000 Dollar<br />
teure Jet Ranger von Bell geflogen.<br />
Wenn wir da leistungsmäßig mithalten,<br />
aber preislich deutlich darunter<br />
liegen, dann steigen viele zu uns um“,<br />
spekulierte Robinson damals. 1993<br />
kam die viersitzige R44 mit einem<br />
225 PS starken Lycoming-Kolbenmotor<br />
für weniger als 300 000 Dollar auf<br />
den Markt. Wie bereits bei der kleinen<br />
Schwester gab es bald auch für die<br />
R44 technische Varianten und Spezialausstattungen<br />
für unterschiedliche<br />
Bedarfsträger. Mit 6400 verkauften<br />
Geräten wurde auch dieser Typ<br />
zum meistverkauften zivilen Leichthubschrauber<br />
der Welt.<br />
Der starke Bruder<br />
Mein Nachmittag mit Frank Robinson<br />
gipfelte damals ganz unvorhergesehen<br />
in einem Besuch seiner<br />
14 Helikopter Special 9/<strong>2016</strong>
Mit der R22 gelang<br />
Robinson Hellicopter ein<br />
Verkaufsschlager.<br />
Entwicklungsabteilung, in der ein<br />
Prototyp der noch geheimen R66 stand.<br />
Natürlich durfte ich keine Details darüber<br />
berichten, aber ich konnte mich<br />
reinsetzen und mir alles ganz genau<br />
ansehen und erklären lassen. „Alle<br />
wollen heutzutage Turbinen. Also<br />
wird es auch einen Robinson mit Turbine<br />
geben“, stellte Frank Robinson<br />
klar. Die Basis war mit der R44 ja<br />
vorhanden. Die Zelle wurde etwas<br />
vergrößert, fünf Sitzplätze, ein großer<br />
Gepäckraum geschaffen und eine<br />
Rolls-Royce-RR300-Turbine mit fast<br />
300 PS Leistung eingebaut. 2010 erhielt<br />
die R66 die amerikanische Verkehrszulassung<br />
und 2014 die europäische.<br />
Rund 900 000 Dollar (ca. 804 000 Euro)<br />
kostet der Hubschrauber, von dem<br />
bisher 720 verkauft worden sind.<br />
Auch die R66 errang weltweit die<br />
Führungsposition unter den zivilen<br />
Leichthubschraubern mit Turbine.<br />
Mit Markteinführung der R66 vor<br />
sechs Jahren übergab Frank Robinson<br />
die Geschäfte an seinen Sohn<br />
Kurt und schied im Alter von 80 Jahren<br />
aus dem aktiven Geschäftsleben<br />
aus. Da Robinson Helicopter ein Familienbetrieb<br />
geblieben ist, steht zu<br />
erwarten, dass die überaus erfolgreiche<br />
Geschäftsphilosophie fortgeführt<br />
wird.<br />
ae<br />
Die Serienproduktion der<br />
R66 Turbine lief 2011 an.<br />
Verkauft wurden bislang<br />
bereits 720 Exemplare.<br />
28•29<br />
September<br />
<strong>2016</strong><br />
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Territoires&co<br />
Communication des Entreprises et des Institutions<br />
TERRITOIRES&CO – RCS 389 820 382B – Juillet <strong>2016</strong> – Crédits photos : Manuel Pédousseau / ADS SHOW 2014
[ HELIKOPTER SPECIAL ]<br />
Konner K2<br />
Helikopter<br />
vom Turbinenmacher<br />
Im Gegensatz zur Automobilindustrie ist es bei Luftfahrzeugherstellern<br />
üblich, die Antriebsaggregate nicht selbst zu entwickeln, sondern diese<br />
dazuzukaufen. Konner macht die Ausnahme.<br />
Sergio Bortoluz, Inhaber des<br />
Unternehmens Konner im<br />
oberitalienischen Amaro, baut<br />
und wartet eigentlich Wasser- und<br />
Windkraftturbinen zur Stromerzeugung.<br />
Vor fast 15 Jahren erweiterte<br />
er seinen Arbeitsbereich und<br />
befasste sich fortan auch mit Gasturbinen.<br />
„Da gibt es ja nur große<br />
leistungsstarke Turbinen“, sagt er.<br />
„Für leichte Hubschrauber und<br />
Flugzeuge braucht man aber nicht<br />
mehr als 250 PS.“ Also setzte er<br />
sich zum Ziel, eine moderne Turbine<br />
mit gutem Leistungsgewicht<br />
zu entwickeln. Herausgekommen<br />
ist die TK-250, ein ausgesprochenes<br />
Leichtgewicht von nur 53 Kilogramm,<br />
inklusive Öl, Filter und<br />
Batterie. Die mit einer Ringbrennkammer<br />
und neun Einspritzdüsen<br />
arbeitende Turbine kann über 250<br />
PS Leistung erzeugen und verbraucht<br />
zwischen 50 und 60 Liter<br />
Treibstoff je Stunde. „Unsere Turbine<br />
erbringt diese Leistung mit<br />
handelsüblichem Dieselkraftstoff“,<br />
erklärt Sergio stolz, „das hat Vorteile<br />
dank der weltweiten Verfügbarkeit<br />
und bei Unfällen wegen<br />
der explosionsfreien Abbrennung.“<br />
Geringe Nachfrage nach<br />
der Turbine TK-250<br />
Obwohl die EASA-konforme<br />
TK-250 ihre Einsatztauglichkeit in<br />
über 7000 Flugstunden in eigens<br />
dafür umgerüsteten Hubschraubern<br />
nachgewiesen hat, ist es der Firma<br />
Konner nicht gelungen, ihr Triebwerk<br />
in größeren Stückzahlen an<br />
Luftfahrzeughersteller zu verkaufen.<br />
Daher baute man 2011 um die<br />
Turbine herum einen zweisitzigen<br />
Hubschrauber, der K1. Dieser hat<br />
sich zwar bisher über zwanzig Mal<br />
in den asiatischen und australischen<br />
Raum verkaufen lassen, bot aber<br />
für die speziellen Anwendungen<br />
interessierter Großkunden nicht<br />
ausreichend Platz. „Also vergrößerten<br />
wir einfach die Zelle um<br />
eine zweite Sitzreihe – Leistung<br />
haben wir ja mehr als genug“,<br />
erläutert der Firmenchef lächelnd.<br />
Die K2 war geboren.<br />
Die K2 erhielt nicht nur weitere<br />
Sitze. Der gesamte Hubschrauber,<br />
einschließlich Heckrotorwelle,<br />
besteht nunmehr aus Carbonwerkstoff,<br />
wodurch er, ganz im Gegensatz<br />
zu den Mitbewerbern, salzwasserresistent<br />
geworden ist. Die<br />
Rotorblätter mit optimiertem Profil<br />
sind auf 7,80 Meter Länge gewachsen<br />
und laufen mit fast zehn<br />
Prozent niedrigerer Drehzahl.<br />
Das Einsteigen gestaltete sich<br />
noch etwas mühsam, wird sich<br />
aber verbessern, wenn die Vordersitze<br />
weiter zurückversetzt sind.<br />
Einmal Platz genommen, stelle ich<br />
fest, wie viel mehr Raum im Cockpit<br />
der K2 im Vergleich zur K1 zur<br />
Verfügung steht. Alle Bedienungselemente<br />
sind gut erreichbar und<br />
stören weder optisch noch physisch.<br />
Die Rundumsicht ist hervorragend<br />
und wird noch mal verbessert,<br />
wenn die Fensterelemente im Fußbereich<br />
realisiert sind.<br />
Das Anlassen der Turbine ist<br />
denkbar einfach: Ich lege einen<br />
Kipphebel am Panel von OFF auf<br />
IDLE um, und nach ein paar Sekunden<br />
Ruhe beginnt der elektrische<br />
Anlassermotor geräuschvoll<br />
zu laufen und dreht auch gleich<br />
das Rotorsystem mit. Während bei<br />
anderen Herstellern in diesem<br />
Moment sofort die volle Stromstärke<br />
von über 300 Ampere durchgeschaltet<br />
wird, sorgt hier die<br />
Elektronik dafür, dass erst einmal<br />
schonende sechs Ampere fließen<br />
16 Helikopter Special 9/<strong>2016</strong>
<strong>aerokurier</strong>-Autor Toni<br />
Ganzmann (li.) mit Konner-<br />
Chef Sergio Bortoluz nach<br />
dem Testflug mit der K2.<br />
Zur Konner-Turbine TK-250<br />
gibt es jetzt mit der K2 einen<br />
Hubschrauber mit wahlweise<br />
vier Sitzen oder Ladefläche.<br />
Gerät zu bekommen. Dann nehme<br />
ich Fahrt auf und folge einem breiten<br />
Flussbett. Jetzt ist Platz genug<br />
für Steilkurven, Quick stops und<br />
Zielanflüge. Dabei stelle ich fest,<br />
dass die Pedalwirkung noch nicht<br />
optimal ist. Trotzdem lässt sich der<br />
Hubschrauber schon gut und sicher<br />
steuern. Er nimmt verzugslos Fahrt<br />
auf und bleibt auch bei heftigem<br />
Ziehen am Kollektiv leicht beherrschbar.<br />
Im Geradeausflug<br />
treten ab rund 80 Knoten Vibrationen<br />
auf, die mit der Einstellung<br />
der großen Finne am Heckausleger<br />
zusammenhängen. Trotzdem ist<br />
das Handling für ein so junges<br />
Fluggerät erstaunlich gut.<br />
Fotos: Toni Ganzmann<br />
und langsam immer mehr. Bei 100<br />
U/min am Getriebeausgang schaltet<br />
das FADEC (Full Authority<br />
Digital Engine Control) die Treibstoff-einspritzung<br />
zu und zündet,<br />
bis 400 U/min anliegen. Bei 1000<br />
Umdrehungen wird automatisch<br />
der Anlassermotor zum Generator<br />
umgeschaltet und lädt die Batterie.<br />
Mit 1800 U/min, entsprechend<br />
78 Prozent Leistung, hat das Triebwerk<br />
seine Leerlaufdrehzahl erreicht<br />
und wird über zwei Einspritzdüsen<br />
am Leben erhalten.<br />
Ich warte, bis die grüne LED<br />
aufleuchtet und mir „Start frei“<br />
signalisiert – jetzt kann ich den<br />
Hebel auf FLY umlegen.<br />
Das alles dauert eine knappe<br />
Minute, und es steht nun die volle<br />
Turbinenleistung zur Verfügung.<br />
Ich ziehe langsam am Kollektiv und<br />
gebe, weil das Rotorsystem rechtsdrehend<br />
ist, vorsorglich schon<br />
etwas rechtes Pedal und warte,<br />
bis der Hubschrauber mit ungefähr<br />
800 Kilogramm Gesamtgewicht<br />
weich wird. In zwei Metern Höhe,<br />
also noch im Bodeneffekt, kann ich<br />
die K2 ruhig im Schwebeflug hal-<br />
ten, obwohl die Windverhältnisse<br />
auf dem Hof des Betriebes jetzt<br />
ziemlich unruhig sind. Ich ziehe<br />
stärker und steige über das Hausdach<br />
hinaus. Hier, immer noch über<br />
der Landeplatte, übe ich einige<br />
Drehungen, um Gefühl für das<br />
Daten Konner K2<br />
Hersteller: Konner Srl., Amaro, Italien,<br />
Sitzplätze: 2 + 2,<br />
Bauweise: Faserverbund<br />
Antrieb<br />
HerstellerKonner<br />
Typ <br />
TK-250<br />
Leistung<br />
184 kW / 250 PS<br />
Treibstoff Diesel, Biodiesel, Kerosin F1, F4<br />
Rotor (cm) 780, Dreiblatt, Carbon<br />
Abmessungen<br />
L x B x H 7,25 x 1,80 x 2,75 m<br />
Heckrotordurchmesser 1,38 m<br />
Massen und Mengen<br />
Leermasse<br />
290 kg<br />
max. Abflugmasse<br />
1050 kg<br />
Tankvolumen<br />
220 l<br />
Flugleistungen<br />
VReise<br />
130 kts<br />
VNE<br />
150 kts<br />
max. Steigen<br />
2000 ft/min<br />
Ansprechende Leistung<br />
bei 60 l/h Verbrauch<br />
Nach dem Flug liest Erich Dario,<br />
der verantwortliche Projektleiter,<br />
alle im Sekundentakt aufgezeichneten<br />
Messwerte aus und<br />
zeigt mir am Rechner, wie sich die<br />
Abgastemperatur im Verhältnis zu<br />
Torque, Pitch und Geschwindigkeit<br />
verändert hat und wie der Kraftstoffverbrauch<br />
damit zusammenhängt.<br />
Interessant finde ich die<br />
Feststellung, dass bei 80 Knoten<br />
Reisefluggeschwindigkeit nur 100<br />
PS und im voll beladenen Schwebeflugzustand<br />
185 PS benötigt<br />
werden. Je nach Flugmanöver<br />
nimmt sich die Turbine zwischen<br />
0,8 und 1,2 Liter Diesel pro Minute.<br />
Durchschnittlich also 60 Liter<br />
pro Stunde, und das für über 200<br />
PS Dauerleistung!<br />
Die K2 ist ein Hubschrauber in<br />
der Eintonnenklasse. Ausgestattet<br />
mit moderner Sonarelektronik,<br />
wäre eine Einsatzmöglichkeit die<br />
Stationierung auf industriellen<br />
Fischtrawlern. Ihre außergewöhnlichen<br />
Leistungsreserven, die Unempfindlichkeit<br />
gegenüber salzhaltiger<br />
Luft und die Verwendung<br />
von Dieselkraftstoff, der auf Schiffen<br />
ohne zusätzliche Sicherheitsvorkehrung<br />
mitgeführt werden<br />
kann, prädestinieren ihn für diesen<br />
Arbeitsbereich auf dem Meer.<br />
Fast schon ein Alleinstellungsmerkmal<br />
ist der angestrebte Preis<br />
von 420000 Euro. Im Rahmen der<br />
TBO von 2000 Stunden bietet das<br />
Unternehmen auch eine weltweite<br />
Ersatzteilgarantie für 37,50<br />
Euro je Flugstunde.<br />
ae<br />
Toni Ganzmann
[ HELIKOPTER SPECIAL ]<br />
Geschäftsführer<br />
Denis Link von AMS<br />
Mannheim bei<br />
der Wartung eines<br />
Heckrotors.<br />
Die diesjährige, aktualisierte<br />
Auflage der<br />
Branchenübersicht<br />
umfasst Unternehmen<br />
aus dem gesamten<br />
zivilen Einsatzspektrum<br />
des Helikopters.<br />
Dazu zählen Schulung,<br />
Personentransport<br />
und diverse<br />
Formen der Luftarbeit,<br />
darunter Lastflüge<br />
und Luft rettung.<br />
Ergänzt wird die Liste<br />
durch Werften und<br />
Instandhaltungsbetriebe.<br />
BRANCHENGUIDE <br />
in Deutschland, Helikopterunternehmen<br />
Österreich, der<br />
<strong>2016</strong>/2017<br />
Schweiz und Liechtenstein<br />
PLZ 0<br />
Deutschland<br />
OOAeroheli International<br />
GmbH & Co. KG<br />
Flugschule, Rundflüge, Luftarbeit,<br />
Kontrolle von Öl- und Gasleitungen,<br />
Personentransport<br />
Am Flugplatz 3,<br />
03058 Neuhausen/Spree<br />
Tel.: +49 (0)35605 429800<br />
E-Mail: info@aeroheli.de<br />
www.aeroheli.de<br />
OOAir Lloyd<br />
Flugschulung, Taxiflüge, Foto- und<br />
Filmflüge, Überwachungsflüge,<br />
Transportflüge<br />
Helikopterbasis:<br />
Flugplatz Halle/Oppin<br />
06188 Oppin<br />
Tel.: +49 (0)34604 3<strong>09</strong>14<br />
E-Mail: info@airlloyd.de<br />
www.airlloyd.de<br />
PLZ 1<br />
OODHD Heliservice GmbH<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Flugschulung, Werft<br />
Am Bahnhof, 14550 Groß Kreutz<br />
Tel.: +49 (0)33207 32457<br />
E-Mail: DHD-Heliservice@t-online.de<br />
www.dhd-heliservice.de<br />
OOSky Heli<br />
Personentransport, Luftarbeit, Leitungskontrollflüge,<br />
Vermessungsflüge,<br />
Frachttransport, Ambulanzflüge,<br />
Offshore-Einsätze, Flugschulung,<br />
Forschungs- und Entwicklungsbetrieb<br />
Flugplatz, Haus 3,<br />
14959 Trebbin<br />
Tel.: +49 (0)33731 70299-0<br />
E-Mail: info@skyheli.de<br />
www.skyheli.de<br />
OOHFD<br />
Flugschulung, Rundflüge<br />
Am Flugplatz,<br />
14959 Trebbin<br />
Tel.: +49 (0)33731 14055<br />
E-Mail: hfdgmbh@t-online.de<br />
www.flugschulung.de<br />
OOFJS-Helicopter<br />
Lufttransport<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Luftarbeit, Ambulanzflüge<br />
Helikopterbasis:<br />
FJS Neubrandenburg<br />
Flughafenstraße 1A<br />
17039 Trollenhagen<br />
Tel: +49 (0)359 4691984<br />
E-Mail: info@fjs-helicopter.de<br />
www.fjs-helicopter.de<br />
OOFJS-Helicopter<br />
Lufttransport<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Luftarbeit, Ambulanzflüge<br />
Helikopterbasis:<br />
FJS Schwerin<br />
Am Flugplatz 1<br />
19065 Pinnow<br />
Tel: +49 (0)3860 6404<br />
E-Mail: info@fjs-helicopter.de<br />
www.fjs-helicopter.de<br />
PLZ 2<br />
OOOne Two Aviation<br />
Flugschulung, Personen- und<br />
Materialtransport, Film- und Fotoflüge,<br />
CAMO<br />
• Willhoop 1, 22453 Hamburg<br />
Tel.: +49 (0)40 67958270<br />
• Flugplatz, 25492 Heist<br />
Tel.: +49 (0)32 213222000<br />
E-Mail: hamburg@onetwo-aviation.de<br />
www.onetwo-aviation.de<br />
OOKMN koopmann<br />
helicopter gmbh<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Vermessungsflüge, Filmflüge,<br />
Luftarbeit, Offshore-Flüge, Werft<br />
Kamerland 14,<br />
25358 Sommerland<br />
Tel.: +49 (0)4126 38903<br />
E-Mail: mail@kmn-helicopter.de<br />
www.kmn-helicopter.de<br />
Foto: AMS Mannheim<br />
18 Helikopter Special 9/<strong>2016</strong>
OONordcopters<br />
Rundflüge, Flugschule, Charter<br />
Bültenkoppel,<br />
Flugplatz Uetersen/Heist<br />
25492 Heist<br />
Tel.: +49 (0)4122 976178<br />
E-Mail: Info@Nordcopters.com<br />
www.nordcopters.de<br />
OOWIKING<br />
Helikopter Service GmbH<br />
Personentransport, Offshore-Flüge<br />
JadeWeserAirport,<br />
26452 Sande-Mariensiel<br />
Tel.: +49 (0)4421 2990<br />
E-Mail: carsten.michels@wikinghelikopter.de<br />
www.wiking-helikopter.de<br />
OONorthern Helicopter<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Ambulanzflüge, Offshore-Flüge<br />
Gorch-Fock-Str. 103,<br />
26721 Emden<br />
Tel.: +49 (0)4921 937440<br />
E-Mail: info@northernhelicopter.de<br />
www.northernhelicopter.de<br />
OOHeli Service International<br />
Luftarbeit, Werft, CAMO<br />
Gorch-Fock-Straße 105,<br />
26721 Emden<br />
Tel.: +49 (0)4921 3680110<br />
E-Mail: info@heliservice.de<br />
www.heliservice.de<br />
OOHTM Helicopter Travel<br />
Munich<br />
Personen- und Frachttransporte,<br />
Film- und Fotoflüge, Flugschulung,<br />
Rettungsflüge<br />
Helikopterbasis Emden:<br />
Gorch-Fock-Straße 107<br />
26725 Emden<br />
Tel.: +49 (0)4921 586826<br />
E-Mail: office-emden@helitravel.de<br />
Helikopterbasis Borkum:<br />
Goedeke-Michel-Straße 11<br />
26757 Borkum<br />
Tel.: +49 (0)172 8297519<br />
E-Mail: office-borkum@helitravel.de<br />
Helikopterbasis Helgoland:<br />
Rickmer-Bock-Wai 1230<br />
27498 Helgoland<br />
E-Mail: office-helgoland@helitravel.de<br />
www.helitravel.de<br />
OODL Helicopter Technik<br />
GmbH<br />
Flugschulung, Werft, CAMO<br />
Walter-Carstens-Straße 1<br />
27639 Wurster Nordseeküste<br />
Tel.: +49 (0)474 981880<br />
E-Mail: dl@dlhelicopter.com<br />
www.dlhelicopter.com<br />
Flugplatzstraße, 34379 Calden<br />
Tel.: +49 (0)5674 701-0<br />
E-Mail: zfl.marketing@zf.com<br />
www.zf.com/luftfahrt<br />
PLZ 4<br />
OOHeliJet Charter<br />
Geschäftsreisen, Luftwerbung,<br />
Offshore-Flüge<br />
Flugplatz 21, 44319 Dortmund<br />
Tel.: +49 (0)231 6106210<br />
E-Mail: info@helijet-charter.de<br />
www.helijet-charter.de<br />
OOAveo Air Service<br />
Rundflüge, Charter, Flugschulung,<br />
Eventflüge<br />
Brunshofstr. 3,<br />
45470 Mülheim a. d. Ruhr<br />
Tel.: +49 (0)208 59436673<br />
E-Mail: info@aveoair.com<br />
www.aveoair.com<br />
OOFJS-Helicopter<br />
Lufttransport<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Luftarbeit, Ambulanzflüge<br />
Benediktstr. 17, 49401 Damme<br />
Tel.: +49 (0)5491 1049<br />
E-Mail: info@fjs-helicopter.de<br />
www.fjs-helicopter.de<br />
PLZ 5<br />
OOS.P. Helicopter Service/<br />
S.P. Luftbild<br />
Agrarflug, Kontrolle von<br />
Hochspannungsleitungen<br />
Auf der Hohl 2, 53547 Dattenberg<br />
Tel.: +49 (0)2644 56080<br />
E-Mail: info@helicopter-service.de<br />
www.helicopter-service.de<br />
E-Mail: info@sp-luftbild.de<br />
www.sp-luftbild.de<br />
R66 Turbine<br />
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Flugschulung, Luftarbeit<br />
Richthofenstr. 132,<br />
53757 Sankt Augustin<br />
Tel.: +49 (0)221 291963-60<br />
E-Mail: operations@lifeflight.de<br />
www.lifeflight.de<br />
OOADAC Luftfahrt Technik<br />
Werft<br />
Richthofenstr. 126,<br />
53757 St. Augustin<br />
Tel.: +49 (0)2241 92790<br />
E-Mail: info@alt-heliservice.de<br />
www.alt-heliservice.de<br />
OOAir Lloyd<br />
Flugschulung, Taxiflüge, Foto- und<br />
Filmflüge, Überwachungsflüge,<br />
Transportflüge<br />
Richthofenstr. 124,<br />
53757 Sankt Augustin<br />
Tel.: +49 (0)2241 23070<br />
E-Mail: info@airlloyd.de<br />
www.airlloyd.de<br />
OOkayfly<br />
Personentransport, Flugschulung<br />
Flughafenstraße 8,<br />
57299 Burbach<br />
Tel.: +49 (0)173 9277722<br />
E-Mail: fliegen@kayfly.aero<br />
http://www.helicopter-schule.de<br />
OOAgrarflug Helilift<br />
GmbH & Co. KG<br />
Charter, Instandhaltung, Lackierarbeiten,<br />
Luftarbeit, Personen- und<br />
Materialtransporte, Flugschulung,<br />
CAMO<br />
Warendorfer Straße 190,<br />
59227 Ahlen<br />
Tel.: +49 (0)2382 82082<br />
E-Mail: info@agrarflug-helilift.com<br />
www.agrarflug-helilift.com<br />
PLZ 6<br />
OOHeli-Flight<br />
OOLifeFlight GmbH & Co. KG Pipelineüberwachungsflüge, Rundflüge<br />
und Eventflüge, Ambulanzflug-<br />
Personen- und Materialtransporte,<br />
8660174-22-1.QXD_Layout 1 29.06.16 14:34 Seite 1<br />
dienst, Instandhaltung, Flugschulung<br />
Am Flugplatz, 61203 Reichelsheim<br />
Tel.: +49 (0)6035 91000<br />
E-Mail: info@heli-flight.de<br />
www.heli-flight.de<br />
OORotorflug<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Pipelinekontrolle, Hochspannungskontrolle,<br />
Sägearbeiten, Film-/Fotoflüge,<br />
Vermessungsflüge, HEMS/<br />
Intensivtransport, Flugschulung,<br />
Werft, CAMO<br />
Peter-Geibel-Straße 24,<br />
61381 Friedrichsdorf<br />
Tel.: +49 (0)6007 91410<br />
E-Mail: info@rotorflug.de<br />
www.rotorflug.de<br />
OOHeli Transair European<br />
Air Services GmbH<br />
Personentransport, Materialtransport,<br />
Fotoflüge, Rundflüge, Flugschule,<br />
Simulator, Werft<br />
Flugplatz, 63329 Egelsbach<br />
Tel.: +49 (0)6103 94150<br />
E-Mail: info@helitransair.com<br />
www.helitransair.com<br />
OOOne Two Aviation<br />
Flugschulung, Personen- und<br />
Materialtransport, Film- und Fotoflüge,<br />
CAMO<br />
Hans-Fleißner-Str 80,<br />
63329 Egelsbach<br />
Tel. +49 (0)6103 30<strong>09</strong>60<br />
E-Mail: Frankfurt@onetwo-aviation.de<br />
www.onetwo-aviation.de<br />
OOHeidelberg Helicopters<br />
Flugservice<br />
Personentransport, Luftarbeit<br />
Anton-Dengler-Str. 2a,<br />
Flugplatz Speyer, 67346 Speyer<br />
Tel.: +49 (0)6232 649496<br />
E-Mail: info@heidelberg-helicopters.de<br />
www.heidelberg-helicopters.de<br />
OOViaHeli GmbH<br />
Personen- und Frachttransporte,<br />
Foto- und Filmflug, Luftarbeit,<br />
PLZ 3<br />
OOHelitec Helicopter Technik<br />
Werft<br />
Flughafen, 34379 Calden<br />
Tel.: +49 (0)5674 7224<br />
E-Mail: info@helitec.de<br />
www.helitec.de<br />
OOZF Luftfahrttechnik<br />
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Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG, 70162 Stuttgart. Registergericht Stuttgart HRA 9302. Geschäftsführer: Dr. Volker Breid,<br />
Norbert Lehmann. Vertrieb: Belieferung, Betreuung und Inkasso erfolgen durch DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH, Nils Oberschelp (Vorsitz),<br />
Christina Dohmann, Dr. Michael Rathje, Am Sandtorkai 74, 20457 Hamburg, als leistender Unternehmer. AG Hamburg, HRB 95752.<br />
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Name, Vorname Geburtsdatum<br />
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E-Mail<br />
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Ja, ich möchte auch von weiteren Inhalten, Vorabnachrichten, Themen und Vorteilen profitieren. Deshalb bin ich damit einverstanden, dass<br />
mich Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG und ihr zur Verlagsgruppe gehörendes Unternehmen, Rodale-Motor-Presse GmbH & Co. KG Verlagsgesellschaft<br />
mit ihren Titeln künftig auch per Telefon und E-Mail über weitere interessante Medienangebote informieren. Dieses Einverständnis<br />
kann ich jederzeit per E-Mail an widerruf@dpv.de widerrufen.<br />
Ich bezahle per Bankeinzug und erhalte zusätzlich eine Gratis-Ausgabe.<br />
IBAN<br />
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SEPA-Lastschriftmandat: Ich ermächtige die DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH, Düsternstr. 1-3, 20355 Hamburg, Gläubiger-Identifikationsnummer<br />
DE77ZZZ00000004985, wiederkehrende Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut<br />
an, die von der DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Die Mandatsreferenz wird mir<br />
separat mitgeteilt. – Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten<br />
Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen.<br />
Ich bezahle per Rechnung.<br />
Widerrufsrecht Sie können die Bestellung binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen formlos widerrufen. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem<br />
Sie die erste bestellte Aus gabe erhalten, nicht jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß den Anfor derungen von Art. 246a § 1 Abs. 2<br />
Nr. 1 EGBGB. Zur Wahrung der Frist genügt bereits das rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses, die Bestellung zu widerrufen.<br />
Sie können hierzu das Widerrufs-Muster aus Anlage 2 zu Art. 246a EGBGB nutzen. Der Widerruf ist zu richten an: <strong>aerokurier</strong> Aboservice, Postfach,<br />
70138 Stuttgart, Telefon: + 49 (0)711 3206-8899, Telefax: +49 (0)711 182-2550, E-Mail: <strong>aerokurier</strong>@dpv.de<br />
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66996 Erfweiler<br />
Tel.: +49 (0)639 4<strong>09</strong>4717<br />
E-Mail: info@viaheli.aero<br />
www.viaheli.aero<br />
OOAMS GmbH & Co. KG<br />
Werft<br />
Seckenheimer Landstraße 170,<br />
68163 Mannheim<br />
Tel.: +49 (0)621 73628888<br />
E-Mail: info@ams-mannheim.de<br />
www.ams-mannheim.de<br />
OOHeliSeven<br />
Personen- und Frachttransporte,<br />
Foto- und Filmflug, Luftarbeit,<br />
Flugschule<br />
Seckenheimer Landstraße 172,<br />
68163 Mannheim<br />
Tel.: +49 (0)621 79944698<br />
E-Mail: info@HeliSeven.de<br />
www.heliseven.de<br />
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OOHeliSeven<br />
Personen- und Frachttransporte,<br />
Foto- und Filmflug, Luftarbeit,<br />
Flugschule<br />
General Aviation Terminal,<br />
70629 Stuttgart<br />
Tel.: +49 (0)711 7944777<br />
E-Mail: info@HeliSeven.de<br />
www.heliseven.de<br />
OODC Aviation GmbH<br />
Charter, Instandhaltung<br />
Flughafen Stuttgart,<br />
70629 Stuttgart<br />
Tel. +49 (0)711 933060<br />
sales@dc-aviation.com<br />
www.dc-aviation.com<br />
OODRF Luftrettung<br />
Laval Avenue E,<br />
77836 Rheinmünster<br />
Tel.: +49 (0)711 70070<br />
E-Mail: info@drf-luftrettung.de<br />
www.drf-luftrettung.de<br />
OOMeravo-Luftreederei<br />
Fluggesellschaft mbH<br />
Personen- und Materialtransport, Luft -<br />
arbeit, Agrarflug, Brandbekämpfung<br />
Flugplatz, Im Hirschfeld,<br />
74229 Oedheim<br />
Tel.: +49 (0)7136 6051<br />
E-Mail: info@meravo.de<br />
www.meravo.de<br />
OOHelix Fluggesellschaft<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Rundflüge<br />
Öhringer Str. 12, 74632 Neuenstein<br />
Tel.: +49 (0)7942 4481<br />
E-Mail: info@helixcopter.de<br />
www.helixcopter.de<br />
OOMotorflug Baden-Baden<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Flugschulung, Werft<br />
Baden-Airpark,<br />
Summersite Ave. C-312,<br />
77836 Rheinmünster<br />
Tel.: +49 (0)7229 30140<br />
E-Mail: info@motorflug.de<br />
www.motorflug.com<br />
OOReibel Air Service GmbH<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Flugschulung, Luftarbeit<br />
Airport Boulevard B216,<br />
77836 Rheinmünster<br />
Tel.: +49 (0)7229 699000<br />
E-Mail: heli@reibelair.de<br />
www.reibelair.de<br />
OOSchwarzwald Helikopter<br />
Personentransport, Luftarbeit<br />
Am Glöckelshof 1,<br />
77887 Sasbachwalden-Brandmatt<br />
Tel.: +49 (0)176 22372348<br />
E-Mail: info@schwarzwaldhelikopter.de<br />
www.schwarzwald-helikopter.de<br />
OOHTC Helikopter Charter<br />
Personen- und Frachttransport,<br />
Flugschulung<br />
Dürrheimer Str. 80c,<br />
78166 Donaueschingen<br />
Tel.: +49 (0)771 162474<br />
E-Mail: info@htc-helicopter.de<br />
www.htc-helicopter.de<br />
OOHeli Transair European Air<br />
Services GmbH<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Fotoflüge, Rundflüge, Flugschule,<br />
Simulator, Werft<br />
Take-Off Gewerbepark,<br />
Flugplatz Haus Nr. 4,<br />
78579 Neuhausen ob Eck<br />
Tel.: +49 (0)7467 9105075<br />
E-Mail: info@helitransair.com<br />
www.helitransair.com<br />
PLZ 8<br />
OOADAC Luftrettung<br />
Hansastr. 19, 80686 München<br />
Tel.: +49 (0)89 76760<br />
E-Mail: luftrettung@adac.de<br />
www.adac.de/luftrettung<br />
OOMHS Aviation<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Ambulanzflüge<br />
Raiffeisenallee 5,<br />
82041 Oberhaching<br />
Tel.: +49 (0)89 9733333<br />
E-Mail: sales@mhs-aviation.com<br />
www.mhs-aviation.com<br />
OOHeliteam Süd<br />
Geschäftsflüge, Reiseflüge,<br />
Rundflüge, VIP-Flüge, Überwachungsflüge,<br />
Cargoflüge,<br />
Fotoflüge, Flugschulung<br />
Bürgermeister-Graf-Ring 10,<br />
82538 Geretsried-Gelting<br />
Tel.: +49 (0)8171 41990<br />
E-Mail: info@heliteam.de<br />
www.heliteam.de<br />
OOHTM Helicopter Travel<br />
Munich<br />
Personen- und Frachttransporte,<br />
Film- und Fotoflüge, Flugschulung,<br />
Rettungsflüge<br />
Willy-Messerschmitt-Str. 1,<br />
82024 Taufkirchen<br />
Tel.: +49 (0)89 60733350<br />
www.helitravel.de<br />
E-Mail: office-muenchen@helitravel.de
OOIntercopter<br />
Werft<br />
Willy-Messerschmitt-Str. 1,<br />
82024Taufkirchen<br />
+49 (0)89 60733393<br />
E-Mail: office@intercopter.de<br />
www.intercopter.de<br />
OOGlobal Helicopter Service<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Ambulanzflüge, Einsätze für<br />
humanitäre Hilfe, Betreuung von Öl-,<br />
Gas- und Minenanlagen sowie Windparks,<br />
On- und Offshore-Flüge<br />
Industriestr. 4<br />
83404 Ainring-Mitterfelden<br />
Tel.: +49 (0)865 47700270<br />
E-Mail: info@g-h-service.com<br />
www.global-helicopter-service.com<br />
OOHeli Aviation<br />
Flugschulung, humanitäre Hilfseinsätze,<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Luftarbeit, Hubschrauberinstandhaltung,<br />
Ambulanzflüge,<br />
Offshore-Flüge, Luftrettung, Fotound<br />
Filmflüge<br />
Flughafenstr. 19, 86169 Augsburg<br />
Tel.: +49 (0)821 7479650<br />
E-Mail: info@heli-aviation.de<br />
www.heli-aviation.de<br />
OOBHF Bodensee-Helicopter<br />
Personen- und Frachttransporte ,<br />
Flugschulung, Film- und Fotoflüge,<br />
Rundflüge, Luftarbeit<br />
Am Flugplatz 64,<br />
88046 Friedrichshafen<br />
Tel.: +49 (0)7541 304985<br />
E-Mail: info@bodensee-helicopter.de<br />
www.bodensee-helicopter.de<br />
PLZ 9<br />
OOEuroheli Helicopterdienste<br />
Personen- und Frachttransporte ,<br />
Flugschulung, Film- und Fotoflüge,<br />
Rundflüge, Luftarbeit<br />
In der Alting 7, Flughafen<br />
Nürnberg, 90596 Schwanstetten<br />
Tel.: +49 (0)9170 972500<br />
E-Mail: info@euroheli.de<br />
www.euroheli.de<br />
OOHelicopter Service<br />
Thüringen<br />
Personen- und Frachttransporte ,<br />
Flugschulung, Film- und Fotoflüge,<br />
Rundflüge, Charter<br />
Buttstädter Str. 207a,<br />
99610 Großbrembach<br />
Tel.: +49 (0)36451 669966<br />
E-Mail: info@heli-thueringen.de<br />
www.heli-thueringen.de<br />
OOEuro Flight Helicopter<br />
Services<br />
Personen- und Materialtransport,<br />
Luftarbeit, Flugschulung<br />
Hermann-Gebauer-Str. 22a,<br />
1220 Wien<br />
Tel.: +43 1 25038-110<br />
E-Mail: pm@euro-flight.at<br />
www.euro-flight.at<br />
PLZ 2<br />
OOReidinger Helicopter<br />
GmbH<br />
Flugschulung, Simulator, Personenund<br />
Taxiflüge, Film- und Fotoflüge<br />
Diepolz 45, 2034 Diepolz<br />
Tel.: +43 (0)2526 7381<br />
E-Mail: office@aerial.at<br />
www.aerial.at<br />
OOHubi-Fly<br />
Helicopterschule GmbH<br />
Personen- und Materialtransport, Vermessungsflüge,<br />
Foto- und Filmflüge,<br />
Brandbekämpfung, Flugschulung<br />
Flugfeldstrasse / Flugplatz,<br />
2540 Bad Vöslau<br />
Tel.: +43 (0)2252 73555<br />
E-Mail: office@hubifly.at<br />
www.hubifly.at<br />
OOHelikopter Air Transport<br />
Wartung und Instandhaltung<br />
Flugplatz Ost, Viktor-Lang-Straße<br />
4, 2700 Wiener Neustadt<br />
Tel.: +43 (0)512 288880<br />
E-Mail: office@heliair.eu<br />
www.heliair.eu/<br />
PLZ 3<br />
OOHeli Line Hubschraubertransporte<br />
GmbH/<br />
P&B Helitrade GmbH<br />
Luftarbeit, Flugschulung, Personenund<br />
Materialtransport<br />
In der Lehen 2, 3233 Kilb<br />
Tel.: +43 (0)2748 7806<br />
E-Mail: office@heliline.at,<br />
www.heliline.at, www.helitrade.at<br />
PLZ 4<br />
OOHubschraub-air True<br />
Colors GmbH & Co KG<br />
Personen- und Materialtransport, Luft -<br />
arbeit, Fallschirmspringen, Fotoflüge<br />
Orionstraße 35, 4030 Linz<br />
Tel.: +43 (0)732 771080<br />
E-Mail: office@hubschraub-air.at<br />
www.Hubschraub-air.at<br />
OOHeli Line Hubschraubertransporte<br />
GmbH/<br />
P&B Helitrade GmbH<br />
Luftarbeit, Flugschulung, Personenund<br />
Materialtransport<br />
Flughafenstraße , 4063 Hörsching<br />
Tel.: +43 (0)2748 7806<br />
E-Mail: office@heliline.at,<br />
office@helitrade.at<br />
www.heliline.at, www.helitrade.at<br />
OOHeli Salzkammergut<br />
Luftarbeit, Personen- und Materialtransport,<br />
Vermessungs- und<br />
Kontrollflüge, Brandbekämpfung<br />
Traxleckerweg 35<br />
4820 Bad Ischl<br />
Tel.: +43 (0)6132 25200<br />
E-Mail: info@heli-salzkammergut.at<br />
www.heli-salzkammergut.at<br />
PLZ 5<br />
OOHTM Helicopter Travel<br />
Munich<br />
Personen- und Frachttransporte,<br />
Film- und Fotoflüge, Flugschulung,<br />
Rettungsflüge<br />
Helikopterbasis Salzburg:<br />
Kröbenfeldstraße 12 G,<br />
Gebäude K2, 5020 Salzburg<br />
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Feuerbekämpfung, Luftrettung<br />
Heliport,<br />
5600 St. Johann/Pongau<br />
Tel.: +43 (0)6462 4200<br />
E-Mail: fly@heli-austria.at<br />
www.heli-austria.at<br />
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Transportflüge, Helikoptersäge,<br />
Holzbringung, Film- und Fotoflüge,<br />
Flugrettung, Rundflüge, Gourmetflüge,<br />
VIP-Flüge, Heliskiing, Flugschulung<br />
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Paintshop<br />
5700 Zell am See, Flugplatz,<br />
Kaprunerstr. 13<br />
Tel.: +43 (0)6542 53883<br />
E-Mail: Helicopter@wucher.at<br />
www.wucher.at<br />
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OOHelikopter Air Transport<br />
Wartung und Instandhaltung<br />
Fürstenweg 199,<br />
6020 Innsbruck<br />
Tel.: +43 (0)512 288880<br />
E-Mail: office@heliair.eu<br />
www.heliair.eu/<br />
OOWucher<br />
Helicopter GmbH<br />
Transportflüge, Helikoptersäge,<br />
Holzbringung, Film- und Fotoflüge,<br />
Flugrettung, Rundflüge, Gourmetflüge,<br />
VIP-Flüge, Heliskiing, Flugschulung<br />
(PPL-H, CPL-H), Wartungsbetrieb,<br />
Paintshop<br />
6020 Innsbruck, Flughafen,<br />
Fürstenweg 180<br />
Tel.: +43 (0)512 585841<br />
E-Mail: Helicopter@wucher.at<br />
www.wucher.at<br />
PLZ 1<br />
Österreich<br />
OOÖAMTC Flugrettung<br />
Schubertring 1-3, 1010 Wien<br />
Tel.: +43 1 711990<br />
E-Mail: flugrettung@oeamtc.at<br />
www.oeamtc.at/flugrettung<br />
Wir suchen:<br />
Fluglehrer (m/w)<br />
Theorielehrer (m/w)<br />
Schulung und<br />
Typerating<br />
info@hubschrauber-akademie.de<br />
www.hubschrauber-akademie.de<br />
Helikopter Special 9/<strong>2016</strong> 21
[ HELIKOPTER SPECIAL ]<br />
OOSHS Helicopter<br />
Transporte/ Schider<br />
Helicopter-Service<br />
Luftrettung<br />
Unterwasser 59, 6384 Waidring<br />
Tel.: +43 (0)5353 6302<br />
E-Mail: schider.helicopter@aon.at<br />
www.notarzthelicopter.at<br />
OOHeli Tirol GmbH<br />
Montageflüge, Film- und Fotoflüge,<br />
VIP- und Taxiflüge, Hüttenversorgung,<br />
Lawinensprengungen, Kontrollflüge,<br />
Feuerbekämpfung, Luftrettung<br />
Tiroler Bundesstraße 1,<br />
6462 Karres<br />
Tel.: +43 (0)5412 61421<br />
E-Mail: fly@heli-tirol.at<br />
www.heli-austria.at<br />
OOWucher Helicopter GmbH<br />
Transportflüge, Helikoptersäge,<br />
Holzbringung, Film- und Fotoflüge,<br />
Flugrettung, Rundflüge, Gourmetflüge,<br />
VIP-Flüge, Heliskiing, Flugschulung<br />
(PPL-H, CPL-H), Wartungsbetrieb,<br />
Paintshop<br />
• Verwallweg 15<br />
6580 St. Anton am Arlberg<br />
Tel.: +43 (0)5446 2732<br />
• Hans-Wucher-Platz 1,<br />
6713 Ludesch<br />
Tel.: +43 (0)5550 38800<br />
• Heliport Zürs Nr. 428,<br />
6763 Zürs am Arlberg,<br />
Tel.: +43 (0)5583 2950<br />
E-Mail: Helicopter@wucher.at<br />
www.wucher.at<br />
OOSchenk Air<br />
Luftrettung, Ambulanzflüge<br />
Montafonerstr. 29,<br />
6780 Schruns<br />
Tel.: +43 (0)5556 74000<br />
E-Mail: office@schenkair.at<br />
www.schenkair.com<br />
PLZ 8<br />
OOHeli Line Hubschraubertransporte<br />
GmbH/<br />
P&B Helitrade GmbH<br />
Luftarbeit, Flugschulung, Personenund<br />
Materialtransport<br />
IMPRESSUM<br />
Das Helikopter Special ist eine Sonderpublikation von <strong>aerokurier</strong> und FLUG REVUE. Es liegt der<br />
<strong>aerokurier</strong>-Gesamtauflage 9/<strong>2016</strong> sowie der Abo-Auflage der FLUG REVUE 10/<strong>2016</strong> bei.<br />
REDAKTION: Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart, Telefon: +49 (0)711 182-2800, Fax: +49 (0)711 182-1781,<br />
E-Mail: redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de, Internet: www.<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Herausgeber: Michael Pfeiffer Redaktionsleitung (verantw. i. S. d. Presserechts): Lars Reinhold<br />
Stellv. Chefredakteur: Gerhard Marzinzik Redaktion: Maximilian Kühnl, Oliver Schenk (Praktikant)<br />
Produktionsleitung: Marion Hyna Schlussredaktion: Jutta Clever Grafische Konzeption:<br />
Harald Hornig Grafik und Layout: MOTORRAD-Grafik, Ralf Athen, Tobias Rall, Katrin Sdun Repro:<br />
MOTORRAD-Medienproduktion, Stefan Widmann (Ltg.), Catherine Pröschild (i.V.), Iris Heer, Sabine<br />
Heilig-Schweikert Herstellung: Rainer Jüttner<br />
VERLAG: Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG Leitung Geschäftsbereich Luft- und Raumfahrt:<br />
Peter-Paul Pietsch Stellvertretende Verlagsleitung: Eva-Maria Gerst Brandmanagement:<br />
Natalie Lehn<br />
ANZEIGEN: Anzeigenleitung: Reinhard Wittstamm Verantwortlich für den Anzeigenteil: Julia<br />
Ruprecht<br />
DRUCK: Neef + Stumme GmbH & Co. KG, 29378 Wittingen<br />
Flugschulweg 1,<br />
8073 Feldkirchen/Graz<br />
Tel.: +43 (0)2748 7806<br />
E-Mail: office@heliline.at,<br />
office@helitrade.at<br />
www.heliline.at, www.helitrade.at<br />
PLZ 9<br />
OOARA Flugrettung<br />
Grete-Bittner-Str. 9,<br />
9020 Klagenfurt<br />
Tel: +43 (0)4265 2<strong>09</strong>00<br />
E-Mail: info@airrescue.at<br />
www.airrescue.at<br />
PLZ 1<br />
Schweiz<br />
OOHeli-Lausanne S.A.<br />
Flugschulung, Personen- und<br />
Materialtransport<br />
Aéroport de Lausanne-Blécherette<br />
Avenue du Grey 119,<br />
1018 Lausanne<br />
Tel.: +41 (0)21 6363535<br />
E-Mail: info@heli-lausanne.ch<br />
www.heli-lausanne.ch<br />
OOSwift Copters<br />
Flugschulung, Personentransport<br />
Aéroport 15, Case postale 168,<br />
1215 Genf<br />
Tel.: +41 (0)22 7178383<br />
E-Mail: info@swiftcopters.ch<br />
www.swiftcopters.net<br />
OOAir Glaciers<br />
Flugschulung, Personen- und<br />
Materialtransport, Luftrettung<br />
Rte de l’Aéroport 60, 1950 Sion<br />
Tel.: +41 (0)27 3291415<br />
E-Mail: info@air-glaciers.ch<br />
www.air-glaciers.ch<br />
OOHéli-Alpes SA<br />
Personentransport, Materialtransport,<br />
Luftarbeit, Flugschulung,<br />
Werft, Ambulanzflüge, Luftrettung,<br />
Forschungsflug<br />
Aéroport Civil, 1950 Sion<br />
Tel.: +41 (0)27 4524000<br />
Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des Nachdrucks und der fotomechanischen, elektronischen<br />
oder digitalen Wiedergabe von Teilen dieser Publikation oder im Ganzen, sind vorbehalten.<br />
E-Mail: info@helialps.ch<br />
www.helialps.ch<br />
OOEagle Valais<br />
Chemin Lambien 6, Flughafen Sion,<br />
1950 Sion<br />
Tel.: +41 (0)27 3273060<br />
E-Mail: ops@eaglevalais.ch<br />
http://www.eaglevalais.ch<br />
PLZ 3<br />
OOMountain Flyers 80 Ltd.<br />
Flugschulung, Rundflüge, Film- und<br />
Fotoflüge, Taxiflüge<br />
Flugplatz, Hangar 7, 3123 Belp<br />
Tel.: +41 (0)31 8196030<br />
E-Mail: info@mountainflyers.ch<br />
www.mountainflyers.ch<br />
OOAir Zermatt<br />
Rundflüge, Heliskiing, Taxiflüge<br />
Basis Zermatt:<br />
Heliport Zermatt, 3920 Zermatt<br />
Tel.: +41 (0)27 9668686<br />
Basis Raron:<br />
Heliport Raron, 3942 Raron<br />
Tel.: +41 (0)27 9358686<br />
E-Mail: zermatt@air-zermatt.ch<br />
www.air-zermatt.ch<br />
PLZ 4<br />
OOHelitrans AG<br />
Flugschulung, Personentransport,<br />
Materialtransport, Luftarbeit,<br />
Eventflüge<br />
Postfach, 4030 Basel<br />
Tel.: +41 (0)61 3253933<br />
E-Mail: info@helitrans.ch<br />
www.helitrans.ch<br />
OOAirport Helicopter AHB<br />
Flugschulung, Rundflüge<br />
Flughafenstrasse<br />
Basel-Flughafen, 4030 Schweiz<br />
Tel.: +41 (0)61 3254888<br />
E-Mail: basel@airportheli.ch<br />
www.airportheli.ch<br />
PLZ 5<br />
OORose Helicopter<br />
Flugschulung, Charterflüge,<br />
Rundflüge<br />
Bändlistr. 6, 5043 Holziken<br />
Tel.: +41 (0)62 7214444<br />
E-Mail: info@roseheli.ch<br />
www.roseheli.ch<br />
OOFlugschule Eichenberger<br />
Flugschulung, Personentransport,<br />
Wartung<br />
Flugplatz, 5632 Buttwil<br />
Tel.: +41 (0)56 6755050<br />
E-Mail: info@flugschule-eichenberger.ch<br />
www.flugschule-eichenberger.ch<br />
OOCHS Central Helicopter<br />
Services AG<br />
Personentransport, Lastenflüge,<br />
Flugschulung<br />
Flugplatz Buttwil,<br />
5632 Buttwil/AG<br />
Tel.: +41 (0)41 3780051<br />
E-Mail: mail@centralheli.ch<br />
www.centralheli.ch<br />
PLZ 6<br />
OOAirport Helicopter AHB<br />
Flugschulung, Rundflüge<br />
Moos 3, 6025 Neudorf<br />
Tel.: +41 (0)41 9300140<br />
E-Mail: bero@airportheli.ch<br />
www.airportheli.ch<br />
OOCHS Central Helicopter<br />
Services AG<br />
Personentransport, Lastenflüge,<br />
Flugschulung<br />
Sentibühlstr. 63, 6045 Meggen<br />
Tel.: +41 (0)41 3780051<br />
E-Mail: mail@centralheli.ch<br />
www.centralheli.ch<br />
OOAlpinlift Helikopter<br />
Flugschulung, Personen- und<br />
Materialtransport, Flugschule<br />
Baumgarten 3, 6374 Buochs<br />
Tel.: +41 (0)41 6204949<br />
E-Mail: info@alpinlift.ch<br />
www.alpinlift.ch<br />
OOHeliswiss International<br />
Luftarbeit, Personentransport<br />
Haltikon 32,<br />
6403 Küssnacht am Rigi<br />
Tel.: +41 (0)41 8543223<br />
E-Mail: info@heliswiss.com<br />
www.heliswissinternational.com<br />
OOHeli-TV<br />
Transportflüge, Montage, Brandbekämpfung,<br />
Taxiflüge, Film- und<br />
Fotoflüge<br />
6527 Lodrino<br />
Tel.: +41 (0)91 8734040<br />
E-Mail: info@heli-tv.ch<br />
www.heli-tv.ch<br />
OOKaren<br />
Flugschulung, Werft, Personentransport<br />
Flugplatz Locarno,<br />
6596 Gordola<br />
Tel.: +41 (0)91 745<strong>09</strong>18<br />
Werft: Flugplatz Lodrino<br />
c/o RUAG Aerospace Hangar<br />
6527 Lodrino<br />
E-Mail: info@karen-sa.com<br />
www.karen-sa.com<br />
OOHeli Rezia<br />
Personen- und Materialtransport<br />
c.p. 144, 6533 Lumino<br />
Tel.: +41 (0)91 8736666<br />
E-Mail: info@helirezia.ch<br />
www.helirezia.ch<br />
OOTarmac Aviation<br />
Transportflüge<br />
Flughafen Lugano, Via Aeroporto,<br />
6982 Agno<br />
Tel: +41 (0)91 6053077<br />
E-Mail: info@tarmac-aviation.ch<br />
www.tarmac-aviation.ch<br />
PLZ 7<br />
OOSwiss Helicopter<br />
Personen- und Transportflüge,<br />
Flugschule, Instandhaltung<br />
Hartbertstr. 11, 7000 Chur<br />
Tel.: +41 (0)81 2526344<br />
E-Mail: chur@swisshelicopter.ch<br />
www.swisshelicopter.ch<br />
22 Helikopter Special 9/<strong>2016</strong>
OOHeli Bernina<br />
Flugschulung, Personen- und<br />
Materialtransport<br />
Engadin Airport,<br />
7503 Samedan<br />
Tel.: +41 (0)81 8511818<br />
E-Mail: info@helibernina.ch<br />
www.helibernina.ch<br />
PLZ 8<br />
OORega Schweizerische<br />
Rettungsflugwacht<br />
Ambulanzflüge, Luftrettung<br />
Postfach 1414, 8058 Zürich<br />
Tel.: +41 (0)44 6543311<br />
E-Mail: info@rega.ch<br />
www.rega.ch<br />
OOskymedia<br />
Verkehrsüberwachung, Personenund<br />
Materialtransport, Flugschulung,<br />
Film- und Fotoflüge<br />
Postfach 233, 8058 Zürich<br />
Tel.: +41 (0)44 8288888<br />
E-Mail: info@skymedia.ch<br />
www.skymedia.ch<br />
OOSwiss Jet<br />
Personentransport<br />
Postfach 303, 8058 Zürich<br />
Tel.: +41 (0)44 8169000<br />
E-Mail: operation@swiss-jet.ch<br />
www.swiss-jet.ch<br />
OOAirport Helicopter AHB<br />
Flugschulung, Rundflüge<br />
P.O. Box 172, Zürich-Flughafen,<br />
8058 Schweiz<br />
Tel.: +41 (0)41 9300140<br />
E-Mail: zuerich@airportheli.ch<br />
www.airportheli.ch<br />
OODC Aviation<br />
Switzerland AG<br />
Charter, Instandhaltung<br />
Flughofstr. 54, 8152 Glattbrugg<br />
Tel.: +41 (0)44 5554420<br />
E-Mail: sales@dc-aviation.ch<br />
www.dc-aviation.ch<br />
OOBB Heli AG<br />
Personentransport, Fotoflüge,<br />
Flugschulung<br />
General Aviation Center, Zürich<br />
Flughafen, 8058 Zürich<br />
Tel.: +41 (0)44 8140014<br />
E-Mail: info@bbheli.ch<br />
www.bbheli.ch<br />
OOHeli Partner<br />
Personen- und Transportflüge,<br />
Flugschule<br />
Flugplatz, 8589 Sitterdorf<br />
Tel.: +41 (0)71 9694938<br />
E-Mail: info@helipartner.ch<br />
www.helipartner.ch<br />
OOHeli Sitterdorf<br />
Personentransport, Flugschule<br />
Flugplatz, 8589 Sitterdorf<br />
Tel.: +41 (0)71 4226000<br />
E-Mail: info@helisitterdorf.ch<br />
www.helisitterdorf.ch<br />
OOValair AG<br />
Personentransport, Luftarbeit, Flugschulung,<br />
Forschungsflug, Werft<br />
Flugplatz, 8589 Sitterdorf<br />
Tel.: +41 (0)71 4222020<br />
E-Mail: info@valair.ch<br />
www.valair.ch<br />
OOLinth Air Service<br />
Flugschulung, Taxiflüge, Rundflüge<br />
Flugplatz 2, 8753 Mollis<br />
Tel.: +41 (0)55 6453333<br />
E-Mail: linthairservice@bluewin.ch<br />
www.linthairservice.com<br />
OORobert Fuchs Helikopter<br />
Personentransport, Flugschulung,<br />
Luftarbeit, Werft<br />
Friesischwand 1,<br />
8834 Schindellegi<br />
Tel.: +41 (0)44 7870505<br />
E-Mail: heli@fuchs.ch<br />
www.fuchshelikopter.ch<br />
PLZ 9<br />
OOHelialpin AG<br />
Flugschulung, Taxiflüge, Werkflüge,<br />
Überwachung, Foto- und Filmflüge,<br />
Rundflüge<br />
Flugplatz St. Gallen/Altenrhein,<br />
Rütiweg 1340, 9423 Altenrhein<br />
Tel.: +41 (0)71 4225050<br />
E-Mail: info@helialpin.ch<br />
www.helialpin.ch<br />
OOHelikopter-Service<br />
Triet AG<br />
Foto - und Filmflüge, Ambulanzflüge,<br />
Taxiflüge, Rundflüge, Materialtransporte<br />
Flugplatz St. Gallen/Altenrhein,<br />
Rietlistrasse 8, 9422 Staad<br />
Tel.: +41 (0)71 8557010<br />
E-Mail: info@heli-service-triet.ch<br />
www.heli-service-triet.ch<br />
OORotortec AG<br />
Werft<br />
Flugplatz St. Gallen/Altenrhein,<br />
Rütiweg 2558, 9423 Altenrhein<br />
Tel.: +41 (0)71 8551667<br />
E-Mail: info@rotortec.ch<br />
www.rotortec.ch<br />
Liechtenstein<br />
O O Rotex Helicopter<br />
Materialtransporte, Feuerbekämpfung,<br />
Humanitäre Hilfe, Luftarbeit<br />
Schifflände 2, 9496 Balzers<br />
Tel.: +423 (0)384/3535<br />
E-Mail: mail@rotex-helicopter.ch<br />
www.rotex-helicopter.ch
digital<br />
Jetzt als<br />
E-Paper im<br />
Kombiabo<br />
99<br />
pro Ausgabe zusätzlich<br />
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Kombiabo Heft & Digital – oder als Digitalabo solo schon ab 11,99 Euro.<br />
Mehr Infos unter:<br />
www.<strong>aerokurier</strong>.de/digital
Praxis<br />
September <strong>2016</strong><br />
Know-how für<br />
Einsteiger und<br />
Fortgeschrittene<br />
Typenpalette erweitern<br />
Zum Kennenlernen eines<br />
neuen Musters gehört<br />
auch das Erfliegen der<br />
Grenzbereiche.<br />
Vertraut<br />
machen!<br />
Foto: Gerhard Marzinzik<br />
Für viele Piloten ist der Umstieg auf ein neues Flugzeugmuster<br />
ein wichtiger Schritt auf der fliegerischen Karriereleiter. Doch nur<br />
wenn das Kennenlernen des neuen Geräts in geordneten Bahnen<br />
verläuft, wird man das Flugzeug tatsächlich beherrschen.<br />
Die Gesetzgebung unterscheidet beim<br />
Wechsel auf ein anderes Flugzeugmuster<br />
innerhalb derselben Klassenberechtigung<br />
zunächst zwischen Vertrautmachen<br />
und Unterschiedsschulung. Der Begriff lässt<br />
es bereits erahnen: Das Vertrautmachen erfolgt<br />
auf eigene Verantwortung, die Unterschiedsschulung<br />
muss mit einem Fluglehrer (FI oder<br />
CRI) erfolgen und wird auch als Schulung zum<br />
Beispiel im Flugbuch dokumentiert. Eine Ausnahme<br />
gilt für LAPL(A)-Piloten (siehe Kasten).<br />
Prinzipiell genügt beim Umstieg auf ein anderes<br />
Muster oder eine andere Baureihe innerhalb<br />
derselben Klassenberechtigung das<br />
Vertrautmachen, sofern der neue Flieger keine<br />
grundlegend unterschiedlichen Merkmale<br />
aufweist. Welche Merkmale eine Unterschiedsschulung<br />
notwendig machen, ist in der EASA<br />
Type Rating and Endorsement List aufgeführt.<br />
Hier hat die Behörde ganz klar definiert, dass<br />
innerhalb der Klassenberechtigung SEP land<br />
beispielsweise für den Umstieg von Fest- auf<br />
Einziehfahrwerk oder von Fest- auf Verstellpropeller<br />
eine Unterschiedsschulung mit einem<br />
Fluglehrer notwendig ist. Für den Umfang der<br />
Schulung gibt es keine Vorschriften, die Schulung<br />
muss aber hinterher vom Fluglehrer<br />
bestätigt werden.<br />
Unabhängig davon bleibt es natürlich jedem<br />
Halter (vor allem Vereinen) vorbehalten, den<br />
Umstieg auf ein neues Muster durch einen<br />
Fluglehrer begleiten zu lassen, eine Mindestflugerfahrung<br />
vorzuschreiben oder gar einen<br />
schriftlichen Wissenstest einzufordern.<br />
Auch wenn kein Fluglehrer vorgeschrieben<br />
ist – die Chance, sich von einem erfahrenen<br />
Piloten ein neues Muster erklären zu lassen,<br />
sollte sich niemand entgehen lassen, denn<br />
nur so lernt man die Macken oder Besonderheiten<br />
eines Flugzeugs kennen, die in keinem<br />
Handbuch stehen. Dabei sollte man allerdings<br />
geschultem Lehrpersonal schon im Hinblick<br />
auf das professionelle Vermitteln von Inhalten<br />
und dem Erkennen und Beheben von Verständnisproblemen<br />
den Vorzug geben, vor<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 71
[ PRAXIS September <strong>2016</strong> ]<br />
Kennenlernen in Schritten<br />
1. Theorie<br />
• Studium des Flughandbuchs,<br />
Fragen notieren<br />
• Betriebsgrenzen und Verfahren<br />
verinnerlichen<br />
• das Flugzeug als Anschauungsobjekt<br />
nutzen<br />
2. Praxis<br />
• das Wissen eines Fluglehrers nutzen<br />
• Sitzprobe bei geschlossener Haube<br />
• Anordnung der Instrumente und<br />
Bedienelemente studieren<br />
• Trockenübungen zu den Normal- und<br />
Notverfahren<br />
• Handgriffe üben, die in Fleisch und<br />
Blut übergehen müssen (z. B. Ausklinken<br />
im Schleppflug, Motorausfall)<br />
3. Die ersten Flüge<br />
• in einem ruhigen Luftraum in aus reichender<br />
Höhe das Flugzeug erfliegen<br />
• Airwork hilft, das Flugzeug in allen<br />
Zuständen kennenzulernen<br />
• Triebwerksausfall simulieren<br />
• Konzentration auf das Wesentliche,<br />
nicht auf GPS & Co<br />
• Für die ersten Anflüge: Flugplatz mit<br />
ausreichender Pistenlänge wählen<br />
• Anflüge mit verschiedenen Klappenstellungen<br />
und Durchstartverfahren<br />
trainieren<br />
allem bei Vereinsgerät. Egal ob mit oder ohne<br />
Fluglehrer: Wer ein neues Flugzeug kennenlernen<br />
will, muss sich gewissenhaft vorbereiten.<br />
Obligatorisch zum ersten Start sind<br />
die Kenntnis der Betriebsgrenzen und Flugleistungen,<br />
der Normal- und Notverfahren, der<br />
Mindest- und Maximalzuladung und der Flugzeugsysteme.<br />
Letzteres gilt besonders, wenn<br />
eine Vorrichtung für den Anwärter neu ist,<br />
beispielsweise das Einziehfahrwerk oder der<br />
Verstellpropeller.<br />
Dann die erste Tuchfühlung: der Vorflugcheck.<br />
Spätestens hier sollte ein erfahrener Begleiter<br />
zur Stelle sein und auf die kleinen und größeren<br />
Macken hinweisen, die jedes Flugzeug<br />
mit sich bringt. Oft beschreibt das Handbuch<br />
den Ablauf der äußeren Sichtkontrolle; es<br />
schadet also nicht, es dabei zu haben.<br />
Dann geht es an die Trockenübungen. Zuerst<br />
die Sitzprobe: Kann ich alle Bedienelemente<br />
gut erreichen, Steuerhorn oder Knüppel voll<br />
ausschlagen und über das Instrumentenbrett<br />
Vor dem ersten Flug muss das Cockpitlayout verinnerlicht werden. Fluglehrer helfen gern dabei.<br />
Außencheck: Bei einem Rundgang kommt<br />
man dem neuen Muster näher.<br />
schauen? Es folgt das Griffeklopfen: Wer nach<br />
langer Zeit auf einem Muster auf ein neues<br />
wechselt, wird sich zwangsläufig wiederkehrende<br />
Handgriffe oder Blickmuster angewöhnt<br />
haben. Wenn sich nun aber die Bedienelemente<br />
oder Instrumente an anderer Position<br />
befinden, hilft das Trockentraining, sich<br />
umzugewöhnen. Zum Beispiel haben fast<br />
alle älteren Muster von Beechcraft den Klappen-<br />
und Fahrwerksschalter genau andersherum<br />
angeordnet als die meisten anderen<br />
Hersteller.<br />
Bediengriffe sicher finden,<br />
ohne hinschauen zu müssen<br />
Das Trockentraining ist besonders wichtig für<br />
Situationen, in denen es schnell gehen muss:<br />
Wo ist der Brandhahn, wo ist im Schleppbetrieb<br />
der Ausklinkknopf? Hat man die essenziellen<br />
Handgriffe bereits am Boden geübt, ist die<br />
Wahrscheinlichkeit von Verwechslungen bei<br />
Stresssituationen in der Luft geringer. In der<br />
Regel wird sich bei einem anderen Flugzeug<br />
auch die Instrumentierung ändern. Doch gerade<br />
für die technisch kompliziertere Ausrüstung<br />
gilt, dass man ihr während der ersten<br />
Flüge nur so viel Aufmerksamkeit wie nötig<br />
widmet – im Vordergrund muss immer das<br />
Fliegen stehen und nicht etwa die Bedienung<br />
von Garmin & Co.<br />
Wer in jeder Phase am Boden und in der Luft<br />
Checklisten nutzt, schafft von vornherein Sicherheit.<br />
Gerade auf den ersten Flügen ist<br />
die Gefahr groß, Dinge zu vergessen – eine<br />
Klarliste sorgt für Entspannung. Dabei ist es<br />
zunächst völlig unerheblich, ob man die Liste<br />
als „read and do“ Punkt für Punkt abarbeitet<br />
oder alle Handgriffe aus dem Kopf durchführt<br />
und sie später per Checkliste verifiziert<br />
– Hauptsache, es findet ein Check statt.<br />
Bei manchen Flugzeugen ist schon das Anlassen<br />
eine Kunst. Wer hier falsch vorgeht,<br />
riskiert unter Umständen langfristige Schäden<br />
des Antriebs. Das nötige Fingerspitzengefühl<br />
wird sich erst nach einigen weiteren Startversuchen<br />
einstellen, also empfehlen sich der<br />
Blick ins Handbuch und die Beratung durch<br />
einen Fluglehrer.<br />
Dass das Rollen mit einem Spornradflieger<br />
komplizierter ist als mit einem Dreibeinfahrwerk,<br />
leuchtet ein. Auch ansonsten völlig<br />
gleiche Muster können am Boden eine gänzlich<br />
andere Handhabung verlangen. Die DR400<br />
etwa gibt es mit Hand- oder Fußspitzenbremse.<br />
Wer bislang die Fußbremse gewohnt war,<br />
wird sich anfangs extrem darauf konzentrieren<br />
müssen, fortan die Füße stillzuhalten und<br />
per Handgriff zu bremsen. Bereits hier zahlt<br />
sich eine gründliche Auseinandersetzung mit<br />
dem Flugzeug aus.<br />
Nun aber in die Luft: Nach dem Start sucht<br />
man sich ein Fleckchen Luftraum ohne Verkehr<br />
und sonstige Einschränkungen, um sich das<br />
Fotos: Lars Reinhold, Helge Zembold<br />
72 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Besonderheiten für<br />
LAPL(A)-Piloten<br />
Das Studium des Handbuchs ist die Basis für den Umstieg auf ein neues Flugzeugmuster.<br />
Inhaber eines LAPL(A) sind gemäß<br />
FCL.135.A der EU-Verordnung<br />
1178/2011 nach der praktischen Prüfung<br />
zunächst auf die Flugzeugbaureihe beschränkt,<br />
auf der die Prüfung absolviert<br />
wurde. Für den Wechsel auf eine<br />
andere Baureihe muss der Pilot eine<br />
Unterschiedsschulung und ein Vertrautmachen<br />
absolvieren. Die Unterschiedsschulung<br />
muss im Flugbuch des<br />
Piloten vom Lehrberechtigten unterzeichnet<br />
werden.<br />
Flugzeug mit ausreichend Luft unter dem<br />
Rumpf zu erfliegen. Zunächst der Geradeausflug:<br />
Trimmungswirksamkeit, Leistungseinstellungen<br />
sowie die Stabilität des Flugzeugs<br />
lassen sich hier erleben. Im Kurvenflug zeigt<br />
sich, ob es nach mehr Leistung verlangt und<br />
wie hoch die Rollrate ist. Dies ist auch der<br />
Übergang zu den bekannten Airwork-Manövern:<br />
Steilkurven, Langsamflug, Annäherung<br />
an den Strömungsabriss. Hier lernt man die<br />
Maschine in den Geschwindigkeitsbereichen<br />
und Konfigurationen kennen, in denen man<br />
sonst meist bodennah unterwegs ist. Gleichzeitig<br />
erhält man einen Eindruck, welchen<br />
Aufbäumeffekt man beim Klappenfahren zu<br />
erwarten hat und wie viel mehr Leistung ein<br />
ausgefahrenes Fahrwerk beansprucht.<br />
Zu jeglicher Art des Vertrautmachens gehört<br />
bei Motorflugzeugen auch der simulierte<br />
Triebwerksausfall (Sicherheitsmindesthöhe<br />
beachten), bestenfalls gleich mit dem simulierten<br />
Abhandeln des entsprechenden Verfahrens.<br />
Trudeln sollte man ein neues Flugzeug<br />
nur mit langjähriger, einschlägiger Erfahrung<br />
oder unter Aufsicht eines erfahrenen Fluglehrers.<br />
Für die erste Landung wählt man nicht unbedingt<br />
den Heimatplatz mit 400 Meter langer,<br />
abfallender Graspiste. Eine Piste, die ein längeres<br />
Ausschweben und vielleicht auch ein<br />
hartes Aufsetzen verzeiht, ist auf jeden Fall<br />
vorzuziehen. Mehrere Anflüge mit verschiedenen<br />
Klappenstellungen sind für das Vertrautwerden<br />
ebenso Pflicht wie Durchstartübungen.<br />
Beherrschen wird man ein Flugzeug nach<br />
dem ersten Einweisungsflug natürlich nicht;<br />
möglicherweise reicht der Kenntnisstand<br />
jedoch, um weitere Starts ohne Fluglehrer<br />
absolvieren zu können. Auf aufwendige Flüge<br />
oder die Mitnahme von Passagieren sollte<br />
man deshalb so lange verzichten, bis man<br />
sich auf dem neuen Flugzeugmuster rundum<br />
wohlfühlt.<br />
[ Autor Helge Zembold<br />
Helge Zembold fliegt<br />
als Copilot im Airbus<br />
A320 durch Europa.<br />
In seiner Freizeit ist er<br />
meist als Segelflieger<br />
oder im Schleppflugzeug<br />
unterwegs.<br />
Er ist zudem Autor<br />
des Buches „IFR-<br />
Sprechfunk“.<br />
Praxis-Quiz Testen Sie Ihr Wissen<br />
1. 2. 3.<br />
Bei der Beurteilung der Startstrecke<br />
sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:<br />
a) Startrollstrecke, bester Steigwinkel, Bewuchs,<br />
Eigengeschwindigkeit, Luftdruck<br />
sowie Wind nach Richtung und Stärke<br />
b) Startstrecke aus dem Flughandbuch<br />
unter Berücksichtigung der Druckhöhe<br />
und Temperatur, Bahnneigung und<br />
Oberflächenzustand<br />
c) Länge der Startbahn, Temperatur,<br />
Abflugmasse und Startleistung<br />
Der Pilot möchte ein Gebiet lärm -<br />
arm umfliegen. Wie reduziert sich<br />
bei Verdoppelung des seitlichen<br />
Abstands der Lärm auf einen Beobachter<br />
am Boden?<br />
a) Es ergibt sich durch die sogenannte<br />
Schrägbeschallung keine nennenswerte<br />
Reduzierung.<br />
b) 70 % Reduzierung (10 dB(A))<br />
c) 50 % Reduzierung (6 dB(A))<br />
d) 30 % Reduzierung (10 dB(A))<br />
Welche Landeklappenstellung ist bei<br />
den meisten Leichtflugzeugen für<br />
den Start auf einer aufgeweichten<br />
Startbahn zu wählen?<br />
a) vollständig ausgefahren<br />
b) Stellung entsprechend der Angabe<br />
im Flughandbuch<br />
c) vollständig eingefahren<br />
d) bis zur ersten Stufe ausgefahren<br />
Die Lösungen finden Sie auf Seite 110.<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 73
[ PRAXIS September <strong>2016</strong> ]<br />
Nicht nur<br />
für Piloten<br />
Welche Dinge gibt es, die<br />
einfach nur Spaß machen<br />
oder sich im Cockpit als sehr<br />
nützlich erweisen können?<br />
Der <strong>aerokurier</strong> hat sich umgesehen,<br />
wofür man als Pilot<br />
Geld ausgeben kann.<br />
1<br />
3 Was auf die Ohren<br />
Haben Sie Langeweile auf langen Strecken,<br />
wünschen Sie sich Unterhaltung beim Fliegen?<br />
Selbst konservierte Musik vom Handy oder<br />
MP3-Player? Mit dem Handy-Headset-Adapter<br />
PA-86A lässt sie sich per Bluetooth auf die<br />
Kopfhörer bringen. Der Adapter schaltet Handys<br />
oder MP3-Player auf Intercom und Headsets.<br />
Eine sichere Kommunikation bleibt gewährleistet.<br />
Funk kann nicht überhört werden,<br />
dafür sorgt eine automatische Vorrangschaltung.<br />
Zum PA-86A gehören zwei verschiedene<br />
Eingangs-Audioanschlusskabel. Die Stromversorgung<br />
erfolgt über eine 9-Volt-Blockbatterie.<br />
Das PA-86A gibt es mit Tragetasche beim<br />
Büscher Flugversand ab 108 Euro.<br />
www.flugversand.de<br />
Fotos: Aero Optik, Büscher, Heimann, Milvus, Schleicher<br />
1 Walter Eichhorn<br />
Auch mit 80 Jahren frönt Walter Eichhorn<br />
noch unverdrossen und ungebremst seiner<br />
Leidenschaft, dem Fliegen. Das Leben dieser<br />
Fliegerlegende mit Sohn Toni, ihre Abenteuer,<br />
die Anekdoten und Rekorde, hat Michael<br />
Linke zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Ein<br />
ereignisreiches, bewegtes Fliegerleben, verdichtet<br />
auf 172 Seiten – Lektüre nicht nur für<br />
Piloten. Das mit vielen seltenen Originalfotos<br />
und Grafiken illustrierte, durchgehend farbige<br />
Druckwerk kostet 12,95 Euro plus 1,65 Euro<br />
Versand.<br />
www.flyaholic.de<br />
2 Zeitzeichen<br />
Immer im Blick, aus welch edlem Stoff das<br />
(eigene) Hightech-Segelflugzeug aufgebaut<br />
ist: Der rote Sekundenzeiger der „AS“-Fliegeruhr<br />
dreht über einem fein strukturierten<br />
Carbon-Ziffernblatt. Dezent zeichnet sich im<br />
unteren Bereich die Silhouette eines modernen<br />
Seglers mit Winglets ab, im oberen das<br />
Firmenlogo von Alexander Schleicher Segelflugzeugbau.<br />
Die Uhr für alle Flieger-ASse gibt<br />
es für 348 Euro.<br />
www.alexander-schleicher.de<br />
2<br />
3<br />
5<br />
4<br />
4 Gut gekleidet<br />
Jacken fürs Cockpit, speziell für die moderner<br />
Segelflugzeuge mit ihren eher schon Liegesesseln<br />
ähnelnden Pilotenplätzen, erfordern<br />
zweckorientierte Schnitte. Solche ergonomisch<br />
optimierte Kleidung bietet Milvus. Bei<br />
der hochfunktionellen Softschelljacke Delta<br />
sind auch alle Taschen und Lüftungsreißverschlüsse<br />
ergonomisch angeordnet, damit sie<br />
im Flugzeug unter den Gurten zugänglich sind.<br />
Der Schnitt bietet genügend Platz, damit noch<br />
eine Fleecejacke darunterpasst. Die Jacken in<br />
atmungsaktivem Softshell-Stretchstoff gibt es<br />
in den Größen XS bis XL und in Schwarzblau<br />
oder Graublau. Anzulegen sind dafür 249<br />
Euro.<br />
www.milvus.aero<br />
5 Für Durchblicker<br />
Die Fliegersonnenbrille Light Flight kommt<br />
ganz leicht daher, ihre 14 Gramm wird man<br />
kaum auf der Nase spüren. Eine leichtere<br />
Pilotenbrille gibt es nicht. Sie bietet perfekte<br />
Rundumsicht und mit den kontraststeigernden<br />
Carl Zeiss Vision Skylet Gläsern einen optimierten<br />
Durchblick. Für alle, die korrigierende<br />
Gläser brauchen, gibt es die Brille mit individuellen<br />
Sehstärken als Fern-, Gleitsicht- oder<br />
Bifokal-Brille, damit beim Blick aufs Panel und<br />
darüber hinaus nichts übersehen wird. Die<br />
kontraststeigernden Skylet-Gläser sollten<br />
jeden Segelflieger erfreuen, Kondensen und<br />
Luftbewegungen werden sichtbar. Aero Optik<br />
verlangt dafür 269 Euro plus Versand.<br />
www.aero-optik.de<br />
74 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Eines der wichtigsten Teile an unseren Kolbenmotorflugzeugen<br />
ist der Propeller. Er ist unglaublichen<br />
Belastungen ausgesetzt.<br />
DER<br />
EXPERTEN-<br />
TIPP<br />
Propeller<br />
<strong>09</strong><br />
Torsten Matz<br />
Propellerschäden:<br />
[ 1 ] Die verformte Blattspitze erfordert eine<br />
Shock Loading Inspection für den Motor.<br />
[ 2 ] Kerbe an der Hinterkante. [ 3 ] Risse am<br />
Blattfuß. [ 4 ] Geschmirgelte Vorderkante.<br />
[ 1 ]<br />
[ 2 ]<br />
[ 3 ]<br />
[ 4 ]<br />
Man sollte sich mal vorstellen, dass<br />
am Blattfuß eines Propellers die Zentrifugalkraft<br />
mehrere zehntausend<br />
Newton betragen kann. Als Beispiel sei ein<br />
Dreiblatt-Komposit/Holzpropeller an einem<br />
300-PS-Motor angeführt, bei dem je nach Drehzahl<br />
eine maximale Zentrifugalkraft von 80 000<br />
Newton entstehen kann. Dazu kommen außerdem<br />
noch große Kräfte aus der Luftströmung<br />
und Schwingungen vom Motor. Das Thema<br />
„Kräfte am Propeller“ wird in der PPL-Ausbildung<br />
auch eingehend behandelt.<br />
Bei der Betrachtung des Propellers darf die<br />
Bauweise nicht unberücksichtigt bleiben.<br />
Unsere General-Aviation-Propeller bestehen<br />
meistens aus Aluminium, Verbundwerkstoff<br />
oder Holz und sind entweder Fest- oder Verstellpropeller.<br />
Der Propeller bewegt sich mit relativ hoher<br />
Geschwindigkeit in oftmals nicht allzu großem<br />
Abstand zum Boden. Durch aufgewirbelte<br />
Teilchen kann Erosion entstehen, sichtbar an<br />
rauen Eintrittskanten, an denen der Lack wie<br />
weggestrahlt wurde. Diese Eintrittskanten<br />
können an Metallpropellern oft gemäß Herstelleranweisungen<br />
mit einer speziellen Feile<br />
oder Ähnlichem geglättet werden. Das<br />
Gleiche gilt für kleine Steinschläge, die man<br />
innerhalb vorgegebener Limits ausarbeitet.<br />
Das sind Arbeiten für zertifizierte Mechaniker,<br />
denn der mögliche Schaden bei Fehlbehandlungen<br />
ist recht groß.<br />
Propeller an Oldtimern werden wegen der<br />
schöneren Optik öfter poliert. Dafür gibt es<br />
manchmal vom Hersteller eine Anweisung.<br />
Die Firma Sensenich schreibt zum Beispiel<br />
sinngemäß: Beginne mit 80er-Schleifpapier<br />
…, dann weiter mit 150er,… Am Ende wird<br />
gefordert, dass ein Balancing durchgeführt,<br />
also ausgewuchtet wird. Auch ein Job für<br />
Profis mit dem richtigen Werkzeug. Fehler<br />
hierbei können sich als Vibrationen bei bestimmten<br />
Drehzahlen auswirken. Eine Besonderheit<br />
bei Komposit- und Holzpropellern ist<br />
die Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit.<br />
Das bedeutet, dass kleine Beschädigungen<br />
im Lack, wie die durch Steinschläge, möglichst<br />
schnell geschlossen werden sollten. Als Hausmittel<br />
hat sich dafür die Verwendung von<br />
Nagellack bewährt und wird von einigen<br />
Herstellern auch nicht verneint. Ein kleiner<br />
Tropfen in das Loch im Lack reicht dabei für<br />
einige Zeit.<br />
Handelt es sich um einen Verstellpropeller,<br />
sollte man ihn bei der Vorflugkontrolle auch<br />
auf Undichtigkeiten prüfen. Es kann Fett am<br />
Blattfuß aus der Nabe treten oder Öl am Kurbelwellenflansch.<br />
Die Propellerhersteller betonen übrigens, dass<br />
das Schieben und Drücken am Propeller beim<br />
Rangieren tunlichst vermieden werden sollte.<br />
Größere Beschädigungen sollten auf alle Fälle<br />
von Sachkundigen bewertet werden. So<br />
können bei Holzpropellern Risse im Lack entlang<br />
der Faserrichtung noch zulässig sein. Ein<br />
ähnliches Anzeichen beim Metallpropeller<br />
würde wahrscheinlich das Aus für dieses Teil<br />
bedeuten. Jegliche Deformation sollte unbedingt<br />
genau untersucht werden. Es können<br />
sich daraus Risse entwickeln, die das Bauteil<br />
versagen lassen.<br />
Es gibt sehr genaue Anweisungen von den<br />
Propeller- und Motorenherstellern dafür, wie<br />
man mit Beschädigungen am Propeller umgeht!<br />
Bei Textron Lycoming heißt es sinngemäß,<br />
dass der Motor ausgebaut werden muss<br />
und eine Shock Loading Inspection ansteht,<br />
wenn eine Beschädigung am Propeller repariert<br />
werden muss. Und das gilt auch dann,<br />
wenn der Propeller in Wasser eingetaucht ist<br />
oder Gras berührt hat und ein Drehzahlabfall<br />
festgestellt wurde, auch wenn es dabei nicht<br />
zu einer Beschädigung gekommen ist. Die<br />
Shock Loading Inspection fordert Lycoming<br />
sogar dann, wenn der Propeller im Moment<br />
der Beschädigung stand und seine Reparatur<br />
nötig wurde.<br />
[<br />
Autor Torsten Matz<br />
... ist Technischer Leiter<br />
beim Porta Air Service<br />
in Porta Westfalica.<br />
Er hat viele Jahre<br />
Er fahrung in der Wartung<br />
von Flugzeugen<br />
der Allgemeinen Luftfahrt<br />
und ist lizenziert<br />
von der EASA (B1) und der amerikanischen<br />
Luftfahrtbehörde FAA als A&P.<br />
Fotos: Torsten Matz, Porta Air Service<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 75
[ PRAXIS September <strong>2016</strong> ]<br />
Garmin aera 660 mit GDL 39 3D<br />
Mobiles Glascockpit<br />
Moderne Avionik gibt es von vielen Herstellern, und alle verwirklichen<br />
die eigene Bedienphilosophie. Für Charterer, die sich dann<br />
oft umstellen müssen, ist das ärgerlich – sicher ist es auch nicht.<br />
dere Geräte mit unterschiedlichen Bedienkonzepten<br />
umstellen müssen. Gut, wenn man für<br />
solche Fälle die eigene mobile Ausrüstung<br />
nutzen kann, mit der man vertraut ist.<br />
Geradezu ein Komplettpaket eines mobilen<br />
Glascockpits bietet hier Garmin mit dem neuen<br />
aera 660 in Kombination mit dem WAAS/<br />
EGNOS- und ADS-B-fähigen GDL 39 3D. Das<br />
GDL kann auf der Panelabdeckung unter der<br />
Frontscheibe platziert und das kompakte aera<br />
660 mit der mitgelieferten Halterung am<br />
Steuerhorn befestigt oder auf dem Kniebrett<br />
abgelegt werden. Die Geräte kommunizieren<br />
ohne lästige Kabelei per Bluetooth.<br />
Privathalter sind fein raus, sie können<br />
sich ihr Cockpit ganz nach eigenem<br />
Gusto ausstatten und finden dann immer<br />
wieder ein vertrautes Panel vor. In Vereinsflotten<br />
und Charterflugzeugen unterscheidet<br />
sich die Instrumentierung, was die Ausstattung<br />
mit GPS-basierten Navigationsgeräten angeht,<br />
häufig sehr stark von Flugzeug zu Flugzeug.<br />
Dumm ist das für die Piloten, die sich mit einem<br />
Flugzeugwechsel immer wieder auf an-<br />
Lithium-Ionen-Akkus<br />
garantieren lange Betriebszeiten<br />
Mit ihren Akkus sind beide für Flüge über<br />
mindestens vier Stunden funktionsfähig.<br />
Längere Betriebszeiten werden mit Anschluss<br />
ans Bordnetz (USB-Kabel und Adapter für<br />
den Zigarettenanzünder) möglich. Das aera<br />
660 mit den handlichen Abmessungen von<br />
14,1 x 8,7 x 2,1 Zentimeter, integrierter GPS-<br />
Startbildschirm Hauptmenü. Von hier geht es<br />
über die Icons zu den Navigationsfunktionen.<br />
aera-660-Display im Kartenmodus. Die<br />
Basiskarte deckt ganz Europa ab.<br />
Luftlagebild: Mit Anbindung an das GDL 39 3D<br />
erscheint der umgebende ADS-B-Verkehr.<br />
76 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Antenne und einem brillanten Fünf-Zoll-<br />
Touchscreen lehnt sich an das Garmin-eigene<br />
Be-dienkonzept des großen GTN 750, das<br />
erste Einbausystem mit Touchscreen, an.<br />
Dank der klar gegliederten Menüführung<br />
lässt sich das aera intuitiv bedienen. Vom<br />
Hauptmenü aus werden die wichtigen Funktionen<br />
über die sich selbst erklärenden Icons<br />
direkt erreicht.<br />
Der „Direct to“-Button ist als Rettungsanker<br />
auf fast jedem Bildschirmbild dabei. Die „3D-<br />
Vision“- und „Traffic“-Funktionen stehen allerdings<br />
erst in Verbindung mit dem GDL 39<br />
3D zur Verfügung. „Weather“ und „Terminal“<br />
werden in Europa bislang nicht unterstützt.<br />
Mit dem Einschalten des aera 660 ist der GPS/<br />
GLONASS-Satellitenempfang schnell hergestellt.<br />
Die detaillierte, interaktive Europakarte,<br />
die sich beliebig zoomen lässt, zeigt die<br />
in den Einstellungen gewählten Lufträume<br />
und erübrigt die optional speicherbare ICAO-<br />
Karte. In den Bildschirmecken lassen sich die<br />
Datenfelder beliebig belegen, zum Beispiel<br />
mit der Geschwindigkeit über Grund, Distanz<br />
zum nächsten Wegpunkt und voraussichtlicher<br />
Ankunftszeit, sodass neben der eigenen Position<br />
in der Moving Map auch die wichtigsten<br />
Flugparameter angezeigt werden. Per<br />
Fingertipp auf die Karte können die Beschreibungen<br />
der Lufträume mit ihren Limits aufgerufen<br />
werden. Flugrouten können in der<br />
Karte oder durch Eingabe der Wegpunktnamen<br />
geplant und abgespeichert werden. Einmal<br />
erstellte Pläne lassen sich schnell aufrufen<br />
und aktivieren.<br />
Zur Basiskarte für Europa gehören ein Flugplatzverzeichnis<br />
(AC-U KWIK – International<br />
Airport Directory) mit allen wichtigen Landeplatzinformationen,<br />
die dazugehörigen „Safe<br />
Taxi“-Karten von Garmin und eine Datenbank<br />
für Gelände- und Hinderniswarnungen.<br />
In seiner Funktionsvielfalt ist das aera 660<br />
kaum mehr zu übertreffen. Zu den Features<br />
gehört, dass die Leistungs- und Verbrauchseckdaten<br />
des genutzten Flugzeugs für die<br />
wichtigsten Navigationsrechnungen recht<br />
einfach eingespeichert werden können. Weight<br />
& Balance-Kontrollen sind schnell vollzogen.<br />
Mobiles Primary Flight Display mit 3D-Vision:<br />
das Garmin GDL 39 3D (oben) in Bluetooth-<br />
Verbindung mit dem Garmin aera 660.<br />
Das aera 660 führt zudem automatisch das<br />
Flugbuch. Auch die Flugwege werden aufgezeichnet<br />
und können später noch einmal<br />
angesehen werden.<br />
Zum vollwertigen Primary Flight Display wird<br />
das aera 660 in Verbindung mit dem GDL 39<br />
3D, das mit dem integrierten AHRS (Attitude<br />
Heading Reference System) einen künstlichen<br />
Horizont und dazu die 3D-Vision-Darstellung<br />
liefert. Die Anzeigen für Attitude, Kurs, Bearing,<br />
Geschwindigkeit über Grund und Höhe<br />
werden mit einem dreidimensionalen Landschaftsbild<br />
(synthetic vision view) hinterlegt.<br />
Im Display erscheinen mit der 3D-Landschaft<br />
voraus die Hindernisse und bei Anflügen der<br />
Flugplatz mit Landebahn.<br />
Vertrauenswürdig<br />
nur mit fester Montage<br />
Vertrauenswürdig wird der künstliche Horizont<br />
allerdings erst, wenn das GDL 39 3D fest montiert<br />
wird. Einfaches Abstellen auf der Instrumentenabdeckung<br />
führt leicht zum Verrutschen,<br />
was auf dem Bildschirm des aera<br />
als eine Lageänderung des Flugzeugs erscheint.<br />
Ein Muss ist die Befestigung der mitgelieferten<br />
Aufnahmeschale, wenn das aera 660 auf<br />
Flügen nach Instrumentenflugregeln als Backup<br />
dienen soll.<br />
Das GDL 39 3D bietet zugleich ADS-B-IN-<br />
Funktionalität. ADS-B-Verkehr wird damit in<br />
Relation zur eigenen Position erfasst und im<br />
aera dargestellt. Zeichnen sich Gefahrensituationen<br />
ab, warnt das aera 660 optisch und<br />
akustisch. Zur Darstellung kommen hier alle<br />
Flugzeuge, die über ihren Mode-S-Transponder<br />
die GPS-Positions-, Kurs- und Geschwindigkeitsdaten<br />
aussenden. Der gesamte Verkehr<br />
wird damit zwar nicht erfasst, die erhaltenen<br />
Informationen können aber wesentlich zum<br />
Überblick über die Verkehrssituation und damit<br />
zur eigenen Sicherheit beitragen. Der<br />
hochgenaue, SBAS-fähige GPS-Empfänger im<br />
GDL berechnet Position und Geschwindigkeit<br />
in Richtung und Größe fünfmal pro Sekunde.<br />
Das aera 660 kann den lästigen Kauf von<br />
Luftfahrtkarten ersparen. Um aber auf Papierkarten<br />
verzichten zu können, ohne Sicherheitsrisiken<br />
einzugehen, ist es wichtig, die<br />
Luftraum- und Navigationsdaten immer aktuell<br />
zu halten. Solch verlässlichen Einsatz<br />
des GPS-Navigators ermöglicht Garmin mit<br />
seinem Angebot für regelmäßige Updates. Das<br />
aera 660 macht sie mit dem integrierten WiFi<br />
besonders einfach. Die Updates können damit<br />
ohne Umweg über einen PC direkt aus einem<br />
WLAN abgerufen werden. Voraussetzung ist<br />
das Abonnement dieses Dienstes. Für den<br />
Einsatz auf IFR-Flügen können auch die<br />
Jeppesen-Anflugkarten aufs Gerät geladen<br />
werden.<br />
In der Basisausstattung müssen für das aera<br />
660 und das GDL 39 3D jeweils 998 Euro angelegt<br />
werden.<br />
[<br />
Autor Gerhard Marzinzik<br />
Gerhard Marzinzik, stellvertretender<br />
Chefredakteur<br />
<strong>aerokurier</strong>, mit PPL(A)<br />
und IFR-Berechtigung,<br />
legt Wert auf gute Avionik,<br />
um im Flug im Bild zu<br />
sein über Luftraum und<br />
Luftverkehr.<br />
Fotos: Marzinzik<br />
„Direct to“ ist fast aus jedem Menü erreichbar,<br />
und die Ziele sind aus vielen Listen abrufbar.<br />
Flugplatzinformationen stehen aus einer großen<br />
Landeplatz-Datenbank zur Verfügung.<br />
Definitiv zu tief: das aera 660 mit Hinderniswarnungen<br />
im „Terrain“-Modus.<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 77
[ SEGELFLIEGEN Reportage ]<br />
SZD 24 Foka 4<br />
ELEGANZ<br />
IN HOLZ<br />
Fotos: Mario Schauf, Lars Reinhold<br />
AUTOR: Lars Reinhold<br />
78 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Vom Flugplatz Neumagen-Dhron<br />
aus ist man ruck, zuck über den<br />
Weinhängen an der Mosel.<br />
Etwas Exotisches<br />
sollte es sein, als<br />
David Schneider<br />
auf die Suche nach<br />
einem Flugzeug<br />
ging. Ein 15-Meter-<br />
Holzsegler, der einst<br />
die WM der Offenen<br />
Klasse gewann,<br />
schien genau richtig.<br />
Wenn man eine Liste der<br />
elegantesten Segelflugzeuge<br />
aufstellte, dann<br />
müsste die Foka 4 sich<br />
ganz weit oben wiederfinden. Der<br />
schlanke Rumpf, die hoch angesetzten,<br />
trapezförmigen Flächen und das<br />
schnittig nach hinten geschwungene<br />
Seitenleitwerk machen die Silhouette<br />
des 1960 konstruierten Holzfliegers<br />
so unverwechselbar. Der Eindruck<br />
von Dynamik wird noch durch<br />
das weit hinten angesetzte Höhenleitwerk<br />
verstärkt, dem die Foka förmlich<br />
davonzufliegen scheint. Ein absoluter<br />
Hingucker!<br />
„Ich wollte immer was Exotisches<br />
haben“, sagt David Schneider. „Als<br />
ich im Spätsommer 2014 den Entschluss<br />
fasste, mir ein Flugzeug zu<br />
kaufen, hatte ich zunächst eine SB-5<br />
im Sinn. Aber die Foka hat auch irgendwie<br />
im Hinterkopf geschlum-<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 79
[ SEGELFLIEGEN Reportage ]<br />
[ 1 ]<br />
DER FOKA-PILOT KENNT DAS: TRITT<br />
INS PEDAL, GEDENKSEKUNDE, DREHUNG<br />
David in seiner Foka.<br />
Rund 25 Stunden hat er<br />
inzwischen in ihrem<br />
Cockpit verbracht.<br />
mert.“ Der Zufall wollte es, dass<br />
gerade zu diesem Zeitpunkt eine<br />
Foka 4 in Kyritz zum Verkauf stand.<br />
„Ich bin aus Rheinland-Pfalz dahin<br />
gefahren, ohne dass ich das Flugzeug<br />
vorher gesehen hatte. Bei Leipzig<br />
kamen erste Fotos per Mail, und ich<br />
war mir nicht mehr so sicher, ob ich<br />
weiterfahren sollte. Uralt-Lackierung<br />
wie zu DDR-Zeiten, da war mir klar,<br />
das bedeutet Arbeit.“<br />
In Kyritz angekommen, fällt die<br />
Entscheidung schnell. „Die Substanz<br />
des Flugzeuges war gut, und so viele<br />
Stunden hatte sie auch noch nicht“,<br />
erinnert sich David. „Und noch ein<br />
Argument sprach für den Flieger: Er<br />
war bei der Gesellschaft für Sport und<br />
Technik der DDR (GST) geflogen und<br />
die Dokumentation seiner Geschichte<br />
und aller durchgeführten Arbeiten<br />
militärisch vorbildlich.“ Aber es gibt<br />
Baustellen. „Der rot lackierte I-Pilz<br />
passte mir nicht, das Cockpitinterieur<br />
verdiente eine Aufwertung, und die<br />
TEK-Düse sollte vom Rumpfrücken<br />
ins Seitenleitwerk wandern.“ Für<br />
David Schneider kein Problem. Bei<br />
Schempp-Hirth hat<br />
er den Beruf des<br />
Leichtflugzeugbauers<br />
erlernt, war<br />
anschließend bei Lange Aviation am<br />
Bau der Antares beteiligt und schraubt<br />
heute für einen großen Maintenance-<br />
Dienstleister an Boeing-Frachtern.<br />
In der Flugplatzwerkstatt geht es<br />
an die Arbeit. „Den Pilz hatte ich erst<br />
selbst lackiert, das sah aber nicht so<br />
gut aus. Also hat es ein Profi mit Nextel<br />
gemacht. Die Instrumente kamen<br />
alle neu, neben 80er-Höhen- und<br />
Fahrtmesser sowie Vario von Winter<br />
habe ich ein V3-Vario von LX Avionik<br />
und ein FlarmView57 installiert.“ Das<br />
FLARM selbst verbaut David im Kasten<br />
vor den Pedalen, die Antenne sitzt<br />
obendrauf und verschwindet bei zugeschobener<br />
Haube unter der Bugspitze.<br />
Mit grauem Lack bekommt<br />
das Cockpit eine dezente Anmutung,<br />
ein Sattler fertigt Seitentaschen neu<br />
und bezieht die Kopfstütze. Ein professioneller<br />
Batteriekasten aus Leichtmetall<br />
beherbergt den Akku, allein<br />
der Life-Jacket-Aufkleber ist wohl<br />
nicht so ganz ernst zu nehmen. „Tribut<br />
an den Berufsalltag“, sagt David<br />
und grinst. Am Exterieur sollte eigentlich<br />
gar nicht so viel passieren.<br />
„Aber beim Verschleifen der Öffnung<br />
im Seitenleitwerk, die ich fräsen musste,<br />
um die Aufnahme für die TEK-<br />
Düse einzubauen, habe ich gemerkt,<br />
dass der Lack gut abgeht. Und dann<br />
habe ich halt gleich den ganzen Rumpf<br />
geschliffen zwecks Neulackierung.“<br />
Die Idee fürs neue Farbkleid stammt<br />
aus einem Modellbauforum. „Die<br />
Jungs haben mir wertvolle Tipps<br />
gegeben. Die Foka 5 war häufiger mit<br />
einem Zierstreifen in kräftigem Blau<br />
lackiert, das hat mir gefallen. Die<br />
Lackierung kam in weißem Lack, der<br />
normalerweise für Boeings genutzt<br />
wird, aber ein paar Wochen überlagert<br />
war – und weg musste.“ Wieder grinst<br />
David.<br />
Am Ostersonntag 2015 ist es so<br />
weit. Alle Prüfungen sind abgenommen,<br />
die Foka darf fliegen. „Ich hatte<br />
inzwischen rund 1500 Flugstunden<br />
auf etwa 150 Motor- und Segelflugzeugtypen<br />
– aber keinerlei Erfahrung<br />
auf der Foka. Ich wusste nur aus<br />
Erzählungen, dass sie sich schön und<br />
ausgewogen fliegen soll.“ Zum Selbstbriefing<br />
blieb nur, das Handbuch<br />
durchzuarbeiten. Dann der Sprung<br />
ins kalte Wasser – das so kalt gar<br />
nicht war. „Es hat von Anfang an<br />
alles gepasst, das Flugzeug hat es<br />
80 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
[ 2 ]<br />
[ 1 ] In Quer- und Höhenruder ist die Foka 4 agil, das kleine Seitenruder benötigt eine<br />
Gedenksekunde. [ 2 ] Ein gutes halbes Jahr hat David Schneider an seiner Foka 4<br />
gearbeitet. Die Lackierung der Tragflächen steht noch aus. [ 3 ] Uhrenlädchen: Drei<br />
80er-Instrumente plus E-Vario, FlarmView und Funk reichen. Als Bonus gibt‘s zwei<br />
12-V-Stromquellen unten im Pilz. [ 4 ] Die Foka im Schliff. Eigentlich war eine komplette<br />
Neulackierung gar nicht geplant. „Aber der Lack ging sehr gut ab ...“, sagt David.<br />
[ 3 ]<br />
mir nicht schwer gemacht. Aber ich<br />
bin polnische Flugzeuge wie den<br />
Bocian und den Pirat sowieso immer<br />
gerne geflogen, und auch die Foka<br />
steht ganz in der Tradition dieser<br />
tollen Segler.“ Inzwischen hat David<br />
auf seiner Foka rund 25 Flugstunden<br />
gesammelt, größere Streckenflüge<br />
stehen noch aus.<br />
Ein Stück weit ist die Platzfliegerei<br />
der Tatsache geschuldet, dass ein<br />
ordentlicher Anhänger für das Flugzeug<br />
fehlt. „Der, den es dazu gab,<br />
war so ein riesiger DDR-Transall, in<br />
der mit passenden Einbauten Pirat,<br />
Foka und andere Einsitzer transportiert<br />
werden konnten. Aber der war<br />
nicht alltagstauglich.“ Schrottig sah<br />
auch der Anhänger aus, den David<br />
auf einem Flugplatz fand und für einen<br />
Obolus entführen durfte. „Voll-<br />
GFK-Deckel, gute Substanz, aber<br />
ansonsten total vergammelt“, erinnert<br />
er sich. Doch einen handwerklich<br />
Begabten schreckt so was natürlich<br />
nicht. Nach einer Komplettreinigung<br />
[ 5 ] Der Rumpf wurde mit original Boeing-Lack, der ein paar Wochen überlagert war,<br />
versehen. [ 6 ] Die typischen SZD-Handlochdeckel bekamen ebenfalls eine neue Farbe.<br />
Dank der Deckel sind die vielen Kontrollstellen gut zugänglich. [ 7 ] Die Aufnahme für<br />
die TEK-Düse war zunächst auf dem Rumpfrücken und wanderte von dort ins Seitenleitwerk.<br />
Hier nahmen auch die Schleifarbeiten ihren Anfang.<br />
[ 4 ]<br />
[ 7 ]<br />
[ 6 ]<br />
[ 5 ]<br />
Fotos: Mario Schauf, Lars Reinhold, David Schneider<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 81
[ SEGELFLIEGEN Reportage ]<br />
Die schnittige<br />
Silhouette macht die<br />
Foka 4 absolut<br />
unverwechselbar.<br />
E -Kiosk<br />
Weitere ausgewählte<br />
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zum Download unter<br />
www.<strong>aerokurier</strong>.de<br />
sägt David den Deckel ab, legt ihn<br />
mit Holzprofilen rund 30 Zentimeter<br />
höher – ein Tribut an die tiefen Flächen<br />
der Foka – und verschließt den Spalt<br />
ganz klassisch mit GFK-Laminat. „Ich<br />
sag nur: 20 Meter Gewebe und 25<br />
Kilo Harz.“ Auch die Einbauten und<br />
die Elektrik überholt er, fertigt manches<br />
neu und verpasst dem Gefährt eine<br />
neue Deichsel und schließlich neuen<br />
Lack. Als Krönung kommen große<br />
SZD-Aufkleber auf den Deckel. Understatement<br />
eben. „Ein Anhänger,<br />
in dem das Flugzeug sicher steht,<br />
genug Platz für Zubehör ist und der<br />
eine Tempo-100-Plakette auf dem<br />
Heckdeckel hat. Ziel erreicht!“ Doch<br />
dabei bleibt es freilich nicht. Die nächsten<br />
Ziele sind schon gesteckt – oder<br />
besser: liegen in der Werkstatt. „Zwei<br />
Club-Libellen mit Bruch, die habe ich<br />
günstig erworben. Und die sollen<br />
natürlich beide wieder fliegen.“ ae<br />
Flugbericht: SZD-24 Foka 4<br />
Gedenksekunde für das Seitenruder<br />
Wer es einmal ins Cockpit der Foka 4 geschafft und sich den Flieger „angezogen“<br />
hat, der dürfte in der Luft damit überhaupt keine Probleme<br />
haben. Die Kupplungen liegen nur leicht aus der Längsachse versetzt links<br />
und rechts der Kufe, sodass sich der Start unkompliziert steuern lässt.<br />
Beim F-Schlepp muss man den Knüppel direkt an den Bauch nehmen,<br />
damit der Segler von der Kufe aufs Rad geht und die Motormaschine<br />
Tempo aufholen kann, um abzuheben. Sobald genug Strömung anliegt, ist<br />
die Foka im Querruder sehr agil. Das kleine Seitenruder hingegen braucht<br />
nach dem Tritt ins Pedal eine Gedenksekunde, bevor es eine Drehung um<br />
die Hochachse einleitet. Knüppel vor und zurück wird prompt umgesetzt,<br />
„nose down“ nimmt die Foka rasch Fahrt auf. Dennoch bleibt es im Cockpit<br />
überraschend leise. Überhaupt merkt man im Flug von der Enge des<br />
Cockpits kaum noch etwas, und wenn man die Sitzposition einmal passend<br />
eingestellt hat, dann kann man mit der Foka mit Sicherheit auch<br />
längere Strecken entspannt zurücklegen. Dank wirkungsvoller Klappen<br />
gelingt der Landeanflug trotz normaler Anfluggeschwindigkeit recht steil,<br />
beim Abfangen und Ausschweben verhält sich die Foka tadellos.<br />
Fazit: Ein Standard-Klasse-Oldtimer mit unverwechselbarer Silhouette, der<br />
auch heute noch gut zu fliegen ist – und der 1965 Segelfluggeschichte<br />
schrieb, als Jan Wroblewski damit die WM der Offenen Klasse gewann.<br />
Fotos: Mario Schauf, David Schneider<br />
Das Corpus Delicti vor dem Arbeitseinsatz:<br />
schmutzig, rostig, unansehnlich.<br />
Der Deckel wird mit Profilen höhergelegt, der<br />
Spalt mit Sperrholz und Laminat geschlossen.<br />
Die Flächen der Foka sind an der Wurzel recht<br />
tief, das bedingt einen hohen Hängeraufbau.<br />
82 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Rendezvous der AS-Piloten<br />
Fluglager einmal anders<br />
Was als ASH-26-Treffen vor 19 Jahren begann, hat sich inzwischen<br />
zu einem Fluglager für AS-Fans entwickelt. Und weil<br />
es so schön ist, treffen sie sich inzwischen zweimal pro Jahr.<br />
Fluglager im Verein: Windenfahrer,<br />
Schlepp-Pilot, Fliegerkameraden,<br />
die schieben,<br />
anhängen, bei Bedarf rückholen.<br />
Eigenstarter bringen ihre Flieger<br />
an den Start, steigen ein – und<br />
fliegen los. Außenlandungen beschränken<br />
sich auf ein Minimum,<br />
gebraucht wird eigentlich niemand.<br />
Segelflieger sitzen zwar oft allein<br />
im Flugzeug, Einzelkämpfer sind<br />
die meisten aber nicht. Gemeinsam<br />
Strecken aussuchen, sie teilweise<br />
auch gemeinsam fliegen, und alles<br />
ohne die strenge Disziplin eines<br />
Wettbewerbs – das gefällt vielen.<br />
Bei schlechterem Wetter gemeinsam<br />
die Gegend anschauen, das<br />
ist auch etwas für die mitfahrenden<br />
Partner und Partnerinnen.<br />
Mit dem Gedanken eines lockeren<br />
Vergleichsfliegens hatte Stefan<br />
Koller 1997 begonnen, ASH-26-Treffen<br />
in Rothenburg ob der Tauber<br />
auszurichten, immer um Christi<br />
Himmelfahrt herum für eine Woche.<br />
Dank seiner Lage nördlich der<br />
Schwäbischen Alb bietet Rothenburg<br />
gute Streckenflugbedingungen<br />
und genügend Abwechslung,<br />
um auch Schlechtwetterperioden<br />
gut gelaunt zu überstehen. Mit der<br />
Zeit kannte das Fahrrad das Taubertal<br />
aus der Westentasche, alle<br />
Museen in Rothenburg und Umgebung<br />
waren abgegrast. Mit dem<br />
Locker zusammensitzen und fliegen ist das Motto des AS-Rendezvous.<br />
Verkauf von Stefan Kollers ASH 26<br />
ging die Organisation des Treffens<br />
an Paul Schmitt über, und mehr<br />
und mehr Piloten kauften andere<br />
Flugzeuge: Mehrere ASH 31 und<br />
eine ASH 30 gesellten sich dazu,<br />
und das Treffen zog direkt auf die<br />
Alb nach Aalen/Elchingen.<br />
Zwölf Flugzeuge waren es <strong>2016</strong>,<br />
das Fluglager dauerte zwei Wochen.<br />
Den Piloten und Pilotinnen stand<br />
es frei, zwischendurch auch einmal<br />
etwas anderes zu machen. Spontan<br />
tun sich auch Teilnehmer zusammen,<br />
um in eine Therme zu gehen<br />
oder ein Kunstmuseum zu besuchen,<br />
wenn das Wetter nicht so<br />
ganz mitspielt. Die meisten campieren<br />
mit einem Wohnmobil am<br />
Platz, gerade in Aalen bieten Flugplatzgaststätte<br />
und Umgebung<br />
gute und günstige Übernachtungsmöglichkeiten.<br />
Ein bis zwei Teilnehmer<br />
übernehmen die Wetteranalyse<br />
und Streckenempfehlung,<br />
geflogen wird im lockeren Verbund.<br />
Und wenn das Wetter es erlaubt,<br />
kommt abends der Grill zum Einsatz,<br />
wo dann auch schon einmal<br />
mehr als 20 Personen gemeinsam<br />
essen können.<br />
So viel Spaß haben die Teilnehmer<br />
daran gefunden, dass man sich<br />
[ SEGELFLIEGEN Treffen ]<br />
zum Teil auch zweimal pro Jahr<br />
trifft: 2015 in Lüsse, in diesem Jahr<br />
in der letzten Juli- und ersten Augustwoche<br />
in Stahringen am Bodensee.<br />
Der Platz hat eine lange<br />
Tradition als Austragungsort des<br />
Eigenstarter-Vergleichsfliegens,<br />
aus der Taufe gehoben vom ehemaligen,<br />
früh verstorbenen Vorsitzenden<br />
des FSV Radolfzell,<br />
Hubert Lehr. Nun ist die Gegend<br />
westlich des Bodensees nicht gerade<br />
berühmt als Ausgangsort für<br />
große Strecken, für Eigenstarter<br />
ist jedoch der Abflugpunkt Neuhausen<br />
durchaus nicht ungünstig.<br />
Kleinod Radolfzell<br />
Flüge um den Bodensee, in die<br />
Alpen und ins Schweizer Jura sind<br />
schon gelungen, und eins hat Stahringen<br />
vielen anderen Plätzen<br />
voraus: Würde man das Bodenpersonal<br />
den schönsten Platz wählen<br />
lassen, wäre Stahringen sicherlich<br />
auf einem der ersten Ränge. Im<br />
Naturschutzgebiet östlich des Hegau<br />
liegt der Grasplatz, der erst<br />
vor wenigen Jahren den Status des<br />
Sonderlandeplatzes erhielt. Das<br />
Strandbad in Bodmann liegt in<br />
Fahrradentfernung, Konstanz, Radolfzell,<br />
die Schweiz sind schnell<br />
erreichbar.<br />
Obwohl sich inzwischen ein<br />
harter Kern aus fünf bis sechs<br />
Teilnehmern gebildet hat, sind<br />
neue Pilotinnen und Piloten mit<br />
AS-Mustern immer willkommen<br />
und schnell integriert.<br />
ae<br />
Andrea Abt<br />
AS-Treffen: Nadja Eisenmenger<br />
hat gleich mehrere Kolleginnen<br />
mit einer ASH 26e.<br />
Fotos: Andrea Abt<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 83
[ SEGELFLIEGEN Kommentar ]<br />
Wettbewerbsklasse im Regelungswust<br />
Quo vadis,<br />
Doppelsitzerklasse?<br />
Neue Regelungen für die Wettbewerbsklasse 20-m-Doppelsitzer<br />
stellen vieles infrage, was bisher das Fliegen im Team<br />
ausgemacht hat. Ein Kommentar dazu von Markus Geisen.<br />
Die heutige Doppelsitzerklasse<br />
hat ihren geschichtlichen<br />
Ursprung als eine Wettbewerbsklasse,<br />
die Wettbewerbsanfängern<br />
den Einstieg erleichtern<br />
sollte. Durch das Zwei-Personen-<br />
Cockpit sollte ein schneller Wissenstransfer<br />
gegeben sein.<br />
Auf drei Weltmeisterschaften<br />
(1952, 1954 und 1956) war die<br />
Klasse vertreten – allerdings noch<br />
nicht in der heutigen Konfiguration<br />
als 20-m-Klasse. Im Folgenden<br />
war die Klasse nur noch national<br />
anerkannt, und die hohe Diversität<br />
der Flugzeuge (Ka 7, SB 10) führte<br />
zur Einführung einer Indexwertung.<br />
Beginnend mit dem Janus und<br />
gefolgt von Duo Discus, DG-1000,<br />
Arcus und ASG 32 hat sich die<br />
Klasse nun zu einer Hochleistungsklasse<br />
entwickelt, deren Hauptunterscheidungsmerkmal<br />
zu den<br />
anderen Klassen das Zwei-Piloten-<br />
Cockpit ist. Zum ersten Mal haben<br />
vor zwei Jahren wieder Weltmeisterschaften<br />
in Finnland stattgefunden,<br />
und dieses Jahr ist Litauen<br />
der Ausrichter. Zeit also, sich<br />
ein paar Gedanken über diese sehr<br />
populäre Klasse zu machen.<br />
Dieses Frühjahr hat die IGC auf<br />
einem Treffen in Luxemburg entschieden,<br />
die maximale Abflugmasse<br />
für Doppelsitzer auf Wettbewerben<br />
von 750 auf 800 Kilogramm<br />
zu erhöhen. Diese Entscheidung<br />
wurde von vielen Piloten in<br />
der Klasse erwartet und begrüßt.<br />
Ist der gewichtsbasierte<br />
Index sinnvoll?<br />
Warum hat sich die IGC zur<br />
Anhebung der maximalen Flugmasse<br />
entschlossen? Da gibt es<br />
die konstruktiven Erwägungen:<br />
• Alle nach modernen Bauvorschriften<br />
gebauten Segelflugzeuge sind<br />
recht schwer, erfüllen aber die<br />
rigiden Sicherheitsanforderungen.<br />
• Immer mehr Piloten entscheiden<br />
sich für einen Antrieb, sei es einen<br />
Eigenstarter oder eine Heimkehrhilfe.<br />
Die bisher maximal zulässige<br />
Abflugmasse von 750 Kilogramm<br />
wird dann schon mit durchschnittlichen<br />
Pilotengewichten erreicht.<br />
Eine höhere Cockpitzuladung kann<br />
den Ausbau des Triebwerks erforderlich<br />
machen.<br />
• Alle modernen Profile liefern viel<br />
Auftrieb bei vergleichbar geringer<br />
Flügelfläche. Die Flächenbelastungen<br />
in der Klasse liegen maximal<br />
bei knapp über 50 kg/m 2 , und viele<br />
Piloten neigen dazu, auf langen<br />
Streckenflügen möglichst nahe der<br />
maximal erlaubten Masse zu fliegen.<br />
Anders sieht die Sache in<br />
Wettbewerben aus – hier bevorzugen<br />
die Piloten wegen des gewichtsbasierten<br />
Index eine möglichst<br />
geringe maximale Wettbewerbsmasse,<br />
da dieser Index<br />
unabhängig von der aktuellen<br />
Masse (und Flächenbelastung) für<br />
den ganzen Wettbewerb gilt.<br />
Wie gehen wir also in Deutschland,<br />
dem Land mit den meisten<br />
Piloten und Flugzeugen in der<br />
Doppelsitzerklasse mit den neuen<br />
Regularien um?<br />
Aus Gründen der Gerechtigkeit<br />
im Breitensport vertritt der DAeC<br />
die Meinung, dass Qualifikationsmeisterschaften<br />
für die Doppelsitzerklasse<br />
mit Index geflogen wer-<br />
84 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Mehr Spaß und geteilte<br />
Cockpitarbeit: zu zweit im<br />
Doppelsitzer auf Streckenflug.<br />
den sollen. Die Deutschen Meisterschaften<br />
und die Weltmeisterschaften<br />
werden zurzeit jedoch<br />
ohne Index geflogen.<br />
Viele Piloten in der Klasse verstehen<br />
nicht, warum ein Index<br />
überhaupt erforderlich ist, da die<br />
heutige Doppelsitzerklasse von<br />
modernen Flugzeugen geprägt und<br />
daher mit den anderen indexfreien<br />
Klassen vergleichbar ist. Die<br />
Piloten verstehen sich als Spitzensportler<br />
und bevorzugen selbst zu<br />
wählen, mit welchem Sportgerät<br />
sie sich die besten Chancen ausrechnen.<br />
Als Resultat waren auf<br />
der letzten Deutschen Meisterschaft<br />
auch fast nur Flugzeuge vom Typ<br />
Arcus oder ASG 32 vertreten. Von<br />
diesen Erwägungen abgesehen,<br />
dürfte es für die technologische<br />
Entwicklung eher hinderlich für<br />
die Klasse sein, wenn mit Index<br />
geflogen wird.<br />
Der kürzlich eingeführte gewichtsbasierte<br />
Index in der Klasse<br />
ist umstritten. Bisher wurden<br />
reine Segelflugzeuge entsprechend<br />
der grundsätzlichen Zulassungsvorschriften<br />
für eine MTOM von<br />
750 Kilogramm ausgelegt, sie sind<br />
bei dieser Indexwertung auf einen<br />
Index festgelegt. Die ASG 32 ist<br />
dagegen für eine MTOM von 850<br />
Kilogramm zugelassen, ihre Piloten<br />
könnten sich eine genehme maximale<br />
Wettbewerbsmasse und<br />
damit einen komfortablen Index<br />
wählen. Auch für viele motorisierte<br />
Doppelsitzer gäbe es die Index-<br />
Wahlmöglichkeit. Entscheidend<br />
für die Flugleistung ist allerdings<br />
die Flächenbelastung, die sich nicht<br />
unbedingt aus einer hohen Maximalmasse<br />
ergibt. Richtigerweise<br />
sollten Flugzeuge mit höherer<br />
maximaler Flächenbelastung auch<br />
einen höheren Index erhalten.<br />
Große Irritation hat bei den Piloten<br />
in der Klasse in Deutschland<br />
die vor Kurzem eingeführte Regeländerung<br />
der Wettbewerbsordnung<br />
ausgelöst. Bisher war es üblich,<br />
dass Piloten, die sich auf den Qualifikationswettbewerben<br />
für mehr<br />
als eine Deutsche Meisterschaft<br />
qualifizieren, eine Wahl treffen<br />
mussten, in welcher Klasse sie bei<br />
den Deutschen Meisterschaften<br />
antreten. Vermutlich wurde auch<br />
dies aus Fairness-Erwägungen<br />
heraus festgelegt: Warum sollte<br />
jemand, der die Zeit und das Geld<br />
hat, in allen Klassen anzutreten,<br />
mehr Chancen haben als ein Mitstreiter?<br />
Dieses Argument wurde<br />
nun auch auf die Copiloten in der<br />
Doppelsitzerklasse ausgedehnt,<br />
und das hat bedeutende Auswirkungen!<br />
Jetzt soll gelten: Pilot und<br />
Copilot dürfen nur noch eine Deutsche<br />
Meisterschaft fliegen. Das<br />
heißt, der Copilot darf keine weitere<br />
Deutsche Meisterschaft fliegen.<br />
Es dürfen bis zu drei Copiloten für<br />
eine Deutsche Meisterschaft gemeldet<br />
werden, die dann aber<br />
keine andere DM mehr fliegen<br />
dürfen.<br />
Die Doppelsitzer-Crew<br />
wird zum festen Team<br />
Jetzt müssen die Teams also<br />
im Fall einer Qualifikation eine<br />
Wahl treffen. Entweder nimmt der<br />
Copilot und Teampartner an der<br />
Deutschen Meisterschaft in einer<br />
anderen Klasse teil – und der Pilot<br />
muss sich einen neuen Teampartner<br />
suchen – oder der Copilot vergibt<br />
seine Qualifikation in einer<br />
anderen Klasse.<br />
Das scheint mir absurd – wenn<br />
man Spitzensport betrachtet, geht<br />
es doch nur darum, erfolgreich an<br />
einer Meisterschaft teilzunehmen.<br />
Selbstverständlich darf ein Sportler<br />
der international für 100-m-<br />
Hürden qualifiziert ist, auch an den<br />
100-m-Läufen teilnehmen, wenn<br />
die Bedingungen erfüllt sind!<br />
Hier wurde, so scheint es, eine<br />
Regel geschaffen, die verhindern<br />
soll, dass sich ein mittelmäßiger<br />
Pilot mit einem sehr guten Copiloten<br />
für die Deutschen Meisterschaften<br />
und darüber hinaus qualifiziert.<br />
Abgesehen davon, dass<br />
das so gut wie nicht passiert,<br />
wurde diese Diskussion auch schon<br />
vor 20 Jahren in der Offenen Klasse<br />
geführt, als die ersten doppelsitzigen<br />
Flugzeuge aufkamen.<br />
Der Unterschied zu anderen<br />
Wettbewerbsklassen ist schon in<br />
der Klassenbezeichnung enthalten:<br />
Wir fliegen mit zwei Piloten.<br />
Zwangsläufig. Und diese – eigentlich<br />
einfache Unterscheidung –<br />
sollte deutlich machen, dass Erfolg<br />
in der Klasse nur durch eine Teamleistung<br />
möglich ist.<br />
Wie könnten also Maßnahmen<br />
aussehen, um die Klasse national<br />
und international noch attraktiver<br />
zu gestalten?<br />
• Die Doppelsitzerklasse sollte als<br />
Teamklasse anerkannt werden.<br />
• Beide Piloten qualifizieren sich<br />
ab den Quali-Meisterschaften als<br />
Team. Das bedeutet auch, dass bei<br />
Ausfall eines Piloten für den nächsthöheren<br />
Wettbewerb das nächstqualifizierte<br />
Team nominiert wird.<br />
• Ranglistenpunkte sollten für<br />
beide Piloten vergeben werden.<br />
• Keine Beschränkungen für Piloten,<br />
an nationalen und internationalen<br />
Wettbewerben teilzunehmen.<br />
Sollte es allerdings Terminkollisionen<br />
geben, wird das nächstqualifizierte<br />
Team nominiert.<br />
• Kein Index in der Klasse außer<br />
dem Gewichtsindex, der beibehalten<br />
werden sollte.<br />
• Der DAeC sollte dafür plädieren,<br />
dass eine Teilnahme von mehr als<br />
einem Team auf internationalen<br />
Wettbewerben erlaubt wird (aktuell<br />
darf nur ein Team pro Nation<br />
teilnehmen).<br />
• Das Erdenken einer Lösung der<br />
Problematik der Wettbewerbsklasse<br />
sollte auch eine Teamleistung<br />
sein und die Sportler miteinbeziehen.<br />
Mir geht es beim Fliegen in<br />
dieser Klasse um das Team und<br />
die Teamleistung im Cockpit – das<br />
macht die Besonderheit dieser<br />
Klasse schließlich aus!<br />
ae<br />
IN DER DOPPELSITZERKLASSE VERSCHMELZEN<br />
PILOT UND CO ZUM FESTEN TEAM<br />
Fotos: Markus Geisen, Holger Weitzel<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 85
[ SEGELFLIEGEN Training ]<br />
39. WSPA-Seminar in Varese<br />
Für jede(n) etwas dabei<br />
Fünf Tage Segelfliegen in Theorie und Praxis für Anfängerinnen bis zu ambitionierten<br />
Streckenflugpilotinnen – das bot die amerikanische Women Soaring Pilots Association<br />
(WSPA) ihren Mitgliedern Ende Juni in Calcinate del Pesce in der Nähe von Varese.<br />
Dabei waren 26 Pilotinnen<br />
aus acht Nationen, teilweise<br />
von ihren Partnern begleitet,<br />
die gerne an den Vorträgen<br />
teilnahmen und ihr eigenes Flugzeugen<br />
mit hatten.<br />
Zum 39. Mal traf sich die WSPA,<br />
aber es war erst das dritte Treffen<br />
außerhalb der USA und erst das<br />
zweite in Europa. Die Seminare<br />
dauern fünf Tage und bieten gleichermaßen<br />
Theorie und Praxis.<br />
Mission der 1986 gegründeten<br />
Vereinigung mit inzwischen mehr<br />
als 240 Mitgliedern ist die Förderung<br />
des Frauensegelflugs. Jede<br />
Pilotin gleich welchen Ausbildungsstands<br />
ist bei den jährlichen Seminaren<br />
willkommen, eingeschlossen<br />
Begleiter und nichtfliegende<br />
Mitglieder.<br />
Die meisten Teilnehmerinnen<br />
kamen aus den USA, einzelne aus<br />
Kanada, Italien, Deutschland, Israel,<br />
Australien, Frankreich und<br />
der Schweiz. Konzentrierte sich<br />
die WSPA über viele Jahre vor allem<br />
auf die USA, so öffnet sie sich<br />
zunehmend in Richtung Kanada<br />
und Europa. Die wenigen europäischen<br />
Mitglieder sind jedoch entweder<br />
eher zufällig, durch Freunde<br />
oder einen Aufenthalt in den<br />
USA dazugekommen.<br />
Nach Europa und<br />
gleich in die Alpen<br />
Andrea Schippers zum Beispiel<br />
hat die WSPA vor 15 Jahren über<br />
den Segelflug-Chat entdeckt und<br />
seither an vielen Seminaren teilgenommen.<br />
Elke Fuglsang-Petersen,<br />
im Board of Directors der WSPA<br />
für die Internationalisierung zuständig,<br />
hat mit ihrer Familie drei<br />
Jahre in Colorado gelebt und dort<br />
das herzliche, enge Miteinander<br />
der Pilotinnen schätzen gelernt.<br />
Nach Calcinate geholt hatte das<br />
Seminar die Italienerin Margherita<br />
„Margot“ Acquaderni Caraffini,<br />
Rekord-Segelfliegerin und seit 2013<br />
Präsidentin des Aero-Clubs Adele<br />
und Giorgio Orsi (ACAO). Mit über<br />
250 Mitgliedern ist die ACAO der<br />
größte italienische Club. Er stellt<br />
die meisten Mitglieder der italienischen<br />
Segelflug-Nationalmannschaft.<br />
Bis heute gehört das Ge-<br />
Premiere für Varese: So viele Segelfliegerinnen flogen hier noch nicht.<br />
86 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
lände der Familie Orsi, die sich den<br />
Zielen von Adele und Giorgio mehr<br />
denn je verbunden fühlt. Wie eingebunden<br />
der Club in die lokale<br />
Gesellschaft ist, zeigte sich bereits<br />
am ersten Abend, als alle Seminarteilnehmer<br />
vom Präsidenten der<br />
Handelskammer und dem Bürgermeister<br />
von Varese im Kongresszentrum<br />
Ville Ponti empfangen wurden.<br />
Trainieren mit<br />
den Champions<br />
„So viele Segelfliegerinnen auf<br />
einmal haben wir hier noch nie<br />
gesehen“, schmunzelte Margot,<br />
und über mangelnde Aufmerksamkeit<br />
und Gastfreundschaft konnte<br />
man sich in der Tat nicht beklagen.<br />
Auf der Agenda in Varese standen<br />
Themen rund um den Gebirgssegelflug.<br />
Unter den Referenten<br />
fanden sich bekannte Streckenflugpiloten<br />
wie Alberto Sironi<br />
ebenso wie Gianfranco Caroppo,<br />
der Verantwortliche für Sicherheit<br />
im Club, ehemaliger Militärpilot<br />
und Trainer für Crew Coordination<br />
bei Alitalia.<br />
Jeweils vormittags fanden die<br />
Vorträge statt, nach dem Mittagessen<br />
flogen die Teilnehmerinnen<br />
in den Club-Doppelsitzern ASK 21<br />
und Duo Discus sowie privaten<br />
Arcus T oder M beziehungsweise<br />
einer ASG 32. Wer wollte und ein<br />
eigenes Flugzeug dabei hatte, flog<br />
auch solo. Besonders für die amerikanischen<br />
Teilnehmerinnen waren<br />
es teilweise die ersten Flüge<br />
auf den jeweiligen Mustern.<br />
Piloten wie Alberto Sironi oder<br />
Peter Hartmann, Gewinner des<br />
Qualifying Grand Prix <strong>2016</strong> in Varese<br />
und damit auch schon fast<br />
ein Local flogen in den Doppelsitzern<br />
und nahmen auch schon einmal<br />
den einen oder anderen ins<br />
Schlepptau. 200 Stunden und 100<br />
F-Schlepps kamen von Montag bis<br />
Freitag zusammen. Dazu kamen<br />
noch so manche Stunden im Segelflugsimulator.<br />
Nun ist Ende Juni ja nicht gerade<br />
die beste Wetterperiode, um<br />
in Norditalien segelzufliegen. Die<br />
Po-Ebene ist in der Regel stabil,<br />
und in diesem Jahr gesellte sich<br />
ab Wochenmitte zu Temperaturen<br />
über 30 Grad Celsius noch eine<br />
hohe Luftfeuchtigkeit, sodass jede<br />
Bewegung zur Anstrengung wurde.<br />
An den ersten beiden Tagen<br />
erlaubten die Bedingungen noch<br />
vereinzelte Flüge in die Berge bei<br />
im Übrigen traumhaften Sichten.<br />
Danach ging es in feuchter Luft<br />
bei schlechter Sicht kaum einmal<br />
über 1400 bis 1500 Meter am Fuß<br />
der Berge.<br />
Geflogen wurde mit einer Ausnahme<br />
an allen Tagen, teilweise<br />
nur bis zum Centovalli oder bis<br />
Locarno, an anderen Tagen am Fuß<br />
der Berge entlang bis zum Lago<br />
d’Iseo, wo gerade Fußgänger auf<br />
Christos Brücke über den See marschierten.<br />
Ausweichprogramm für<br />
den einen Schlechtwettertag war<br />
ein Ausflug in die Umgebung, unter<br />
anderem mit Besichtigung der<br />
Eremitage Santa Caterina del Sasso<br />
am Lago Maggiore.<br />
Im nächsten Jahr findet das<br />
Seminar in Chilhowee, Tennessee,<br />
an den Appalachen statt. ae<br />
Andrea Abt<br />
Letzte Tipps vor dem Start von einem erfahrenen Gebirgsflieger.<br />
Fotos: Irit Abramovich, Andrea Abt (2), Kiripotib, Manfred Münch, Egon-Manfred Paech<br />
[ NEWS ]<br />
Typentreffen<br />
MIT GRUNAU BABYS NACH GRUNAU<br />
Das 37. Baby-Treffen nahe seiner Geburtsstätte in Grunau (heute<br />
Jeżów Sudecki) geriet trotz Kälte, Regen und Sturmböen – die Eisheiligen<br />
grüßten – zum bisher bestbesuchten. Zum ersten Mal war<br />
eine Gruppe aus Österreich mit einem farbenfrohen Baby III dabei.<br />
Aus Tschechien kam die bekannte Stammgruppe um Jeri Lenik mit<br />
einem sehr gut restaurierten Zlin Z-24 Krajanek, ein in der Tschechoslowakei<br />
weiterentwickeltes Baby IIb. Insgesamt waren zwölf Babys<br />
der Ver sionen IIb und III am Start.<br />
Segelfliegen in Namibia<br />
KIRIPOTIB MIT NEUER FÜHRUNG<br />
Das Segelflugzentrum Kiripotib startet mit einem neuen Management<br />
in die Saison <strong>2016</strong>/17. Markus Lewandowski und Aurel Hallbrucker,<br />
die im europäischen Sommer in Innsbruck die Gebirgsflugschule<br />
Mountain Soaring Enterprise betreiben, werden den Segelflugbetrieb<br />
führen. Ein „Flying with the Champions“ wird es mit Renta-Glider<br />
auch wieder geben, hier arbeiten Ludwig Starkl und<br />
Wolfgang Janowitsch in der Organisation.<br />
Genau 4708 Kilometer hat der norwegische Vertreter von Alexander<br />
Schleicher Segelflugzeugbau, Øyvind Moe, im Streckensegelflug zurückgelegt<br />
für einen Besuch des Herstellerswerks in Poppenhausen<br />
unter der Wasserkuppe. Die zehn Tage dauernde Reise bewältigte<br />
er mit seiner ASH<br />
31Mi. Für den<br />
Hin flug wählte<br />
Moe die Route<br />
über Schweden,<br />
Finnland, die baltischen<br />
Staaten<br />
und Polen. Zurück<br />
flog er die kürzere<br />
Distanz über<br />
Dänemark.<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 87
[ SEGELFLIEGEN Meteo ]<br />
Bernd Goretzki<br />
plante sein 1000er<br />
am 11. Juni mit der<br />
TopMeteo-Vorhersage<br />
in SeeYou und<br />
lag goldrichtig mit<br />
der Routenwahl.<br />
Streckenwetter im Juni und Juli<br />
Launische Sommertage<br />
Der Juni und der Juli gaben sich launisch wie der April<br />
und ohne eine anhaltend gute Wetterlage. Die Streckenflüge<br />
mussten in enge Wetterfenster gezirkelt werden.<br />
Nur rund rund 5 000 Flüge<br />
wurden im Juni im OLC<br />
gemeldet. Im Vorjahr waren<br />
es noch mehr als 9000, 2014 sogar<br />
mehr als 12 000! Der Nordosten<br />
kam allerdings gar nicht so schlecht<br />
weg: Zählt man die Flüge in Brandenburg,<br />
so kommt man auf über<br />
700 an immerhin 24 Tagen, was<br />
gegenüber den Vorjahren eine<br />
Steigerung bedeutet.<br />
Dass es ein deutliches Nordost-<br />
Südwest-Gefälle gab, lässt sich<br />
auch an den Klimawerten festmachen:<br />
Mehr als 120 Prozent der<br />
üblichen Sonnenstunden gab es<br />
nahe der Ostsee, kaum mehr als<br />
60 Prozent an der Saar. Dafür wurde<br />
das Regen-Soll im Süden und<br />
in NRW um mehr als das Doppelte<br />
übertroffen. Die regengetränkten<br />
Böden taten sich dann entsprechend<br />
schwer, anständige Thermik zu<br />
produzieren.<br />
Der Juni begann, wie der Mai<br />
endete: mit labiler Warmluft. Eine<br />
erste gute Periode gab es im Nordosten<br />
zwischen dem 3. und 5. Ju-<br />
ni. Diese Tage reichten schon fast<br />
für ein 1000er. Interessant war der<br />
10. Juni. An den zwei Tagen vorher<br />
hatte es in den Regionen Neckar,<br />
Donau und Alpen inhomogen<br />
verteilt Regenmengen von mehr<br />
als 60 l/m 2 gegeben. Diese Mengen<br />
können nicht innerhalb weniger<br />
Stunden durch den Boden abgeführt<br />
werden. Selbst die eingeflossene<br />
gute Kaltluft konnte deren Einfluss<br />
nicht kompensieren. Das zeigt, wie<br />
intensiv man bei der Planung auch<br />
die Vorgeschichte des Bodens mitberücksichtigen<br />
sollte.<br />
Schauen, wo es<br />
viel geregnet hat<br />
Bamberg, außerhalb der Niederschläge<br />
gelegen, war der ideale<br />
Ausgangspunkt für jenen<br />
Freitag. Maximilan Dorsch (LS4)<br />
brachten 840 Kilometer und ein<br />
eingebettetes 750er-FAI-Dreieck<br />
die meisten Punkte. Michael<br />
Schlaich (9<strong>09</strong> km) und Horst Singer<br />
(1007 km) flogen noch weiter. Interessant<br />
sind auch viele Kommentare<br />
zu den Flügen, in denen immer<br />
wieder von schwierigen und unverstandenen<br />
Bedingungen die<br />
Rede ist. Die Schuldfrage ist in<br />
meinen Augen klar: Es lag nicht<br />
an der Luftmasse, es lag am nassen<br />
Boden.<br />
Der Tag danach mit einem nur<br />
regionalen Wetterfenster brachte<br />
die meisten OLC-Flüge, nämlich<br />
627. Die Bedingungen waren als<br />
lange stabil vorhergesagt.<br />
Die Karte der potenziellen Flugdistanz<br />
und das Satellitenbild<br />
lassen keine Zweifel, weshalb die<br />
1000er fast in Reihe geflogen wurden.<br />
Michael Ebel – er flog 1185<br />
Kilometer mit einem 1080-km-FAI-<br />
Dreieck in der Kaltluft – bezeichnete<br />
den Tag als „einen der besten<br />
ever“.<br />
Wie gut man solche Strecken<br />
auch mit einem Vorlauf von ein,<br />
zwei Tagen planen kann, bewies<br />
Bernd Goretzki. Seinen Flug über<br />
1<strong>09</strong>5 Kilometer (1000-km-FAI-Dreieck)<br />
zeigen die Grafiken zu Planung<br />
und Durchführung. Mit Integration<br />
der TopMeteo-Daten in SeeYou<br />
legte er die exakten Zeitmarken<br />
fest, die für eine erfolgreiche Durchführung<br />
erreicht werden mussten.<br />
Hier nimmt See-You einem das<br />
Abschätzen der Einflüsse von Rückenwind<br />
und Tagesgang der<br />
Thermik ab. Unter Einbeziehung<br />
des Pilotenfaktors und der Startzeit<br />
lassen sich die Zwischenzeiten gut<br />
prognostizieren.<br />
Planen mit<br />
TopMeteo und SeeYou<br />
Bernd Goretzki: „An der zweiten<br />
Wende in Polen wollte ich<br />
spätestens um 13:15 Uhr sein. Das<br />
hat mit 13:21 Uhr auch fast geklappt.<br />
Die letzte Wende wollte ich<br />
um 17:15 Uhr spätestens umrunden,<br />
und auch das hat sehr gut gepasst.“<br />
Die Einschätzung, dass die Thermik<br />
meist noch ein wenig länger<br />
geht als vorhergesagt, hat den<br />
1000er-Plan zum Erfolg werden<br />
lassen.<br />
Im Anschluss brach die Wetterlage<br />
fast komplett zusammen.<br />
Zwar waren am 16. Juni in den<br />
Alpen rund 900 Kilometer (Roland<br />
Henz) drin, aber großräumigere<br />
Bedingungen bot erst der 20. Juni<br />
wieder, bevor erneut Fronten aufzogen.<br />
Zumindest die bislang nicht<br />
verwöhnte Alpenregion war nun<br />
im Vorteil: Am 23. und 24. Juni<br />
profitierte man hier von Hochdruck<br />
88 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Ungerechtes Wetter: Am 11. Juni purzeln im Nordosten die 1000er, im<br />
Rest Deutschlands geht wenig.<br />
Flugspur von Bernd Goretzkis 1000er am 11. Juni – ganz so, wie in<br />
SeeYou (linke Seite) geplant.<br />
und trockener Luft. Nicht herausragend<br />
gut, aber immer wieder mit<br />
thermischem Potenzial, ging dieser<br />
Juni in den Juli über.<br />
Was die Anzahl der Flüge angeht,<br />
lag der Juli im Soll. Verglichen<br />
mit den beiden Vorjahren war er<br />
sogar besser: Am Ende standen<br />
knapp 9500 Flüge in den Listen<br />
und damit rund 2000 mehr als 2014<br />
oder 2015. Auch hier waren diese<br />
nicht flächendeckend verteilt, was<br />
unter anderem zwei Gründe hat:<br />
Es war die Zeit der Fliegerlager<br />
und Wettbewerbe. Und da sich das<br />
Wetter nun auch im Süden von der<br />
guten Seite zeigte, waren Startplätze<br />
auf der Alb und im Schwarzwald<br />
deutlich häufiger in den OLC-<br />
Meldungen vertreten. Einfach<br />
waren die Wetterlagen nicht.<br />
Eine anhaltend gute Periode<br />
gab es im Juli nicht. Klimatisch<br />
war er eigentlich unauffällig, etwas<br />
zu warm, meist etwas zu trocken,<br />
lokal – konvektiv bedingt – auch<br />
zu nass. Der Sonnenscheindauer<br />
nach war der Süden die bevorzugte<br />
Region. Legt man aber die Möglichkeit<br />
für Strecken über 750 oder<br />
gar 800 Kilometer als Maßstab an,<br />
dann kam der Nordosten am besten<br />
weg.<br />
An zwei Julitagen wurde die<br />
1000er-Marke geknackt, an acht<br />
Tagen wurden mehr als 800 Kilometer<br />
geflogen. Gleich am 3. Juli<br />
waren es Martin Werner und Oliver<br />
Maas, die von Witts Berlinchen<br />
aus bei Schauerwetter knapp über<br />
800 Kilometer erreichten. Am 6.<br />
und 7. Juli folgte eine Lage aus<br />
einfließender Kaltluft und nachrückendem<br />
Hochkeil. Von Westen<br />
aufbauend, konnte die Luftmasse<br />
schon am 6. Juli genutzt werden:<br />
Markus Barrois flog von Marpingen<br />
aus 801 Kilometer.<br />
Während am 7. Juli im Westen<br />
schon die Warmluft einsickerte,<br />
war die kühle Luftmasse im Nordosten<br />
der Garant für einen Flug<br />
von mehr als 900 Kilometer (Bernd<br />
Goretzki). Den punkthöchsten Flug<br />
schaffte mit 744 Kilometer (727-km-<br />
FAI-Dreieck) Robert Schymala vom<br />
Stillberghof aus.<br />
Mitte Juli über die<br />
Rennstrecken im Süden<br />
Bis es wieder in diese Größenordnungen<br />
ging, dauerte es bis zur<br />
Monatsmitte. Zwischen dem 16.<br />
und 20. Juli gab es eine halbwegs<br />
stabile, gute Periode. Verantwortlich<br />
dafür war ein Hochdruckgebiet,<br />
das sich allmählich von Südwesten<br />
her aufbaute und dann langsam<br />
in Richtung Ostsee zog. Auch wenn<br />
schon wieder Warmluft im Spiel<br />
war, funktionierten die Rennstrecken<br />
im Süden immer noch.<br />
Michael Schlaich zeigte das am<br />
16. Juli eindrucksvoll mit einem<br />
kombinierten Flug: Für die Bundesliga<br />
flog er zuerst schnelle<br />
Schenkel über dem Schwarzwald,<br />
dann mit einem langen Schlag die<br />
Alb entlang, um die Strecke auf<br />
1022 Kilometer hochzuschrauben.<br />
Zwei Tage später lag das Hoch<br />
weiterhin über dem Westen. Weit<br />
ausladend und nicht zu kräftig<br />
entwickelten sich trotz Nähe zum<br />
Kern vor allem über dem Westen<br />
und der Mitte immer noch Cumuli.<br />
Diese nutzten aus der Eifel beziehungsweise<br />
dem Rheintal heraus<br />
Wilfried Großkinsky (907 km)<br />
und Peter Fischer (854 km).<br />
Der 19. Juli war der Tag für den<br />
Südosten: Christian Mäx, Philipp<br />
Keller und Horst Singer nutzten<br />
von ihren jeweiligen bayerischen<br />
Plätzen aus die Mittelgebirge im<br />
Süden und Südosten für Flüge über<br />
1000 Kilometer. Und selbst am<br />
folgenden Tag taugte das schwächelnde<br />
Hoch noch für ein 900er<br />
von Andreas Hüttlinger in den<br />
Alpen.<br />
Nur der 24. Juli erlaubte noch<br />
einmal einen 900-km-Flug. Enge<br />
Wetterfenster im Südwesten wurden<br />
dann konsequent für schnelle<br />
Bundesliga-Flüge genutzt. ae<br />
Bernd Fischer<br />
Vorhersage der potenziellen Flugstrecke für ein Flugzeug der 18-m-Klasse<br />
am 11. Juni. Die Superbedingungen im Nordosten wurden gut genutzt.<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 89<br />
Abbildungen: SeeYou, TopMeteo (3)
[ SEGELFLIEGEN Flugsicherheit ]<br />
Fotos: BFU, dpa/B. Berinkmann, E. Parton<br />
Unfallanalyse<br />
Flug in den Tod<br />
Für die 17-jährige Flugschülerin sollte der erste Alleinflug am<br />
letzten Tag des Fluglagers den krönenden Abschluss bilden.<br />
Der Flug endete mit einem tödlichen Absturz.<br />
Am Abend des 4. August<br />
2012 sollte es so weit sein:<br />
Um 19:13 Uhr startete die<br />
Flugschülerin mit der ASK 13, mit<br />
der sie die Ausbildung absolviert<br />
hatte, zum ersten Mal ohne ihren<br />
Fluglehrer. Die Wetterbedingungen<br />
auf dem Flugplatz Quakenbrück<br />
waren gut und schränkten den<br />
ersten Alleinflug nicht ein.<br />
Den Flugverlauf beschrieben<br />
Zeugen später übereinstimmend<br />
mit den im Kollisionswarnsystem<br />
FLARM gespeicherten Flugdaten.<br />
Der Windenstart erfolgte ohne<br />
Auffälligkeiten bis auf rund 300<br />
Meter Höhe. Der Querabflug verlief<br />
normal. Auffällig war nur die relativ<br />
geringe Fluggeschwindigkeit<br />
nach dem Ausklinken im Bereich<br />
von 61 bis 76 km/h über Grund.<br />
Für die Geschwindigkeit gegenüber<br />
Luft wäre noch ein schwacher Wind<br />
90 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong><br />
zu berücksichtigen. Die Unfalluntersucher<br />
vermuten eine nicht<br />
angepasste Trimmeinstellung als<br />
Ursache.<br />
Im Gegenanflug nahm die ASK<br />
13 dann eine oszillierende Flugbahn<br />
ein. Der Fluglehrer gab der Flugschülerin<br />
über Funk Anweisungen,<br />
den Schwingungen gegenzusteuern<br />
beziehungsweise diese zu<br />
stabilisieren, wobei von einer<br />
funktionierenden Funkverbindung<br />
auszugehen ist. Infrage steht aber,<br />
ob die Flugschülerin diese verbalen<br />
Anweisungen noch aufgenommen<br />
hat. Sprachvermögen und die<br />
Aufnahme von Anweisungen per<br />
Audio werden, das zeigt die Erfahrung,<br />
bereits in einem frühen<br />
Stadium blockiert.<br />
Die anfangs nur geringen Änderungen<br />
der Flugbahn wurden<br />
immer größer. Zuletzt stieg die ASK<br />
13 aus geringer Höhe nahezu senkrecht<br />
auf und kippte dann über die<br />
Tragfläche ab. Sie schlug zwischen<br />
den Häusern einer Wohnsiedlung<br />
auf. Die Flugschülerin wurde tödlich<br />
verletzt, das Segelflugzeug<br />
zerstört.<br />
Das macht fassungslos. Für<br />
erfahrene Fluglehrer ist der Unfall<br />
auch rational nicht zu erklären,<br />
beherrschen Flugschüler das Halten<br />
des Horizontbildes doch schon<br />
beim zweiten, dritten Flug. Und<br />
die 17-Jährige verfügte über eine<br />
übliche Flugpraxis für den ersten<br />
Alleinflug. Sie hatte an den 14 Tagen<br />
des Ausbildungslehrgangs 67<br />
Starts am Doppelsteuer mit einer<br />
Gesamtflugzeit von 8:56 Stunden<br />
absolviert.<br />
Die Untersuchung der ASK 13<br />
ergab keinen Hinweis auf eine<br />
mögliche technische Ursache für<br />
den Unfall. Beladung und Schwerpunkt<br />
waren im zulässigen Bereich.<br />
Verlauf des Unfallflugs nach der FLARM-Aufzeichnung. Die Oszillationen<br />
führten bis in geringe Höhe und dort zum Absturz.
Auch aus der Obduktion der Flugschülerin<br />
ergab sich kein Hinweis<br />
auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung<br />
oder Handlungsunfähigkeit<br />
zum Unfallzeitpunkt. Ein<br />
Jahre zuvor festgestelltes Belastungsasthma<br />
soll der Flugschülerin<br />
zuletzt keine Beschwerden mehr<br />
gemacht haben.<br />
Der Bericht der Bundesstelle<br />
für Flugunfalluntersuchung (BFU)<br />
stellt darauf aufbauend lapidar<br />
fest: „Der Flugverlauf zeigt, dass<br />
die Flugschülerin noch nicht die<br />
nötige Reife für den ersten Alleinflug<br />
hatte.“ Was aber nur dann<br />
richtig sein kann, wenn die Flugschülerin<br />
die Steuereingaben im<br />
vollen Bewusstsein gemacht oder<br />
nicht gemacht hat. Explizit heißt<br />
es im BFU-Bericht: „Bedingt durch<br />
die ungenügenden Fähigkeiten,<br />
die folgerichtigen Entscheidungen<br />
und Handlungen zu treffen, manövrierte<br />
sich die Schülerin in<br />
eine für sie unlösbare Situation.<br />
Durch die nicht der Situation angepassten<br />
Steuerbewegungen<br />
wurde das Aufbäumen und Abtauchen<br />
des Segelflugzeuges verstärkt.<br />
Es ist nicht auszuschließen,<br />
dass sie ab einem bestimmten<br />
Zeitpunkt den Steuerknüppel in<br />
voll gezogener Stellung beließ. In<br />
der Endphase des Fluges führte<br />
dieses zu dem Abkippen des Segelflugzeuges.“<br />
Das Verletzungsbild<br />
der rechten Hand der Flugschülerin<br />
zeigte, dass sich diese<br />
bis zum Aufprall am Steuerknüppel<br />
befand.<br />
Einen Grund dafür, dass der<br />
erste Alleinflug verfrüht angesetzt<br />
worden sei, vermutet der BFU-<br />
Bericht auch im Erfolgsdruck, unter<br />
dem Schülerin und Fluglehrer<br />
gegen Ende des Ausbildungslehrgangs<br />
standen. Die Flugschülerin<br />
hatte sich als einzige Lehrgangsteilnehmerin<br />
noch nicht freigeflogen,<br />
die Eltern waren zu dem<br />
anstehenden Abschlussfest und<br />
dem angekündigten ersten Alleinflug<br />
zum Flugplatz gekommen. Das<br />
bleibt aber auch der einzige psychologische<br />
Aspekt in dem Bericht.<br />
Auch stellt der BFU-Bericht die<br />
Leistungsfähigkeit der 17-Jährigen<br />
infrage – nach dem zweiwöchigen<br />
Lehrgang mit Flugbetrieb von<br />
morgens bis abends bei sommerlichen<br />
Temperaturen. Am Unfalltag<br />
hatte die Flugschüle rin bereits<br />
fünf Starts am Doppel steuer absolviert.<br />
Hatte das zu einer so<br />
hohen Belastung geführt, dass dies<br />
einen Alleinflug ausgeschlossen<br />
hätte?<br />
Das BFU-Urteil „Die Flugschülerin<br />
hatte noch nicht die nötige<br />
Reife für den ersten Alleinflug“<br />
und seine Begründung ignorieren<br />
völlig, dass möglicherweise weitere<br />
psychologische Aspekte eine<br />
Rolle gespielt haben, vielleicht<br />
sogar entscheidende. Die BFU<br />
suchte dagegen die Gründe vor<br />
allem bei den organisatorischen<br />
Mängeln im Ausbildungsbetrieb.<br />
Dass die Flugschülerin im Gegenanflug<br />
nicht mehr ansprechbar<br />
war – die Anweisungen des Fluglehrers<br />
setzte sie jedenfalls nicht<br />
um –, deutet jedenfalls auf ein<br />
psychologisches Problem hin. So<br />
gibt es einige Zwischenfälle, bei<br />
denen Flugschüler und auch Piloten<br />
vom Situationsstress völlig<br />
paralysiert wurden und das Fliegen<br />
vergaßen, obgleich sie von<br />
ihren Fähigkeiten her durchaus<br />
die Situation hätten meistern können.<br />
Könnte sich bei diesem Unfall<br />
Ähnliches zugetragen haben?<br />
Hier ein paar Beispiele von Unfällen,<br />
bei denen die Piloten oder<br />
Pilotinnen zuvor nicht mehr ansprechbar<br />
gewesen waren, und<br />
deren Ursache völlig unerklärlich<br />
erscheinen. Da landet eine vergleichsweise<br />
erfahrene Flugschülerin<br />
mit einer ASW 24 in der<br />
Platzrunde absolut unnötig in einem<br />
Baum. Eine andere lässt nach einem<br />
Seilriss beim Anschleppen alles<br />
los und überlässt sich, vom Schreck<br />
völlig paralysiert, dem stabil ausgleitenden<br />
Segler. Ein Wettbewerbspilot<br />
verschließt sich in seiner<br />
Wahrnehmung bei einem sehr<br />
knappen Endanflug derart, dass<br />
er keine Ratschläge vom Boden<br />
mehr aufnimmt, auch nicht selbst<br />
erkennt, dass eine Rückenwindlandung<br />
völlig sicher ist. Stattdessen<br />
crasht er am Ende des Platzes<br />
in einer bodennahen Kehrtkurve.<br />
Dass auch bei dem tragischen<br />
ersten Alleinflug ein psychologischer<br />
Mechanismus gegriffen hat wie<br />
wahrscheinlich in den beschriebenen<br />
Fällen, steht stark zu vermuten.<br />
Mitunter braucht es nur eines kleinen<br />
Stressmoments, einer überraschenden<br />
Situation, die zum Erschrecken<br />
und zur Schockstarre<br />
führt. Lässt sich die Neigung zu<br />
solch einem Verhalten in der Ausbildung<br />
erkennen? Mit dem Fluglehrer<br />
oder einem vertrauten Piloten<br />
im Rücken zeigen solche Personen<br />
durchweg ein sicheres, situationsgerechtes<br />
Verhalten.<br />
„Die Heranführung an ungewöhnliche<br />
Flugsituationen, wie<br />
Windenstartunterbrechungen,<br />
Anflüge aus ungewohnter Position<br />
sowie Trudeln und Heranführung<br />
an Grenzflugzustände, war unzureichend<br />
erfolgt“, stellt der BFU-<br />
Bericht fest. Das Abkippen aus dem<br />
Langsamflug, nicht nur das Beherrschen<br />
des Flugzeugs im Grenzbereich,<br />
und das Trudeln können<br />
vielleicht zeigen, ob ein Schüler<br />
zu Panikreaktionen neigt. Die Demonstration<br />
von Trudeln und Steilspirale<br />
war laut Fluglehrer auch<br />
nicht durchgeführt worden.<br />
Welche Erfahrung<br />
hatte der Fluglehrer?<br />
Keinen Bezug nimmt der Bericht<br />
der BFU auf die Erfahrung des<br />
freigebenden Fluglehrers (51),<br />
außer der, dass er seit 23 Jahren<br />
die Segelfluglizenz besaß und viele<br />
Berechtigungen. Wie viele Schüler<br />
hatte er schon zur Alleinflugreife<br />
geführt? Auf Basis welcher<br />
Erfahrungen mit geistig und psychisch<br />
ganz unterschiedlich aufgestellten<br />
Flugschülern vor ihrem<br />
ersten Alleinflug hatte er die junge<br />
Frau eingeschätzt?<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 91
Fotos: BFU<br />
[ SEGELFLIEGEN Flugsicherheit ]<br />
Den Ausbildungsnachweis<br />
führte nur<br />
die Schülerin, keine<br />
Übung wurde als<br />
beherrscht von einem<br />
Fluglehrer bestätigt.<br />
plans entspricht, verstärkte die<br />
Unsicherheit über den zu lehrenden<br />
Unterrichtsstoff.<br />
Die Einführung von Part-FCL<br />
und die damit verbundene Anerkennung<br />
der Approved Training<br />
Organisation LVN hat in dieser<br />
Frage nicht weitergeholfen. In dem<br />
für die theoretische Ausbildung<br />
jetzt gültigen Syllabus (Approved<br />
Means of Compliance / AMC und<br />
Guided Material / GM zum Part-<br />
FCL) gibt es keine Gliederung mehr<br />
nach den Ausbildungsabschnitten<br />
A, B und C. Damit ist ein Zusammenhang<br />
zwischen den Ausbildungsabschnitten<br />
der fliegerischen<br />
Ausbildung und den dazugehörigen<br />
theoretischen Prüfungen nicht<br />
mehr nachvollziehbar.<br />
Eine schriftliche Bestätigung<br />
der Alleinflugreife von einem zweiten<br />
Fluglehrer gab es nicht. Mit<br />
einem Check hätte dieser die Tagesform<br />
der Flugschülerin in die<br />
Entscheidung zum ersten Alleinflug<br />
mit einbeziehen können. Aber<br />
abnormale Flugzustände werden<br />
bei der Absicherung der Alleinflugreife<br />
durch den zweiten Fluglehrer<br />
wohl auch in den seltensten<br />
Fällen erflogen, um einen Aufschluss<br />
über das Verhalten in<br />
Stresssituationen zu erlangen.<br />
Im Schulbetrieb lag organisatorisch<br />
viel im Argen, und darauf<br />
hebt der BFU-Bericht vor allem ab.<br />
Der Ausbildungsnachweis war von<br />
der Flugschülerin geführt worden,<br />
Bestätigungen seitens des Fluglehrers<br />
gab es keine. Die Flugübungen<br />
für den Ausbildungsabschnitt<br />
bis zur A, zum ersten Alleinflug,<br />
waren darin nur als begonnen<br />
aufgeführt. Keine Übung war als<br />
beherrscht gekennzeichnet.<br />
Der Verein bildete innerhalb der<br />
Globalausbildungsgenehmigung<br />
des DAeC-Landesverbandes Niedersachsen<br />
(LVN) aus. Es gab zwar<br />
kein Organisationshandbuch, aber<br />
sogenannte „Grundlagen“ und die<br />
Methodik der Segelflugausbildung<br />
des LVN. Von der darin geforderten<br />
Abfolge der einzelnen Flugübungen<br />
wurde aber abgewichen.<br />
Das geforderte theoretische Wissen<br />
wurde nur zum Teil gelehrt. Außer<br />
den übungsbegleitend vermittelten<br />
theoretischen Kenntnissen<br />
stellte die BFU in ihrem Bericht<br />
heraus, hätte tiefergreifendes Wissen<br />
zu den Themen Luftrecht und<br />
Verbandsregelungen, Aerodynamik,<br />
Allgemeine Luftfahrzeugkunde,<br />
Technik und Verhalten in besonderen<br />
Fällen vermittelt werden<br />
sollen – und das in einem speziellen<br />
Theorieunterricht. Neben der<br />
dokumentierten theoretischen<br />
Einweisung am ersten Tag des<br />
Lehrganges hatte aber nur an einem<br />
weiteren Vormittag ein theoretischer<br />
Unterricht stattgefunden.<br />
Die Ausbildung verlief<br />
nicht standardisiert<br />
Dass die Ausbildung nicht standardisiert<br />
verlief, ist auf ein langes<br />
Organversagen zurückzuführen.<br />
Die Luftfahrtbehörde und der Landesverband<br />
hatten in den Vorjahren<br />
ihre Aufsichtsfunktion nicht<br />
aufgabengerecht wahrgenommen,<br />
Abweichungen von den Grundlagen<br />
und der Methodik wurden nicht<br />
aufgedeckt und infolgedessen nicht<br />
abgestellt. So waren in der Globalausbildungsgenehmigung<br />
und den<br />
Verfahren des DAeC-Landesverbandes<br />
Niedersachsen keinerlei<br />
Festlegungen getroffen worden,<br />
wie die Überwachung der Ausbildung<br />
in den Mitgliedsvereinen zu<br />
erfolgen hat. Eine Überwachung<br />
wurde auch nicht wahrgenommen,<br />
der verantwortliche Landesausbildungsleiter<br />
hatte in den zurückliegenden<br />
dreieinhalb Jahren an<br />
keiner Aufsichtsprüfung teilgenommen.<br />
Auch die beim LVN durchgeführten<br />
Audits sowie die nur als<br />
Stichproben durchgeführten Kontrollen<br />
der Landesluftfahrtbehörde<br />
haben das unzureichende Kontrollsystem<br />
des LVN nicht aufgedeckt.<br />
Die Abstellung von Missständen<br />
wurde von Behördenseite zudem<br />
nicht konsequent verfolgt. Die Erstellung<br />
eines Organisationshandbuchs<br />
wurde über drei Jahre immer<br />
wieder nur angemahnt.<br />
Abweichungen von der Organisation<br />
einer den Ausbildungsstufen<br />
gerechten Schulung konnten<br />
sich wohl auch einschleichen,<br />
weil die Methodik zur Segelflugausbildung<br />
viel Interpretationsspielraum<br />
zuließ. Bis zum Unfalljahr<br />
war in den Regelungen des DAeC<br />
und des LVN nicht eindeutig festgehalten,<br />
wann und in welchem<br />
Umfang die theoretische A-Prüfung<br />
abzulegen ist. Die Methodik gab<br />
nur eine sehr vage Hilfestellung<br />
für die Ausbilder: „Sinnvolle Flugausbildung<br />
setzt voraus, dass die<br />
erforderliche Flugtheorie vor dem<br />
Beginn der jeweiligen Übung besprochen<br />
worden ist.“ Das führte<br />
im Verein zu der Ansicht, dass es<br />
ausreichend sei, die Kenntnisse<br />
für den ersten Alleinflug nur begleitend<br />
zu den Flugübungen zu<br />
vermitteln.<br />
Auch machte der 2012 gültige<br />
Stoffplan für die Ausbildung zum<br />
Segelflugzeugführer keine Vorgaben,<br />
welche Inhalte in welchem<br />
Umfang vor dem ersten Alleinflug<br />
zu lehren sind. Die ungeklärte<br />
Frage, wie weit die Aufteilung der<br />
in der Methodik der Segelflugausbildung<br />
aufgeführten drei Abschnitte<br />
den drei Abschnitten des Stoff-<br />
Klare Anweisungen<br />
sind notwendig<br />
Die Methodik der Segelflugausbildung<br />
des DAeC muss deshalb,<br />
fordert die BFU, bezüglich eines<br />
Mindestumfanges an theoretischer<br />
Ausbildung für die einzelnen Ausbildungsabschnitte,<br />
insbesondere<br />
vor dem ersten Alleinflug, präzisiert<br />
werden. Dabei sollten die einzelnen<br />
Themen des Syllabus dem jeweiligen<br />
Ausbildungsabschnitt verbindlich<br />
zugeordnet und der Umfang<br />
der Prüfung festgelegt werden.<br />
Auch muss die Zustimmung zum<br />
ersten Alleinflug durch den zweiten<br />
Fluglehrer in geeigneter Form<br />
beschrieben werden. Eine Zustimmung<br />
darf erst nach Ende des<br />
ersten Ausbildungsabschnittes<br />
erfolgen.<br />
Eine Reihe der von der BFU<br />
geforderten Maßnahmen, insbesondere<br />
was die Organisation und<br />
Überwachung des Ausbildungsbetriebs<br />
durch die Landesbehörde<br />
und den LVN angeht, wurde inzwischen<br />
umgesetzt.<br />
Es bleiben aber viele Fragen:<br />
Erfasst die so erschütternde wie<br />
lapidare Feststellung, die Flugschülerin<br />
habe nicht über die Alleinflugreife<br />
verfügt, wirklich den<br />
Sachverhalt? Hätte eine bessere<br />
theoretische Ausbildung den Unfall<br />
verhindert? Die schlecht bis<br />
nicht dokumentierte Ausbildung<br />
könnte das nahelegen. Der Check<br />
durch einen zweiten Fluglehrer am<br />
Tag des Alleinflugs hätte es vielleicht<br />
abklären können. ae<br />
BFU/Marzinzik<br />
92 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
[ SEGELFLIEGEN Verbände ]<br />
Foto: Holger Weitzel<br />
Die Programmpunkte für die<br />
außerordentliche Mitgliederversammlung<br />
der Bundeskommission<br />
Segelflug im Deutschen<br />
Aero Club Ende Juli in<br />
Kassel waren unmissverständlich:<br />
Hier handelte es sich um eine Krisensitzung.<br />
Ganz oben auf der<br />
Tagesordnung stand das Thema<br />
„Entwicklung des Deutschen Segelflugverbands<br />
und unsere Reaktionen<br />
darauf“. Über die Ergebnisse<br />
der DAeC-Krisensitzung<br />
Ende Juni in Hamburg sollte beraten<br />
und das dort erstellte Strategiepapier<br />
für alle Vereine und<br />
Funktionsträger vorgestellt werden.<br />
Die „zehn guten Gründe für einen<br />
starken DAeC“ wurden zwischenzeitlich<br />
auf www.daec.de veröffentlicht.<br />
Was war geschehen? Der schon<br />
im vergangenen Jahr im Wesentlichen<br />
von dem damaligen Vorstand<br />
der DAeC-Bundeskommission<br />
Segelflug gegründete Deutsche<br />
Segelflugverband (DSV) war nicht<br />
– wie auf dem Segelfliegertag <strong>2016</strong><br />
Ob Rüstplatz oder Interessenvertretung:<br />
Das Nebeneinander ist<br />
nicht einfach, muss aber gelingen.<br />
DAeC-Segelflug<br />
Im Konkurrenzkampf<br />
Fast machte es den Anschein, als befände sich der<br />
DAeC-Segelflug im Existenzkampf. Die Tagesordnung der<br />
Mitgliederversammlung Segelflug stimmte düster.<br />
in Freudenstadt vom DAeC-Vorstand<br />
und den Landesverbänden<br />
erhofft – in der Versenkung verschwunden,<br />
sondern hatte sich im<br />
Frühjahr mit einer gut gemachten<br />
Website (www.dsv.aero) einen<br />
professionellen Auftritt verschafft.<br />
Als Galionsfigur erklärt dort Spitzensportler<br />
Bruno Gantenbrink:<br />
„Ich unterstütze den DSV, weil ich<br />
überzeugt bin, dass er er für die<br />
Zukunft des deutschen Segelflugs<br />
von eminent wichtiger Bedeutung<br />
sein wird.“<br />
Der DSV mischt<br />
schon kräftig mit<br />
Auch institutionell hat sich der<br />
DSV etabliert. Eine Umstrukturierung<br />
des Ausschusses Unterer<br />
Luftraum (AUL) im DAeC, der zuletzt<br />
allein vom Segelflug unterhalten<br />
wurde, hatte die bisherigen<br />
Mitglieder nahezu komplett zum<br />
DSV getrieben, wo sie sich als AUL<br />
Segelflug neu aufgestellt haben.<br />
Im DAeC wurde der Bundes-AUL<br />
gegründet, in dem nun auch Vertreter<br />
anderer Sportsparten eingezogen<br />
sind und der dem DAeC-<br />
Präsidenten unterstellt wurde.<br />
Gerade mit dieser neuen Struktur<br />
hatten sich die bisherigen AUL-<br />
Mitglieder nicht anfreunden wollen.<br />
Bei der Versammlung in Kassel<br />
wurde dann unisono bedauert,<br />
dass mit den bisherigen AUL-<br />
Mitarbeitern viel Sachverstand<br />
verloren gegangen sei, wenngleich<br />
für den neuen B-AUL festgehalten<br />
wurde, dass für ihn viele sachverständige<br />
Mitglieder gefunden<br />
seien und er bald voll funktionsfähig<br />
sei.<br />
Als gar nicht gut eingeschätzt<br />
wird aber, dass in Luftraumfragen<br />
nun zwei Institutionen bei Verkehrsministerium<br />
und Deutscher<br />
Flugsicherung auftreten.<br />
Einfach parallel nebeneinanderher<br />
agieren will man nicht. Es soll<br />
jetzt zu Gesprächen aufeinander<br />
zugegangen werden. Einfach ist<br />
das nicht, da die Fronten verhärtet<br />
sind und gerade zwischen den<br />
handelnden Personen in der BuKo<br />
Segelflug und dem DSV-Vorstand<br />
viel zerbrochen ist. Gesucht wird<br />
nun ein Mediator für die beabsichtigten<br />
Gespräche.<br />
Was soll bei den Gesprächen<br />
herauskommen? Dass der DSV sich<br />
auflöst oder nur noch gemeinsam<br />
mit der BuKo Segelflug agiert?<br />
Thomas Kuhn, stellvertretender<br />
Vorsitzender der Bundeskommission<br />
Segelflug, vertrat die progressive<br />
Haltung, dass Konkurrenz in<br />
der Vertretung der Interessen des<br />
Segelflugs nicht schaden könne.<br />
Sie könne vielmehr dazu beitragen,<br />
dass manche Institutionen im DAeC<br />
ihre Anstrengungen zugunsten<br />
des Segelflugs verbessern. Sein<br />
Appell: alles gelassener angehen!<br />
Funktioniert der<br />
friedliche Wettstreit?<br />
Im DAeC-Landesverband Niedersachsen<br />
ist das bereits Alltag,<br />
berichtete Andreas Wenzeck,<br />
stellvertretender Segelflugreferent<br />
dort: Man habe einen Weg gefunden,<br />
mit der Lage umzugehen.<br />
Schließ-lich ist Meike Müller Vorsitzende<br />
des DSV und zugleich<br />
Präsidentin des DAeC-Landesverbandes<br />
Niedersachsen. Auch mit<br />
dem DAeC-Landesverband hat der<br />
DSV konstruktive Gespräche geführt,<br />
berichtete Günther Forneck<br />
in Kassel.<br />
Tatsächlich wäre es für die Interessen<br />
des Segelflugs gut, wenn<br />
zusammengearbeitet wird und<br />
nicht Ressourcen in bloßer Konfrontation<br />
vergeudet werden.<br />
Walter Eisele, Vorsitzender der<br />
Bundeskommission Segelflug, befand<br />
denn auch zur Geschäftsführung:<br />
Wir müssen viel professioneller<br />
werden. Dafür wird ein<br />
weiterer hauptamtlicher Mitarbeiter<br />
gesucht, der mit viel Know-how<br />
die Interessen des Segelflugs in<br />
Luftraumfragen, bei der EASA, der<br />
European Gliding Union und<br />
Europe Air Sports vertreten soll.<br />
Auch für die Überarbeitung des<br />
Fragenkatalogs für Prüfungen zu<br />
Pilotenlizenzen, den der DAeC<br />
herausgibt, werden unbedingt<br />
Helfer im Hauptamt benötigt. ae<br />
Gerhard Marzinzik<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 93
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EIGENE FERNLEHRGÄNGE PPL(A) – ATPL(A)<br />
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<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong><br />
1<strong>09</strong>
Von Piloten 1994 ins Leben gerufen und geleitet, unterstützt die „Stiftung Mayday“ in<br />
Not geratene Luftfahrer und deren Angehörige. So betreut sie Flugbesatzungen aller<br />
Luftfahrtbereiche nach kritischen und belastenden Vorfällen, um stressbedingten<br />
Folgeerkrankungen entgegenzuwirken. Ziel aller Hilfsmaßnahmen ist Anregung und<br />
Unterstützung zur Selbsthilfe.<br />
In ihrem Namen trägt sie bewusst den Notruf der internationalen Luftfahrt: Mayday.<br />
Helfen Sie mit, dass auf diesen Notruf stets rasche Hilfe erfolgen kann.<br />
Schirmherr ist Dr. Thomas Enders, CEO Airbus Group.<br />
Hugenottenallee 171a, 63263 Neu-Isenburg<br />
Telefon: 0700 – 7700 7701<br />
Fax: 0700 – 7700 7702<br />
E-Mail: info@Stiftung-Mayday.de<br />
Internet: www.Stiftung-Mayday.de<br />
Spenden: Frankfurter Sparkasse<br />
IBAN: DE36 5005 0201 0000 0044 40<br />
BIC.: HELADEF1822<br />
VERBAND DEUTSCHER VERKEHRSFLIEGERSCHULEN E.V.<br />
Unser Ausbildungsprogramm:<br />
ATPL(H)/VFR, CPL(H), PPL(H), FI(H),<br />
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Wir verwenden „ProPilots“ als Trainingssoftware<br />
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MD900/902, EC135, BK117, HU369<br />
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Flugplatz Halle-Oppin<br />
53757 St. Augustin/Germany 06188 Oppin/Germany<br />
Tel.: +49(0)2241/2307-0 Tel.: +49(0)34604/3<strong>09</strong>-14<br />
Fax: (0)2241/2307-30 Fax: (0)34604/3<strong>09</strong>-15<br />
Praxis-Quiz<br />
Lösungen von Seite 73<br />
1.<br />
2.<br />
Frage 1: b) Basis für die Startstreckenberechnung<br />
sind die Angaben im Flughandbuch für die<br />
aktuellen Werte von Druckhöhe und Temperatur.<br />
Darüber hinaus haben Bahnneigung und Oberfächenzustand<br />
Einfuss.<br />
Frage 2: c) Mit einer Verdoppelung des seitlichen<br />
Abstands reduziert sich der Lärm tatsächlich<br />
drastisch. Eine Reduktion um 6 dB(A)<br />
bedeutet nur noch den halben Lärm!<br />
Anzeigenberatung/Verkauf<br />
Reinhard Wittstamm 0711/182-2814<br />
3.<br />
Frage 3: b) Für das Setzen der Klappen für<br />
den Start gelten grundsätzlich die Angaben im<br />
Flughandbuch.<br />
110 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> Firmenanzeigen sind mit "F" gekennzeichnet www.<strong>aerokurier</strong>.de
[ Termine ]<br />
präsentiert<br />
von<br />
OO<br />
27. August<br />
Hunterfest <strong>2016</strong>,<br />
St. Stephan, Schweiz<br />
Hunterverein Obersimmental, Postfach<br />
23, 3772 St. Stephan, Schweiz,<br />
E-Mail: info@hunterverein.ch,<br />
www.hunterverein.ch<br />
OO<br />
27. / 28. August<br />
Piper-Cub-Fly-in, Langenthal<br />
Flugplatz Langenthal-Bleienbach,<br />
www.pipercubflyin.ch<br />
OO<br />
27. / 28. August<br />
Airliner Classics,<br />
Flugplatz Speyer<br />
Tel.: +49 6232 6872929,<br />
Roland Kern, E-Mail: flugleitung@<br />
flugplatz-speyer.de,<br />
www.airliner-classics.de<br />
OO<br />
27. / 28. August<br />
Flugplatzfest, Albstadt-<br />
Degerfeld<br />
Luftsportverein Degerfeld,<br />
Volker Rath, Postfach 562, 72426<br />
Albstadt, Tel.: +49 7422 9493-17,<br />
E-Mail: volker.rath@schwarzwaelderbote.de,<br />
www.lsv-degerfeld.de<br />
OO<br />
27. / 28. August<br />
Flugtagwochenende Donzdorf<br />
Fliegergruppe Donzdorf, Sonderlandeplatz<br />
Donzdorf-Messelberg,<br />
73072 Donzdorf,<br />
www.donzdorfer-flugtage.de<br />
OO<br />
28. August<br />
Flugplatzfest, Erbach<br />
LSV Erbach, Burren 7, 89155<br />
Erbach, Tel.: +49 160 5355300,<br />
E-Mail: sayler@autohaus-sayler.de,<br />
www.lsv-erbach.de<br />
OO<br />
28. August<br />
Flugplatzfest,<br />
Segelfluggelände Müllheim<br />
Markgräfler Luftsportverein e.V. Müllheim/Baden,<br />
Tel.: +49 7631 13824<br />
E-Mail: kontakt@luftsport-muellheim.de<br />
http://luftsport-muellheim.de/<br />
OO<br />
2. - 4. September<br />
AVIEUR Fly-in, Gebrauchtflugzeugmesse<br />
und Airshow,<br />
Eisenach-Kindel<br />
www.avieur.de<br />
OO<br />
2. – 4. September <strong>2016</strong><br />
Fly-in zum Red Bull Air Race,<br />
Schwarzheide/Schipkau<br />
Aero-Club Schwarzheide e.V.,<br />
Tel.: +49 35752 80670,<br />
E-Mail: info@flugplatz-edbz.de<br />
www.aecschwarzheide.de<br />
OO<br />
3. / 4. September<br />
Flugplatzfest, Dierdorf-Wienau<br />
LSV Neuwied, lsv-neuwied. de<br />
OO<br />
3. / 4. September<br />
Flugplatzfest und Fly-in,<br />
Elz bei Limburg/Lahn<br />
Flugsportgruppe Elz, Flugplatz an<br />
der B8, Postfach 112, 65604 Elz,<br />
Tel.: +49 6431 54200,<br />
Vorstand@edfy.de, www.edfy.de/<br />
OO<br />
3. / 4. September<br />
Fly-in & BBQ,<br />
Montabaur<br />
LSC Westerwald, FlyIn@lscww.de<br />
OO<br />
3. / 4. September<br />
Flugtag, Pirmasens<br />
Aero-Club Pirmasens, Ostring 18,<br />
665<strong>09</strong> Rieschweiler-Mühlbach,<br />
Tel.: +49 6336 6266, E-Mail:<br />
info@aero-club-pirmasens.de,<br />
www.flugtag-pirmasens.de<br />
OO<br />
3. / 4. September<br />
Nostalgisches Flieger-Picknick<br />
und Classic-Cessna-Meeting,<br />
Wershofen<br />
Segelfluggruppe Wershofen, Bergstraße<br />
7, 53520 Wershofen, Tel.: +49<br />
2694 277, E-Mail: info@sfg-wershofen.de,<br />
www.flugtag-wershofen.de<br />
OO<br />
9. – 11. September<br />
18. Oldtimer-Fliegertreffen<br />
auf der Hahnweide<br />
Fliegergruppe Wolf Hirth, Klaus-Holighaus-Straße<br />
59, 73230 Kirchheim/<br />
Teck, Tel.: +49 7021 81602,<br />
E-Mail: oldtimer@wolf-hirth.de,<br />
www.oldtimer-hahnweide.de<br />
OO<br />
10. / 11. September<br />
Flugtag, Sinsheim<br />
Flugsportring Kraichgau, Lilienthalstr.<br />
15, 74889 Sinsheim, Tel.: +49 7261<br />
3005, E-Mail: flugsportring-kraichgau<br />
@gmx.de, www.flugtag-sinsheim.de<br />
OO<br />
10. / 11. September <strong>2016</strong><br />
Flugplatzfest, Neumünster<br />
Flugsport-Club Neumünster,<br />
Gerwin Dienger, Tel.: +49 4055<br />
599280,<br />
E-Mail: GJDienger@t-online.de<br />
OO<br />
11. September<br />
Terminankündigungen<br />
Flugplatzfest, Laichingen<br />
Flugsportverein Laichingen,<br />
Postfach 1107, 89150 Laichingen,<br />
Tel.: +49 7333 4401, E-Mail:<br />
vorstand@edpj.de, www.edpj.de<br />
OO<br />
10. / 11. September<br />
Flugplatzfest, Leverkusen<br />
Flugplatz Leverkusen, Kurtekottenweg,<br />
51373 Leverkusen, Tel.: +49<br />
214 833222, www.edkl.de<br />
OO<br />
15. – 18. September<br />
EBS Fly-out Roulette<br />
European Bonanza Society, E-Mail:<br />
Uwe.Lutz@beech-bonanza.org<br />
OO<br />
17. / 18. September<br />
Quax-Geburtstags-Fly-in,<br />
Paderborn/Lippstadt<br />
Flugplatz Paderborn/Lippstadt,<br />
Quax-Flieger, Heessener Dorfstraße<br />
46, 59073 Hamm, Tel.: +49 (2381)<br />
488842,<br />
E-Mail: info@Quax-flieger.de,<br />
www.quax-flieger.de<br />
OO<br />
18. September<br />
Flugplatzfest, Schweighofen<br />
Aero-Club Schweighofen-Wissembourg<br />
e.V., Flugplatzstraße, 76889<br />
Schweighofen, Tel.: +49 6342 7248,<br />
E-Mail: verein@edro.de, www.edro.de<br />
OO<br />
3. Oktober<br />
19. Oldtimertreffen, Jesenwang<br />
Pro Luftfahrt e.V., Am Flugplatz,<br />
82287 Jesenwang,<br />
Tel.: +49 (8146) 1444, Veranstaltung@proluftfahrt-jesenwang.de,<br />
www.proluftfahrt-jesenwang.de<br />
Weitere Termine finden Sie bei uns auf der Website<br />
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Der <strong>aerokurier</strong> erscheint monatlich (mit den DAeC-Nachrichten<br />
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Fotos, Zeichnun gen und Datenträger wird keine Haftung<br />
übernommen. (ISSN 0341-1281)<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 111
[ UL/LSA Porträt ]<br />
Mentor<br />
der C42<br />
Seit 25 Jahren ist Jörg Hannemann Testpilot und<br />
Entwickler bei Comco Ikarus und mitverantwortlich<br />
für den großen Erfolg der C42.<br />
Im Leichtflugzeugbau gilt er als Institution.<br />
Das Interview führte Oliver Schenk<br />
Herr Hannemann, sie sind<br />
untrennbar mit Deutschlands<br />
erfolgreichstem<br />
Ultraleichtflugzeug verbunden.<br />
Wie war denn Ihr fliegerischer<br />
Werdegang?<br />
Als Kind habe ich mich schon mit<br />
Modellbau beschäftigt. Ich erlernte<br />
das Segelfliegen 1971 auf dem Militärflugplatz<br />
Eggersdorf bei Berlin. Bei<br />
der Gesellschaft für Sport und Technik<br />
kostete der Monatsbeitrag nur<br />
50 Pfennig. An meiner West-Verwandtschaft<br />
scheiterte eine Karriere als<br />
Jagdpilot, dafür wurde ich Wartungsingenieur<br />
im Fachgebiet Triebwerk/<br />
Zelle und machte dazu eine Facharbeiterausbildung<br />
zum Industriemechaniker.<br />
Später war ich wissenschaftlicher<br />
Assistent am Lehrstuhl<br />
für Aerodynamik und Flugmechanik.<br />
Es war aber abzusehen, dass es im<br />
gesamtdeutschen Militär für mich<br />
keinen Platz geben würde, da das<br />
DDR-Offizierskorps viel zu groß war.<br />
Es gab dort übrigens noch einen anderen<br />
Jörg Hannemann im Range<br />
eines Majors, mit dem ich später<br />
häufiger verwechselt wurde. Da kam<br />
mir sehr gelegen, dass Comco Ikarus<br />
einen Werkstattleiter suchte. Der<br />
Kontakt kam über meine Wettkampffliegerei<br />
zustande. Da konnte ich in<br />
meinem Fachgebiet bleiben.<br />
Wie sind Sie bei Comco Ikarus<br />
unentbehrlich geworden?<br />
Mein Job sind nach wie vor die Endabnahme<br />
und die Qualitätssicherung.<br />
Ich nehme jedes Flugzeug persönlich<br />
ab. Bis heute treibt mich mein Perfektionismus<br />
an, unsere Maschinen<br />
stetig weiterzuentwickeln. Das analytische,<br />
technische Fliegen ist meine<br />
große Stärke. Dabei habe ich gar<br />
keine Testpilotenausbildung, ich<br />
habe nur mal ein paar Lehrgänge<br />
gemacht. Es mag bessere Flieger und<br />
bessere Entwickler als mich geben,<br />
aber wenige bringen beides so gut<br />
zusammen.<br />
Fotos: Jörg Hannemann, Oliver Schenk (3)<br />
Wie sieht die Arbeit als Werkspilot<br />
hinsichtlich Entwicklung<br />
und Herstellung aus?<br />
Die anfängliche Flugzeugentwicklung<br />
ist mit „trial & error“ am besten zu<br />
beschreiben, das war schon abenteuerlich.<br />
Teilweise flog man tief über<br />
die Bahn und schaute dann, was am<br />
Flugzeug noch dran war. Vom Ausprobieren<br />
kam ich dann auf die<br />
Modifikationen unseres Rohrbausystems.<br />
Meine Aufgabe ist es, dem<br />
112 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Flugzeug die gutmütigen Flugeigenschaften<br />
beizubringen, die wir haben<br />
wollen. Das Flugzeug soll vor allem<br />
unkompliziert sein, das ist unser<br />
Hauptaspekt. Meine Erfahrungen sind<br />
auch bei anderen Herstellern gefragt.<br />
Sie haben 3700 Stunden auf der<br />
C42, die als Brot- und Butter-<br />
Flugzeug der UL-Szene gilt. Mit<br />
welchen Gefühlen steigen Sie<br />
heute in diesen UL-Klassiker ein?<br />
Die C42 ist für mich gar kein Klassiker,<br />
da sie immer noch in der Weiterentwicklung<br />
ist. Aus dem Prototyp<br />
C52 ist die CS hervorgegangen, die<br />
sich viel agiler fliegt und zum Turnen<br />
verleitet. Daher macht mir die C42<br />
immer noch Spaß. Oft das gleiche<br />
Flugzeug zu fliegen macht zudem<br />
sensibler, zum Beispiel für Geräusche.<br />
Sind Sie bei einem Abnahmeflug<br />
schon mal wirklich ins Schwitzen<br />
gekommen, weil es Probleme<br />
gab?<br />
Bei der Abnahme ist noch nichts<br />
Schlimmes passiert. Anders sieht es<br />
da bei der Flugerprobung aus. Ich<br />
bin schon ohne Höhenruder gelandet,<br />
nur mit der Trimmung. Das kam dem<br />
Lernprozess bei der Produktion zugute.<br />
Ans Eingemachte ging es bei<br />
der Trudel- und Flattererprobung.<br />
Warum hatte die C42 das Zeug<br />
zum Verkaufsschlager?<br />
Unsere Produktion ist vor allem wirtschaftlich,<br />
was sonst kaum ein Hersteller<br />
schafft. Das kommt auch beim<br />
Kunden an. Und er kauft bei uns<br />
neben dem Flugzeug das Vertriebsund<br />
Partnernetz mit.<br />
mäßig auseinandernehmen? Verbogenes<br />
Metall ist dagegen leicht zu<br />
erkennen. Als Ingenieur bin ich fasziniert<br />
von der Herausforderung,<br />
aerodynamisch und materialtechnisch<br />
möglichst viel aus einem Flugzeug<br />
herauszuholen. Allerdings ist nicht<br />
alles Mögliche auch sinnvoll.<br />
Welche Perspektiven hat die<br />
Konstruktion angesichts der<br />
diskutierten Erhöhung der maximalen<br />
Abflugmasse auf 600<br />
Kilogramm für ULs?<br />
Was die C42 betrifft, wird die Bauweise<br />
gleich bleiben. Außerdem<br />
existiert mit der C42E schon ein Flugzeug<br />
mit einer maximalen Startmasse<br />
von 540 Kilogramm. Entscheidend<br />
ist ohnehin die Zuladung, nicht schwerere<br />
Flugzeuge. Zudem werden die<br />
Flugleistungen bei mehr Gewicht<br />
Die Firma<br />
Wie sehen Sie Ihre Zukunft angesichts<br />
des Trends zu Hightech-ULs<br />
mit EFIS und Einziehfahrwerk?<br />
Auch die Herstellung der C42 ist<br />
Hightech, beispielsweise die Qualität<br />
der Bespannung und die Herstellung<br />
des Rohrrahmens. Hinsichtlich der<br />
CFK-Flieger schlagen zwei Seelen in<br />
meiner Brust: Zum einen sehe ich die<br />
Idee des Ultraleichtfliegens auf den<br />
Kopf gestellt. Ich glaube, dass 80<br />
Prozent der Piloten fliegerisch mit<br />
solchen Geräten überfordert sind.<br />
Zum anderen ist CFK kein so ehrliches<br />
Material wie Blech oder auch GFK,<br />
da man eine Vorschädigung kaum<br />
erkennt. Einen Weißbruch erkennt<br />
auch ein Prüfer von außen nicht, und<br />
wer lässt schon sein Flugzeug regelschlechter.<br />
Nicht nur die Mindestfahrt<br />
erhöht sich, bei schlechterer Steigleistung<br />
steigt auch die Lärmemission.<br />
Wir von Comco sind vorbereitet<br />
auf schwerere Flugzeuge, aber nicht<br />
im Bereich LSA. Die damit steigenden<br />
Anforderungen sind für kleine Betriebe<br />
kaum zu erfüllen.<br />
Gibt es ein bestimmtes Flugzeug,<br />
das Sie gerne mal selber fliegen<br />
würden?<br />
Ich baue mir derzeit eine WD3 Sunwheel,<br />
einen Doppeldecker. Seit zwei<br />
Jahren bin ich dran, nächstes Jahr<br />
wird sie hoffentlich fliegen. Die Aero<br />
L-39 Albatros interessiert mich<br />
auch, weil sie mich an meine Dienstzeit<br />
erinnert. Davon gibt es jetzt eine<br />
UL-Version, die UL-39 Albi, aber ich<br />
denke, das wird ein Experimental<br />
bleiben.<br />
ae<br />
Comco Ikarus stellt seit 1970 Leichtflugzeuge her, anfangs die<br />
C22. Seit 1996 ist die C42 im Programm, die auf einer Metallrohrkonstruktion<br />
mit Bespannung aufbaut. Sie führte wiederholt<br />
die Tabelle der Jahresneuzulassungen in Deutschland an und<br />
wird auch exportiert. Bisher wurden mehr als 1500 Maschinen<br />
in 40 Länder ausgeliefert, darunter auch beschussfeste Militär ‐<br />
versionen und Agrarflugzeuge. Die C42 ist auch wegen ihrer<br />
gutmütigen Flugeigenschaften ein beliebtes Schulflugzeug.<br />
Sie wird komplett in Deutschland produziert.<br />
Bei Jörg Hannemann<br />
geht es auch nach der<br />
Arbeit mit dem Flugzeugbau<br />
weiter. Hier steht er<br />
vor dem Rohbau seines<br />
nostalgischen Doppeldeckers<br />
WD3 Sunwheel.<br />
Heimspiel an Hannemanns<br />
Arbeitsplatz,<br />
dem C42-Cockpit.<br />
Am Steuerknüppel<br />
zeigt er, was er kann.<br />
In dieser Serie stellt<br />
der <strong>aerokurier</strong><br />
außergewöhnliche<br />
Persönlichkeiten<br />
aus der Luftfahrt<br />
im Interview vor.<br />
<strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> 113
[ VORSCHAU ]<br />
Das lesen Sie im Oktober<br />
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<strong>2016</strong><br />
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Sie den <strong>aerokurier</strong> weiter hin monatlich zu<br />
den im Impressum angegebenen Preisen<br />
mit jeder zeitigem Kündigungsrecht.<br />
Business Aviation Special<br />
Wie fliegt sich der Newcomer?<br />
<strong>aerokurier</strong>-Autor und DLR-Testpilot Steffen Gemsa fühlt<br />
dem HondaJet auf den Zahn. Außerdem stellen wir den ONE-<br />
Aviation-Vertrieb Jet Lounge und sein Premiumprodukt, die<br />
Eclipse 500 vor. Ein Blick in die aktuelle Triebwerkstechnik und<br />
der Branchenspiegel runden das Business Aviation Special ab.<br />
Wir bitten um Verständnis, wenn angekündigte Beiträge aus aktuellen Gründen in eine andere Ausgabe verschoben werden.<br />
Fotos: Gerlach, Honda Aircraft, Innocent/Abt, Christoph Kappenstein<br />
Reisebericht<br />
Im Cabrio nach Venedig<br />
Dagmar Mohr und Christoph Kappenstein<br />
fliegen mit einer Ryan PT-22 nach Italien<br />
und berichten aus Piloten- und Mitfliegerperspektive<br />
über das Alpen-Abenteuer.<br />
Von Fayence aus ins Gebirge<br />
Stage „Grands Vols“<br />
Mitmachen empfohlen: Langstreckenspezialist<br />
Baptiste Innocent zeigt in Trainingskursen,<br />
wie im Gebirge erfolgreich<br />
große Strecken geflogen werden.<br />
Richtig tanken<br />
Zapfsäule oder Kanister?<br />
Bevor es auf Tour geht, müssen die Kraftstofftanks<br />
ausreichend gefüllt sein. Der<br />
<strong>aerokurier</strong> erklärt, was beim Tanken aus<br />
Kanister oder Zapfsäule zu beachten ist.<br />
114 <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong>
Piloten landen hier<br />
Ein Jahr <strong>aerokurier</strong><br />
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zur Wahl<br />
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Deutschland und Österreich bestellbar.<br />
1. US Air Force Pilotentasche<br />
Pilotentasche im US Airforce Retrolook der<br />
50er-Jahre. Hauptfach und Innentasche mit<br />
Reißverschluss, 2 Einschubfächer, Deckel mit<br />
Karabiner und Klettverschluss, Lieferung mit<br />
Trageriemen. Maße: ca. 35 x 27 x 14 cm.<br />
3. LEATHERMAN Multitool „Micra“<br />
Funktionsvielfalt im Pocketformat! Werkzeuge:<br />
Schere mit Federbetätigung, 420HC-Messer,<br />
Kreuzschlitz-, Uhrmacher- und mittlerer<br />
Schraubendreher, Kapselheber, Lineal, Nagelfeile<br />
mit Nagelreiniger und Pinzette. Edelstahlkorpus<br />
und -griffe. Länge (geschlossen): ca. 6,5 cm.<br />
Ihre Vorteile im Abo: • jede Ausgabe pünktlich frei Haus • Online-Kundenservice<br />
• 2 GRATIS-Ausgaben zusätzlich bei Bankeinzug* • exklusiv für Abonnenten: aktuelle Informationen des DAeC<br />
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70138 Stuttgart<br />
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Bitte Bestell-Nr. angeben<br />
Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG, 70162 Stuttgart.<br />
Registergericht Stuttgart HRA 9302. Geschäftsführer:<br />
Dr. Volker Breid, Norbert Lehmann. Vertrieb: Belieferung, Betreuung<br />
und Inkasso erfolgen durch DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH,<br />
Nils Oberschelp (Vorsitz), Christina Dohmann, Dr. Michael Rathje,<br />
Am Sandtorkai 74, 20457 Hamburg,<br />
als leistender Unternehmer. AG Hamburg, HRB 95752.<br />
Diese und viele weitere<br />
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Ja, ich möchte <strong>aerokurier</strong> frei Haus<br />
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Wahl erhalte ich nach Zahlungseingang und solange der Vorrat reicht, Ersatzlieferungen<br />
sind vorbehalten. Nach Ablauf des ersten Bezugsjahres kann ich jederzeit kündigen,<br />
Geschenkabos enden automatisch.<br />
Meine persönlichen Angaben: (bitte unbedingt ausfüllen)<br />
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Deshalb bin ich damit einverstanden, dass mich Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG und ihr zur<br />
Verlagsgruppe gehörendes Unternehmen, Rodale-Motor-Presse GmbH & Co. KG Verlagsgesellschaft<br />
mit ihren Titeln künftig auch per Telefon und E-Mail über weitere interessante Medienangebote informieren.<br />
Dieses Einverständnis kann ich jederzeit per E-Mail an widerruf@dpv.de widerrufen.<br />
Ich bezahle per Bankeinzug und erhalte 2 GRATIS-Ausgaben* zusätzlich:<br />
(*die Gratis-Ausgaben bei Bankeinzug gibt es nur beim Abo zum Selbstlesen dazu)<br />
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BIC<br />
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SEPA-Lastschriftmandat: Ich ermächtige die DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH, Düsternstraße 1-3,<br />
20355 Hamburg, Gläubiger-Identifikationsnummer DE77ZZZ00000004985, wiederkehrende Zahlungen<br />
von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die<br />
von der DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen.<br />
Die Mandatsreferenz wird mir separat mitgeteilt. Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen,<br />
beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten<br />
dabei die mit meinem Kredit institut vereinbarten Bedingungen. Ich bezahle per Rechnung.<br />
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1. US Air Force Pilotentasche 3. LEATHERMAN Multitool „Micra“<br />
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Die Frist beginnt an dem Tag, an dem Sie die erste bestellte Aus gabe erhalten, nicht jedoch vor<br />
Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß den Anfor derungen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB. Zur<br />
Wahrung der Frist genügt bereits das rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses,<br />
die Bestellung zu widerrufen. Sie können hierzu das Widerrufs-Muster aus Anlage 2 zu Art. 246a<br />
EGBGB nutzen. Der Widerruf ist zu richten an: FLUG REVUE Aboservice, Postfach, 70138 Stuttgart,<br />
Telefon: + 49 (0)711 3206-8899, Telefax: +49 (0)711 182-2550, E-Mail: flugrevue@dpv.de<br />
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