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Souffleuse 2/2016 Die Programmzeitschrift des Theaters im Romanischen Keller, Herbst/Winter 2016

Die Souffleuse ist die Programmzeitschrift des Theaters im Romanischen Keller Heidelberg. Sie informiert über die verschiedenen Veranstaltungen des Theaters im Bereich Schauspiel, Musik, Tanz, Workshop, Lesung etc. Das Theater befindet sich in der Seminarstraße 3 [Ecke Kettengasse] in der Altstadt Heidelbergs. Für den termingerechten Ablauf des angekündigten Programms und für dessen Inhalt trägt der Herausgeber keine Verantwortung. Die Zeitschrift und deren Inhalt sind Eigentum der Autoren und Herausgeber. Theater im Romanischen Keller 2016.

Eingeflüstert was

Eingeflüstert was bleibt, wenn keine ablenkung mehr ist, wenn nur der kühle schrank im hintergrund elektronisch summt und ich den ton ausschalte, was bleibt ist ein stillleben, das atmen, das ich in mir höre, ein raum zur hälfte beleuchtet und gedanken. von Şafak Sarıçiçek Courage „Courage …!“, sie richtet sich auf, „ich traue mich“ und sie schickt die Zweifel weg, hinaus auf hohe See in einem Schiff aus Origamipapier. „Heute ist der Tag“, zischt sie, mit zusammengebissenen Zähnen und dem Blick nach vorn. „Ehrgeiz, Wille, Ziel“, dazwischen ihr Zeigefinger, kalt, aber warm blutend, der Geschmack von Eisen, ihrer harten Mühe Preis. Für den Moment trägt sie Narben wie Medaillen, je ein Schritt nach vorn und drei zurück, dabei ruft sie laut „Egal ...!“, ihr Herz voll Glück, heute, als gäbe es kein Morgen. 25 Text: Melanie Greiner Illustration: Joana Bail

Von Sommernächten Der pulsierende Kern der Stadt, mein pochendes Herz, die Grenzen der Lebensräume sind seltsam verwischt. Hand in Hand auf dem Rasen sitzend, der nach der Hitze des Tages riecht, beobachten wir die Euphorie des Bienenvolks, das um Grillplätze versammelt in feuchter Ausgelassenheit sein Leben summt. Wie viele Menschen hier an Sommertagen leben, wenn schwindelerregende Wärme sie aus ihren Häusern treibt, um das Rauschen des Glücklichseins in Freibadnächten zu genießen. Ich lege meinen Kopf an deine Schulter. Pechschwarz fließt der Fluss unter den Lichtern vor sich hin, die Erschöpfung vom Drang nach Lebensdurst. Einmal, nur noch einmal, das Auskosten bis zum letzten Tropfen. Wir genießen die Brise, die das Wasser bringt. von Melanie Greiner Illustration von Joana Bail Melanie Greiner und von Şafak Sarıçiçek sind Mitglieder im Literaturkreis echolot. Souffleuse 2/16, Theater im Romanischen Keller 2016 26