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Giurbroschüre Bet Haskala Internet

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I n f o r m a t i o n e n u n d H i n w e i s e<br />

Erwartungen und Erfordernisse<br />

für den Übertritt zum Judentum<br />

in unserer Gemeinde


,<br />

Grundlagen für einen Giur in unserer Gemeinde<br />

1. Eine jüdische Lebensführung ist eine wichtige Grundvoraussetzung<br />

für einen Giur<br />

2. Regelmäßige Teilnahme an den Gottesdiensten und Veranstaltungen<br />

der Gemeinde.<br />

3. Aktive Teilnahme am Gemeindeleben und persönliches Engagement<br />

bei allen Aufgaben, die zur Stärkung und Entwicklung<br />

der Gemeinde beitragen.<br />

Einbringung persönlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten zum<br />

Wohle der Gemeinde.<br />

Zedaka im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten.<br />

4. Regelmäßiger Besuch der Schiurim im Rahmen der Vorbereitung<br />

auf den Giur, sowie ein intensives Selbststudium<br />

zur Erlangung eines jüdischen Fundamentalwissens.<br />

5. Mitgliedschaft im Freundeskreis der Gemeinde bzw. in der<br />

Gemeinde sofern die Familienmitgliedschaft möglich ist.<br />

Die Gemeinde wird im Vorfeld die Giurinteressierten einem von<br />

ihr ausgewählten Rabbiner vorstellen.<br />

Der Rabbiner prüft anhand der einzureichenden Unterlagen und<br />

nach einem Gespräch, ob der Weg ins Judentum infrage kommen<br />

könnte.<br />

Diese Entscheidung ist unverbindlich und hat keinen Einfluss<br />

auf die spätere tatsächliche Entscheidung des <strong>Bet</strong> Din zum jeweiligen<br />

Übertritt.<br />

Diese Anforderungen unserer Gemeinde ergänzen die Grundsätze zum Übertritt der<br />

UpJ und der ARK, die auf den nächsten Seiten nachzulesen sind.


Information über den Übertritt zum Judentum (Giur)<br />

Dieses Informationsblatt erläutert die Grundsätze bezüglich eines Übertritts zum Judentum.<br />

Ihre individuellen Fragen können nur in einem vertraulichen Gespräch mit<br />

dem Gemeinderabbiner sowie dem zuständigen Vorstandsmitglied der Gemeinde geklärt<br />

werden.<br />

1. Es ist die grundlegende Auffassung des Judentums, dass sich die göttliche Offenbarung<br />

an alle Menschen richtet und jeder entsprechend dieser Offenbarung leben<br />

kann. Juden kommt diesbezüglich keine Sonderstellung zu, ihnen sind lediglich<br />

zusätzliche Verpflichtungen auferlegt. Der Talmud sagt dazu: „Gerechte aller<br />

Völker haben Anteil an der kommenden Welt.“ Es gibt daher keinen religiösen<br />

Grund, weshalb man einen Nichtjuden den Übertritt zum Judentum empfehlen<br />

sollte. Das Judentum lehnt daher auch jede Missionierung von Nichtjuden ab.<br />

2. Der Übertritt zum Judentum ist unter bestimmten Umständen möglich. Der Übertritt<br />

ist nicht nur ein Glaubenswechsel, sondern eine Aufnahme in das jüdische<br />

Volk. Es ist kein einmaliger Akt, sondern eine persönliche Entwicklung. Das liberale<br />

Judentum sagt dazu: „Wir heißen Menschen gleichberechtigt willkommen, die<br />

sich uns aus ehrlicher Absicht anschließen möchten. Nach einer längeren Zeit jüdischen<br />

Lernens und der Teilnahme am Leben einer Gemeinde geschieht der Giur<br />

(Übertritt) vor einem <strong>Bet</strong>h Din (Rabbinatsgericht) mit Brit Mila (Beschneidung)<br />

sowie Mikwe (rituellem Tauchbad) und Gebet.“ (Aus „35 Grundsätze des liberalen<br />

Judentums“).<br />

3. Bevor Sie sich entscheiden, ob sie in den Konversionsprozess eintreten wollen,<br />

sollten Sie sich über das Judentum und die Problematik des Übertritts gründlich<br />

informieren. Dazu steht inzwischen eine umfangreiche Literatur zur Verfügung<br />

(z.B. „Nicht durch Geburt allein – Übertritt zum Judentum“, Hrsg. Walter Homolka<br />

und Ester Seidel, unter www.amazon.de antiquarisch erhältlich), außerdem gibt<br />

es in <strong>Internet</strong> zu diesem Thema Diskussionsforen (z.B. bei www.hagalil.com). Sie<br />

sollten sich klar werden, warum Sie zum Judentum übertreten und warum Sie den<br />

Übertritt im liberalen Judentum vornehmen wollen Sie sollten sich nicht nur über<br />

Ihre religiösen Motive klar werden, sondern auch überlegen, was es für Sie bedeuten<br />

würde, ein Teil des jüdischen Volkes zu werden.<br />

4. Jüdisches Leben kann man nur in der Gemeinschaft führen. Damit Sie sich für<br />

einen Übertritt vorbereiten können, müssen Sie daher zuerst in einer Gemeinde<br />

das jüdische Leben kennen lernen. Auch die Gemeinde muss Sie kennen lernen<br />

und muss bereit und in der Lage sein, Sie nach ihrem Übertritt als Mitglied aufzunehmen.<br />

Dabei spielen aber auch die begrenzten Integrationsmöglichkeiten der<br />

Gemeinden eine Rolle.<br />

5. Ihre erste Kontaktaufnahme mit der Gemeinde sollte schriftlich erfolgen: Mit einem<br />

Brief sollten Sie Ihre Motive für Ihren Übertrittswunsch erläutern und über<br />

Ihren persönlichen Hintergrund informieren. Bitte nennen Sie dabei auch Ihren<br />

vollen Namen, Adresse und Telefon. Ein Kontakt nur per eMail reicht nicht aus.<br />

Sie können sicher sein, dass der Brief vertraulich behandelt wird.


6. Wenn der Gemeinderabbiner und das für die <strong>Bet</strong>reuung der Giur-Kandidaten zuständige<br />

Vorstandsmitglied von der Ernsthaftigkeit Ihres Übertrittswunsches<br />

überzeugt sind, werden Sie zu einem Gottesdienst in die Gemeinde und zum ersten<br />

Gespräch mit beiden eingeladen. Für den Rabbiner werden dabei Ihre religiösen<br />

Motive für den Übertritt im Vordergrund stehen, während das zuständige Vorstandsmitglied<br />

sich dafür interessieren wird, wie Sie sich in die Gemeinde integrieren<br />

können. Verläuft das Gespräch positiv, wird Ihnen die Möglichkeit eingeräumt,<br />

zeitlang als Gast die Gottesdienste und Veranstaltungen der Gemeinde zu<br />

besuchen.<br />

7. Wenn Sie als Gast der Gemeinde das jüdische Leben einige Wochen oder Monate<br />

kennen gelernt haben und Sie ihren Übertrittswunsch aufrecht erhalten, wird der<br />

Gemeinderabbiner entscheiden, ob er für Sie den Übertrittsprozess einleitet, in<br />

dem er Sie als Giur-Kandidatin oder Giur-Kandidaten beim (liberalen) Rabbinatsgericht<br />

(<strong>Bet</strong>h Din) anmeldet. Dazu bedarf es auch der Zustimmung des Gemeindevorstandes,<br />

da Sie zu diesem Zeitpunkt Fördermitglied der Gemeinde werden<br />

müssen. Danach nehmen Sie als Giur-Kandidatin oder Giur-Kandidat an dem<br />

Übertrittsunterricht teil und beteiligen sich als Fördermitglied aktiv am Gemeindeleben.<br />

Es gelten für Sie nur einige liturgische Einschränkungen im Gottesdienst<br />

und Sie besitzen noch kein Wahl- und Stimmrecht in der Gemeindeversammlung.<br />

8. Die Länge des weiteren Giur-Prozesses hängt nicht hauptsächlich davon ab, wie<br />

schnell Sie sich im Übertrittskurs Kenntnisse über die jüdische Religion und die<br />

Feiertage aneignen, sondern davon, wie Sie schrittweise „jüdisch“ werden. Es<br />

geht darum, dass Ihnen die jüdische Lebensweise selbstverständlich wird und Sie<br />

ein Teil der Gemeinde werden. Wann Sie „so weit“ sind, wird der Gemeinderabbiner<br />

in Abstimmung mit dem Gemeindevorstand entscheiden.<br />

9. Der Giur-Prozess wird mit einer Prüfung vor dem <strong>Bet</strong>h Din abgeschlossen, zu der<br />

Sie der Gemeinderabbiner anmeldet, nachdem der Gemeindevorstand in einem<br />

Beschluss zugesichert hat, Sie nach dem Übertritt als Vollmitglied der Gemeinde<br />

aufzunehmen.

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