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Facetten November 2009

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Ausgabe 17 • <strong>November</strong> <strong>2009</strong><br />

Kasseler Werkstatt · Kindertagesstätte Georg-Wündisch-Haus<br />

Renthof Seniorenzentrum · Tagespflege am Holzmarkt · Pro Dokument


konzipieren<br />

bauen<br />

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Aufbruch? – Aufbruch!<br />

UN-Konvention seit März <strong>2009</strong> verbindlich<br />

In einem Vorwort zum damals neuen<br />

SGB IX, Recht auf Teilhabe, hieß es 2001:<br />

„Vieles kann man nicht verordnen, deshalb<br />

müssen erst die Barrieren im Kopf<br />

beseitigt werden.“ Die UN-Konvention<br />

zum Schutz und zur Förderung der Rechte<br />

behinderter Menschen, die seit dem 26.<br />

März <strong>2009</strong> in Deutschland verbindlich<br />

ist, setzt neue Maßstäbe. Sie definiert das<br />

Recht auf Unauffälligkeit. Auch ist sie ein<br />

Paradebeispiel dafür, wie internationales<br />

Recht mehr und mehr an Einfluss auf nationales<br />

Recht gewinnt.<br />

Der Konvention soll in Staaten mit<br />

unterschiedlichen Entwicklungsständen<br />

Geltung verschafft werden. In Deutschland<br />

ist festzustellen, dass mit dem<br />

SGB IX bereits wesentlichen Schritte geleistet<br />

worden sind. Die Konvention garantiert<br />

z. B. Menschen mit Behinderungen<br />

umfassende rechtliche und soziale Gleichberechtigung<br />

sowie Teilhabe am gesellschaftlichen<br />

Leben. Dazu gehören u. a.<br />

die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten<br />

auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, die<br />

Förderung der Bildung durch den freien<br />

Zugang zu den sogenannten Regelschulen<br />

und die Berücksichtigung von Belangen<br />

behinderter Frauen.<br />

Die Zahlen sprechen für sich: In<br />

Deutschland gehen nur etwa 15 bis 20<br />

Prozent der behinderten Kinder gemeinsam<br />

mit nicht behinderten zur Schule.<br />

Nach den Recherchen der Behindertenbeauftragten<br />

der Bundesregierung, Karin<br />

Evers-Meyer, liegt diese Zahl in anderen<br />

europäischen Ländern bei etwa 80 Prozent<br />

(zitiert aus dem Informationsservice<br />

des PARITÄTISCHEN).<br />

Das Wesen der UN-Konvention empfinde<br />

ich als einen Aufbruch im Sinne einer<br />

durch internationales Recht begründeten<br />

Sichtweise auf Individualität, und zwar<br />

jene, die ein Mensch mit Behinderung für<br />

sich reklamiert und leben möchte. Formen<br />

der Betreuung und Unterstützung reduzieren<br />

sich auf Begleitung und Assistenz.<br />

Wahl und Umfang oder natürlich das Ablehnen<br />

der Angebote<br />

bzw. Assistenz<br />

liegen in der<br />

Entscheidung des<br />

Einzelnen. Wesentlich<br />

hierbei<br />

ist, ein Selbstverständnis<br />

dafür zu<br />

entwickeln, diese<br />

Entscheidungen<br />

als verbindlich<br />

a n z uerken nen,<br />

selbst wenn sie<br />

bei Menschen mit<br />

schwersten Behinderungen<br />

u. U.<br />

begleitet werden<br />

müssen.<br />

Auszüge aus der Qualitätspolitik der<br />

Sozialgruppe Kassel e. V. lauten: Die Sozialgruppe<br />

Kassel e. V. konzentriert sich<br />

auf die Stärken und Kompetenzen von<br />

Menschen. Dabei haben die Achtung der<br />

Würde und der Respekt vor der Person<br />

Priorität. Unser Handeln wird bestimmt<br />

durch die Akzeptanz der Rechte auf Teilhabe<br />

und Selbstbestimmung.<br />

Durch die UN-Konvention wird aus der<br />

Akzeptanz eine Verpflichtung, eine Verpflichtung,<br />

der wir gerne folgen.<br />

Gerald Reißmann (Geschäftsführer)<br />

UN-Konvention in Stichworten<br />

l Stärkung der Teilhaberechte behinderter Menschen<br />

l Förderung, Schutz und Gewährleistung des vollen<br />

und gleichberechtigten Genusses aller Menschenrechte<br />

und Grundfreiheiten und Achtung der innewohnenden<br />

Würde aller Menschen mit Behinderungen<br />

(Art. 1)<br />

l individuelle Autonomie<br />

l freie Entfaltung der Persönlichkeit<br />

l Recht auf Bildung<br />

l Verwirklichung des Rechts auf Arbeit unter Beachtung<br />

des Wunsch- und Wahlrechts (Art. 27)<br />

FACETTEN 3


Wir wollen bauen!<br />

1. Preis für besondere Architektur<br />

Architekturwettbewerb für neues<br />

Wohn- und Pflegezentrum in der<br />

Kasseler Unterneustadt<br />

Der Architektenwettbewerb zum Neubau<br />

einer Wohn- und Pflegeeinrichtung<br />

in der Unterneustadt, in der sechs bis<br />

sieben Hausgemeinschaften mit jeweils<br />

zehn bis zwölf Apartments entstehen sollen,<br />

wurde am 13. 11. <strong>2009</strong> entschieden.<br />

Die Jury vergab den mit 16.000 Euro dotierten<br />

Preis an die Stuttgarter h4a Architekten.<br />

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis,<br />

denn es entspricht sehr weitgehend<br />

unseren Vorstellungen und den Erwartungen<br />

an eine besondere Architektur<br />

am exponierten Unterneustädter Kirch-<br />

Warum bauen wir neu?<br />

Das Seniorenzentrum verlässt den Renthof in 2012<br />

70 Jahre sind gemessen am ehrwürdigen Alter<br />

des Renthofs nur eine kurze Zeit. So lange betreiben<br />

wir eine moderne Pflege in einem historischen<br />

Gebäude.<br />

Auf einzigartige Weise fühlen sich die Bewohnerinnen<br />

und Bewohner im Renthof wohl. 50 m<br />

entfernt vom Altmarkt, also mitten am Puls der<br />

Stadt Kassel, empfindet man den Innenhof des<br />

Renthofs als friedliche und ruhige Oase. Im Seniorenzentrum<br />

Renthof ist die besondere Qualität<br />

der Hausgemeinschaften, dem Pflegekonzept<br />

der Sozialgruppe Kassel e.V., spürbar. Der Verein<br />

hat dafür in den letzten Jahrzehnten erhebliche<br />

finanzielle Mittel in das Gebäude, welches die<br />

Stadt Kassel dem Verein unentgeltlich überlassen<br />

hat, investiert.<br />

„Der Renthof ist mit seinen 700 Jahren das älteste<br />

noch bewohnte Gebäude der Stadt Kassel, er ist<br />

in der Tat in die Jahre gekommen. Trotz aller Investitionen<br />

begrenzt das Gebäude die Fortschreibung<br />

unserer Konzeption und die Möglichkeiten,<br />

sich den Ansprüchen an eine zukunftsfähige<br />

Wohnraumgestaltung anzupassen. Deshalb haben<br />

sich die Vereinsgremien zu einem Neubau<br />

entschlossen, und vor allem dürfen sich die Bewohnerinnen<br />

und Bewohner des Renthofs auf ein<br />

modernes, neues Haus freuen. Wir engagieren<br />

uns für ein exponiertes Konzept der Selbstbestimmung<br />

der künftigen Bewohner“, erläutert Ilona<br />

Caroli, Vorsitzende der Sozialgruppe Kassel e.V.<br />

Der Verein hat im Februar <strong>2009</strong> am Unterneustädter<br />

Kirchplatz für dieses Vorhaben ein 1641<br />

m_ großes Grundstück erworben. Damit bleiben<br />

wir bewusst in der Innenstadt, dort wo der Alltag<br />

zu Hause ist. Das neue Haus muss nach außen<br />

eine Sprache sprechen und nach innen halten,<br />

was es verspricht.<br />

An diesem exponierten Platz leisten wir auch<br />

für die Stadtplanung zur Wiederbebauung der<br />

Unterneustadt einen wichtigen Beitrag. Bereits<br />

mit dem Haus am Holzmarkt haben wir durch<br />

eine emotionale Architektur Akzente für den<br />

neuen/alten Stadtteil gesetzt.<br />

Ilona Caroli (Vorsitzende)<br />

Gerald Reißmann (Geschäftsführer)<br />

Martina Dittel (Heimleiterin)<br />

4 FACETTEN Seniorenzentrum morgen


platz“, sagt Hans-Uwe Schultze, Schultze<br />

und Schulze, Architekten, Städtebauarchitekten<br />

und Stadtplaner BDA. Besonders<br />

gefiel dem Preisgericht am Siegerentwurf<br />

seine konsequente Umsetzung der Nutzerinteressen<br />

durch seine klare Struktur.<br />

Zwei weitere Preise sind vergeben worden<br />

an die Büros ARP Architektenpartnerschaften,<br />

Stuttgart, und Foundation 5+,<br />

Architekten in Arbeitsgemeinschaft mit<br />

Sprengwerk, Architektur und Sanierung,<br />

Kassel.<br />

Das Preisgericht hat uns, der Sozialgruppe<br />

Kassel. e.V., die Realisierung des<br />

Gewinnerkonzepts empfohlen. Eine Entscheidung<br />

wird in Kürze getroffen. Der<br />

Neubau, der für rund 6,5 Mio. Euro auf<br />

dem freien Grundstück neben dem QVC-<br />

Gebäude errichtet werden soll, wird 77<br />

Menschen, die ganz oder teilweise auf Hilfe<br />

angewiesen sind, ein Zuhause bieten.<br />

Aufgrund der guten Erfahrung mit<br />

einem Architekturwettbewerb, nach dessen<br />

Ergebnis das Haus am Holzmarkt entstand,<br />

haben wir uns wieder für ein solches<br />

Verfahren entschieden. Das Ergebnis<br />

gibt uns Recht. Im August waren zwölf<br />

Architektur-Büros zu einem Kolloquium<br />

eingeladen, in dem sie von Ursula Jahn,<br />

Alltagsbegleiterin in der Hausgemeinschaft<br />

1 des Seniorenzentrums Renthof,<br />

über einen Tagesablauf einer fiktiven an<br />

Demenz erkrankten Person informiert<br />

wurden. „Alle drei Preisträger haben in<br />

ihren Entwürfen dann den Alltag der<br />

künftigen Bewohnerinnen und Bewohner<br />

des neuen Hauses als Leitlinie in ihrer Architektur<br />

umgesetzt“, bestätigt Ilona Caroli,<br />

Vorsitzende.<br />

Die Wettbewerbsorganisation und<br />

Vorprüfung oblag der Wohnstadt Stadtentwicklungs-<br />

und Wohnungsbaugesellschaft<br />

Hessen mbH. „Wir hatten eine<br />

anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen.<br />

Der Wettbewerb musste europaweit ausgeschrieben<br />

werden. Aus den 113 Bewerbungen<br />

galt es, zwölf kompetente Büros<br />

auszuwählen. Durch den Wettbewerb<br />

wird eine hohe architektonische Qualität<br />

gesichert“, betont Dipl. Ing. Alexander Inden<br />

für die Wohnstadt. An den Beiträgen<br />

sei deutlich erkennbar, dass es sich für<br />

alle Beteiligten gelohnt habe und sich das<br />

Verfahren amortisieren werde.<br />

Das Foto zeigt von links nach rechts: Architekt Hans-Uwe<br />

Schultze, Vorsitzender des Preisgerichts, Prof. Maya Reiner, Fachpreisrichterin,<br />

Gerald Reißmann, Geschäftsführer Sozialgruppe<br />

Kassel e.V., Architekt Felix Waechter, Fachpreisrichter, Ilona Caroli,<br />

Sachpreisrichterin und Vorsitzende der Sozialgruppe Kassel<br />

e.V., Dipl.-Ing. Alexander Inden, Wohnstadt Stadtentwicklungsund<br />

Wohnungsbaugesellschaft mbH, Wettbewerbsverfahren,<br />

Martina Dittel, Heimleiterin Seniorenzentrum Renthof, Petra<br />

Röken, Stadt Kassel Stadtplanung, Prof. Brigitte Häntsch, Fachpreisrichterin.<br />

Seniorenzentrum morgen FACETTEN 5


Die prämierten Entwürfe im maßstäblichen Modell<br />

(im Uhrzeigersinn von links oben: 1. Preis – 2. Preis – 3. Preis,<br />

Ansicht der drei Modelle vom Platz aus)<br />

Inzwischen haben wir das Ergebnis des<br />

Wettbewerbs an das Hessische Ministerium<br />

für Arbeit, Familie und Gesundheit,<br />

Wiesbaden, das Deutsche Hilfswerk und<br />

das Kuratorium für Altershilfe gesandt<br />

und hoffen auf positive Bescheide zu unseren<br />

gestellten Anträgen. Mit einem Baubeginn<br />

rechnen wir Anfang 2011. Wenn<br />

alles klappt, kann das Gebäude im Herbst<br />

2012 bezugsfertig sein.<br />

Über unser Vorhaben haben natürlich<br />

Ilona Caroli, Gerald Reißmann und Martina<br />

Dittel zuerst die Bewohnerinnen und<br />

Bewohner, deren Angehörige und Betreuer<br />

und das Personal informiert. Die Resnonanz<br />

ist eindeutig: Die Erfahrungen<br />

mit bzw. das Erleben der Hausgemeinschaften<br />

im Seniorenzentrum Renthof<br />

wecken die Erwartungen an die verbesserten,<br />

modernen Möglichkeiten, die ein<br />

neues Haus bieten wird. Es werden die<br />

räumlichen und personellen Voraussetzungen<br />

geschaffen, um ein höchst mögliches<br />

Maß an Selbständigkeit im Alltag<br />

zu gewähren und dies unabhängig von<br />

Einschränkungen des Alters oder einer<br />

Demenzerkrankung. Ein Umzug in eine<br />

Pflegestation wird es nicht geben. Wer in<br />

6 FACETTEN Seniorenzentrum morgen


seinem Apartment bleiben möchte, kann<br />

dies unabhängig einer sich verändernden<br />

Assistenz der Pflege. Wenn das Konzept<br />

der Hausgemeinschaften schon im Renthof<br />

mit seinen durch das Gebäude begrenzten<br />

Möglichkeiten überzeugt, wird<br />

es in einem Haus, das speziell für das<br />

Erhalten der Alltagsqualität gebaut wird,<br />

seine Vorbildlichkeit engagiert fortsetzen.<br />

Gerald Reißmann (Geschäftsführer)<br />

Die Wettbewerbsbeiträge der drei Preisträger<br />

werden für die Öffentlichkeit ausgestellt<br />

im Kasseler Architekturzentrum<br />

(KAZ) im Kulturbahnhof Kassel (Kuba):<br />

9. – 20. Dezember <strong>2009</strong><br />

mittwochs – freitags 17.00–20.00 Uhr<br />

samstags<br />

15.00–19.00 Uhr<br />

sonntags<br />

16.00–19.00 Uhr<br />

Neues in der Sozialgruppe Kassel e.V.<br />

Wir freuen uns über Zuwachs in der Mitgliederschaft des Vereins. Seit dem 7. 7. <strong>2009</strong> verstärken<br />

Dr. Karin Müller, Amtsleiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, und seit dem 2. 11. <strong>2009</strong><br />

Ingo Buchholz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kasseler Sparkasse, die Sozialgruppe<br />

Kassel e.V. Herzlich willkommen im Team engagierter Frauen und Männer für die vielfältigen<br />

sozialen Aufgaben des Vereins.<br />

Ebenfalls am 2. 11. <strong>2009</strong> wurde Ernst-Ludwig Schnare, Träger des Bundesverdienstkreuzes und<br />

ehemaliger Geschäftsführer des Vereins für Volkswohl e.V. (heute Sozialgruppe Kassel e.V.), von<br />

1961 bis 1974 ehrenamtlich, von 1974 bis 1985 hauptamtlich, als Ehrenmitglied berufen.<br />

Mit dem Förderbereich gewonnen<br />

Im April diesen Jahres war ein junger Journalist<br />

im Förderbereich der Kasseler Werkstatt zu<br />

Gast. Er wollte einen Bericht über unsere Arbeit<br />

schreiben, um sich damit an der Ausschreibung<br />

zum Bathildisheimer Journalistenpreis <strong>2009</strong><br />

zu beteiligen, der zum dritten Mal unter dem<br />

Motto „Selbstbestimmt leben trotz Behinderung<br />

– Rehabilitation heute“ vom Rehazentrum<br />

Bathildisheim und der HNA ausgelobt wurde.<br />

Nachdem Michael Brehme zwei Tage hospitiert<br />

hatte, schrieb er den Bericht, sandte ihn ein –<br />

und gewann den 1. Preis! Gewürdigt wurde u.<br />

a. die sozialpolitische Aktualität des Textes des<br />

21-jährigen Volontärs einer Nachrichtenagentur.<br />

Wir freuen uns, dass auf diese Weise ein Augenmerk<br />

auf die Menschen gerichtet wird, die<br />

gesellschaftlich oft bedauert werden – dass sie<br />

trotz schwerer Handicaps effektiv und mit großer<br />

Freude arbeiten, kann sich kaum jemand<br />

vorstellen. Für uns ist das tägliches Erleben.<br />

Herzlichen Dank an Michael Brehme und herzlichen<br />

Glückwunsch!<br />

Den preisgekrönten Text Vom Traum, arbeiten<br />

zu dürfen werden wir in den nächsten<br />

<strong>Facetten</strong> veröffentlichen.<br />

Seniorenzentrum morgen FACETTEN 7


... auch Betreuung und Begleitung<br />

Optimale Pflege-Versorgung in der Unterneustadt<br />

Was bedeutet „Gute Pflege im Alter“?,<br />

fragten Martina Dittel (Leiterin Seniorenzentrum<br />

Renthof), Ilona Caroli<br />

(Vorsitzende Sozialgruppe Kassel e.V.),<br />

Patricia Fiand (Angehörige), Ernst Georg<br />

Eberhardt (Geschäftsführer Diakonische<br />

Hausgemeinschaften), Angelika<br />

Trilling (Altenreferat der Stadt Kassel),<br />

Petra Nagel (Moderation) und Marie-<br />

Luise Ros (stellvertretende Leiterin Sozialamt<br />

Stadt Kassel). Deutlich wurde,<br />

dass „Pflege mehr ist als nur Körperpflege,<br />

Pflege ist auch Betreuung und<br />

Begleitung“, so Dorothea Bathe vom<br />

Zentrum für Menschen mit Demenz<br />

und Angehörige ZEDA. Zeit ist hier der<br />

wesentliche Faktor. Besonders Pflegekräfte<br />

stehen täglich im Zwiespalt zwischen<br />

Wunsch und Machbarkeit. Wichtig<br />

ist an dieser Stelle die Kooperation<br />

aller: Pflegepersonal, Angehörige, Ehrenamtliche,<br />

Institutionen im Umfeld<br />

und öffentliche Träger.<br />

Zahlreiche interessierte Menschen aus der Unterneustadt<br />

waren der Einladung der „Dienstleister Seniorenpflege Unterneustadt“<br />

gefolgt. Hier kooperieren die Sozialgruppe<br />

Kassel e.V. mit den Einrichtungen Seniorenzentrum Renthof<br />

und Tagespflege am Holzmarkt, die Diakonischen<br />

Hausgemeinschaften Kassel gGmbH, das Diakonische<br />

Werk und die Diakoniestationen der Evangelischen Kirche<br />

Kassel gGmbH, die im Stadtteil ein Netz verschiedenster<br />

Stufen von Pflege, Betreuung und Begleitung aufgebaut<br />

haben.<br />

Nikolausmarkt<br />

4.–6. Dezember, Renthof<br />

Die Vorweihnachtszeit genießen,<br />

Plätzchen, Kerzenlicht und Lebkuchenduft!<br />

Die MitarbeiterInnen<br />

und BewohnerInnen des Renthofs<br />

lieben den Advent und laden ein,<br />

im idyllischen, weihnachtlich geschmückten<br />

Innenhof des historischen Gebäudes Stollen<br />

zu essen, Musik zu hören, kleine Geschenke zu erwerben,<br />

an der Tombola sein Glück zu versuchen oder<br />

einfach nur bei einem Glas Kakao oder Glühwein zu<br />

plaudern.<br />

EVENT<br />

5. 12. <strong>2009</strong>, 15–16 Uhr, Renthof<br />

Chorkonzert<br />

mit Niu Quaia ( Jazz, Pop, Gospel)<br />

Nachruf<br />

Annemarie Hartwig<br />

Am 8. 8. <strong>2009</strong> starb Annemarie Hartwig<br />

im Alter von 85 Jahren. Neben<br />

ihrem vielfältigem sozialen Engagement,<br />

u. a. war sie von 1997 bis 2006<br />

Vorsitzende des Seniorenbeirats der<br />

Stadt Kassel, bleibt uns Annemarie<br />

Hartwig auch als langjährige Heimbeirätin<br />

des Seniorenzentrums Renthof<br />

in Erinnerung. Bis ins hohe Alter blieb<br />

sie aktiv für die Belange der HeimbewohnerInnen.<br />

Diese Aufgabe erfüllte<br />

Annemarie Hartwig mit Herz und Vorbildlichkeit.<br />

Dafür danken wir und bewahren<br />

ihr ein ehrendes Andenken.<br />

Ilona Caroli (Vorsitzende)<br />

Gerald Reißmann (Geschäftsführer)<br />

8 FACETTEN Renthof


Von Einkaufsbegleitung<br />

bis Fußmassage<br />

Zusatzbetreuung: Ein neues Berufsbild stellt sich vor<br />

HeimbewohnerInnen mit demenzbedingten<br />

Fähigkeitsstörungen, geistigen<br />

Behinderungen oder psychischen Erkrankungen<br />

haben einen Anspruch auf Zusatzbetreuung<br />

nach § 87 b Sozialgesetzbuch<br />

XI. Dieses zusätzliche Angebot soll<br />

einer drohenden sozialen Isolation vorbeugen.<br />

Über den tatsächlichen Leistungsanspruch<br />

entscheiden die Pflegekassen, ein<br />

entsprechender Antrag wurde für alle<br />

infrage kommenden BewohnerInnen des<br />

Renthofs gestellt und bewilligt. Für jeden<br />

Berechtigten zahlt die Kasse einen Pauschalbetrag.<br />

Die Gesamtheit dieser Beträge<br />

ermöglicht es dem Seniorenzentrum,<br />

mich ausschließlich für diese Form der<br />

Zusatzbetreuung abzustellen.<br />

Mein Betreuungs- und Aktivierungsangebot<br />

orientiert sich an den Fähigkeiten,<br />

Befindlichkeiten und Bedürfnissen des jeweiligen<br />

Menschen und wird sowohl als<br />

Gruppen- als auch in Form von Einzelbetreuung<br />

umgesetzt.<br />

Meine Angebote sind z. B.:<br />

– Spaziergänge mit und ohne Hund<br />

– Ausflüge<br />

– Vorlesen<br />

– Singen<br />

– Kochen und Backen<br />

– Einkaufsbegleitung<br />

– Gesellschaftsspiele<br />

– Angebot von Hörbüchern<br />

– Besuch von Veranstaltungen<br />

– Leichte Hand-Fußmassagen<br />

zur besseren Körperwahrnehmung<br />

– Schnuddelfrühstück<br />

– Gestaltung von Feiertagen<br />

Weitere individuelle Angebote mache<br />

ich auf Wunsch und Nachfrage. Jeder<br />

Bewohner kann seine Wünsche äußern<br />

und das jeweilige Vorhaben bestimmen.<br />

Durch einen regelmäßigen Kontakt,<br />

verbale (Gespräche), sowie nonverbale<br />

(Körpersprache, Blicke, Berührungen)<br />

Begegnungen kommt es häufig zu einer<br />

vertrauten Bindung.<br />

Bei den BewohnerInnen, die aufgrund<br />

einer fortgeschrittenen Demenz nicht<br />

mehr in der Lage sind, sich angemessen<br />

zu äußern, wurden auf der Grundlage<br />

von Biografie, Beobachtungen und Austausch<br />

mit Angehörigen Angebote geschaffen,<br />

von denen ich annehme, dass<br />

die Betroffenen Interesse und Freude daran<br />

haben könnten. Die mit dem jeweiligen<br />

Angebot erzielte Resonanz wird<br />

genau beobachtet und dokumentiert. Damit<br />

wird sichergestellt, dass niemandem,<br />

auch nicht hochdementen BewohnerInnen,<br />

eine Beschäftigung aufgedrängt<br />

wird, die diese nicht wünschen oder die<br />

sie überfordert.<br />

Ich freue mich auch über Anregungen<br />

von außerhalb des Renthofs.<br />

Ursula Jahn<br />

Renthof FACETTEN 9


Kindergarten ade,<br />

Schulzeit juchhe!<br />

Ein weitgehend angstfreier Schulstart ist möglich<br />

Mit der Einschulung beginnt für jedes<br />

Kind ein neuer, aufregender und wichtiger<br />

Lebensabschnitt. Eltern und LehrerInnen,<br />

aber auch ErzieherInnen begleiten<br />

das Kind während der ersten vier<br />

Jahre in der Schule.<br />

Uns Erzieherinnen im Hort und in der<br />

Betreuten Grundschule (BG, in einem<br />

Raum in der Grundschule Wolfsanger-<br />

Hasenhecke) des Georg-Wündisch-Hauses<br />

ist es wichtig, dass die Kinder einen guten<br />

Start in den Schul-, BG- und Hortalltag<br />

haben, und deshalb bieten wir<br />

gemeinsame Kennenlernspiele und Patenschaften<br />

an (ein älteres Kind betreut<br />

ein neues Kind), um die neuen Kinder in<br />

die Gruppe zu integrieren. Aber um genauer<br />

auf die Wünsche und Bedürfnisse<br />

der Kinder eingehen zu können, haben<br />

wir dieses Jahr mit den Erstklässlern<br />

Interviews durchgeführt.<br />

Die Fragen<br />

1. Wie hast du dich am ersten Schultag<br />

gefühlt?<br />

2. Was wünschst du dir für die Schulzeit?<br />

3. Wovor hattest du in der Schule Angst?<br />

4. Was wünschst du dir für die Hort- und<br />

BG- Zeit?<br />

5. Wovor hattest du im Hort und in der<br />

BG Angst?<br />

So antworteten die Hortkinder<br />

Interview mit Luana<br />

1. Es war alles schön, und ich habe mich<br />

auf die Schule gefreut.<br />

2. Ich möchte ganz viel lernen, Minus rechnen<br />

und Schreiben und Lesen lernen.<br />

3. Keiner hat Angst vor der Schule, wieso<br />

sollte man Angst haben? Ein Kind aus<br />

meiner Klasse hat Angst vor Prügeleien.<br />

10 FACETTEN Georg-Wündisch-Haus


4. Dass ich auch viel spielen kann und<br />

Spaß habe. Außerdem möchte ich Ausflüge<br />

machen, zum Beispiel auf einen<br />

Bauernhof, Reiterhof oder an die Ostsee<br />

und dort dann Reiten gehen. Wenn alle<br />

Kinder Fahrräder hätten, könnten wir<br />

auch mal Fahrrad fahren.<br />

5. Hatte keine Angst, weil ich alle kenne.<br />

Interview mit Emre<br />

1. Gut, ich war ein bisschen aufgeregt.<br />

2. Ich möchte viel lernen.<br />

3. Hatte keine Angst.<br />

4. Ich möchte mit den Spielsachen spielen.<br />

Einen Ausflug machen und dort Enten<br />

füttern, Regenwürmer, Schnecken und<br />

schöne Blumen finden.<br />

5. Ich hatte keine Angst. Ich habe schon<br />

zwei Freunde gefunden, einen kleinen<br />

und einen großen Jungen.<br />

Interview mit Celina<br />

1. Ich konnte schlecht schlafen und war<br />

aufgeregt.<br />

2. Ich möchte viele Freunde finden und<br />

viel Spaß haben.<br />

3. Hatte keine Angst.<br />

4. Viele Freunde finden und Spaß haben,<br />

vielleicht auch in den Wald gehen und<br />

dort spazieren gehen.<br />

5. Ich war aufgeregt, weil ich die Freunde,<br />

die ich im Kindergarten hatte, wieder<br />

sehen werde.<br />

Interview mit Ihsan<br />

1. Es war ganz schön und normal für<br />

mich; das, was in meiner Zuckertüte<br />

war, war cool.<br />

2. Nur lernen.<br />

3. Nö. Ich fand‘s schön, wo ich meine<br />

Freunde gefunden habe, und die Rutsche<br />

hat mir als erstes gefallen.<br />

4. Ich möchte nur Sandbrocken ausgraben,<br />

aber vielleicht auch einen Ausflug<br />

So erleichtern Sie dem Kind den Schulstart:<br />

q Besuchen Sie die örtliche Grundschule, z. B. zu<br />

einem Sommerfest, damit Ihr Kind das Gebäude schon<br />

einmal kennen lernt.<br />

q Nutzen Sie den Schulhof in den Ferien oder am<br />

Nachmittag zum Spielen, damit Ihr Kind sich später<br />

dort schon gut orientieren kann.<br />

q Übertragen Sie Ihrem Kind kleine Aufgaben im Alltag,<br />

damit es langsam lernt, Verantwortung zu übernehmen.<br />

q Falls noch nicht geschehen: Üben Sie jetzt unbedingt<br />

regelmäßige Schlafenzeiten ein. (10 bis 12 Stunden<br />

Schlaf brauchen Grundschulkinder, um fit und<br />

ausgeruht zu sein.)<br />

q Üben Sie das pünktliche Aufstehen nicht erst am ersten<br />

Schultag, sondern schon eine Woche vor der Einschulung.<br />

q Gehen sie mit Ihrem Kind den künftigen Schulweg<br />

einige Male ab. Viele Grundschulen halten Pläne bereit,<br />

auf denen der sicherste Schulweg verzeichnet ist.<br />

q Nehmen Sie Ängste und Fragen Ihres Kindes ernst<br />

und sprechen Sie mit ihm über seine Befürchtungen.<br />

q Vermitteln Sie Ihrem Kind eine positive und selbstverständliche<br />

Einstellung zur Schule. Schließlich bedeutet<br />

der Schulbesuch zwar für Ihr Kind anfangs eine<br />

große Veränderung, letztlich ist er aber durch die geltende<br />

Schulpflicht etwas vollkommen Normales für<br />

alle Kinder.<br />

(Quelle: Lernen und Fördern mit Spaß, Heft 7/2006)<br />

machen, zu einem Spielplatz fahren<br />

und auch neue Spielplätze suchen, weil<br />

ich mag es zu laufen.<br />

5. Ich wusste, dass die anderen Kinder<br />

mir nichts tun. Außerdem kannte ich<br />

den Kindergarten schon und auch ein<br />

paar Hortkinder.<br />

So antworteten die BG-Kinder<br />

Interview mit Annika<br />

1. Ich war aufgeregt, und ich finde das<br />

schön, dass ich vor der Einschulung<br />

noch Seepferdchen und Bronze geschafft<br />

habe.<br />

2. Ich wünsche mir, dass wir eine ganz<br />

nette Klasse werden.<br />

3. Nein.<br />

Georg-Wündisch-Haus FACETTEN 11


Angebote Georg-Wündisch-Haus<br />

für Grundschulkinder<br />

q Hort (25 Plätze)<br />

in der Grundschule:<br />

11.05–13.00 Uhr<br />

8.00–13.00 Uhr in den Ferien<br />

im Georg-Wündisch-Haus:<br />

13.30–17.00 Uhr<br />

q Betreute Grundschule (25 Plätze)<br />

in der Grundschule:<br />

11.05 – 13.00 Uhr<br />

8.00–13.00 Uhr in den Ferien<br />

4. Ich möchte gerne hier Stadt-Land-Fluss<br />

spielen und alles erkunden.<br />

5. Ich habe mich nur gefragt, was eine<br />

Betreute Grundschule ist, aber Angst<br />

hatte ich keine.<br />

Interview mit Fabian<br />

1. Der Tag war schön, weil ich ‘ne Menge<br />

Spaß hatte.<br />

2. Ich möchte Mathe, Deutsch und Religion<br />

lernen.<br />

3. Ein bisschen, weil ich dachte, die Lehrer<br />

sind ein bisschen böse.<br />

4. Ich möchte gerne Musik hören.<br />

5. Ich hatte ein bisschen Angst, weil das<br />

neu für mich war.<br />

Interview mit Tim<br />

1. Ich war aufgeregt, aber der Tag war toll.<br />

2. Ich wünsche mir, dass ich mehrmals in<br />

die Pause kann.<br />

3. Nee.<br />

4. Ich möchte gerne an der Tafel malen.<br />

5. Nein.<br />

Interview mit Sarah<br />

1. Ich war ganz schön aufgeregt, aber der<br />

Tag war schön.<br />

2. Ich möchte Spaß haben und dass wir<br />

schön lernen.<br />

3. Nein.<br />

4. Ich möchte gerne rausgehen und spielen.<br />

5. Nein.<br />

Die Ergebnisse der Interviews haben<br />

uns in unserem Ansatz gestärkt, dass unser<br />

Konzept zur Erleichterung des Übergangs<br />

Kindergarten-Schule greift. Wir<br />

freuen uns vor allem darüber, dass die<br />

meisten Kinder keine Angst hatten, sondern<br />

nur – und das gehört ja bei jedem<br />

wichtigen Schritt im Leben dazu – aufgeregt<br />

waren. Die Erzieherinnen Margarita<br />

Schlegel und Sabrina Wiese wünschen<br />

allen neuen Schulkindern viel Freude, Erfolg<br />

und Spaß in der Schule, im Hort und<br />

in der BG des Georg-Wündisch-Hauses.<br />

Sabrina Wiese (Erzieherin)<br />

Büchertipps<br />

q Mein Schulanfang von Pegastar<br />

q Der kleine Drache Kokosnuss kommt in die<br />

Schule von Ingo Siegner<br />

q Zum Schulanfang ist‘s nicht mehr lang vom<br />

Loewe-Verlag<br />

q Eltern-Kursbuch: Grundschule: Kinder fördern,<br />

fordern und erziehen vom Cornelsen-Verlag<br />

Scriptor (Juni 2006)<br />

12 FACETTEN Georg-Wündisch-Haus


Mosaiki ist die Nummer 1<br />

Die Geschichte eines ganz besonderen Käfers<br />

Aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums<br />

von Volkswagen in Baunatal schmücken<br />

viele kleine lustige Käfer das Stadtbild<br />

Baunatals. Die Aktion war zunächst<br />

auf die Stadt Baunatals begrenzt. Gerald<br />

Reißmann, Geschäftsführer der Sozialgruppe<br />

Kassel e.V., bat um den ersten<br />

Anruf, wenn sich das ändern sollte, und<br />

versprach dafür den „schönsten und<br />

krea tivsten aller Minikäfer“. Am 28. Oktober<br />

2008 übergab Bürgermeister Manfred<br />

Schaub den 75. Käfer an die Kasseler<br />

Werkstatt und damit den ersten außerhalb<br />

Baunatals.<br />

Noch fünfmonatiger Bastel- und Werkelzeit<br />

war am 8. Juni der Tag der Enthüllung.<br />

Außer dass er die Nummer 1 außerhalb<br />

Baunatals ist, hat Mosaiki noch<br />

viele weitere Einzigartigkeiten: Er ist bedeckt<br />

mit einem Fliesenmosaik, auf dem<br />

viele kleine Käfer krabbeln. Natürlich hat<br />

Mosaiki auch eine Beleuchtung, Rückspiegel<br />

und Scheiben aus gebrochenen<br />

Spiegelfliesen. Nicht zuletzt schützt ihn<br />

ein Regenschirm vor den Unbilden des<br />

nordhessischen Wetters. Alles in allem<br />

ein echter Blickfang. „Damit ist er auch<br />

ein Symbol der jahrelangen und guten<br />

Zusammenarbeit mit der Volkswagen<br />

AG“, kommentiert Reißmann.<br />

Folgende Künstler waren an dem Projekt<br />

beteiligt: Alexander Jaeger, Ramon<br />

Koch, Michael van der Mark und Sascha<br />

Rühl. Für Technik und Organisation<br />

zeichnen verantwortlich: Volker Alberding,<br />

Silvia Bolte, Victor Fritz, Holger<br />

Kaufmann und Andreas Kropat.<br />

Wir trauern um<br />

unsere ehemalige Mitarbeiterin<br />

Marlies Schwarz (14. 8. 1956 – 5. 10. <strong>2009</strong>)<br />

unsere Mitarbeiter<br />

Stefan Adamek (1. 1. 1954 – 8. 6. <strong>2009</strong>)<br />

Daniel Kraft (29. 7. 1985 – 24. 10. <strong>2009</strong>)<br />

Kasseler Werkstatt FACETTEN 13


um 100 Prozent. Wir mussten für diese<br />

Auftragserhöhung die räumlichen Kapazitäten<br />

verändern sowie Arbeitsbereiche<br />

in die KSW 2 verlagern. Nach Abschluss<br />

der Baumaßnahmen in der KSW 2 zog der<br />

Textilbereich im September 2008 dorthin<br />

um.<br />

MitarbeiterInnen und Personal der KSW 1<br />

bauten die Arbeitsräume im Ober geschoss<br />

um, renovierten und vollzogen den internen<br />

Umzug. Die Gruppen „Elektromontage“<br />

zogen in das neu gestaltete Obergeschoss.<br />

Danach wurden die ehemaligen<br />

Räume der Elektromontage renoviert und<br />

die Gruppen „Verpackung und Kartonage“<br />

zogen um. Zurzeit werden die Arbeitsräume<br />

vom WEGU-Bereich modernisiert.<br />

Was hat sich verändert mit dem Kunden<br />

SMA? MitarbeiterInnen, die jahrelang<br />

Papier gefalzt, gerollt und verpackt haben,<br />

lernen neue Tätigkeiten, z. B. kleine<br />

SMA und die Baustellen<br />

Änderungen im Arbeitsbereich 1 der Kasseler Werkstatt<br />

Sehr viel hat sich in den letzten Jahren<br />

in der KSW 1 verändert: Erweiterung der<br />

Sanitäranlagen und Umkleideräume,<br />

Umbau der ehemaligen Hausmeisterwohnung<br />

in einen Schulungsraum und einen<br />

Gruppenraum für den Förderbereich.<br />

Kaum war eine Baumaßnahme beendet,<br />

war da schon die nächste Baustelle. Dafür<br />

gab es natürlich Gründe.<br />

Da die Firma SMA mit unserer Leistungsfähigkeit<br />

und der Qualität unserer Arbeit<br />

sehr zufrieden war (und ist), erhöhte sich<br />

das Auftragsvolumen von 2007 zu 2008<br />

Kunststoffteile in PE-Beutel zu verpacken.<br />

Viele neue Montagearbeiten und das Aufrichten<br />

von Kartonage zur Verpackung<br />

für die Geräte von SMA sind eine Herausforderung<br />

für MitarbeiterInnen und<br />

Personal. So äußern sich die MitarbeiterInnen<br />

zu den Neuerungen:<br />

Aus der Sicht der Abteilung SMA/<br />

Industrie-Verpackung<br />

Es ist viel passiert! Den Nähereiraum teilen<br />

wir uns nun mit dem BBB. Außerdem<br />

wurde der Computerraum ausgeräumt<br />

und eine Wand eingerissen. Es wurden<br />

Laptops gekauft und es finden weiter<br />

Computerkurse statt. Unsere alte Küche<br />

wurde abgebaut, und wir haben eine<br />

neue Küche bekommen.<br />

In unserer Gruppe war es beim Umbau<br />

sehr laut und staubig. Aber wir haben<br />

eine neue Nachbargruppe bekommen. Es<br />

ist die Gruppe von Dieter Schake und Peter<br />

Wünsche, die Elektromontage macht.<br />

Bei uns wurden die alten Tische und<br />

14 FACETTEN Kasseler Werkstatt


Macht Ihnen die neue Arbeit Spaß?<br />

Beate Borchert: Ja auf jeden Fall!<br />

Tim Lerch: Die Arbeit macht mir großen<br />

Spaß. Vor allem im Vergleich zum Gartenbau,<br />

denn hier komme ich mit den<br />

Leuten sehr gut zurecht, und ich fühle<br />

mich einfach wohler. Außerdem macht es<br />

mir nichts mehr aus, wenn es regnet …<br />

Peter Grams: Die Arbeit macht mir auf<br />

jeden Fall Spaß, auch wenn ich mich<br />

Stühle entsorgt, und wir haben dafür neue<br />

Tische und Stühle bekommen. Und wir haben<br />

einen Etikettendrucker gekriegt. Auch<br />

gibt es neue Spinde und neue Beistelltische<br />

für die Kisten. Wir haben jetzt auch keine<br />

grauen, sondern schwarze Kisten.<br />

Anstatt Papierarbeit machen wir jetzt<br />

SMA-Aufträge und andere Aufträge, zum<br />

Beispiel von WEGU, Mercedes, VW und<br />

mehr konzentrieren muss als bei anderen<br />

Arbeiten, wie zum Beispiel beim Karton<br />

falten.<br />

Daimler. Wir sind dabei, uns auf die vielen<br />

neuen Sachen einzustellen, und wir<br />

kommen recht gut zurecht.<br />

Lidija Glavaski, Mechthild Lützen, Katrin<br />

Trzemzalski (Mitarbeiterinnen)<br />

Aus der Sicht der Abteilung Industrie-Verpackung/Montage<br />

Wie gefällt es Ihnen im neuen Gruppenraum?<br />

Beate Borchert: Der Gruppenraum ist viel<br />

schöner als der alte. Es ist einfach ruhiger<br />

hier und man hat viel mehr Platz.<br />

Für wen arbeiten wir hier, von wem sind die<br />

Aufträge?<br />

Peter Grams: Ich arbeite meistens an Aufträgen<br />

von SMA. Hierbei montiere ich<br />

Anschlussbleche und montiere Stecker.<br />

Tim Lerch: Ich arbeite meistens für SMA,<br />

aber auch an Aufträgen für VW. Überwiegend<br />

bin ich in der Kartonageabteilung<br />

tätig.<br />

Aus der Sicht der Gruppe WEGU<br />

Anja Wicke: Die neue Arbeit macht mir<br />

viel Freude.<br />

Axel Wicke: Der Umgang mit den neuen<br />

Maschinen erfordert viel Geschicklichkeit.<br />

Stefan George: Mich begeistert, dass ich an<br />

neuen Umwelttechnologien mitarbeiten<br />

kann.<br />

Ralf Schimmeyer freut sich über die neue<br />

anspruchsvolle Arbeit. Alle MitarbeiterInnen<br />

freuen sich über den neuen Fußboden,<br />

der leichter zu reinigen sein wird.<br />

Lilo Schramm (Leiterin KSW 1)<br />

und das Team des AB1<br />

Kasseler Werkstatt FACETTEN 15


sagt, dass es in jeder Situation, jedem Unternehmen,<br />

jeder Gesellschaft die Einen,<br />

die Normalen, gibt und dann noch die<br />

Anderen, die, die sich in irgendeiner Weise<br />

(üblicherweise durch ihr Geschlecht<br />

oder ihre Rasse) unterscheiden. In dieser<br />

traditionellen Sichtweise werden nur die<br />

Anderen als Diversity gesehen.<br />

Sobald wir aber beginnen, Diversity als<br />

Zusammensetzung zu akzeptieren, die<br />

sich sowohl aus den „Normalen“ als auch<br />

Diversity – Teil 2<br />

Alter Wein in neuen Schläuchen oder eine Herausforderung?<br />

In der letzten Ausgabe der <strong>Facetten</strong> lasen<br />

Sie Teil 1 von Diversity. Ein Elefant kommt zu<br />

Besuch zur Giraffe, die ihr Haus ganz nach<br />

ihren Bedürfnissen eingerichtet hat. Als der<br />

Elefant in der Tür stecken bleibt, die Treppe<br />

unter ihm zusammenbricht etc., empfiehlt<br />

ihm die Giraffe Sport und Diät ...<br />

Die „Normalen“ und die „Anderen“<br />

Mit der Fabel von der Giraffe und dem<br />

Elefanten lässt sich die Dynamik von Diversity<br />

deutlich machen: was sie bedeutet,<br />

wie sie funktioniert, wie wir früher mit<br />

ihr umgingen und warum unsere Anstrengungen<br />

so oft im Sande verlaufen.<br />

In dieser Geschichte stellen der Elefant<br />

und die Giraffe eine Diversity-Zusammensetzung<br />

dar, die für jede Art von<br />

menschlichem Miteinander steht, bei dem<br />

Individuen aufeinander treffen, die sich<br />

in einigen Punkten unterscheiden, in anderen<br />

ähnlich sind. In dieser kollektiven<br />

Zusammensetzung liegt wahre Diversity.<br />

Das überkommene Bild von Diversity<br />

den „Anderen“ zusammensetzt, wird offenkundig,<br />

dass sich Diversity nicht auf<br />

Rasse oder Geschlecht oder sonstige Gegensatzpaare<br />

beschränkt, sondern dass<br />

es eine komplexe, sich ständig erneuernde<br />

Mischung von Eigenschaften, Verhaltensweisen<br />

und Talenten darstellt.<br />

Die Giraffe und der Elefant stellen eine<br />

Diversity-Zusammensetzung dar. In einigen<br />

grundsätzlichen Dingen sind sie sich<br />

ähnlich: Sie leben im gleichen Wohnviertel,<br />

haben die gleichen Interessen und<br />

den beiderseitigen Wunsch, sich näher<br />

kennen zu lernen. In anderen einschneidenden<br />

Dingen wiederum wie Größe, Gewicht,<br />

Figur sind sie sehr verschieden.<br />

Und diese Unterschiedlichkeit erweist<br />

sich in ihrem Fall auch als ihr Ruin.<br />

In unserer Geschichte stellt die Giraffe<br />

den Vertreter der Hauptgruppe dar, der<br />

„normalen“ Leute. Es ist ihr Haus, ihr Entwurf,<br />

ihr Gesetz. Sie trägt die Verantwortung.<br />

Der Elefant repräsentiert die „Anderen“.<br />

Er wird herzlich eingeladen und<br />

16 FACETTEN Kasseler Werkstatt


aufs Freundlichste willkommen geheißen.<br />

Dennoch bleibt er im Haus der Giraffe ein<br />

Außenseiter und wird es immer bleiben.<br />

Das Haus war nicht für Elefanten konzipiert<br />

worden.<br />

Der „Andere” soll sich ändern?<br />

Die Giraffe und der Elefant verstehen<br />

sich gut. Die Giraffe lädt den Elefanten<br />

ein, weil sie seine Gesellschaft schätzt<br />

und die Bekanntschaft vertiefen möchte.<br />

Der Elefant nimmt die Einladung aus<br />

den gleichen Gründen an. Das ist das<br />

Verständnis für Unterschiedlichkeit. Hier<br />

geht es im Kern um zwischenmenschliche<br />

Beziehungen und die Frage, wie Menschen<br />

in den Unternehmen miteinander<br />

auskommen.<br />

Als der Besuch zum Desaster wird,<br />

unterbreitet die Giraffe dem Elefanten<br />

mehrere Vorschläge, welche Abhilfemaßnahmen<br />

er ergreifen könnte. Der Elefant<br />

weigert sich aber, die ganze Last der notwendigen<br />

Veränderungen zu tragen. Er<br />

ist der Meinung, dass vielleicht auch am<br />

Haus der Giraffe einige Umbaumaßnahmen<br />

unternommen werden sollten.<br />

Diese zweigleisige Perspektive ist Diversity-Management,<br />

das Streben, ein Umfeld<br />

zu schaffen, bei dem die Talente aller Teilnehmer<br />

Zugang finden.<br />

... und in der KSW?<br />

Was hat Diversity mit der Kasseler<br />

Werkstatt zu tun? Betrachten wir unser<br />

Haus – anhand von ein paar Beispielen –<br />

zum Thema Diversity:<br />

Kommunikation und Information: Um<br />

neue Ideen zu entwickeln und zu verbreiten<br />

und Personal und MitarbeiterInnen<br />

aus verschiedenen Ebenen, Funktionen<br />

und Kompetenzen zusammenzuführen,<br />

haben wir in unserem Haus eine Plattform<br />

des gegenseitigen Informationenaustausches,<br />

der Meinungsbildung und<br />

des Transportes von Ergebnissen und Entscheidungen<br />

geschaffen: von den Lerninseln<br />

(Mit arbeiterInnen und Personal),<br />

über Qualitätstische (Personal der operativen<br />

Ebene), Qualitätszirkel (Personal der<br />

taktischen und operativen Ebene), Werkstattleitungskonferenzen<br />

(Personal strategischen<br />

und taktischen Ebene) bis hin<br />

zum „Runden Tisch“ (Personal-, MitarbeiterInnen-<br />

und Elternvertretung so wie Leitungsebene).<br />

In diesen Diskussions runden<br />

mit fachkundigen Menschen mit und<br />

ohne Behinderungen, werden im Dialog<br />

vielschichtige Themen aus dem täglichen<br />

Arbeitsbereich und sonstige Probleme diskutiert,<br />

zusammengetragen, gemeinsam<br />

erörtert und entschieden.<br />

Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Die<br />

richtige Umgebung am Arbeitsplatz sorgt<br />

dafür, dass unsere Beschäftigen – Personal<br />

und MitarbeiterInnen – dauerhaft<br />

erfolgreich und gesund arbeiten können<br />

und wollen. Seit unserem Pilotprojekt von<br />

1994 „Humanisierung am Arbeitsplatz“<br />

haben wir kontinuierlich vom Berufsbildungsbereich<br />

von den Arbeitsbereichen<br />

über den Berufsbildungsbereich bis hin<br />

zum Förderbereich in allen Einrichtungen<br />

der KSW ergonomisch behindertengerechte<br />

Arbeitsplätze gestaltet. Eigenentwicklungen<br />

und die konstruktive Zusammenarbeit<br />

mit der Firma Bosch-Rexroth<br />

(u. a. der Sechsecktisch und der Gruppenarbeitsplatz<br />

im Verpackungsbereich)<br />

sowie unsere ergonomisch geschulten<br />

Gruppenfachkräfte haben zu dieser, über<br />

unsere Region hinaus einflussreichen,<br />

erfolgreichen Arbeitsplatz umgestaltung<br />

geführt. Diese ständige Optimierung am<br />

Kasseler Werkstatt FACETTEN 17


Arbeitsplatz für Menschen mit und ohne<br />

Behinderungen hat sich für das gesamte<br />

Unternehmen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit<br />

und Gesundheit ausgezahlt.<br />

Fordern und Fördern – Qualifizierung:<br />

Ein wesentlicher Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung<br />

und zur Teilhabe am<br />

Arbeits leben für unsere MitarbeiterInnen<br />

ist die Möglichkeit einer lebenslangen Förderung<br />

durch Weiterbildung. In den letzten<br />

Jahren sind vielfältige berufsbegleitende<br />

Angebote (z. B. Deutsch, Rechnen,<br />

sexuelle Beratung, spezielle Angebote für<br />

Frauen und Männer und Kreativkurse)<br />

und arbeitsplatznahe Qualifizierungen<br />

(z. B. Flurförderschein, Telefontraining,<br />

Umgang mit dem Taschenrechner und<br />

EDV) entstanden. Die erfolgreiche Implementierung<br />

unseres Bildungsreferates<br />

Pfiffikus hat wesentlich dazu beigetragen.<br />

Alt und Jung: Die KSW hat im Personalbereich<br />

ein Durchschnittsalter von ca. 46<br />

Jahren (23 bis 63). Das hört sich zuerst<br />

hoch an. Bei genauer Betrachtung aber:<br />

Die Mischung macht’s. Einerseits die<br />

Kompetenzen von Belastbarkeit, Dynamik,<br />

Entwicklungsfähigkeit, Flexibilität<br />

und Spontanität und anderseits die von<br />

Erfahrung, Wissen, Durchblick und Verantwortungsbewusstsein.<br />

Multikulturalität: In der KSW werden<br />

zurzeit MitarbeiterInnen aus 18 Nationalitäten<br />

betreut. Der Anteil ausländischer<br />

Beschäftigter wächst beständig. Die Konsequenz<br />

daraus ist, dass die Werkstatt die<br />

zunehmende Vielfalt hinsichtlich Sprache,<br />

Religion, Kultur und Hautfarbe konzeptionell<br />

und inhaltlich berücksichtigen<br />

muss. Im Mittelpunkt stehen Toleranz,<br />

Fairness, Verständnis und Wertschätzung<br />

und eine angepasste Weiterentwicklung<br />

nach ihren individuellen Bedürfnissen.<br />

Das ist für das Personal eine zusätzliche<br />

hohe Herausforderung.<br />

Seit Jahren sind wir bemüht, die Bedürfnisse<br />

der Muslime u. a. bei der Zubereitung<br />

der Speisen, bei der Bestellung<br />

und Eigenherstellung, weitestgehend zu<br />

berücksichtigen. Unsere Bildungsangebote<br />

wurden angepasst, etwa durch Einführung<br />

der Kurse „Deutsch als Zweitsprache“.<br />

Bei Konflikten oder extremen<br />

Verhaltensveränderungen von MitarbeiterInnen<br />

mit Migrationshintergrund werden<br />

auch mithilfe von Dolmetschern Gespräche<br />

in der jeweiligen Muttersprache<br />

geführt.<br />

Fazit<br />

Wir arbeiten in Richtung Inklusion,<br />

d. h. es gibt einfach nur Personen (nicht<br />

die Einen und die Anderen), die unterschiedliche<br />

Bedürfnisse haben und Freiräume<br />

brauchen für eigene Erfahrungen.<br />

Diversity ist kein Schlagwort. Es geht um<br />

Respekt gegenüber der Vielfalt (Diversity)<br />

und um Integration derselben (Inklusion)<br />

in die Organisation der KSW – die Chance<br />

zur Förderung von Kreativität, Effizienz,<br />

Kooperation und Arbeitszufriedenheit.<br />

Peter Liesert (Leiter der KSW)<br />

Kasseler Werkstatt<br />

begrüßt den<br />

500. Mitarbeiter<br />

Am 1. 9. <strong>2009</strong> hat die Werkstatt zum<br />

ersten Mal 500 Mitarbeiter erreicht.<br />

Darüber freuen sich besonders (von links<br />

nach rechts) Tanja Paske (Sozialer Dienst BBB),<br />

Michael van der Mark (Gruppenfachkraft BBB),<br />

Benjamin Kiebach (500. Mitarbeiter)<br />

und Volker Alberding (Bereichsleiter BBB).<br />

18 FACETTEN Kasseler Werkstatt


Volkshochschule verbessert sich<br />

Auf Anregung der Trube-Stiftung und<br />

mit dem Angebot finanzieller Unterstützung<br />

soll die Volkshochschule sich mehr<br />

für Menschen mit Behinderung öffnen<br />

und auch speziellere Angebote erarbeiten.<br />

Aus diesem Grund trafen sich Vertreter<br />

der VHS mit Einrichtungsträgern<br />

der Eingliederungshilfe in Kassel (natürlich<br />

auch der Kasseler Werkstatt) und<br />

Verantwortlichen der Trube-Stiftung. In<br />

mehreren Sitzungen wurde ein Konzept<br />

erarbeitet, wie Barrieren abgebaut werden<br />

können, damit alle Menschen die<br />

Angebote der VHS nutzen können. Die<br />

Umsetzung erfolgt erstmalig im Herbst<br />

<strong>2009</strong>. In den folgenden Jahren wird das<br />

Konzept überarbeitet, ergänzt und eventuell<br />

verbessert werden.<br />

Neben Angeboten, die sich speziell an<br />

Menschen mit Behinderungen und/oder<br />

deren Angehörige richten, soll auch bei<br />

vielen anderen, nicht speziell auf Menschen<br />

mit Behinderungen zugeschnittenen<br />

Kursen deren Teilnahme ermöglicht<br />

werden. Wir werden die Angebote der<br />

VHS den MitarbeiterInnen der Kasseler<br />

Werkstatt an den Lerninseln vorstellen<br />

und zur Teilnahme motivieren.<br />

Volker Alberding (Leiter berufliche Bildung,<br />

Teilnehmer des Arbeitskreises)<br />

Die Kochprofis können einpacken<br />

„Kasseler Schnittchen“ gewannen Koch-Paralympics<br />

Am 19. September <strong>2009</strong> veranstaltete<br />

der Verein Lebensqualität e. V. zum 5. Mal<br />

die Koch-Paralympics in Hessisch Lichtenau.<br />

Nach 2005 und 2006 nahmen in<br />

diesem Jahr auch wieder die „Kasseler<br />

Schnittchen“ teil, das Kochteam der<br />

Kasseler Werkstatt mit Gabi Dörrbecker,<br />

Lidija Glavaski, Beate Seidert, Robert<br />

Schirjack, Günther Rode und Ulrike Haas.<br />

Dieses Mal wurde unter freiem Himmel<br />

im Frau Holle-Park bei strahlendem Sonnenschein<br />

einen ganzer Nachmittag gekocht<br />

und gebrutzelt. Die drei Teams bestanden<br />

jeweils aus zwei Mitarbeitern und<br />

einem Jugendlichen bzw. einem Kind aus<br />

Hessisch Lichtenau und wurden von zwei<br />

Profiköchen bzw. Hobbykoch Alexander<br />

Jaeger angeleitet.<br />

Wie immer wurden die zu verwendenden<br />

Lebensmittel zugelost und waren<br />

den Köchen vorher nicht bekannt. Hier<br />

war also ein hohes Maß an Kreativität<br />

und Können gefordert, um die sechsköpfige<br />

Jury mit einem 3-Gänge-Menü zu<br />

überzeugen. Dies gelang den „Kasseler<br />

Schnittchen“ auch und sie erkochten gemeinsam<br />

mit dem Team „Heli 1“ den verdienten<br />

1. Platz.<br />

Tanja Paske (Sozialer Dienst)<br />

Kasseler Werkstatt FACETTEN 19


Raus auf den Arbeitsmarkt<br />

Andreas Schuller, Fachkraft für berufliche Integration, hilft<br />

Andreas Schuller ist Fachkraft für berufliche<br />

Integration, kurz: FBI. Seit Februar<br />

2008 versucht der diplomierte Sozialarbeiter,<br />

geeignete MitarbeiterInnen<br />

in sogenannte Außenarbeitsplätze zu<br />

vermitteln. Erfolgreich ist er nach Prüfung<br />

durch den Leistungsträger Landeswohlfahrtsverband.<br />

Die Anforderungen<br />

pro Jahr: mindestens zehn Praktikumsstellen<br />

und zwei Außenarbeitsplätze akquirieren<br />

sowie einer Person zu einem<br />

festen Arbeitsverhältnis auf dem freien<br />

Arbeitsmarkt zu verhelfen. 2008 hat er<br />

dieses Soll weit überschritten: 21 MitarbeiterInnen<br />

konnten Praktika absolvieren,<br />

zwei auf einem Außenarbeitsplatz und einer<br />

auf einer festen Stelle beginnen. Der<br />

Weg dahin aber ist weit.<br />

Einmal muss Andreas Schuller Kontakte<br />

zu Firmen halten, neue Möglichkeiten<br />

auftun, die MitarbeiterInnen<br />

vorbereiten und dann begleiten. Zum<br />

anderen müssen die interessierten bzw.<br />

von ihren GruppenleiterInnen oder vom<br />

Sozialen Dienst empfohlenen MitarbeiterInnen<br />

hart an sich arbeiten. Manche<br />

scheitern an ihrem mangelnden Sozialverhalten,<br />

manche merken, dass sie das<br />

stärkere „Behütetwerden“ in der Werkstatt<br />

brauchen, wieder Anderen wird während<br />

des Praktikums klar, dass sie den Anforderungen<br />

nicht gewachsen sind. Insgesamt<br />

sind nach Einschätzung des FBI<br />

etwa fünf Prozent der MitarbeiterInnen<br />

potenziell in der Lage, „nach draußen“ zu<br />

gehen.<br />

Andreas Schuller bietet zweimal im<br />

Jahr einen Vorbereitungskurs an, bei<br />

dem in acht Wochen in den Bereichen der<br />

Schlüsselqualifikationen und der sozialen<br />

Kompetenzen auf den Schritt hinaus aus<br />

der Werkstatt vorbereitet wird. Immer beginnt<br />

der Weg mit einem Praktikum. Im<br />

Moment, so berichtet Andreas Schuller,<br />

boomt der Gartenbereich, in anderen Firmen,<br />

etwa im Logistikbereich, sinkt seit<br />

der Finanzkrise die Bereitschaft, Mitarbeiter<br />

zu beschäftigen oder gar einzustellen.<br />

Akquiriert wird möglichst weit gestreut,<br />

„weil die Mitarbeiter ja alle ihre eigenen<br />

speziellen Vorstellungen haben“. Der FBI<br />

geht auf die Frühjahrs- und Herbstausstellung,<br />

auf Ausbildungsmessen und<br />

pflegt vor allem die schon bestehenden<br />

Verbindungen zu Firmen, mit denen die<br />

KSW auf anderer Ebene kooperiert.<br />

Die sich auf Außen- oder gar feste Arbeitsverhältnisse<br />

einlassenden Firmen<br />

können damit ihre Ausgleichabgabe reduzieren.<br />

Dennoch reichen die Möglichkeiten<br />

nicht aus, sodass die Sozialgruppe<br />

Kassel sich schon vor längerer Zeit entschieden<br />

hat, auch innerhalb des Vereins<br />

Möglichkeiten der Weiterqualifikation<br />

und differenziertere Arbeitsverhältnisse<br />

zu schaffen. So gibt es z. B. Außenarbeitsplätze<br />

in der Sozialgruppe Kassel selbst<br />

und bei der Pro Dokument.<br />

Kirsten Alers<br />

20 FACETTEN Kasseler Werkstatt


in Kassel. Nach einer Werkstattausbildung<br />

im Wäscheschneiderhandwerk in Hannover<br />

war Christine Schotte kurz beschäftigt,<br />

dann arbeitslos und zum Schluss in<br />

der Näherei der KSW. Aufgrund ihrer Behinderung<br />

hat sie auf dem ersten Arbeitsmarkt<br />

kaum eine Chance – Christina Wisniewski<br />

gibt ihr eine!<br />

Die Chefin – eine Unternehmerin mit<br />

Herz – sieht die Notwendigkeit der intensiven<br />

Unterstützung in einem Raum, in<br />

„Draußen“ arbeiten<br />

Christine Schotte hat einen Außenarbeitsplatz<br />

Ein Bademantel ist zu kürzen für eine<br />

ältere Dame, ein Saum ist zu messen,<br />

abzuschneiden und einzubügeln, privat<br />

näht sie sich auch schon mal eine Bluse.<br />

„Ich habe noch Schwierigkeiten, wenn ich<br />

– wie heißt das noch – filigraner arbeiten<br />

muss.“ Christine Schotte weiß um ihre<br />

Schwächen. Ihre Stärken kennt ihre Chefin:<br />

Sie ist sehr genau, bekommt wunderbar<br />

gerade Nähte hin, ist auch im puren<br />

Chaos, wenn der Laden voll ist, die Ruhe<br />

selbst. Und sie fordert auch, will nicht immer<br />

das Gleiche tun und stellt sich Herausforderungen<br />

wie Telefonieren und<br />

Kundenkontakt. „Am Anfang war ich<br />

sooo schüchtern“, sagt die 26-Jährige und<br />

lächelt, nur ein bisschen schüchtern.<br />

Seit April 2008 arbeitet Christine Schotte<br />

auf einem Außenarbeitsplatz (demnächst<br />

und besser: betruiebsintegrierter<br />

Arbeitsplatz) der Kasseler Werkstatt (KSW)<br />

bei Christina Wisniewski, in deren Laden<br />

„Nahtlos – Nähdesign und Änderungen“<br />

dem man auch Fehler machen darf. Sie ist<br />

offen und geduldig und setzt sich stark für<br />

ihren Schützling ein. Denn ein Schützling<br />

ist Christine Schotte noch. „Wenn ich sie<br />

unter Druck setzen würde, wäre sie nicht<br />

schneller. Sie braucht noch etwas. Aber<br />

mit der Zeit werden die Anforderungen<br />

steigen – und sie wird sie meistern“, sagt<br />

Christina Wisniewski. Sie näht seit 23 Jahren<br />

und darf auch ausbilden.<br />

Noch eine (gehörlose) Kollegin arbeitet<br />

im Laden, der gleichzeitig die Werkstatt<br />

ist, mit. Es herrscht eine Atmosphäre von<br />

Respekt und Vertrauen. Nachdem Christine<br />

Schotte hier ihr Praktikum gemacht<br />

hatte, war klar: Das ist ihr Platz. Lernen<br />

will sie perspektivisch, mehr am Kunden<br />

abzustecken – und nicht mehr so schüchtern<br />

zu sein. „Sie wird immer sicherer werden<br />

– und ich bekomme ganz viel zurück,<br />

wenn der Einzelne wächst“, sagt Christina<br />

Wisniewski und legt den Arm um Christine<br />

Schotte.<br />

Kasseler Werkstatt FACETTEN 21


... wie immer und doch ganz anders<br />

Sommerfest der Kasseler Werkstatt <strong>2009</strong><br />

„Das war lustig, wie sie da rumkletterte<br />

und sich so unbeholfen angestellt<br />

hat“, Volker Blanke lacht. „Das war so<br />

ein großer Sitz oder Notenständer – da<br />

ist sie draufgeklettert – aber wie … Dann<br />

konnte ich auch mitspielen – ich habe ihr<br />

den Koffer gegeben und dann habe ich<br />

mit vorne gestanden und Seifenblasen<br />

gemacht als ihr Assistent.“ Das Clowntheater<br />

Gina Ginella aus Marburg präsentierte<br />

während des diesjährigen Sommerfestes<br />

„Theater von seiner fröhlichen,<br />

überschäumenden lustigen Seite“. Mit<br />

Musik und klassischem Clowninkostüm<br />

mischte sich Gina Ginella unter das Publikum<br />

– gemeinsam zog sie mit den<br />

Zuschauern zur Bühne. Hier will sie ein<br />

„Concerto“ geben – „Papulina Papuleti<br />

in Concerto“ heißt eine ihrer turbulenten<br />

Clownsgeschichten.<br />

„Die Musik von Sven Winkel fand ich<br />

besonders klasse“, sagt Tanja Rinder. Marion<br />

Dennert und Bernhard Urff stimmen<br />

begeistert zu. „Ja, das Tanzen hat da richtig<br />

Spaß gemacht“, ergänzt auch Sandra<br />

Vaupel. Sven Winkel (Duo Madison), der<br />

von einem Gitarristen begleitet wurde,<br />

hatte für jeden etwas auf Lager – Oldies,<br />

Evergreens und aktuelle Hits –, da kam<br />

richtig Stimmung auf. Viel Beifall erhielt<br />

auch unser Werkstattchor, der unter der<br />

Leitung von Horst Wissel einige Lieder<br />

mit wahrer Begeisterung darbot. Es war<br />

eine Freude, die stolzen Sänger bei dieser<br />

Aktion zu erleben.<br />

„Trommeln war wirklich schön, das<br />

Draufhauen war gut“, sagt Ralf Schimmeyer.<br />

„Alleine macht das nicht so viel<br />

Spaß, alle zusammen – das war laut.“<br />

„Ein toller Rhythmus“, ruft Bernhard Urff,<br />

„ich habe zwar nicht mitgespielt, aber<br />

zugehört.“ Die Musik- und Tanzpädagogin<br />

Barbara Schönewolf leitete den drum<br />

circle als sogenannter facilitator an, das<br />

bedeutet: Erleichterer. Mit Hilfe der Körpersprache<br />

gibt sie Impulse und Akzente<br />

und erleichtert es so der Gruppe, einen gemeinsamen<br />

Rhythmus zu finden. Mit Begeisterung<br />

nahmen viele teil: MitarbeiterInnen,<br />

Gäste und Personal der Werkstatt.<br />

22 FACETTEN Kasseler Werkstatt


Herzlichen Glückwunsch<br />

Geschäftsführer Gerald Reißmann überreichte<br />

den diesjährigen Qualitätspreis an<br />

die Kollegen aus dem Fachbereich Gartenbau.<br />

Herzlichen Glückwunsch!<br />

Alles in allem: es war wieder wie immer<br />

– und doch ganz anders: „Es hatte<br />

diesmal den Charme einer großen Familienfeier,<br />

das war das Besondere“, so formulieren<br />

es einige Kollegen.<br />

Elisabeth Ykelen<br />

zum 25-jährigen<br />

Werkstattjubiläum<br />

Angelika Reichert 18. 6. Hans-Hermann Pahl 1. 9. Petra Frank 1. 9.<br />

Wir gratulieren<br />

zum 50. Geburtstag:<br />

Christine Olbricht 14. 6.<br />

Martin Schodder 23. 7.<br />

Roswitha Schmidt 11. 8.<br />

Franz Lenz 30. 8.<br />

Adam Horn 1. 10.<br />

Reinhold Ludwig 17. 10.<br />

Axel Rost 1. 9.<br />

Ilona Schindler 1. 9.<br />

Klaus Peter 1. 9.<br />

Wir gratulieren Jennifer<br />

Kamieth und Dimitri<br />

Kloster zur Geburt<br />

ihrer Tochter.<br />

zum 40-jährigen<br />

Werkstattjubiläum<br />

Maritta Mundorf 1. 11.Raimund Waczkat 1. 11.<br />

Wir gratulieren Jens<br />

Lück und seiner Ehefrau<br />

zur Hochzeit –<br />

ebenso Klaus-Dieter<br />

Urff und seiner Ehefrau<br />

Manuela, geb. Schindehütte.<br />

Rolf Hecker 1. 11. Monika Lifka 1. 11.<br />

Kasseler Werkstatt FACETTEN 23


Versprochen! – Und auch gehalten?<br />

Innenrevision im Bereich der Reha-Dienstleistung<br />

Eine wichtige Grundlage unseres gesetzlichen<br />

Rehabilitationsauftrages ist<br />

es, alles zu tun, damit unsere MitarbeiterInnen<br />

sich beruflich und persönlich weiterentwickeln<br />

können und ihre Leistungsfähigkeit<br />

gestärkt wird. Eine Atmosphäre<br />

von Wertschätzung und angemessenen<br />

Anforderungen sind die Basis, um in dieser<br />

Hinsicht erfolgreich sein zu können.<br />

Wir verpflichten uns auch in den Werkstatt-<br />

bzw. Bildungsverträgen, die vereinbarte<br />

Leistung zur beruflichen Rehabilitation<br />

zu erbringen. Unser Geschäftsführer,<br />

Gerald Reißmann, hat mich nun beauftragt<br />

zu prüfen, ob diese Zusagen auch<br />

eingehalten werden.<br />

Ich habe daher <strong>2009</strong> anhand von elf<br />

Fragestellungen stichprobenartig geprüft,<br />

ob die Vorgaben so, wie sie durch unser<br />

Qualitätsmanagementsystem geregelt<br />

sind, auch eingehalten werden. Bei dieser<br />

Prüfung sind alle Bereiche berücksichtigt.<br />

Ich werte die Ergebnisse bis Ende <strong>2009</strong><br />

aus und erwarte davon wertvolle Anstöße<br />

zur weiteren Verbesserung unserer<br />

Leistungen. An dieser Stelle nun schon<br />

einmal ein kurzer Einblick.<br />

Informationsstand: Zwei der elf Fragen<br />

betreffen den Informationsstand der<br />

MitarbeiterInnen. In sieben Gruppen habe<br />

ich im Rahmen einer Lerninsel die MitarbeiterInnen<br />

gefragt, ob sie über arbeitsbegleitende<br />

oder andere Bildungsangebote<br />

in der Werkstatt informiert sind. In diese<br />

Gespräche waren ca. 70 MitarbeiterInnen<br />

einbezogen. In jeder Gruppe waren die arbeitsbegleitenden<br />

Angebote bekannt und<br />

viele konnten von ihrer Teilnahme an einzelnen<br />

Kursen berichten: „Da gibt es doch<br />

so’n Heft, das kriegt man beim Sozialen<br />

Dienst oder beim Gruppenleiter.“ Auch zu<br />

den Schulungen durch das Bildungsreferat<br />

Pfiffikus kamen spontane und positive<br />

Rückmeldungen: „Ach ja, das macht Herr<br />

Alberding!“<br />

In Bezug auf die Freizeitgestaltung waren<br />

den meisten MitarbeiterInnen die Angebote<br />

von Amos bekannt; auch wenn sie<br />

nicht selbst daran teilnehmen, kennen<br />

viele den Treffpunkt am Stern in Kassel<br />

und einzelne Angebote aus den Erzählungen<br />

ihrer KollegInnen.<br />

Deutlich weniger Mitarbeiter kennen<br />

die Bildungs- und Freizeitangebote der<br />

Zusätzliche Bildungsangebote<br />

Personal und Honorarkräfte bieten den MitarbeiterInnen<br />

während der Arbeitszeit Kurse an,<br />

die zur besseren Bewältigung des Alltags Unterstützung<br />

geben sollen, z. B. Lesen und Schreiben,<br />

Rechnen, Deutsch als Zweitsprache, Computerkurse,<br />

Backen, Liebe-Partnerschaft-Sexualität,<br />

Wie lese ich meine Entlohnungsabrechnung,<br />

Kreatives Gestalten usw.<br />

Im Bildungsreferat Pfiffikus werden spezifische,<br />

arbeitsplatzbezogene Fortbildungen durchgeführt,<br />

z. B. Rechnen mit dem Taschenrechner,<br />

Telefontraining, Umgang und Pflege von Kühlgeräten,<br />

Umgang mit Messinstrumenten, Wie arbeite<br />

ich mit dem Etikettendrucker, Umgang mit dem<br />

Hubwagen usw.<br />

Amos, eine Freizeit-Einrichtung der Diakonie-<br />

Wohnstätte gGmbH Kassel, macht am Abend<br />

oder am Wochenende Angebote zur Freizeitgestaltung,<br />

z. B. Malworkshop, Ausflüge, Bowling,<br />

Flötengruppe, Tanzkurse, Kreativwerkstatt usw.<br />

Die Lebenshilfe Kassel e.V. bietet Freizeiten<br />

an und macht ebenfalls Angebote wie Kochkurse,<br />

Besichtigungen, Freizeittreffs usw.<br />

Die Volkshochschule Region Kassel bietet ab<br />

dem Wintersemester <strong>2009</strong>/2010 erstmals besondere<br />

Kurse für Menschen mit Behinderung an. Das Angebot<br />

wird nach dem Wintersemester fortgesetzt.<br />

Begleitet von Studenten gibt es einen regelmäßigen<br />

Freizeittreff in der Universität Kassel.<br />

24 FACETTEN Kasseler Werkstatt


örtlichen Lebenshilfe. Der Freizeittreff der<br />

Universität Kassel ist nur denjenigen bekannt,<br />

die seit vielen Jahren daran teilnehmen.<br />

Nicht bekannt war, dass auch<br />

die Volkshochschule Angebote für Menschen<br />

mit Behinderung macht, bzw. bei<br />

den ,normalen’ Kursen Menschen mit Behinderungen<br />

nicht ausschließt.<br />

Fazit: Unsere Informationswege in der<br />

Werkstatt sind wirksam. Die meisten MitarbeiterInnen<br />

wissen, wo sie sich informieren<br />

können, sie beachten die Aushänge<br />

an den Infotafeln und wissen, wen sie<br />

fragen können.<br />

Die Gruppenleitung ist der wichtigste<br />

Vermittler von Informationen; schriftliche<br />

Hinweise reichen nicht aus, die Gruppenleitung<br />

muss die Angebote erklären und<br />

auch zur Teilnahme ermutigen.<br />

Die Teilnahme an Angeboten außerhalb<br />

der Werkstatt, insbesondere an integrativen<br />

Angeboten, stellt für unsere<br />

MitarbeiterInnen eine große Hürde dar.<br />

Von links: (verdeckt) Dieter Schake, Oliver Kupke, Marita Kätzel,<br />

Irina Schütz, Zoran Viljusic, Karsten Schubert, Michael Bolte, Michael<br />

Ruppert, Dennis Reuter.<br />

Besonders am Anfang brauchen viele Unterstützung,<br />

um ihre Ängste zu überwinden,<br />

oder auch ganz pragmatisch Begleitung,<br />

um den Weg zu finden.<br />

Über die Auswertung der anderen Fragen<br />

werde ich zu einem späteren Zeitpunkt<br />

berichten.<br />

Marita Kätzel (Sozialdienstleitung)<br />

Wirtschaftskrise und Kartoffeln<br />

Bislang keine Kurzarbeit bei der Pro Dokument<br />

Planungssicherheit ist für Unternehmensverantwortliche<br />

wie auch MitarbeiterInnen<br />

gleicherweise von großer Bedeutung.<br />

Die Wirtschaftskrise stellt auch die<br />

Pro Dokument und deren Personal vor<br />

nicht unerhebliche Herausforderungen. Die<br />

Auftragslage im Dokumenten-Management-Center<br />

ging im Alt-Archiv-Scannen<br />

zurück, weil Unternehmen zugesagte und<br />

von der Pro Dokument bereits disponierte<br />

Aufträge vorübergehend aussetzten. In der<br />

Verpackungsdienstleistung kündeten beide<br />

Großauftraggeber einen erheblichen Rückgang<br />

der zu vergebenen Arbeit an.<br />

Wir hatten die MitarbeiterInnen trotz<br />

des Auftragsrückgangs dennoch weiterbeschäftigt<br />

und einige in die Verpackung<br />

versetzen können. Als dann die Ankündigung<br />

des Auftragseinbruchs auch in der<br />

Verpackung kam, mussten wir alle Mitar-<br />

Pro Dokument FACETTEN 25


eiterInnen über mögliche Konsequenzen<br />

informieren – das war die Situation im<br />

Mai <strong>2009</strong>. Kündigungen oder Kurzarbeit<br />

– darüber hatten die KollegInnen mitzuentscheiden.<br />

Ich bin sehr froh, dass alle<br />

KollegInnen die kollektive Kurzarbeit gewählt<br />

hatten. Das dokumentiert die hohe<br />

soziale Kompetenz der gesamten Belegschaft.<br />

Exakt zwei Stunden nach der Ankündigung<br />

von möglicher Kurzarbeit änderte<br />

sich die Situation drastisch – ins positive<br />

Gegenteil. Beide Automobilhersteller kündigten<br />

temporär ungeahnte Mehrarbeit an.<br />

Um nicht neue MitarbeiterInnen für kurze<br />

Zeit einzustellen, entschloss sich die Unternehmensführung<br />

in Absprache mit der Belegschaft,<br />

lieber Überstunden aufzubauen,<br />

die dann mit dem eben doch erwartenden<br />

Auftragsrückgang abzubauen wären. Das<br />

war für alle Beteiligten wie rein in die Kartoffeln<br />

und wieder raus aus den Kartoffeln.<br />

Aber auch hier zeigt sich die Flexibilität aller<br />

Pro Dokument-MitarbeiterInnen.<br />

Der angekündigte Auftragseinbruch<br />

ist bis heute nicht eingetreten. Das Dokumenten-Management-Center<br />

hat mittlerweile<br />

das gewohnte Auftragsniveau. Der<br />

Auftragseingang in der Verpackung lag<br />

bis August <strong>2009</strong> auf überdurchschnittlich<br />

hohem Niveau. Beides ist gut so. Es wurden<br />

neue schwerbehinderte Mitarbeiter<br />

eingestellt. Die Überstunden verbleiben –<br />

als Puffer für vielleicht doch noch magere<br />

Zeiten. Entwarnung kann an der Kartoffelfront<br />

noch nicht gegen werden.<br />

Roland Müller<br />

Verpackung an neuem, zweiten<br />

Standort „Eichwaldstraße“<br />

Torsten-Jürgen Rabe, Lagerleiter<br />

Mit Übernahme des neuen Verpackungsstandorts in der<br />

Eichwaldstraße hat im Juni <strong>2009</strong> Torsten-Jürgen Rabe<br />

als Lagerleiter seine Tätigkeit aufgenommen. Er übernimmt<br />

u. a. die Obliegenheiten von Ivo Pavlekovic, der<br />

in der KSW 2 neue Aufgaben wahrnimmt.<br />

Torsten Rabe ist 39 Jahre alt. Er hat sich seine Sporen<br />

als Logistiker bei W&K, Deutsche Taileur und Kopack<br />

verdient und bringt so umfangreiche Erfahrungen mit.<br />

Der zweifache Familienvater fühlte sich schon nach<br />

kurzer Zeit sehr wohl: „Ich bin sofort von den Kollegen<br />

angenommen worden und freue mich, mit einem motivierten<br />

und fleißigen Team zusammenzuarbeiten.“<br />

Der neue Lagerleiter disponiert die Verpackungsaufträge<br />

und die MitarbeiterInnen, hält die Kommunikation<br />

zu den Kunden und<br />

der KSW 1 und 2.<br />

„Die Aufgaben fordern<br />

mich und<br />

füllen mich aus.<br />

Und mit dem<br />

gewachsenen Team<br />

lässt sich jede Herausforderung<br />

stemmen.“<br />

Seit Juni <strong>2009</strong> verpackt die Pro Dokument<br />

Mercedes-Automobilersatzteile an<br />

einem neuen Standort. Die TOP-direkt-<br />

Halle in der Eichwaldstraße hat insgesamt<br />

1.000 m² und liegt nur knapp zwei<br />

Kilometer vom Mutter-Standort, der Kasseler<br />

Werkstatt Werk 1, entfernt.<br />

Seit Juli <strong>2009</strong> sind administrative<br />

Prozesse und interne kommunikative<br />

Abläufe zwischen KSW und PD-Eichwaldstraße<br />

durch EDV-technische Veränderungen<br />

optimiert worden. „Obwohl<br />

vieles in kurzer Zeit verändert wurde,<br />

gab es keine ,chemischen Differenzen’<br />

zwischen den Beteiligten“, sagt Thomas<br />

Adelsberger, Datenbankentwickler und<br />

Qualitätsbeauftragter der Pro Dokument.<br />

Im Gegenteil.<br />

Andere Abteilungen der KSW erkannten<br />

daraufhin Einspar- und Arbeitserleichterungspotenzial<br />

in ihren<br />

Bereichen. Weitere ähnlich gelagerte Projekte<br />

sind bereits in Umsetzung, andere in<br />

Planung.<br />

Roland Müller<br />

26 FACETTEN Pro Dokument


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Neue Hausordnung<br />

in Einfacher Sprache<br />

Im Mai <strong>2009</strong> ist die<br />

neue Hausordnung der<br />

Kasseler Werkstatt offiziell<br />

vom Werkstattrat<br />

(WR) und vom Werkstattleiter<br />

Peter Liesert<br />

unterzeichnet worden<br />

und somit für alle gültig.<br />

Sie wurde vom Werkstattrat<br />

ausgearbeitet und ist als ein Ergebnis des Projektes Gewaltlos<br />

miteinander zu sehen. Wir haben die Hausordnung<br />

zum besseren Verständnis von der Initiative Mensch zuerst in<br />

sogenannte Einfache Sprache übertragen lassen und ebenfalls<br />

zum besseren Verständnis für alle, die nicht so gut lesen<br />

können, Bilder eingefügt. Inzwischen ist die Hausordnung<br />

an allen Standorten ausgehängt worden. Mit dem<br />

Ergebnis sind sehr zufrieden: (von links nach rechts): Marita<br />

Kätzel (SDL), Peter Liesert (WL), Manfred Schremmer<br />

(1. Vorsitzender WR), Tanja Vogt (Gleichstellungsbeauftragte<br />

und WR), Alfred Hoffmann (Berater WR), Gerald Reißmann<br />

(GS Sozialgruppe Kassel).<br />

Adressen<br />

Einrichtungen der Sozialgruppe Kassel e. V.<br />

n Kasseler Werkstatt I<br />

Mündener Straße 45, 34123 Kassel<br />

Telefon (05 61) 9 52 34-0, Fax 9 52 34-34<br />

email: info@kasseler-werkstatt.de<br />

Internet: www.kasseler-werkstatt.de<br />

n Kasseler Werkstatt II<br />

Werner-Heisenberg-Straße 18, 34123 Kassel<br />

Telefon (05 61) 58 06-0, Fax 58 06-100<br />

n Kasseler Werkstatt Gartenbau<br />

Oberzwehrener Straße 105, 34132 Kassel<br />

Telefon (05 61) 51 22 21, Fax 51 71 00<br />

n Georg-Wündisch-Haus –<br />

Kindertagesstätte mit Integrationsplätzen<br />

Bei den vier Äckern 11, 34125 Kassel<br />

Telefon (05 61) 87 77 84<br />

n Seniorenzentrum Renthof,<br />

Renthof 3, 34117 Kassel<br />

Telefon (05 61) 7 09 93-16, Fax 7 09 93-28<br />

Internet: www.renthof.de<br />

n Tagespflege für Senioren,<br />

Holzmarkt 1, 34125 Kassel<br />

Tel. (05 61) 97 01 00-25/26, Fax 97 01 00-23<br />

n Pro Dokument gGmbH,<br />

Mündener Str. 45, 34123 Kassel<br />

Telefon (05 61) 52 99 07-40,<br />

Fax (05 61) 52 99 07-41<br />

email: info@pro-dokument.de<br />

Internet: www.pro-dokument.de<br />

Impressum<br />

<strong>Facetten</strong><br />

n Zeitung für MitarbeiterInnen, Personal,<br />

Eltern, Vereinsmitglieder, FreundInnen und<br />

interessierte Öffentlichkeit von: Kasseler<br />

Werkstatt, Georg-Wündisch-Haus, Seniorenzentrum<br />

Renthof, Tagespflege am<br />

Holzmarkt und ProDokument<br />

n Nummer 17, Nov. <strong>2009</strong>, Auflage: 2000<br />

Herausgeber: Sozialgruppe Kassel e. V.,<br />

Holzmarkt 1, 34125 Kassel,<br />

Telefon (05 61) 97 01 00-0, Fax 97 01 00-21<br />

n Redaktion/Lektorat: Kirsten Alers/Wortwechsel,<br />

Gestaltung/Gesamtherstellung:<br />

Ulrich Ahrend/Satzmanufaktur<br />

Raiffeisenstraße 15, 34260 Kaufungen,<br />

Tel. (0 56 05) 92 62 71, Fax 92 62 73,<br />

email: satzmanufaktur@t-online.de<br />

n AnsprechpartnerInnen in den Einrichtungen:<br />

Peter Liesert (Kasseler Werkstatt),<br />

Regina Loh (Georg-Wündisch-Haus),<br />

Martina Dittel (Seniorenzentrum Renthof),<br />

Gunda Hoßbach (Tagespflege),<br />

Roland Müller (Pro Dokument)<br />

n V.i.S.d.P.: Ilona Caroli, Gerald Reißmann<br />

Namentlich gekennzeichnete Beiträge<br />

geben nicht unbedingt die Meinung des<br />

Vereins oder der Redaktion wieder.<br />

Spendenkonto Sozialgruppe Kassel e. V.<br />

Konto 2062 897<br />

Kasseler Sparkasse (BLZ 520 503 53)<br />

28 FACETTEN

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