Nr. 15 (III-2016) - Osnabrücker Wissen

kreativkompass

Nr. 15 (III-2016) - Osnabrücker Wissen

Wir beantworten Fragen rund um die Osnabrücker Region. Alle drei Monate als Printausgabe. Kostenlos! Und online unter www.osnabruecker-wissen.de

Nr. 15 · kostenlos · Ausgabe III / 2016

www.osnabruecker-wissen.de

AUFGEWECKT DURCH STADT UND LANDKREIS

KOSTENLOS!

13

WIRTSCHAFT & TECHNIK

Wie viele Telefonzellen gibt es

noch in Osnabrück?

WAS GLAUBEN

OSNABRÜCKER ?

28

STADT & LANDGESCHICHTEN

Was bleibt nach 2000 Jahren

von einer Schlacht übrig?

37

NATUR & UMWELT

Warum können Pinguine besser

tauchen als U-Boote?

42

SPORT & GESUNDHEIT

Wie hart sind Peacekeeper?

WELTANSCHAUUNG & RELIGION


IMPRESSUM

Ein Medienprojekt der

EDITORIAL

Medienagentur KreativKompass GmbH

Geschäftsführer: Stephan Buchholz

Im Hamme 7

49205 Hasbergen

Telefon: +49 5405 / 80 83 216

E-Mail: kontakt@kreativkompass.de

Internet: www.kreativkompass.de

in Zusammenarbeit mit der

Hochschule Osnabrück

Projektverantwortlich:

Prof. Volker Gehmlich und

Abigail Joseph-Magwood

www.hs-osnabrueck.de

REDAKTION

Chefredakteur:

Dr. Thorsten Stegemann (TS)

Weitere Redaktionsmitglieder

dieser Ausgabe:

Yörn Kreib

Ebba Ehrnsberger

Tom Herter

Jonathan Hafkemeyer

Jule Schwalbach

Lena Wegmann

Leonie Rabea Große

Johanna Albers

Melek Erdogdu

Heiko Schulze

Bianca Land

Sina-Christin Wilk

Kristina Hoffmann

Gastbeiträge in dieser Ausgabe:

Margret Baumann

Museum Industriekultur Osnabrück

Anna Nuxoll

Zoo Osnabrück

Dr. Solveig Steffen

Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück

Beatrice le Coutre-Bick

Literaturbüro Westniedersachsen / Osnabrück

Dr. Andreas Hänel

Planetariumsleiter / Museum am Schölerberg

Carina Sander

Schüler-Forschungs-Zentrum Osnabrück

Caroline Flöring

Museum und Park Kalkriese

Leitung Vermarktung & Mediengestaltung

Stephan Buchholz

Mediengestaltung

Laura Fromm

Projektmanagement & Vermarktung

Igor Hafner

Projektmanagement & Distribution

Sebastian Buchholz

BILDMATERIAL

Jana Lange · www.jana-fotografiert.de

Oliver Schratz · www.blendeneffekte.de

sowie siehe Bildnachweise.

Grundmotiv Titelfoto © Smileus, Fotolia.de -

Collage Medienagentur KreativKompass

DRUCK & PRODUKTION

Levien-Druck GmbH

Eduard-Pestel-Straße 16

49080 Osnabrueck

Telefon: +49 5 41 / 9 59 29-0

Internet: www.levien.de

REDAKTIONSSCHLUSS:

September 2016

COPYRIGHT

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Veröffentlichung im

Internet oder Vervielfältigung auf Datenträgern nur nach

vorheriger schriftlicher Genehmigung der Medienagentur

KreativKompass GmbH. Trotz sorgfältiger Prüfung keine

Gewähr für eventuelle Druckfehler. Unsere Redaktion ist

selbstverständlich bemüht, alle Ansprüche im Bereich der

Urheberrechte (insbesondere der Bildrechte) vor Drucklegung

zu klären und zu berücksichtigen. Sollte uns trotzdem einmal ein

unbeabsichtigter Fehler unterlaufen, wenden Sie sich bitte direkt

an: redaktion@osnabruecker-wissen.de, damit wir schnell eine

einvernehmliche Lösung finden.

AUFGEWECKT DURCH STADT UND LANDKREIS

Ein Medienprojekt von:

Mit freundlicher Unterstützung von:

MUSEUM

INDUSTRIEKULTUR

OSNABRÜCK

Foto © Paul Stegemann

der Dialog unterschiedlicher Religionsgemeinschaften beschäftigt unsere

Stadt schon seit Jahrhunderten. Heute scheint er (lebens)wichtiger denn

je. Doch an was glauben wir eigentlich, wenn wir überhaupt an etwas

glauben? Unsere Titelgeschichte sucht Antworten auf existenzielle Fragen,

die für das Zusammenleben in einer „Friedensstadt“ von großer Bedeutung

sind.

Auf den folgenden Seiten wagen wir wieder einen großen Streifzug durch

unterschiedlichste Wissensgebiete der Region. Wir wollten in Erfahrung

bringen, was es mit dem „Piepken“ in Bad Iburg auf sich hat, wer Geschichte

auf Französisch lernt, wie hart Peacekeeper sind und welcher Ex-

Kommunist Oberbürgermeister von Osnabrück und später sogar preußischer

Finanzminister wurde.

Außerdem stellt sich mit dem Museum und Park Kalkriese ein neuer Projektpartner

von „Osnabrücker Wissen“ vor. Zum Auftakt geht es um die naheliegende

Frage, wie man ein antikes Schlachtfeld ausgräbt.

Wir hoffen, Sie haben auch mit unserer 15. Ausgabe viel Freude und

entdecken einmal mehr unterhaltsame, aufregende und wissenswerte

Geschichten aus unserer Region.

Dr. Thorsten Stegemann

Chefredakteur

„Glaube beruht auf Ursachen,

nicht auf Gründen.“

Stephan Buchholz

Herausgeber

Wilhelm Busch (1832-1908)

Jetzt auch online noch mehr Fragen zur Region entdecken!

Einfach „liken“ und regelmäßig weitere spannende Antworten finden:

www.osnabruecker-wissen.de/facebook

3

- Anzeige -

Ticket-Service: Mo.–Fr. 9:00–17:00 Uhr ∙ Tel. 05 41.34 90-24

ticketservice@osnabrueckhalle.de ∙ www.osnabrueckhalle.de

So. 25.09.16

15:00 Uhr

CONNI – Das Musical

MATTHIAS REIM

Fr. 30.09.16

20:00 Uhr Phoenix Live 2016

DIETER NUHR

Sa. 01.10.16

20:00 Uhr „Nur Nuhr“ - Wiederholungsgastspiel

CLAUS VON WAGNER

Fr. 07.10.16

20:00 Uhr „Theorie der feinen Menschen“

SERDAR SOMUNCU

Sa. 08.10.16

20:00 Uhr H2 Universe – Die Machtergreifung

OTTO

Mo. 17.10.16

20:07 Uhr „Holdrio Again“ – Live 2016

THORSTEN HAVENER

Do. 20.10.16

20:00 Uhr „Der Körpersprache-Code“

KAYA YANAR

Fr. 21.10.16

20:00 Uhr „Planet Deutschland Tour 2016

FANTASY

Sa. 22.10.16

19:30 Uhr Freudensprünge Live 2016

NADEL UND FADEN

Fr.-So.

28.-30.10.16 22. Messe für textile Kunst u. Handarbeit

RENÉ MARIK

Do. 03.11.16

20:00 Uhr Programm: „ZeHage! Best of + X“

RALPH RUTHE

Sa. 05.11.16

19:00 Uhr Shit Happens! – Die Tour 2016

STEFFEN HENSSLER

Di. 08.11.16

20:00 Uhr „Henssler tischt auf“ – Die neue Live Tour

Fr. 18.11.16

20:00 Uhr Lesereise

11 FREUNDE

PAUL PANZER

Sa. 19.11.16

20:00 Uhr Invasion der Verrückten

IGOR LEVIT

Mo. 28.11.16

20:00 Uhr 1. Meisterkonzert Saison 2016/2017

Di. 29.11.16 OSNABRÜCKER

19:00 Uhr MUSIKSTREIFE

Weitere Veranstaltungen bei uns im Vorverkauf u.a.: 2016

30.11. Johann König • 01.12. Hagen Rether • 04.12. RebellComedy

• 07.12. Benjamin Tomkins: Der Puppenflüsterer • 12.12. Alison

Balsom (2. Meisterkonzert) • 19.12. Godewind • 20.12. Martin

Sonneborn • 25.12. Offline – electronic music festival #2 • 26.12.

Der kleine Prinz • 31.12. Silvester Dance Night 2016 • 2017 •

06.01. Nostalgiefete • 17.01. Michael Mittermeier • 18.01.

Einstürzende Neubauten • 28.01. Jochen Malmsheimer • 31.01.

Servus Peter • 05.02. ABBA GOLD • 09.02. Yesterday – A Tribute to

the www. Beatles • 11.02. Gerburg Jahnke • 15.02. Chinesischer Nationalcircus

• 16.02. Mantastic Sixx Paxx • 18.02. Francesco Piemontesi

(3. Meisterkonzert) • 19.02. Mirja Boes • 21.02. AnnenMay-

Kantereit • 22.02. Falco – Das Musical • 02.03. Ralf Schmitz

* Kostenfrei 20 Min. Parken direkt unter der

* OsnabrückHalle in der Parkgarage des arcona

LIVING OSNABRÜCK, Zufahrt Hans-Böckler-Straße.

Parkticket wird im Ticket-Service

nur während der Öffnungszeiten beim Kauf von Eintrittskarten kostenfrei entwertet.

Außerhalb der Öffnungszeiten gilt der jeweilige Garagentarif.

WISSEN, WAS LÄUFT!

Jetzt Newsletter abonnieren auf www.osnabrueckhalle.de


GRUSSWORT

Hallo Wissende,

haben Sie schon mal darüber

nachgedacht, wie Sie wissend geworden

sind? Natürlich kommen

Sie schnell auf Ihren schulischen

Werdegang, ihre Ausbildung,

Ihr Studium. Richtig! Aber nicht

nur während schulischer und beruflicher

Aus- und Fortbildung

generiert man Wissen. Tagtäglich,

im Idealfall ein Leben lang,

sammeln wir Erfahrungen, bekommen

wir Informationen, die

uns wissender machen. Wichtig

in diesem Prozess sind neben

der Wissbegierde des Einzelnen

die Möglichkeiten, sich auch

INHALT

Welche Fragen zur Osnabrücker Region

beantworten wir in dieser Ausgabe?

außerhalb von Schule oder Universität

fortbilden zu können.

Und an dieser Stelle kommen

außerschulische Lernorte, wie

beispielsweise das Museum am

Schölerberg, ins Spiel. Naturkundliche

Museen mit ihren

großen Sammlungen sind geradezu

ein Mekka für Menschen,

die ihren Wissensdurst zur Naturgeschichte

stillen möchten.

Das Osnabrücker Haus ist zudem

mit Planetarium, Umweltmobil

Grashüpfer und Regionalem

Umweltbildungszentrum

enorm breit aufgestellt, um mit

unterschiedlichsten Ansätzen

einen großen Strauß naturwissenschaftlicher

Bildung anbieten

zu können. Überhaupt wissen

vermutlich die wenigsten, dass in

Osnabrück die Idee des Regionalen

Lernens an außerschulischen

Lernstandorten geboren wurde

und dass die Dichte an Umweltbildungszentren

(jeweils mit

vielen Lernorten) nirgendwo im

Land so hoch ist wie in unserer

Region. Und wenn es dann noch

ein Magazin wie „Osnabrücker

Wissen“ gibt, das durch Kooperationen

mit den Einrichtungen

Nr.

15

der Region (auch mit dem Museum

am Schölerberg) dafür sorgt,

dass alle Wissensdurstigen davon

erfahren, dann sieht man in

Sachen Wissensvermittlung eine

gut aufgestellte Region vor sich.

Ihr Norbert Niedernostheide

Museum am Schölerberg

AUFGEWECKT DURCH STADT UND LANDKREIS

„Religion bedeutet für

mich Gemeinschaft.“

Julia, 21, Studentin aus Osnabrück

„Ich erwarte von allen Gläubigen

und Religionsgemeinschaften

gerade heute Respekt, Toleranz sowie

ein friedliches Miteinander.“

Orhan,32 aus Melle

„Religion wird völlig

überbewertet.“

Oliver aus Osnabrück

„Without religion we cannot live.“

(Ohne Religion können wir nicht leben.)

„Religion spielt schon eine große

Rolle – aber nicht für mich.“

Zooba, 25, aus Syrien, studiert in Osnabrück

Renate aus Osnabrück

„Der Glaube hat mir in einer

schweren Trauerphase auch

Trost und Zuversicht gespendet.“

Wolfgang, 63 aus Bramsche

„Glaube gibt mir die

Hoffnung, dass es mehr gibt

als das, was ich sehe.“

Chiara, 21, Auszubildende zur

Tierarzthelferin aus Osnabrück

TOPTHEMA

„Spiritualität ist für mich

Grundnahrung für das Herz

und die Seele. Sie stärkt mein

inneres Gleichgewicht.“

Cornelius aus Osnabrück

TOPTHEMA

Was glauben Osnabrücker? 5

WIRTSCHAFT & TECHNIK

In welcher "Oberwerkstatt" gab es Beiß- und Zwickzangen? 12

Wie viele Telefonzellen gibt es noch in Osnabrück? 13

Wann wurde ein Ex-Kommunist preußischer Finanzminister? 14

Was hat es mit dem Piepken auf sich? 16

HOCHSCHULE & KARRIERE

Wie begeistert man Schüler für "MINT"? 17

Was kommt nach dem Pedelec bzw. vor dem Elektroauto? 18

STADT- & LANDGESCHICHTEN

Wer untersucht Gewässer in der Region? 21

Wie kam Presse aus der Presse? 22

Was macht Sutthausen zu einem Ort des Südens? 24

Wo reist man in die Eisenzeit? 25

Der Piesberg - Geschichts- oder Sagenort? 26

Was bleibt nach 2000 Jahren von einer Schlacht übrig? 28

MOMENTAUFNAHMEN

Wann fand Osnabrück Anschluss? 30

LEBEN & GESELLSCHAFT

Wer sah durch die Lepraspalte? 32

Wo lernen Schüler Geschichte auf Französisch? 33

Wie oft gehen Osnabrücker ins Museum? 34

DIE BESTEN KÖCHE DER REGION

Wo treffen sich Frische und Vielfalt aus der Region? 35

NATUR & UMWELT

Planetarium Osnabrück - 30 Jahre alt oder jung? 36

Warum können Pinguine besser tauchen als U-Boote? 37

Können 2,1km 2 eine ganze Region schützen? 39

SPORT & GESUNDHEIT

Herz-Kreislaufstillstand: Wer organisiert die Rettungskette? 40

Wie hart sind Peacekeeper? 42

HINTER DEN KULISSEN

Wer zaubert auf 48 Quadratmetern? 44

KUNST & KULTUR

Wohin mit dem Freiheitsdrang? 46

Was macht Oma in Osnabrück? 49

Wer elektrisiert den Schlossgarten? 50

FAMILIE & SOZIALES

Wer begeleitet Menschen im Andersland? 52

Wer hustet in die Kummerdose? 55

SCHÖNE GRÜSSE & GOLDENES BUCH

Hallo, wie geht‘s? 56

Wer trug sich ins Goldene Buch ein? 56

HANDGEZEICHNET

Wie funktioniert Integration? 57

RÄTSELN & GEWINNEN

Wie viel Wissen steckt in Ihnen? Kreuzworträtsel 58

Was gibt es zu gewinnen? Preisübersicht 59

Lichteffekte © Floydine, fotolia.de

WAS GLAUBEN OSNABRÜCKER ?

2017 feiert die Reformation um Martin Luther ihren 500. Geburtstag. Grund genug, auch in Osnabrück

einmal nachzuforschen, welche Bedeutung Religion trotz steigender Kirchenaustritte, zunehmender

Radikalisierung religiös motivierter Gruppierungen und diverser Skandale heute hat.

WO KANN MAN RELIGION „SEHEN“?

Es fällt nicht schwer, Religion bzw.

Gebäude unterschiedlicher Religionsgemeinschaften

in der Stadt wahrzunehmen.

Beim Spaziergang durch die

Innenstadt wird man sofort auf den

Dom und den Bischofssitz des Bistums

Osnabrück, die evangelischen Kirchen

St. Marien oder St. Katharinen stoßen.

An die alte jüdische Synagoge, die am

9. November während des Novemberpogroms

in Brand gesetzt wurde,

erinnert heute noch ein Mahnmal und

der Straßenname im Katharinenviertel.

Die neue Synagoge wurde

1969 in der Weststadt eingeweiht. Seit

2001 prägt auch eine Moschee mit

zwei Minaretten und einem typischen

Kuppeldach in der Atterstraße das

Stadtbild. Weitere Moscheen, aber auch

kleinere evangelische Freikirchen,

befinden sich über die ganze Stadt verteilt

in umgenutzten Wohnhäusern

oder Ladenlokalen. Das buddhistische

Zentrum liegt in der Gutenbergstraße

am Westerberg, die Serbisch-

Orthodoxe Kirche findet man in der

Wersener Straße. Bei einem Blick auf

die Städte und Dörfer im Osnabrücker

Land(kreis) entdeckt man vor allem

katholische und evangelische Kirchen.

Doch vereinzelt findet man auch dort

Moscheen, wie etwa in Bad Essen.

WER IST WO MITGLIED?

Rund zwei Drittel der Osnabrücker

Bevölkerung sind Mitglied in der evangelischen

(lutherisch und reformiert)

oder katholischen Kirche. Die Zahlen

sind sowohl auf evangelischer als auch

auf katholischer Seite seit Jahren rückläufig.

Mitglieder in diesen Kirchen

lassen sich genau erfassen, da die

Registrierung immer noch über das

Standesamt läuft.

4

5


TOPTHEMA

TOPTHEMA

Anders sieht das beim letzten Drittel

der Bevölkerung aus. Hierzu gehören

Mitglieder aus anderen Religionsgemeinschaften,

wie dem Islam oder der

jüdischen Gemeinde, von denen keine

offiziellen Zahlen vorliegen.

Die Mitgliederzahlen der zahlreichen

evangelischen Freikirchen lassen sich

nur annäherungsweise bestimmen. Laut

eigener Auskunft besuchen rund 1.500 –

2.000 EinwohnerInnen die Gottesdienste

der Freikirchen und nehmen

am Gemeindeleben teil. Damit gehören

55.000 bis 60.000 EinwohnerInnen zu

keiner Religionsgemeinschaft. Für sie

spielt Religion damit entweder keine

Rolle oder nur in institutionsloser Form.

WIE BEEINFLUSSTE DER

„WESTFÄLISCHE FRIEDEN“ DAS

RELIGIÖSE MITEINANDER?

Der Dreißigjährige Krieg (1618-48) war

nicht zuletzt ein Glaubenskrieg. Dass

der Westfälische Frieden und damit das

Ende des Krieges 1648 in Münster und

Osnabrück beschlossen wurde, wirkt

sich bis heute auf das religiöse Miteinander

aus.

Katholische und evangelische Kirche

setzten seinerzeit ein folgenreiches

Zeichen des Friedens: Nach dem Tode

Franz Wilhelm von Wartenbergs im

Jahr 1661 trat die „immerwährende

Kapitulation“ in Kraft, nach der abwechselnd

ein katholischer und ein

evangelischer Bischof zum Fürstbischof

gewählt und die Geschicke der Stadt

lenken sollte.

Reinhold Mokrosch, emeritierter Religionspädagoge

an der Universität Osnabrück

und Sprecher des Runden Tisches

der Religionen, hält fest: „Die Geschichte

unserer Stadt prägt das Miteinander der

christlichen Konfessionen, aber auch

der Religionen insgesamt - bis heute.“

Günter Baum, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft

Christlicher Kirchen in

Osnabrück, sieht umgekehrt auch einen

bedeutenden Einfluss der Religionsgemeinschaften

auf das Selbstverständnis

unserer Stadt: „Viele Menschen empfinden

aus ihrem Glauben heraus – egal,

ob sie Christen, Juden oder Muslime

sind - eine Verpflichtung, aktiv für die

Friedenskultur in Osnabrück einzutreten.“

WANN WURDE IM NAMEN

DER RELIGION GEMORDET?

Aber auch die Geschichte der Friedensstadt

ist nicht frei von Hass, Gewalt und

Todesstrafen aufgrund religiöser Überzeugungen.

Bis in die 30er Jahre des

17. Jahrhunderts wurden in Osnabrück

etwa 250 Frauen und Männer hingerichtet,

weil sie als Hexen oder Zauberer

einen Pakt mit dem Teufel geschlossen

haben sollten. Man warf ihnen vor,

die Ernte zerstört oder Nachbarn mit

Krankheiten infiziert zu haben. Auch

wenn die Todesstrafen durch Ertränken,

Verbrennen oder Erhängen nicht von

der Kirche, sondern durch die Autorität

des Bürgermeisters vollstreckt wurden,

wirken die religiösen Motive aus heutiger

Sicht absurd.

Religionsgemeinschaften

Zahlen und Fakten

für Osnabrück (gerundet):

evangelisch-lutherisch:

evangelisch-reformiert:

katholisch:

ev. Freikirchen:

Sonstiges / ohne Angabe:

Wechsel an der Macht:

Evangelische und katholische

Bischöfe in Osnabrück

von 1662-1802

1662–1698

Ernst August I.,

Herzog zu Braunschweig und

Lüneburg (lutherischer Fürstbischof)

1698–1715

Karl Joseph von Lothringen

(katholischer Fürstbischof)

46.000

3.500

54.000

1.500-2.000

60.000

1716 –1728

Ernst August II.,

Herzog zu Braunschweig und

Lüneburg (lutherischer Fürstbischof)

1728–1761

Clemens August I. von Bayern

(katholischer Fürstbischof)

1764 –1802

Friedrich,

Herzog zu Braunschweig und

Lüneburg, Prinz von Großbritannien

(Lutheraner, letzter Fürstbischof)

Offene Moschee Bilder © Angela von Brill // Synagoge © JensLintel // Interreligiöse Begegnungen © DITIB-Moschee // Lichteffekte © Floydine, fotolia.de

WAS BEDEUTET EIGENTLICH „RELIGIÖS“?

Reinhold Mokrosch nennt gegenüber „Osnabrücker Wissen

drei Kriterien für Religiosität.

1.) Religiöse Menschen beten. Jede Religion habe unterschiedliche

Formen von Gebet, die die Kommunikation mit Gott

ausdrückten. „Wer glaubt, der betet“, so Mokrosch.

2.) Religiöse Menschen nehmen an Veranstaltungen der jeweiligen

Religion teil. So gehe ein Christ in den Gottesdienst, ein

Muslim in die Moschee und ein Jude in die Synagoge. Auch

wenn sich die jeweiligen Formen und Arten der Veranstaltungen

unterscheiden, vereint die Religionen, dass man sich versammelt

und begegnet, um miteinander den Glauben an Gott

zu leben und zu teilen.

3.) Religiöse Menschen haben ein Grundwissen über ihre

Heilige Schrift. Christen lesen die Bibel, Muslime den Koran

und Juden die Torah, aus denen sich die Grundüberzeugungen

der Religionen speisen. Nach Mokroschs Einschätzung trifft

diese Definition auf 10 – 15 Prozent der OsnabrückerInnen zu.

WELCHE FORMEN VON RELIGION GIBT ES NOCH?

Diese Definition von Religiosität bezieht sich in erster Linie

auf drei der fünf großen Weltreligionen. Doch ein Blick auf die

religiösen und spirituellen Angebote in der Stadt zeigt, dass

hier eine größere Vielfalt herrscht.

Cornelius Hennings, Autor des Buches „Qi Gong für

Dummies“ und Qi Gong-Lehrer aus Osnabrück, sieht eine

wachsende spirituelle Suche bei Menschen, die hier leben: „Die

Leute, die zu mir kommen, suchen aber keine Religion oder ein

Glaubenssystem, sondern einfach nach sich selbst.“ Er führt

dies auf ein größeres Bedürfnis nach Entspannung, innerem

Gleichgewicht und auch Wellness zurück. „Leute kommen zu

mir, um sich selbst zu finden. Das ist ein Phänomen der Zeit,

das darauf hindeutet, dass es uns als Gesellschaft eigentlich

sehr gut geht“, so Hennings. Eine Gemeinsamkeit zu anderen

religiösen Gruppen sieht er in der Suche nach spiritueller Erfahrung

in der Gemeinschaft und dem gemeinsamen Austausch.

WIE WIRD DER DIALOG GEFÜHRT?

Wenn unterschiedliche Religionen und Kulturen miteinander

leben, sind Dialog und Begegnung zentral. Das geschieht in

Osnabrück auf unterschiedlichen Plattformen. Am „Runden

Tisch der Religionen“ treffen sich Vertreter des Christentums,

des Judentum und des Islams, um sich besser kennenzulernen,

sich über ethische und seelsorgerliche Fragen auszutauschen

und sich über konkrete Herausforderungen in Osnabrück

zu beraten. In der „Arbeitsgemeinschaft der Religionen“

tauscht man sich über grundsätzliche theologische Fragen

aus und gestaltet multireligiöse

Gebete. Auch auf privater Ebene

wird der Dialog geführt. So

treffen sich einmal im Monat

Interessierte beim „Dialog der

Kulturen – Dialog der Religionen“

zum Austausch in der Lagerhalle.

Imam Sami Sipahi von der DiTiB-Moschee berichtet gegenüber

Osnabrücker Wissen“, dass das Miteinander unter den

meisten islamischen Religionsgemeinschaften sehr positiv ist.

Der Dialog wird hauptsächlich im persönlichen Austausch

geführt. „So gut organisiert wie die Kirchen, sind wir leider

noch nicht“ so Sipahi. Mokrosch bewertet das Verhältnis der

Religionen in Osnabrück positiv, es sei „stabiler als in Deutschland

insgesamt“.

WIE DIENEN RELIGIONEN DEN OSNABRÜCKERN?

Ein katholisches Krankenhaus, eine jüdische Kindertagesstätte

und ein Flüchtlingshaus der Diakonie – Osnabrück und das

Osnabrücker Land profitieren von den sozialen Einrichtungen

der Religionsgemeinschaften. „Viele soziale Aktivitäten, die

professionelle Strukturen brauchen - wie Flüchtlingsarbeit,

Kindertagesstätten, Drogenhilfe, Nichtsesshaften-Arbeit

und vieles mehr -, sind an die Kirchen delegiert worden“, so

„Glauben wagen –

Vielfalt leben“

16. Regionale

Bücherbörse

für das Osnabrücker Land

Samstag

29. Oktober 2016

10 bis 15 Uhr

Kreishaus-Restaurant

Am Schölerberg 1

49082 Osnabrück

Eintritt frei

6

7


TOPTHEMA

Die Basharat Moschee in der Atterstraße

Römisch-katholischer Dom St. Peter in Osnabrück

Evangelische Kirche St. Katharinen

Evangelische Kirche St. Marien

Offene Moschee © DITIB-Moschee Bücher, Sami Sipahi © Tom Herter // Kirchen © Sebastian Buchholz // Basharat-Moschee © ahmadiyya Gemeinde // Koran; Offene MNoschee © Angela von Brill // Bücher ©

Günter Baum. Er wünscht sich, dass

die jüdische und islamische Gemeinde

noch stärker mit einbezogen würden.

Neben den sozialen Institutionen gibt es

auch immer wieder kleinere Aktionen

von Kirchengemeinden oder anderen

Religionsgemeinschaften, um den Menschen

in Osnabrück zu dienen. So öffnet

das Christus-Zentrum in der

Anna-Gastvogel-Straße

seit 15 Jahren wöchentlich die Türen

ihrer „Fundgrube“, in der Not leidende

Menschen schnell und unbürokratisch

z.B. Kleidung erhalten können. Die

Basharat-Moschee in der Atterstraße

hat am 1. Januar 2016 der Stadt mit einer

Putzaktion geholfen, bei der Raketenreste

und leere Flaschen aus der Silvesternacht

beseitigt wurden. Die Reihe der

Beispiele ließe sich lange fortsetzen ...

WELCHE ROLLE SPIELT RELIGION

FÜR GEFLÜCHTETE?

Menschen, die ihre Heimat verlassen

müssen, haben oft nicht mehr dabei als

die Kleidung, die sie am Körper tragen.

„Seinen Glauben lässt man jedoch

nicht zurück“, so Reinhold Mokrosch.

Osnabrücker Religionsgemeinschaften

sehen es daher als ihre Aufgabe, den

Menschen auch in religiöser Hinsicht

Heimat zu geben.

„Alle Religionsgemeinschaften kümmern

sich um Flüchtlinge. Sie nehmen

am Gottesdienst teil und werden

auch sozial betreut. In der jüdischen

Gemeinde waren das vor einigen

Jahren vor allem die russischen Juden,

bei den Muslimen geht es in erster

Linie um orientalische und afrikanische

Migranten, die Christen kümmern sich

um orientalische, west- und nordafrikanische

Flüchtlinge“, so Günter Baum.

Besonders während des Ramadans

waren die Moscheen Anlaufstelle

für viele Geflüchtete. „Viele kamen

schon tagsüber zu uns, hatten

Gemeinschaft mit uns

und abends hat unsere

Gemeinde für die Flüchtlinge

gekocht“, erinnert sich Sipahi.

Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft

der Christlichen

Kirchen in Osnabrück wurde in

den evangelischen und katholischen

Kirchen für Projekte zur Flüchtlingshilfe

in kleineren Gemeinden

gesammelt, die nicht so finanzstark

sind. Auf diese Weise kann

schnell und unbürokratisch Geld für

Engagement in der Flüchtlingshilfe

zur Verfügung gestellt werden.

WAS LESEN GLÄUBIGE?

Gemeinsam veranstalten der Landschaftsverband

Osnabrücker Land, der

Heimatbund Osnabrücker Land, der

Kreisheimatbund Bersenbrück und der

Landkreis Osnabrück am 29. Oktober

zwischen 10.00 und 15.00 Uhr die

16. regionale Bücherbörse mit dem

Schwerpunktthema „Glauben wagen –

Vielfalt leben“. Im Kreishaus-Restaurant

in Nahne werden an diesem Tag unterschiedliche

Religionsgemeinschaften

Lesestoff mitbringen, in denen die

Leserinnen und Leser beim Schmökern

mehr über die jeweilige Religion und

deren Glauben erfahren können.

WAS ALSO GLAUBEN OSNABRÜCKER?

Befragt man jeden Bürger der Stadt, erhält

man vermutlich so viele Antworten

wie es Einwohner gibt. Der Blick auf

die Geschichte der Stadt, ihre religiösen

Angebote und sozialen Aktivitäten zeigt

allerdings, dass Religion und Glaube immer

noch präsent sind. Die evangelische

und katholische Kirche verzeichnen in

Osnabrück (aber auch in Deutschland)

insgesamt seit Jahren sinkende Mitgliederzahlen.

Gleichzeitig wächst die Zahl

an spirituellen Angeboten,

die fernab der traditionellen

Kirchen liegen. Auch

sind in den vergangenen

Jahren in Osnabrück neue

Freikirchen – sehr unterschiedlicher

Couleur – entstanden.

Für die Zukunft

von Kirchen und Religionsgemeinschaften

wird entscheidend

sein, ob und wie es ihnen gelingt, ihre

Botschaft zeitgemäß und menschennah

zu kommunizieren und ihren Worten

Taten folgen lassen. So dürfen wir beispielsweise

durchaus gespannt sein,

was uns zum 500. Geburtstag der

Reformation im nächsten Jahr

erwartet. Erste Highlights aus dem

Programm-Auftakt in der Region

Osnabrück erfahren Sie bereits auf der

nächsten Seite.

| Tom Herter

Serbisch-orthodoxe Kirche des Heiligen Georg Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Osnabrück 9


Wie laufen die Vorbereitungen

auf das Reformations-Jubiläum?

Mitmach-Aktion „95 Thesen von 95 Menschen“

Welche Erneuerung braucht unsere Gesellschaft heute? Was sind Ihre

Forderungen an Kirche, Politik, Gesellschaft? Gesammelt werden auf

http://www.2017osnabrueck.de/thesen.html Thesen von Menschen

aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen. Eine Auswahl der

Thesen wird zum Reformationstag 2016 sowohl an die Kirchenwand

von St. Marien als auch an den Dom projiziert. Die Lichtinstallation von

Nikola Dicke endet am 23. November 2016

Gratis-

Zustellservice!

Unter dem Motto „Glauben wagen – Vielfalt leben“ hat sich in Osnabrück

und der Region ein in der Landeskirche einmaliger Kooperationsverbund

zusammengeschlossen: Die Evangelische Kirche in Stadt und Land, das

Bistum Osnabrück, Stadt und Landkreis, Universität und Landschaftsverband

Osnabrücker Land bereiten gemeinsam das Reformationsjubiläum

vor. Begegnung und Dialog der Konfessionen und Religionen

bilden 2017 einen Schwerpunkt der Veranstaltungen.

Auftakt-Höhepunkte im Herbst:

31. Oktober 2016

Eröffnung des Reformationsjahres

mit Gottesdienst und Lichtkunst „95 Thesen“ an St. Marien und Dom

23. / 24. November 2016

Der Europäische Stationenweg mit

Reformationstruck zu Gast in Osnabrück

23. November 2016

„Wir erzählen Konfession“

Landessuperintendentin Birgit Klostermeier und Bischof Franz Josef

Bode laden ein. 19:00 Uhr, Schlossaula, Eintritt frei.

24. November 2016

„Kein Frieden ohne Religionsfrieden“

Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft.

17:30 Uhr, Marienkirche, Eintritt frei

Infos & Termine zum Reformationsjahr :

www.2017osnabrueck.de

11

Die nächste Ausgabe von

Osnabrücker Wissen“ erscheint

im Dezember 2016.

Um zukünftig keine Ausgabe mehr zu verpassen,

einfach für unseren kostenlosen Zustellservice

und unverbindlich online anmelden unter:

www.os-wissen.de

Redaktions- und Anzeigenschluss:

11. November 2016

redaktion@osnabruecker-wissen.de

Telefon: 05405/8083216


WIRTSCHAFT & TECHNIK

In welcher „Oberwerkstatt“

gab es Beiß- und Zwickzangen?

Unser nächster Blick ins Depot des Museums Industriekultur! Diesmal

beschäftigen wir uns mit der Werkstatt eines Schuhmachermeisters, in

der auch Fußbälle gerettet wurden. Sie ist – parallel zum Erscheinen

dieser Ausgabe –im Museum Industriekultur zu sehen.

Heute wird in Deutschland das Handwerk

des Schumachers fast nur noch von Orthopädieschuhtechnikern

und Maßschuhmachern

betrieben. 2015 wurden in Deutschland

nach Angaben des Zentralverbands

des Deutschen Handwerks (ZDH) gerade

einmal 23 Jugendliche zum Schuhmacher

ausgebildet. Davon waren 13 männlich

und 10 weiblich. Bei den wenigen noch

existierenden Schuhmachern sind die

Reparatur von Schuhen, Hochglanzpolituren,

das Entfernen von Flecken oder das

Umfärben, die Beratung zur Schuh- und

Lederpflege und der Verkauf das tägliche

Geschäft. Je nach Betrieb werden auch

einige Täschner- und Sattlerarbeiten angeboten.

Eine typische Schusterwerkstatt bestand

früher aus der Unterwerkstatt, einem

hölzernen Podest und der Oberwerkstatt,

dem hier gezeigten kleinen Arbeitstisch

mit Schemel. Der „kranke Schuh“ wurde

mit dem Knieriemen auf das Knie geschnürt,

um ihn zu bearbeiten. Damit in

dieser Haltung das Werkzeug gut zu erreichen

war und Knie und Oberschenkel

auf einer Höhe

sein mussten,

sind Arbeitstisch und Schemel des Schuhmachers

ungewohnt niedrig.

Der Tisch zeigt einige klassische Werkzeuge.

Darunter ein Hammer, eine Beißzange

(zum Rausziehen der Zwicknägel),

eine breite Zwickzange (zum Ziehen des

Schafts über den Leisten), eine Raspel (für

das Bearbeiten der Sohlen und Absätze),

Nähnadeln, ein Aufrauer (für die Vorbereitung

der Klebflächen).

Auf dem Tisch liegt aber kein Schuh, sondern

ein Fußball. Der wurde früher öfter

zum Schuhmacher gebracht. Denn bis

zum Ende der 1960er Jahre bestanden

Fußbälle aus vernähten Lederstreifen

(meist sechs Gruppen von zwei oder drei

nebeneinanderliegenden Streifen) und waren

ursprünglich mit einer Schweinsblase,

welche die Luft hielt, gefüllt. Später waren

es Blasen aus Gummi oder Naturkautschuk.

Nach dem überraschenden Sieg

der deutschen Elf bei der Fußball-Weltmeisterschaft

1954 in Bern erblühte im

Wirtschaftswunder-Deutschland eine

neue Fußball-Kultur. Kleinste Ortschaften

stellten Lokal-Mannschaften auf und

in den Hinterhöfen und auf Bolzplätzen

übten Kinder und Jugendliche mit verbissener

Ausdauer. Aber auch ein wertvoller

Lederball ging mal kaputt und landete

dann beim Schuhmacher

des Wohnviertels, der das geliebte Spielzeug

durch seine Reparatur rettete. Aber

nicht viele Vereine und Mannschaften verfügten

über echte Lederfußbälle. So wurde

noch lange mit Handbällen, Plastikbällen

oder gar Lumpen Fußball gespielt. Hauptsache

rund.

Solche Bälle finden sich auch in der aktuellen

Ausstellung „GESCHNÜRT

GEKNOTET GEKLEBT“, die noch bis

zum 9. Oktober 2016 im Museum zu sehen

ist. Es sind handgemachte Fußbälle von

Kindern aus aller Welt. Einfallsreichtum

und eine tief verwurzelte Liebe zum Spiel

spiegeln sich in jedem der präsentierten

Bälle wider und bieten einen Zugang zu

Lebenswelten, die im krassen Gegensatz

stehen zu unserer heutigen, von Konsum

und Überfluss geprägten Gesellschaft. Sie

erinnern vielleicht den einen oder anderen

an die eigenen selbst gemachten Fußbälle

aus ihrer Kindheit. Schuhmachertisch,

Schemel und Werkzeuge, die in dieser

Ausstellung zu sehen sind, stammen aus

der 1992 an das Museum übergebenen,

Schuhmacherwerkstatt Horstmann/Thies

in Belm. | Margret Baumann

Bild © Maren Kiupel

Bilder © Yörn Kreib // Frau in Telefonzelle © Boggy, fotolia.de

Wie viele Telefonzellen gibt es noch in Osnabrück?

Auf jeden Osnabrücker kommen statistisch gesehen ca. 1,4 SIM-Karten. Mobiles Telefonieren ist zur

Selbstverständlichkeit geworden. Mit dem Smartphone im Internet surfen oder Pokémons jagen – beides

ein Massenphänomen. Telefonzellen braucht kein Mensch mehr. Oder doch?

Wo stehen sie denn noch?

Ein Gang durch die Osnabrücker Altstadt

offenbart Überraschendes. Es gibt sie tatsächlich

noch. Seit Mitte der 90er Jahre sind

sie nicht mehr gelb, sondern magenta-grau.

Unauffällig stehen sie beispielsweise vor

dem Gebäude der VHS, verstecken sich unter

alten Bäumen an der Bocksmauer oder

gammeln in der Nachbarschaft von Müllcontainern

an der Hasestraße vor sich hin.

Attraktiv sind die meisten nicht, Schutz vor

Wind, Regen und Lärm liefern sie schon lange

nicht mehr.

Was müssen Telefonzellen

erwirtschaften?

In der Altstadt stehen noch etwa 15, in der

Neustadt ungefähr sechs, zwei am Hauptbahnhof.

In der Peripherie tauchen sie nur

noch sporadisch auf. Der Unterhalt dieser

Telefonzellen kostet die Telekom viel Geld

für Strom, Standortmiete, Wartung und Beseitigung

von Schäden durch Vandalismus.

Mit der Bundesvereinigung kommunaler

Spitzenverbände wurde deshalb vereinbart,

dass eine Telefonzelle bei einem monatlichen

Umsatz von weniger als 50 € zur Disposition

gestellt wird. Die Telekom stellt einen Antrag

zum Abbau,

dem von der Stadt

Osnabrück zugestimmt

werden

muss. Wenn nicht,

tauscht die Telekom

das vorhandene

öffentliche Telefon gegen ein deutlich

günstigeres „Basistelefon“ aus, in der Regel

handelt es sich um einen Metallpfosten, an

dem ein Telefon angebracht ist.

Wo stand die erste Telefonzelle?

Vermutlich vor dem Hauptpostamt in der

Wittekindstraße. Kein Wunder, fiel doch das

Telefonieren ins Aufgabenfeld der Post. Öffentliche

Telefone, zunächst in den Postämtern

untergebracht, demokratisierten diese

Form der Kommunikation. Denn als am 1.

Februar 1878 die Osnabrücker Fernsprecheinrichtung

in Betrieb genommen wurde,

zählte sie lediglich 31 Hausanschlüsse. Die

Inhaber, überwiegend Firmen, wurden in

der lokalen Presse aus diesem Anlass sämtlich

namentlich aufgeführt. Das Telefon war

zu dieser Zeit eine Verkehrseinrichtung für

Wohlhabende, heißt es in der Festschrift des

Fernmeldeamtes Osnabrück zum Jubiläum

„100 Jahre Telefon in Osnabrück von 1887–

1987“.

Was ist von der Euphorie geblieben?

„Damit man auch außerhalb von Wohnung

und Büro jederzeit ein Telefon in seiner

Nähe hat, gibt es allein im Stadtgebiet von

Osnabrück 394 öffentliche Münztelefone“,

jubelte das Fernmeldeamt 1987. Die Zukunft

der Telefonzelle schien rosig: Neue barrierefreie

Einrichtungen, anrufbare öffentliche

Münztelefone waren geplant. Im Zuständigkeitsbereich

des Fernmeldeamtes Osnabrück

standen 2.037 öffentliche Münztelefone.

Bundesweit gab es Ende der 80er Jahre etwa

162.000 Telefonzellen. Davon sind laut Telekom

heute nur noch ca. 27.000 in Betrieb.

Die abgebauten Telefonhäuschen verkauft

die Telekom an Liebhaber – sie werden zu

Gartenhäuschen oder öffentlichen Bücherschränken.

Wo steht die schönste Telefonzelle?

Rot und glänzend – so steht sie unter großen

Bäumen am Biergarten des Restaurants

„Alte Posthalterei“: Eine original-britische

Telefonzelle. 1984 wurde ihr Standort aus

Anlass des 20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft

mit dem englischen Derby

in Derby-Platz umbenannt. 1985 überreichte

Derbys Bürgermeister Ron Longdon den

Osnabrückern als ganz besonderes Gastgeschenk

die rote Telefonzelle. Schöner telefonieren

geht kaum. | Yörn Kreib

WISSEN KOMPAKT

HEUTIGE STANDORTE

Einen ungefähren Überblick über den

Bestand an öffentlichen Telefonen in

Osnabrück bietet www.t-mobile.de/

funkversorgung/ Die dort angezeigten

freistehenden Hot Spots sind in

vielen Fällen auch gleich eine Telefonzelle

(i.d.R. Telefon mit Dach.).

12

13


WIRTSCHAFT & TECHNIK

Wann wurde ein Ex-Kommunist

preußischer Finanzminister?

1889 im Deutschen Reichstag:

Johannes Miquel (rechts)

mit Ludwig Windthorst

Sein politischer Aufstieg ähnelte der Laufbahn eines ehemaligen Straßenkämpfers,

der hessischer Umwelt- und später sogar deutscher Außenminister

wurde. Johannes Miquel, Mitte des 19. Jahrhunderts noch Mitglied im illegalen

„Bund der Kommunisten“, wurde Oberbürgermeister in Osnabrück und Frankfurt am Main.

1890 übernahm er das preußische Finanzministerium und setzte nun tatsächlich eine Revolution in Gang.

Allerdings in der Steuergesetzgebung.

Bilder © wikimedia.org

Einwohner lebten. In Miquels Amtszeit

wurden neue Straßen, die Kanalisation

und die städtische Realschule gebaut, der

ehemalige Klassenkämpfer brachte aber

auch soziale Projekte auf den Weg, um die

Wohn- und Lebenssituation der Arbeiterklasse

zu verbessern.1869 wurde er vom

preußischen König Wilhelm I. zum ersten

Oberbürgermeister Osnabrücks ernannt,

wechselte aber kurz darauf als Direktor

in den Vorstand der Berliner Disconto-

Gesellschaft. Von 1876 bis 1880 übernahm

Miquel erneut das Amt des Osnabrücker

Oberbürgermeisters, ehe er in der gleichen

Funktion nach Frankfurt am Main

wechselte.

"Ohne zu übertreiben, zählt dieser in

Osnabrück heute weitgehend unbekannte

Mann zu den bedeutendsten Politikern, die

in dieser Stadt gelebt und für sie gearbeitet

haben."

Prof. Dr. Thomas Vogtherr

(Historisches Seminar der Universität Osnabrück):

Vortrag über Johannes von Miquel am 4.10.2012

Als Liberaler mit erkennbar konservativem

Einschlag war er in der Mitte der

Gesellschaft angekommen und wurde

immer häufiger zum interessanten

Gesprächsthema. So auch in Theodor

Fontanes 1886 erschienenem Roman „Cécile“,

in dem ihn der Privatgelehrte Eginhard

als „Mann des Kaisergedankens“

karikierte.

Den Höhepunkt seiner politischen

Karriere erreichte er 1890, als er zum preußischen

Finanzminister berufen wurde.

Seine wegweisende Steuerreform trug ihm

parteiübergreifende Anerkennung und die

Erhebung in den preußischen Adelsstand

ein. Er zeichnete aber auch für die Gründung

der „Preußischen Central-Genossenschaftskasse“

verantwortlich. Johannes

Miquel blieb in Berlin ein streitbarer Politiker,

der sich nicht scheute, abweichende

Überzeugungen leidenschaftlich zu

vertreten. Auch gegenüber Kaiser Wilhelm

II., der den Minister für die Abstimmungserfolge

der „Kanalrebellen“, die sich

gegen den Bau des Mittellandkanals wehrten,

verantwortlich machte. Im Mai 1901

musste Miquel sein Amt aufgeben. Nur

fünf Monate später starb er in Frankfurt

am Main.

Was brachte die

„Miquelsche Steuerreform“?

Mehr Steuergerechtigkeit war das Ziel des

neuen preußischen Finanzministers. Mit

dem Einkommensteuergesetz vom Juni

1891 hob er die Einteilung der Zahlungspflichtigen

in Klassen auf und ersetzte

das alte System durch einen individuellen,

progressiven Steuertarif. Zwei Jahre später

sorgte das Kommunalabgabengesetz dafür,

dass die Gemeinden die Erträge aus

der Grund- und Gewerbesteuer erhielten.

Miguels Reformen wirken bis heute nach.

Sie legten die Grundlage für die Steuererklärung,

den progressiven Einkommensteuertarif

und den Beruf des Steuerberaters.

| Thorsten Stegemann

WISSEN KOMPAKT

DER JOHANNES VON

MIQUEL-FÖRDERPREIS

Die Linklaters LLP stiftet an der

Universität Osnabrück alljährlich

einen Preis, der nach dem früheren

Oberbürgermeister von Osnabrück

benannt und mit 1.800 Euro dotiert

ist. Der Johannes von Miquel-Förderpreis

wird für herausragende Studienleistungen

auf dem Gebiet des Steuerrechts

verliehen.

Johannes Miquel wurde 1828 in Neuenhaus

geboren – seine Vorfahren stammten

aus Frankreich. Nach bestandenem

Abitur studierte er in Heidelberg Jura und

ließ sich anschließend als Rechtsanwalt in

Göttingen nieder. Der bürgerlichen Fassade

zum Trotz sympathisierte Miquel mit

politischen Gruppierungen, die er selbst

als radikal, revolutionär und terroristisch

empfand. Er trat dem verbotenen „Bund

der Kommunisten“ bei, veranstaltete

konspirative Treffen und korrespondierte

mit Karl Marx, dem er bedingungslose

Solidarität versprach. 1849 schrieb Miquel

an den im Londoner Exil weilenden Revolutionstheoretiker:

„Ich für mein Teil kann

14

nichts weiter tun, als Sie versichern, daß

Ihre Zwecke die meinigen. Kommunist

und Atheist, will ich wie Sie die Diktatur

der Arbeiterklasse.“

Wie kam ein Osnabrücker

Bürgermeister an die Spitze

des preußischen Finanzministeriums?

Als der SPD-Vorsitzende August Bebel

44 Jahre später Auszüge aus diesen Briefen

öffentlich machte, hatte Miguel längst

mit seiner revolutionären Vergangenheit

gebrochen. Schon 1859 gehörte er zu den

Initiatoren des Deutschen Nationalvereins,

der einen kleindeutschen Staat unter preußischer

Führung anstrebte. Miguel war

auch an der Gründung der Nationalliberalen

Partei beteiligt, außerdem übernahm

er eine Fülle parlamentarischer Aufgaben

im preußischen Abgeordnetenhaus, dem

Reichstag des Norddeutschen Bundes, im

Deutschen Reichstag und im Preußischen

Herrenhaus. Johannes Miquel setzte überdies

in der Kommunalpolitik Akzente.

Nachdem er 1864 zum Bürgermeister von

Osnabrück gewählt wurde, reformierte

er die Verwaltung sowie das Steuer- und

Finanzwesen und schuf die Voraussetzungen

für die erfolgreiche Industrialisierung

der Stadt, in der damals erst 18.000

Liebevoll restauriert im historischen

Herzen von Westerkappeln.

Hotel · Gaststätte · Saalbetrieb

Familienfeiern & Tagungen aller Art

38 Betten in modernen Komfort-Zimmern

mit XXL-Duschen, allergikerfreundlich,

freiem Wlan, SAT-TV und Boxspringbetten

mitten im Zentrum!

Große Straße 10 · 49492 Westerkappeln

info@hotel-gasthaus-schroer.de

Telefon: +49 5404 2494

www.hotel-gasthaus-schroer.de

ZISCHKE Kellerbier:

Ungefiltert, hefetrüb

und naturfrisch!

LICoRNE Black:

Cremig, dunkel,

fruchtig mit

Karamell- und

Kaffeenote!

NEU!

Zwei unserer Stammgäste.

© kreativkompass.de


WIRTSCHAFT & TECHNIK

Wie begeistert

man Schüuler fuür

„MINT“?

HOCHSCHULE & KARRIERE

Die Abkürzung „MINT“ setzt sich aus den Anfangsbuchstaben

der Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften

und Technik zusammen. Ausbildungen, Studiengänge

oder Berufe aus diesen Disziplinen sollen Deutschland

innovativ und wettbewerbsfähig halten. Kein Wunder

also, dass sich bundesweit viele verschiedene Initiativen

für den MINT-Bereich engagieren und qualifizierten und

vielfältigen Nachwuchs suchen.

Was hat es mit dem Piepken auf sich?

Im Kloster Iburg war man schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts damit beschäftigt, eine bessere

Wasserqualität zu erzielen. Der technisch begabte Prior Josef Frerking aus Oldenzaal machte

sich 1518 daran, die Quelle am Dörenberg durch eine unterirdische, 2.000 Meter lange Holzleitung

bis zum Kloster zu führen, wo das Wasser in einem Behälter gesammelt wurde.

Hierzu musste das Wasser mühsam

aus dem Kohlbach beschafft werden.

Der Kohlbach wurde damals zum

Wäschewaschen genutzt. Die Trinkwasserversorgung

geschah durch Brunnen,

die sich im Ort befanden. Der Prior

Josef Frerking nutzte zur Erfassung und

Weiterleitung des Bachs - erstmalig in

Deutschland! - das Prinzip der kommunizierenden

Röhren. Er hatte erkannt,

dass die Quelle am Dörenberg höher

lag als der Auslauf der Leitung auf dem

Burgberg. Auch die Iburger profitierten

von der neuen Leitung. Am Schloss

befand sich eine Wasserstelle, eine

Art Hahn, von dem die Bewohner das

Wasser der Dörenbergquelle schöpfen

durften, welches viel reiner war als das

der Brunnen. Dieser Hahn wurde im

Volksmund ‚Piepken‘ genannt - heute

findet man an dieser Stelle einen altertümlichen

Wasserhahn mit einem

erklärenden Hinweisschild. Als die

Quellschüttungen später nicht mehr

ausreichten, wurden Hochbehälter

als Speichermöglichkeiten errichtet.

Der Anschluss an die zentrale Wasserversorgung

und der Bau einer neuen

Aufbereitungsanlage erfolgte 1968/69.

„Heute bezieht Bad Iburg das Wasser aus

verschiedenen Quellen“, erklärt Reinhard

Fühner, der für die Wasserversorgung

der Stadt zuständig ist. „Wir nutzen

noch nimmer die Dörenbergquelle,

aus der auch der Kohlbach gespeist wird,

und außerdem die Sunderbachquelle.

Zusätzlich gibt es noch drei Tiefenbrunnen

– zwei im Freden und einen an der

Laeregge.“ Außerdem wird Bad Iburg

vom Wasserverband Osnabrück-Süd

beliefert. Sämtliche Wassermengen

werden dann zum Wasserwerk an der

Laeregge gepumpt, aufbereitet und

gelangen von dort über ein Leitungssystem,

welches das natürliche Gefälle

nutzt, zum Endverbraucher. Letztendlich

war somit der Kohlbach der Beginn einer

funktionierenden Wasserversorgung. Im

Jahr 2018 wird Bad Iburgs Wassernetz

bereits 500 Jahre alt. | Leonie Rabea Große

DAS PRINZIP DER

KOMMUNIZIERENDEN RÖHREN

Als kommunizierende Röhren bezeichnet

man miteinander verbundene,

oben offene Röhren. Füllt man

sie mit Flüssigkeit, so steht diese in

allen Röhren gleich hoch, da überall

der gleiche Druck herrscht.

Bild oben © Verein für Orts- und Heimatkunde Bad Iburg e.V. // Hinweißschild am Amtsgericht © Karl-Heinz Krützkamp, Glandorf

Bilder © Carina Sander

Auch in Osnabrück finden sich zahlreiche

Initiativen, die sich mit dem Bereich MINT

beschäftigen, wie das Niedersachsen-Technikum

und das Programm „Studienpioniere“,

sowie das Projekt „Erfolgreich ins

Studium!“ der Hochschule Osnabrück.

Das Projekt unter der Leitung von Prof.

Barbara Schwarze ist in der Fakultät

„Ingenieurwissenschaften und Informatik“

der Hochschule angesiedelt und wird

vom Ministerium für Wissenschaft und

Kultur (MWK) des Landes Niedersachsen

gefördert.

Wie beeinflusst die soziale

Herkunft die Berufswahl?

Die Studien- und Berufswahl hängt in

Deutschland immer noch stark von der

sozialen Herkunft ab. So streben beispielsweise

Kinder aus Nichtakademikerfamilien

auch nach Erreichen der Hochschulzugangsberechtigung

seltener ein Studium

an, als Hochschulzugangsberechtigte in

deren Familie zumindest ein Elternteil

studiert hat. Speziell im MINT-Bereich

nehmen außerdem junge Frauen und

Menschen mit Migrationshintergrund

weniger häufig ein Studium auf. Die

Zahlen der CHE Quest-Studierendenbefragung

an der Hochschule Osnabrück

unterstützen diese bundesweiten

Ergebnisse auch für die Studierenden der

Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik

in Osnabrück. Während Studierende

der ersten Generation mit 72 Prozent

bereits gut vertreten sind, können die

Anteile der Studierenden mit Migrationshintergrund

mit 18 Prozent und die

Studentinnen mit 13 Prozent in dieser

Fakultät noch deutlich gesteigert werden.

Das Ziel des Projektes ist es, diese drei

Zielgruppen für MINT-Studiengänge zu

gewinnen, sowie den Studienerfolg dieser

neuen Studierenden sicherzustellen.

Wie ist das Projekt aufgebaut?

Das Projekt gliedert sich in drei Projektbausteine.

Im ersten Baustein, der sich

mit der Phase vor dem Studium beschäftigt,

wird das Schüler-Forschungs-Zentrum

(SFZ) Osnabrück unterstützt. So soll

das Interesse an Naturwissenschaft und

Technik bereits in der Schulzeit geweckt

und gefördert werden. Durch die verschiedenen

Angebote aus dem MINT-Bereich,

wie „Robotics“, „Mobilität“, „Programmieren“

oder „Lust auf Chemie“, können

sich die SchülerInnen im SFZ außerhalb

der Schule durch forschungsnahe Projekte

im MINT-Bereich erproben. Der zweite

Baustein konzentriert sich auf die Phase

des Übergangs ins Studium und ermöglicht

für die Schülerinnen und Schüler eine

bessere Studien- und Berufsorientierung.

Mit „MINT for Girls“ werden beispielsweise

speziell Schülerinnen angesprochen,

die in einer mehrtägigen

Veranstaltung Laborpraktika an der

UniversitätundHochschule,Unternehmensbesuche

und Workshops zu einem MINT-

Studienfach absolvieren können. Der

dritte Baustein beinhaltet den Aufbau

eines Mentoring-Programms, mit dem

Erstsemesterstudierende von Studierenden

aus höheren Semestern in der

Studieneingangsphase unterstützt werden.

| Carina Sander

DIE FEATURES

Das Projekt „Erfolgreich ins Studium!“

wird vom Niedersächsischen

Ministerium für Wissenschaft und

Kultur unterstützt. Zur Berichterstattung

über den Verlauf findet am 30.

September 2016 an der Hochschule

Osnabrück eine Fachtagung statt,

bei der die Projektbausteine vorgestellt

und aktuelle Veränderungen in

Schulen und Hochschulen diskutiert

werden. Weitere Informationen zur

Fachtagung und zum Projekt „Erfolgreich

ins Studium!“ unter:

www.hs-osnabrueck.de/de/wir/

fakultaeten/iui/studium/erfolgreich-ins-studium/

16

Lageplan von Iburg und Umgebung »

17


HOCHSCHULE & KARRIERE

Was kommt nach dem Pedelec bzw. vor dem Elektroauto?

Die Features

- 160 - 220 kg Fahrzeuggewicht, je

nach Ausstattungsvariante

Verleihe Ideen

eine Form ...

SEIT FAST VIER JAHREN ARBEITEN ZWEI JUNGUNTERNEHMEN AUS OSNABRÜCK AN EINEM GANZ

NEUEN WEG BEIM TRENDTHEMA ELEKTROMOBILITÄT. DIE PROJEKTLEITER NICOLAS MEYER VON

DER ONYX COMPOSITES GMBH SOWIE DANIEL MENTRUP VON DER IOTEC GMBH HABEN MIT

IHREN TEAMS IM INNOVATIONSCENTRUM OSNABRÜCK (ICO) EIN AUSSERGEWÖHNLICHES UND

DERZEIT EINZIGARTIGES FORTBEWEGUNGSMITTEL ENTWICKELT.

Bilder © ONYX composites GmbH

- bis zu 80 km Reichweite

- 5 kW E-Antrieb mit bis zu 50 km/h

- ca. 1,60 €/ 100 km Stadtverkehr,

Energiekosten auf Ökostrombasis

- Ab 16 Jahre und zulassungsfrei

- für 2 Personen nebeneinander

zugelassen

- Optionales Solardach und

Pedalgeneratoren

- Kofferraum mit bis zu 50 kg

Zuladung

... mit Deiner

Ausbildung bei uns!

Du interessierst dich für

kreative Ideen und neuste

Techniken in der deutschen sowie

europäischen Automobilindustrie?

Wir von der ITH Technik GmbH glauben, dass die Ausbildung

eine wichtige Phase im Leben ist, in der sich unsere Auszubildenden

fachlich und menschlich weiterentwickeln können.

Dafür bieten wir stets die Möglichkeiten, etwas Neues zu lernen

und zukünftig Verantwortung übernehmen zu können.

Bewirb Dich jetzt!

Das ultraleichte Bio-Hybrid-Mobil ONYX

MiO“ steht für „Made in Osnabrück“

und eine ganz neue Generation in der

Elektrofahrzeugsparte. Der MiO soll der

globalen Forderung nach bezahlbarer und

nachhaltiger Mobilität speziell inBallungszentren

nachkommen und eine Alternative

zum herkömmlichen „Pendlerfahrzeug“

darstellen. Die Vision, ein e-mobiles

Bindeglied zwischen E-Bike und E-PKW

für den urbanen Lebensraum zu entwickeln,

überzeugte auch die Deutsche

Bundesstiftung Umwelt (DBU), welche das

Projekt aktuell schon in der dritten Phase

fördert.

Wo liegen die Vorteile gegenüber

anderen Elektorfahrzeugen?

Die Osnabrücker Ingenieure wollen den

heutigen E-Mobilmarkt mit folgenden

Kerninnovationen um das Stadtfahrzeug

der Zukunft ergänzen:

• Kosteneffizienz über „Downsizing“,

es wird also nur so viel Masse, Technik

und Komfort wie nötig für Kurzstrecken

18

eingesetzt. Somit können die Bauteile

einfach, leicht und günstig in großer

Stückzahl gefertigt werden. Viele Teile

wie z.B. die Bremsen, Reifen oder Bedienelemente

können sogar direkt aus der

Fahrrad- oder Rollerindustrie genutzt werden,

was auch die Wartungskosten auf

2-Radniveau hält

• Ultraleichtbau mittels hochintegrativer

Leichtbauweise ermöglicht das

sogenannte „Akku2go-Prinzip“ – das auch

beim Pedelec zum Einsatz kommt. Somit

kann der Standard- Akku mit ca. 50 km

Reichweite und ca. 20 kg Masse jederzeit

als Trolley entnommen werden und an

jeder 230 Volt-Steckdose geladen werden.

Die Sorge um die Parkplatzsuche mit

„E-Anschluss“ und Investitionen in eine

aufwändige Ladeinfrastruktur entfallen.

• Nachhaltigkeit mittels optionalem

Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen

wie Hanf- und Flachsfasern sowie Balsaholz

und der Lademöglichkeit über ein

integriertes Solardach, welches den Akku

mit bis zu 150 Wh kontinuierlich lädt.

• Lebensqualität durch die Ausstattungsoption

“Bio-Hybrid“, bei der Fahrer und

Beifahrer über einen Pedalgenerator den

Akku laden und sich in der Pendelzeit auf

individuellem Niveau gesundheitsfördernd

aktivieren können.

Wie geht es weiter & wann kann

der ONYX MiO bestellt werden?

Derzeit befindet sich das Gründerteam

aus dem ICO in Gesprächen mit

potenziellen Investoren und strategischen

Partnern, um für 2017 den Markteintritt

über eine Erstauflage von 200 Fahrzeugen

zu realisieren. Zu Ende 2016 wird über

die ONYX MiO Homepage die Möglichkeit

zur Vorbestellung angeboten werden.

| Redaktion

Weitere Infos: www.onyx-mio.de

Modul-Austauschprinzip

Kundenvorteil: Modul-Austauschprinzip bei Akku & Antrieb, um

langfristig auf der Höhe der technologischen Entwicklung zu sein.

So können auf Basis eines heutigen MiO-Grundmodells auch in der

Zukunft technische Potenziale ausgeschöpft werden.

19

www.kreativkompass.de

Zerspanungsmechaniker/in

Industriemechaniker/in

Fachrichtung

Feingerätebau

ITH Technik GmbH

Dyckerhoffstraße 10 · D-49176 Hilter a.T.W.

bewerbung@ith-gmbh.de · Telefon +49 54 24 / 23 46-0

Deine

Bewerbung

Fachrichtung

Fräsen

Fachkraft für

Metalltechnik

Fachrichtung

Montagetechnik

www.ith-gmbh.de

Technische/r

Modellbauer/in

Fachrichtung Karosserie

und Produktion

Aktuell offene

Ausbildungsstellen


STADT- & LANDGESCHICHTEN

GETRÄNKESPEZIALIST

PARTYZUBHÖR

Wer untersucht Gewässer

in der Region?

WEIN- & SPIRITUOSEN-

FACHGESCHÄFT

Beim nächsten Einkauf

Gratisflasche abholen,

probieren & genießen.

Pro Kunde 1 Flasche, Aktion bis 31.10.2016

Nitzestraße ▶

MC Donalds

Auto Weller

(Toyota / Lexus)

Cremig, dunkel,

fruchtig mit

Karamell- und

Kaffeenote!

Finden Sie

uns gut!

▶ Berghoffstraße

▶ Pagenstecherstraße

E. Schröder Getränke GmbH

Berghoffstraße 33 · 49090 Osnabrück

Telefon 05 41 / 96 20 60

www.getraenke-schroeder.de

facebook.com/getraenke.schroeder

© kreativkompass.de

+++ AdaptVis – Seit dem 01.08.2016 Mieter im ICO. Sie sind

Spezialisten für die Entwicklung von Echtzeit-Visualisierungssoftware

mit Fokus auf das Web und mobile Endgeräte.

www.adaptvis.com +++ ICO – Am 27.10.2016 findet die

Veranstaltung „Treffpunkt Innovation 2016“ im Innovations

Centrum Osnabrück statt. Thema: „Digitale Bredouille? Wie

sieht mein Geschäftsmodell 4.0 aus?“. www.innovationscentrum-osnabrueck.de

+++ Codeakrobaten – Die Firma ist neuer

Mieter im ICO. Dominika Nieschwitz und Sascha Witte bieten

Dienstleistungen im Bereich Webdesign und Webentwicklung

an. www.codeakrobaten.de +++ ICO – Newcomer gesucht:

Osnabrücker Wirtschaftspreis 2016 gestartet. Junge

Unternehmen, die sich ab dem Jahr 2011 gegründet und

ihren Firmensitz in Stadt oder Landkreis Osnabrück haben,

sind bis zum 30.09.2016 aufgerufen sich unter www.osnabruecker-wirtschaftspreis.de

zu bewerben. +++ Symbic – Das

Unternehmen ist am 22. September auf der Messe "IT&MEDIA

FUTUREcongress" in Bielefeld vertreten und stellt dort die im

ICO entstandene Softwarelösung "Displicity" für interaktives

Digital Signage vor. www.symbic.de und www.displicity.com

Kontakt

ICO InnovationsCentrum Osnabrück GmbH

Albert-Einstein-Straße 1

49076 Osnabrück

fon +49 541 202 80 - 0

info@innovationscentrum-osnabrueck.de

www.innovationscentrum-osnabrueck.de

Bilder Portrait © Jörg Klasmeier // Bilder oben / Vorlesung © Jürgen Berlekamp

Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Ressourcenmanagement

– nicht vielen Osnabrückern werden diese Begriffe beim

sonntäglichen Spaziergang am Kanal durch den Kopf

gehen. Einigen allerdings schon.

In den bundesweit einmaligen Studiengängen

Umweltsystemwissenschaft

(2-Fach Bachelor), Angewandte Systemwissenschaft

(BSc) und Umweltsysteme

und Ressourcenmanagement (MSc)

versucht die Universität Osnabrück,

Studenten die Augen für diese wichtigen

Themen zu öffnen – und ihre Bedeutung

in der Region zu erforschen. Im Zuge der

Diskussion um eine umweltverträgliche

Wassernutzung rief die Arbeitsgruppe

Angewandte Systemwissenschaft des

Instituts für Umweltsystemforschung zum

Beispiel ein Forschungsprojekt zur Schadstoff-

konzentration in

Gewässern ins

Leben. Die Mitarbeiter

und Studierenden

entwickeln

Modelle zur Simulation

der Schadstoffbelastung,

z.B.

durch Arzneimittel

und entnehmen

zum Teil auch Proben

aus lokalen

Gewässern, um

diese im Labor

auf enthaltene

Schadstoffe zu untersuchen. Sie erforschen

aber auch, wie sich Plastikmaterial, das

in Gewässern entsorgt wurde, unter Sonneneinstrahlung

verändert oder wie groß

der Beitrag von Haushaltsabwasser

auf die Gewässerbelastung mit Kunstfasern

ist. „Die Umweltfolgen unseres

Konsumverhaltens außen vor zu lassen,

ist heutzutage nicht mehr vertretbar“, sagt

Jörg Klasmeier, Koordinator der Studiengänge

in der Systemwissenschaft. In seinen

Augen ist die Untersuchung der Auswirkungen

von Schadstoffen und Plastikmüll

auf die Wasser- und Umweltqualität nach

wie vor eine große Herausforderung.

Doch nicht nur in diesem Bereich ist das

Institut für Umweltsystemforschung der

Osnabrücker Universität Vorreiter. Bei

Fragen zu nachhaltigen Handlungsoptionen

in Politik und Gesellschaft ist die

Expertise der Arbeitsgruppe Ressourcenmanagement

weltweit anerkannt,

während die theoretische Systemwissenschaft

mit Computersimulationen dazu

beiträgt, die Ausbreitung von Infektionen

besser zu verstehen. Zwei mit dem

Institut eng verbundene Arbeitsgruppen

am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

in Leipzig arbeiten sehr erfolgreich

auf dem Gebiet der ökologischen

Modellierung.

Was zeichnet die Umweltforschung

der Universität aus?

„Uns ist wichtig, die Studenten so früh wie

möglich praxisorientiert an die Problematik

heranzuführen“, so Jörg Klasmeier. Die

21

Inhalte des Bachelor-Studiengangs bauen

auf drei Säulen auf. Während des ersten

Abschnitts lernen die Studenten Umweltsysteme

zu verstehen und Fragen - wie

die nach der Gewährleistung einer guten

Wasserqualität - auszuarbeiten. Der

zweite Teil des Grundstudiums dient einer

soliden Ausbildung in den Fächern

Mathematik und Informatik, während

die dritte Säule durch ein zweites Kernfach

(2-FB) bzw. ein Anwendungsfach

(BSc) gebildet wird. Für Studenten, die

gern im Labor arbeiten, bietet sich zum

Beispiel Chemie als zweites Fach an. Das

Besondere an der Universität Osnabrück ist

die starke Fokussierung auf die studentische

Forschungsarbeit. „Die Möglichkeit, das

Erlernte schon während des Studiums

direkt in der Praxis anzuwenden, ist bundesweit

längst nicht in allen Studiengängen

gegeben“, sagt Klasmeier. | Johanna Albers

Weitere Infos:

www.uni-osnabrueck.de/universitaet/

fachbereiche_interdisziplinaere_institute/

institut_fuer_umweltsystemforschung_

usf.html

21


Logo_Zeit

Teil 1: 1766- 1849

Wie kam Presse aus der Presse?

Logo_Zeit_orange

Farbvariante

orange: CMYK 0/50/100/0 RGB 221/160/47

Es ereignet sich

www.100tagezeit.de am 4. Oktober

1776. Tatort ist

die Kislingsche

Druckerei in der

Großen Hamkenstraße

17. In

Reichweite einer wuchtigen, nun stillstehenden

Druckerpresse ruht ein Stapel

mit gut 600 Zeitungen. „Wöchentliche

Osnabrückische Anzeigen“ steht auf dem

obersten der einheitlich gefalzten Papierbögen.

Zwei Spalten Text füllen den Rest

der Frontseite. Die Falzung deutet darauf

hin, dass mehr Lesestoff im Inneren des

Blattes zu erwarten ist. Das Kind ist da:

Osnabrücks erstes Lokalblatt ist geboren!

Sein Vater heißt Justus Möser. Der erste

Redakteur der Stadtgeschichte ist Jurist,

Literat, Historiker und so etwas wie der

Regierungschef im alten Fürstbistum.

Dies umfasst nur wenig mehr Fläche als

das Territorium des heutigen Stadt- und

Landkreisgebiets. Der Kleinstaat beherbergt

rund 110.000 Seelen. Nur knapp

7.000 davon leben in Osnabrück. Die

Hebammen der Zeitungsgeburt sind

Drucker mit Händen voller Druckerschwärze.

Wichtigster Geburtshelfer ist

Logo_Zeit+OS

„Wöchentliche Osnabrückische Anzeigen“ stand auf dem ersten

Osnabrücker Presseerzeugnis, das vor 250 Jahren das Licht der Welt

erblickte. Wahrlich Anlass genug, auf ein Vierteljahrhundert Zeitungsgeschichte

zurückzublicken. Heiko Schulze, Autor des neuen Buches

„Zum Nutzen Logo_Zeit+OS_orange

und Vergnügen. Ein Streifzug durch 250 Jahre Osnabrücker

Zeitungsgeschichte“, widmet sich zunächst dem Zeitraum von 1766 bis

# dda02f

1849. In unserer nächsten Ausgabe schlägt er dann den Bogen bis zur

Gegenwart.

Kontakt

Stadt Osnabrück | Projektbüro im Fachbereich Kultur | Anke Bramlage, E-Mail: bramlage@osnabrueck.de, Tel. 0541 323-4211

Johann Wilhelm Kisling. Der 56-Jährige

ist Verleger und Inhaber der monopolähnlichen

„Hofdruckerei“ des Osnabrücker

Kleinstaats. 1776 hat sie also begonnen, die

heute 250-jährige Osnabrücker Zeitungsgeschichte.

Viele Städte besitzen zwar eine

längere Pressetradition, aber nicht so eine

spezielle. Ein Buch und eine Ausstellung,

die am 8. November dieses Jahres in der

VHS eröffnet wird, werden sich dem Thema

ausgiebig widmen. Wir nehmen etwas

vorweg: Was war markant an jenem

Vierteljahrhundert?

Hätte Goethe Möser

geliked?

Ein moderner Mensch, der sich

aktuellen Nachrichten auf seinem Monitor

oder Display widmet, kann damit mindestens

vier Dinge tun: Er kann Neuigkeiten

lesen, kommentieren, ergänzen oder

weiterverbreiten. Justus Möser, der damals

ein klassisches Anzeigenblatt der Regierenden

vertreibt, gibt sich nicht mit einem

schlichten Verlautbarungsorgan ab. Er

krönt den Inserats- und Verkündigungsteil

mit etwas Besonderem: einer „nützlichen

Beilage“. Damit möchte er nicht nur

informieren, unterhalten und belehren.

Er möchte vor allem diskutieren. Im

modernen Mediendeutsch gesprochen:

Er postet persönlich, lässt andere posten,

wartet auf Likes oder auf Dislikes zum

Regierungshandeln. In Gestalt (schon

damals) erfundener Autorennamen gibt

der Redakteur unterschiedliche Sichtweisen

zu Problemen des Alltags zum

Besten. Grundlage der Kontroversen

bilden ausdrücklich erbetene Leserzuschriften.

Kurzum: Meldungen, Debatten

und Pseudonyme, stets mit der Bitte um

Weiterverbreitung. Hätte es das „Liken“

schon gegeben, hätte kein Geringerer als

Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe

zu den „Gefällt-mir-Klickern“ des Osnabrücker

Blattes gehört. Denn für ihn ist der

erste Osnabrücker Blattmacher schlichtweg

„der herrliche Justus Möser“.

Wann war die

Osnabrücker Presse

zweisprachig?

Kaum einem Osnabrücker ist heutzutage

bewusst, dass seine Stadt einmal ganz

offiziell zum fernen Frankreich gehörte.

1803 ziehen Soldaten Napoleons in

die Stadt ein, werden sogar bejubelt und

bleiben mit Unterbrechungen bis 1813. Im

Beilagen © Landschaftsverband Osnabrück e.V. // Gemälde © Gemälde von Ernst August Howindt,KGM Osnabrück // Zeitungsstapel © mitrija, fotolia.de

Juli 1807 wird das Osnabrücker Gebiet

dem Königreich Westfalen zugeschlagen.

Als dessen König regiert Napoleons Bruder

Jerome auf der Basis des freiheitlichen

Code civil, der erstmals alle Menschen

unabhängig von ihrer Herkunft gleichstellt.

Im Jahre 1811 erlebt Osnabrück

eine ganz besondere Änderung seiner

staatlichen Zuordnung: Die Stadt gehört

für rund drei Jahre ganz offiziell zu Frankreich.

Die französische Zeit hinterlässt

in der Stadt durchaus positive Spuren:

Steuern und Abgaben werden gerechter

erhoben. Laienrichter werden eingeführt.

Überdies werden mehr Straßen gepflastert,

die Häuser nummeriert und Friedhöfe

jenseits der Stadtmauern angelegt. Im Gegensatz

zu vorherigen Besatzungstruppen

aus Hannover und Preußen sind Frankreichs

Offiziere deutlich darum bemüht,

ein gutes Klima zwischen Bevölkerung

und Soldaten zu schaffen. Eine zentrale

Rolle spielt dabei das Lokalblatt, das

in deutscher und französischer Sprache

erscheint: Die „Wöchentlichen Osnabrückischen

Anzeigen“ werden bis heute die

einzige zweisprachige Lokalzeitung der

Stadt bleiben.

Wann stehen Zeitungen im

Parteienstreit?

Geschichtskundige wissen, dass die 1863

gegründete Sozialdemokratie die älteste

deutsche Partei ist. Vorläufer der Liberalen

gibt es mit der Fortschrittspartei gar

schon 1861. Und mit dem Zentrum gründet

sich die erste christliche Partei anno

1870. Allein Konservative können bereits

auf Ursprünge im preußischen Landtag

von 1848 und auf ihren Stammvater

Bismarck verweisen. In anderen deutschen

Staaten dauerte die konservative Parteienbildung

weitaus länger. Betrachtet man die

Osnabrücker Zeitungsgründungen des

Jahres 1848, sind derartige parteipolitischen

Strömungen in der Hasestadt bereits

sehr viel früher als andernorts deutlich

erkennbar. Bekennende Linke scharen

sich um die Macher der ersten Tageszeitung,

dem „Tageblatt für jedermann“.

Das Blatt ist das Organ des Märzvereins,

spricht auch die wachsende Arbeiterschaft

der Stadt an und transportiert bereits früh

sozialistische Ideen. Prägende Blattmacher

sind der Verleger Lüdecke, der Advokat

Detering sowie die Lehrer Rosenthal und

Noelle. Konservative und Konservativ-

Liberale gründen den Vaterlandsverein

und rufen das „Osnabrücker Volksblatt“

ins Leben. Dessen geistiger Vater ist vor

allem der langjährige Bürgermeister und

zeitweilige hannoversche Innenminister

Johann Carl Bertram Stüve. Katholiken,

die erst ab 1833 wieder das Recht

bekommen haben, im Osnabrücker

Magistrat vertreten zu sein, finden sich

im Piusverein zusammen. Und der ist

STADT- & LANDGESCHICHTEN

Mösers Beilagen zu den Wöchentlichen

Osnabrückischen Anzeigen. Später werden

viele Beiträge in den „Patriotischen

Phantasien“ abgedruckt.

durchaus mit einer frühen christlichen

Partei vergleichbar. Oberlehrer Dr.

Wilken und Domchoral Fredewest bringen

als eigenes Blatt die „Beiträge zur Belehrung

und Erholung“ heraus, die besonders

gern im katholischen Umland gelesen werden.

Alle Blätter begründen in Osnabrück

eine breitgefächerte politische Streitkultur:

kontrovers, polemisch wie satirisch, aber

gepflegt und völlig gewaltlos. Die zarten

demokratischen Ansätze werden nur wenige

Jahre später unter feudalistischen

Militärstiefeln zertrampelt. Pressefreiheit

und geistiger Meinungsstreit nehmen ein

brutales Ende. In Osnabrück verbleiben

für lange Jahre allein die altbackenen „Wöchentlichen

Osnabrückischen Anzeigen“.

| Heiko Schulze

Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr

Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner

für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für

Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen

· Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen

· Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen ·

Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist

für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist

für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für

Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten

· Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten ·

Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr

Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner

für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für

Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen

· Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen

· Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen ·

Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist

für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist

für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für

Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten

· Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten ·

Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr

Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner

für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für

Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten Ihr Partner · Ihr für Drucksachen · Spezialist & Spezialist für Etiketten · Ihr für Partner Etiketten für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen

· Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen

· Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen ·

Spezialist für Etiketten · Eduard-Pestel-Straße Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist 16 · für 49080 Etiketten Osnabrück · Ihr Partner für · Drucksachen Tel. 0541 · 95929 Spezialist - für 0 · Etiketten Fax 0541 · Ihr Partner 95929-22 für Drucksachen · info@levien.de · Spezialist für · Etiketten www.levien.de

· Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist

für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist

für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für

Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiketten · Ihr Partner für Drucksachen · Spezialist für Etiket-

22 23


STADT- & LANDGESCHICHTEN

Wo reist man in die Eisenzeit?

Menschen wanderten bereits vor vielen Jahrtausenden von Ort zu Ort, um einen perfekten Platz

zum Leben zu finden. So taten es auch die Kelten in der Eisenzeit. Sie kamen von den Alpen ins

Osnabrücker Land.

Orte in Stadt und Land (8)

Die Wasserburg in Sutthausen hätte eigentlich gar nicht

gebaut werden dürfen. Dem Bischof und der Stadt

Osnabrück missfiel, dass sich im Südwesten an

der Düte ein Störenfried angesiedelt hatte, der sich mit Wall und Wassergraben

ihrem Machtbereich zu entziehen versuchte. 1283 kam es zur Fehde, aber später mussten die

Osnabrücker aufgeben.

Es gibt mehrere Theorien, wie der Name

Sutthausen entstanden ist. Der gleichnamige

Hof wird zum ersten Mal 1280

in einer Urkunde der Stadt Osnabrück

erwähnt. Sein Besitzer war der Knappe

Johann von Sutthausen. Nicht er,

sondern sein Verwandter Eberhard von

Varendorff errichtete auf dem Gutshof

die Burg Sutthausen. Dass er eine

Befestigung mit doppelter Gräfte (=

Wassergraben) anlegen ließ, war für den

Osnabrücker Bischof Konrad von Rietberg

eine Provokation. Die Soldaten der

Stadt belagerten das zu Unrecht befestigte

Anwesen 20 Jahre lang, aber Eberhard

setzte sich durch, weil er Hilfe von

außerhalb bekam. Der Historiker Günter

Wrede datiert die Bezeichnung

„Sudhusen“ in seinem „Geschichtlichen

Ortsverzeichnis des ehemaligen

Fürstbistums Osnabrück“ auf das 13.

Jahrhundert, die Zeit, in der die Fehde

ausgefochten wurde. In Dokumenten

aus dem Jahre 1350 stieß er auf „Zuthusen“,

1605 war erstmals von Sutthausen

die Rede. Mundartlich gesprochen

klingt es dann wie „Suthüsen“. 1970

wurde aus der selbständigen Gemeinde

Sutthausen ein Stadtteil von Osnabrück.

Seine West- und Südgrenze fällt über

längere Strecken mit dem Lauf der Düte

zusammen. Am rechten Ufer liegt der

alte Siedlungskern.

Wo hat der Name Sutthausen

seinen Ursprung?

Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm

steht „sutt“ für Suhle oder Sumpf.

Aber diese Deutung ist nach Auskunft

der Ortsnamenforscherin Dr. Kirstin

Casemir sprachwissenschaftlich nicht zu

halten. Für sie steht fest, dass die Vorsilbe

„Sutt-“ auf die Himmelsrichtung Süd

verweist. Die Annahme, dass Sutthausen

ein Ort südlich von Osnabrück sei, trifft

aber nicht den Kern. Der heutige Stadtteil

ist im Südwesten von Osnabrück

zu finden. Bei genauerer Betrachtung

fällt jedoch ein anderer Zusammenhang

auf: Sutthausen liegt exakt südlich

von Hörne. Diese Bauernschaft hatte

damals eine größere Bedeutung als

heute. Aus Hörner Sicht stehen die

Höfe Große und Kleine Nordhaus in

entgegengesetzter Richtung zu „Südhausen“.

Überdies gibt es in der

Nähe die Flurbezeichnung Westruper

Esch. Es ist also alles eine Frage

der Himmelsrichtung. | Ebba Ehrnsberger

Bilder © Ebba Ehrnsberger

Bilder © Förderverein Schnippenburg

Nach Ausgrabungen der Schnippenburg

im Krebsburger Wald entstand im Jahr

2006 in Ostercappeln-Venne das Projekt

„Eisenzeithaus“. Das für Jedermann

zugängliche Freiluftmuseum umfasst eine

Fläche von 3.000 qm. Hier befinden sich

ein Stall- und Wohngebäude mit Garten

und Speicher, wie sie etwa 300 v. Chr.

in Gebrauch waren. „Wir möchten den

Menschen die Geschichte der Umgebung

näher bringen“, sagt Christian Böhling,

Vorsitzender des Fördervereins Schnippenburg,

zum Hintergrund des Projekts.

Bei dem Stall- und Wohngebäude handelt

es sich um den Nachbau einer in

den 1980ern ausgegrabenen Siedlung,

welche bei Bauarbeiten der A33 in

Georgsmarienhütte entdeckt wurden.

„Der zweischiffige Grundriss des Haupthauses

mit Mittelpfosten ist für die

Eisenzeit eher ungewöhnlich und nur

zwischen den südlichen Niederlanden,

Cloppenburg und Osnabrück gefunden

worden“, erläutert Böhling. Das Gebäude

ist mit einem Reetdach gedeckt und mit

lehmverputzten Wänden ausgestattet.

Die Kelten brauchten für ihre bäuerliche

Existenz einen großen Stall- und einen

eher kleinen Wohnteil mit Feuerstelle. Es

war üblich, dass in einem Haus mehrere

Generationen mit sechs bis zehn Leuten

zusammen lebten. Um das Leben in der

Eisenzeit den Menschen in der Region

näherzubringen, bietet der Förderverein

Schnippenburg spannende Aktionen an.

Dazu gehören Bogenschießen, Schmieden,

Töpfern, Filzen oder auch Kochen.

Es können aber auch spezielle Themenveranstaltungen

oder Kindergeburtstage im

und um das Eisenzeithaus geplant werden.

| Lena Wegmann

50er & 60er und das

Beste von heute!

DIE EISENZEIT

Die Eisenzeit war nach Stein- und

Bronzezeit die dritte Periode der

Urgeschichte. Die Menschen

lernten, Eisen für die Herstellung

von kunstvoll geschmiedeten

Werkzeugen und Waffen zu

verwenden. In Deutschland begann

die vorrömische Eisenzeit

etwa um 800 v. Chr., sie endete im 1.

Jahrhundert v. Chr.

Weitere Infos unter:

www.eisenzeithaus.de

Täglich ab 18.00 Uhr begrüßt Sie das Team in Petticoat

und Hosenträgern.

Freuen Sie sich auf die nostalgische Zeitreise:

Toast-Hawaii, Strammer Max, Pulled Pork Burger, Craft

Beer, Sinalco, Afri Cola, Cocktails

Wirtschaftswunder einfach essen + trinken im arcona LIVING OSNABRÜCK · Neuer Graben 39 · 49074 Osnabrück

Tel. +49 541 56954-0 · www.osnabrueck.arcona.de

25


STADT- & LANDGESCHICHTEN

historisches Postkarten Motiv

Was ist ein Naturbzw.

Kulturdenkmal?

Naturdenkmale sind Zeugnisse

der Erd- und Naturgeschichte.

Hierunter können auffällige Felsformationen

oder Findlinge fallen, aber auch

besonders alte Bäume. Ein Kulturdenkmal

hingegen bezeugt die menschliche Kulturgeschichte

und wurde von Menschenhand

geschaffen. Ein Denkmal kann aber auch

zugleich Natur- und Kulturdenkmal sein.

Nämlich dann, wenn durch eine auffällige

Naturerscheinung Menschen angezogen

wurden und dieser Ort daraufhin kulturell

genutzt wurde, z. B. als heiliger Ort

oder als markanter Versammlungspunkt.

Oft inspirierte ein Naturdenkmal die

Menschen zu Geschichten, die an diesem

Ort stattgefunden haben sollen, sodass er

zu einem Erinnerungsort wurde. Auch

Kulturdenkmale, deren Sinn vergessen

war, wurden mit Sagen umsponnen.

Die Johannissteine:

Natur-oder Kulturdenkmal?

Bei den Johannissteinen handelt es sich

um eine auffällige Felsformation am

Der Piesberg

Geschichts- oder Sagenort?

Der Piesberg hat zu allen Zeiten die Menschen angezogen und

deren Phantasie beflügelt. Oft ranken sich Sagen und Legenden

um Orte, von denen manchmal nicht leicht zu sagen

ist: Natur- oder Kulturdenkmal oder sogar beides? Nur

eine Sage oder doch ein wahrer Kern? Der Piesberg

im Norden von Osnabrück bietet gleich vier solch

interessanter Sehenswürdigkeiten.

Nordosthang des Piesbergs.

An dieser Stelle schieben sich

einige Platten des Piesberger

Konglomerats (Sandstein verbacken mit

Kies) aus dem Innern des Bergs an die

Oberfläche und bilden so ein markantes

Felsmassiv. Wer genauer hinschaut, wird

auf ihnen Einmeißelungen entdecken, die

nur von Menschenhand geschaffen sein

können. Die eine hat sieben Vertiefungen,

die das Sternbild des großen Wagens

spiegelverkehrt zu zeigen scheinen. Eine

weitere verfügt über eine große und eine

kleine rundliche Vertiefung und zwei

fußförmige Umrisse. Es heißt, einst sei

Johannes der Täufer auf dem Piesberg

gewesen, um die heidnischen Sachsen zu

bekehren. Die fußförmigen Umrisse

markieren den Ort, wo er einst gestanden

habe. Die kleine rundliche Vertiefung

daneben zeige den Platz, an dem sein

Kreuzstab – ein Attribut des Heiligen – auf

dem Felsen auftraf und die große rundliche

Mulde den Standort seines Taufeimers.

Wie alt diese Felsbilder sind, ist nicht mit

Sicherheit zu sagen. Es gibt die Aussage

eines Osnabrücker Bürgers, er sei als Junge

dabei gewesen, als man in einer Nacht in

den 1920er Jahren die Felsbilder einmeißelte.

Doch längst sind nicht alle davon

überzeugt, dass die Felsbilder erst im 20.

Jahrhundert entstanden sein sollen. Die

Johannissteine sind ein Beispiel dafür,

wie aus einem Natur- ein Kulturdenkmal

werden kann.

INFOTAFELN

Ab Herbst 2016 sind die im Text

vorgestellten Sehenswürdigkeiten

durch neue Informationstafeln ausgewiesen.

Die Strecke zwischen

den verschiedenen Stationen lässt

sich bequem innerhalb von 1,5 Stunden

erlaufen. Das Kreuz im Hone

und der Karlstein liegen direkt an der

Oldenburger Landstraße, ein wenig

südlich der Unterführung unter der

B 68. Der Knieanbetungsstein ist

direkt am Grubenweg an der

Ostseite des Piesbergs gelegen.

Die Johannissteine befinden sich

im oberen Bereich des Piesbergs,

zwischen der nördlichen und der

östlichen Aussichtsplattform.

Bilder Piesberg © Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück // alte Postkarte © Sammlung Riecken

Heiliger Stein oder Laune der Natur?

Der Knieanbetungsstein ist ein weiterer geheimnisvoller Ort am

Piesberg, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er ist auch unter

dem Namen „Hilgen- oder Marienstein“ bekannt. Es handelt

sich ebenfalls um eine Steinplatte aus Piesberger Konglomerat,

die vier dicht beieinander liegende, runde Vertiefungen aufweist.

Gerade so, dass sie einem knienden Erwachsenen ermöglichen,

seine Knie und Hände dort zu platzieren, wenn er eine kauernde

oder verehrende Haltung annimmt. Die Überlieferung zu

dem Stein setzt erst im 19. Jahrhundert ein. Es konnte bislang

nicht geklärt werden, wann und wie die vier Vertiefungen entstanden

sind. Auch eine natürliche Entstehung in Form von

Verwitterung ist nicht auszuschließen.

Wo fand die erste Messe im Osnabrücker Land statt?

Die Christianisierung im Osnabrücker Land begann der Sage

nach am Fuß des Piesbergs – dort wo heute das „Kreuz im Hone“,

umgeben von zehn Buchen, steht. Die Sage berichtet weiter, dass

Karl der Große in seinem Kampf gegen die heidnischen Sachsen

verzagen wollte. Daraufhin ermahnten ihn sieben Brüder

aus seinem Heer auf Gott zu vertrauen und eine heilige Messe zu

feiern. Im Anschluss schlug Karl mit seiner Reitgerte auf den

Deckstein des in der Nähe gelegenen Großsteingrabes – das

seitdem „Karlstein“ genannt wird – und dieser zerbrach, genau

wie bald darauf der Widerstand der Sachsen. Im Gedenken

an diese erste Messe seien die Buchen im Kreis um den „Meßort“

gepflanzt worden. Das „Kreuz im Hone“ erinnert seit dem

19. Jahrhundert an diese Erzählung. Ursprünglich hieß der

„Karlstein“ eigentlich „Schluppstein“ und seine Verbindung zu

Karl dem Großen ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Der

„Karlstein“ ist ein überregional bekanntes Gemeinschaftsgrab

der Jungsteinzeit und etwa 5.000 Jahre alt. Damals bestattete

man die Toten einer Gemeinschaft zusammen in einer großen,

aus Steinen errichteten Grabkammer, die mit Erde überhügelt

wurde. Einzigartig ist, dass das Grab aus Piesberger Konglomerat

erbaut wurde und nicht, wie sonst üblich, aus Findlingen. Eine

große zerschlagene Deckplatte hat es in Wirklichkeit niemals gegeben.

Die Decke des Grabes besteht aus vier kleineren Steinblöcken,

die mittlerweile verstürzt sind. | Solveig Steffen

GROSSE

REGISSEURE

KULTKLASSIKER VON

GESTERN MIT DER

TECHNIK VON HEUTE!

SEPTEMBER OKTOBER NOVEMBER

THE

SHINING

29.09.

PSYCHO

IMMER JEDEN

LETZTEN DONNERSTAG

IM MONAT UM

20:30 UHR!

DER SOLDAT

JAMES RYAN

STANLEY KUBRICK ALFRED HITCHCOCK STEVEN SPIELBERG

27.10. 24.11.

DER VORVERKAUF LÄUFT! SICHERN SIE SICH JETZT IHRE TICKETS!

NUR

6 €

Filmpassage

Osnabrück

26

Johannisstraße 112-113 ∙ 49074 Osnabrück

www.filmpassage.de ∙ info@filmpassage.de

Kartenvorbestellung / Info: 01805-676227 *

*

(0,14€/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 €/Min.)


STADT- & LANDGESCHICHTEN

STADT- & LANDGESCHICHTEN

WAS BLEIBT NACH 2000 JAHREN

VON EINER SCHLACHT ÜBRIG?

Im Jahr 1987 beginnt die Geschichte der Ausgrabungen in Kalkriese. Der Hobbyarchäologie

Major Tony Clunn findet mit der Metallsonde römische Münzen und 1988 drei Schleuderbleie.

Diese drei auf den ersten Blick eher unscheinbaren, wie Mandeln aussehende Bleigeschosse

geben die ersten Hinweise auf kriegerische Auseinandersetzungen in der Kalkrieser Niewedder-

Senke – der Startschuss für eine unvergleichliche archäologische Spurensuche!

Zu Beginn der Ausgrabungen war

keinem klar, dass es sich um ein bedeutendes

Schlachtgeschehen, geschweige denn

um die Varusschlacht, handeln könnte.

Besondere Aufmerksamkeit erregte 1990

eine dunkle Verfärbung im Boden: Ein

Überrest eines oberirdisch nicht mehr

sichtbaren Walls. Dieser Wall war offenbar

aus Grassoden errichtet worden. Römische

Münzen und Bruchstücke militärischer

Ausrüstung, unter dem Wall verschüttet,

erwiesen ihn schließlich als Bauwerk

aus der Zeit des ersten römischen Kaisers

Augustus, der von von 31 v. Chr. bis 14 n.

Chr. regierte. Weitere Funde und Befunde,

in den letzten zwei Jahrzehnten zusammengetragen,

bringen Kalkriese in einen

unmittelbaren Zusammenhang mit den

Ereignissen des Jahres 9 n. Chr. Immer

mehr Indizien sind zusammen gekommen,

die darauf schließen lassen, dass

hier mindestens ein großer Teil der Varusschlacht,

auch bekannt als „Schlacht im

Teutoburger Wald“, entdeckt worden ist.

Bilder © Varusschlacht im Osnabrücker Land

Was entdeckten die

Archäologen in Kalkriese?

Eine Schlacht dieses Ausmaßes lässt auch

eine große Anzahl an Funden vermuten.

Und in der Tat hören sich 6.000 römische

Funde, die seit Beginn der Grabungen

zutage gefördert wurden, erst einmal beachtlich

an. Aber ein Blick in die Vitrinen

und das Funddepot zeigt, dass wir

es hier nicht mit komplett erhaltenen

Helmen oder Schwertern zu tun haben.

Vielmehr finden die Forscher in Kalkriese

Bruchstücke, Kleinteile und Fragmente.

Ausgenommen natürlich das Wahrzeichen

von Kalkriese: Die Maske. 1990

gefunden, entpuppte sich der unförmig

korrodierte „Klumpen“ nach der Restaurierung

als Gesichtsmaske eines römischen Reiterhelms, die

einst mit Silberblech überzogen war. Sie ist nicht nur einzigartig,

sondern gibt dem Museum ein unverwechselbares Gesicht.

Der Grund warum die Archäologen nur Fragmente finden, ist

nicht ausschließlich auf die lange Zeit – immerhin 2.000 Jahre

– zurückzuführen, währen der die Funde im Boden lagen. Die

Germanen suchten das Terrain nach der Schlacht gründlich ab

und plünderten es. Denn im rohstoffarmen Germanien waren

Metalle wertvoll und wurden zumeist eingeschmolzen und wiederverwendet.

In Kalkriese haben Forscher aber auch menschliche

Überreste gefunden. Bereits Mitte der Neunziger Jahre

wurde die erste und größte Grube entdeckt, in der Knochen von

Mensch und Tier deponiert worden waren. In den folgenden

Jahren wurden sieben weitere solcher Knochengruben gefunden,

die mit den Bestattungen im Zuge der so genannten Rachefeldzüge

des Germanicus in Verbindung gebracht werden – ein

weiteres Indiz, das auf den Ort der Varusschlacht hinweist.

Werden heute noch Funde

in Kalkriese gemacht?

Auch nach über 25 Jahren Forschung wird in Kalkriese gegraben.

Nach wie vor gibt der Boden spannende Funde frei und

das Forschungsteam gewinnt immer mehr Erkenntnisse zum

Schlachtgeschehen. Erst kürzlich konnte eine kleine Sensation

vermeldet werden: Bei Grabungen am Rande des Museumsparks

gab der Boden acht Goldmünzen vom Typ Gaius/

Lucius frei. Eine solche Entdeckung ist äußerst selten und ein

echter Glücksfall. Überdies hat dieser Fund die Anzahl an

Goldmünzen im Museumsbestand von sieben auf fünfzehn

mehr als verdoppelt. Aber die Forschungen in Kalkriese gehen

weiter. Aktuell steht das Kalkrieser Fundmaterial im Fokus eines

großen, von der VW-Stiftung geförderten Forschungsprojekts.

Besucher können sich in Museum und Park Kalkriese

auf ganz unterschiedliche Weise auf die Spuren der Geschichte

begeben. Die Ausstellung zur Varusschlacht macht die

Geschichte dieses einzigartigen Ortes anschaulich erfahr-

<

Schleuderbleie

bar und präsentiert einen aktuellen Gesamtüberblick über die

Erkenntnisse. Veranstaltungen wie die Römer- und Germanentage

oder das Oster-Leuchten, Führungen durch die Ausstellung

oder den großzügigen Park, hochkarätige Sonderausstellungen,

Familiensonntage und vieles mehr ermöglichen es, sich am Originalschauplatz

diesem geschichtsträchtigen Ereignis zu nähern.

| Caroline Flöring

NEUES GOLD AUS KALKRIESE

Sie sind eine kleine Sensation: Die im Sommer in

Kalkriese gefundenen acht Goldmünzen. Rund um

diesen außergewöhnlichen Fund dokumentiert eine

Kabinettausstellung vom 12. November 2016 bis

15. Januar 2017 die Geschichte der Münzen, ihre

Bedeutung vor 2.000 Jahren und ihren Wert für

Wissenschaft und Forschung heute.

www.kalkriese-varusschlacht.de

Postadresse: Bierstraße 17/18 49074 Osnabrück

Tel. 0541-750 23 40 Fax 0541-20 20 622

zeitseeing@osnanet.de

www.osnabrueck-stadtfuehrungen.d e

Inh. Renate Frankenberg

< Wahrzeichen von Kalkriese:

Die römische Gesichtsmaske

29


MOMENTAUFNAHMEN

Wann fand Osnabrück Anschluss?

1835 läutete die erste dampfbetriebene Eisenbahnfahrt von Nürnberg nach Fürth eine neue Ära im öffentlichen Personenverkehr

ein. 20 Jahre später wurde auch die Hasestadt an das Schienennetz angeschlossen. Der Hannoversche und der

Bremer Bahnhof genügten den Ansprüchen der reise- und transportfreudigen Osnabrücker aber nicht lange. Am 24. April

1895 nahm deshalb der neue „Centralbahnhof“ seinen Betrieb auf. Der Vorplatz wurde im Laufe der Jahrzahnte immer

wieder umgestaltet - zuletzt stand 2000/01 eine grundlegende Modernisierung an. Unser Fotograf Oliver Schratz gewinnt

einem der bekanntesten Osnabrücker Plätze noch einmal völlig neue Perspektiven ab. | Thorsten Stegemann

Foto © Blendeneffekte.de, Oliver Schratz

31


LEBEN & GESELLSCHAFT

Wer sah durch die

Lepraspalte?

Drei Schülerinnen des Gymnasiums „In der Wüste“

erhalten das Exzellenzlabel CertiLingua

Wo lernen Schüler

Geschichte auf Französisch?

Nach der Schule noch Vokabeln und die Grammatik einer fremden

Sprache lernen: Viele Schüler kennen diese anstrengenden Nachmittage,

die manchmal frustrierend sind. Wer bilingual erzogen wird, lernt die

Fremdsprache leichter. Die Angebote sind noch überschaubar, führen aber

auch in Osnabrück bereits zu überzeugenden Ergebnissen. Unum. Satuit.

Ir popore fur. Eperbes bon perdis virm.

Ein senkrechter Stein in der nördlichen Außenfassade der ehemaligen Klosterkirche St. Johann

Baptist in Kloster Oesede zog 1985 die Aufmerksamkeit von Pastor Friedel Schönhoff auf sich.

Denn das Bauwerk bestand ansonsten nur aus waagerecht positionierten Steinen.

„Auffällig war nicht nur seine senkrechte

Lage, sondern auch seine rissige

Beschaffenheit und das hohle

Geräusch, das er von sich gab, wenn

man dagegen schlug“, erläutert Friedel

Schönhoff. Als er das tat, entdeckte der Pastor

ein Loch in der Wand der Kirche, wusste

aber immer noch nicht, was es damit

auf sich hatte. Schönhoff tauschte sich mit

einem Kirchenhistoriker aus, der Licht ins

Dunkel brachte und die mysteriöse Stelle als

Hagioskop („Lepraspalte“) identifizierte.

Dabei handelte es sich um einen Mauerdurchbruch

in einigen mittelalterlichen

Kirchengebäuden. Dieser gewährte

von außen einen Blick in das Innere

der Kirche, genauer auf den Altar und

das Gnadenbild der Mutter Gottes. „Ein

Loch, durch das man auf das Heilige

sehen konnte“, führt Pastor Schönhoff

aus. Im Mittelalter wurden mehrere

Kirchen mit einer solchen Öffnung

versehen. Sie ermöglichte es

Leprakranken, den Gottesdienst zu verfolgen,

ohne die übrige Gemeinde zu gefährden.

Friedel Schönhoff erkannte den

historischen Wert des Hagioskops und

entschied sich, das Loch in der Außenfassade

beizubehalten und mit einem Glas

abzudecken. Darauf stehen die Worte des

Matthäus-Evangeliums: „Herr wenn du

willst, kannst du machen, dass ich rein

werde – Ich will es - werde rein!“ Heute

sieht man durch das Hagioskop lediglich

auf vier Säulenüberreste eines Altarbaldachins.

Das Gnadenbild der Muttergottes

befindet sich inzwischen in der Marienstele

im nördlichen Querhaus. | Melek Erdogdu

LEPRA

Lepra ist eine der ältesten Infektionskrankheiten.

Sie wird durch das

Bakterium Mycobacterium leprae

verursacht und von Mensch zu

Mensch übertragen. Leprakranke

Menschen scheiden die Erreger mit

dem Nasensekret oder aus Hautläsionen

aus. Die Leprakrankheit fand

ihren Höhepunkt in Deutschland

im 13. Jahrhundert und verschwand

mit dem Ende des 16. Jahrhunderts

weitgehend aus Mitteleuropa. Bis heute

aktiv ist sie in Entwicklungs- und

Schwellenländern wie Brasilien, Indien

oder Mosambik.

Bilder © Melek Erdogdu

Schülerinnen Bild © Kathrin Hapel // Flaggen © Black Spring, fotolia.de

Bilinguale Erziehung setzt zum einen auf

das sogenannte Immersionsverfahren,

bei dem Kinder schon im frühen Alter

durch spielerische Aktivitäten und ohne

Leistungsdruck Fremdsprachen erlernen.

Aber auch der Schulunterricht kann

bilingual angeboten werden, indem

Schüler bestimmte Fächer in einer Fremdsprache

belegen. Dabei wird deren Anteil

an das Sprachniveau der Schüler angepasst,

damit sie sicherer und selbstständiger im

Umgang werden und das Erlernte auch

in anderen Themengebieten anwenden

können. Im Raum Osnabrück gibt es mehrere

Schulen, die bilingualen Unterricht

anbieten. Die Schüler des Gymnasiums

„In der Wüste“ können ab der achten

Klasse (seit dem Schuljahr 2016/2017)

das Sachfach Geschichte, ab der zehnten

Klasse und in der Oberstufe zusätzlich

noch Politik wahlweise auf Französisch

belegen. „Das Erlernen einer Fremdsprache

ist für die jüngeren Klassen

einfacher, da sie nicht so auf die

Korrektheit der Sätze achten“, sagt

Kathrin Hapel, Fachobfrau für bilingualen

Sachfachunterricht Französisch am

Gymnasium „In der Wüste“. Auch die

Schüler am Graf-Stauffenberg- und am

Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium können

ab der siebten Klasse verschiedene

Sachfachunterrichte auf Englisch wählen.

Durch den bilingualen Unterricht erfahren

die Schüler einen Perspektivenwechsel

und eine bessere Sprachentwicklung.

Zusätzlich zum vertiefenden Spracherwerb

können die Schüler der Oberstufe

des Gymnasiums „In der Wüste“ das

Zertifikat „CertiLingua“-Exzellenzlabel

für mehrsprachige, europäische und

internationale Kompetenzen für den erfolgreichen

Abschluss des bilingualen

Sachfachunterrichtes erlangen. Das Zertifikat

weist nach eigenen Angaben „bilinguale

Fachkompetenz, Sprachenkompetenz

und europäische/internationale Handlungskompetenz“

nach und kann unter

anderem die Schüler von Sprachprüfungen

für einen internationalen Hochschulzugang

freistellen. „Es wäre wünschenswert,

wenn jeder Schüler einmal ein Modul in

einer Fremdsprache durchlaufen würde“,

meint Kathrin Hapel. Sicher mit Recht,

denn Fremdsprachen, die nur einmal in

der Woche für eine Stunde gesprochen

werden, geraten schnell wieder in Vergessenheit.

. | Jule Schwalbach

Ansprechpartner: Kathrin Hapel,

Gymnasium „In der Wüste“

kathrin.hapel@gidw-online.de

VORZEIGEPROJEKT IN LINGEN

Ein besonders ambitioniertes Projekt

ist die „Rosen Bilinguale Grundschule“

(ROBIGS), die im September 2015

in Lingen eröffnet wurde. Sie bietet

Kindern einen durchgängigen zweisprachigen

Unterricht auf Englisch und

Deutsch an.

Grafikdesign

Webentwicklung

Marketingkonzept

Werbetext

Werbefotografie

Studio & On Location

Produkt, Mode, People

Architektur, Industrie …

Digital- & Offsetdruck

Bücher, Broschüren

Plakate, Flyer, Kalender

Geschäftsdrucksachen …

www.medienpark-ankum.de

Fahrzeugbeschriftung

Schilder, Banner

Schaufensterbeschriftung

Messe- & Displaysysteme

32

33


LEBEN & GESELLSCHAFT

ESSEN & TRINKEN

Die Besten köche

der

region

Wie oft gehen Osnabrücker ins Museum?

Exakt lässt sich diese Frage nicht beantworten, denn die offizielle Statistik verzeichnet viele Besucher, die

nicht in der Friedensstadt wohnen. Außerdem trifft man Osnabrückerinnen und Osnabrücker auch in auswärtigen

Museen. Fest steht trotzdem: 2015 lockten die Sonder- und Dauerausstellungen der städtischen

Einrichtungen gut 204.000 Interessenten an.

Auf das Museum am Schölerberg entfielen

allein 96.531 Besucher, 39.456 kamen

ins Museum Industriekultur und weitere

30.093 ins Felix-Nussbaum-Haus/Kulturgeschichtliche

Museum. Kunsthalle

(20.895) und Stadtgalerie (17.786) belegten

die Plätze 4 und 5. Nach den ersten für

NEU!

Limitierte Auflage

2016 ermittelten Zahlen ist in diesem Jahr

kein Anstieg zu erwarten. Osnabrück liegt

in puncto Museumsbesucher damit deutlich

vor Oldenburg (126.735 im Jahr 2015),

aber klar hinter Münster. Nur drei Beispiele

aus der westfälischen Nachbarstadt.

2015 sahen allein 238.515 Menschen die

Unsere Herbstaktion

50% Rabatt

Solange der Vorrat reicht

1 Guide statt 9,90 nur 5,- €

Hier erhältlich:

www.limo-guide.de

Score Tankstellen (Haste & Kurt Schumacher Damm)

In fast allen Buchhandlungen in OS + Region

Marktkauf (Nahne)

Bei vielen Teilnehmern

CuaBar, AUCH NACHTS! Kamp 45 nähe Neumarkt

Sofort gültig!

Präsentationen des LWL-Landesmuseums

für Kunst und Kultur. Das Westfälische

Pferdemuseum kam auf gut 195.000 und

das Kunstmuseum Pablo Picasso auf mehr

als 63.000 Besucher. | Redaktion

Limo-Guide

57

Erlebe 15x 2für1 Cocktail in den besten Locations Osnabrück´s.

Gutscheine

2für1

Cocktails & Drinks

Getränke-Gutscheinbuch

& more

Osnabrück

23 Locations aus OS City

18x 2für1 Cocktail - 17x 2für1 Longdrink - 22x 2für1 Bier & Shot

Bilder © Professor Lars Borgmann // Bilder Foyer © Margret Baumann

Bilder © Steigenberger Hotel Remarque

präsentiert von

www.dransmann.com

Wo treffen sich Frische und Vielfalt aus der Region?

Teil 1: Ochsenbäckchen in Rotwein geschmort

Ein fester Bestandteil der Osnabrücker Gastronomie ist das Restaurant im

Steigenberger Hotel Remarque. Seit 18 Jahren isst man hier in gemütlicher

Atmosphäre und genießt die kulinarische Vielfalt. Stets mit der Zeit gegangen,

präsentiert sich die Weinwirtschaft seit August 2016 im frischen Design.

Ein Duo, das bereits auf viele Jahre Zusammenarbeit

zurückblicken kann, steht hinter

der Weinwirtschaft – und zaubert in der Showküche.

Küchendirektor Andreas Klatt und

Küchenchef Jürgen Kloester arbeiten seit

Beginn – seit genau 18 Jahren – zusammen.

„Unsere Küche ist authentisch. Wir achten

auf frische und ehrliche Produkte. Die Gäste

genießen bei uns eine Vielfältigkeit, die es wohl

kaum woanders gibt“, erklärt Klatt. Gerichte

für alle: Hier findet man Tapas, Saisonales und

Klassisches, aber auch vegetarische und vegane

Gerichte. Für „Osnabrücker Wissen“ verrät der

Küchenchef die Zubereitung einer besonderen

Spezialität: Ochsenbäckchen in Rotwein

geschmort. Dazu gibt es Stampfkartoffeln mit

Porree und Birne. Sein Kollege Jürgen Kloester

bereitet für uns in der nächsten Ausgabe

Rotweinschaumsuppe mit Lammfilet und

Artischocken zu. | Redaktion

Einkaufsliste (für 4 Personen)

1 kg frische Ochsenbäckchen

Pflanzenöl

300 g Röstgemüse (Schalotten, Sellerie, Karotten)

2 Lorbeerblätter

2 EL Pfefferkörner

1 EL Tomatenmark, 0,5 l kräftiger Rotwein, 0,3 l

Rinderbrühe

frischer Thymian

Rosmarin und Blattpetersilie

600 g Kartoffeln

40 g Butter

160 g heiße Sahne

Salz, Pfeffer, Muskat

1 Bund junger Lauch

2 Birnen

etwas Zucker und Butter

Zubereitung

„Ochsenbäckchen“

in Rotwein geschmort

Die Ochsenbäckchen in Öl scharf anbraten.

Röstgemüse in walnussgroße Stücke zerteilen,

dazugeben. Tomatenmark, Lorbeerblätter

und Pfefferkörner kurz mit anschwitzen,

mit Rotwein ablöschen. Rinderbrühe und

Kräuter zugeben, Bäckchen schmoren.

Wenn die Bäckchen weich sind, aus dem Schmoransatz

nehmen und die Sauce durch ein

feines Sieb passieren. Auf die gewünschte

Konsistenz reduzieren und mit etwas Salz

und Pfeffer abschmecken.

Den jungen Lauch putzen, waschen und

zu gleichmäßigen Stücken schneiden, den

Rest für die Stampfkartoffeln in feine Ringe

schneiden. Lauchstücke und Ringe kurz in

Salzwasser garen.

Die Kartoffeln kochen, grob zerstampfen und

die Butter dazugeben. Mit Salz, Pfeffer, Muskat

würzen und die heiße Sahne zusammen

mit den Lauchringen unterrühren. Die Birnen

schälen, in gleichmäßige Spalten schneiden

und vom Kerngehäuse befreien. Zucker in einem

Topf karamellisieren lassen, Birnenspalten

und etwas kalte Butter dazugeben, mit

wenig Wasser ablöschen.

Alles zusammen auf einem Teller

arrangieren. Guten Appetit!

Unter www.Limo-Guide.de kannst du sehen, wer dabei ist!

9,90 € 1. Ausgabe Gültig ab sofort bis 30.11.2016 Verkauf ab 18 Jahre

34


NATUR & UMWELT

Geschichte(n) aus dem

NATUR & UMWELT

Planetarium Osnabrück - 30 Jahre alt oder jung?

Im Oktober 1986 wurde das Planetarium auf einer Baustelle eröffnet, das Museum am Schölerberg

war noch nicht fertiggestellt. 2016 wird es 30 Jahre alt – oder ist es noch jung?

1986 wurde der Sternenprojektor ZKP2 aus

Jena geliefert, seinerzeit noch in der DDR.

Zur Eröffnung am 2. Oktober war so neben

dem Niedersächsischen Minister für

Wissenschaft und Kunst auch der Handelsrat

der Ständigen Vertretung der DDR angereist.

Nebenbei wurde dabei der Grundstein

zur Partnerschaft mit der Stadt Greifswald

gelegt. Schon damals faszinierte der künstliche

Sternhimmel die Besucher unter der

8-Meter-Kuppel des „Sternentheaters“,

der mit Diaprojektoren und später einem

Videoprojektor für Erklärungen ergänzt

wurde. Seit der Eröffnung haben rund

550.000 Besucherinnen und Besucher in

15.000 Vorführungen mehr über die Wunder

des Weltalls erfahren. Ergänzt wurden

die Sternvorführungen durch kulturelle

Veranstaltungen wie Lesungen und Konzerte.

Aber auch Live-Beobachtungen mit

Teleskopen, fast immer in Kooperation

mit der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft

des Naturwissenschaftlichen

Vereins Osnabrück,

wurden fester Bestandteil

des Programms. Die Möglichkeiten

im Planetarium

änderten sich auch mit der

Entwicklung der neuen

elektronischen Medien.

Neue Entdeckungen und

aktuelle Forschungsergebnisse

wurden grade in der

Astronomie schnell und

frei über das Internet veröffentlicht und

konnten so – teils sogar tagesaktuell - im

Planetarium präsentiert werden.

Wie fliegt man heute durch

das Sonnensystem?

Doch mit zunehmender Digitalisierung

und leistungsfähigeren Rechnern wurde

auch der Druck größer, die Technik

dem neuen Zeitalter anzupassen. Denn

inzwischen haben Digitalkameras die

analoge Fotografie weitestgehend ersetzt

und die Diaprojektoren wurden zunehmend

störanfällig. Zudem ermöglichten

neue Projektionstechniken die Daten, die

die modernen Großteleskope und Astronomie-Satelliten

liefern, eindrucksvoll

und anschaulich an der kompletten

Kuppel zu visualisieren. Dank großzügiger

Unterstützung durch die Osnabrücker

Sparkasse konnte mit Hilfe des Naturwissenschaftlichen

Vereins Osnabrück 2011

mit dem Digital Sky eine digitale Projektion

mit leistungsfähigen Rechnern und

wartungsfreien LED-Projektoren installiert

werden. Diese ermöglichen Flüge

durch das Sonnensystem, die Milchstraße

und die Welt der Galaxien. Zwei Jahre

später wurde dann der modernste Sternenprojektor

ZKP4 aus Jena installiert.

Rechnergesteuert wird dank Glasfaseroptik

und LED-Lampen ein brillant heller

Sternhimmel projiziert. Mit der neuen Technik

gibt es auch immer wieder neue Shows zu

unterschiedlichen Themen. Einige werden

in nationaler oder internationaler Kooperation

mit anderen Planetarien produziert.

Bei der Auswahl der Shows sind Kinder

immer eine bevorzugte Zielgruppe. Für sie

wird zum Planetariums-Geburtstag am

22./23. Oktober auch ein neues Programm

gezeigt: „Ein Sternbild für Flappi“. Die

Titelfigur Flappi ist eine kleine, neugierige

Fledermaus, die von einer Sternwarte aus

die Sternbilder, den Mond und die Sterne

erkundet. Und für die jung gebliebenen

Älteren gibt es die legendäre Show „Queen

Heaven“ mit bekannten Musikstücken von

Queen neu produziert. Obwohl 30 Jahre

alt, bietet das Planetarium im Osnabrücker

Museum am Schölerberg immer wieder

Neues, bei der letztgenannten Show unter

dem Motto „30 Jahre und kein bisschen

leise!“ | Andreas Hänel

Museum am Schölerberg

Natur & Umwelt -

Planetarium -

Umweltbildungszentrum

Klaus-Strick-Weg 10

49082 Osnabrück

Telefon: 0541 56003-0

Öffnungszeiten:

Montag: geschlossen · Dienstag: 9 bis 20 Uhr

Mittwoch bis Freitag: 9 bis 18 Uhr

Samstag: 14 bis 18 Uhr · Sonntag: 10 bis 18 Uhr

www.museum-am-schoelerberg.de

Bilder Planetarium © A. Hänel // Falppi © Angelika Grothues, Illusions

Bochum // Sternenhintergrund © crimson, fotolia.de

Bilder Pinguine © Zoo Osnabrück / Pinguin tauchend © iwoshek, fotolia.de // Hintergrund © Byelikova Oksana, fotolia.de

So liegt auch das Verbreitungsgebiet der

Humboldt-Pinguine weit abseits des

Südpols. Es erstreckt sich von Chile bis

Peru, entlang der Westküste Südamerikas.

Ihren Namen haben die Humboldt-Pinguine

von der gleichnamigen

Strömung, die entlang der Pazifikküste

verläuft: Dem Humboldt-Strom.Dieser

ist allerdings alles andere als warm,

er ist sogar zehn Grad kälter als der offene

Ozean. Doch wie halten sich die

Humboldt-Pinguine da warm? Dafür

haben sie einige „Tricks“ auf Lager: Eine

dicke Fettschicht isoliert ihren Körper.

Außerdem können sie unter Wasser

Stoffwechsel und Herzschlag herunterfahren.

Um zusätzlich Wärme zu

sparen, werden dann nur Herz, Augen

und Gehirn gut durchblutet. Beachtlich,

was dieser kleine Körper – Humboldt-

Pinguine sind gerade mal knapp 70 Zentimeter

groß und um die 5 Kilogramm

schwer – alles leisten kann.

Auf den ersten Blick sehen

Humboldt-Pinguine alle

gleich aus: dunkler Rücken,

dunkle Flügel und helle Brust.

Doch bei näherer Betrachtung

der Osnabrücker Pinguine

Kolonie fällt auf: Ob

Anton, Merle, Dörthe,

Ole, Piet oder Melli

– jeder trägt ein

individuelles

G e f i e d e r

mit unterschiedlichem

Punktemuster

auf Brust und Bauch.

Warum können Pinguine

besser tauchen als U-Boote?

„Mama, ist den Pinguinen nicht viel zu warm hier in Deutschland?“ – diese Frage hört man

oft, wenn man im Osnabrücker Zoo vor dem Becken der Humboldt-Pinguine steht. Was viele

nicht wissen: Nur zwei von insgesamt 18 Pinguin-Arten sind waschechte Antarktisbewohner. Der

Großteil lebt auf der Südhalbkugel in gemäßigten Zonen der Erde.

So können Tierpfleger sie dann doch

unterscheiden. Sicherheitshalber tragen

die Osnabrücker Pinguine zur Identifizierung

noch verschiedenfarbige Ringe

an den Flügeln. Taucht ein Pinguin ab,

muss er dafür kaum Kraft aufwenden.

Wegen seiner massiven Knochen ist

sein Auftrieb sehr gering, womit er drei

Mal weniger Wasserwiderstand hat als

ein modernes U-Boot. Unter Wasser

erreichen Pinguine eine Geschwindigkeit

von bis zu 36 Kilometern pro Stunde.

In bis zu 60 Metern Tiefe sind die Raubtiere

auf der Jagd nach Tintenfischen,

Krebsen und Fischen aller Art. Pro Tag

benötigen sie ungefähr 500 Gramm

davon. Sind sie gut genährt, kann die

isolierende Fettschicht ein Drittel ihres

Körpergewichtes ausmachen. Das erklärt,

warum sich der Name Pinguin –

zugegeben wenig schmeichelhaft – vom

lateinischen Begriff „pinguis“ ableitet,

was mit dem Wort „fett“ übersetzt wird.

Lieben Pinguine nur einmal?

Pinguine leben in Kolonien. Die

Kolonie im Zoo Osnabrück besteht

derweil aus 20 Humboldt-Pinguinen,

elf Männchen und zehn Weibchen.

Innerhalb ihrer Gruppe finden

sich die Tiere früher oder

später zu Paaren zusammen. Mit

etwa vier Jahren sind sie geschlechtsreif.

Nach der Paarungszeit legen die

Pinguin-Weibchen bis zu zwei Eier, die

sie dann 42 Tage ausbrüten. Den Pinguinen

wird eine lebenslange Treue zu

ihrem einmal gewählten Partner nachgesagt.

Doch so romantisch diese Vorstellung

auch klingt: Während das Weibchen

das Ei wärmt, vertreibt sich so mancher

Pinguinmann die Zeit mit einem

anderen Weibchen.

Wer gefährdet Pinguine?

Der Humboldt-Pinguin ist einer der

seltensten Pinguin-Arten. Leergefischte

Meere, unkontrollierter Tourismus,

Guano-Abbau in den Brutkolonien sowie

Pinguine als Köderfleisch: All das

sorgt dafür, dass die Tierart mittlerweile

von der Weltnaturschutzorganisation

als gefährdet eingestuft wird. In der

Wildbahn werden Pinguine bis zu 30

Jahre alt. Leben sie in Zoos, können sie

dank der guten Versorgung sogar das 36.

Lebensjahr überschreiten. | Anna Nuxoll

36

37


NATUR & UMWELT

Entdecken Sie neue Wohn(t)räume!

Panoramafoto des Alfsees von der Überlaufschwelle

Können 2,1 km² eine ganze Region schützen?

Die Region rund um Osnabrück blieb von den letzten Hochwassern weitestgehend verschont.

Dass ein vermeintlich kleiner Fluss wie die Hase eine Bedrohung darstellt, ist für

viele ohnehin unvorstellbar.

Clevere Schranklösungen. Vom klassischen Schwebetüren- oder

Drehtürenfunktionsschrank über passgenaue Einbauschränke

bis hin zu individuellen Schrägenlösungen werden Sie in der

KLUSO Möbelgalerie fündig!

Aus der original

Sansibar-Kollektion

Jetzt neu

im Sortiment!

Kult-Boxspringbett in

Strandkorb-Optik.

Holen Sie sich ein Stück Insel-Atmosphäre in Ihr Schlafzimmer!

Individuelle Wünsche erfüllen! Die hochwertigen

Raumteiler, Einbau- und Kleiderschränke von der

KLUSO Möbelgalerie lassen sich einfach Ihren

individuellen Räumlichkeiten anpassen - und das

absolut maßgenau.

Karte © NLWKN // Bilder Alfsee © Bianca Land

Vor der Fertigstellung des Alfsees im

Jahr 1989 war es für die Menschen in

der Region jedoch Realität, dass der

Fluss über die Ufer stieg und Häuser,

Gärten oder Acker überflutete. Dies

betraf vor allem die Ortschaften

Bersenbrück, Badbergen und Quakenbrück

im nördlichen Landkreis

Osnabrück sowie Essen (Oldb.) im

Landkreis Cloppenburg. Erst der Bau

einer Umleitung, mündend im Hochwasserrückhaltebecken

Alfhausen-Rieste

(HWR A-R) des Alfsees, verschaffte

Abhilfe und konnte so die Region vor

dem möglichen Hochwasser schützen.

„Aus der Hochwasserwelle in der

Hase wird über das Verteilerbauwerk

in Sögeln ein Teil des Wassers aus dem

Fluss entnommen und im Hauptbecken

´geparkt´. Nachdem die Pegelstände

wieder gesunken sind, wird das

gestaute Wasser kontrolliert wieder

in die Hase abgegeben“, erklärt Ralf

Jaspers vom Niedersächsischen Landesbetrieb

für Wasserwirtschaft, Küstenund

Naturschutz.

Ist der Hochwasserschutz durch

das Naherholungsgebiet gefährdet?

Vor allem durch die Wasserskianlage

und den prämierten Campingplatz hat

der Alfsee in den vergangenen Jahren

immer mehr an Popularität gewonnen,

aber auch bei Radfahrern und

Spaziergängern ist das Gebiet beliebt.

Ralf Jaspers weiß jedoch, dass „weder

Naherholung, noch Tourismus oder

das Naturschutzgebiet einen negativen

Einfluss auf das Rückhaltebecken

haben.“ Der See kann also für einen

Spaziergang oder auch eine Radtour

genutzt werden, ohne dass dies

die Funktion der Deiche beeinflusst.

Jaspers stellt aber auch klar, dass im

Fall eines Hochwassers Freizeitinteressen

zurückstehen müssen. Zu einem

sogenannten Vollstau sei es lediglich

einmal, im Jahr 1998, gekommen. Naturliebhaber

müssen also nicht befürchten,

dass es im Naherholungsgebiet zu

dauerhaften Einschränkungen kommt.

Schutz für den Hochwasserschutz?

Mit einer Wasseroberfläche von

2,1 km² im Hauptbecken, einer

Fläche von 1,23

km² im Reservebecken

und einem

Speicherraum von

insgesamt 21 Millionen

m³ Wasser

schützt der Alfsee

eine ganze Region

vor möglichem

Hochwasser.

Damit der Deich

im Falle eines

steigenden

Pegels nicht

undicht wird

und somit eine

Bedrohung für

die umliegenden

Ortschaften

darstellt,

wurden im

Jahr 2008 Bäume rund

um den Deich gefällt. Der Schwächung

des Dammes durch Baumwurzeln

oder durch Nester von Tieren (wie zum

Beispiel Wühlmäusen) sollte dadurch

vorgebeugt werden. Zudem tragen

insbesondere Schafe zur Sicherung der

Deiche bei, indem sie das Gras kurz halten,

die Grasnarbe festtreten und düngen.

| Bianca Land

Öffnungszeiten:

Mo., Mi., Do., Fr. 15.00 - 18.30 Uhr,

Di. geschlossen, Sa. 10.00 - 13.00 Uhr

Jeden 1. Sonntag im Monat

Schautag von 14.00 - 17.00 Uhr!

Höhenweg 22e · 49170 Hagen a.T.W.

Telefon: 0 54 01 / 99 500

www.kluso-moebelgalerie.de

www.facebook.de/klusomoebelgalerie

Bilder der Überlaufschwelle

39


SPORT & GESUNDHEIT

- Anzeigensonderseite -

Herz-Kreislauf-Stillstand:

Wer organisiert die Rettungskette?

Die Zahlen sind dramatisch: Pro Jahr sterben hierzulande 80.000 bis 100.000

Menschen an einem Herz-Kreislauf-Stillstand – er gehört damit zu den

häufigsten Todesursachen in Deutschland. Patienten, die erfolgreich

reanimiert wurden, können allerdings auf professionelle Hilfe und damit auf

Genesung hoffen. Am Klinikum Osnabrück hat sich das „Cardiac Arrest

Center“ (CAC), ein interdisziplinäres Experten-Netzwerk, auf die Bildung

einer erfolgversprechenden Rettungskette spezialisiert.

Warum

streikt

das Herz?

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand

kann

viele Ursachen haben.

Neben Erkrankungen des Herzens

wie der koronaren Herzkrankheit mit

akutem Herzinfarkt, der schweren

Herzinsuffizienz oder der Herzrhythmusstörung

können auch Lungenembolien

oder Risse in der Hauptschlagader

für den lebensgefährlichen Ausfall

verantwortlich sein. „Außerdem führen

neurologische Notfälle, wie etwa

intrazerebrale Blutungen, aber auch

septische Schocks unter bestimmten

Umständen zum Herz-Kreislauf-Stillstand“,

erläutert Oberärztin Christine

Bachour vom Klinikum Osnabrück.

Um den Betroffenen gezielt helfen zu

Bilder © Klinikum Osnabrück // Mann mit Frau am Boden © Gina Sanders, fotolia.de // Mann mit Herzproblemen © Bits and Splits, fotolia.de

können, muss auf die ärztliche

Diagnose schnell eine individuelle

und effektive Therapie

folgen. Im „Cardiac Arrest

Center“ arbeiten Ärzte unterschiedlicher

Disziplinen und

das Fachpflegepersonal deshalb

Hand in Hand. Sie gewährleisten

koordinierte Abläufe zur Sicherung

einer reibungslosen Rettungskette – und

das rund um die Uhr. Vorrangiges Ziel

des CAC ist der größtmögliche Zeitgewinn:

Nach der Erstversorgung werden

ohne Verzögerung die notwendigen

diagnostischen und therapeutischen

Maßnahmen eingeleitet.

Wie arbeitet das Netzwerk?

Das Basisteam des CAC besteht aus

einem Kardiologen, Neurologen, Anästhesisten

und dem Fachpflegepersonal der

Anästhesie und des Notaufnahmezentrums.

Die Leitung obliegt dem Kardiologen,

alle Aufgaben sind klar zugewiesen.

Der kardiologische Notfall ist nach wie

vor die häufigste Ursache für das kritische

Bild des Herz-Kreislauf-Stillstands. Dem

Herzzentrum Osnabrück-Bad Rothenfelde

kommt deshalb eine Schlüsselrolle zu,

denn hier ist eine Notfalltherapie 24 Stunden

lang garantiert.

Die neurologische Klinik bietet gemeinsam

mit der Neuroradiologie und Neurochirurgie

das gesamte Spektrum der

Versorgung des neurologischen Notfalls.

Die frühzeitige Prognoseeinschätzung

wird durch den Neurologen bei jedem

erfolgreich reanimierten Patienten durchgeführt.

Die Klinik der Anästhesie ist

im CAC - vor allem in der akuten Phase

- für die sichere Beatmung, die Schmerzausschaltung

und die Beruhigung des

Patienten verantwortlich, den sie bis zur

Übergabe auf der Intensivstation begleitet.

Auf den spezialisierten Stationen für

internistisch-konservative, neurologische

und operative Intensivmedizin erfolgt

die weiterführende Behandlung durch

ein eingespieltes, erfahrenes Team aus

Medizinern und Fachpflegepersonal mit

modernster technischer Ausstattung.

Was meldet das rote Telefon?

Die Ankündigung eines Patienten, der

außerhalb der Klinik reanimiert werden

konnte, erfolgt über das sogenannte „rote

Telefon“. Die ersten Daten und Informationen

werden protokolliert, dann erhält

das CAC-Team einen Gruppenruf über

die mobilen Telefone. Alle Ärzte und

Pflegekräfte finden sich daraufhin zügig

im „Schockraum 2“ ein. Nun werden

die standardisierten Vorbereitungs- und

Prozessabläufe gestartet, um nach der

Übernahme des Patienten vom Rettungsdienst

die eintrainierte Erstversorgung

abzuwickeln. Patienten, die innerhalb der

Klinik reanimiert wurden, betreut das

REA-Team der Anästhesie. Es setzt sich

mit dem Kardiologen und dem Neurologen

des CAC-Teams in Verbindung, um

das weitere diagnostische und therapeutische

Vorgehen gemeinsam festzulegen.

| Redaktion

WISSEN KOMPAKT

FORTBILDUNG IM

EXPERTENNETZWERK

Alle CAC-Teammitglieder nehmen

an regelmäßigen Trainingseinheiten

teil. Geschult werden vor allem

fachliche und kommunikative

Fähigkeiten sowie die Patientenversorgung

in Stresssituationen.

Außerdem arbeitet das Klinikum

an einem umfassenden Management-

und Statistik-Tool, um die

Sicherheit und Qualität aller Maßnahmen

weiter zu optimieren.

Klinikum Osnabrück GmbH

Am Finkenhügel 1 · 49076 Osnabrück

Telefon: : 0541 405 0 · Fax: 0541 405 4997

E-Mail: info@klinikum-os.de

www.klinikum-os.de

40 41


SPORT & GESUNDHEIT

FÜR GRUPPEN

AB 6 PERSONEN

AB 6

GEHT’S

RUND

Sie trifft sich jeden Montag

und Donnerstag in den

Abendstunden auf dem

alten Kasernengelände in

Eversburg – wie passend

für diese Sportart. Nicht

nur wegen der Intensität

des Aufwärmens, sondern auch aufgrund

ihrer Herkunft. Indianische Völker an der amerikanischen

Ostküste „spielten“ Lacrosse bereits vor Jahrhunderten zur

Kriegsvorbereitung. Heute wird es ausschließlich als Vereinssport

betrieben.

Wie kam Lacrosse nach Osnabrück?

Christopher Jahn organisiert seit 2012 die Lacrosse-Teams in

Osnabrück. Neben einer Herren- gibt es auch eine Damenmannschaft.

Die Herren spielen in der Zweiten Bundesliga Nord

und müssen ihre Auswärtsspiele aufgrund der noch geringen

Popularität im weiten Raum zwischen Göttingen und Kiel bestreiten.

Damit auch die Damen teilnehmen können, werden

für gewöhnlich Spielgemeinschaften gebildet. Die Osnabrücker

Wie hart sind Peacekeeper?

„Über den Zaun, drunter durch, dann Sonnenanbeter, fünf

Liegestütze, locker hin, fünf Strecksprünge und Sprint zurück!“

Was klingt wie militärische Befehle, ist das Aufwärmprogramm der

einzigen Lacrosse-Mannschaft Osnabrücks.

Lacrosse-Damen stellen mit Braunschweig aber auch eine

Mannschaft in der Zweiten Bundesliga. Bunt gemischt sind

beide Teams. „Schüler, Studenten und Ausstudierte“, nennt

Magnus Piete diese Konstellation. Er selbst steckt gerade in der

Examensvorbereitung seines Jura-Studiums. Die Idee, Lacrosse in

Osnabrück zu spielen, hat Chris aus seinem vorherigen Studienort

mitgebracht. In den USA stellt fast jede Universität und jede

Großstadt ein Lacrosse-Team. Der Nord-Osten der USA und die

teuersten Universitäten wie Princeton und Duke geben hier den

Ton an. In Amerika gilt das Spiel, das es 1904 und 1908 sogar ins

olympische Programm schaffte, deshalb als „Sport der Reichen“,

was (neben der Popularität) der

Bilder © Photodesign by Sandra Meyer // Schläger © MIchelle Chrin , fotolia.de

mit Abstand größte Unterschied zur

deutschen Variante ist.

Wie wird gespielt?

Jedes Team besteht aus neun Feldspielern

und einem „Goalie“ (Torwart) und

versucht, den 140 Gramm schweren

Hartgummiball im Tor der gegnerischen

Mannschaft unterzubringen. Die

Tore sind etwas kleiner und niedriger

als ein Handball-, aber etwas größer

und breiter als Icehockey-Tore. Die Zone

hinter den Toren darf bespielt werden,

außerdem gibt es einen „Stick“, mit

dem der Ball in einem kleinen Netz am

Schlägerende aufgenommen, gepasst

und als Torschuss geworfen werden

kann. Mit dem Ball im Netz des Schlägers

zu laufen, erfordert großes Geschick.

„Es ist so, als würde man wie beim Eierlaufen

ein Ei auf einem Löffel balancieren.

Nur das dir gleichzeitig noch jemand auf

den Löffel schlägt und du geschubst und

umgerannt wirst“, erklärt Christopher.

Nicht umsonst müssen Anfänger zuerst

das Laufen mit dem Ball lernen. Der

sogenannte „Cradle“ ist das koordinative

Schlüsselelement des Sports.

Woher kommt der Name

„Peacekeeper“ (Friedenshüter)?

„Der Sport lebt von Anglizismen und

jede Mannschaft hat einen amerikanischen

Namen. Durch die soldatische

Herkunft des Sports und die Bekanntheit

von Osnabrück als Friedensstadt,

hat sich der Name somit recht einfach

abgeleitet“, erläutert Magnus Piete.

Genau wie Soldaten tragen die Spieler

Helme bzw. eine Gesichtsmaske,

außerdem Brust- und Rückenprotektoren,

einen Tiefschutz, gepolsterte Handschuhe

und spezielle Stollenschuhe, mit

denen auf Kunstrasen gespielt wird.

„Das was Hockeyspieler am Boden machen,

machen wir in der Luft und zwar

cooler. Bücken kann sich schließlich

jeder“, meint Pauline (23) und zeigt dabei

lachend ihren Mundschutz. Seit kurzem

wird man in Eversburg dem Namen „Peacekeepers“

noch gerechter. In der Nähe

des Platzes ist ein afghanischer Flüchtling

untergebracht. Ein Sponsor sorgte

für eine Ausrüstung, damit er zukünftig

am Training und später am Spielbetrieb

teilnehmen kann. Christopher Jahn ist

auf diese Aktion besonders stolz, da sein

Sport so einen kleinen Beitrag zur Integration

von Geflüchteten leisten kann.

| Jonathan Hafkemeyer

WISSEN KOMPAKT

MITMACHEN?

Trainiert wird am Montag und

Donnerstag (20.00-21.30 Uhr) auf

dem Hockeyplatz des Kasernengeländes

in Eversburg. Interessenten

sind herzlich willkommen.

Leihausrüstung gibt es vor Ort.

NUR

15

PRO PERSON

FREIER

EINTRITT

BEGRÜSSUNGS-

DRINK

ROULETTE-

SPIEL-

ERKLÄRUNG

mit Probespiel

JETONS

im Wert von

10 €

AM 01.08.2016 IN

OSNABRÜCK GEKNACKT!

1.325.065 €

Herzlichen Glückwunsch!

Theodor-Heuss-Platz 6–9

Tel. 0541 33546-0

www.spielbank-osnabrueck.de

42

Ab 18 Jahren. Ausweispflicht. Suchtrisiko.

Infos unter: www.spielbanken-niedersachsen.de


HINTER DEN KULISSEN

HINTER DEN KULISSEN

Wer zaubert auf 48 Quadratmetern?

Seit 16 Jahren begeistert das „GOP“ sein Publikum mit Aufsehen erregenden Show-Events und

Künstlern aus aller Welt. Auch im Osnabrücker Land hat das Varieté-Theater viele Freunde, die

im ehemaligen Kurhaus von Bad Oeynhausen einen besonderen Abend genießen möchten.

Schon der gepflegte Kurpark, an dessen

Rand sich der historische Kuppelbau

erstreckt, gibt einen ersten Eindruck

des Ambientes. Die Räumlichkeiten des

Gründerzeitbaus stehen diesem in nichts

nach: Stuckarbeiten an den Decken,

stilvolle Gestaltung der Gastronomiebereiche

sowie eine Bühne, die Teil

eines Historienfilms sein könnte. Vor

der Bühne finden 354 Gäste an größeren

und kleineren Tischen Platz. Sie

können während der gesamten Show

bewirtet werden, denn bei den 170 GOP-

Mitarbeitern sitzt jeder Handgriff.

Angefangen bei der Technik über die

Darsteller bis hin zum Küchenpersonal

weiß jeder genau, was zu tun ist. Die

Bühne, welche baubedingt mit gerade

einmal 48 Quadratmetern auskommt,

stellt höchste Ansprüche an die

Künstler. Ein Blick hinter die

Kulissen offenbart, dass auch hier

kaum Platz vorhanden ist. Wir

sehen eine Akrobatin, die sich hinter

geschlossenem Vorhang auf der Bühne

dehnt. Über ihr hängt der Luftring

in ca. 5 m Höhe, neben ihr steht eine

Poledance-Stange, die später noch zum

Einsatz kommen soll. In einem kleinen

Vorraum, der zugleich als Garderobe,

Aufenthaltsraum und Lager dient,

wärmen sich einige ihrer Kollegen

auf. Auf die Frage, wie hier auch noch

Requisiten und Kulissen reinpassen

sollen, gibt Anke Hartwig, die

Pressesprecherin des GOPs, schmun-

WISSEN KOMPAKT

WAS BEDEUTET GOP?

Das erste GOP hatte seinen

Ursprung in Hannover, wo sich

Anfang der 1920er Jahre das

„Café-Restaurant Georgspalast“,

kurz GOP, einen überregionalen

Ruf als Veranstaltungszentrum

erwarb. Die Erfolgsgeschichte

ging weiter. Im Jahre 2000 wurde

das GOP in Bad Oeynhausen als

drittes Haus eröffnet und zog

nach einigen Umbaumaßnahme

in die Räumlichkeiten des ehemaligen

Kurhauses ein. Aktuell

gehören sieben Häuser zur GOP

Entertainment Group.

Bilder © Sina-Christin Wilk, GOP // Rauch Hintergrund © rangizzz, fotolia.de

zelnd zurück: „Das muss passen!“ Der

Profi macht aus der Not eine Tugend -

und das bei bester Laune, wie die

freundliche Begrüßung eines Darstellers

am Bühneneingang beweist.

Gerade dieser Platzmangel sorgt also

für außergewöhnliche Showeinlagen

und ein einzigartiges Zusammenspiel

aller Komponenten. Jährlich begeistern

mehr als 75 internationale

Artisten gut 150.000 Gäste mit ihren

Auftritten: Einem bunten Potpourri

aus Tanz, Comedy sowie akrobatischen

und musikalischen Einlagen,

die allesamt unter dem Motto des

jeweiligen Show-Konzeptes stehen.

Wer gestaltet die Show-Konzepte?

Unter dem Dachverband des Unternehmens,

der GOP Entertainment

Group, ist seit 2005 die Agentur

„showconcept“ für die Programmplanungen

in allen GOP-Häusern

zuständig. Nach der Erstellung einer

Grobplanung werden für die jeweilige

Show weltweit Künstler gebucht,

welche dann gemeinsam die Details

ausarbeiten. So darf jeder seine ganz

eigene stilistische Signatur hinterlassen.

Eine zeitaufwendige und

anspruchsvolle Geschichte: Bereits

1,5 bis 2 Jahre im Voraus werden

neue Ideen entwickelt. Sechs verschiedene

Shows finden pro Jahr mit

Aufführungen an mehreren Abenden

der Woche statt. Die Proben können,

wie bei Künstlern berufsbedingt

üblich, zumeist erst kurz vor der Premiere

beginnen. Anpassungen für die

jeweilige Bühne erfolgen auch erst

zeitnah. Die Techniker überwachen

ihrerseits den Ablauf der Show im

Kaiserpalais von oben. So können sie

augenblicklich reagieren, falls es zu

unerwarteten Zwischenfällen kommt.

Der Besucher bekommt hiervon in der

Regel nichts mit. Bisher sei noch nie

etwas Schlimmes passiert, es kam nur

gelegentlich zu Ausfällen von Scheinwerfern,

weiß einer der Techniker zu

berichten. Dennoch ist für die Verantwortlichen

die Dauer der Vorstellung

stets eine brisante Zeitspanne.

Wie lässt man den Abend enden?

Nach Veranstaltungsende klingt

der Abend für viele Gäste und

Mitarbeiter in einem der gemütlichen

Gastronomiebereiche oder bei einem

Glas Wein auf der Terrasse aus. Das

jüngere Publikum zieht es häufig noch

in den angeschlossenen Dance Club

Adiamo. | Sina-Christin Wilk

varieté-theater

Kaiserpalais Bad Oeynhausen

Im Kurgarten 8

32545 Bad Oeynhausen

Tel.: 05 73 1 / 74 48-0

www.variete.de/spielorte/

bad-oeynhausen/

45


KUNST & KULTUR

KUNST & KULTUR

Wohin mit dem Freiheitsdrang?

Vergessene Bücher (3): Gabriele Reuters Roman „Aus guter Familie.

Leidensgeschichte eines Mädchens“

Nicht nur für Thomas Mann war Gabriele Reuter „vielleicht die souveränste Frau, die heute in Deutschland lebt“. Ihr

1895 erschienener Roman „Aus guter Familie“ erreichte bis 1931 insgesamt 28 Auflagen und auch „Ellen von der

Weiden“ (1900), „Der Amerikaner“ (1907) oder die Novellensammlung „Frauenseelen“ (1901) wurden zu viel diskutierten

Bestsellern. Bis heute flackert das Interesse an ihrem außergewöhnlichen Werk immer wieder auf – doch dem breiten

Lesepublikum ist Gabriele Reuter schon seit langem kein Begriff mehr.

Was will die höhere

Tochter?

So richtig weiß es

Agathe, die Tochter

des sittenstrengen

Regierungsrats

Heidling, wohl selber

nicht. Sie ahnt,

dass ihr Leben etwas

mit Freiheit

und Selbstbestimmung

zu tun haben

sollte,

aber die literarischen

M u s t e r ,

die sie

sich aus den Büchern von Georg

Herwegh oder Lord Byron herausgelesen

hat, taugen nicht für

die starren Geschlechterrollen

im Wilhelminischen Kaiserreich,

die der Vater unablässig propagiert.

Gabriele Reuter schickt die

Heldin ihres Romans auf eine Reise,

in deren Verlauf sie in immer

härtere Konflikte mit Eltern, Freunden

und Verwandten, gesellschaftlichen Normen,

erotischen Phantasien, religiösen

und politischen Heilslehren gerät. Agathe

spürt, dass ihr innerer Kompass sie weiter

und weiter von dem Weg entfernt, der

ihr in dem Erbauungsbuch „Des Weibes

Leben und Wirken als Jungfrau, Gattin

und Mutter“ vorgezeichnet werden sollte.

Sie lotet neue Aufgaben und Ziele aus und

ist doch unfähig, die Umklammerung der

bürgerlichen Welt dauerhaft zu durchbrechen.

Ihr Vetter Martin bietet sich mehrfach

als erfolgversprechender Fluchthelfer

an, doch im Laufe der Jahre wird aus

dem sozialistischen Agitator ein zynischer

Lebemann. Er versteht sich am Ende

beunruhigend gut mit dem Vater, der

Agathes Leben durch Ausgeh-, Lese- und

Denkverbote zu kontrollieren versucht.

In einem letzten, verzweifelten Ausbruch

geht Agathe auf ihre erfolgreicher funktionierende

Schwägerin los und landet in

einer Nervenheilanstalt. Der Roman endet

in stiller Verzweiflung:

Wer war „die souveränste

Frau“ Deutschlands?

Der Roman „Aus guter Familie“ machte

seine Autorin über Nacht berühmt. Die

1879 in Alexandria geborene Gabriele

Reuter war seit Jahren literarisch aktiv,

fand aber erst im Umkreis der deutschen

Naturalisten ihren unverwechselbaren

Tonfall und ihr großes Thema: Die

Analyse der Geschlechterrollen in der

modernen Gesellschaft. 1897 brachte sie

ihre uneheliche Tochter Lili zur Welt - die

schwierige Situation einer alleinstehenden

Schwangeren schilderte sie später in dem

skandalumwitterten Buch „Das Tränenhaus“

(1908). Zu dieser Zeit lebte Gabriele

Reuter bereits in Berlin, wo sie zahlreiche

Romane, aber auch Novellen, Kinder- und

Jugendbücher, Essays und journalistische

Texte veröffentlichte. Mit der bürgerlichen

Frauenbewegung teilte sie viele

Gemeinsamkeiten, bezog aber immer wieder

eigene Positionen. So heißt es in der

Schrift „Liebe und Stimmrecht“: „Wir erstreben

nicht ein feministisches Zeitalter

an Stelle des maskulinen

Zeitalters. Es geht

bei der Erlangung des

Frauenstimmrechts

überhaupt nicht

um Machtfragen,

sondern um gemeinsame

Entwicklungsfragen.“

Ihr souveräner

Schreibstil und

die tiefenpsychologische

Ausdeutung ihrer

Figuren verschafften

ihr nicht nur ein

Bilder © wikimedia.org

großes Publikum, sondern auch den

Respekt bedeutender Zeitgenossen.

Reuters Werke vermittelten „die besten

Einsichten in das Wesen und die

Entstehung der Neurosen“, meinte kein

Geringerer als Siegmund Freud. Trotzdem

geriet Gabriele Reuter schon zu Lebzeiten

immer mehr in Vergessenheit. Sie starb

am 16. November 1941 in Weimar. Erst

vier Jahrzehnte später, im Zuge gezielter

Forschungen nach Werken weiblicher

Autoren um die Jahrhundertwende, geriet

sie wenigstens wieder in den Fokus der Literaturwissenschaft.

So konnte 2006 eine

neue zweibändige Werkausgabe des Romans

„Aus guterFamilie“ im Verlag Literatur

Wissenschaft.de (TransMIT) erscheinen.

Wann wurde die Frauenfrage

in Osnabrück gestellt?

Die Gleichberechtigung der Geschlechter,

das uneingeschränkte Wahlrecht für

Frauen und der freie Zugang zu Bildungsinstituten

- diese Forderungen wurden in

der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

immer lauter. Nach der Gründung des

„Allgemeinen Deutschen Frauenvereins“

(Leipzig 1965) entstanden in vielen

deutschen Städten Vereine und Interessengruppen,

die sich für die Rechte von Frauen

einsetzen. In Osnabrück waren zum

Beispiel der 1890 gegründete „Osnabrücker

Die Weinwirtschaft hat sich frisch gemacht und präsentiert sich

mit neuer Farbe und moderner Showküche.

Lassen Sie sich von der lockeren Atmosphäre weiterhin in den

Bann ziehen und erleben Sie kulinarische Vielfalt und herzliche

Gastlichkeit.

Reservierung unter Tel. +49 541 6096-628

Lehrerinnenverein“ und seit 1904 auch

der Verein „Frauenbildung-Frauenstudium“

aktiv. Letzterer entwickelte sich aus

dem „Frauenverein Reform“, den Hedwig

Kettler (1851-1937) bereits 1888 ins Leben

gerufen hatte. Die Frauenrechtlerin und

Bildungsreformerin, die entscheidenden

Anteil an der Gründung der ersten deutschen

Mädchengymnasien hatte, verbrachte

einen Teil ihrer Kindheit in Osnabrück.

| Thorsten Stegemann

WISSEN KOMPAKT

REUTER LESEN

Die Unibibliothek Osnabrück führt

mehrere Titel von und über Gabriele

Reuter, u.a. den Roman „Aus

guter Familie“ in der 8. Auflage

des Jahres 1899. Die zweibändige

Werkausgabe des Verlags LiteraturWissenschaft.de

ist im Buchhandel

erhältlich (Bd.1: 14,90 €,

Bd.2: 19.90 €). Reuters Werke werden

auch als kostenlose eBooks

angeboten, allerdings oft in

schlecht edierten oder gekürzten

Fassungen.

Alles glänzT so

schön neu – und

sie miTTendrin!

Neue Reuter-Biografie

46

Gabriele Reuter

im Steigenberger Hotel Remarque . Natruper-Tor-Wall 1 . 49076 Osnabrück

Tel. +49 541 6096-628 . tägl. 6.30 bis 23.00 Uhr . www.weinwirtschaft-osnabrueck.de

Geschäftsanschrift: arcona Hotel GmbH · Steinstr. 9 · 18055 Rostock


KUNST & KULTUR

Was macht Oma in Osnabrück?

Angst vor Opern? Was hat die Musik eigentlich mit der Handlung zu tun? Und verstehe ich den

Inhalt überhaupt? Keine Panik! Nicht verzagen - Oma fragen! Ab Mitte September kommt sie

wieder regelmäßig in den Osnabrücker Ledenhof.

LICORNE BLACK ist eine charakterstarke und cremig dunkle Bierspezialität, welche

zunächst eine fruchtige Note aufweist, dann nach und nach Noten von Karamell und

Kaffee entfaltet und dabei angenehm herb im Geschmack bleibt.

Feines Caravienne Malz sorgt für die satte dunkelrubinrote Farbe, das intensive

Röstmalzaroma und macht den Schaum so verführerisch zart.

Die französische Bierspezialität eignet sich hervorragend zum Aperitif und auch

Fleischgerichte, Käseplatten und Schokoladendesserts werden durch diese dunkle

französische Verführung abgerundet.

Bild Richard Vardigans © Sabine Rentzsch // Plakat © Oper mal anders // Notenblätter © Pixelot, fotolia.de

Wer ist Oma?

Oma steht für „Oper mal anders“, erklärt

Richard Vardigans. Der gebürtige Engländer

aus Kent studierte Musikwissenschaft,

Dirigieren sowie Klavier und arbeitete

als Kapellmeister, Chordirektor und

Chefdirigent an verschiedenen europäischen

Opernhäusern, u.a. auch einige

Jahre am Theater Osnabrück. Seit 2005

wohnt er in Dresden und ist sein eigener

Chef. Seine Soloperformances mit Klavier

sind musikalische Opernreisen der Extraklasse.

Was kündigen drei Halbtöne an?

Sie deuten an, „es wird bedrohlich“.

Gebannt hängt das Auditorium an

den Lippen und der Mimik Vardigans.

Seine Hände tanzen virtuos über die

Tasten des schwarzen Flügels im Renaissance-Saal

des Ledenhofs. Sein Thema

heute Abend: Die Oper „Eugen Onegin“ von

Tschaikowski. Die drei Halbtöne sind

eingebettet in den frivolen Tanz des Onegin

mit Olga, der Geliebten seines besten

Freundes Lenski. Der Streit zwischen Onegin

und Lenski ist nicht mehr zu vermeiden.

„Sie singen versetzt, die Freundschaft

ist passé“, kommentiert Vardigans den

Fortgang der Geschichte. Am Ende

singen die beiden für eine kurze Sequenz

zusammen, „ein letzter Funken Hoffnung

auf Versöhnung“, der dann aber unerfüllt

bleibt. Im anschließenden Duell erschießt

Onegin seinen Freund Lenski.

Wie macht Oma das?

Im Veranstaltungssaal herrscht entspannte

Salonatmosphäre. Der schwarzeFlügel

steht vor dem Kamin, das Auditorium

sitzt im Halbkreis drum herum. Das

Klima ist geradezu familiär, fast schon

privat. Distanz zwischen Vardigans und

seinem Publikum? Fehlanzeige. Der

Opernkenner steigt ohne viele Umwege

direkt in das Geschehen ein. Gekonnt

lässt er die Stimmung auf dem russischen

Landsitz entstehen. Seine verständliche

Präsentation gleitet nie ins Banale ab, er

nimmt Komponisten und Texter genauso

wie die Musik und die Handlung sehr

ernst. Pointiert aber dort, wo ein Laie die

Zusammenhänge womöglich nicht ganz

verstehen würde.

Wo bleibt die Angst vor Opern?

„Fallende Halbtöne stehen für Melancholie“

sagt Vardigans. Virtuos charakterisiert

er die aufgewühlten Seelen, ihre

Gefühle, ihre Seufzer („fallende Quinten“).

Er beschreibt, zitiert und kommentiert

die Handlung, ihre Akteure und Motive.

Seine Mimik illustriert die musikalischen

und sprachlichen Ausführungen aufs

Vortrefflichste. Der sehr amüsante, spannende

und interessante Abend ist eine wohl

dosierte Mischung aus Wort, Musik und

Mimik. Unvergesslich. „Let’s talk about

Opera!“ Das begeisterte Publikum lässt

sich nach der Veranstaltung nicht lange

bitten und nach einer derart gelungenen

Präsentation fassen einige Gäste auch

gleich einen Besuch im Osnabrücker

Theater ins Auge. Die Angst vor der Oper

ist der Freude an der Musik und den

Geschichten gewichen. | Yörn Kreib

Richard Vardigans bietet auch

individuelle Programme für Schulen an.

Tel.: 01 71-4 48 86 32

www.talking-about-opera.de.

Karten für die Veranstaltungen in

Osnabrück bei der Tourist Information:

Bierstr.22/23, Tel.: 0541-3232202

www.karlsberg.de/produkte/licorne-black

49


KUNST & KULTUR

KUNST & KULTUR

Der Garten vor der

malerischen Kulisse

des Schlosses war kaum

wiederzuerkennen. Wo vorher

grüner Rasen zum Verweilen einlud,

standen jetzt Tonnen von Technik.

Überall Kabel, ein riesiges Bühnenequipment

und fleißige Hände, wohin

man blickte. Vor dem Hintergrund der

enormen Technik, der vielen Fahrzeuge

und der vermehrten Besucherzahl

in diesem Jahr, musste das Grün des

Schlossgartens geschützt werden. Kein

Fahrzeug über 7,5 Tonnen befährt die

Wiese – so viel war sicher. Doch konnte

das bei insgesamt 10 Kilometern Kabel

für die Infrastruktur und Bühnentechnik

und ca. 40 Tonnen Bühnenkonstruktion

bewerkstelligt werden? 3600

Bodenschutzplatten mit Druckpunkten

verteilten das Gewicht der täglich 12.000

Besucher optimal, sodass der Rasen keinen

Schaden davontrug. Die Produktion

der Bodenplatten ist ebenso günstig

Wer elektrisiert

Schlossgarten?

den

Insgesamt 23.500 Besucher fanden sich Anfang August

im Osnabrücker Schlossgarten ein um zu feiern, zu singen

und Spaß zu haben. Die Friedensstadt durfte in diesem

Jahr zum Schlossgarten Open Air Rea Garvey, Mark

Forster und Cro als Headliner empfangen. Walking On

Cars aus Irland und die Band Vona aus Süddeutschland

standen ebenfalls auf der Bühne.

wie einfach: Weggeworfener

Kunststoffmüll

wird geschreddert und

zu belastbaren Platten

geformt. Ein wahres

Recycling-Wunder! Am

Ende half eine große Hake,

um die Grashalme wieder aufzurichten.

Außerdem durchzog eine

schmale Schwerlaststrecke das Grün, auf

der Fahrzeuge die schwere Technik zu

dem Turm transportieren konnten, von

dem aus Licht und Effekte auf der Bühne

gesteuert wurden.

Wie lange dauerte die

Vorbereitung?

Nach dem Festival ist vor dem Festival!

Füße hochlegen gilt also nicht für das

Veranstalterteam der Goldrush Productions

GmbH, denn sobald ein Open Air

vorbei ist, steigen sie in die Planungen

des folgenden Events ein. So war es auch

2015: Kaum hatten Revolverheld und

Die Fantastischen Vier die Bühne verlassen,

waren die fleißigen Veranstalter

aus dem Rosenhof wieder an der Strippe.

Es dauerte nicht lange, bis Rea Garveys

Management auf Goldrush

Productions zukam. Cros

Management wurde angefragt, aber

auch dieser ließ nicht lange auf sich

warten. Alles in allem waren rund 300

Personen in die Planung und Durchführung

involviert. Von Veranstaltungskaufleuten

über die Produktionsleitung

bis zu den Bühnen-, Ton- und Lichttechnikern,

Caterern mit Koch und Servicekräften,

der Security, den Sanitätern,

der Polizei mit Bombenspürhunden,

der Feuerwehr, zahlreichen Elektrikern,

Bühnenbauern, LKW-Fahrern,

Busfahrern, Gabelstaplerfahrern, Zeltbauern

und natürlich Musikern reichte

die Palette an Beschäftigten. Vor allem

beim Catering wurde auf Regionalität

geachtet. Rea Garveys, Mark Forsters

und Cros Wunsch nach vegetarischem

und veganem Essen wurde erfüllt, Obst,

Nüsse und Ingwer-Tee, der die Stimmen

ölen sollte, standen außerdem bereit.

Die Bühne stellte der Osnabrücker Veranstaltungstechnikdienstleister

Welzel

zu Verfügung und mit Gin 049 konnten

die Besucher Pure Organic Gin aus

Georgsmarien-

Bilder Bodenplatte, Kind mit Mütze, Baugerüst © Kristin Hoffmann // restliche Bilder © Goldrush Productions, Björn Kaisen

Klein, aber ho!

Heimat genießen!

Neu!

49ml Shot

Flasche

hütte probieren. Auch die Sicherheitsmaßnahmen

wurden im Vorfeld

detailliert geplant und an der erwarteten

Besucherzahl ausgerichtet. So konnten

sich die Osnabrücker auf ein fröhliches

und friedliches Festival freuen.

Wer setzte den Schlossgarten

unter Strom?

Am 5. und 6. August schlängelten sich

10 Kilometer Kabel durch den Schlossgarten.

Sie versorgten die Infrastruktur

und die Bühne mit Strom - doch für

die Wasserversorgung der Stände und

des VIP-Bereichs musste außerdem ein

1-Kilometer langer Trinkwasserschlauch

verlegt werden. Die Stadtwerke

Osnabrück stellten eine Stromleistung

von ca. 800 kVA bereit – das entspricht

der Leistung von 220 Haushaltssteckdosen.

Die komplette Versorgung konnte

ohne Hilfe von Dieselaggregaten sichergestellt

werden. 40 Tonnen Bühnenkonstruktion,

die mindestens 20 Tonnen für

weitere Technik im Dach aufnehmen

konnte, wurden mit sechs Sattelauflegern

transportiert und noch einmal zwei

LKWs waren für die örtlich gestellte

Technik nötig. Kein Wunder bei einer

12 Meter hohen und 27 Meter breiten

Bühne. „Man muss sich mit diesem Festival

im nationalen Vergleich keineswegs

verstecken!“, bestätigt Christoph Hengholt

vom Veranstalterteam. Den

Schlossgarten unter Strom setzten auch

die vielen helfenden Hände, die schon

Tage vorher, am Festivaltag selbst und

danach vor Ort waren. Nach dem Ende

des Spektakels wurden in einer Dreiviertelstunde

acht Mülltonnen gefüllt - und

schon sah der Schlossgarten wieder aus

wie neu. Ca. 20.000 Strohhalme und

400 kg Würfeleis wanderten in eiskalte

Cocktails und andere Getränke. Außerdem

waren 22 Zapfhähne notwendig,

um die vielen Besucher mit einem kühlen

Bier zu versorgen.

Welche Künstler kannten

Osnabrück bereits?

Der Tourmanager von Max Giesinger

ist ein Kind der Region - Florian Gahm

kommt aus Bersenbrück. Außerdem

stammt Max´ Band aus dem nur

80 Kilometer entfernten Nordhorn.

Aber auch Giesinger selbst kennt die

Friedensstadt gut. Er war vor einigen

Jahren als Straßenmusiker in Osnabrück

unterwegs. Die Schlossatmosphäre in

Osnabrück hatte es auch Rapper Cro

angetan: Mit seiner Band musizierte er

am Festival-Samstag im Klavierzimmer

des Schlosses. Die Künstler nahmen

aber auch etwas aus der Hasestadt mit:

Mark Forsters Bandkollege Leo konnte

beim Auftritt nicht dabei sein, da er zu

seiner Frau in den Kreissaal musste.

Daher waren die Osnabrücker kreativ

und in Windeseile wurde ein Ersatz

gefunden: Das Modehaus L+T sponserte

spontan eine Schaufensterpuppe namens

Jeff Koch, die die Band auf ihrer weiteren

Tour begleitet. | Kristina Hoffmann

Schaufensterpuppe

Jeff Koch

Bodenschutzplatten

zum Schutz der Wiese

50 51


Wer begleitet Menschen im Andersland?

In einer immer älter werdenden Gesellschaft gehört das Thema Demenz zu den großen

Herausforderungen und Zukunftsaufgaben. Die aktuelle Diskussion konzentriert sich vor allem auf

medizinische und therapeutische Aspekte. Einen anderen, aber nicht minder bedeutenden Ansatz verfolgt

die Diplom-Gerontologin Reinhild Wörheide aus Wallenhorst. Sie beschäftigt sich mit der sozialen

Dimension und hat dabei nicht nur die erkrankten Menschen, sondern auch ihre Angehörigen im Blick.

In Deutschland sind derzeit rund

1,5 Millionen Menschen an Demenz errankt,

bis 2050 wird

sich ihre Anzahl voraussichtlich

verdoppeln.

Betroffen sind

(vor allem, aber keineswegs

ausschließlich)

über 60-Jährige, die

einen schleichenden

Verfall ihrer geistigen,

emotionalen und sozialen

Fähigkeiten erleben.

Bei der häufigsten

Krankheitsform, der

sogenannten Alzheimer-Demenz,

wird

das Kurzzeitgedächtnis

besonders beeinträchtigt. Im weiteren

Verlauf kommt es zu immer stärkeren Verhaltensauffälligkeiten.

Menschen verlieren

die Fähigkeit ihr Leben selbst zu gestalten

und werden schließlich pflegebedürftig.

Wie belastbar sind

Angehörige?

Reinhild Wörheide hat diese Situation im

engsten Familienkreis erlebt, sich aber

auch im Studium intensiv mit der Frage

beschäftigt, wie die Krankheit das unmittelbare

soziale Umfeld beeinflusst. Ihre

Diplomarbeit beschrieb „Grenzen der

Belastbarkeit für Angehörige von Menschen

mit Demenz“, später entwickelte

sie aus ihren Erfahrungen das Kurskonzept

„Begleitung im Andersland“. „Ich

habe immer wieder erlebt, wie hilflos

Menschen sind, wenn sich Großeltern,

Väter, Mütter, aber in manchen Fällen

auch junge Menschen durch eine Demenzerkrankung

plötzlich aus dem gewohnten

Leben verabschieden. Und diese

Situation kann viele, viele Jahre dauern,

52

FAMILIE & SOZIALES

denn pflegebedürftig werden die Betroffenen

oft erst im letzten Stadium“, erklärt

Reinhild Wörheide. Ihr Kurskonzept, das

mittlerweile bundesweit von mehr als 200

Dozentinnen und Dozenten angeboten

wird, will Menschen, die demenzkranke

Familienmitglieder begleiten,

fachlich unterstützen, aber auch die

Selbstpflegekompetenz der Angehörigen

stärken. Das Angebot ist für

Teilnehmer und Ausrichter (z.B. Seniorenheime)

kostenlos, da es von den Pflegekassen

finanziert wird. Einer Informationsveranstaltung

folgen sieben Abende,

an denen es um die unterschiedlichen Stadien

der Alzheimer-Demenz, Kommunikationsfragen,

praktische Erwägungen wie

Ernährung, Ankleiden und Sturzprävention

sowie Wut- und Zorngefühle

von Betroffenen und Angehörigen geht.

Außerdem spielen die Pflegeversicherung,

rechtliche Aspekte oder Entlastungsangebote

wie ambulante Pflegedienste, Angehörigengruppen

und „Essen auf Rädern“

eine wichtige Rolle. Außerdem werden

die Teilnehmer ermutigt, in den Kursen

über ihre persönliche Lebenssituation zu

berichten, Probleme zu diskutieren und

gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

„Für viele Menschen ist die Erfahrung,

dass man nicht allein im `Andersland´

unterwegs ist, wo sich eigentlich nur die

Demenzkranken problemlos zurechtfinden,

eine große Hilfe“, erzählt Wörheide.

„Außerdem laufen Angehörige häufig

Gefahr, sich selbst aus den Augen zu verlieren

und die eigenen sportlichen, sozialen

oder kulturellen Aktivitäten immer mehr

einzuschränken. Das nützt aber weder

ihnen noch den Menschen, die auf ihre

Begleitung angewiesen sind.“

Wo kann man in Ruhe

verrückt werden?

Erich Schützendorf und Helmut

Wallrafen-Dreisow plädierten in ihrem

provokanten Buch „In Ruhe verrückt

werden dürfen“ bereits vor einem Vierteljahrhundert

für ein fundamentales Umdenken

in der Altenpflege. Auch Reinhild

Wörheide ist entschieden dafür, auf

einer breiten gesellschaftlichen Basis

konstruktiv über das Thema Demenz zu

diskutieren. „Wir reden vorwiegend über

Probleme und über Kosten. Doch die

demografische Entwicklung und die

Krankheiten, die mit dem Älterwerden

einhergehen, stellen uns vor grundsätzliche

Fragen und geben uns damit auch die

Möglichkeit, sie neu zu beantworten.“

Fühlen wir uns für

einander zuständig?

Wie wollen wir in Familien, sozialen

Gruppen und Stadtteilen miteinander

umgehen? Wo und wie können Menschen

mit und ohne Beeinträchtigung zusammen

leben? Wie vermeiden wir eine

Ghettoisierung alter und kranker Menschen?

Wer ist nicht nur moralisch verpflichtet,

sondern hat auch Freude daran,

Menschen im Andersland zu begleiten?

Diese und viele andere Fragen müssen

– auch in unserer Region – noch einvernehmlich

geklärt werden, um den sozialen

Frieden in einer alternden Gesellschaft

zu bewahren.„Wenn ich einmal im

Andersland unterwegs bin, möchte ich

auch nicht einfach weggesperrt, sondern

mit Würde behandelt und als Mensch respektiert

werden“, sagt Reinhild Wörheide –

und steht damit ganz sicher nicht alleine da.

| Thorsten Stegemann

Alois Alzheimer © wikimedia / Kursbild, Portrait © Reinhild Wörheide / Plakat © www.deutsche-alzheimer.de // Wald © Jürgen Fälchle, fotolia.de // Taschentuch mit

Knoten © Maren Winter, fotolia.de

FAMILIE & SOZIALES

Welt-Alzheimertag 2016

Rund um den Welt-Alzheimertag

(21.09.2016) findet in Deutschland

vom 19. bis 25. September 2016 die

„Woche der Demenz“ statt. Sie steht

in diesem Jahr unter dem Motto

„Jung und Alt bewegt Demenz“

und wurde von der nationalen

„Allianz für Menschen mit

Demenz“ ausgerufen.

Infos und Termine unter:

www.deutsche-alzheimer.de/

termine/welt-alzheimertag.html

WISSEN KOMPAKT

ALOIS ALZHEIMER (1864-1915)

Im November 1901 untersuchte der

Psychiater Alois Alzheimer in einer

Frankfurter Heilanstalt erstmals die

51-jährige Auguste Deter, die an

zunehmender geistiger Verwirrung

litt. Als sie fünf Jahre später

starb, sezierte Alzheimer ihr

Gehirn und stellte fest, dass es

geschrumpft war und zahlreiche

Ablagerungen gebildet

hatte. Sein Artikel „Über eine

eigenartige Erkrankung der

Hirnrinde“, der 1907 in der „Allgemeinen

Zeitschrift für Psychiatrie“

erschien, wurde zum

Ausgangspunkt der Alzheimer-Forschung.

Der entscheidende

Durchbruch, etwa die

Entwicklung eines Impfstoffs,

steht bis heute aus.

Pflegeimmobilien als

sichere Kapitalanlage

Investieren Sie in Immobilien

mit garantierten monatlichen

Mieteinnahmen.

Fordern Sie jetzt

unseren umfangreichen

Ratgeber an

Aktuelle Angebote

ausgewählter Pflegeimmobilien

finden Sie unter

www.immosenio.com

Informationen zum Neubau einer

Pflegeimmobilie in

Georgsmarienhütte

sowie weitere aktuelle Angebote

finden Sie unter

www.immosenio.com

Ihre Vorteile auf einen Blick

20 Jahre garantierte Mieteinnahmen

Keine Nebenkostenabrechnung

Grundbuchliche Absicherung

Steuerliche Vorteile durch Abschreibung

Konjunkturunabhängiger Wachstumsmarkt

An attraktiven Standorten in ganz Deutschland

Kein Mieterkontakt

Indexierte Mietverträge

Attraktive Renditen

ImmoSenio · Winkelhausenstraße 8 · 49090 Osnabrück

Telefon: 0541 / 970 543 73 · Fax: 0541 / 952 290 09

E-Mail: info@immosenio.com · www.immosenio.com


FAMILIE & SOZIALES

Wer hustet in die

Der Kinder- und

Jugendbuchtipp wird

präsentiert vom

Kummerdose?

Die Wienerin Christine Nöstlinger, die mit über 100 Büchern zu den bekanntesten und einflussreichsten

deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen gehört, feiert im Oktober

diesen Jahres ihren 80. Geburtstag – Grund genug, das facettenreiche Werk der Autorin einmal

ganz anders in den Blick zu nehmen.

Für kleine Entdecker

Im Stadtwerke Wimmelbuch streifen Amelie, Paul und ihre

Freunde durch Osnabrück. Das Buch ist erhältlich im

Servicezentrum am Nikolaiort 3/4 und im Mobilitätszentrum

am Neumarkt 10. Kaufpreis: 12 Euro. Davon gehen 2 Euro

Spende an soziale Projekte für Kinder in Osnabrück.

Bild oben © Bernd-Christian Schulze, Hannover

Eine kreative Hommage an Christine

Nöstlinger und ihr Werk, das Jung und

Alt seit so vielen Jahrzehnten begeistert, ist

die CD des in Osnabrück lebenden Schauspielers

Helmut Thiele und des Hannoveraner

Pianisten Bernd Christian Schulze,

die sich gemeinsam als „duo pianoworte“

einen Namen gemacht haben. Seit Jahren

in persönlichem Kontakt zur Autorin

stehend, ist damit ein lang gehegter

Wunsch der beiden Künstler wahr

geworden. Ein Querschnitt der Texte

Christine Nöstlingers wird hier in einer

höchst spannenden Melange aus

Wort und Musik präsentiert. Mit dabei

als Akteure sind neben namhaften

Komponisten auch Kinder als die

Hauptrezipienten der Werke Christine

Nöstlingers, namentlich der Knabenchor

Hannover unter der Leitung von

Michael Jäckel. Die Texte werden durch die

abwechslungsreiche

Kombination von Wort und Musik künstlerisch

zum Leben erweckt und dadurch

ganz neu erlebbar.

In einer Arbeiterfamilie der Wiener

Vorstadt aufgewachsen und geprägt

durch ihre Kindheit während des

Zweiten Weltkriegs, brach Christine

Nöstlinger in den 1970er Jahren mit

Tabus der etablierten Kinder- und

Jugendliteratur, indem sie gesellschaftskritische

Themen und Probleme der

Kinder offen und ungeniert ansprach –

und zwar in einer Sprache, die realitätsnah

dem Milieu ihrer Figuren entsprach.

Der für ihre Bücher mehrfach – u.a. mit

dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem

Friedrich-Bödecker-Preis, dem Österreichischen

Staatspreis, dem Kinder- und

Jugendbuchpreis der Stadt Wien und der

Hans-Christian-Andersen-Medaille –

ausgezeichneten Autorin gelingt es jedoch

immer wieder, die dunkleren Seiten

des Alltagsgeschehens

offen anzusprechen,

ohne dabei auf

lyrisch-märchenhafte

Elemente und eine Prise

Humor zu verzichten.

Die präsentierte

Textauswahl, verbunden

mit eigens für die CD

komponierten Musikstücken,

erlaubt vielfältige

Zugänge zur Sprache

und Gedankenwelt

Christine Nöstlingers und bringt

bei aller Realitätsnähe der Texte das

Märchenhafte in ihnen zum Klingen.

So, wenn in „Das Glück ist ein Vogerl“

der kleine Enkel aktiv wird und einem

Wellensittich die Freiheit schenkt, um

so auch seine Großmutter von ihrem

Unglücklichsein zu befreien oder

wenn in „Die Kummerdose“ die Nachbarin

den kleinen Jo seine Sorgen

einfach in eine (natürlich höchst geheime)

„Kummerdose“ hineinhusten und darin

einsperren lässt. Eine spannende CD für

kleine und große Nöstlinger-Fans und

-Entdecker, die sich auch gut dazu eignet,

in Bildungsprojekten und in der Schule

fächerübergreifend eingesetzt zu werden.

| Beatrice le Coutre-Bick

WISSEN KOMPAKT

VORSTELLUNG DER

NÖSTLINGER-CD

Am 27. November 2016 (15.00

Uhr) wird die Nöstlinger-CD

im Renaissancesaal Ledenhof,

Am Ledenhof 3-5, vom

„duo pianoworte“ vorgestellt.

Infos und Platzreservierung:

Literaturbüro Westniedersachsen,

Tel.: 05 41 / 2 86 92

www.stadtwerke-osnabrueck.de/wimmelbuch

55


SCHÖNE GRÜSSE & GOLDENES BUCH

HANDGEZEICHNET

Postkarte: Privatarchiv

Wer trug sich ins

Goldene Buch ein?

Teil 15: Anne, Princess Royal

In den vergangenen Jahrzehnten machten Mitglieder der britischen

Königsfamilie immer wieder in Osnabrück Station. Ihr Besuch galt

allerdings zumeist nicht den hiesigen Sehenswürdigkeiten, sondern

den eigenen Streitkräften, deren Einheiten traditionell unter dem

besonderen Schutz der Windsors stehen. Am 27. Juni 2002 reiste die

Tochter von Königin Elisabeth II. und Prinz Philip in die Friedensstadt,

um an einem Sommerfest der Royal Army teilzunehmen. „Her Royal

Highness Anne Elizabeth Alice Louise, Princess Royal” verzichtete

beim Eintrag ins Goldene Buch auf sämtliche Namenszusätze und verewigte

sich lediglich als „Anne“. Anschließend speiste die Prinzessin

mit Soldaten aller Dienstgrade. Es gab Entenbrust mit Kartoffeln und

Wirsinggemüse, zum Nachtisch wurde Champagnercreme serviert.

| Thorsten Stegemann

Hallo, wie geht‘s?“

"

GRÜSSE AUS DER REGION!

Im August 1909 brachte diese Postkarte Grüße ins niederländische Wageningen.

36 Jahre später wurde hier das Ende der deutschen Besatzung

im Zweiten Weltkrieg besiegelt – ein historisches Ereignis, an das unsere

Nachbarn alljährlich am 5. Mai, dem sogenannten „Bevrijdingsdag“,

erinnern.

Das Postkartenmotiv zeigt den Weg zur Wilhelmshöhe in Bad Rothenfelde,

der sich Anfang des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreute.

Schließlich wartete am Ende nicht nur die Gaststätte Bismarckhütte,

sondern auch der 1902 fertiggestellte Bismarckturm, der im Volksmund

(nach dem am Bau beteiligten Tischler- und Zimmermeister August

Huning) „Hölzerner August“ genannt wurde. Insgesamt gab und gibt

es rund 240 Türme und Säulen, die zu Ehren des Reichskanzlers Otto

von Bismarck (1815-98) errichtet wurden – nicht nur in Deutschland

und Europa, sondern auch in Kamerun, Chile oder Papua-Neuguinea.

Das 14 Meter hohe Bauwerk auf der Wilhelmshöhe musste 1979 abgerissen

werden, die Gaststätte fiel 2006 einem Brand zum Opfer. Vier

Jahre später wurde die Bismarckhütte als solides Blockbohlenhaus wieder

aufgebaut: www.bismarckhuette.de. | Thorsten Stegemann

Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip, Verbindungsoffizier

Christopher Linaker und Prinzessin Anne

Archivfoto © Kurt Löckmann, Presse- und Informationsamt Stadt Osnabrück // Unterschriftenbild © Stadt Osnabrück | Postkarte: Privatarchiv

Karikatur © Fritz Wolf Gesellschaft e.V.-

Wie funktioniert Integration?

präsentiert von:

Fritz Wolf wurde am 7. Mai

1918 in Mülheim an der

Ruhr geboren und starb am

23. Dezember 2001 in Bad

Rothenfelde. Im Vorfeld seines

100. Geburtstages erinnert

Osnabrücker Wissen

ab sofort in jeder Ausgabe

an den legendären Karikaturisten.

VW BULLI

VW BULLI

„FOREVER

„FOREVER

T1“,

T1“,

SCHREIBTISCH-

SCHREIBTISCH-

OBJEKT UND

STIFTEKÖCHER,

mit mit Magnet Magnet für für Büro- Büroklammern,

mit mit Rückzieh-

motor, glänzend verchromt.

65,- €

SCHREIBEN. SCHENKEN.

SCHREIBEN. LERNEN. ORDNEN. SCHENKEN.

LERNEN. ORDNEN.

Als sich Fritz Wolf vor 35

Jahren (!) mit den Themen

Zuwanderung und Integration

beschäftigte, ging es

um andere Nationalitäten

als heute. Die Probleme mit

der technischen Umsetzung

und persönlichen Einstellung

scheinen allerdings die gleichen

geblieben zu sein ...

WISSEN KOMPAKT

Karikaturist Fritz Wolf

56

Krahnstraße 43 | 49074 Osnabrück | Telefon 0541 338850 | | www.prelleshop.de

57


Wie viel Wissen

steckt in Ihnen?

Was sind

„ONYX

MiO“?

Ort der

Varusschlacht?

dritte

Periode der

Urgeschichte?

Geburtsort

von

Prior Josef

Frerking?

6

7

Ort, um

Sterne zu

erkunden?

eine uninteressierte,

selbstbezogene

Person

Deutsche

Bezeichnung

beim Miquel in

Beruf von

Fußball für Göttingen?

Corner?

Deutsche

Wort für

Back-up?

Lösungswort:

2

Bestandteile

in jedem

Mobiltelefon?

Kämpfer

für eine

klassenlose

Gesellschaft

Tätigkeit,

vorwiegend Trauma / bei

von Hand etwas dabei

verrichtet? sein?

9

das

Zeitungswesen,

Zeitungswelt

10

- Anzeige -

Anderes

Wort für

Anschuldigung

AUFGEWECKT DURCH STADT UND LANDKREIS

Die Gewinner werden von uns benachrichtigt. Bitte Kontaktdaten nicht vergessen ...

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

1

11

populärer

Ort der

Piraterie?

8

einfache

Tasche aus

Stoff?

5

Jmd., der zu

Problemlösungen

verhilft

4

14

Stadtteil

in dem die

"illegale"

Wasserburg

liegt?

13

Gegenstand

nach einer

Suche?

besondere

Ausstrahlung

eines

Ortes?

kleiner,

ovaler

Snack zum

Frühstück?

der Glaube

an einen

Gott?

besondere

Mitarbeiterin

eines

Professors

12

3

numerischer

Code

z.B. beim

Handy?

Häuschen

für Telekommunikation

Gewichtseinheit,

in

der man sein

Körpergewicht

wiegt?

Preise

Weimarer Verlagsgesellschaft

Filmpassage

Osnabrück

Einsendeschluss/ Verlosung

bereits am 24. Oktober 2016!

Rosenhof

3x eine

Familien-

Jahreskarte

für den

Osnabrücker

Zoo

Wert: je 104 €

3x ein

druckfrisches

Exemplar der

Neuerscheinung

„Gabriele Reuterdie

Wahrheit reden

Leben und Werk“

1x 2 Tickets

für eine

Vorstellung der

„Kultklassiker“

nach Wahl! Immer

jeden letzten

Donnerstag im

Monat (20.30 Uhr)

2x 2 Gästelistenplätze

für

Dave Davis

30.10.2016

im Rosenhof

Osnabrück

Einlass: 19 Uhr,

Beginn: 20 Uhr

1x 2 Tickets

die „Silvester

Dance Night

2016“ in der

OsnabrückHalle.

Einlass: 20:30 Uhr,

Beginn 21:00 Uhr

RÄTSELN & GEWINNEN

NEU!

Premieren-

Auflage!

» Seite 34

AMV Ardland Marketing & Vertrieb

Für kleine Entdecker

10x ein

Limo-Guide

im Wert von

9,90 €

57x 2 Getränke-

Gutscheine in 23

Bars & Clubs in

Osnabrück!

3x ein

Wimmelbuch

der Stadtwerke

Osnabrück

zum lesen und

entdecken!

Ein Gutschein

für die

Weinwirtschaft,

im Steigenberger

Hotel Remarque

Wert: 40 €

Ein Gutschein

für den

prelle shop

in der Krahnstraße

Wert: 25 €

2x ein

Tagesticket

für das

Nettebad!

Schwimmen,

Sauna & mehr!

Deine Chance für:

> Praktika

> Abschlussarbeiten

> Berufseinstieg

An beiden Tagen

sind unterschiedliche

Firmen vertreten.

MI - 9.11.2016

DO - 10.11.2016

Aula und Foyer der Hochschule

Osnabrück, Albrechtstraße 30

9.30 - 15.30 Uhr

über

120

Firmen

Auch dieses Mal können Sie mit dem

regionalen Kreuzworträtsel Ihr (vielleicht

gerade erst neu gelerntes?) Wissen testen und

unter Beweis stellen. Mit etwas Glück gewinnen

Sie sogar einen der attraktiven Preise, die

wir mit freundlicher Unterstützung einiger

unserer Partner verlosen (siehe rechte Seite).

58

Einsendeschluss: 30. November 2016

Die Gewinner werden benachrichtigt. Sollten

mehr richtige Antworten eingehen als Preise

zur Verfügung stehen, entscheidet das Los.

Das Redaktionsteam wünscht viel Erfolg!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, keine Auszahlung der Preise in bar.

Mitarbeiter und Angehörige der teilnehmenden Unternehmen sind

von der Verlosung ausgeschlossen.

Schicken Sie uns ganz einfach das

Lösungswort per E-Mail an:

gewinnspiel@osnabruecker-wissen.de

Alternativ auch gerne per Post:

Medienagentur KreativKompass GmbH

Stichwort OsWi-Gewinnspiel

Im Hamme 7, 49205 Hasbergen

Wir sind

umgezogen!

Spirit49

2x 4er Pack

„Mini-Gin O49"

á 49cl

(JETZT NEU!

Die 4er Packs des

original O49-Gin

im Mini-Format)

Tipp zur Gewinnspiel-Teilnahme:

Geben Sie beim Lösungswort auch gerne

mit an, welche(n) der Preis(e) Sie am liebsten

gewinnen möchten. Nach der Auslosung

versuchen wir, die Preise den Gewinnern

dann möglichst passend zuzuordnen.

59


wir fliegen

ab

wir fmo!

fliegen

wir fliegen

ab fmo! antalya

antalya

antalya burgas antalya

burgas

burgas neu: burgas faro

neu: faro

neu: fuerteventura

neu:

faro

faro

fuerteventura

gran

fuerteventura

canaria

gran canaria

gran gran

kos canaria canaria

kos

kos kos

kreta

kreta

kreta kreta

lanzarote

lanzarote

lanzarote lanzarote

málaga

málaga

málaga málaga

mallorca

mallorca

mallorca mallorca

rhodos

rhodos

rhodos rhodos

teneriffa

teneriffa

teneriffa teneriffa

varna

varna varna

oneway ab

oneway

49€

ab

oneway ab

oneway ab

49€ 49€

buchung im

buchung reisebüro buchung im oder im

reisebüro buchung flygermania.com

im

reisebüro oder oder

flygermania.com

reisebüro oder

flygermania.com

flygermania.com

2017:viel mehr flüge,

mehr urlaub

2017:viel 2017:viel mehr mehr flüge, flüge,

viel viel mehr mehr urlaub urlaub

www.fmo.de

www.fmo.de www.fmo.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine