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Harl.e.kin-Nachsorge - KJF Regensburg

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1/09<br />

<strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-<strong>Nachsorge</strong>:<br />

Von einem, der sich<br />

ins Leben kämpfte<br />

Heilpädagogik auf Rädern:<br />

Interdisziplinäre Frühförderstellen<br />

„Krisen“Gespräch:<br />

In der Krise bewähren sich Werte<br />

wie Nachhaltigkeit und<br />

Verantwortungsbewusstsein<br />

Aus der Arbeit der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese <strong>Regensburg</strong> e. V.


Liebe Mitglieder, liebe Freunde und Förderer,<br />

liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!<br />

Krise – an ihr kommen auch wir<br />

nicht vorbei und haben sie deshalb<br />

in dieser Aktion Kontakte zum Thema<br />

gemacht. Genauer betrachtet,<br />

beschäftigen wir uns ständig mit<br />

Krisen; deshalb gibt es die Katholische<br />

Jugendfürsorge ja auch. Trotzdem<br />

hinterlässt diese weltweit um<br />

sich greifende Wirtschaftskrise Spuren<br />

anderen Ausmaßes. Wesentlich<br />

ist, im Handeln zu bleiben, im Austausch<br />

mit anderen, den Schulterschluss<br />

zu suchen und sich auf Werte<br />

wie Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein,<br />

aber auch auf<br />

Vertrauen zueinander zu besinnen.<br />

Ein „Krisen“Gespräch mit VertreterInnen<br />

aus der Wirtschaft (S. 6)<br />

veranschaulicht, dass wir alle in<br />

einem Boot sitzen und gemeinsam<br />

die aktuelle Krise meistern können:<br />

nicht lamentieren, sondern in dieser<br />

Krise auch eine Chance sehen.<br />

Besinnen wir uns gemeinsam auf<br />

unsere Stärken und stellen die<br />

Menschen in den Mittelpunkt. Wie<br />

das in der Praxis gehen kann,<br />

zeigen uns soziale Dienste und<br />

Einrichtungen der <strong>KJF</strong>, die direkt mit<br />

der Wirtschaft verbunden sind,<br />

sich immer wieder etwas Neues einfallen<br />

lassen – für die Menschen,<br />

die ihnen anvertraut sind (S. 10).<br />

Den Mut zur Zuversicht und die Besinnung<br />

auf christliche Werte spüre<br />

ich auch in der Enzyklika „Caritas<br />

in veritate – Die Liebe in der Wahrheit“,<br />

die uns Papst Benedikt XVI.<br />

am 29. Juni, einen Tag vor dem Treffen<br />

der G 8, geschenkt hat. Nach<br />

der Soziallehre der Kirche können<br />

„wahrhaft menschliche Beziehungen<br />

2<br />

in Freundschaft und Gemeinschaft,<br />

Solidarität und Gegenseitigkeit auch<br />

innerhalb der Wirtschaftstätigkeit<br />

und nicht nur außerhalb oder nach<br />

dieser gelebt werden“. Der Heilige<br />

Vater bringt uns nahe, dass die Liebe<br />

der Weg ist. Damit ermutigt er, uns<br />

in unserer sozial-caritativen Arbeit<br />

als Teil der gesamten Gesellschaft<br />

zu sehen und in diesem Sinne zu<br />

wirken.<br />

„Frühe Hilfen“ für die ganz Kleinen<br />

sind ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt<br />

dieses Magazins. Neu ist die<br />

<strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-<strong>Nachsorge</strong> <strong>Regensburg</strong><br />

(S. 4), ein Netzwerk an sozialen<br />

Diensten unter Trägerschaft der <strong>KJF</strong>,<br />

das früh- und risikogeborene Kinder<br />

mit ihren Familien bestmöglich<br />

unterstützt.<br />

Mit unseren „Schreibaby-Ambulanzen“<br />

der Erziehungsberatungsstellen<br />

(S. 18) helfen wir, wenn<br />

Eltern am Verzweifeln sind, weil ihr<br />

Kind zu wenig schläft, quengelt,<br />

stundenlang schreit, sich in seiner<br />

Haut nicht wohl fühlt.<br />

Was man sich unter einer Interdisziplinären<br />

Frühförderstelle vorstellen<br />

kann, wie einfühlsam KollegInnen<br />

unterschiedlicher Fachrichtungen auf<br />

die individuelle Situation von Kindern<br />

und ihren Familien eingehen, zeigt<br />

der Beitrag „Wenn Fruchtzwerg<br />

essen eine Anstrengung ist“ (S. 22).<br />

Gute soziale Arbeit braucht gute<br />

Führung: Wertvolle Impulse für eine<br />

werteorientierte Führungsarbeit<br />

erhielten wir zu Beginn des Jahres<br />

von Pater Anselm Grün und Dr.<br />

Friedrich Assländer (S. 14). Diese<br />

Benefizveranstaltung zum fünfjähri-<br />

gen Bestehen der <strong>KJF</strong>-Stiftung „Für<br />

junge Menschen“ warb gleichzeitig<br />

für unsere Integrationsfirma labora<br />

<strong>Regensburg</strong>, die Arbeitsplätze für<br />

benachteiligte und behinderte junge<br />

Menschen schafft.<br />

Es freut mich sehr, dass wir wieder<br />

über viele Spenden, Hilfsprojekte,<br />

Neuentwicklungen in den Einrichtungen<br />

und Jubiläen berichten dürfen.<br />

Mit der Aktion Kontakte wollen wir<br />

veranschaulichen, was uns christliche<br />

Werte und gute fachliche Arbeit<br />

– nah am Menschen – bedeuten.<br />

Die Beispiele können zuversichtlich<br />

stimmen, um gemeinsam die anstehenden<br />

Herausforderungen zu<br />

meistern.<br />

Ich wünsche Ihnen einen erholsamen<br />

Sommer und Zeit, um Kraft<br />

zu tanken!<br />

Ihr<br />

Michael Eibl<br />

Direktor


Titelthema<br />

Wirtschaft und Soziales<br />

in Zeiten der Krise<br />

>>> „Krisen“Gespräch 6<br />

Martina Grießhammer,<br />

Michael Gammel und Michael Eibl<br />

über Werte wie Nachhaltigkeit und<br />

Verantwortungsbewusstsein<br />

>>> Noch genug Arbeit 10<br />

und Aufträge da?<br />

Ein Blick in die Arbeitswelt von<br />

behinderten und benachteiligten<br />

Menschen bei der <strong>KJF</strong><br />

Frühe Hilfen für die Kleinen<br />

>>> <strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-<strong>Nachsorge</strong> 4<br />

<strong>Regensburg</strong><br />

Von einem, der sich<br />

ins Leben kämpfte<br />

>>> Wenn Eltern 18<br />

am Verzweifeln sind:<br />

Schreibaby-Ambulanzen helfen<br />

aus bedrückendem Kreislauf<br />

>>> Wenn Fruchtzwerg essen 22<br />

eine Anstrengung ist …<br />

Heilpädagogik auf Rädern<br />

Aktuell<br />

>>> Benefizveranstaltung 14<br />

der <strong>KJF</strong>-Stiftung<br />

„Andere zu führen vermag nur der,<br />

der sich selbst gut führt.“<br />

>>> Nachgefragt: 26<br />

Wie geht es der Jugendhilfe<br />

in der Wirtschaftskrise?<br />

>>> „Compassion“: 28<br />

Projekt zeigt jungen Leuten,<br />

was es heißt, soziale Verantwortung<br />

zu übernehmen<br />

Standpunkt<br />

Gier und schneller Profit<br />

führen uns nicht aus der Krise.<br />

>>> Ein Plädoyer für das 12<br />

Wiederbeleben von Werten<br />

von Michael Eibl<br />

Neues<br />

von der <strong>KJF</strong><br />

Menschen im Gespräch<br />

>>> Alles Gute: 16<br />

Verdienste, Abschiede, Neubeginn<br />

Neues aus den Einrichtungen<br />

>>> Gute Arbeit! 13<br />

Neuentwicklungen, Jubiläen,<br />

Errungenschaften<br />

Vergelt's Gott<br />

>>> Glückliche Momente: 20<br />

Freunde und Förderer der <strong>KJF</strong><br />

unterstützen mit ihrer guten Tat<br />

die Arbeit der <strong>KJF</strong><br />

Innehalten 35<br />

Impressum<br />

Inhalt<br />

Herausgeber:<br />

Katholische Jugendfürsorge<br />

der Diözese <strong>Regensburg</strong> e.V.,<br />

Direktor Michael Eibl<br />

Redaktionsleitung:<br />

Michael Eibl, Isolde Hilt<br />

Mitarbeiter/innen dieser Ausgabe:<br />

Christine Allgeyer, Jasmin Kraus,<br />

Carl Prämaßing, Philipp Weigert<br />

Fotos:<br />

Archiv, Christine Allgeyer, Isolde Hilt,<br />

www.altrofoto.de, Juliane Zitzlsperger<br />

Titel: Juliane Zitzlsperger<br />

Gestaltung:<br />

www.grafica-design.de<br />

Druck:<br />

hm Druck, <strong>Regensburg</strong><br />

Kontakt Redaktion:<br />

Katholische Jugendfürsorge<br />

der Diözese <strong>Regensburg</strong> e.V.<br />

Referat Presse- und<br />

Öffentlichkeitsarbeit<br />

Orleansstraße 2a<br />

93055 <strong>Regensburg</strong><br />

Telefon:0941 79887-191<br />

Telefax: 0941 79887-152<br />

E-Mail: presse@kjf-regensburg.de<br />

www.kjf-regensburg.de


Titelthema<br />

Von einem,<br />

der sich ins Leben kämpfte<br />

Text und Interview:<br />

Christine Allgeyer<br />

Fotos:<br />

Juliane Zitzlsperger<br />

4<br />

„Auch wenn wir<br />

in manchen Momenten<br />

durch die Hölle gegangen sind,<br />

wir haben immer<br />

an unsere Kinder geglaubt.“<br />

Laurenz feiert am 23. Juli 2009 seinen ersten Geburtstag. Dass der kleine Bursche am Leben ist, kommt<br />

einem Wunder gleich. Gehört er doch zu den Babys, die viel zu früh, winzig und klein geboren wurden.<br />

Sein Schwesterchen Charlotte und er kamen in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt – mit einem<br />

Geburtsgewicht von 370 und 320 Gramm. Charlotte hatte auch tapfer gekämpft, starb jedoch nach drei<br />

Monaten. Die medizinische Versorgung von Mutter und Kindern – Hightech-Medizin, die Überleben erst<br />

möglich macht – übernahmen Spezialisten in der Klinik St. Hedwig. Nach dem Krankenhausaufenthalt<br />

erhielten Laurenz und seine Eltern alle notwendige Hilfe von einfühlsamen Fachkräften im Rahmen von<br />

<strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-<strong>Nachsorge</strong> <strong>Regensburg</strong>. Das Projekt läuft seit Herbst 2008 als Kooperationsprojekt in Trägerschaft<br />

der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese <strong>Regensburg</strong> e. V. mit dem Krankenhaus Barmherzige<br />

Brüder <strong>Regensburg</strong> · Klinik St. Hedwig, der Interdisziplinären Frühförderstelle am Pater-Rupert-Mayer-<br />

Zentrum und dem Kinderzentrum St. Martin der <strong>KJF</strong>.


Frau Holzner, wie gestaltet sich<br />

Ihr Familienalltag mit Laurenz?<br />

Seitdem Laurenz da ist, hat sich Vieles<br />

verändert – auch im positiven Sinne.<br />

Er ist unser größter Schatz und<br />

wir könnten uns ein Leben ohne ihn<br />

nicht mehr vorstellen. Unser Alltag<br />

ist so wie bei jedem anderen Elternpaar<br />

auch. Weil Laurenz ein Extremfrühchen<br />

ist, haben wir allerdings<br />

mehr Termine beim Arzt und bei<br />

Therapeuten. Das ist manchmal sehr<br />

anstrengend für Laurenz und für uns<br />

Eltern.<br />

Was leistet das <strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-<br />

<strong>Nachsorge</strong>-Team?<br />

Das <strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-Team hilft uns bei der<br />

Förderung unseres Frühchens und<br />

begleitet seine Entwicklung. Diese<br />

Betreuung möchte ich Laurenz nicht<br />

vorenthalten, da sie für ihn notwendig<br />

ist. Schwester Ruth und Frau Stubenrauch<br />

haben immer wieder Ideen<br />

und Vorschläge, auf die wir als Laien<br />

gar nicht kommen würden. Schwester<br />

Ruth kennen wir schon von der<br />

Intensivstation aus der Hedwigsklinik.<br />

Wir haben seitdem ein gutes Vertrauensverhältnis.<br />

Sie war bei der Geburt<br />

dabei und kennt Laurenz haargenau.<br />

Schwester Ruth ist eine liebe<br />

und herzliche Person. Deswegen ist es<br />

nicht schwierig, sie zuhause zu empfangen.<br />

Frau Stubenrauch haben wir<br />

schon in der Klinik kennengelernt.<br />

Sie hat sich sehr für Laurenz interessiert.<br />

Das hat mich positiv überrascht.<br />

Als Diplom-Sozialpädagogin hat sie<br />

gute Erziehungstipps und Tipps zur<br />

Förderung von Laurenz auf Lager. Sie<br />

ist sehr kompetent und nett. Ich finde<br />

<strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong> sehr hilfreich. Ich<br />

könnte mir, ehrlich gesagt, den Alltag<br />

ohne die regelmäßige Betreuung von<br />

<strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong> nicht vorstellen. Da ist<br />

auch noch der direkte Draht zur Hedwigsklinik.<br />

Welche Hilfen erhalten Sie konkret?<br />

Laurenz wird in seiner Entwicklung<br />

genau beobachtet. Damit können wir<br />

jedem Risiko aus dem Weg gehen<br />

und das ist gut so. Aktuell ist Frau<br />

Stubenrauch aufgefallen, dass es mit<br />

der Bauchlage noch nicht so gut<br />

klappt. Wir selbst hätten darauf vielleicht<br />

gar nicht so geachtet. Sicher ist<br />

Laurenz in der motorischen Entwicklung<br />

hinten dran, aber das kann er<br />

noch aufholen. Wegen seiner Probleme,<br />

sich zu drehen, sind wir zum<br />

Chirurgen gegangen, damit er sich<br />

seine Bauchnarbe ansieht, ob es da<br />

„Ich könnte mir, ehrlich gesagt, den<br />

Alltag ohne die regelmäßige Betreuung<br />

von <strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong> nicht vorstellen.“<br />

nicht Verwachsungen gibt, die ihm<br />

weh tun. Außerdem gibt es spezielle<br />

Physiotherapie im Kinderzentrum St.<br />

Martin, die ihn unterstützt. So werden<br />

wir auf alles aufmerksam und<br />

erhalten konkrete Vorschläge, was zu<br />

tun ist.<br />

Wie geht es Laurenz und Ihnen<br />

jetzt?<br />

Er ist ein ganz lieber Kerl, tapfer und<br />

einfühlsam. Er spürt, wenn es uns<br />

mal schlechter geht. Wahrscheinlich<br />

liegt das daran, dass er für sein Alter<br />

sehr viel durchgemacht hat. Man<br />

merkt schon, wie stark sein Lebens-<br />

Titelthema<br />

wille ist. Er ist so neugierig und saugt<br />

das Leben direkt in sich auf.<br />

Da ich einen sehr schweren Unfall hatte<br />

und tagtäglich große Schmerzen<br />

habe, ist es manchmal sehr schwer.<br />

Wir möchten im Moment nur Positives<br />

auf Laurenz übertragen. Er hat es<br />

ja verdient, unser kleiner Kämpfer!<br />

Auch seine Zwillingsschwester Charlotte<br />

vergessen wir nicht. Wir gehen<br />

regelmäßig bei ihrem Grab vorbei.<br />

Wir sind auf beide Kinder sehr stolz.<br />

Auch Charlotte hat sich mit einem<br />

starken Lebenswillen, ebenso wie ihr<br />

Bruder, ins Leben gekämpft, hat es<br />

aber wegen Darmproblemen nicht geschafft.<br />

Als Elternpaar muss man sein<br />

Kind dann auch gehen lassen können.<br />

Sie hat ihren Weg gewählt. Ich vermisse<br />

sie. Wenn ich das Lächeln meines<br />

Sohnes sehe, sehe ich sie darin und bin<br />

froh, dass ich sie kennen lernen durfte.<br />

Welche Erinnerungen haben Sie<br />

an die Zeit in der Klinik?<br />

Ich bin den Ärzten und Krankenschwestern<br />

unendlich dankbar dafür,<br />

dass sie sich unermüdlich für uns und<br />

die Kinder eingesetzt haben. Ohne<br />

sie und ihr Wissen wäre Laurenz heute<br />

nicht da. Die Betreuung war immer<br />

super. Auch als Charlotte gestorben<br />

ist, sind wir sehr würdevoll und<br />

respektvoll von den Ärzten und von<br />

einer ganz lieben Schwester Monika<br />

betreut worden. Die Atmosphäre war<br />

sehr familiär.<br />

Fortsetzung Seite 21<br />

5


Titelthema<br />

„Krisen“Gespräch:<br />

In der Krise bewähren sich Werte wie Nachhaltigkeit<br />

und Verantwortungsbewusstsein<br />

Ein Schuss vor den Bug – bringt ins Wanken – lässt einen erst einmal Halt suchen.<br />

Was passiert da? Ist es vorbei? Sind wir noch mitten drin? Die Verunsicherung, die<br />

die weltweit um sich greifende Wirtschaftskrise auslöst, ist nicht wirklich zu fassen.<br />

Da geschieht Größeres, von dem niemand weiß, wohin es führt. Erst einmal<br />

sich selbst sortieren, begreifen, wie groß der eigene Schaden ist. Dann langsam<br />

Umschau halten, vergleichen, das Gespräch, auch den Schulterschluss suchen, weil<br />

man erkennt, dass am Ende doch alles eng miteinander verknüpft ist.<br />

Wie wirkt sich diese wirtschaftliche Entwicklung auf die Arbeit bei der <strong>KJF</strong> aus?<br />

Auf ihre Zusammenarbeit mit der Wirtschaft? Ein Gespräch mit Martina Grießhammer,<br />

Pressesprecherin beim BMW Werk <strong>Regensburg</strong>, Michael Gammel,<br />

geschäftsführender Gesellschafter der Gammel Engineering GmbH Abensberg,<br />

die sich insbesondere auf die Konzeption, Planung und Betriebsoptimierung von<br />

Naturenergieanlagen spezialisiert hat, und Michael Eibl, Direktor der Katholischen<br />

Jugendfürsorge, zeigt auf, es tut gut, sich auszutauschen – über Werte wie<br />

Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Verantwortung, darüber, wie mit der Krise<br />

umgegangen wird und was vereint.<br />

Krise. Wie geht es Ihnen damit?<br />

M. Gammel: Ich persönlich sehe die<br />

große Krise weder in meinem familiären<br />

noch in meinem unternehmerischen<br />

Umfeld. Wir leben von der<br />

Nachhaltigkeit. Wir leben davon,<br />

langfristig mit unseren Kunden<br />

zusammenzuarbeiten, sie zu halten<br />

und von unserer Leistung zu begeistern.<br />

Wir haben eine grundsolide<br />

Basis von Stammkunden, u. a. auch<br />

die Katholische Jugendfürsorge.<br />

M. Grießhammer: Eine Krise kann<br />

man auch als Chance begreifen, das<br />

erleben wir bei BMW so. Ich kann<br />

mich auf das besinnen, was wirklich<br />

wichtig ist. Das gilt für einen persönlich, aber auch für ein<br />

Unternehmen. Eben wurde das Thema Nachhaltigkeit<br />

angesprochen: Es ist wichtig, dass man seine Zukunft<br />

nicht für kurzfristige Erfolge verkauft. So hat die BMW-<br />

Group nie gearbeitet. Ich finde es gut, dass die Diskussion<br />

um Umweltthemen in den Vordergrund rückt: Wir haben<br />

eine sehr umweltfreundliche Autopalette und ich denke,<br />

dass BMW gestärkt aus dieser Krise hervorgehen wird.<br />

M. Eibl: Wir beschäftigen uns ja ständig mit Krisen, deshalb<br />

gibt es uns. Wir helfen Menschen in Krisensituationen,<br />

pro Jahr etwa 25.000. Die aktuelle Krise macht mir<br />

6<br />

„Wir beschäftigen uns<br />

ja ständig mit Krisen,<br />

deshalb gibt es uns.“<br />

Michael Eibl<br />

Interview: Isolde Hilt<br />

Fotos: Christine Allgeyer<br />

Sorgen, weil ich an die Menschen denke, die wir in den<br />

nächsten Jahren zu versorgen haben und versorgen wollen.<br />

Allerdings sehe auch ich die Krise als Chance und bin<br />

zuversichtlich, dass wir gemeinsam – Vertreter der Wirtschaft,<br />

aus dem sozialen Bereich, der Politik und der<br />

Gesellschaft – gut aus dieser Krise kommen.<br />

In der öffentlichen Diskussion spielt sich die Krise insbesondere<br />

in der Wirtschaft ab. Wie aber steht es um den<br />

sozialen Bereich? Kommt der große Einbruch noch? Dieses<br />

Gespräch, so unser Anliegen, soll aufzeigen, dass


Wirtschaft und Soziales nicht zwei getrennte Welten sind.<br />

Gibt es ein „Gemeinsam“, wie kann das aussehen?<br />

Beginnen wir mit Ihrer Verbindung zur Katholischen<br />

Jugendfürsorge, BMW als Auftraggeber...<br />

M. Grießhammer: Soziale Einrichtungen sind in unserer<br />

Zuliefererkette dort ein wichtiger Partner, wo es die Rahmenbedingungen<br />

im Sinne von Wirtschaftlichkeit, Qualität<br />

und logistischen Gegebenheiten erlauben. Die Werkstätten<br />

der <strong>KJF</strong> fertigen zum Beispiel Verbandsboxen und<br />

Taschen für sämtliche BMW-Modelle, Schlauchleitungen<br />

für die BMW 5er-Varianten, Durchladeklappen für den<br />

X3, einen kleinen Geländewagen, Verpackungen für kleine<br />

Ersatzteile... Die <strong>KJF</strong> ist für uns ein guter, langjähriger<br />

Partner.<br />

Ihre Verbindung als Auftragnehmer...?<br />

M. Gammel: Unsere Verbindung basiert<br />

auf drei Schienen. Als Ingenieur-<br />

Dienstleister sind wir Auftragnehmer<br />

vieler Projekte; ein Team ist fast ausschließlich<br />

für die Liegenschaften der<br />

<strong>KJF</strong> tätig. Hier in der Geschäftsstelle<br />

haben wir zum Beispiel die Heizung<br />

von Öl auf Pelletfeuerung umgestellt<br />

und modernisieren zur Zeit die Bürogebäude.<br />

Im Berufsbildungswerk in<br />

Abensberg haben wir viele Neu- und<br />

Umbauten gemacht, eine Hackschnitzel-Feuerungsanlage<br />

installiert –<br />

mit großartigen Auswirkungen auf<br />

die Energiekosten und die Ökobilanz.<br />

Das Zweite, das uns sehr am Herzen<br />

liegt, ist der „Freundeskreis Cabrini-<br />

Haus Offenstetten“, der sich für das<br />

Cabrini-Haus, eine Behinderteneinrichtung der <strong>KJF</strong>, einsetzt.<br />

Wir stellen ein Budget zur Verfügung, helfen ideell,<br />

bringen Zeit und Engagement mit ein.<br />

Die dritte Schiene ist Sponsoring: Wir haben im Cabrini-<br />

Haus die Aktion „Ein Jahr Wärme kostenlos“ gestartet.<br />

Ein Heizmodul ist an die bestehende Heizungsanlage<br />

angedockt. Wir haben die Anlage, die mit Pellets befeuert<br />

wird, zur Verfügung gestellt und betreiben sie.<br />

Die Verbindung zur Wirtschaft aus Sicht der <strong>KJF</strong>?<br />

M. Eibl: Hier schließt sich das Netzwerk: Wir schaffen<br />

Arbeitsplätze für benachteiligte und behinderte Menschen,<br />

im Werkstattbereich sind das 1000. Wir brauchen<br />

gute Aufträge, die behinderte Menschen auch bearbeiten<br />

können. BMW ist einer unserer wichtigsten Auftraggeber<br />

und das ist ein Zeichen von Anerkennung. Behinderten<br />

Menschen ist es wichtig, ein gleichwertiger Partner zu sein,<br />

auch wenn sie wissen, sie sind nicht so leistungsfähig wie<br />

ein nicht behinderter Mensch. BMW muss von uns natürlich<br />

ein wirtschaftliches Angebot erhalten; wir befinden<br />

uns in einer Konkurrenzsituation, müssen den Auftrag<br />

bekommen, andererseits aber auch 100 Prozent Qualität<br />

bringen. Es gehört soziales Engagement dazu, trotzdem ist<br />

da zunächst die wirtschaftliche Ebene: Für behinderte<br />

Menschen, für ihre Würde ist es wichtig, in diese Produk-<br />

„Zu erleben, wie viele<br />

Menschen auch aus<br />

der Wirtschaft sich in ihrer<br />

Freizeit in gemeinnützigen<br />

und sozialen Organisationen<br />

betätigen, beeindruckt mich.“<br />

Martina Grießhammer<br />

Titelthema<br />

tionsprozesse eingebunden zu sein. Natürlich gibt es<br />

Höhen und Tiefen. Im Moment haben wir Tiefen, aber<br />

die stehen wir gemeinsam mit guten Zukunftschancen<br />

wieder durch.<br />

Die andere Seite ist, dass wir als Betreiber der Werkstätten<br />

Auftraggeber sind. Wir müssen diese Werkstätten immer<br />

wieder erweitern, aktuell in Mitterfels um 45 Plätze. Unser<br />

Engagement besteht darin, den Ausbau schnell zu finanzieren,<br />

um Aufträge vergeben zu können, aber auch, um wieder<br />

Aufträge zu bekommen. Jetzt sind wir wieder bei der<br />

„Krise als Chance“: Wir nutzen das aktuelle Konjunkturprogramm,<br />

haben so das Geld dazu und können die Erweiterung<br />

schnell umsetzen. So könnte man viele Beispiele<br />

nennen, wie eng alles vernetzt ist.<br />

Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf die Kooperation<br />

mit der <strong>KJF</strong> aus?<br />

M. Grießhammer: Wir bauen nur so viele Fahrzeuge, wie<br />

wir auch verkaufen können. Wenn wir weniger Fahrzeuge<br />

bauen, können wir weniger Aufträge an Zulieferer vergeben.<br />

Wir arbeiten jedoch mit sozialen Einrichtungen wie der<br />

Katholischen Jugendfürsorge nicht nur im Zuliefer-Verhältnis:<br />

BMW engagiert sich auch in der Gesellschaft und<br />

im sozialen Bereich. Dieses Engagement haben wir nicht<br />

zurückgefahren. Es gab Diskussionen, wir haben uns aber<br />

bewusst dafür entschieden, weder beim Spendenbudget<br />

noch beim Sponsoring für soziale Belange etwas abzuknapsen.<br />

Gerade in einer Krisensituation ist es wichtig,<br />

diesen Sektor nicht zu vernachlässigen. Diesen Menschen<br />

ging es vorher schon nicht gut und wenn es ihnen jetzt<br />

noch schlechter ginge, weil Wirtschaft, Staat oder wer<br />

auch immer die Leistungen zurückfährt, schieben wir vor<br />

uns etwas her, das wir anschließend nicht mehr wettmachen<br />

können. Wir sind und wollen ein Partner in der<br />

Gesellschaft sein, der soziale Verantwortung trägt.<br />

Bei Ihnen hält sich die Krise in Grenzen. Nichts Auffälliges<br />

also in der Kooperation mit der <strong>KJF</strong>?<br />

M. Gammel: Ich gehe davon aus, dass unser Bereich Zukunft<br />

hat. Wenn es um dezentrale Energiesysteme und<br />

7


Titelthema<br />

energiesparende Gebäudetechnik geht, können wir sehr<br />

viele Projekte mit regenerativen Energien realisieren - mit<br />

Holz, Biomasse, Sonne, Geothermie, Nahwärme- und<br />

Fernwärmesysteme. Dieses Thema ist brandaktuell, auch<br />

deshalb, weil hier ein Teil des Budgets vom aktuellen Konjukturprogramm<br />

einfließt. Diese Projekte sind weniger<br />

konjukturabhängig. Wir haben uns da einen Vorsprung<br />

über 20 Jahre erarbeitet...<br />

... der sich jetzt bezahlt macht. Ein Unternehmen, das gut<br />

aufgestellt ist, sich sozial engagiert, nimmt auf dem<br />

Markt auch noch einmal eine andere Position ein, oder?<br />

M. Gammel: Es ist auch eine Frage des internen wie externen<br />

Umgangs miteinander. Ein Chef gibt diese Grundhaltung<br />

im Unternehmen vor, er prägt es. Und so sammeln<br />

sich Leute um die Führungsmannschaft, die ähnlich denken.<br />

Wenn man intern gut miteinander umgeht, verhält<br />

man sich auch draußen so - mit Projekten und mit Kunden.<br />

M. Grießhammer: Wir haben bei BMW eine Strategie,<br />

die nennt sich nachhaltiges Wirtschaften und steht auf<br />

mehreren Säulen. Da ist zum einen die „soziale Verantwortung“:<br />

Wir tun viel dafür, dass sich unsere Mitarbeiter bei<br />

uns gut aufgehoben fühlen, dass ältere Mitarbeiter an<br />

Arbeitsplätzen sind, an denen sie gut arbeiten können. Wir<br />

tragen aber auch gegenüber der Gesellschaft Verantwortung.<br />

Nachhaltiges Wirtschaften heißt, ich muss Werte im<br />

Unternehmen steigern, es geht um den langfristigen und<br />

nicht kurzfristigen Erfolg. Es heißt<br />

auch „ökologische Verantwortung“:<br />

Dass das funktioniert, sieht man daran,<br />

dass BMW seit Jahren in diesen<br />

so genannten Nachhaltigkeit-Indizies<br />

immer auf dem ersten Platz ist. Wir<br />

sind ein Unternehmen, das darüber<br />

nachdenkt, was mit der nächsten und<br />

übernächsten Generation sein wird.<br />

M. Eibl: Das Thema „Nachhaltigkeit“<br />

kann eine große Gemeinsamkeit<br />

sein. Wir erreichen viele junge<br />

Menschen und ihre Familien; da ist es<br />

wichtig, nachhaltig zu arbeiten. Wir<br />

wollen keine Abhängigkeiten auf<br />

ewig schaffen; Nachhaltigkeit heißt<br />

in unserer Arbeit zum Beispiel, der<br />

einzelne Mensch ist ausbildungsfähig,<br />

er schafft eine Ausbildung und<br />

dann auch den Sprung auf den ersten<br />

Arbeitsmarkt oder in eine Werkstätte.<br />

Diese Menschen sind auf unsere Hilfe<br />

angewiesen, dass sie einmal selbstständig<br />

in ihrem Job sein können.<br />

Arbeitsfähig zu sein, selber einen Job<br />

zu finden und selbstständig zu werden,<br />

ist eines unserer beiden Grundziele.<br />

Das zweite ist Beziehungsfähigkeit,<br />

dass sie eine Partnerschaft eingehen<br />

können. Das ist aus unserer Sicht<br />

„Nachhaltigkeit“.<br />

8<br />

Nimmt die Wirtschaft wahr, was im sozialen, im Bildungsund<br />

im Gesundheitsbereich geleistet wird? Wie steht es<br />

um die Wertschätzung?<br />

M. Gammel: Als Unternehmen hat man vielfältige Aufgaben<br />

und kann nur einen Bruchteil des Tages dafür aufbringen,<br />

sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Soziale Einrichtungen<br />

sind für mich eine hervorragende Plattform,<br />

um hocheffizient und effektiv Menschen, die Hilfe brauchen<br />

zu unterstützen. Ich sehe diese Einrichtungen als<br />

unbedingt notwenig an, weil ein Unternehmen oder ein<br />

Privater damit stark überfordert und die Effektivität auch<br />

nicht so groß wäre.<br />

M. Grießhammer: Ich bin seit eineinhalb Jahren hier in der<br />

Region. Zu erleben, wie viele Menschen auch aus der<br />

Wirtschaft sich in ihrer Freizeit in gemeinnützigen und<br />

sozialen Organisationen und Einrichtungen betätigen,<br />

beeindruckt mich. Damit hatte ich bisher nicht so viele<br />

Berührungspunkte. Ich finde es gut, dass sich Unternehmen<br />

punktuell wie auch für nachhaltige Projekte Zeit nehmen.<br />

Das hat ja nicht immer nur mit Geld zu tun, sondern<br />

auch mit persönlichem Einsatz. Solche Einrichtungen sind<br />

eine wichtige Stütze in einem Umfeld, wo nicht nur Wirtschaftlichkeit<br />

im Vordergrund steht, sondern der Mensch<br />

als Individuum, der ein Bestandteil der Gesellschaft sein<br />

und möglichst gleichberechtigt behandelt werden möchte.<br />

Herr Eibl, Sie kennen die Wirtschaft gut. Hat sich in den<br />

letzten Jahren etwas zum Positiven hin verändert?


M. Eibl: Ja, das Bewusstsein für Werte ist gestiegen. Vor<br />

zehn Jahren ging es langsam los mit Themen wie Unternehmens-Ethik.<br />

Wenn sich jemand jedoch persönlich für<br />

die soziale Arbeit interessiert, nimmt er noch einmal<br />

anders wahr, was da passiert. Zum Beispiel bei den Projekten<br />

„Seitenwechsel“ oder „Aktion Rollentausch“, wo<br />

Manager und Politiker in eine soziale Einrichtung gehen.<br />

Wir haben viele Partner in der freien Wirtschaft, die das<br />

vorbildlich machen, es gibt aber auch viele, die dem sozialen<br />

Bereich gegenüber Vorbehalte haben. Oft höre ich<br />

Argumente von Politikern, die sagen: „Was wir erwirtschaftet<br />

haben, geben wir dann in den sozialen Bereich<br />

rein...“ Sie müssten aber wissen, dass fast alles, was wir<br />

erbringen, gesetzliche Leistungen sind, die als solche gar<br />

nicht zur Diskussion stehen.<br />

Es gibt ein Weiterdenken in vielen<br />

Unternehmen, die sagen, der soziale<br />

Bereich ist Teil dieses Netzwerkes, das<br />

uns hilft. Am Beispiel der Erziehungsberatungsstellen,<br />

die Familien unmittelbar<br />

unterstützen zu Fragen wie<br />

Schulprobleme, Einnässen und so<br />

weiter ist das leichter sichtbar.<br />

Arbeitskräfte in der Wirtschaft haben<br />

ja auch Familie und brauchen hier<br />

und da Hilfe.<br />

Es gibt noch viele Beispiele wie eine<br />

Bildungspolitik, die individuell auf<br />

Menschen, ihr Potenzial eingeht. Mit<br />

den Förderschulen sind wir da vorbildlich.<br />

Die Sensibilität für den sozialen<br />

Bereich ist gewachsen, nicht nur<br />

aus einer sozialen Haltung, sondern<br />

aus einem Bedürfnis heraus. Wir brauchen den sozialen<br />

Bereich, wir brauchen Bildung, um auch in Zukunft<br />

erfolgreich zu sein.<br />

Im übrigen werden wir aufgrund der demografischen Entwicklung<br />

immer weniger Menschen im arbeitsfähigen<br />

Alter haben. Umso notwendiger ist es, wirklich jeden jungen<br />

Menschen in den Arbeitsprozess zu bringen.<br />

Kann diese Krise ein zusätzlicher Impuls sein, verstärkt<br />

über Werte, die unser Leben lebenswert machen, nachzudenken?<br />

M. Grießhammer: Diese Krise hat in der Gesellschaft die<br />

Diskussion darüber angestoßen. Die Öffentlichkeit beschäftigt<br />

sich mit Werten, besinnt sich auf Werte – viel<br />

mehr als noch vor ein oder zwei Jahren. Das meine ich mit<br />

„Krise als Chance“.<br />

Wenn ich von unserem Unternehmen spreche, würde ich<br />

nicht sagen, dass sich da ein großer Wandel vollziehen<br />

muss. BMW hat schon immer sehr verantwortungsvoll<br />

gehandelt. Nach der ersten Schockwelle ist jetzt eine Phase<br />

eingetreten, in der man sich damit arrangiert. Die Mitarbeiter<br />

sehen, dass das Unternehmen sich um sie kümmert:<br />

Kurzarbeit ist beispielsweise ein Instrument, um<br />

Beschäftigung zu sichern. Die Mitarbeiter sehen an solchen<br />

Beispielen schon, dass sie bei einem Arbeitgeber<br />

arbeiten, der langfristig denkt und handelt.<br />

Titelthema<br />

Entdeckt man sich als Mensch wieder mehr?<br />

M. Grießhammer: Ja. In meinem privaten als auch in meinem<br />

beruflichen Umfeld rücken die Menschen wieder<br />

näher zusammen und Werte wie Teamleistung, sich gegenseitig<br />

helfen treten stärker in den Vordergrund.<br />

M. Eibl: Ja, ich denke schon. Man setzt sich wieder mehr mit<br />

der eigenen Person, den eigenen Bedürfnissen, was wirklich<br />

wichtig ist im Leben, auseinander. Da sehe ich auch keinen<br />

großen Unterschied zwischen wirtschaftlichem und sozialem<br />

Bereich oder anderen gesellschaftlichen<br />

Gruppen. Es war für die gesamte<br />

Gesellschaft ein Schuss vor den Bug.<br />

Es waren ja nicht nur Banker, die<br />

Scheinprodukte verkauft, sondern<br />

„Soziale Einrichtungen<br />

sind für mich eine<br />

hervorragende Plattform,<br />

um hocheffizient und effektiv<br />

Menschen, die Hilfe brauchen<br />

zu unterstützen.“<br />

Michael Gammel<br />

auch Menschen da, die sie gerne gekauft haben. Die 20, 25<br />

Prozent Rendite haben wollten. Das verleitet schon. Die<br />

Katholische Jugendfürsorge hat grundsolide gewirtschaftet<br />

und das stärkt uns jetzt. Wir sehen Geld als einen bestimmten<br />

Wert, mit dem man nicht uferlos spekuliert. Wir tragen<br />

ja auch Verantwortung. Geld ist wichtig, es hat aber immer<br />

eine Beziehung zu den Menschen. Wir müssen mit dem<br />

Geld, das uns anvertraut wird, verantwortungsvoll umgehen.<br />

Das sollte für die gesamte Gesellschaft gelten - verantwortungsvoll<br />

mit Geld umgehen, damit es den Menschen dient.<br />

M. Gammel: Ich behaupte, je enger es wird, umso mehr<br />

kristallisieren sich wahre Freunde heraus. Da sieht man<br />

dann, wer wirklich zu einem in schwierigen Zeiten steht<br />

und wo die Oberflächlichkeit aufhört.<br />

Für Unternehmen sehe ich das so: Ein Betrieb, der in der<br />

Krise einen Wertewandel mitmacht, hat keine äußere, sondern<br />

eine innere Krise. Das ist ein ganz anderes Problem.<br />

Ein Unternehmen muss – unabhängig von der wirtschaftlichen<br />

Situation – eine Wertebasis haben, die Bestand hat.<br />

Wirtschaft und Soziales – das Wichtigste, das Ihnen zu<br />

dieser Verbindung einfällt?<br />

M. Eibl: Vertrauen.<br />

M. Grießhammer: Kooperation.<br />

M. Gammel: Passt bei der richtigen Unternehmenskultur<br />

immer zusammen und bringt Vorteile für alle Seiten.<br />

9


Titelthema<br />

Noch genug Arbeit und Aufträge da?<br />

Ein Blick in die Arbeitswelt von behinderten<br />

und benachteiligten Menschen bei der <strong>KJF</strong><br />

Dauer und Ausmaß der Wirtschafts- und Finanzkrise sind nicht absehbar.<br />

Bund, Länder und Gemeinden haben eine extreme Budgetbelastung zu<br />

bewältigen; Auswirkungen auf den Sozialbereich sind zu erwarten. Sozia-<br />

le Einrichtungen und Dienste, die direkt mit der Wirtschaft verwoben<br />

sind, spüren die Krise bereits. Wir haben in den Werkstätten der <strong>KJF</strong>, der<br />

Integrationsfirma labora gGmbH, im Haus des Guten Hirten und beim<br />

Integrationsfachdienst Oberpfalz nachgefragt.<br />

Hans Horn, Gesamtleiter des Werkstättenverbunds Straubing • Eggenfelden •<br />

Mitterfels und künftig Geschäftsführer der <strong>KJF</strong> Werkstätten gemeinnützige<br />

GmbH, berichtet: „Die zum Teil dramatischen Einbrüche in der Automobilindustrie<br />

wirken sich zwangsläufig auf unsere Werkstätten, auf einige unserer Montage-<br />

und Metallabteilungen aus.“ Die Auftragsrückgänge reduzierten das Arbeitsangebot<br />

für die behinderten Menschen und verringerten die Erlöse aus<br />

Produktion und Dienstleistung. Der Werkstättenverbund profitiert jedoch von<br />

einem breiten Angebot in unterschiedlichen Arbeitsfeldern, welches die<br />

Abwärtsentwicklung in der Automobilindustrie und im Maschinenbau dämpft.<br />

Außerdem setzt Hans Horn mit seinen MitarbeiterInnen alles daran, Ersatz für<br />

die rückläufigen Aufträge zu finden. Das hört sich<br />

gut an - besser als die Nachrichten über einige bayerische<br />

Werkstätten, die in den letzten Monaten<br />

zum Teil drastische Lohnkürzungen angekündigt<br />

oder bereits umgesetzt haben. „Dies ist für mich<br />

das letzte aller möglichen Mittel“, stellt Horn heraus.<br />

Wichtig sei jedoch, zur rechten Zeit Weichen<br />

zu stellen, um die wirtschaftliche Stabilität der<br />

Werkstätten zu erhalten.<br />

Hans Horn bleibt optimistisch: „Die Werkstätten<br />

der <strong>KJF</strong> haben seit ihrem Bestehen sehr gut gearbeitet<br />

und verantwortungsbewusst gewirtschaftet.<br />

Dadurch stehen sie auf einem gesunden wirtschaftlichen<br />

Fundament. Wir können auch unter schwierigen<br />

Rahmenbedingungen mit Ruhe und Überlegung<br />

agieren. Das heißt nicht zuletzt, dass die<br />

Werkstätten der <strong>KJF</strong> auch 2009 bei der Höhe des<br />

ausbezahlten Lohnes bayernweit mit an der Spitze<br />

liegen werden.“ In den Werkstätten der <strong>KJF</strong> arbeiten<br />

983 Menschen mit Behinderung und mehr als<br />

300 MitarbeiterInnen.<br />

10<br />

Text: Christine Allgeyer<br />

Fotos: Uwe Moosburger,<br />

Juliane Zitzlsperger<br />

Auch labora <strong>Regensburg</strong> gemeinnützige GmbH ist Auftragnehmer<br />

von Unternehmen der freien Wirtschaft. Die Integrationsfirma<br />

beschäftigt 35 MitarbeiterInnen in den Bereichen<br />

Maschinenbau, Metallbau, Elektromontage, Maler, Facility-<br />

Management und Großküche/Catering an mehreren Standorten<br />

in <strong>Regensburg</strong>. 17 der Beschäftigten haben eine anerkannte<br />

Schwerbehinderung. Bereits im Herbst zeichneten sich Probleme<br />

im Metallbereich ab. Nachdem die Unternehmen wegen personeller<br />

Überkapazitäten Aufträge ihrer Zulieferer übernahmen,<br />

kam es zu einem Rückgang des Auftragvolumens. Davon ist<br />

auch labora betroffen. „Außerdem sind die Preise in diesem<br />

Segment absolut im Keller“, stellt Geschäftsführer Hubert<br />

Schmalhofer fest. „Wir hoffen natürlich, dass die Wirtschaft in<br />

absehbarer Zeit wieder anspringt. Der Konkurrenzkampf der<br />

Betriebe wird immer härter und trifft auch uns.“<br />

Vor diesem Hintergrund hat Hubert Schmalhofer Maßnahmen<br />

entwickelt, um die Arbeitsplätze seiner MitarbeiterInnen<br />

weiterhin zu sichern. „Wir stellen auf eine breite Tätigkeitspalette<br />

um, verkleinern insbesondere den industriellen Zulieferbereich<br />

und erweitern den Dienstleistungsbereich.“ Außerdem<br />

wolle er verstärkt im Kundensegment ,öffentliche und kirchliche<br />

Träger‘ arbeiten.


Im Haus des Guten Hirten, einem Zentrum für berufliche Förderung und Ausbildung,<br />

blickt Gesamtleiter Otto Storbeck mit Sorge auf die Entwicklungen<br />

des Arbeitsmarkts. Das Ausbildungsjahr 2008/2009 begann er mit 186 Auszubildenden,<br />

62 TeilnehmerInnen in Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen<br />

(BvB) und weiteren 49 im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). Für diese benachteiligten<br />

jungen Menschen wollen die Fachkräfte berufliche Perspektiven eröffnen.<br />

Aufgrund der Krise habe sich das Einstellungsverhalten der Betriebe verändert.<br />

„Junge Menschen geraten unverschuldet in Arbeitslosigkeit.“ Für die<br />

Einrichtung könne dies eine geringere Eingliederungsquote bedeuten. „Dem<br />

wollen wir entgegenwirken und mit wesentlich höherem Personaleinsatz versuchen,<br />

genügend Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu akquirieren“, erklärt<br />

Storbeck. Weiter sei die Tendenz zu<br />

beobachten, dass die jungen Leute<br />

verstärkt versuchten, einen Arbeitsplatz<br />

zu finden, bevor sie noch eine<br />

berufsvorbereitende Maßnahme ergreifen.<br />

Die Anmeldungen in diesem<br />

Bereich seien momentan gegenüber<br />

dem Vorjahr rückläufig. „Speziell benachteiligte<br />

Jugendliche leiden unter<br />

den Auswirkungen der Wirtschaftskrise,<br />

denn es ist noch schwieriger geworden,<br />

sie beruflich zu integrieren.“<br />

Wie sich die vorhergesagten Steuerausfälle<br />

auf die Finanzierung der<br />

Werkstattleistungen durch die Kostenträger<br />

(Bezirk, Agentur für Arbeit)<br />

auswirken werden, weiß heute noch<br />

keiner. „Über das Umlagesystem werden<br />

sie mit ein- bis zweijähriger Verzögerung<br />

bei unseren wichtigsten<br />

Partnern, den bayerischen Bezirken,<br />

ankommen“, meint Hans Horn. Man<br />

müsse kein Prophet sein, um vorhersagen<br />

zu können, dass spätestens dann<br />

mit schwierigen und harten Neuver-<br />

Titelthema<br />

„Ja, auch wir spüren die Krise“, bestätigt Manina Sobe, Leiterin des Integrationsfachdienstes<br />

Oberpfalz. Dies zeigten die Vermittlungszahlen. Bereits<br />

geplante Praktika mit einer eventuellen späteren Übernahme sagten Arbeitgeber<br />

oder Personalverantwortliche kurzfristig zum Ende des Jahres ab. „Es<br />

ist schwieriger, Menschen mit Handicaps, geringer oder keiner Qualifikation<br />

in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren. Oft heißt es: Stellenabbau<br />

oder ungewisse Zukunft.“ Dies treffe besonders für den ländlichen Bereich,<br />

für Schwandorf, Weiden und Umland zu.<br />

Flexibilisierung und der steigende Kosten- und Zeitdruck erschwere die Integration<br />

gering qualifizierter oder minderbegabter Personen ins Berufsleben.<br />

Komplexe vermittlungshemmende Merkmale tun ein Übriges. Auch in der<br />

Berufsbegleitung berichten die KollegInnen von Angst und Anspannung,<br />

insbesondere bei den schwerbehinderten Beschäftigten. Ratsuchende hoffen,<br />

dass die Fachberater helfen. Der ifd steht vor großen Herausforderungen;<br />

Manina Sobe kritisiert die öffentliche Ausschreibungspraxis: „Der Preis<br />

ist das entscheidende Kriterium, nicht die Qualität der Leistung.“ Die Krise<br />

wirke sich in zweifacher Hinsicht aus: steigende Anforderungen in Bezug auf<br />

die Quantität und Komplexität der Fälle bei gleichzeitig auftretenden Finanzierungsproblemen<br />

des Dienstes selbst.<br />

Derzeit arbeiten im ifd Oberpfalz 16 IntegrationsberaterInnen. Die Vermittlungszahlen<br />

sind rückläufig gegenüber dem Vorjahr. Auftraggeber sind die<br />

Arbeitsagenturen Weiden, <strong>Regensburg</strong> und Schwandorf, Argen der Oberpfalz,<br />

Deutsche Rentenversicherung, Knappschaft. In der Berufsbegleitung<br />

werden 71 Klienten betreut, 103 qualifizierte Beratungsfälle waren es bisher<br />

in 2009. Auftraggeber ist hier das Integrationsamt. Für die Zukunft wünscht<br />

sich Manina Sobe eine Entschleunigung der Arbeit: „Wir müssen auch den<br />

Schwächeren eine Chance geben, ihren Beitrag im Berufsleben einbringen<br />

zu dürfen.“ Die Zielgruppe habe komplexe Vermittlungshemmnisse, sei mit<br />

entsprechend professioneller Begleitung durchaus vermittelbar. „Die hat<br />

aber ihren Preis“, so Sobe weiter.<br />

handlungen zu rechnen ist. Eine weitere<br />

Folge der Konjunkturschwäche<br />

wird das Absinken der Ausgleichsabgabe<br />

sein, ist sich Kollege Schmalhofer<br />

sicher. Ob sich dies auf die Förderung<br />

der Integrationsfirmen auswirkt?<br />

Schmalhofer sieht die Fördermittel<br />

derzeit noch gesichert.<br />

Hubert Schmalhofer und seine KollegInnen<br />

bleiben angesichts der Krise<br />

realistisch und arbeiten an Konzepten,<br />

um auch in Zukunft verlässliche<br />

„Diese Krise wurde nicht<br />

von benachteiligten<br />

und behinderten Menschen<br />

geschaffen, darum sollten diese<br />

auch nicht dafür bezahlen.“<br />

Arbeitgeber zu sein. Eine Herausforderung,<br />

der sie nicht alleine begegnen<br />

müssen, wie Schmalhofer herausstellt:<br />

„Die Finanz- und Wirtschaftskrise<br />

fordert unsere Politik zurzeit sehr. Ich<br />

hoffe, dass die öffentlichen Mittel<br />

sinnvoll eingesetzt werden, damit der<br />

soziale Bereich nicht zu großen Schaden<br />

erleiden muss. Diese Krise wurde<br />

nicht von benachteiligten und behinderten<br />

Menschen geschaffen, darum<br />

sollten diese auch nicht dafür bezahlen.“<br />

11


Standpunkt<br />

Ein Plädoyer für das Wiederbeleben von Werten:<br />

Gier und schneller Profit<br />

führen uns nicht aus der Krise.<br />

„Wer die Welt nur ökonomisch erklärt,<br />

wird eine nachfolgende Generation<br />

bekommen, die von allem den<br />

Preis, aber von nichts den Wert<br />

kennt.“<br />

Diese „Prophezeihung“ des ehemaligen<br />

Bundespräsidenten Johannes Rau<br />

ist bei weitem nicht so bekannt<br />

geworden wie Auszüge der „Ruck-<br />

Rede“ seines Vorgängers Roman Herzog.<br />

In der Situation aber, in der sich<br />

unsere Gesellschaft, ja, beinahe die<br />

ganze Welt befindet, trifft sie einen<br />

zentralen Nerv.<br />

Die ersten Orkanböen der Wirtschaftskrise<br />

haben wir hinter uns gebracht.<br />

Christlich humanistische Werte, die<br />

kurzzeitig Hochkonjunktur hatten,<br />

werden nach dem vermeintlichen Erkennen<br />

der Ursachen der Krise und<br />

Beheben der „Sturmschäden“ schon<br />

wieder an den Rand gedrängt. Rettungsaktionen<br />

für große Unterneh-<br />

„<br />

men konzentrieren sich auf den Preis,<br />

den man bereit ist zu zahlen. In langwierigen<br />

öffentlichen Diskussionen<br />

um das Für und Wider von Bürgschaften<br />

und Darlehen werden Unternehmen<br />

weiter demontiert, andere<br />

kleine Betriebe außer Acht gelassen.<br />

Wer fragt nach den Schicksalen<br />

betroffener Menschen und ihrer<br />

Familien, die doch das „Wertvollste<br />

in einem Unternehmen sind“, wie in<br />

ansprechend gedruckten Firmenleitbildern<br />

zu lesen steht? Schon setzen<br />

sich wieder die Stimmen durch, die<br />

12<br />

betonen, nur der Markt könne alles<br />

regeln und der Preis bestimme nun<br />

einmal das Geschäft.<br />

Sozialen Einrichtungen kommt das<br />

sehr vertraut vor, haben doch viele,<br />

die über soziale Dienstleistungen<br />

diskutieren, nur den Preis, den diese<br />

kosten, im Blick. Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter in sozialen Einrich-<br />

Unsere Kinder und Jugendlichen haben eine<br />

hohe Sensibilität dafür, ob wir sie ,wert-voll‘<br />

erziehen oder effizient designen.<br />

„<br />

tungen kennen das Gefühl, wenn ihre<br />

Leistungen und Werte nur noch als<br />

„Produkte“ bezeichnet und deren<br />

ökonomischer Wert gemessen wird,<br />

um sie zu „bepreisen“, wie es gelegentlich<br />

schon heißt. Sie können<br />

Kollegen in Wirtschaftsunternehmen<br />

gut nachfühlen, die beste Qualität<br />

erbringen und nun einfach „zu teuer<br />

und unrentabel“ sein sollen.<br />

Wie denken „Wirtschaftsexperten“<br />

eigentlich über soziale Ausbildungsbetriebe,<br />

Werkstätten für behinderte<br />

Menschen oder Integrationsfirmen,<br />

die ihre Gewinne nie ausschütten,<br />

Text: Michael Eibl<br />

Foto: Uwe Moosburger<br />

sondern immer wieder in Arbeitsplätze<br />

investieren? Verstehen sie den Gedanken,<br />

dass Arbeit ein wichtiger<br />

Bestandteil eines sinnerfüllten Lebens<br />

für alle Menschen ist?<br />

Sicher werden wir vieles verändern<br />

und weiterentwickeln müssen, um die<br />

aktuelle Krise zu bewältigen. Gelingen<br />

kann dies nur, wenn in einer Gesellschaft<br />

Menschen und die Grundwerte<br />

menschlichen Zusammenseins<br />

im Mittelpunkt stehen – nicht die<br />

Gier und der schnelle wirtschaftliche<br />

Erfolg. Die nachfolgende Generation,<br />

unsere Kinder und Jugendlichen<br />

haben eine hohe Sensibilität<br />

dafür, ob wir sie „wert-voll“ erziehen<br />

oder effizient designen. Sie geben uns<br />

darüber auch ehrliche Rückmeldungen:<br />

Gewinnen wir die Jugend für das<br />

Leben, ist es eine wahre Freude! Versagen<br />

wir Erwachsene, ernten wir bei<br />

jungen Menschen Hilferufe in unterschiedlicher<br />

Ausdrucksform, Verhaltensprobleme,<br />

das Gefühl von Perspektivlosigkeit.<br />

Lernen wir, hinzuhören<br />

und die Signale der Kinder<br />

und Jugendlichen zu verstehen.<br />

Wenn wir ihnen auch in Krisensituationen<br />

Werte vorleben, werden sie sie<br />

verinnerlichen und ihr Handeln davon<br />

leiten lassen.


Zuverlässiger Partner in<br />

der Ausbildung benachteiligter junger<br />

Menschen<br />

Am bundesweiten Josefstag 2009 beteiligte sich die Lernwerkstatt<br />

<strong>Regensburg</strong> mit einem Tag der offenen Tür. Sie zeigte<br />

einer breiten Öffentlichkeit, wie engagiert sich die MitarbeiterInnen<br />

für die ihnen anvertrauten jungen Menschen einsetzen, um<br />

ihnen einen guten Start ins Berufsleben und ihren persönlichen<br />

Lebensweg zu eröffnen. Das Erfolgsrezept der Lernwerkstatt: Ein<br />

professionelles Team aus pädagogisch-psychologischen<br />

Fachkräften und MeisterInnen<br />

aus Handwerk und Dienstleistung,<br />

jahrelange Berufserfahrung,<br />

Vielfalt und Qualität der<br />

Ausbildungsangebote.<br />

Auszeichnung als<br />

„Best practice Modell“<br />

Was für eine Auszeichnung zum 25-jährigen Jubiläum der Heilpädagogischen<br />

Tagesgruppen des Kinderzentrums St. Vincent<br />

in <strong>Regensburg</strong>: Wirkungsforscher Prof. Dr. Michael Macsenaere,<br />

Leiter des Instituts für Kinder- und Jugendhilfe in Mainz,<br />

bescheinigte St. Vincent höchste Effektivität gegenüber dem<br />

Bundesdurchschnitt und auch dem bereits darüber liegenden<br />

bayerischen Durchschnitt. Das Ergebnis ist erstaunlich, denn die<br />

Ausgangslage der Jugendlichen ist bei der Aufnahme in St. Vincent<br />

am schwierigsten<br />

und es werden trotzdem<br />

die größten Erfolge<br />

erzielt. Bayernweit<br />

seien die HPT ein Beispiel<br />

für gelingende<br />

Jugendhilfe, so Macsenaere.<br />

„St. Vincent ist<br />

ein best practice Modell<br />

für die Jugendhilfe.“<br />

NEUES<br />

aus den<br />

Einrichtungen<br />

Schule – und was<br />

dann?<br />

Der Berufsorientierungstag am Pater-<br />

Rupert-Mayer-Zentrum entließ die<br />

SchülerInnen mit dem sicheren<br />

Gefühl: „Vieles ist möglich! Weiterführende<br />

Schulen und Nachfolgeeinrichtungen<br />

informierten über ihr<br />

Angebot, insbesondere auch hinsichtlich<br />

der erforderlichen Rahmenbedingungen<br />

für SchülerInnen mit einer<br />

Körperbehinderung, Einschränkungen<br />

in der Motorik, einem Anfallsleiden<br />

oder einer schweren Erkrankung. Vertreten<br />

waren das B.B.W. St. Franziskus<br />

aus Abensberg und die Lernwerkstatt<br />

der <strong>KJF</strong>, die Bayerische Landesschule<br />

für Körperbehinderte, das<br />

BBW Wichernhaus Rummelsberg, das<br />

Berufsbildungswerk für Körperbehinderte<br />

im ICP München, die Agentur<br />

für Arbeit und der Integrationsfachdienst<br />

Oberpfalz.<br />

Fortsetzung Seite 31<br />

13


Aktuell<br />

„Andere zu führen vermag nur der, der sich selbst gut führt.“<br />

Eine Geburtstags-Benefizveranstaltung<br />

zu Gunsten der Integrationsfirma<br />

labora <strong>Regensburg</strong><br />

Der <strong>Regensburg</strong>er Kulturspeicher war bis auf den letzten<br />

Platz ausverkauft. Mehr als 450 Interessenten waren<br />

gekommen, um das hochkarätige Doppel Pater Anselm<br />

Grün OSB und Dr. Friedrich Assländer einmal persönlich zu<br />

erleben. Die Erwartungen der anwesenden Gäste waren<br />

groß. Oft hat man die Gelegenheit nicht, zwei erfolgreiche<br />

Unternehmensberater, die Menschen in Führungsaufgaben<br />

seit vielen Jahren auf unterschiedliche Weise begleiten, auf<br />

einmal zu erleben.<br />

14<br />

Text: Carl Prämaßing<br />

Fotos: Uwe Moosburger<br />

Nach einführenden Worten von Thomas<br />

von Seckendorff, Moderator an<br />

diesem Abend und Programmleiter<br />

des Funkhauses Landshut, führten<br />

Dr. Friedrich Assländer und Pater<br />

Anselm Grün OSB ihre Ansätze zu<br />

einer Menschenführung auf spiritueller<br />

Grundlage aus. Publikumsfragen<br />

an die beiden Podiumsteilnehmer<br />

rundeten eine gelungene Veranstaltung<br />

ab. Der Abend setzte sich in<br />

zahlreichen, angeregten Gesprächen<br />

im Foyer des Kulturspeichers fort.<br />

Wir haben nachgefragt:<br />

„Was nehmen Sie sich mit – nach<br />

Hause, mit in Ihre Arbeitswelt?“


„Das sind auf jeden Fall die drei A’s<br />

– anschauen, ansprechen, atmen.<br />

Was noch interessant war, war der<br />

Vergleich von der Natur zu – wie<br />

soll man sagen – zu den Betriebssystemen.<br />

Zu schauen: Was braucht<br />

der andere? Was kann ich ihm geben,<br />

dass das Ganze besser läuft?“<br />

Die drei A’s von Dr. Friedrich Assländer<br />

hatten es vielen Besucherinnen<br />

und Besuchern angetan: Anschauen –<br />

sein Gegenüber bewusst in den Blick<br />

nehmen, ihm An-Sehen geben.<br />

Ansprechen – den Menschen bei seinem<br />

Namen nennen, ihn als Person<br />

wahrnehmen. Atmen – in den eigenen<br />

Atempausen dem Gegenüber die<br />

Gelegenheit zum Nach-Denken<br />

geben.<br />

Wer an diesem Abend „A“ sagte, sagte<br />

auch „D“:<br />

„Neben den drei A’s nehme ich mir<br />

die 3 D’s mit. Die habe ich mir gut<br />

gemerkt und werde sie mir in<br />

nächster Zukunft einmal vornehmen:<br />

Demut, Disziplin und Dankbarkeit.“<br />

Für die Besucherin war es dann auch<br />

leicht, die drei Schlagworte mit Leben<br />

zu füllen:<br />

„Demut, das ist der Mut zu dienen.<br />

Ich verliere nicht an Ansehen bei<br />

meinen Kollegen, die ich führen<br />

soll, wenn ich selbst mit anpacke.<br />

Disziplin ist da sehr wichtig, Disziplin<br />

mit mir selbst. Dankbarkeit<br />

spielt auch eine große Rolle. Danke<br />

sagen, dem anderen dankbar<br />

sein ... und da gibt es so Vieles,<br />

wofür man dankbar sein kann.“<br />

Viele Gäste des Abends, größtenteils<br />

selbst in Führungsverantwortung,<br />

fanden nicht nur neue Anregungen,<br />

sondern auch Bestätigung ihrer bisherigen<br />

Arbeit:<br />

„Was wir heute über Demut und<br />

Dienen gehört haben, ist auch<br />

mein Ansatz. Das ist wichtig in<br />

unserer Zeit. Man muss wieder von<br />

der Sicht des Menschen ausgehen<br />

und den Menschen in den Mittelpunkt<br />

stellen. Sich nur am Geld<br />

orientieren, das kann auf Dauer<br />

nicht gut gehen. Von daher hat sich<br />

bestätigt, was ich auch selber glaube,<br />

vertrete und in meinem Unternehmen<br />

praktiziere.“<br />

Das zufriedene Lächeln einer gegenüberstehenden<br />

Frau galt den eben<br />

gehörten Worten ihres Chefs.<br />

„Er praktiziert es wirklich schon,<br />

ich habe meine Kollegen und mich<br />

in vielen geschilderten Situationen<br />

wiedergefunden. Besonders der<br />

Gedanke von Pater Anselm „Mit<br />

welchem Bild gehen wir in die<br />

Arbeit?“ hat mir aus der Seele gesprochen.<br />

Für mich ist es gottlob<br />

ein positives Bild, mit dem ich an<br />

meine Arbeit gehe!“<br />

Michael Eibl, Vorsitzender des Stiftungsrats<br />

„Für junge Menschen“,<br />

freute sich sehr über die gelungene<br />

Benefizveranstaltung, mit der die<br />

<strong>KJF</strong>-nahe Stiftung ihr fünfjähriges<br />

Bestehen feierte: „Pater Anselm Grün<br />

und Dr. Friedrich Assländer haben<br />

uns und den Führungskräften aus der<br />

Region wichtige Impulse für unseren<br />

Arbeitsalltag gegeben, nachdenklich<br />

gemacht, aber auch Hoffnung und<br />

Zuversicht gegeben. Wir sind ihnen<br />

sehr dankbar, dass sie uns diesen<br />

Abend ermöglicht haben, mit dem<br />

wir - so wie es dem Wesen eines spirituellen<br />

Führungsstils entspricht - den<br />

Menschen im Blick haben.“<br />

Erfreulich auch der Erlös des Abends:<br />

Insgesamt 7.365 Euro kamen der<br />

Integrationsfirma labora <strong>Regensburg</strong><br />

gGmbH zugute, die damit Arbeitsplätze<br />

für 16 junge Menschen mit<br />

Behinderung sichert.<br />

Aktuell<br />

Der Benediktiner-Pater aus der<br />

unterfränkischen Abtei Münsterschwarzach,<br />

der mit über 300 Buch-<br />

Veröffentlichungen und einer Auflage<br />

von über 14 Millionen Exemplaren<br />

zu den erfolgreichsten Autoren<br />

spiritueller Literatur zählt, kennt<br />

sich nicht nur mit geistlichen Dingen<br />

aus. Im Kloster ist er als Cellerar<br />

für die wirtschaftliche Leitung<br />

der 20 Abtei-Betriebe mit rund 300<br />

Mitarbeitern zuständig. Der Unternehmensberater<br />

und Managementtrainer<br />

Dr. Friedrich Assländer ist<br />

seit über 25 Jahren freiberuflich beratend<br />

tätig. Beide halten nicht nur<br />

Vorträge, sie geben auch Kurse,<br />

manchmal sogar gemeinsam.<br />

• www.vier-tuerme.de/anselmgruen<br />

• www.asslaender.de<br />

15


Neues von<br />

der Katholischen Jugendfürsorge<br />

Menschen im<br />

+++ Dienstjubiläen ++ Neubesetzungen ++ Verdienste ++ Abschiede +++<br />

Gemeinsam für Integration<br />

Martin Neumeyer, Integrationsbeauftragter<br />

der Bayerischen Staatsregierung,<br />

will noch mehr junge Menschen<br />

mit Migrationshintergrund erreichen.<br />

Bei einem ersten Erfahrungsaustausch<br />

lernte er die Arbeit des<br />

Jugendmigrationsdienstes in der Oberpfalz<br />

kennen.<br />

Eva Filipczak, Leiterin des Referats<br />

Migration und Integration, und Helmut<br />

Schindler, Abteilungsleiter Allgemeine Jugendhilfe, hatten<br />

viel zu erzählen: von der gemeinwesenorientierten Projektarbeit,<br />

den Jugendzentren, dem Interkulturellen Zentrum und dem<br />

integrativen Freizeit- und Sporttreff am Hohen Kreuz, der Vermittlung<br />

interkultureller Kompetenzen an Erzieher, Berater von<br />

Erziehungsberatungsstellen und Lehrkräfte. „Zur Integration von<br />

Menschen, die in unser Land kommen, gibt es keine Alternative“,<br />

stellte Neumeyer heraus. Man dürfe die Potenziale, die diese<br />

Menschen mitbringen, nicht unterschätzen. Michael Eibl<br />

bedankte sich bei Martin Neumeyer für die Übernahme des<br />

Ehrenamts als Integrationsbeauftragter: „Gerade Sie als bodenständiger<br />

Politiker können überzeugend für Integration werben.<br />

Unsere Unterstützung ist Ihnen sicher.“<br />

Dein Ball<br />

60.000 Jugendliche aus Deutschland und Österreich hatten<br />

beim Schülerwettbwerb zur politischen Bildung 2008 mitgemacht.<br />

Und wer hat den zweiten Platz errungen? Die SchülerInnen<br />

der St. Vincent-Schule mit ihrem Schulsong „Dein Ball“!<br />

Unter Leitung von Anton Edenhofer, Lehrer und Leiter der Musik-<br />

AG, überzeugten die jungen Leute eine immerhin 45-köpfige<br />

Jury. „Der Song 'Dein Ball' ist besonders authentisch, weil er das<br />

Gefühlsleben unserer Schüler widerspiegelt, das<br />

aufgrund ihrer biografischen Erfahrungen oft recht<br />

schwierig und verstrickt ist. Wir wurden für die<br />

inhaltliche Qualität und die kreative Gestaltung<br />

gelobt. Alle haben sich mächtig ins Zeug gelegt,<br />

die ganze Schule ist stolz auf diesen Erfolg“, freute<br />

sich Schulleiter Dr. Thomas Müller. Eine CD ist<br />

über die Schule erhältlich, Tel. 0941 7874152.<br />

16<br />

Große Ehre für Bischof-<br />

Wittmann-Schule<br />

„Wir fühlen uns sehr geehrt, Sie nach Ihrem Amtsantritt<br />

als einer der ersten Träger bei uns begrüßen<br />

zu dürfen“, freute sich Schulleiter Ludwig Faltermeier<br />

über den Besuch von Irmgard Badura.<br />

Die neue bayerische Behindertenbeauftragte informierte<br />

sich über die vielfältigen Integrationsleistungen<br />

der <strong>KJF</strong> für Menschen mit Behinderung.<br />

„Es ist wichtig, dass wir versuchen, Menschen mit<br />

Behinderung auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln“,<br />

erklärte Irmgard Badura. Sie setze große<br />

Hoffnung in die neue UN-Konvention, in der es um<br />

die Frage der Inklusion von Menschen mit Behinderung<br />

geht. Dies könne sicher nicht von heute<br />

auf morgen geschehen, wichtige Schritte seien<br />

jedoch schon in diese Richtung unternommen<br />

worden. Großes Lob gab es für die Bemühungen<br />

zur Einzelintegration von Schülern mit Behinderung<br />

sowie für die vier Außenklassen an Regelschulen,<br />

wie sie die Bischof-Wittmann-Schule<br />

führt, in denen Integration durch<br />

Kooperation gelingt.


Gespräch<br />

Neues von<br />

der Katholischen Jugendfürsorge<br />

+++ Dienstjubiläen ++ Neubesetzungen ++ Verdienste ++ Abschiede +++<br />

Ehre, wem Ehre gebührt<br />

„Ehrenmitgliedschaft für Dr. Herbert Kempfler“:<br />

Mit dieser höchsten Auszeichnung ehrt KIND IN<br />

NOT jene, die viele Jahre hindurch wesentliche<br />

Impulse für das Wirken der Aktionsgemeinschaft<br />

gegeben und sich öffentlich eingebracht haben.<br />

Zur Festsitzung der Aktionsgemeinschaft KIND IN<br />

NOT, Gebietsvereinigung der Katholischen Jugendfürsorge<br />

der Diözese <strong>Regensburg</strong> e. V., begrüßte<br />

Vorsitzende Ingrid Behnken Repräsentanten aus<br />

Kirche, Politik, sozialen Einrichtungen und Wirtschaft.<br />

Unter den Gästen: Barbara Stamm, Landtagspräsidentin<br />

und Vorsitzende des Lebenshilfe-<br />

Landesverbandes Bayern. Stamm, selbst Mitglied<br />

und bereits zum sechsten Mal zu Gast bei KIND IN<br />

NOT, stellte in ihrer Festrede die Verantwortung<br />

der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Behinderungen<br />

heraus. Persönlichkeiten wie Dr. Herbert<br />

Kempfler, den sie persönlich lange Jahre kenne,<br />

setzten mit ihrem Engagement ein „Zeichen eines<br />

vorbehaltlosen Miteinanders, eben auch mit dem<br />

Grundsatz Ehrfurcht vor Gott und Ehrfurcht vor dem<br />

Nächsten“.<br />

Einstimmig<br />

wiedergewählt<br />

„Never change a winning<br />

team!“ Das trifft auch auf den<br />

Verwaltungsrat der Katholischen<br />

Jugendfürsorge zu. Max<br />

Harreiner, Direktor a. D. der<br />

Liga Bank <strong>Regensburg</strong>, Dr. Martin Linder, Chefarzt der<br />

Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirksklinikum<br />

<strong>Regensburg</strong>, und Josef Lindemann, Rektor und Vorstandsmitglied<br />

der Aktionsgemeinschaft KIND IN NOT,<br />

wurden in einer ordentlichen Mitgliederversammlung<br />

einstimmig in den Verwaltungsrat gewählt.<br />

Direktor Michael Eibl bedankte sich, dass sie diese für<br />

den Verein so wichtige Aufgabe weiter wahrnehmen.<br />

Die anderen Mitglieder werden zeitnah vom Vorsitzenden<br />

Prälat Dr. Josef Schweiger in den Verwaltungsrat<br />

berufen.<br />

Aus für Förderschulen?<br />

Soll es ein inklusives Bildungssystem<br />

ohne Förderschulen geben? In einer<br />

Gesprächsrunde an der Bischof-Wittmann-Schule<br />

sagte MdL Margit Wild,<br />

sie halte die individuelle, passgenaue<br />

Förderung und intensive Differenzierung<br />

an Förderschulen für Kinder mit<br />

Behinderung für absolut notwendig!<br />

Das Inkrafttreten der UN-Behindertenkonvention<br />

hat für Verunsicherung und<br />

Ängsten bei Eltern, für Aufruhr in der Fachwelt gesorgt. Schlagzeilen<br />

wie „Förderschulen vor dem Aus?“ trugen Ihres dazu bei.<br />

Bei einer Diskussion in der BWS, einem privaten Förderzentrum<br />

mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, bezog Margit Wild<br />

klar Position: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung. Meiner<br />

Meinung nach gibt es diese Kinder, die genau die Förderung<br />

brauchen, wie sie nur ein Förderzentrum leisten kann. Ich schätze<br />

die Sonderpädagogik als so hervorragend ein, dass ich meine,<br />

diese Fachlichkeit sollte in die Ausbildung aller Lehrer einbezogen<br />

werden“, so die ehemalige heilpädagogische Förderlehrerin<br />

weiter.<br />

Fortsetzung Seite 27<br />

17


Titelthema<br />

Wenn Eltern am Verzweifeln sind:<br />

Die Schreibaby-Ambulanzen der <strong>KJF</strong><br />

helfen aus dem<br />

bedrückenden Kreislauf<br />

Interview: Isolde Hilt<br />

Fotos: Isolde Hilt,<br />

Uwe Moosburger<br />

So ein süßer kleiner Tropf. Einfach zum Knuddeln.<br />

Solange das Baby friedlich ist, gluckst, ausreichend<br />

schläft, gibt es nichts Beglückenderes. Was<br />

aber, wenn es sich deutlich unwohl fühlt, nicht<br />

ausreichend schläft, quengelt und stundenlang<br />

Britta Ortwein-Feiler<br />

schreit? Eltern wissen, wie man sich da fühlt. Glücklicherweise<br />

gibt es inzwischen kompetente Hilfe. Die Katholische Jugendfürsorge<br />

bietet an den Erziehungsberatungsstellen in Weiden, Tirschenreuth, Kelheim,<br />

Amberg, Cham (ab 2010 auch<br />

in Schwandorf und Straubing) eine<br />

Schreibaby-Ambulanz an. Was man<br />

sich darunter vorstellen kann, erklärt<br />

Britta Ortwein-Feiler, Leiterin der Erziehungsberatungsstelle<br />

in Cham. Sie<br />

koordiniert die Schreibaby-Ambulanzen<br />

bei der <strong>KJF</strong>.<br />

• Was versteht man unter einem<br />

Schreibaby?<br />

Säuglinge sind in den ersten Lebensmonaten<br />

unruhig und schreien vermehrt,<br />

das ist normal. Das Baby teilt<br />

damit Bedürfnisse wie Hunger, Durst<br />

oder Müdigkeit mit. Sind diese Bedürfnisse<br />

befriedigt, ist der Säugling in<br />

der Regel ausgeglichen und zufrieden.<br />

Einige Babys schreien jedoch stundenlang,<br />

ohne dass eine Ursache erkennbar<br />

wäre. Sie sind unruhig,<br />

quengeln, lassen sich kaum beruhigen.<br />

Für die Eltern ist das eine extreme<br />

Belastung, viele fühlen sich chronisch<br />

überfordert, sind oft übermüdet und<br />

können kaum mehr feinfühlig auf ihr<br />

Kind eingehen. Auf Grund langanhaltender<br />

Schreiattacken ist eine<br />

positive, wechselseitige Beziehung<br />

zwischen Eltern und Kind erheblich


eeinträchtigt. In der Beratung berichten<br />

die Eltern häufig von Versagens-<br />

und Schuldgefühlen, weil sie es<br />

nicht schaffen, ihr Kind zu beruhigen.<br />

Unter einem Schreibaby versteht man<br />

einen Säugling, der mehr als drei<br />

Stunden am Tag, an mehr als drei<br />

Tagen pro Woche und seit mehr als<br />

drei Wochen besonders reizbar, empfindlich<br />

ist, quengelt, schreit, ansonsten<br />

aber gesund und wohlgenährt ist.<br />

• Wie kann man sich das viele<br />

Schreien erklären?<br />

Am Anfang ist die Bereitschaft zu<br />

quengeln und zu schreien auch bei<br />

gesunden Säuglingen sehr hoch. Die<br />

Ursachen für vermehrtes Schreien liegen<br />

meist in vorübergehenden Reifungs-<br />

und Anpassungsproblemen,<br />

die bei den meisten Babys mit dem<br />

dritten Lebensmonat überwunden<br />

sind.<br />

Unruhe und unstillbares Schreien jedoch,<br />

sich nicht trösten lassen, sich<br />

nicht selbst beruhigen oder auch einschlafen<br />

können, zeigen, dass das<br />

Gleichgewicht zwischen erregenden<br />

und hemmenden Prozessen beim<br />

Baby gestört ist.<br />

• Wie entstand die Idee, eine<br />

Schreibaby-Ambulanz einzurichten?<br />

Die zunehmende Verunsicherung bei<br />

Eltern sehr kleiner Kinder und<br />

erschreckende Fälle von Misshandlungen<br />

haben das Bayerische Staatsministerium<br />

für Arbeit und Sozialordnung,<br />

Familie und Frauen 2008 veranlasst,<br />

an Beratungsstellen ein Förderprogramm<br />

für Eltern mit Säuglingen<br />

und Klein<strong>kin</strong>dern aufzulegen.<br />

Eine Schreibaby-Ambulanz ist ein<br />

Angebot, das sich speziell auf die<br />

Bedürfnisse der Altersgruppe 0 bis 3<br />

Jahre ausrichtet, das heißt, Eltern<br />

und ihre Kinder finden hier Beratung<br />

und Hilfe bei einer Gefährdung oder<br />

bei Störungen in der emotionalen<br />

und sozialen Entwicklung. Exzessives<br />

Schreien, Schlafstörungen, Fütterprobleme<br />

oder Trotzanfälle sind meist<br />

die Gründe, weshalb Familien uns<br />

aufsuchen. Jedes vierte bis fünfte<br />

Kind ist davon betroffen.<br />

• Können Sie uns bitte ein Beispiel<br />

schildern?<br />

Da ist zum Beispiel Susan, vier<br />

Monate alt. Ihre Mutter, die über die<br />

Hebamme von der Schreibaby-Ambulanz<br />

erfahren hat, berichtet, dass<br />

ihre Tochter oft den ganzen Tag über<br />

Titelthema<br />

quengelt und schreit. Sie und ihr<br />

Mann können sich die Ursache für<br />

das Schreien nicht erklären. Einen<br />

medizinischen Grund schließt der<br />

Kinderarzt aus. Die Kleine schläft<br />

wenig, tagsüber hat sie nur kurze<br />

Schlafphasen und ist oft den ganzen<br />

Nachmittag über wach. Die Mutter<br />

weiß nicht, wie sie ihr Kind beruhigen<br />

kann.<br />

Susan war – nach mehrjährigem unerfüllten<br />

Kinderwunsch – ein Wunsch<strong>kin</strong>d.<br />

Die Schwangerschaft verlief<br />

problemlos. Die Geburt, die per Kaiserschnitt<br />

erfolgte, war ein großer<br />

Einschnitt für das Ehepaar. Die Mutter<br />

fühlt sich mit der Situation oft<br />

überfordert und ist erschöpft. Sie<br />

stillt noch überwiegend und ist so<br />

den ganzen Tag mit ihrer Tochter<br />

beschäftigt. Es belastet sie, anderen<br />

Pflichten wie im Haushalt kaum<br />

nachgehen zu können. Ihr Mann<br />

kann sie auf Grund der Berufstätigkeit<br />

kaum unterstützen, lediglich in<br />

den Abendstunden entlastet er sie.<br />

Eltern und Schwiegereltern wohnen<br />

zu weit weg.<br />

Beim Ersttermin wirkt die Mutter<br />

erschöpft, zeitweise von Aggressionen<br />

gegen ihr Kind erfüllt. Sie erzählt von<br />

dem wiederkehrenden Wunsch, die<br />

Schwangerschaft ungeschehen machen<br />

zu können. Sie ist zu diesem<br />

Zeitpunkt auch sozial isoliert.<br />

Beim Ersttermin erhält die Mutter<br />

ein Schlafprotokoll. Anhand dieses<br />

Protokolls werden Tagesablauf und -<br />

struktur (Schlafverhalten, Schreien,<br />

Füttern etc.) analysiert. Es zeigt sich,<br />

dass Susan tagsüber nur kurz und<br />

wenig schläft, zum Teil bis zu sechsstündige<br />

Wachphasen hat, in denen<br />

sie lange unruhig ist und schreit. Zeiten<br />

für gemeinsames Spielen gibt es<br />

kaum.<br />

Zunächst geht es um die physische<br />

und psychische Entlastung der Mutter.<br />

Des weiteren wird sie ausführlich<br />

im Bezug auf die Entwicklung ihrer<br />

Tochter beraten, in der es insbesondere<br />

um einen regelmäßigen Schlaf-<br />

Wach-Rhythmus geht, den die Mutter<br />

gut hinkriegt. Sie ist damit einverstanden,<br />

sich im Umgang mit ihrer<br />

Tochter filmen zu lassen. Anhand der<br />

Videoanalyse erkennt die Mutter,<br />

dass sie Susan oft überstimuliert und<br />

19


Neues von<br />

der Katholischen Jugendfürsorge<br />

Vergelt’s Gott!<br />

Ihre Spende, Ihr Geschenk ist gut angekommen. Herzlichen Dank!<br />

überreizt. In der Beratungsstunde gelingt<br />

es ihr, ruhiger und angemessener<br />

auf ihr Kind zu reagieren, sich stimmlich<br />

und mimisch auf seine Signale<br />

einzustellen. Das macht Mut und<br />

gibt Zuversicht in der weiteren Beziehung<br />

zum Kind.<br />

• Wie schaffen Sie es, dem Kind als<br />

auch den Eltern zu helfen?<br />

Die Deutsche Akademie für Entwicklungsförderung<br />

und Gesundheit des<br />

Kindes und Jugendlichen e.V. qualifiziert<br />

Fachkräfte für diese Arbeit – auf<br />

der Basis langjähriger Forschungsarbeiten<br />

von Prof. Dr. Mechthild<br />

Papousek zur früh<strong>kin</strong>dlichen Verhaltensregulation<br />

und Erfahrungsintegration.<br />

Ziel der Beratung ist es,<br />

Regulationsstörungen rasch zu beheben,<br />

Eltern wirksam zu entlasten und<br />

sie in der Beziehung zu ihrem Kind<br />

positiv zu unterstützen. Um dies zu<br />

erreichen, kommen in der Regel drei<br />

eng aufeinander bezogene Grundelemente<br />

zum Einsatz: Entwicklungsberatung,<br />

entlastende psychotherapeutische<br />

Gespräche und Kommunikati-<br />

20<br />

Fit für den Beruf<br />

Mit einem 3.000-Euro-Spendenscheck der Sparda-Bank<br />

<strong>Regensburg</strong> in der Tasche besuchte Johannes Tegethoff das<br />

Pater-Rupert-Mayer-Zentrum – eine willkommene Unterstützung<br />

für das Projekt „Vertiefte Berufsorientierung nach § 33<br />

SGB III“. „Wichtig ist, dass die jungen Menschen eine Lebensperspektive<br />

haben“, stellte der stellvertretende Vorsitzende<br />

der Sparda-Bank heraus. Die Spende fließt in die Finanzierung<br />

einer Sozialpädagogenstelle, die jeweils zur Hälfte über die<br />

„Aktionsgemeinschaft Sonne für´s Leben“ und die Agentur für<br />

Arbeit <strong>Regensburg</strong> getragen wird. Eine Integrationsberaterin<br />

des IFD berät und begleitet die Schülerinnen beim Einstieg in<br />

Ausbildung und Beruf.<br />

onsanleitung. Eine wichtige Rolle<br />

spielt dabei die videogestützte Verhaltensmikroanalyse.<br />

Wie oben kurz erwähnt,<br />

werden einzelne Interaktionen<br />

zwischen Eltern und Kind aufgenommen,<br />

anschließend gemeinsam<br />

mit den Eltern betrachtet und analysiert.<br />

So wird vieles bewusst und kann<br />

gegebenenfalls verändert werden.<br />

• Welchen Eltern empfehlen Sie, Ihr<br />

Angebot in Anspruch zu nehmen?<br />

Allen Eltern, die sich unsicher fühlen<br />

und Hilfe brauchen. Viele kommen<br />

auf Empfehlung von Kinderärzten,<br />

pädiatrischen Zentren, Frühförderstellen<br />

und Hebammen. Die Schreibaby-Ambulanz<br />

versteht sich als „Frühe<br />

Entwicklungs- und Erziehungsberatung“<br />

an den Erziehungsberatungsstellen<br />

und ist ein wichtiges präventives,<br />

unterstützendes Angebot für<br />

Eltern mit Kinder im Alter von 0 bis<br />

3 Jahren.<br />

• Über welchen Zeitraum werden die<br />

Kinder und Eltern betreut?<br />

Das hängt davon ab, wie belastet eine<br />

Fortsetzung Seite 25<br />

Familie ist. Erstaunlicherweise – das<br />

wurde uns auch von der bereits seit<br />

10 Jahren existierenden „Sprechstunde<br />

für Schreibabys“ des Münchner<br />

Kinderzentrums bestätigt – reichen<br />

für die meisten Familien drei Beratungstermine.<br />

• Handelt es sich um ein Pilotprojekt,<br />

das nach einer gewissen Zeit<br />

ausgewertet wird?<br />

Das Angebot einer Schreibaby-<br />

Ambulanz war bisher überwiegend<br />

medizinischen Einrichtungen vorbehalten.<br />

Die Anbindung einer<br />

Schreibaby-Ambulanz an Einrichtungen<br />

der Jugendhilfe ist eine notwendige<br />

Ergänzung, um den Beratungsbedarf<br />

abzudecken. Von daher<br />

ist die Schreibaby-Ambulanz in dem<br />

Sinne kein Pilotprojekt, da bereits<br />

Studien erfolgt sind. Vielmehr ist<br />

angedacht, dieses Angebot nach der<br />

dreijährigen Förderphase als festen<br />

Bestandteil zu etablieren.


Fortsetzung von Seite 5<br />

Wie kam es zu der frühen Geburt?<br />

Ich hatte schon vor der Geburt einen<br />

hohen Blutdruck, es kam zu einer<br />

Gestose, zum so genannten Helpp-<br />

Syndrom. Die Kinder waren unterversorgt<br />

und sind sehr klein geblieben.<br />

In der 24. Woche kamen die<br />

ersten Wehen. Ich spürte, dass irgendetwas<br />

nicht in Ordnung ist. Ich<br />

wusste ja nicht, was dann auf mich<br />

zukommen würde, fühlte mich aber<br />

vom ersten Tag an auf der F2 in der<br />

Hedwigsklinik sehr gut aufgehoben.<br />

Die Ärzte und Schwestern haben sich<br />

wunderbar um mich gekümmert. In<br />

der 26. Woche ist es mir dann<br />

schlechter gegangen, die Herztöne<br />

der Kinder wurden immer schwächer.<br />

Einen Tag nach meinem 37. Geburtstag<br />

waren Laurenz und Charlotte da.<br />

Ich selbst habe nicht viel mitbekommen,<br />

aber mein Mann war mächtig<br />

stolz und superglücklich. Er war fest<br />

überzeugt, dass sie es, so winzig sie<br />

auch waren, schaffen würden.<br />

Wie ging es Ihnen nach der<br />

Geburt?<br />

Ich war ziemlich geschwächt von der<br />

OP, hatte einen Kaiserschnitt und<br />

konnte meine Kinder nicht sehen.<br />

Ich habe das nicht als furchtbar empfunden,<br />

da ich wusste, meine Kinder<br />

sind in guten Händen. Die Ärzte auf<br />

der Intensivstation machen alles,<br />

damit es den Kindern gut geht. Ich<br />

bin ihnen, den Schwestern und<br />

Physiotherapeuten noch immer sehr<br />

dankbar. Sie haben mir nie den Glauben<br />

genommen, dass die Kinder es<br />

schaffen können. Wir haben immer<br />

sehr viel Zeit mit unseren Kindern<br />

verbracht – genauso wie es die meisten<br />

Eltern von Frühchen tun. Ich bin<br />

fest davon überzeugt, dass dies den<br />

Kindern viel Kraft gibt und die Entwicklung<br />

fördert. Man gibt seinen<br />

Kindern die Liebe. Von dem Moment<br />

an, als unsere beiden Kinder da<br />

waren, haben wir sie unendlich geliebt.<br />

Was können Sie Eltern in einer<br />

ähnlichen Situation mit auf den<br />

Weg geben?<br />

Unser Laurenz zeigt uns, dass Eltern<br />

von Frühchen immer an ihre Kinder<br />

glauben sollten, auch in den ganz<br />

schweren Zeiten. Die kleinen Winzlinge<br />

kämpfen zusammen mit den<br />

Ärzten und Krankenschwestern Tag<br />

und Nacht. Die Eltern sollten auch<br />

den Schwestern, Ärzten, Physiotherapeuten<br />

und Hebammen öfter sagen,<br />

dass sie wundervolle Arbeit leisten.<br />

Eltern mit früh- und risikogeborenen<br />

Kindern brauchen nach dem Klinikaufenthalt<br />

einfühlsame Menschen,<br />

die ihnen professionell und mit fachlichem<br />

Rat zur Seite stehen. Die Reizverarbeitung<br />

fällt den Säuglingen<br />

schwer, manche sind leicht irritierbar,<br />

beim Füttern und beim Schlafen können<br />

Schwierigkeiten auftreten. Hier<br />

setzt die <strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-<strong>Nachsorge</strong> an: Ein<br />

Tandem aus <strong>Nachsorge</strong>schwestern,<br />

die pflegerische Aufgaben übernehmen,<br />

und Mobilem Dienst der Interdisziplinären<br />

Frühförderstelle, der bei<br />

psychosozialen und entwicklungspsychologischen<br />

Fragen hilft, begleitet<br />

die Familien. Ziel ist, die <strong>kin</strong>dliche<br />

Entwicklung bestmöglich zu unterstützen,<br />

die Elternkompetenz zu stärken<br />

und sozial-emotionale Entwicklungsrisiken<br />

zu vermindern.<br />

Bereits 2003 entwickelte Dr. med.<br />

Sabine Höck, zentrale Projektleiterin<br />

der Arbeitsstelle Frühförderung Bayern,<br />

am <strong>Harl</strong>achinger Krankenhaus<br />

die Projektidee. Im Vordergrund stehen<br />

die Vernetzung und Bereitstellung<br />

von Betreuungsangeboten für<br />

die Familien. Gemeinsam mit Dr.<br />

med. Renate Berger obliegt ihr die<br />

wissenschaftliche und fachliche Begleitung.<br />

Die <strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-<strong>Nachsorge</strong> ist<br />

bayernweit an acht Standorten erfolgreich<br />

implementiert, finanziert durch<br />

das Bayerische Staatsministerium für<br />

Arbeit und Sozialordnung, Familie<br />

und Frauen. Jeder Standort erhält<br />

eine dreijährige Anschubfinanzierung.<br />

Titelthema<br />

Ohne sie wären so viele Kinder heute<br />

nicht da. Es ist wichtig, dass man die<br />

Kinder annimmt, wie sie sind, und<br />

dass man sein Schicksal akzeptiert.<br />

Herzlichen Dank für das Interview.<br />

Ich wünsche Laurenz und Ihnen<br />

alles erdenklich Gute!<br />

Das Projekt „<strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-<strong>Nachsorge</strong>“ in Bayern<br />

Das <strong>Regensburg</strong>er Team mit Cornelia<br />

Stubenrauch, Dipl. Sozialpäd. (FH)<br />

und Mitarbeiterin des Mobilen Dienstes<br />

der Interdisziplinären Frühförderstelle,<br />

Kinderkrankenschwestern der<br />

Klinik St. Hedwig und Projektleiterin<br />

Angelina Ernst arbeitet mit Prof. Dr.<br />

Hugo Segerer, Chefarzt der Neonatologie<br />

der Klinik St. Hedwig, zusammen.<br />

Die entwicklungsneurologische<br />

Nachuntersuchung, wichtiger Bestandteil<br />

der <strong>Nachsorge</strong>, übernehmen<br />

Fachkräfte aus dem Kinderzentrum<br />

St. Martin unter Leitung von<br />

Dipl. med. Angelika Aisch. Seit Dezember<br />

2008 betreuen Cornelia Stubenrauch<br />

und die <strong>Nachsorge</strong>schwestern<br />

der Klinik St. Hedwig Ruth Burkkhardt,<br />

Monika Schäffer, Cornelia<br />

Bauer, Petra Reisinger und Claudia<br />

Matok mittlerweile 22 Familien. Die<br />

Erfahrungen zeigen, dass der Bedarf<br />

an Unterstützung und Beratung in<br />

der Übergangsphase von der Klinik<br />

nach Hause groß ist.<br />

Die <strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-<strong>Nachsorge</strong> hat in <strong>Regensburg</strong><br />

eine Patin! Lilo Sillner, Geschäftsführerin<br />

der Labertaler Heilund<br />

Mineralquellen, begleitet das<br />

Projekt. Die <strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-<strong>Nachsorge</strong> kann<br />

jede nur denkbare Unterstützung<br />

brauchen, um Familien mit früh- und<br />

risikogeborenen Kindern auch nach<br />

der Projektphase helfen zu können.<br />

Auch Ihre Spende bewirkt viel Gutes!<br />

Spendenkonto:<br />

LIGA BANK <strong>Regensburg</strong> eG<br />

BLZ 750 903 00 · Kto. 110 010 6<br />

Kennwort: <strong>Harl</strong>.e.<strong>kin</strong>-<strong>Nachsorge</strong><br />

Wir danken Ihnen.


Titelthema<br />

Wenn Fruchtzwerg essen<br />

eine Anstrengung ist …<br />

Große Glitzerfischperlen funkeln<br />

in einer Schüssel voller<br />

Ackerbohnen. Sortieren steht<br />

für Lukas, ein Kind der Interdisziplinären<br />

Frühförderstelle, heute auf dem<br />

Plan. Mit flacher Hand und weit<br />

abgestreckten Fingern greift der<br />

Knirps nach den Fischen und<br />

grapscht in die Schüssel. Der Fisch<br />

bleibt irgendwo zwischen kleinem<br />

Finger und Handballen hängen.<br />

Wie Aschenputtel im Märchen soll er<br />

die Guten von den Schlechten trennen.<br />

Seine Frühförderin Erika Greil<br />

hilft ihm dabei. Sie kommt seit zwei<br />

Jahren einmal pro Woche, um ihn in<br />

seiner Entwicklung zu unterstützen.<br />

Seitdem hat der 4-Jährige große Fortschritte<br />

gemacht. „Lukas, du kannst<br />

das schon besser“, sagt Erika und<br />

nimmt seine Hände in die ihrigen. „So<br />

22<br />

geht das.“ Dieses Mal hat Lukas mit<br />

ein wenig Hilfe die Fingerspitzen<br />

benutzt, um nach dem Fisch zu greifen.<br />

Pinzettengriff heißt das und den<br />

soll Lukas lernen. „Nein“, sagt er, lacht<br />

und patscht in die Hände. Nein? „Das<br />

ist sein neues Lieblingswort“, erklärt<br />

die Mutter, „seit er es kann, sagt er es<br />

immer.“ „Nein“, wiederholt Lukas<br />

und klatscht vor Freude auf den Tisch.<br />

Ein Bibabutzemann ohne Sinn<br />

für Gefahren<br />

Lukas leidet an einer seltenen Chromosomenaberration,<br />

einer Änderung<br />

Heilpädagogik<br />

auf Rädern:<br />

Die Interdisziplinäre<br />

Frühförderstelle der<br />

<strong>KJF</strong> im Landkreis<br />

Cham besucht ihre<br />

Kinder zu Hause.<br />

Text: Jasmin Kraus<br />

Fotos: Juliane Zitzlsperger<br />

im Erbgut. Ein winziges Schnipsel in<br />

seinem Gencode, Chromosom 6q25,<br />

hat einen Fehler gemacht und den<br />

konstant reproduziert. Seitdem hat<br />

Lukas größere Füße und Hände, mit<br />

denen es schwer fällt, nach Glitzerfischperlen<br />

zu greifen. Täglich muss<br />

er Medizin nehmen, um seine epileptischen<br />

Anfälle zu unterdrücken.<br />

Die Interdisziplinäre Frühförderstelle hilft allen Eltern,<br />

die sich Sorgen um die Entwicklung ihres Kindes machen –<br />

von der Geburt bis zur Einschulung.<br />

Seit seiner Geburt hinkt er in der<br />

Entwicklung mit Gleichaltrigen hinterher.<br />

Einen Fruchtzwerg essen, ist<br />

für ihn eine Anstrengung.<br />

Nachdem Lukas die Schüssel voll<br />

Ackerbohnen durchwühlt und alle<br />

Glitzerfischperlen aussortiert hat, darf<br />

er singen. Zur Entspannung und als<br />

Gleichgewichtstraining tanzen er und<br />

Erika den Bibabutzemann dazu. Beim<br />

Schütteln hat der kleine Butzemann<br />

ein Problem. Da gerät er ins Taumeln.<br />

Gut, dass ihn seine Frühförderin auffängt.<br />

Einen Sinn für Gefahren muss<br />

Lukas erst noch entwickeln. Denn<br />

trotz fehlendem Gespür für den eigenen<br />

Körper hindert ihn das nicht dar-


an, auf alles, was er sieht zu klettern -<br />

Staffeleien, Leitern und die großen<br />

Baumaschinen von seinem Papa. Sehr<br />

zum Leidwesen seiner Mutter, die<br />

immer hinter dem Racker her ist.<br />

Später liegt Lukas mit dem Bauch auf<br />

einem kleinen Brett mit Rollen, wie<br />

man sie für Blumenkübel verwendet,<br />

und saust durch die Küche. Erika<br />

Greil hat dort kleine Stofftiere versteckt,<br />

die er nacheinander holen und<br />

mit Klett an einer Stofftafel anheften<br />

soll. Das Schwierige dabei: Lukas soll<br />

die Tierstimmen dazu imitieren.<br />

Kikeriki, Miau, Wuff und Grunzgrunz.<br />

Jeder geformte Laut ist wichtig<br />

»<br />

für seine Sprachentwicklung. Die<br />

Anstrengung merkt man Lukas dabei<br />

nicht an, weil er vor Lachen wiehert.<br />

Zum Schluss der Stunde rollt Erika<br />

noch mit einem Massageigel über<br />

Rücken und Fußsohlen des Jungen.<br />

Er kichert. Basale Stimulation für die<br />

eigene Körperwahrnehmung – und<br />

so angenehm.<br />

Mobile Hilfe für zu Hause<br />

und die ganze Familie<br />

75 Minuten dauert der allwöchentliche<br />

Besuch. 75 Minuten, auf die sich<br />

Lukas immer mächtig freut – auch<br />

Beratung für verunsicherte Eltern<br />

Die Interdisziplinäre Frühförderstelle der Katholischen<br />

Jugendfürsorge <strong>Regensburg</strong> e.V. im Landkreis Cham<br />

betreut pro Jahr knapp 300 Kinder von 0 bis sechs<br />

Jahren. Darunter sind auch Fälle, die nur ein einziges<br />

Mal Kontakt zur Frühförderstelle haben. „Ein paar Dutzend<br />

Eltern suchen einfach nur die Beratung oder ein<br />

Gespräch, weil sie sich nicht sicher sind, was die Entwicklung<br />

ihres Kindes betrifft“, sagt Anna Röll, die<br />

Leiterin der Einrichtung.<br />

In den letzten Jahren ist die Zahl der Kinder kontinuierlich<br />

gestiegen, deren Eltern ein Arzt zur Frühförderstelle<br />

riet. Bei manchen Medizinern lässt es das knappe<br />

Zeitbudget nicht zu, sich so konzentriert mit einem<br />

Jungen oder Mädchen auseinanderzusetzen, wie das<br />

bei der Frühförderstelle der Fall ist. Am wichtigsten ist<br />

jedoch die Erfahrung, die die Frühförderstelle im Heilpädagogischen<br />

Bereich aufweisen kann. Interdisziplinär<br />

arbeitet man dort über die verschiedenen Fachbereiche<br />

eng zusammen.<br />

„Für die Eingangsdiagnostik ziehen wir eine Psychologin<br />

und Therapeuten zu Rate“, erklärt Anna Röll.<br />

Schließlich sei es nicht immer offensichtlich, was dem<br />

Kind fehlt. „Manchmal bemerkt die Mutter einfach nur<br />

irgendwelche Auffälligkeiten, die sich nicht näher<br />

bestimmen lassen.“ Da ist es dann gut, die Meinung<br />

weiterer Experten gleich vor Ort einholen zu können.<br />

Das sei bei der breiten Palette an Beeinträchtigungen<br />

auch notwendig, die bei der Interdisziplinären Frühförderstelle<br />

behandelt werden: „Das geht los bei Entwicklungsverzögerungen<br />

in den Bereichen Sprache,<br />

Motorik, Verhalten und reicht bis zur genetisch<br />

bedingten Behinderung durch eine Chromosomenstörung.“<br />

Nicht immer erkenne man das Problem sofort,<br />

vor allem dann nicht, wenn die Kinder noch sehr klein<br />

sind. „Nicht alle Behinderungen sind sofort bei der<br />

Titelthema<br />

wenn er hinterher „hundemüde ist“,<br />

wie seine Mutter sagt. Denn trotz der<br />

Anstrengung, die ihn die Frühförderung<br />

kostet, macht sie auch Spaß.<br />

Erika Greil gibt sich viel Mühe, für<br />

jedes Kind das passende Programm<br />

zu finden, um spielerisch seine Entwicklung<br />

zu fördern. Die Interdisziplinäre<br />

Frühförderstelle hat es sich<br />

zum Ziel gesetzt, allen Eltern, die sich<br />

Sorgen um die Entwicklung ihres<br />

Kindes machen zu helfen - von der<br />

Geburt bis zur Einschulung. Umso<br />

früher sich Erika Greil und ihre Kollegen<br />

um die Kleinen kümmern,<br />

umso wirkungsvoller ist die Therapie.<br />

Vorwiegend sind die Erzieher dabei<br />

Geburt sichtbar“, weiß die Leiterin. Umso früher die<br />

Behandlung jedoch einsetzt, umso mehr Wirkung<br />

kann erzielt werden. Aus diesem Grund legt man auch<br />

besonders viel Augenmerk auf die Betreuung von<br />

Frühgeborenen.<br />

Insgesamt kümmern sich 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />

bei der Interdisziplinären Frühförderstelle um<br />

das Wohl der Kinder - darunter Frühförderer, Erzieher,<br />

Ergo-, Physiotherapeuten, Logopäden und Psychologen.<br />

Darüber hinaus werden in den Kindergärten der<br />

Region mobile sonderpädagogische Hilfen (MSH) eingesetzt<br />

und es besteht eine Kooperation mit weiteren<br />

Partnern wie Ärzten und Therapeuten. Für Kinder, die<br />

von der Frühförderstelle betreut werden und darüber<br />

hinaus einen erhöhten Förderbedarf aufweisen, gibt<br />

es die Möglichkeit, die Tagesstätte St. Gunther zu<br />

besuchen. „Der Vorteil ist eine tägliche und intensivere<br />

Betreuung“, sagt Anna Röll.<br />

Die meisten Betreuten bleiben dem Team der Frühförderstelle<br />

im Durchschnitt jedoch nicht länger als ein<br />

Jahr. „Wir erstellen für jedes unserer Kinder einen<br />

Behandlungsplan über ein Jahr“, erklärt Anna Röll und<br />

betont: „Den müssen wir aber nicht dogmatisch ausreizen.“<br />

Sobald ein Kind wieder mit den Altersgenossen<br />

gleichziehen könne, wird die Behandlung beendet<br />

– gerne auch vorzeitig.<br />

„Das Wichtigste ist uns, die Eltern mit im Boot zu<br />

haben“, betont die Leiterin. Deshalb nimmt sie sich<br />

viel Zeit, mit ihnen über ihre Sorgen zu reden. „Oft<br />

erreichen mich Anrufe von Müttern, die ein diffuses<br />

Gefühl haben. So eine Ahnung, dass das eigene Kind<br />

irgendwie anders ist. Dann ist es Zeit für ein<br />

Gespräch, egal ob mit oder ohne Kind. Wir kümmern<br />

uns auch um verunsicherte Eltern.“


Titelthema<br />

mobil unterwegs. Sie besuchen die Kinder in ihrem<br />

gewohnten Umfeld, ihrem Elternhaus. Ein Muss in<br />

einem Flächenlandkreis wie Cham. Außerdem<br />

können nur so Mama und Papa mitlernen, wie sie<br />

ihre Schützlinge ganz praktisch selbst zu Hause im<br />

Alltag fördern können.<br />

Der Kofferraum von Erikas Auto ist voller Kisten<br />

mit Spiel- und Sportgeräten, Bastelsachen und -zig<br />

Matten zum Unterlegen. Sie muss auf alles vorbereitet<br />

sein. Auch darauf, dass ihre Betreuten mal<br />

weniger Laune haben oder ein bisschen kränkeln.<br />

Flugs modelliert sie dann ihre Stunde um, um doch<br />

noch das Beste daraus zu machen. Singen, Spielen,<br />

»<br />

Hier finden Eltern Hilfe<br />

Die Katholische Jugendfürsorge der Diözese<br />

<strong>Regensburg</strong> e. V. unterhält insgesamt fünf Interdisziplinäre<br />

Frühförderstellen.<br />

Interdisziplinäre Frühförderstelle Abensberg<br />

Leiter: Richard Ohrner<br />

Münstererstraße 9 a<br />

93326 Abensberg<br />

Tel.: 09443 5645<br />

E-Mail: kontakt@ifs-abensberg.de<br />

Interdisziplinäre Frühförderstelle Cham<br />

Leiterin: Anna Röll<br />

St.-Gunther-Straße 22<br />

93413 Cham<br />

Tel.: 09971 200-340<br />

E-Mail: a.roell@ifs-cham.de<br />

Internet: www.ff-stelle.cham@web.de<br />

Interdisziplinäre Frühförderstelle Eggenfelden<br />

Leiterin: Anneliese Huber<br />

Landshuter Straße 34<br />

84307 Eggenfelden<br />

Tel.: 08721 125350<br />

E-Mail: fruehfoerderstelle-eggenfelden@web.de<br />

Interdisziplinäre Frühförderstelle <strong>Regensburg</strong><br />

Leiterin: Marie-Luise Vergho<br />

Puricellistraße 5<br />

93049 <strong>Regensburg</strong><br />

Tel.: 0941 2980-200<br />

E-Mail: marie-luise.vergho@prmz.de<br />

Interdisziplinäre Frühförderstelle Straubing<br />

Leiterin: Sieglinde Frischmann<br />

<strong>Regensburg</strong>er Straße 17<br />

94315 Straubing<br />

Tel.: 09421 81303<br />

E-Mail: fruehfoerderung@st-wolfgangstraubing.de<br />

„Ich bin so froh, dass es die Frühförderstelle gibt.“<br />

Bewegung und Massage<br />

gehören ebenso zum<br />

Programm der Frühförderin<br />

wie eine regelmäßige<br />

Rücksprache mit<br />

Therapeuten wie Logopäden,Physiotherapeuten,<br />

Ergotherapeuten,<br />

Psychologen und Ärzten.<br />

Interdisziplinär ist<br />

bei der Frühförderstelle<br />

nicht nur ein Wort.<br />

Auch für die Belange<br />

der Eltern hat Erika<br />

stets ein offenes Ohr.<br />

Von fast stumm bis zu<br />

„Warum?“ in nur drei<br />

Wochen<br />

Winken und Lachen<br />

auch beim nächsten<br />

Kind: Ilona heißt die<br />

Kleine. Sie ist fast drei<br />

Jahre alt und spricht<br />

kaum. Ein Wort, zwei<br />

Wörter, selten mehr.<br />

Unzählige Mittelohrentzündungen<br />

im<br />

Babyalter sind schuld<br />

daran. Die Mutter war am Verzweifeln.<br />

„Noch während ihr der Arzt<br />

Antibiotika verabreichte, hatte sie<br />

schon die nächste Entzündung.“ Mit<br />

Ohren, die ständig schmerzen und<br />

voller Eiter sind, kann man nicht<br />

hören. Und so lernte Ilona auch nicht<br />

sprechen. Erst eine Operation im<br />

Mittelohr brachte Erleichterung.<br />

„Seitdem haben wir unser fröhliches<br />

Kind zurück“, sagt die Mutter. Nun<br />

kann sie aufholen, was sie bislang versäumt<br />

hat. Dabei hilft auch ihr Erika<br />

Greil. Dieses Mal hat sich die Frühförderin<br />

etwas Besonderes ausgedacht.<br />

Gemeinsam malen sie und Ilona<br />

Tischtennisbälle an und lassen sie<br />

in einem Kasten über das Papier rollen.<br />

Heraus kommt ein Kunstwerk.<br />

Ilona kneift die Augen zusammen.<br />

Sie arbeitet konzentriert wie ein Jetpilot.<br />

Kaum eine Spur von fehlender<br />

Feinmotorik. Den Pinsel nimmt die<br />

kleine Kinderhand geschickt wie<br />

einen Füller, tunkt ihn in Wasser,<br />

dann Farbe und malt los. Nur das<br />

Drehen des nassen, bunten Balls mit<br />

einer Hand macht ein bisschen<br />

Schwierigkeiten – und das Sprechen.<br />

Ilona arbeitet still. So still, dass man<br />

das Kratzen der Borsten auf dem


Neues von<br />

der Katholischen Jugendfürsorge<br />

Vergelt’s Gott!<br />

Ihre Spende, Ihr Geschenk ist gut angekommen. Herzlichen Dank!<br />

16.000 Lose verkauft<br />

… á 50 Cent, das ergibt eine Spende von<br />

8.000 Euro. „Eine großartige Leistung der Helfer<br />

unserer Weihnachtstombola“, so Sissi Riebeling,<br />

erste Vorsitzende des Fördervereins<br />

Aktion Sonnenschein <strong>Regensburg</strong> e. V. Es ist<br />

beachtlich und bewundernswert, was die Mitglieder<br />

des Vereins alle Jahre wieder für das<br />

<strong>Regensburg</strong>er Kinderzentrum St. Martin<br />

ermöglichen. In 27 Jahren hat der Förderverein<br />

mit insgesamt 800.000 Euro geholfen.<br />

Diese Unterstützung war und ist für die Arbeit<br />

im Sozialpädiatrischen Zentrum St. Martin<br />

besonders wichtig und kommt unmittelbar<br />

den Kindern<br />

zugute.<br />

Tischtennisball hören kann. Frühförderin<br />

Erika hält das Mädchen beim<br />

Tunken zwischen Wasser und Farbe<br />

auf. „Ilona, welche Farbe nimmst<br />

du?“ Ilona runzelt die Stirn und<br />

haucht ein „Gelb“. Immer wieder<br />

kommt diese Frage und Ilonas<br />

Stimmchen wird mutiger. Die Wörter,<br />

die ihre Lippen und Zunge formen,<br />

nehmen plötzlich Gestalt an.<br />

„Rot“, „Grün“ und „Blau“ tönen in<br />

der hölzernen Küche. Erst recht, als<br />

sie mit Erika das bunte Punkte-Hüpfe-Spiel<br />

machen darf.<br />

„Wir werden sie nicht mehr lange<br />

haben“, seufzt die Frühförderin und<br />

fügt ein „Gott sei Dank“ hinzu. Erika<br />

Greil lässt alle ihre Kinder mit einem<br />

Hoch hinaus<br />

Das gilt seit der Spende<br />

der Aktion Sonnenschein<br />

<strong>Regensburg</strong> e. V. für die<br />

Kletterer an einer tollen<br />

Kletterwand im <strong>Regensburg</strong>er<br />

Kinderzentrum<br />

St. Martin. Mit ihrer großzügigen<br />

Unterstützung für<br />

die Wand und den Bewegungsraum<br />

im Wert von<br />

über 5.000 Euro haben<br />

die Förderer im Verein<br />

den Kindern und Jugendlichen<br />

eine riesige Freude<br />

bereitet und bestes<br />

therapeutisches Material<br />

zur Verfügung gestellt. Die ärztliche Leiterin Dipl. med.<br />

Angelika Aisch bedankte sich herzlich: „Der Förderverein<br />

macht immer wieder Dinge möglich, die wir selbst nicht<br />

finanzieren könnten. Dafür ein herzliches Vergelt’s Gott!“<br />

lachenden und einem weinenden<br />

Auge gehen. Seit drei Monaten erst<br />

beschäftigt sie sich mit Ilona. In der<br />

kurzen Zeit hat sich die Kleine mit<br />

den blonden Locken unglaublich<br />

gemausert. Manchmal kommen<br />

schon Drei-Wort-Sätze über ihre Lippen.<br />

Auch die Mutter ist begeistert:<br />

„Ich bin so froh, dass es die Frühförderstelle<br />

gibt. Ilona stellt jetzt sogar<br />

schon Warum-Fragen.“ Auch ihr hat<br />

es geholfen, die Arbeit begleiten zu<br />

können. Was Ilona braucht, ist die<br />

vertraute Umgebung bei ihr zu Hause.<br />

Erst seit Erika auf Hausbesuch<br />

kommt, taut das stille Mädchen auf.<br />

Lukas und Ilona: zwei Kinder, zwei<br />

Schicksale und zwei ganz verschiede-<br />

Fortsetzung Seite 32<br />

ne Fälle der Frühförderstelle. Und<br />

doch haben beide durch die Arbeit<br />

der Einrichtung Hoffnung erhalten.<br />

Ilona wird bald ihre Defizite aufgeholt<br />

haben und mit ihren Altersgenossen<br />

plappern, als wäre nie etwas<br />

gewesen. Sie wird eine normale Schule<br />

besuchen und ein normales Leben<br />

führen. Dank der Frühförderung.<br />

Und Lukas? Sein Leben wird wohl<br />

nie „normal“ verlaufen. Seine Mutter<br />

weiß das. Aber mit Hilfe der Frühförderstelle<br />

lernte sie, ihm zum helfen,<br />

so gut es eben geht. Ihr Ziel: „Er soll<br />

sich selbstständig was aus dem Kühlschrank<br />

holen können, wenn ihn<br />

hungert.“ Hoffnung dazu hat sie:<br />

„Mit dem Trinken klappt das schon“,<br />

sagt sie und lacht.<br />

25


Aktuell<br />

Nachgefragt...<br />

Wolfgang Berg,<br />

Gesamtleiter des<br />

Kinderzentrums<br />

St. Vincent, bezieht<br />

Stellung zu den<br />

Herausforderungen<br />

der aktuellen Finanzund<br />

Wirtschaftskrise.<br />

26<br />

Der Dienst am Menschen<br />

ist ein hohes und wertvolles Gut.<br />

„Mit dieser Überzeugung meistern wir als moderner<br />

und innovativer Träger auch die Herausforderungen der<br />

aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise.“<br />

Interview: Christine Allgeyer · Foto: Juliane Zitzlsperger<br />

Die angespannte Konjunkturlage und die Finanzmarktkrise wirken sich auch auf<br />

soziale Einrichtungen aus. Worauf müssen wir uns aus Ihrer Sicht einstellen?<br />

Jede Finanz- und Wirtschaftskrise – und wir befinden uns in der größten seit Bestehen der<br />

Bundesrepublik - ist auch eine gesellschaftliche und somit soziale Krise. Die Auswirkungen<br />

werden zeitverzögert im gesamten Sozialbereich ankommen.<br />

Welche werden das Ihrer Meinung nach sein?<br />

Es ist zu erwarten, dass es zu Deckelungen von Entgeltsätzen, Sparmaßnahmen im Sachkostenbereich<br />

und zu Belegungsrückgängen in einzelnen Einrichtungen und Bereichen<br />

kommt. Auch werden die Zeiträume für Zwischenfinanzierungen, zum Beispiel bei Zuschüssen<br />

zu Baufinanzierungen von Trägern und Verbänden, steigen und somit ein schwieriges und<br />

unkalkulierbares Investitionsrisiko darstellen. Die hohe Staatsverschuldung und vor allem die<br />

weltweit praktizierte Geldpolitik geben großen Anlass zur Sorge. Insbesondere das Inflationsrisiko<br />

ist derzeit unkalkulierbar hoch.<br />

Das ist Ihre Prognose?<br />

Der derzeitig grundsätzlich hohe Qualitätsstandard sozialer Dienstleistungen in Deutschland<br />

ist gefährdet und die Refinanzierung dieser Leistungen wird eine große Herausforderung für<br />

alle Verantwortlichen darstellen.<br />

Was ist in einer derartigen Situation zu tun? Wie können soziale Träger diesen<br />

Herausforderungen begegnen?<br />

Selbstverständlich müssen wir frühzeitig Konzepte ausarbeiten und Maßnahmen zu gegebener<br />

Zeit umsetzen. Einrichtungen, Träger und Verbände sind gefordert. Eines der besten<br />

Instrumente der Zukunftssicherung ist, dass wir weiterhin professionelle und gute Arbeit<br />

leisten. Diese muss aber auch bezahlt werden. In der jetzigen Situation heißt das: politisch<br />

intervenieren und in der Praxis ein professionelles Finanzmanagement umsetzen. Dem<br />

Grundsatz folgend: wirtschaftlich denken und sozial handeln, werden wir sicherlich auch<br />

mögliche Einsparungspotenziale identifizieren und umsetzen müssen. Dabei müssen wir<br />

nach wie vor die optimale Versorgung unserer Betreuten und die Fürsorgeverantwortung<br />

gegenüber unseren MitarbeiterInnen in den Mittelpunkt unserer Bemühungen stellen.<br />

Keine einfache Aufgabe. Sie sind trotzdem zuversichtlich?<br />

Nach Abschluss des Wahljahres werden Bund, Länder und Kommunen<br />

Sparkonzepte auflegen, die den sozialen Bereich empfindlich<br />

treffen. Aber: Kopf hoch! Jammern hilft nicht! Die wahre Qualität-<br />

und Leistungsfähigkeit eines Trägers und seiner Einrichtungen<br />

zeigt sich doch genau in Krisenzeiten. Gerade jetzt sind die Verantwortlichen<br />

gefordert, mit Selbstbewusstsein, hohem fachlichen<br />

und wirtschaftlichen Sachverstand, Ehrgeiz und sozialem Engagement<br />

für die ihnen anvertrauten Menschen einzutreten. Ich denke,<br />

wir dürfen stolz auf die bisherigen Leistungen zurückblicken und<br />

auch darauf vertrauen, dass es uns gelingt, die Herausforderungen<br />

der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise zu meistern.


Botschaft angekommen<br />

„In Bezirkstagspräsident Franz Löffler haben wir jemanden, der<br />

mit uns den Weg sucht.“ Wohlgesonnene Weggefährten können<br />

die Mobilen Dienste in Cham gut gebrauchen.<br />

Die Mobilen Hilfen in Cham nehmen sich Familien mit Kindern<br />

an, die behindert, von Behinderung bedroht oder entwicklungsverzögert<br />

sind. „Ich bin sehr beeindruckt von der Arbeit hier, sie<br />

wird wirklich hervorragend gemacht“, meinte der Bezirkstagspräsident<br />

bei seinem Besuch anerkennend. Um weiterhin qualitativ<br />

gute Arbeit leisten zu können, müssen die Rahmenbedingungen<br />

in Frühförderstelle und Tagesstätte<br />

verbessert werden. Notwendig sind zusätzliche Individualpflegekräfte<br />

sowie mehr Raum für Therapien,<br />

Beratungsgespräche und individuelle Förderangebote.<br />

„Wir haben auch in schwierigen<br />

Verhandlungen bisher sehr gut und partnerschaftlich<br />

zusammengearbeitet“, brachte <strong>KJF</strong>-<br />

Direktor Michael Eibl die Hoffnung zum Ausdruck,<br />

auch bei aktuellen Vorhaben finanziell<br />

durch den Bezirk unterstützt zu werden.<br />

Neues von<br />

der Katholischen Jugendfürsorge<br />

Menschen …<br />

+++ Dienstjubiläen ++ Neubesetzungen ++ Verdienste ++ Abschiede +++<br />

Gott ist die Liebe.<br />

Und wer in der Liebe wohnt,<br />

der wohnt in Gott und Gott in ihm.<br />

Meister Eckhart<br />

Rita Prantl<br />

geb. 10.2.1939 – gest. 17.2.2009<br />

ehem.Verwaltungsangestellte<br />

im Cabrini-Haus Offenstetten<br />

Barbara Valtl<br />

geb. 16.5.1971 – gest. 8.3.2009<br />

Kinderpflegerin<br />

am Heilpädagogischen Zentrum Rottal-Inn<br />

Im Gebet und im Glauben wissen wir<br />

uns den Verstorbenen über den Tod hinaus verbunden<br />

und zu Dank verpflichtet.<br />

Direktor Michael Eibl<br />

Mit im St.-Gunther-Boot<br />

Steigende Schülerzahlen, SchülerInnen mit erhöhtem<br />

Pflegebedarf, die Umsetzung des neuen Rahmenvertrags<br />

für Frühförderstellen: Die Bildungsstätte<br />

St. Gunther in Cham kann wirklich einen<br />

Fürsprecher mit Einfluss brauchen. Den hat sie mit<br />

Markus Sackmann, Staatssekretär im Sozialministerium,<br />

gefunden.<br />

Dringend notwendig seien dafür mehr Personal<br />

und eine Ausweitung der Räumlichkeiten, wie Einrichtungsleiter<br />

Walter Scherbaum, MitarbeiterInnen<br />

der Einrichtung sowie Michael Eibl, Direktor<br />

der <strong>KJF</strong>, und Bertin Abbenhues, Abteilungsleiter<br />

Behindertenhilfe der <strong>KJF</strong>, in einem Gespräch mitteilten.<br />

Markus Sackmann erklärte sich bereit, dies<br />

mit auf den Weg zu bringen, um die gleichberechtigte<br />

Teilhabe, die Integration und Inklusion für<br />

Menschen mit Behinderung zu erreichen. Dies sei<br />

Ausdruck der UN-Behindertenkonvention und stehe<br />

auch im Zentrum bayerischer Behindertenpolitik,<br />

so der Staatssekretär.


Aktuell<br />

Hinsehen und handeln:<br />

Projekt „Compassion“ zeigt jungen Leuten,<br />

was es heißt, soziale Verantwortung<br />

zu übernehmen<br />

Text und Fotos: Christine Allgeyer<br />

60 SchülerInnen der Jahrgangsstufe 10 des Wernervon-Siemens-Gymnasiums<br />

haben im Frühjahr dieses<br />

Jahres in sozialen Einrichtungen in <strong>Regensburg</strong> ein<br />

Sozialpraktikum absolviert. „Compassion“, so der<br />

Titel des Projekts, ist in den Einrichtungen der Katholischen<br />

Jugendfürsorge der Diözese <strong>Regensburg</strong> e.V.<br />

seit 2002 bekannt. Heuer haben sich, nicht zum ersten<br />

Mal, das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum, die Schule zur<br />

Erziehungshilfe im Kinderzentrum St. Vincent und die<br />

Bischof-Wittmann-Schule beteiligt. Compassion will<br />

SchülerInnen die Begegnung mit Menschen in schwierigen<br />

Lebenssituationen ermöglichen. Sie sollen so an<br />

soziale Tugenden herangeführt werden.<br />

Mona Gfüllner und Saskia Venus<br />

haben eine Woche die Klasse neun der<br />

Hauptschulstufe der Bischof-Wittmann-Schule<br />

begleitet, eine fünfte<br />

Klasse und die dem Förderzentrum<br />

angeschlossene Tagesstätte besucht.<br />

„Die schönste Erfahrung war, dass die<br />

Schüler sehr offen auf mich zugekommen<br />

sind. Ich hatte eher erwartet, dass<br />

sie schüchtern und zurückhaltend<br />

sind, aber das Gegenteil war der Fall“,<br />

erzählt Mona. Sie und Saskia hatten<br />

keine konkrete Vorstellung vom<br />

Unterricht an einem Förderzentrum<br />

mit Förderschwerpunkt geistige Ent-<br />

28<br />

wicklung. Das Compassion-Projekt<br />

ermöglichte ihnen außergewöhnliche<br />

Einblicke und Begegnungen. Saskia<br />

hatte sich für die Bischof-Wittmann-<br />

Schule entschieden, weil sie sehen<br />

wollte, wie die Kinder lernen, welcher<br />

Stoff ihnen vermittelt wird und wie<br />

sie mit ihren Behinderungen zurechtkommen.<br />

Unterricht mal anders<br />

Weiterführende Informationen<br />

zum Projekt „Compassion“<br />

Eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz initiierte<br />

unter Federführung von Dr. Adolf Weisbrod, dem<br />

ehemaligen Direktor der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg,<br />

1992 das Projekt „Compassion“. Die Konferenz der<br />

deutschen Kultusminister hat 1996 die Initiative als Pilotprojekt<br />

anerkannt und zusammen mit dem Land Baden-<br />

Die Begegnung sei für sie kein Problem<br />

gewesen, meint Saskia, denn sie<br />

Vanessa Völkl spielt mit Kindern der vierten Klasse<br />

der E-Schule.<br />

hätte schon früh Kontakt mit behinderten<br />

Kindern gehabt. „Es ist sehr<br />

schön hier“, stellt Mona fest, „ein großer<br />

Unterschied zur normalen Schule.<br />

Die Beziehung zwischen Lehrern und<br />

Schülern ist intensiv und offen.“ Den<br />

beiden Mädchen fiel auf, dass die<br />

Klassen am Förderzentrum viel kleiner<br />

sind und dass der Unterricht sehr<br />

abwechslungsreich, zum Teil auch<br />

spielerisch gestaltet wird. „Die Schüler<br />

können sich halt nicht so lange konzentrieren,<br />

da lernt es sich mit Spaß<br />

leichter“, bemerkt Saskia. Kochen,<br />

Schwimmen, Kegeln, Werken, Textil-<br />

Württemberg und der Erzdiözese Freiburg die wissenschaftliche<br />

Begleitung und Evaluierung finanziert.<br />

Inhalt des Projekts ist zunächst ein Praktikum von SchülerInnen<br />

in einer sozialen Einrichtung. Das Praktikum soll<br />

thematisch in den Unterricht integriert werden. Insbesondere<br />

in der Nachbereitung können die SchülerInnen ihre<br />

oft einschneidenden Erfahrungen reflektieren und in ihren<br />

persönlichen Lebensentwurf integrieren. Es ist ein Projekt<br />

des sozialen Lernens, das die Entwicklung sozialverpflichtender<br />

Haltungen wie Solidarität, Kooperation, Kommuni-


arbeiten – bei all diesen Aktivitäten<br />

waren sie dabei. „Es geht nicht nur um<br />

die Stoffvermittlung, sondern auch<br />

um alltagspraktische Fähigkeiten und<br />

das soziale Leben. Jeder bekommt eine<br />

andere Aufgabe, abhängig davon, wie<br />

fit er ist“, erzählt Mona weiter. Sie hätten<br />

die Schüler einzeln oder in Gruppen<br />

unterstützt und bei Unsicherheiten<br />

und Fragen mitgeholfen.<br />

Alexander Rupprecht und Martina<br />

Dettenhofer, beide 15 Jahre alt und in<br />

der neunten Klasse der Hauptschulstufe,<br />

beteiligten sich gemeinsam mit<br />

ihrem Lehrer Wolfgang Bachmeier<br />

am Erfahrungsaustausch mit Saskia<br />

und Mona: „Es ist schön, wenn Gäste<br />

kation und Engagement für Menschen, die, aus welchen<br />

Gründen auch immer, auf die Hilfe anderer Menschen<br />

angewiesen sind, zum Ziel hat. Mittlerweile wird das Compassion-Projekt<br />

deutschlandweit an kirchlichen wie staatlichen<br />

Schulen durchgeführt, des Weiteren haben sich Projektschulen<br />

aus anderen europäischen Ländern beteiligt.<br />

Der Begriff „Compassion“ im Sinne von „Mitleidenschaft“<br />

ist im politischen Denken der sechziger Jahre (J.F. Kennedy,<br />

W. Brandt) bekannt geworden. Außerdem nimmt er<br />

eine Denktradition auf, die mit dem Begriff der „Verant-<br />

da sind. Die Praktikantinnen waren<br />

hilfsbereit und lustig, haben ein schönes<br />

Aussehen und ein nettes Lachen<br />

wie der Sonnenschein“, freut sich Alexander.<br />

Auch Martina empfand es als<br />

hilfreich, dass sie die beiden im<br />

Unterricht unterstützt haben. Wolfgang<br />

Bachmeier räumt ein, dass es<br />

natürlich nicht in jeder Klasse so einfach<br />

sei, Praktikanten zu integrieren.<br />

Bei seiner Klasse sei es allerdings so,<br />

dass es die Jugendlichen ansporne.<br />

„Ich bin dankbar, wenn sich die<br />

Arbeit auf mehrere Hände, vor allem<br />

auch Augen und Ohren verteilt. Die<br />

Praktikanten können gute Erfahrungen<br />

sammeln und aktiv mitwirken.“<br />

Aktuell<br />

Der Klassleiter unterrichtet die HS 9<br />

vierzehn Stunden pro Woche in den<br />

Fächern Deutsch, Mathematik,<br />

Sport, Religion und Musik. „Das<br />

Compassion-Projekt ist eine riesige<br />

Chance für die jungen Leute, sich auf<br />

Bereiche einzulassen, mit denen sie<br />

sonst nie konfrontiert werden. Oft<br />

bestehen deswegen Unsicherheiten,<br />

die sich hier ganz selbstverständlich<br />

abbauen“, stellt Wolfgang Bachmeier<br />

heraus. Er wünscht sich, dass die<br />

Bild v.li.: Mona Gfüllner, Saskia<br />

Venus und Martina Dettenhofer im<br />

Café Titanic der BWS.<br />

wortlichen Gesellschaft“, formuliert durch den Ökumenischen<br />

Rat der Kirchen, seit Jahrzehnten das Denken und<br />

Handeln der Kirchen in der Gesellschaft und für die<br />

Gesellschaft beeinflusst hat.<br />

Die Haltung, für die „compassion“ steht, ist am besten<br />

mit „Mitleidenschaft“, Wohlwollen, Zuwendung, Hilfsbereitschaft<br />

wiederzugeben; Haltungen, die durch kein<br />

Gesetz verordnet werden können und ohne die eine<br />

Gesellschaft doch nicht auskommt.<br />

Quelle: http://www.schulstiftung-freiburg.de<br />

29


Titelthema<br />

Alexander Rupprecht, Schüler der Klasse HS9, mit Mona Gfüllner während der Mittagspause im Café Titanic der BWS.<br />

Praktikanten nicht nur die Arbeit des<br />

Lehrers sehen, sondern auch wahrnehmen,<br />

wie viel die Schüler zurückgeben.<br />

Er vermittelt die Freude an seinem<br />

Beruf und hofft darauf, dass die<br />

jungen Leute bei ihrer Berufswahl<br />

auch einen sozialen Beruf als Möglichkeit<br />

einbeziehen.<br />

„Die Kinder sind nicht<br />

besonders anders.“<br />

So empfand es Ulrike Manstetten, die<br />

das Sozialpraktikum gemeinsam mit<br />

Vanessa Völkl in der Schule zur Erziehungshilfe<br />

des Kinderzentrums St.<br />

Vincent absolvierte. „Sie können das<br />

schon ganz gut bewältigen, man muss<br />

ihnen nur die Chance dafür geben“,<br />

so die Schülerin weiter. Ihre Erfahrungen<br />

sammelten sie in der vierten<br />

und fünften Klasse der E-Schule.<br />

Christine Czap, Sonderschullehrerin<br />

und Klassleiterin der vierten Klasse<br />

mit zehn SchülerInnen zwischen 10<br />

und 12 Jahren, integrierte Vanessa in<br />

das Unterrichtsgeschehen, soweit dies<br />

möglich war. „Wir haben hier Kinder,<br />

die es an der Regelschule nicht schaffen.<br />

Viele der Kinder haben ADHS.<br />

Sie brauchen klare Strukturen und<br />

einen geregelten Ablauf. So finden sie<br />

30<br />

leichter die Ruhe, um sich überhaupt<br />

auf den Stoff einlassen zu können.“<br />

Alle Kinder haben eine zusätzliche<br />

Form der Betreuung, nachmittags im<br />

Kinderzentrum St. Vincent vollstationär<br />

oder in der Tagesstätte. Unterrichtet<br />

wird nach dem Lehrplan der<br />

Grundschule. Vanessa hatte sich die<br />

E-Schule ausgesucht, weil sie wissen<br />

wollte, was an den Vorurteilen gegenüber<br />

so genannten Heim<strong>kin</strong>dern dran<br />

ist. „Die sollen immer so aggressiv<br />

sein“, hatte sie gehört. „Aber das ist<br />

gar nicht so“, berichtet sie. „Die Kinder<br />

haben einfach Probleme. Im<br />

Unterricht können sie sich schnell<br />

nicht mehr konzentrieren, dann wird<br />

es laut oder unruhig.“<br />

Auch Vanessa hat gespürt, dass eine<br />

enge Lehrer-Schüler-Beziehung der<br />

Schlüssel zum Erfolg ist. „Es hilft den<br />

Kindern, wenn die Lehrer sie gut kennen<br />

und sie Vertrauen zu ihnen<br />

haben.“ Vanessa konnte während der<br />

Unterrichtsstunden, in der Hauspause<br />

und in der Begegnung mit den Kindern<br />

viele wertvolle Erfahrungen sammeln.<br />

Besonders eindrücklich empfand<br />

sie die Offenheit, mit der die<br />

Schüler ihren Lehrern begegnen. Auch<br />

für Ulrike war das Praktikum in der E-<br />

Schule eine Bereicherung. „Man lernt<br />

das ja im Alltag nie kennen“, bestätigt<br />

sie, „und so kann man sich eine Meinung<br />

bilden.“ Besonders aufgefallen<br />

ist ihr, wie wichtig es sei, die Kinder<br />

nicht gleich zu verurteilen. „Auch<br />

wenn sie mal etwas falsch gemacht<br />

haben, brauchen sie immer wieder die<br />

Chance, anerkannt zu werden.“<br />

„Die Praktikanten haben sehr viel<br />

mitgenommen.“<br />

Das freut Stefan Kremer, der Religion,<br />

Geschichte, Sozialkunde und<br />

Mathematik am Werner-von-Siemens-Gymnasium<br />

unterrichtet, besonders.<br />

Die Schüler seien im Handeln<br />

an anderen Menschen aufgeblüht.<br />

Für Kremer bedeutet das Compassion-Projekt<br />

viel Arbeit, denn es<br />

erfordert eine intensive Vor- und<br />

Nachbereitung. Dazu gehört die Verknüpfung<br />

mit Themen aus dem Lehrplan<br />

wie aktuellen ethischen Fragen<br />

zur Pränataldiagnostik und zur Gentechnik<br />

oder der Vergleich sozialen<br />

Handelns im Christentum und im<br />

Islam. „Am wichtigsten ist jedoch“,<br />

erklärt Kremer, „dass die Schüler lernen,<br />

nicht nur Mitleid oder Empathie<br />

aufzubringen, sondern helfen, handeln<br />

und hinsehen.“


Langes Suchen lohnt sich<br />

Dr. Beate Schildbach und ihr Team freuen sich: Die Erziehungs-,<br />

Jugend- und Familienberatungsstelle in Weiden hat endlich viel<br />

Platz in großzügigen, hell und freundlich gestalteten Räumen.<br />

Angesichts zunehmender Probleme und der Komplexität der Fälle<br />

sowie der stetig ansteigenden Fallzahlen war die<br />

räumliche Veränderung notwendig geworden. „Wir<br />

sind froh, dass es uns gelungen ist, gemeinsam<br />

mit den Jugendhilfeverantwortlichen der Stadt Weiden<br />

und des Landkreises Neustadt für die Erziehungsberatungsstelle<br />

eine gute räumliche Lösung<br />

gefunden zu haben. Dadurch kann konzeptionell<br />

noch flexibler gearbeitet werden, das kommt den<br />

Ratsuchenden in der Region zugute“, so Robert<br />

Gruber, Abteilungsleiter Jugendhilfe der <strong>KJF</strong>.<br />

55 Arbeitsplätze<br />

für Menschen mit Behinderung<br />

Die Eggenfeldener Werkstätten wachsen und wachsen: Durch<br />

die fünfte Erweiterung seit der Gründung 1976 sind weitere 55<br />

Arbeitsplätze für Menschen mit schweren und mehrfachen<br />

Behinderungen entstanden. Das Richtfest im März 2009 gibt das<br />

Tempo vor: Bereits im September soll in den neuen Räumen<br />

gearbeitet werden. Auf 1.300 Quadratmetern überbauter Fläche<br />

entstehen vier zusätzliche Montageräume, eine große Lagerhalle<br />

mit technischen Hilfen für das zügige Be- und Entladen der<br />

LKWs sowie erweiterte Sozial- und Schulungsräume. Die Baukosten<br />

für das Projekt betragen rund 1,9 Millionen Euro, die der<br />

Freistaat Bayern, die Bundesagentur für Arbeit, der Bezirk<br />

Niederbayern und die <strong>KJF</strong> schultern.<br />

NEUES<br />

aus den<br />

Einrichtungen<br />

In Zukunft noch flexibler<br />

Die Erziehungs-, JugendundFamilienberatungsstelle<br />

in Tirschenreuth wurde<br />

erweitert. „Wir sind sehr<br />

froh über die zusätzlichen<br />

Räume für die Erziehungsberatungsstelle“,<br />

freute sich<br />

<strong>KJF</strong>-Direktor Michael Eibl.<br />

Dadurch könne das Team<br />

konzeptionell noch flexibler<br />

arbeiten. Der Leiter der EB<br />

in Tirschenreuth, Dipl. Psych. Wolfgang Sill, will das<br />

Profil der EB als integriertes Angebot für Kinder,<br />

Jugendliche, Eltern und Erziehende noch weiter<br />

schärfen. Um die fachlich-konzeptionell anspruchsvolle<br />

Arbeit optimal gestalten und umsetzen zu<br />

können, reicht der Platz nun aus. Die Möglichkeiten<br />

für Beratung, Therapie, Spiel- und Kooperationsprojekte<br />

sowie die Netzwerkarbeit wurden deutlich<br />

verbessert.<br />

Fortsetzung Seite 34<br />

31


Neues von<br />

der Katholischen Jugendfürsorge<br />

Vergelt’s Gott!<br />

Ihre Spende, Ihr Geschenk ist gut angekommen. Herzlichen Dank!<br />

Neujahrsbesuch<br />

mit Spendenscheck<br />

Um 1.500 Euro zusammenzubekommen, müssen<br />

viele Plätzchen verkauft und manches Projekt<br />

umgesetzt werden. Erfolgreich gelungen ist dies<br />

den Schülerinnen der Mädchenrealschule Niedermünster.<br />

Wie die Jahre zuvor spendeten sie den<br />

Erlös ihrer Bemühungen den Kindern in der Bichof-<br />

Wittmann-Schule. „Es ist wichtig, dass wir unseren<br />

jungen Menschen zeigen, dass es auch anderes<br />

Leben gibt, ein Leben mit Behinderung. Da hinzuschauen,<br />

lässt die Dankbarkeit dafür wachsen, wie<br />

gut es einem selbst geht“, stellte Schwester Brigitta<br />

Wex, Leiterin der Realschule, heraus.<br />

32<br />

Viel Gutes bewirkt<br />

Die <strong>KJF</strong>-nahe Stiftung „Für junge Menschen. Stiftung<br />

kirchliche Kinder- und Jugendhilfe“ feiert heuer ihr<br />

fünfjähriges Jubiläum. Mit über 110.00 Euro hat sie<br />

sich seit ihrem Bestehen erfolgreich für benachteiligte<br />

Kinder, Jugendliche und hilfebedürftige Erwachsene<br />

engagiert und geholfen, wo öffentliche Mittel und<br />

Eigenleistungen des Trägers nicht ausreichten, Unterstützung<br />

aber dringend notwendig war. „Was wir mit<br />

unserer Stiftung leisten konnten, ist enorm“, stellt<br />

Michael Eibl, Vorsitzender des Stiftungsrates, heraus.<br />

„Wir sind sehr dankbar für das Engagement und die<br />

Großzügigkeit der Menschen, die uns mit ihren kleinen<br />

und großen Spenden unterstützen. Ihnen allen<br />

ein herzliches Vergelt´s Gott.“ Im April brachte zum<br />

Beispiel ein Benefizkonzert mit der Altneihauser Feierwehrkapell'n<br />

einen Erlös von 10.000 Euro ein, der die<br />

Jugendhilfeeinrichtung Haus St. Eisabeth in Windischeschenbach<br />

unterstützt.<br />

Wieder an die Kinder<br />

gedacht<br />

Der Frauenbund St. Paul aus Königswiesen unterstützte<br />

auch heuer wieder das Kinderzentrum St.<br />

Vincent der <strong>KJF</strong> mit einer Spende in Höhe von 1.000<br />

Euro. Die Vorsitzende Gabriele Nafz überreichte den<br />

Scheck an Gesamtleiter Wolfgang Berg. Davon konnten<br />

Ferienmaßnahmen und der Bau des Abenteuerspielplatzes<br />

unterstützt werden.


Mir san mim Radl do<br />

Mit 40 Rädern überraschte das BMW-Werk <strong>Regensburg</strong><br />

die Katholische Jugendfürsorge. Die Radl in bestem Zustand<br />

übergab Martina Grießhammer, Leiterin der Presse- und<br />

Öffentlichkeitsarbeit bei BMW. Sie freute sich, dass diese<br />

„sinnvoll für junge Menschen eingesetzt werden können“.<br />

In der Lernwerkstatt, im Kinderzentrum St. Vincent und<br />

im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum konnten die Kinder und<br />

Jugendlichen die Drahtesel gut gebrauchen. Michael Eibl,<br />

Direktor der <strong>KJF</strong>, bedankte sich für das soziale Engagement<br />

von BMW, das sich auch in zahlreichen Aufträgen an die<br />

Werkstätten für behinderte Menschen äußere.<br />

Endlich geschafft!<br />

Die Benefizaktion STERNSTUNDEN des Bayerischen<br />

Rundfunks war mit 30.000 Euro größter Sponsor für<br />

das Erlebnis- und Bewegungsfeld der Bischof-Wittmann-Schule.<br />

„Ein schöneres Geschenk hätte Sternstunden<br />

unseren Kindern und Jugendlichen nicht<br />

machen können“, bedankten sich Einrichtungsleiter<br />

Ludwig Faltermeier und Elternbeiratsvorsitzende<br />

Annette Fischer bei Gerhard Schiechel, BR-Studioleiter<br />

des Regionalstudios Ostbayern, der den Spendenscheck<br />

überreichte. Der Gesamtwert der Außenanlage<br />

mit Sinnespfad, Atrium, Laufbahn, Indianersiedlung,<br />

Feuerstelle, Waldlandschaft, Wasserpumpe<br />

und Pavillon beläuft sich auf etwa 90.000 Euro.<br />

Neues von<br />

der Katholischen Jugendfürsorge<br />

Neuen Freund gefunden<br />

Die PSD Bank <strong>Regensburg</strong> sicherte mit einer<br />

2.500-Euro-Spende, überreicht von Vorstandsvorsitzendem<br />

Thomas Reindl, die Teilnahme<br />

der Special Olympics-Athletinnen und -Athleten<br />

der <strong>KJF</strong> an Wettkämpfen in Inzell und im<br />

Lungau. Die Freude über das Engagement der<br />

neuen Förderer war riesengroß, denn Ausstattung,<br />

Fahrten, Verpflegung und Unterkunft<br />

kosten richtig viel Geld. Die Coaches Ulrike<br />

Schön-Nowotny von der Bischof-Wittmann-<br />

Schule und Herbert Pischulti von der Cabrinischule<br />

in Offenstetten wissen das nur zu gut.<br />

Dass sich die PSD-Bank mit dieser Spende<br />

engagierte, war ein wahrer Segen. Glück<br />

gebracht hat es auch: Die Sportler beider<br />

Schulen kamen mit insgesamt 19 Medaillen<br />

heim!<br />

33


NEUES<br />

aus den<br />

Einrichtungen<br />

Ein Herz für Auszubildende<br />

Bereits zum vierten Mal verlieh Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller<br />

als Schirmherr den Preis „Ausbildungsfreundlicher Betrieb“.<br />

Heuer erkannte er damit die Leistungen der Baumschule Bösl<br />

GmbH & Co. KG in Schwandorf in 15 Jahren hervorragender<br />

Zusammenarbeit mit dem Haus des Guten Hirten an. Mit dem<br />

Preis, den die <strong>KJF</strong> jährlich auslobt, wird das Engagement von<br />

Betrieben honoriert, die benachteiligten jungen Menschen mit<br />

einem besonderen Förderbedarf eine qualifizierte Ausbildung<br />

ermöglichen. In den vergangenen<br />

10 Jahren hat die Baumschule<br />

Bösl insgesamt 21 junge<br />

Menschen ausgebildet,<br />

darunter sechs mit besonderem<br />

Förderbedarf aus dem<br />

Haus des Guten Hirten.<br />

34<br />

Ab sofort gemeinnützige GmbH<br />

Mitte Juni beschloss die Mitgliederversammlung der <strong>KJF</strong> einstimmig die Ausgliederung<br />

der Werkstätten für behinderte Menschen Straubing, Eggenfelden,<br />

Mitterfels und Mitterteich mit ihren Außenstellen in die <strong>KJF</strong> Werkstätten<br />

gemeinnützige GmbH. Vorstand und Verwaltungsrat haben die Ausgründung<br />

nach intensiver Beratungszeit empfohlen. Mit dieser für die <strong>KJF</strong> bedeutsamen<br />

Entscheidung kann das Haftungsrisiko für den Verein begrenzt werden. Für<br />

die betroffenen MitarbeiterInnen ist wichtig, dass<br />

sie alle übergeführt und weiter nach AVR bezahlt<br />

werden, in der ZVK bleiben und die Entgeltumwandlung<br />

angeboten wird. Alleinige Gesellschafterin<br />

der <strong>KJF</strong> Werkstätten gemeinnützige GmbH ist<br />

die <strong>KJF</strong> Regenburg e. V. Der Vorstand der <strong>KJF</strong> ist der<br />

Vertreter der Gesellschafterin. Der Aufsichtsrat der<br />

Gesellschaft besteht aus: Hubert Tausendpfund<br />

(Vorsitzender), Johannes Magin (stv. Vorsitzender)<br />

und Josef Reil; Geschäftsführer ist Hans Horn.<br />

In guten Händen<br />

Die Sozialstation der obh Rottal-Inn arbeitet seit<br />

15 Jahren erfolgreich in der Grund- und Behandlungspflege,<br />

unterstützt kranke und pflegebedürftige<br />

Menschen in der hauswirtschaftlichen Versorgung<br />

und bei manch anderen Verrichtungen des<br />

täglichen Lebens. Diese Erfahrungen und Kompetenzen<br />

fließen nun auch in die Begleitung und<br />

Betreuung demenzkranker Menschen ein. Von diesem<br />

Angebot profitieren Betroffene im ganzen<br />

Landkreis: „Wir wirken Versorgungslücken entgegen“,<br />

erklärt Josef Mühlthaler, Gesamtleiter der<br />

obh Rottal-Inn. Pflegedienstleiterin Kornelia Seidl,<br />

die über profundes Fachwissen in der Krankenund<br />

Altenpflege verfügt, hat mit dem Angebot<br />

„Cisterna“ für demenzkranke Menschen bereits<br />

Akzente gesetzt.


Ich bin da<br />

Meine Tochter lag in meinem Arm und ich gab ihr<br />

die Flasche. Nach ein paar Schluck hörte sie auf zu<br />

trinken und schaute mich an. Es dauerte eine Weile,<br />

bis ich das merkte, denn in Gedanken war ich<br />

gerade bei den Ereignissen des Tages, eines unangenehmen<br />

Tages übrigens.<br />

Alle Versuche, meine Tochter zum Weitertrinken<br />

zu bewegen, gingen daneben. Eigentlich wollte ich<br />

ja meinen Gedanken nachhängen und je mehr ich<br />

das wollte, desto weniger klappte es mit der Flasche.<br />

Meine Tochter hatte wohl meinen unfreundlichen<br />

Blick gesehen und begann zu weinen – laut<br />

und herzhaft. Also musste ich aufstehen und herumgehen,<br />

eben alles, was man als Vater tun kann.<br />

Als dann endlich Ruhe eingekehrt war, startete ich<br />

einen neuen Versuch mit der Flasche. Dieses Mal<br />

aber saß ich da, als ob es nichts Wichtigeres auf<br />

der Welt gäbe als meiner Tochter die Flasche zu<br />

geben – und sie trank, zufrieden bis zum Ende.<br />

Ihre Augen schauten dabei auf mich ... ein wenig<br />

fragend: Bleibt der Papa jetzt da, oder ist er schon<br />

wieder woanders?<br />

Ich bin der, der ich da bin, so stellte sich Gott<br />

Mose vor. Was das heißt, habe ich an diesem<br />

Abend gelernt.<br />

Quelle: Karl-Heinz Lehner, in: Nachgedacht. Radio-Gedanken zum<br />

Tagesausklang, Würzburg 1997<br />

Innehalten


Bitte vormerken!<br />

Wir laden Sie herzlich ein zu<br />

Schmidbauer<br />

& Kälberer<br />

am Samstag, 3. Oktober 2009<br />

um 20.00 Uhr (Einlass 19.00 Uhr)<br />

in der Stockhalle Undorf<br />

Eintritt: 19 Euro<br />

zugunsten des Kinderzentrums St. Vincent<br />

Karten über:<br />

• www.okticket.de<br />

• Kinderzentrum St. Vincent<br />

Johann-Hösl-Straße 4<br />

93053 <strong>Regensburg</strong><br />

• Katholische Jugendfürsorge<br />

- Pforte- Orleansstraße 2 a<br />

93055 <strong>Regensburg</strong><br />

• Bernsteinbuchhandlung Nittendorf<br />

Infos: 0941-79887-174<br />

veranstaltet von:<br />

Damit Leben<br />

gelingen kann.<br />

Aufbruch an einem<br />

sicheren Ort.<br />

2. St. Vincent-Fachtagung<br />

vom Umgang mit<br />

traumatisierten Kindern<br />

und Jugendlichen in der<br />

Heimerziehung<br />

in <strong>Regensburg</strong><br />

am 27. November 2009<br />

Referentin: Wilma Weiß<br />

Fachleiterin des Zentrums für Traumapädagogik<br />

in Hanau<br />

Workshops mit ExpertInnen des Kinderzentrums<br />

St. Vincent und anderer Einrichtungen der <strong>KJF</strong><br />

Veranstalter: Kinderzentrum St. Vincent<br />

Nähere Informationen: www.vincent-regensburg.de<br />

Träger:<br />

Katholische Jugendfürsorge<br />

der Diözese <strong>Regensburg</strong> e. V.<br />

Katholische Jugendfürsorge der Diözese <strong>Regensburg</strong> e. V. · Orleansstraße 2a · 93055 <strong>Regensburg</strong>

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