DEIN MÜNCHEN _ NO LIMITS! Magazin 01

deinmuenchen

NO LIMITS MAGAZIN 01

DEIN MÜNCHEN e.V.

NO

LIMITS!

MUT

OFFENHEIT

INTERESSE

AUSDAUER


„DU ERZÄHLST MIR ETWAS,

ICH VERGESSE ES.

DU LEHRST MICH ETWAS,

ICH ERINNERE MICH.

DU INVOLVIERST MICH,

ICH LERNE.“

Benjamin Franklin


19.628 STUNDEN

Aufmerksamkeit konnten wir den bisherigen

Projektteilnehmern von NO LIMITS! schenken.


EDITORIAL

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

viele Kinder haben das Glück, von der Pole-Position

ins Leben zu starten: Sie haben liebevolle Eltern,

die sie auf ihrem Weg ins Leben unterstützen. Viele

andere werden schon beim Start ausgebremst: Sie

wachsen in prekären Familien auf mit Eltern, die

schon mit sich selbst und ihrem Leben überfordert

sind.

Chancengleichheit für alle? Das wird wohl ein Traum

bleiben.

Zugegeben, der Gedanke liegt nahe, dass es

die Aufgabe der sozialen Gemeinschaft ist,

das Ungleichgewicht auszubalancieren. Etwa

mit gesetzlichen Regelungen. Aber auch der

gutwilligste Wohlfahrtsstaat ist nicht in der Lage,

individuelle Schicksale individuell aufzufangen.

Weil sie individuelle Maßnahmen erfordern und ein

Engagement nötig machen, das den Einzelnen im

Blick hat.

Genau hier setzt DEIN MÜNCHEN an. Kinder

aus sozial schwierigen Verhältnissen brauchen

das Gefühl dazuzugehören, akzeptierter und vor

allem respektierter Teil unserer Gemeinschaft zu

sein. Das wollen wir von DEIN MÜNCHEN leisten.

Wir können die Ausgangssituation im Leben von

Kindern deutlich verbessern; die fatale Sackgasse

etwas öffnen, in der sich viele Kinder durch ihre

Herkunft, ihr Umfeld oder ihre soziale Situation

befinden. Dazu brauchen wir das Vertrauen, die

Offenheit und Bereitschaft der Kinder, sich für

unsere Angebote, für Neues und Ungewohntes zu

interessieren. Das gelingt nur, wenn wir auf jedes

Kind ganz individuell eingehen. Denn jeder tickt

anders, muss anders abgeholt werden, sonst laufen

gute Absichten ins Leere.

NO LIMITS! macht es möglich, gemeinsam mit

den Kindern und Jugendlichen ihre festgefahrenen

Lebensläufe wieder in einen free flow zu bringen.

Wir nehmen jeden Einzelnen ernst, schenken ihm

Aufmerksamkeit, geben ihm Hilfestellungen und

schärfen anhand vieler Beispiele seinen Blick auf

bisher unbekannte Wege und Chancen. Wir helfen

ihm, für sich einen neuen Horizont zu entdecken.

Und oft genug stellt sich dabei heraus: So viele

ursprünglich im Kopf verankerten Begrenzungen

sind es am Ende gar nicht, die überwunden werden

müssen.

Doch uns selbst wären ohne Unterstützung durch

engagierte Partner Limits gesetzt gewesen. Partner,

die dieses individuelle soziale Engagement als

Verpflichtung auffassen: für sich, ihre Gruppe, ihr

Unternehmen. Gemeinsam haben wir es in kurzer

Zeit geschafft, eine effiziente gesellschaftliche

Initiative zu schaffen mit beeindruckenden und

zukunftsträchtigen Ergebnissen.

Es erfüllt mich mit Stolz, vor allem aber mit großer

Dankbarkeit, Ihnen mit diesem Magazin unseren

gemeinsamen Erfolg vorzustellen. Lassen Sie sich

entführen in die Themenwelten von NO LIMITS! Und

staunen Sie, was bewegt werden kann, wenn sich

engagierte Menschen zusammentun und sagen:

Chancengleichheit für alle? Wir packen’s an!

Ihre Mara Bertling

Initiatorin und Geschäftsführender Vorstand

DEIN MÜNCHEN e.V.


INHALTS-

VER-

ZEICHNIS

EDITORIAL 5

REALITÄT 8

MÜNCHEN LEUCHTET! FÜR ALLE? 10

Karrieren sind bereits geschrieben.

BILDUNGS- UND CHANCEN-

GERECHTIGKEIT 11

– ein echter Mythos.

WAS GEHT AB AN MÜNCHNER

MITTELSCHULEN 12

Ein Stimmungsbild aus der neunten Klasse.

NIMM DEIN LEBEN IN DIE HAND 14

ENTDECKE DEINE CHANCEN:

NO LIMITS! 16

Schüler schreiben sich nicht ab,

sondern ihre Zukunft neu.

SEI DEIN EIGENER HELD. 18

Mit Mut Verantwortung übernehmen.

Im Gespräch mit Joachim Franz.

VERÄNDERUNG LEBEN. 21

Meine Wünsche, meine Ziele, meine Ängste.

OFFENHEIT 22

DER SCHWERSTE WEG

MEINES LEBENS. 24

Ich sagte: “Dieser Weg ist zu weit, wir

schaffen es nicht.“ Mein Freund sagte:

„Wir laufen weiter, wir schaffen das.“

DIE MUTIGSTE FRAU DER WELT. 29

„Meine Mutter hat mir immer geholfen

und an mich geglaubt. Ohne sie

hätte ich es nicht geschafft.“

ÜBER DAS PROBLEM

DER ABSTAMMUNG. 30

„Meine Familie war nicht reich, sie

hieß nur wie die Reichen.“

BE WUSST SEIN 32

DER KOPF IST RUND, DAMIT

DAS DENKEN DIE RICHTUNG

WECHSELN KANN. 34

Würde und Freiheit

(Dr. Nathalie Weidenfeld)

Typisch Mann, Typisch Frau:

ein Workshop über Liebe und Glück

(Dr. phil. Rebekka Reinhard)

GLAUBE AN DICH! 38

Jeder hat Talente, Stärken und potenziale.

HIER BIN ICH. DEN EIGENEN

AUS DRUCK FINDEN. 39

Alan Brooks zeigt uns, wie es geht.


ORIEN TIERUNG 42

WAS MACHT MICH STARK... 44

Über die Bedeutung von Menschen

die hinter mir stehen.

MUT, OFFENHEIT, INTERESSE

UND AUSDAUER. 46

Zentrale Werte bei NO LIMITS!. Erklärt

von Schülerinnen und Schülern.

SEI (M)EIN VORBILD. MACH MIR MUT! 48

Wir treffen Shane und Barbara McMahon.

FAKTEN CHECK 52

„FANG DIE ZEIT“ 63

Katrin Sofie F. und der Däne:

Spoken Beat für NO LIMITS!

„MAGISCHE MOMENTE“ 64

... und das Puzzle des Lebens.

MEINE LIEBLINGS BILDER 67

Stimmungsbilder, Situationen und

einmalige Momente für die Ewigkeit.

WAS MACHT EIGENTLICH... 70

DEIN MÜNCHEN 73

IMPRESSUM 75

OHNE MOOS NIX LOS. 54

Warum NO LIMITS! ohne starke

Partner nicht funktionieren kann.

VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN.

ZUKUNFT GESTALTEN. 56

Aus Überzeugung handeln.

NO LIMITS! – UNSER ERFOLG. 59

Worauf wir stolz sein können

und wie es weiter geht.


REALITÄT

MÜNCHEN: FAKTEN.FAKTEN.FAKTEN.

BILDUNGS- UND

CHANCENGERECHTIGKEIT?

SITUATION AN MITTELSCHULEN.

8


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München leuchtet! Für alle? | REA LITät

MÜNCHEN

LEUCHTET! FÜR ALLE?

KARRIEREN SIND BEREITS GESCHRIEBEN.

Es hört sich natürlich wichtig an: „Nur Kinder und

Jugendliche, die die Möglichkeiten haben, etwas aus

sich zu machen, machen auch etwas aus unserer

Gesellschaft.“ „Ja, ja, das ist was für Menschen

mit einer „sozialen Ader“. Die kümmern sich um

„so was“. Vermutlich ist den meisten von uns im

hektischen, zu vollen und auch noch virtuellen Alltag

gar nicht klar, was in München eigentlich los ist.

Wer in jungen Jahren kein Fundament legt, kann

später nichts darauf aufbauen. Später! Später sind

wir die Alten und sehen zu, wie die chancen- und

perspektivlosen Kinder von früher dann unseren

Alltag und unsere Gesellschaft gestalten. Integration

oder gar Identifikation mit der Gesellschaft hat nicht

funktioniert, vernünftige Schul- und Ausbildung

auch nicht, Chancengerechtigkeit schon gar nicht.

MÜNCHEN FAKTEN:

• 203.800 arme Menschen, rund

50.000 befinden sich am Rande der

Armutsrisikogrenze. Gemeinsam stellen sie fast

ein Fünftel der Stadtbevölkerung.

• 120.000 Münchner beziehen staatliche

Sozialleistungen. Weit über 20.000 Kinder

unter 15 Jahren leben in Familien die

Sozialleistungen beziehen.

• Alleinerziehende mit mehr als einem Kind

fallen zu 60 Prozent in die Kategorie der

Armutsgefährdeten.

• Bildungskarriere, Arbeitsmarktchancen

und der gesellschaftliche Status stehen in

eindeutigem Zusammenhang mit der sozialen

Herkunft. 70 Prozent der Akademikerkinder

besuchen die Universität, aber nur 20 Prozent

der Kinder von Eltern ohne akademischen

Abschluss.

• 5000 Menschen (davon über 1000 Kinder)

leben in Notunterkünften, da sie ihren

Wohnraum verloren haben.

Immer mehr Münchner Kinder und Jugendliche

stehen aus finanziellen Gründen oder aufgrund

familiärer Schieflagen am Rande unserer

Gesellschaft oder gleich draußen. Sie haben nur

beschränkten oder gar keinen Zugang zu Bildung,

Kultur oder Sport – und das prägt fürs ganze Leben.

Schöne Aussichten!

DEIN MÜNCHEN engagiert sich für eine aktive

und nachhaltige Beteiligung aller Kinder und

Jugendlichen an den Möglichkeiten, die München

bietet. Das damit verbundene Lernen und das

Entdecken von Chancen resultiert nicht nur in

Persönlichkeitsentwicklung und Lebensqualität,

sondern in Identifikation mit der Gesellschaft und

somit ein gesundes Stadtleben. Kurz: Es geht

um Chancengleichheit, Teilhabe und Integration,

um die Vermittlung von Wissen, den Erwerb

von Kompetenzen und das daraus resultierende

Selbstwertgefühl.

Warten Sie nicht bis später, schauen Sie nicht zu,

unternehmen Sie etwas!

Wir brauchen Unterstützung, Ideen, Kontakte,

natürlich auch Spenden, aber vor allem SIE! Sorgen

wir dafür, dass in München das Leuchten nicht

ausgeht.

Susanne Meier

10 DEIN MÜNCHEN e.V.


REA LITät | Bildungs- und CHANCEN GERECHTIGKEIT

BILDUNGS- UND

CHANCEN-

GERECHTIGKEIT

– EIN ECHTER MYTHOS.

Wie steht es bei uns eigentlich um die Bildungs- und

Chancengerechtigkeit junger Menschen? Haben

jahrelange ermüdende Diskussionen um unser

Bildungssystem, langfristig angelegte Reformen, die

individuelles Lernen oder gar herkunftsunabhängige

Förderung versprechen, irgendetwas gebracht?

Natürlich gibt es Kinder, die sich problemlos im

Regelschulalltag bewegen. Die Regel ist jedoch,

dass Eltern immens gefordert sind, ihre Kinder

intensiv zu begleiten, um dem steigenden Druck

und der frühen Selektion überhaupt standzuhalten.

Und wie steht es um Kinder, die von der eigenen

Familie keine Unterstützung und keinen Rückhalt

erfahren (können)?

Traurige Wahrheit ist: Bildungserfolg hängt in

Deutschland wesentlich vom sozialen Hintergrund

ab. Fast jedes dritte Kind unter 18 Jahren wächst

in sozialen, finanziellen und kulturellen Risikolagen

auf. Das bedeutet schlechtere Chancen auf eine

erfolgreiche Bildungsbiografie als andere. Der

Schuss wird nach hinten losgehen, denn diese

Kinder gestalten unser aller Zukunft. Können wir

uns die herrschende Chancenungerechtigkeit

tatsächlich leisten?

Es gibt kein Land, in dem der Bildungserfolg so

stark vom sozialen Status der Eltern abhängt wie in

Deutschland. München ist da ganz vorne dabei. Ein

viel zu großer Teil der nachwachsenden Generation

wird in die Unterschichtssubkultur sozialisiert, vor

allem Kinder mit Migrationshintergrund sind davon

betroffen. Ein fatales Bild bietet sich an den

Münchner Mittelschulen: Die überwiegende Zahl

der Schüler kommt aus einem instabilen und sozial

schwierigen Umfeld. Die Frage nach einem gerechten

Bildungszugang und den individuellen Möglichkeiten

einer positiven Persönlichkeitsentwicklung stellt sich

hier dramatisch und täglich.

Kommunen, Bildungseinrichtungen und letztendlich

die Gesellschaft müssen aktiv werden und

fairere Rahmenbedingungen für gute Bildungsund

Teilhabechancen schaffen und soziale,

herkunfts- oder anlagebedingte Startnachteile

ausgleichen. Eine gut ausgebaute, konzeptionell

aufeinander bezogene und verlässlich miteinander

verknüpfte Bildungsinfrastruktur ist zweifellos die

Voraussetzung für mehr Chancengerechtigkeit und

für eine gute Zukunft für uns alle.

DEIN MÜNCHEN hat es sich zur Aufgabe

gemacht, nicht nur über Lösungsansätze zu

lamentieren, sondern tatsächlich zu handeln

und das professionell, unbürokratisch und, wie

sich zeigt, nachhaltig. Eigene, sehr erfolgreiche

Integrationskonzepte beweisen, dass man auch

auf dieser Ebene vieles bewegen und Biografien

entscheidend beeinflussen kann.

Mara Bertling

NO LIMITS Magazin 01

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Was geht ab an Münchner Mittelschulen | REA LITät

WAS GEHT AB

AN MÜNCHNER

MITTELSCHULEN

EIN STIMMUNGSBILD AUS DER NEUNTEN KLASSE.

Montags ist es am schlimmsten. Weil sie dann

mit ihren Gedanken noch im Wochenende sind.

Aber das ist kein Gesetz. Dienstags, mittwochs,

donnerstags und freitags kann’s noch schlimmer

kommen. Ein nichtiger Anlass reicht, um bei einem

von ihnen eine solche Aggression auszulösen, dass

er sich in seiner ganzen Größe drohend vor der

Lehrerin aufbaut. Einmal hatte er in der Rechten

einen Stuhl. Da war dann die Stunde gelaufen.

Montag, 8 Uhr, der Gong hallt durch die Gänge

einer bayrischen Hauptschule. Der Ort tut nichts

zur Sache, die Situation ist, fragt man ältere Lehrer,

die schon rumgekommen sind, überall gleich. Auch

alle Namen in diesem Bericht wurden auf Wunsch

der Beteiligten geändert.

Gerlinde Schäfer, 52, GSE-Lehrerin (Geschichte,

Sozial- und Erdkunde), betritt den Klassenraum

einer Neunten. „Guten Morgen!“ Keine Reaktion.

Vier der 22 Hauptschüler, 14- und 15-Jährige,

schauen gelangweilt auf, die übrigen unterhalten

sich weiter, lautstark, schreiend. In der hintersten

Bank raufen Erik und Achmed. Die Lehrerin geht

dazwischen. „Ruhe jetzt.“ Sie will heute mit den

Schülern über Widerstandskämpfer im Dritten

Reich reden. Vorerst keine Chance: Nico kriecht

unter die Bank, weil ihm sein Federmäppchen

runtergefallen ist („Setz dich bitte sofort wieder

auf deinen Stuhl!“), Bina schreibt unterm Tisch

ihrem Freund eine SMS („Bina, gib mir bitte das

Handy!“), Vanessa nuckelt an ihrer Wasserflasche,

die sie geräuschvoll immer wieder in den Händen

zerdrückt („Leg die Flasche bitte weg!“), Sergei

zerlegt gedankenverloren zwei Tintenpatronen, die

Flüssigkeit bekleckert Heft, Buch und Pult („Wisch

bitte sofort die Schweinerei auf!“). Währenddessen

hat Erik seinen Banknachbarn vom Stuhl geschubst.

Achmed geht auf Erik los. „Achmed, du setzt dich

jetzt hier in die erste Bank!“ – „Das ist ungerecht,

der Erik hat angefangen! Und von Ihnen lass ich

mir gar nichts sagen!“

Khaled hinten rechts hat von alledem nichts

mitbekommen. Sein Kopf liegt auf dem Pult, er

schläft.

Von 90 Unterrichtsminuten einer Doppelstunde

sind schon 20 vertan. Zehn weitere gehen für die

Kontrolle der Hausaufgaben drauf. Diesmal haben

nur sechs Schüler ihre Hefte nicht dabei (Haffiz:

„Meine Mutter hat mein Zimmer aufgeräumt“,

Mervee: „Ich hab’s an Max verliehen“). Nimmt

man die zehn Minuten am Schluss der Stunde

hinzu, in denen die Lehrerin die Hausaufgaben

für die nächste Stunde erklärt, bleiben für das

Unterrichtsfach 50 Minuten. Theoretisch. Denn

die meisten Schüler interessiert das Thema nullkomma-null.

Alltag an Hauptschulen. Die wenigen Schüler, die

ehrgeizig sind und gute Noten schreiben wollen,

haben es mit oft überforderten Lehrern zu tun, deren

Aufmerksamkeit von desinteressierten Rabauken

absorbiert wird.

Daniel ist so einer. Aus dem Klamauk hält er sich

raus, er versucht, dem Unterricht zu folgen, auch

wenn er von seinen Mitschülern immer wieder

abgelenkt wird. Gerlinde Schäfer: „Wenn er ein

bisschen Unterstützung von zuhause bekommen

würde, dann hätte er gute Chancen, den Quali zu

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REA LITät | Was geht ab an Münchner Mittelschulen

schaffen.“ Aber Daniels Mutter ist alleinerziehend,

und wenn sie nach ihrem Fulltime-Job abends um

halb sechs nach Hause kommt, dann will sie ihre

Ruhe und ganz sicher nicht mit Schulkram genervt

werden.

Daniel, Bina, Vanessa, Erik – sie haben es längst

aufgegeben, an eine gute Zukunft für sich zu

glauben; sie wissen, dass sie im bayrischen

Bildungszug die rote Laterne halten, weil sie es nicht

geschafft haben, aufs Gymnasium oder wenigstens

zur Realschule zu gehen. Und sie trösten sich

auch nicht mit dem bildungspolitischen Sprach-

Euphemismus, der die Hauptschule zur Mittelschule

etikettiert hat. Für sie ist es die Restschule.

Und sie selbst der Rest der Gesellschaft. Ihr

Selbstbewusstsein ist im Keller.

Und weil niemand mit diesem Gefühl gut leben

kann, geben die einen sich cool, spielen den starken

Max, pöbeln und prügeln. Die anderen verfallen

in demonstratives Desinteresse an allem, was

irgendwie mit Schule zu tun hat und ziehen so die

wenigen, die einen guten Abschluss machen wollen,

auch noch runter.

Mit den Eltern reden? Meist sinnlos. Schulleiter

Andreas Wagner: „Die überwiegende Anzahl unserer

Schüler kommt aus einem sozial schwierigen

Umfeld. Manche Schüler wachsen in Familien auf,

in denen schon die dritte Generation von Sozialhilfe

lebt.“

Einer von ihnen ist Julian. Seine Eltern haben

sich getrennt, die Mutter liegt bis mittags im Bett.

Statt Interesse und Wertschätzung bekommt

Julian Prügel. Als seine Klassenlehrerin Brigitte

Hofer ihre Schüler einmal fragte, welchen Beruf

sie denn einmal ergreifen wollen, sagte Julian:

Panzerkommandant.

Dass an Hauptschulen der Anteil von Schülern mit

Migrationshintergrund extrem hoch ist – in München

mitunter 80 Prozent, im Umland oft 50 Prozent –

erschwert die Situation zusätzlich. Wobei allerdings

Flüchtlingskinder oft hoch motiviert sind. Elke Müller,

die Deutsch als Zweitsprache unterrichtet: „Kinder

aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea wollen einmal

einen guten Beruf lernen. Die meisten träumen

davon, nach einer guten Ausbildung in ihre Heimat

zurückzukehren.“ Gut möglich, dass sie dort, wenn

einmal Frieden herrscht, gute Chancen haben.

Darauf freuen sie sich. Daniel, Bina, Vanessa oder

Erik wüssten nicht, warum sie sich auf ihre berufliche

Zukunft freuen sollten.

Werner Dahlmann

NO LIMITS Magazin 01

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NIMM

DEIN

LEBEN

IN DIE

HAND

14


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Entdecke Deine Chancen: NO LIMITS! | NIMM DEIN LEBEN IN DIE HAND

ENTDECKE DEINE

CHANCEN: NO LIMITS!

SCHÜLER SCHREIBEN SICH NICHT AB,

SONDERN IHRE ZUKUNFT NEU.

Kids aus schwierigem sozialem Umfeld haben

kaum Gelegenheit, über den Tellerrand zu schauen.

Schule ist das dominierende Thema und was

danach kommt bestenfalls eine vage Ahnung. Vor

allem Mittelschülern ist keine allzu rosige Zukunft

zugedacht. Zudem ist die Angst vor schulischem

Versagen groß, denn scheitert man in einer Mitteloder

Hauptschule, ist angeblich alles aus.

aus einem sozial schwächeren Umfeld oder mit

Migrationshintergrund fehlt es oft an Impulsen aus

dem eigenen Elternhaus. Auch die Haupt- und

Mittelschulen können dies im ohnehin überlasteten

Schulalltag nicht leisten.

NO LIMITS. Entdecke deine Chancen!“ setzt da an,

wo Schule und Elternhaus ihre Grenzen erreichen.

Dabei hat die heutige Generation so viele Chancen,

wie keine zuvor. Es mangelt jedoch massiv an

Wissen um die mannigfaltigen Möglichkeiten,

ganz eigene und vor allem authentische Wege

zu gehen. Besonders Kindern und Jugendlichen

ES GEHT DARUM...

• Persönlichkeiten zu entwickeln und zu stärken

• Potenziale zu erkennen und zu nutzen

• Chancen wahrzunehmen und zu ergreifen

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NIMM DEIN LEBEN IN DIE HAND | Entdecke Deine Chancen: NO LIMITS!

NO LIMITS.

ENTDECKE DEINE CHANCEN!

Eine einzigartige außerschulische

Bildungsplattform im Projektformat.

Wir garantieren den teilnehmenden

Jugendlichen nicht nur viel Information,

sondern vor allem Motivation,

neue Impulse, Inspiration und

Orientierungshilfen.

Unsere Veranstaltungs- und Workshop-

Reihen sollen eine Basis legen, um

mit Mut und Selbstvertrauen den ganz

eigenen (beruflichen) Lebensweg zu

finden und zu gehen.

Die persönliche Herkunft darf einfach

nicht automatisch und ausschließlich

ihren weiteren Weg bestimmen.

Das Projekt NO LIMITS wurde durch

DEIN MÜNCHEN im Jahr 2014 initiiert.

• Bisher haben 70 Schülerinnen und Schüler

im Alter von 14 bis 17 Jahren an rund

• 40 Workshops, Exkursionen und

Veranstaltungen teilgenommen.

www.deinmuenchen.org

unterschätzen – Ausdauer eine zentrale Rolle.

Ein unverzichtbarer Baustein des Bildungsprojektes

ist das hautnahe Erleben anderer Lebenswege und

Ansichten. Die Jugendlichen treffen im Verlauf

des Projekts auf Prominente und Menschen von

nebenan, vom Sternekoch oder Autor bis zum

erfolgreichen Manager oder Handwerker. Jeder

Projektpate hat einen ungewöhnlichen Karriereweg

im Gepäck. Im persönlichen Austausch mit ihnen

wird schnell klar, dass Karriere nicht zwangsläufig

auch viel Geld bedeuten muss. Vielmehr geht es

darum, eigene Fähigkeiten und echte Interessen zu

identifizieren, um daraus einen eigenen Werdegang

zu entwickeln.

Die Jugendlichen tauchen dabei in die

unterschiedlichsten Gesellschaftsebenen ein

und werden mit für sie ungewöhnlichen Lebensund

Arbeitsräumen konfrontiert. Dabei lernen

sie Menschen, Lebenswege, Berufsbilder und

Tätigkeiten kennen, begegnen unterschiedlichen

Lebensauffassungen und Ideen und setzen

sich dabei mit grundsätzlichen Wertbegriffen

auseinander.

Die Auseinandersetzung mit Menschen und deren

ungewöhnlichen Lebenswegen und Denkmustern,

auch jenseits der Norm, sowie die Teilnahme an

Erfahrungsprozessen der Projektpaten eröffnet

den Jugendlichen völlig neue Perspektiven für die

eigenen Möglichkeiten.

Im Rahmen des Bildungsprojekts NO LIMITS!

arbeiten professionelle Seminarleiter zusammen

mit Hauptschülern in ineinandergreifenden

Veranstaltungs- und Workshop-Reihen daran, den

ganz eigenen Weg für die Zukunft zu identifizieren.

Susanne Meier

Die Bandbreite reicht hier von Talentwerkstätten,

Diskussionen über Lebenshaltung und Lebensphilosophie

bis hin zur klaren persönlichen

Zieldefinition inklusive Strategieworkshops.

Dem vorangestellt ist sehr oft ein grundlegendes

Erarbeiten von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein.

Dabei spielen Werte wie

Mut, Offenheit, Interesse und nicht zu

NO LIMITS Magazin 01

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Sei dein eigener Held. | NIMM DEIN LEBEN IN DIE HAND

SEI DEIN

EIGENER HELD.

MIT MUT VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN.

IM GESPRÄCH MIT JOACHIM FRANZ.

18 DEIN MÜNCHEN e.V.


NIMM DEIN LEBEN IN DIE HAND | Sei dein eigener Held.

Joachim Franz: Schichtarbeiter, Raucher, sehr

übergewichtig. Perspektive? Sofa! So sah sein

Leben Anfang der 90er Jahre aus. Das hat

er gründlich geändert. Mittlerweile ist er ein

deutschlandweit bekannter Extremsportler,

Aktivist, Motivationscoach und Träger des

Bundesverdienstkreuzes. Bei NO LIMITS! ist er

nicht nur Mitinitiator, sondern schafft es aufgrund

des eigenen Werdegangs, Jugendlichen einen

gehörigen Motivationsschub mit auf den Weg zu

geben.

Woher nahmst du die Motivation, dein

Leben so grundlegend zu ändern?

Man sollte immer auch sich selbst die nötige

Aufmerksamkeit schenken, dann fällt es oftmals nicht

schwer, die richtige Strategie bei Veränderungen zu

wählen. Allerdings braucht Aufmerksamkeit neben

Mut noch eine ganze Reihe anderer Werte, damit

Veränderung eben nicht nur ein Wunsch bleibt.

Mein Konzept hieß wohl am Ende „Freiheit“, denn

schnell war mir klar, dass jede Einschränkung

meiner Beweglichkeit von Kopf und Körper eine

Einbahnstraße, weg von Selbstbestimmung und

damit Erfüllung bedeutete. Also war mein Ziel klar:

Ich musste mein eigener Held werden. Das war

Motivation pur, die bis heute anhält.

Bei NO LIMITS! rufst du den Jugendlichen

auch zu: Sei Dein eigener Held! Was genau

meinst Du damit?

Ich will, dass bei jungen Leuten der dumpfe

Tunnelblick und die Passivität verschwinden. Ich

will sie dazu bewegen, endlich nach links, rechts

und nach innen zu schauen. Ich will für sie der

vielleicht unbequeme, aber nötige Anstoß sein, den

Mut aufzubringen, Verantwortung für sich selbst zu

übernehmen und sich nicht planlos in die Zukunft

treiben zu lassen. Gemeinsam suchen wir dann

nach den individuellen Strategien, ganz so, wie ich

es selbst erfahren durfte.

Wieso glaubst du, dass ein Projekt wie NO

LIMITS! notwendig ist?

Sind wir doch ehrlich: Kommst du nicht aus

einem Elternhaus, das dich unterstützt, hast du

doch schon schlechte Karten. Von wegen, die

Chancen sind gleich verteilt! Kommst du aus

einem sozial schwachen Umfeld, bringst gar einen

Migrationshintergrund mit oder hast einfach Eltern,

die nicht wollen oder können, hast du beinahe

schon verloren. Wie will man da eigene Fähigkeiten

identifizieren und Perspektiven entwickeln? Woher

soll man wissen, wie man sich selbständig Wissen

aneignen oder wie und wo man Qualifikationen

erwerben kann? Erschreckend viele Jugendliche

sind nicht nur komplett planlos, sondern auch

extrem verunsichert und mutlos. Es sind diese

Jugendlichen, die unser aller Leben künftig

gestalten werden. Da stellt sich die Frage nach

der Notwendigkeit gar nicht erst.

Sicher begegnen Dir die Jugendlichen

nicht von Anfang an mit ungebremster

Begeisterung. Wie genau erreichst du deine

jungen Zuhörer?

Zuallererst begegne ich ihnen auf Augenhöhe,

nehme sie ernst und komme schon gar nicht mit

dem erhobenen Zeigefinger. Die Resonanz der

Schülerinnen und Schüler aus den letzten Jahren

zeigt mir immer wieder, wie groß der Bedarf an

Vorbildern ist. Durch meinen eigenen extremen

Werdegang, inklusive Erfolge und Misserfolge,

bin ich unbedingt glaubwürdig. So gelingt es mir,

ihr anfänglich ungläubiges bis amüsiertes Staunen

NO LIMITS Magazin 01

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Sei dein eigener Held. | NIMM DEIN LEBEN IN DIE HAND

relativ schnell in Interesse, dann in eigene Reflexion

und schließlich in Motivation zu verwandeln. Die

meisten Jugendlichen sind es nicht gewohnt, dass

jemand so mit ihnen spricht und lassen sich auf

mich ein. Das bedeutet große Verantwortung und

genau die Basis, auf der man gemeinsam etwas

erarbeiten kann.

Planlos rein, motiviert raus. Wie ändern

sich die Jugendlichen im Laufe des

sechsmonatigen Projekts? Wie steht es mit

der Nachhaltigkeit?

Natürlich erreicht man nicht immer 100 Prozent,

aber darauf kommt es vielleicht auch nicht an. Die

überwiegende Mehrheit der Jugendlichen erkennt

schnell die große Chance, die sich ihnen hier bietet

und ergreift sie. Das geht nicht von heute auf

morgen, es ist vielmehr ein Prozess. Die eigentliche

Arbeit beginnt dann, wenn ein Vertrauensverhältnis

aufgebaut ist, aber dann sind echte Erfolge zu sehen

beim einen schneller, beim anderen langsamer.

Am deutlichsten wird ihre Veränderung für mich

immer sichtbar, wenn sich die Jugendlichen auf der

Abschlussfeier von NO LIMITS! präsentieren. Sie

sind oft kaum wiederzuerkennen. Sie sind offen,

selbstbewusster, haben eine klare Vorstellung, wo

es hingehen soll und – was vielleicht das Wichtigste

ist – sie sind stolz auf sich.

Natürlich gibt es auch immer mal Rückschläge,

aber seit NO LIMITS! haben die Jugendlichen stets

eine verlässliche Anlaufstelle. Wir verfolgen den

Werdegang „unserer“ Kids natürlich sehr genau

und bislang sind sie alle auf Kurs. Und das macht

uns stolz!

Susanne Meier

DEIN MÜNCHEN? WAS FÄLLT

DIR SPONTAN DAZU EIN?

Das Team um Mara Bertling lebt jeden Tag

aufs Neue vor, was Herzblut, nicht enden

wollende Energie und echtes Engagement

auf die Straße bringen können.

Wir reden hier nicht von einer seit

Jahrzehnten existierenden Organisation

mit einem großen Mitarbeiterstab und

schon gar nicht von nicht versiegenden

Geldquellen. Und dennoch: Was dieses

Team in nur fünf Jahren geschafft hat, ist

großartig!

Formate wie NO LIMITS! oder NUTZE

DEINE CHANCE sind richtungsweisend und

einzigartig, die Anzahl der Veranstaltungen

und die Unterstützung für benachteiligte

Kinder und junge Menschen sind

sensationell und man kann nur im Ansatz

erahnen, welche Leistung sich dahinter

verbirgt.

Ich würde mir zum einen wünschen,

dass DEIN MÜNCHEN wesentlich mehr

Unterstützung erführe und dass diese

Idee auch in anderen deutschen Städten

Beachtung und damit eine Umsetzung

erfahren würde. Denn bei jedem Gedanken,

der dem Team von DEIN MÜNCHEN

entspringt, gibt es Gewinner: wunderbare

junge Menschen, die unsere Zukunft in den

Händen halten!

20 DEIN MÜNCHEN e.V.


NIMM DEIN LEBEN IN DIE HAND | Veränderung LEBEN.

VERÄNDERUNG

LEBEN.

MEINE WÜNSCHE, MEINE ZIELE, MEINE ÄNGSTE.

Als Projektkoordinatorin von DEIN MÜNCHEN habe

ich viel mit jungen Menschen zu tun und erlebe sie

sehr authentisch.

Leider sehe ich immer wieder, wie durch fehlende

Unterstützung, ein demotivierendes Umfeld oder

gesellschaftliches Schubladendenken unnötige

Hürden aufgebaut werden. Ängste, wie zu versagen,

der Gesellschaft nicht gerecht zu werden, den

Schulabschluss nicht zu schaffen oder nichts im

Leben zu erreichen, sind nur ein paar der vielen

Gedankenspiralen die junge Menschen häufig viel

zu früh in die Knie zwingen.

Ich kann feststellen: Unsere Teilnehmer haben alle

konkrete Wünsche, Ziele und Träume. Sie möchten

selbstbewusster und mutiger werden, ihre Eltern

stolz machen, sich nicht verstellen müssen und

zu sich stehen können. Sie wollen nicht verurteilt

werden und ihren Traumberuf ausüben können, so

wie viele andere Jugendliche auch. Unsere Aufgabe

ist es, Jugendliche auf ihrem Weg in ein erfülltes

und selbstbestimmtes Leben zu begleiten, Ängste

abzubauen und Hürden gemeinsam zu überwinden.

Mein persönlicher Wunsch ist es, die Jugendlichen

bestmöglich zu unterstützen und ihnen somit ein

wichtiger Motivator für ihr Leben zu sein.

Elisa Dudda

NO LIMITS Magazin 01

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OFFEN-

HEIT

DREI JUNGE MENSCHEN GEWÄHREN

EINEN EINMALIGEN EINBLICK

IN IHRE GANZ PERSÖNLICHEN

(LEBENS-) GESCHICHTEN.

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Der schwerste Weg meines Lebens. | OFFEN HEIT

DER SCHWERSTE

WEG MEINES LEBENS.

24 DEIN MÜNCHEN e.V.


OFFEN HEIT | Der schwerste Weg meines Lebens.

ICH SAGTE: “DIESER WEG IST ZU

WEIT, WIR SCHAFFEN ES NICHT.“

MEIN FREUND SAGTE: „WIR LAUFEN

WEITER, WIR SCHAFFEN DAS.“

NO LIMITS Magazin 01

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Der schwerste Weg meines Lebens. | OFFEN HEIT

AFGHANISTAN - PAKISTAN

Meine Geschichte beginnt in Afghanistan. Dort lebte

ich mit meiner Familie, bis wir mit dem Auto nach

Pakistan fuhren; auf der Flucht vor dem Krieg.

In Pakistan lebten wir fünf Jahre lang, wo ich wegen

fehlender Papiere nicht in die Schule gehen konnte.

Meine Familie hatte wenig Geld, meine Mutter

konnte nicht arbeiten gehen, und als ich auch noch

meinen Vater verlor, ging es mir immer schlechter.

Eines Tages schlug mir ein Freund vor, nach

Deutschland zu gehen.

Meine Mutter machte sich große Sorgen, doch ich

versprach ihr, vorsichtig zu sein.

Nach zwölf Stunden kamen wir in ein verlassenes

Dorf, in dem es viel Sand und Dattelpalmen gab.

Dort haben wir eine Stunde lang auf Lastwagen

gewartet. Auf jedem Lastwagen wurden 30 bis 40

Leute verteilt und mit einer schweren Plane bedeckt.

Wir saßen so eng, dass wir uns nicht bewegen

konnten.

Schon bald bekam ich starke Schmerzen in

den Beinen, die immer schlimmer wurden. Ich

wusste nicht mehr, ob ich hungrig oder durstig

war, und wollte nur noch irgendwo ankommen

und schlafen. Nach drei bis vier Stunden Fahrt

erreichten wir in ein kleines Dorf, wo wir auf Häuser

verteilt wurden, in denen wir schlafen konnten. Eng

zusammengedrängt lagen wir auf den schmutzigen

Fußböden und ich dachte: „Das war so schwer,

es kann nicht schlimmer werden.“

Aber es wurde noch viel schlimmer.

PAKISTAN - IRAN

IRAN - SERBIEN

Auf dem Weg von Pakistan in den Iran überquerten

wir mit mehreren Tausend Menschen ein Gebirge.

Der Weg war steinig und anstrengend. Immer

wieder ging es bergauf und bergab und es war sehr

heiß. Wir gingen alle hintereinander und mussten

den ganzen Tag wandern. Wir machten nur kurze

Pausen.

Ein alter Mann war zu schwach und musste

schließlich zurückbleiben, während seine Familie

weiterging. Kurz darauf erzählte uns jemand,

dass der alte Mann gestorben war. Andere

hatten den Toten mit Steinen bedeckt und waren

weitergegangen.

Als ich später erfuhr, dass ein weiterer alter Mann

an Schwäche gestorben war, bekam ich es mit der

Angst zu tun und sagte zu meinem Freund:

„Dieser Weg ist zu weit. Wir schaffen

es nicht.“ Aber mein Freund sagte nur:

„Wir laufen weiter. Wir schaffen das!“

Mein Freund, mit dem ich von Pakistan in den Iran

gegangen war, blieb im Iran, während ich alleine

weiterreiste. Als ich in der Türkei ankam, hatte ich

kein Geld, um den Schlepper nach Griechenland

zu bezahlen. Er bot mir an, auf einem Boot mit 32

Menschen mitzufahren, wenn ich es selber lenken

würde. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen

und entschied mich für sein Angebot.

In Griechenland angekommen, traf ich auf andere

Afghanen, die ebenfalls nach Europa wollten.

Gemeinsam mit zweien von ihnen schaffte ich es

bis nach Mazedonien an die serbische Grenze.

Wir fassten den Plan, bis zu einer größeren Stadt

in Serbien zu laufen, um von dort mit dem Bus

weiterzufahren.

Da wir aber weder Geld für einen Schlepper hatten,

noch die Straßen nutzen konnten, weil uns die

Polizei nicht durchgelassen hätte, mussten wir

erneut ein Gebirge überqueren. Doch diesmal lag

in den Bergen Schnee und wir kannten den Weg

26 DEIN MÜNCHEN e.V.


OFFEN HEIT | Der schwerste Weg meines Lebens.

nicht. Einer meiner Freunde half einer Frau mit

kleinem Kind bis zu einem Berge, damit sie von

dort aus mit einem Schlepper-Taxi weiterfahren

konnte. Für seine Hilfe bekam er 50 Euro und als

er zurückkam, sagte er: „Ich kenne jetzt den Weg.

Wir können gemeinsam ohne Schlepper gehen.“

Mein anderer Freund wollte zunächst nicht mit, weil

ihm der Weg zu gefährlich schien. Wir besprachen

den Plan und beschlossen dann doch, zu dritt

weiterzugehen. Es folgte das furchtbarste Erlebnis:

im Sitzen schlafend in einer Fotokabine. Bei

Sonnenaufgang gingen wir nach oben zu den

Gleisen. Dort trafen wir einen anderen Afghanen,

der erkannte, dass Mehdi und ich Neuankömmlinge

waren. Er gab uns den Tipp, uns bei einer

Polizeistation zu melden.

MÜNCHEN - EINE NEUE ZUKUNFT

Wir liefen durch tiefen Schnee. Einmal mussten wir

umkehren, weil wir der Polizei begegneten. Unsere

Schuhe füllten sich mit Schnee und unsere Beine

schmerzten stark. Wir glaubten, nicht mehr laufen zu

können, aber wir mussten immer weiter. Der Wind

war so kalt, dass wir keine Pause machen konnten,

sonst wären wir erfroren. Mehrmals dachte ich, wir

würden sterben und niemand würde uns helfen.

Das war der schlimmste Tag!

Endlich sahen wir die Lichter der großen Stadt.

Wir dachten, sie sei nicht mehr weit entfernt. Aber

es sollte noch zehn Stunden dauern, bis wir dort

ankamen.

SERBIEN - DEUTSCHLAND

Von Serbien aus liefen wir nach Ungarn und von

dort weiter nach Österreich. Manchmal konnten wir

auch mit dem Bus fahren. Gemeinsam mit einem

weiteren Flüchtling, mit dem ich mich angefreundet

hatte, fuhr ich von Österreich nach München. Am

Münchner Hauptbahnhof angekommen, trennten

wir uns. Mein Freund hatte Bekannte in der Stadt,

zu denen er wollte.

Ich war nun allein und wusste nicht wohin. Es war

Februar und sehr kalt. Planlos lief ich durch die Stadt

auf der Suche nach einer Unterkunft. Dabei lernte

ich Mehdi kennen, der das gleiche Problem hatte

wie ich. Als es dunkel und kalt wurde, zogen wir uns

in die U-Bahnstation des Münchner Hauptbahnhofs

zurück und verbrachten die Nacht

Die Polizei befragte uns und nahm unsere

Personalien auf. In einem Taxi wurden wir zu der

Aufnahmestation Bayernkaserne gebracht. Nach

langwierigen Befragungen und Einweisungen konnte

ich endlich nach vielen, vielen Tagen wieder in

einem Bett schlafen – und ich schlief und schlief

und schlief...

Einige Tage später zog ich in die Aufnahmestation

Fideliopark um, wo ich zwei Monate lang blieb

und an einem Deutschkurs teilnahm. Ich lernte die

Lehrerin Frau Baumann kennen und auch Ali und

Reza, die gute Freunde von mir wurden. Ali und

Reza wurden von Familie Baumann aufgenommen

und ich lernte über sie Lisa und Volker kennen, die

mir die Aufnahme anboten. Nun wohne ich schon

seit zehn Monaten bei ihnen. Ich freue mich sehr,

dass ich bei einer deutschen Familie leben und

eine Schule besuchen kann.

Jetzt habe ich eine Chance, eine gute Ausbildung

zu bekommen. Darauf freue ich mich.

Ich bin im Februar 2015 in Deutschland

angekommen. Meine Mutter war sehr glücklich und

froh darüber. Wir telefonieren heute jede Woche

miteinander.

Changiz, 16 Jahre

(Name von der Redaktion geändert)

NO LIMITS Magazin 01

27


Die mutigste Frau der Welt. | OFFEN HEIT

28 DEIN MÜNCHEN e.V.


OFFEN HEIT | Die mutigste Frau der Welt.

DIE MUTIGSTE

FRAU DER WELT.

„MEINE MUTTER HAT MIR IMMER GEHOLFEN UND AN MICH

GEGLAUBT. OHNE SIE HÄTTE ICH ES NICHT GESCHAFFT.“

Ich wurde am 21. Mai 1999 in Sremska Mitrovica

in Serbien geboren. Genauer gesagt im Keller des

Krankenhauses. Denn es herrschte Krieg zu dieser

Zeit.

Meine Mutter hatte große Angst: Was würde

geschehen, wenn eine Bombe das Krankenhaus

träfe? Was würde mein 4-jähriger Bruder dann ohne

sie machen? Aber nichts passierte. Zum Glück.

Wir lebten damals in einem Einfamilienhaus. Nach

meiner Geburt fing mein Vater an, viel zu viel Alkohol

zu trinken. Wir hatten oft große Angst vor ihm. Mein

Bruder verstand schon, was zu Hause passierte.

Ich selbst war noch zu klein. Nach meinem zweiten

Geburtstag hielt es meine Mutter nicht mehr mit

meinem Vater aus, aber er wollte nicht, dass wir

ihn verließen. Er war jeden Tag betrunken.

Meine Mutter war sehr stark und wollte meinen

Bruder und mich beschützen. Also sagte sie zu uns,

dass wir heimlich zur Nachbarin laufen sollen. Doch

als mein Bruder und ich wegliefen, hat uns mein

Vater gesehen. Wir hatten große Angst. Aber die

Nachbarin hielt die Tür verschlossen. Wir blieben

fünf Tage bei ihr.

Meine Mutter hatte auch Angst. Aber sie hat immer

gesagt, dass sie vor niemandem Angst habe. Sie

wollte nicht, dass mein Bruder und ich ihre Angst

sehen.

Dann fanden wir eine Wohnung im Ort. Mein Vater

wollte uns immer sehen, aber meine Mutter hat das

nicht zugelassen, da er immer noch trank.

Wir waren zwar wieder eine Familie, was wirklich

schön war, aber die Schulzeit dort war das

Furchtbarste, was mir je passiert ist: Neun lange

Jahre lang wurde ich von meinen Mitschülern

gemobbt. Jeden Tag erzählten sie mir, wie schlecht

ich doch sei. Sie haben mich gehasst, nur weil

ich keine Tschechin bin. Viele Male wurde ich nur

deswegen geschlagen.

Ich bin froh, dass wir nach Deutschland gegangen

sind. Ich habe 30 kg abgenommen und bin viel

selbstbewusster geworden. Langsam habe ich

erfahren, dass ich doch nicht so schlecht bin, wie

mir immer nachgesagt wurde. Niemand mobbt

mich mehr.

Durch meine Erfahrungen bin sehr mutig geworden.

Heute ist es mir beinahe egal, was die Leute über

mich reden. Ich weiß es besser.

In meinem Leben gab es viele Probleme, aber nun

geht es mir gut. Ich habe einen kleinen Bruder und

eine neue Familie bekommen. Ich bin sehr glücklich

über das, was ich habe.

Ich danke meiner Mutter für alles. Wer weiß, wie es

mir heute gehen würde, wenn sie mir nicht immer

geholfen und an mich geglaubt hätte. Meine Mutter

ist für mich die mutigste Frau der Welt.

Ela, 17 Jahre

(Name von der Redaktion geändert)

2005 zogen wir nach Prag um. Dort wurde mein

Leben aber nicht besser, sondern noch schlimmer.

NO LIMITS Magazin 01

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Über das Problem der Abstammung. | OFFEN HEIT

ÜBER DAS PROBLEM

DER ABSTAMMUNG.

„MEINE FAMILIE WAR NICHT REICH, SIE

HIESS NUR WIE DIE REICHEN.“

Um meine Geschichte zu erzählen, muss ich bei

meinem Großvater beginnen. Mein Großvater heißt

Francis Ngagy und er gehört dem Volksstamm der

Kikuyu an. Aufgrund des Rassismus zwischen

den verschiedenen Volksstämmen musste er

seinen Namen ändern. In Kenia ist es so, dass

die Namen von Reichen immer mit „O“ beginnen,

deshalb änderte er seinen Namen in Onjoro. Wenn

er weiter Ngagy geheißen hätte, dann hätte er − da

von schlechterem Stand − nicht studieren können.

Ich komme aus einem guten Elternhaus und meine

Mutter konnte mich, dank des Namens Onjoro, auf

30 DEIN MÜNCHEN e.V.


OFFEN HEIT | Über das Problem der Abstammung.

und Missverständnissen. Es kann sogar sein,

dass du verprügelt wirst oder im schlimmsten Fall

erschlagen wirst. Die Menschen hassen einander,

einfach nur weil sie unterschiedlichen Volksstämmen

angehören. Sie hinterfragen diesen Hass nicht, sie

leben ihre althergebrachte Wahrheit: „Wir hassen

die, die hassen uns.“

Dies ist in ganz Afrika in den Köpfen fest verankert

und nur schwer zu entfernen. Dennoch gilt Kenia

mittlerweile als das afrikanische Musterland. In Kenia

leben über 40 verschiedene Volksstämme, viele

davon mit einem hohen Traditionsbewusstsein.

Trotzdem gelingt es diesem Vielvölkerstaat seine

ethnischen Minderheiten zu schützen und zu

respektieren.

Die Verhältnisse hier in Deutschland sind viel besser:

die Schulen, die Perspektiven und natürlich die

Chancen. Ich lebe seit August 2012 hier. Ich fühle

mich frei und kann mich in den unterschiedlichen

Bundesländern ungehindert bewegen. Hier muss

ich keine Angst haben, für das Überschreiten von

Grenzen bestraft zu werden.

eine Privatschule schicken. Dort gab es viele reiche

Leute. Aber meine Familie war nicht reich … meine

Familie hieß nur wie die Reichen. Damit begannen

die Schwierigkeiten.

Wenn man vom Stamm der Kikuyu ist, aber

Onjoro heißt, lehnen dich die Leute ab. Denn du

gehörst weder zu den einen noch zu den anderen.

Du siehst aus wie der eine, heißt aber wie der

andere. Dein Leben wird härter und deine Freiheit

eingeschränkter. Normalerweise verlässt man nicht

einfach die eigenen Stammesgrenzen. Tut man es

dennoch, weil man zum Beispiel nach Arbeit sucht,

muss man sich erst jedem beweisen.

„Nein, ich bin wirklich ein Kikuyu, obwohl ich anders

heiße!“ Das führt immer zu extremen Spannungen

Der Rassismus in Deutschland oder Europa

ist nicht wie der Rassismus in den USA. Dort

wurden die Farbigen über Jahrhunderte hinweg

als Sklaven gehalten, was schwer aus den Köpfen

der Menschen herauszubekommen ist. In Europa

und Deutschland dagegen gab es nicht viele

Farbige. Der Rassismus ihnen gegenüber ist hier

nicht besonders groß. Es gibt zwar immer wieder

Menschen, die Vorurteile oder das Gefühl haben,

wir nehmen ihnen etwas weg, aber das sind, aus

meiner Sicht, Gott sei Dank nur wenige.

Ich liebe Deutschland und fühle mich super wohl

hier. Ich gehe zur Schule, gehe meinem Hobby

Basketball nach und chille mit Freunden. Ich kann

nachts frei durch München laufen, was ich sehr

genieße. Wenn ich das meinen Freunden in Kenia

erzähle, können sie es kaum glauben.

Für mich sind alle Menschen gleich! Ich hinterfrage

sie nicht, sondern ich nehme sie so, wie sie sind.

Brian, 19 Jahre

NO LIMITS Magazin 01

31


BEWUSST-

SEIN

32


PHILOSOPHIEREN,

DISKUTIEREN

UND NEUE

BETRACHTUNGSWINKEL

EINNEHMEN.

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Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann. | BE WUSST SEIN

DER KOPF IST RUND,

DAMIT DAS DENKEN

DIE RICHTUNG

WECHSELN KANN.

(Francis Picabia)

Würde und Freiheit. Keine einfachen Themen, die bei genauerer Betrachtung immer vielschichtiger werden.

Zwar spielen sie im gegenseitigen Umgang eine Rolle, doch wie steht es mit der inneren Würde und der

inneren Freiheit?

Dr. Nathalie Weidenfeld, Autorin und Kulturwissenschaftlerin, dreifache Mutter und Ehefrau des

früheren Kulturstaatsministers Julian Nida-Rümelin, erarbeitete als NO LIMITS! Projektpatin

gemeinsam mit den teilnehmenden Jugendlichen neue Perspektiven.

WÜRDE UND FREIHEIT

Ein kleiner Junge hält einem kleinen, alten und

schwachen Hund ein Sandwich hin. „Iss“ bettelt er.

„Iss!“ Der Junge weiß, dass wenn der Hund nichts

isst, er bald eingeschläfert werden wird. Doch sein

Besitzer hat sich entschieden: Der alte Hund ist eine

Last und darf nicht weiterleben. Der sozialkritische

Film Meska Spawa (2001) des polnischen Regisseurs

Slawomir Fabicki beginnt nicht nur traurig, er bleibt

es auch. Denn dem Jungen ist auch zu Hause

kein schönes Leben beschert. Die Mutter arbeitet

von morgens bis abends an Plastikpuppen und

der arbeitslose und alkoholsüchtige Vater schlägt

seinen Sohn regelmäßig mit einem Gürtel. Was

beim Ansehen des Filmes besonders schmerzt,

ist, dass wir nicht nur zusehen, wie der Junge

körperlich misshandelt, sondern auch erniedrigt

wird. Dem Jungen bleibt nur der Rückzug in sich

selbst. Schweigsam, introvertiert lässt er niemanden

an seinen Gefühlen teilhaben. Als sein Sportlehrer

ihn auffordert, sein Hemd auszuziehen, um das

neue Fußballtrikot anzuprobieren, weigert er sich.

Der Lehrer soll auf keinen Fall seinen geschundenen

Rücken sehen. Das ist für ihn eine Frage der Wahrung

persönlicher Würde.

34 DEIN MÜNCHEN e.V.


BE WUSST SEIN | Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.

Und doch geschieht am Ende genau das: Am

Ende des Films reißt der Lehrer dem Jungen die

Kleider vom Leib, er hat kein Verständnis für ein

sein vermeintliches Rumgezicke. Dann hält der

Lehrer inne: Geschockt sieht er den geschundenen

Rücken des Jungen. Nun begreift er, warum der

Junge sich nicht ausziehen wollte. Doch es ist zu

spät. Der Junge, der sich nun nicht nur vom Vater,

sondern auch vom Lehrer erniedrigt fühlt, rennt

weg – direkt in den Käfig, in dem der alte kleine

Hund lebt. Was für eine schreckliche, gewalttätige

und harte Welt scheint uns der Film zu sagen! Eine

Welt, aus der es keinen Ausweg gibt und in der der

Junge – so wie der Hund im Käfig –eingesperrt und

seiner Freiheit beraubt ist. Aber er sagt nicht nur

das. Er sagt uns auch, dass man in einer solchen

Welt aufwachsen und trotzdem menschlich bleiben

kann. Warum sonst würde der Junge den kleinen

Hund beschützen wollen? Auch wenn seine Welt

um ihn herum nur nach dem Prinzip des Gesetzes

des Stärkeren operiert, hat er entschieden, an etwas

anderes zu glauben. Auch wenn er dies im Stillen

tut. Und auch wenn er das, an was er glaubt, nicht

durchsetzen kann. Auch wenn er scheitert. Wir alle

besitzen die Freiheit, das zu denken und an das zu

glauben, was wir für richtig halten. Unsere Werte

kann uns niemand nehmen.

Im Laufe der Sitzung kamen wir auch auf den

großen südafrikanischen Freiheitskämpfer Nelson

Mandela zu sprechen. Dieser war 27 Jahre im

Gefängnis. Und doch hat es dieser Mann geschafft,

seine Würde zu bewahren. Als er nach 30 Jahren

Haft herauskam, war er nicht gebrochen, sondern

begegnete aufrecht und selbstbewusst seiner

Umwelt – auch seinen Peinigern.

Freiheit bedeutet nicht nur Handlungsfreiheit.

Sie bedeutet auch, seine innere Freiheit zu

bewahren.

Dr. Nathalie Weidenfeld

NO LIMITS Magazin 01

35


Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann. | BE WUSST SEIN

Die Philosophin und Bestsellerautorin (u.a. „Die Sinn-Diät“ und „Kleine Philosophie der Macht“)

Dr. phil.Rebekka Reinhard gehört zum festen Team der NO LIMITS! Projektpaten. Unter dem Motto

„Typisch Mann, typisch Frau!“ diskutierte sie zuletzt mit fünf Mädchen und zehn Jungs unterschiedlichster

Herkunft sehr offen über Normen, Erwartungen und Klischees. Schnell wird klar, dass die Ansichten hier

nicht leicht zu vereinen sind. Das Zauberwort heißt „Respekt“ und der ist essenziell für persönliches Glück,

so groß die Unterschiede auch sein mögen.

TYPISCH MANN, TYPISCH FRAU: EIN WORKSHOP ÜBER LIEBE

UND GLÜCK

Was verstehen Männer und Frauen unter Liebe

und Glück? Was ist überhaupt ein „Mann“, eine

„Frau“? Das sind nicht nur praktische, sondern

auch philosophische Fragen, über die wir uns –

zehn Jungs, fünf Mädchen und ich – an einem

Nachmittag in meinem Wohnzimmer Klarheit

verschaffen wollen. Auch Philosophie ist Liebe;

die Liebe zur Weisheit (philo-sophia). Was macht

36 DEIN MÜNCHEN e.V.


BE WUSST SEIN | Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.

als „typisch“ für eine Frau, für einen Mann gilt,

bestimmen uneingestandene Vorurteile (implicit

biases) und Klischeevorstellungen vom „Normalen“,

die sich tief in unsere Denkorgane eingegraben

haben, etwa: „Frauen gehören an den Herd!“

Eines der Mädchen in meinem Wohnzimmer

stellt klar: „Also ich will nicht immer vom Mann

eingeladen werden, ich will selber zahlen!“ Ist das

normal? Nicht unbedingt. Normal sind Frauen und

Mädchen, die lächeln, nicken, Harmonie verbreiten

und bedienen. In Pakistan, Bosnien, der Türkei, dem

Irak und dem Kosovo genau so wie in Deutschland.

Genug nachgedacht, das wollen wir jetzt genauer

wissen. Zwei Mädels und fünf Jungs melden

sich zum Rollenspiel. „Stellt euch vor, ihr seid

Vorstandsmitglieder einer großen Firma. Welche

Firma wollt ihr vertreten?“ „BMW!“

Also gut. Die Vorstände sollen ein Problem mit

einem Kunden diskutieren. Die Jungs gehen in

Position. „Wenn ich was sage, seid ihr gefälligst

still!“, fängt einer an und alle reden durcheinander –

das heißt, die Jungs. Die Mädchen sagen (fast) gar

nichts. Schuld ist das Phänomen der Bedrohung

durch Stereotype (stereotyope threat). Ob im

Rollenspiel oder im wirklichen Leben: Wann immer

Frauen indirekt auf negative Vorurteile bezüglich

ihrer Fähigkeiten aufmerksam gemacht werden,

neigen sie dazu, eben diese Vorurteile („Frauen

können nicht diskutieren!“) zu bestätigen.

man eigentlich beim Philosophieren?

„Diskutieren!“ Und? „Nachdenken!“ Das tun wir.

Was ist Liebe? Kurze Pause, dann geht es los.

„Geld!“ „Ohne Geld keine Liebe.“ „Ehre ist wichtig.“

„Du musst der Frau was bieten können.“ „Da gibt’s

so `ne Studie, wenn der Mann im kaputten VW

vorfährt, steigt die Frau nicht ein. Die Frau steigt

ein, wenn man im Porsche vorfährt!“

Ist das so? Frauen sind nett, gepflegt und kochen

gut – können aber auch zickig sein. Männer sind

stark, gut verdienend – und egoistisch. Was eine

„gute“ Frau und was einen „guten“ Mann ausmacht,

wird durch gesellschaftliche Normen geregelt. Was

Was kann man da tun? Frauen sollten ihren

Maulkorb ablegen, Männer lernen, dass Schweigen

manchmal Gold ist. Im Beruf wie in der Liebe.

Was ist Liebe nun? So etwas wie Glück. „Familie“.

„Vertrauen“. „Respekt.“ „Cash.“ „BMW“ ...

Und plötzlich ist der Nachmittag vorbei. Alle

schnappen ihre Jacken und stürmen ins

Treppenhaus. Das Wohnzimmer ist leer, bis auf

ein paar zerknüllte Schokoriegel-Verpackungen.

Ich frage mich, was der Workshop bewirkt hat.

Nicht bei den Schülern. Bei mir. Und komme zu

dem Ergebnis: Philosophieren heißt auch, denen

zuzuhören, deren Suche nach Liebe und Glück

gerade erst begonnen hat.

Dr. phil. Rebekka Reinhard

NO LIMITS Magazin 01

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Glaube an Dich! | BE WUSST SEIN

GLAUBE AN DICH!

JEDER HAT TALENTE, STÄRKEN UND POTENZIALE.

Bis zur Volljährigkeit hört ein junger Mensch

von seinem Umfeld unzählige Male was er alles

NICHT kann. Dabei spielen oft Haltung und

Wertvorstellungen der Eltern und Lehrer eine

erhebliche Rolle. Diese wurden bereits von deren

eigenen Eltern übernommen und führen nach

eigenen Misserfolgen u. a. zu einer Angst vor dem

Scheitern.

So pflanzt sich eine Kultur der Unsicherheit und

des Misstrauens in die eigenen Fähigkeiten oft über

Jahrhunderte fort.

Wollen wir eine neue Gesellschaft, die sich

weiterentwickelt, müssen wir aufhören, unsere

Kinder an die bestehende Gesellschaft anzupassen

und sie vielmehr dabei unterstützen, ihre

individuellen Potenziale voll entfalten zu können.

Nur dann entsteht eine Gesellschaft aus kreativen,

empathischen, reflektierten, mutigen Menschen, die

miteinander und füreinander an einer wortwörtlich

besseren Welt arbeiten, bereits dadurch, dass sie

Teil davon sind.

Deshalb ein klarer Aufruf an alle jungen Menschen:

Glaub‘ an Dich! Jeder Mensch kommt von Natur

aus mit genau den wichtigen Fähigkeiten in diese

Welt, die gerade gebraucht werden.

Deswegen ist es wichtig, dass Du auf Deinen Bauch

hörst, Deine ganz eigenen Talente entdeckst, dazu

stehst und sie weiterentwickelst. Es gibt einen Trick

herauszufinden, was Deine wirklichen Potenziale

sind, Deine Aufgabe in dieser Welt ist: Finde Dinge,

die Du voller Begeisterung tust, während andere

einen Nutzen davon haben!

Manuel Schiffelholz

SELBSTVERTRAUEN UND

SELBSTBEWUSSTSEIN

Selbstvertrauen ist die Voraussetzung für ein

erfülltes und erfolgreiches Leben. Persönlich wie

beruflich. Ein geringes Selbstvertrauen hat man

nicht einfach, es wird einem gegeben. Schlechte

Erfahrungen haben uns geprägt, man gab uns

das Gefühl, wir seien nicht in Ordnung, vielleicht

wurden wir in der Schule gemobbt– Selbstvertrauen

ade. Der Trick ist: Wir dürfen keine Schwäche

zeigen und bei genauem Hinsehen entdecken wir

die Schwächen bei denen, die über uns lästern.

Also: Man sollte wissen, wer man ist und welche

Stärken und Schwächen man hat. Man sollte zu

sich stehen. An sich arbeiten ist immer gut, solange

man sich nicht verbiegt. Ich sage mir jeden Tag:

„Ich bin toll, so wie ich bin!” und dafür brauche

ich weder eine große Klappe noch Geld oder viele

Facebook-Freunde. Selbstbewusstsein ist nicht

angeboren, wird nicht vererbt oder ist käuflich.

Selbstbewusstsein musst du dir erarbeiten und

zwar ganz tief in dir drinnen. „Du selbst zu sein in

einer Welt, die dich ständig anders haben will, ist

die größte Errungenschaft.“ Ralph Waldo Emerson.

Diana, 15 Jahre

38 DEIN MÜNCHEN e.V.


BE WUSST SEIN | Hier bin ICH. Den eigenen AUS DRUCK finden.

HIER BIN ICH.

DEN EIGENEN AUS-

DRUCK FINDEN.

ALAN BROOKS ZEIGT UNS, WIE ES GEHT.

Wie wirke ich auf andere? Werde ich gesehen?

Warum erkennst du etwas in mir, obwohl wir

nicht darüber gesprochen haben?

Diese Fragen stellen sich junge Menschen in einem

Workshop mit Alan Brooks relativ schnell, denn es

geht um die Bedeutung des persönlichen Ausdrucks

und um die Frage, wie man sich im wahrsten Sinne

des Wortes positiv und selbstbewusst in der

Gesellschaft „bewegen“ kann.

Bewegung als kreativer Ausdruck der eigenen

Persönlichkeit. Das ist die Mission des renommierten

Tänzers und Choreografen Alan Brooks. Er

bietet jungen Menschen die Möglichkeit, eine

völlig neue Art der Kommunikation für sich zu

erleben. Die einzigen Voraussetzungen, die es

für seine Workshops braucht, sind Mut, Energie

und Konzentration, um den eigenen Horizont zu

erweitern und persönliche Grenzen zu überwinden.

NO LIMITS Magazin 01

39


Hier bin ICH. Den eigenen AUS DRUCK finden. | BE WUSST SEIN

Im Interview mit jugendlichen

Projektteilnehmern von NO LIMITS!

erzählt Alan über seine Schulzeit, wie

er zum Tanz gefunden hat und was

ihn im Leben antreibt.

geht gar nicht.“ Und ich habe gesagt: „Verzeihung,

aber das muss ich probieren.“ Ich bin sehr froh,

dass ich den Mut gefunden habe, das zu machen,

was ich liebe und für mich erkämpft habe. Mut

brauchst du jeden Tag.

Alan, wie war deine eigene Schulzeit?

Meine Schulzeit war ziemlich bescheuert, wenn

ich ganz ehrlich bin. Ich komme aus London, aber

aus einer Vorstadt von London. Dort ist alles sehr

grau, alles sehr langweilig. Ich habe dort gar nicht

reingepasst. In meiner Schule war alles streng

verboten. Die Schule war für mich ein Gefängnis.

Ich fand sie katastrophal und furchtbar.

Wie bist du darauf gekommen, Tänzer zu

werden?

Das war reiner Zufall. Ich hatte eigentlich

ursprünglich geplant, Rechtsanwalt zu werden. Ich

wollte in London leben und wahnsinnig viel Geld

verdienen und natürlich ein geiles Leben haben. Als

ich Abitur machte, hatten wir die Aufgabe, etwas

zu finden, das wir als Hobby vertiefen können. Ich

habe immer Theater gespielt in der Schule und da

war Tanz eine Möglichkeit, dies zu tun. Ich dachte:

„Och ja, warum nicht.“ Und es passte einfach wie

die Faust aufs Auge. Es war mein Himmel auf Erden.

Was war dein bewegendstes Erlebnis?

Das war wahrscheinlich der Tod meines Vaters, als

ich 14 Jahre alt war. Das ist natürlich brutal für jeden,

der so etwas erleben muss. Eine andere Erfahrung,

die mich für immer verändert hat, war, als ich zum

ersten Mal mit Rollstuhlfahrern gearbeitet habe. Ich

werde nie Steven vergessen. Er hatte mit 20 Jahren

einen schweren Unfall und konnte sich kaum mehr

bewegen. Mit schwerbehinderten Menschen muss

man alles sehr langsam machen. Zur Musik von

Madonnas „Ray of Light“ habe ich ihn durch den

Raum gezogen. Und ich habe ihm die in Augen

geschaut und gesagt: „Steven, du tanzt. Guck dich

an, du tanzt.“ Und seine Augen wurden größer und

sein Arm und sein Fuß wackelten.

Und ich schwöre, dass er in diesem Moment mehr

getanzt hat als ich in meinem ganzen Leben. Das

werde ich nie vergessen.

Glaubst du, dass die Werte Mut, Interesse,

Ausdauer und Offenheit wichtig sind, um

etwas im Leben zu erreichen?

Ja klar, auf jeden Fall. Ich finde es immer gut, wenn

Menschen bewusst durchs Leben gehen. Wenn

sie wissen, dass sie vor etwas Angst haben, es

aber trotzdem machen. Oder eine gewisse Sturheit

haben und sich trotz Widerständen sagen: „Doch,

ich mache es trotzdem. Ja, das interessiert mich.

Da will ich hin!“ Diese kämpferische Energie,

während man seinen eigenen Weg geht, das finde

ich wunderbar.

Wann musstest Du Mut beweisen?

Richtig mutig war ich, als ich angefangen habe zu

tanzen. Als alle gesagt haben: „Du spinnst, du bist

zu alt, das ist kein Job, du wirst arbeitslos sein. Das

Der in der Nähe von London geborene Alan Brooks kommt

während eines Schul-Workshops zum ersten Mal in Kontakt mit

zeitgenössischem Tanz und fängt sofort Feuer. Nach seinem

Studium an der renommierten Rambert School in London wird

er 1998 Solist am Ballett Theater München. Während seines

Wechsels nach München entwickelt Alan mit „Tanz mal Drei“

das erste Schultanz-Projekt einer staatlichen Ballettkompanie

in Deutschland, das ihn sofort über München hinaus bekannt

macht. Zwischen 2009 und 2013 leitet Alan das europaweit

einzigartige Projekt „Schultanz in Bayern“, welches aktuell an

der Universität Eichstätt fortgeführt wird. Darüber hinaus ist

Alan Brooks Lehrbeauftragter an der Universität Augsburg.

40 DEIN MÜNCHEN e.V.


BE WUSST SEIN | Hier bin ICH. Den eigenen AUS DRUCK finden.

NO LIMITS Magazin 01

41


ORIENTIERUNG

MOTIVATION UND

ERWEITERUNG DES

HORIZONTS. CHANCEN UND

PERSPEKTIVEN ERKENNEN.

VORBILDERN BEGEGNEN.

42


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Was macht mich Stark... | ORIEN TIERUNG

WAS MACHT

MICH STARK...

ÜBER DIE BEDEUTUNG VON MENSCHEN

DIE HINTER MIR STEHEN.

FREUNDSCHAFT

Freundschaft bedeutet für mich, eine beste Freundin

zu haben. Eine Freundin, der ich vertrauen und auf

die ich mich verlassen kann. Eine Freundin, von der

ich weiß, dass sie immer für mich da ist. Das ist ein

besonderes Gefühl.

Man braucht im Leben einen treuen Menschen

an seiner Seite, denn das Leben ist nicht immer

einfach. Es besteht aus Höhen und Tiefen. Und

manchmal brauchst du jemanden, der dir hilft,

indem du ihm alles erzählen kannst, was dir auf

dem Herzen liegt. Aber man erlebt nicht nur traurige

Sachen, sondern hat auch viel Spaß zusammen,

kann gemeinsam lachen und vieles miteinander

erleben und erfahren.

Eine beste Freundin unterstützt dich (Interesse),

weint, wenn du weg bist, verrät dir alle ihre

Geheimnisse, vertraut dir immer (Ausdauer) und

verrät dich nicht, wenn du etwas falsch gemacht

hast (Mut). Sie verletzt dich niemals, tröstet dich,

wenn du traurig bist, mag dich wegen deines

Charakters und lügt dich niemals an (Offenheit).

Außerdem ist es deiner besten Freundin egal, ob

du reich oder arm, schwarz oder weiß, Christ oder

Muslim oder was auch immer bist. Eine wahre

Freundin zu finden, braucht Zeit.

Eine beste Freundin merkt, wenn du die Schwächere

bist, und ist dann für dich da. Wahre Freunde

sind nicht die, die dich sofort hochziehen wollen,

wenn du am Boden bist. Wahre Freunde setzen

sich einfach zu dir und hören dir zu. Dann steht

ihr gemeinsam auf. Eine wahre Freundin zeigt dir

deine Fehler und hat dich trotzdem lieb, sie lässt

alles stehen und liegen, wenn du sie brauchst. Bist

du bereit, das alles zu geben? Dann bist auch du

eine beste Freundin.

Warum ich gerade dieses Thema gewählt habe?

Die Freundschaft meiner besten Freundin ist für

mich das Wichtigste auf der Welt. Ohne sie wäre

vieles schwerer. Sie hilft mir, meine Schwächen zu

erkennen und sie zu überwinden.

Wahre Freunde kann man nicht kaufen. Sie

sind ein Geschenk!

Salome, 15 Jahre

Wahre Freunde können miteinander streiten, ohne

sich gegenseitig zu beleidigen, zu provozieren oder

zu beschimpfen. Kritik und offene Worte werden

toleriert und sind sogar erwünscht. Ist es eine wahre

und gute Freundschaft, findet man immer einen

Weg, um sich wieder zu vertragen.

44 DEIN MÜNCHEN e.V.


ORIEN TIERUNG | Was macht mich Stark...

B‘BALL IS LIFE

Als ich nach Deutschland kam, habe ich noch nicht

sehr viel gewusst, geschweige denn die Sprache

beherrscht. Mein Leben war ziemlich einsam.

Ich hatte keine Freunde und keine Ahnung, was ich

als Nächstes tun sollte. Ich fühlte mich, als lebte

ich auf einer einsamen Insel. Bis mir meine Mutter

eines Tages einen Basketball kaufte.

Ich fing an zu spielen und von da an zeigte mir

das Leben seine hellere Seite. Es war Sommer

und anstatt den ganzen Tag nach dem Lernen in

meinem Zimmer zu verbringen, begann ich, meine

Basketball-Fähigkeiten zu trainieren.

Eines Tages, nach meinem üblichen Training, kam

ein weißer Kerl namens Regnet zu mir und sagte:

„Hallo du da, du bist gut. Warum spielst du nicht

mit uns? Wir haben jeden Freitag ein Spiel und

könnten dich und deine Fähigkeiten gebrauchen.“

hatte bald Kumpels, mit denen ich herumhängen

konnte. Zum Glück sprachen alle Englisch. Sie

haben mir viel beigebracht und erklärt. Einer von

ihnen namens Odhis war wie ich noch nicht lange

in Deutschland. Er half mir bei den wichtigsten

Schritten, die notwendig waren, und zeigte mir,

wo ich einen Deutschkurs besuchen konnte. Durch

ihn habe ich schnell aufgeholt.

Auf einmal war mein Leben nicht mehr so einsam.

Ohne Basketball wäre mein Leben sehr schwer

für mich geblieben. Der Sport hat mir geholfen, in

Deutschland an- und im Leben vorwärtszukommen.

Aber es muss nicht Basketball sein!

Wenn du etwas hast, das du liebst und das

dich glücklich macht, dann bist du auch

bereit, dich reinzuhängen und keine Mühen

zu scheuen.

Brian, 19 Jahre

Natürlich konnte ich nicht „Nein“ sagen. Durch

Basketball lernte ich neue Freunde kennen und

NO LIMITS Magazin 01

45


Mut, Offenheit, Interesse und Ausdauer. | ORIEN TIERUNG

MUT, OFFENHEIT,

INTERESSE UND

AUSDAUER.

ZENTRALE WERTE BEI NO LIMITS!. ERKLÄRT

VON SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN.

MUT

Mut bedeutet für mich, dass man Kraft zum

Kämpfen hat, und kämpfen kann man nur, wenn

man keine Angst hat; keine Angst, etwas zu

verlieren, etwas falsch zu machen oder etwas

Falsches zu sagen.

Ohne Mut kannst du deine Ziele nicht erreichen.

Nur wenn du etwas wagst, machst du einen Schritt

nach vorne. Auch wenn es vielleicht nicht immer

leicht ist und nicht immer so ausgeht, wie du es dir

wünschst, aber du hast es getan! Und an diesem

Punkt kannst du sagen, dass du mutig warst!

stehst, musst du all deinen Mut zusammennehmen

und über diesen Abgrund/dieses Loch springen.

Glaube an dich selbst und du wirst deine Ziele

erreichen und deine Träume werden wahr.

Wenn ich zum Beispiel nicht so mutig und psychisch

stark gewesen wäre, hätte ich meine Schulzeit in

Tschechien nicht überstanden. Meine Mutter sagt

immer: „Wenn du Angst hast, etwas zu verlieren,

dann verlierst du es auch. Es kommt immer so, wie

man es voraussagt.“

Ela, 17 Jahre

Das Leben verlangt dir oft Mut ab. Wenn du auf

deinem Weg vor einem Abgrund oder tiefem Loch

46 DEIN MÜNCHEN e.V.


ORIEN TIERUNG | Mut, Offenheit, Interesse und Ausdauer.

OFFENHEIT

Bevor ich am Projekt teilgenommen habe, war

mir Offenheit nicht wichtig. Jetzt aber schon. Weil

ich gemerkt habe, dass nur, wenn man jemanden

von innen und außen kennt, eine große und

vertrauensvolle Freundschaft entstehen kann. Egal

ob unter Freunden, innerhalb der Familie oder in

unseren Beziehungen: Offenheit ist das A und O.

Für mich ist ein Mensch dann offen, wenn er offen

lacht, ehrlich ist, seine Meinung sagt und seine

Gedanken äußert, ohne zu zögern und ohne lange

darüber nachzudenken. Manchen Menschen – wie

auch mir – fällt es oft schwer, offen zu sein.

Wirklich offen bin ich nur bei meinen Freunden und

meiner Familie. Bei ihnen fällt es mir leicht, offen

zu sein, weil ich weiß, dass ich ihnen vertrauen

kann. Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass

du jemanden hast, der dir zuhört und der für dich

da ist, wenn du Probleme hast oder wenn es dir

mal nicht so gut geht.

Menschen, die offen sind, bewundere ich sehr,

denn das heißt, dass sie ein starkes Selbstvertrauen

haben.

Diana, 15 Jahre

INTERESSE

Ich glaube, wenn man erwachsen wird, bekommt

man Interesse an Autos, Motorrädern, Frauen

und vielem mehr. Das interessiert mich aber noch

nicht, ich interessiere mich eher für andere Dinge.

Interessen verändern sich also, je nachdem, was

gerade in unserem Leben wichtig ist oder wichtig

wird.

Interesse bedeutet für mich, dass wir etwas gerne

machen oder uns etwas besonders gefällt. Das

kann für jeden etwas anderes sein. Beschäftigen

wir uns länger mit einer Sache, lernen wir aus

ihr und gewinnen an Erfahrung. Interesse oder

Aufmerksamkeit an einer Sache kann kürzer oder

länger dauern. Je nachdem, wie sehr uns eine

Sache berührt oder in den Bann zieht.

auf Leute hören, die sich für etwas anderes

interessieren und deine Sache aus diesem Grund

schlechtmachen. Steht man zu seinen Interessen,

muss man also auch selbstbewusst sein.

Valantis, 15 Jahre

AUSDAUER

Den Begriff AUSDAUER benutzt man meist im

sportlichen Bereich, aber es gibt noch eine andere

Bedeutung: Ausdauer zu haben, bedeutet auch,

nicht aufzugeben, egal wie schwer eine Aufgabe ist.

Es gibt nicht viele Menschen mit einer guten

Ausdauer. Wenn jemand fit aussieht, muss das

nicht heißen, dass er auch Ausdauer besitzt. Aber

man kann Ausdauer trainieren und erweitern.

Nicht viele Menschen bemühen sich darum, ihre

Ausdauer zu erweitern. Sie hoffen einfach, dass

jemand kommt und alles für sie macht. Aber

dazu wird es nie kommen! Wer etwas im Leben

erreichen will, muss selbst die Ausdauer besitzen,

nicht aufzugeben und immer weiter an einer Sache

zu arbeiten.

Man kann natürlich nicht immer alles alleine machen,

selbst wenn man die Ausdauer dafür besitzt. Doch

auch wenn man in einem Team arbeitet, sollte

man große Ausdauer zeigen. Denn wenn einer

nicht arbeiten will, werden die anderen auch nicht

arbeiten wollen.

Deswegen sollte jeder die Ausdauer besitzen, nicht

aufzugeben und immer weiterzumachen, so schwer

der Weg auch ist.

Andi, 16 Jahre

Man sollte vieles ausprobieren dürfen und nicht

NO LIMITS Magazin 01

47


Sei (m)ein Vorbild. Mach mir Mut! | ORIEN TIERUNG

SEI (M)EIN VORBILD.

MACH MIR MUT!

WIR TREFFEN SHANE UND BARBARA MCMAHON.

An was kann ich mich orientieren? Wer zeigt mir, wie das Leben funktioniert? Gibt es

Menschen, die Werte leben? Wie geht man mit Fehlern um? Habe ich überhaupt eine

Chance?

Von Menschen, die wir besonders finden, die wir bewundern, mit denen wir uns gerne identifizieren

würden, lernen wir viel und leicht. Sie sind Vorbilder, die uns Orientierung geben können, uns

Wege aufzeigen, Hoffnung machen. Vorbilder können uns zeigen, dass prinzipiell alles möglich

ist, solange man bereit ist, für eine Sache wirklich einzustehen und gegebenenfalls auch dafür

zu kämpfen. Sie inspirieren und motivieren einen, sich Herausforderungen zu stellen, Neues

auszuprobieren, zu erkennen, dass viele Probleme überwindbar sind.

Vorbilder sind bei DEIN MÜNCHEN keine Popstars, sondern Menschen zum Anfassen mit

interessanten Lebensgeschichten, Ambitionen und Visionen und vor allem mit Herz und echten

Werten. Manchmal sind es erfolgreiche oder bekannte Menschen aus unserer Münchner

Gesellschaft, manchmal sind es einfach nur Menschen mit interessanten oder faszinierenden

Lebensläufen. Lebensläufe, in denen Begriffe wie Scheitern, Aufstehen und Weitermachen keine

Fremdwörter sind. Es ist bewegend, wie diese Personen in der direkten Begegnung mit den

Kindern zu Wegweisern, Beratern und Mutmachern werden.

Mara Bertling

WIR TREFFEN SHANE UND

BARBARA MCMAHON.

Gemeinsam führen die beiden seit rund

sieben Jahren ihr eigenes Restaurant in der

Münchner Isarvorstadt. Sie sind Gastgeber

mit Leidenschaft. Selbstständig.

Shane kocht im Fernsehen, schreibt

Kochbücher, gibt Kochkurse, kreiert täglich

saisonale Menüs und begeistert seine Gäste.

Barbara hält Shane den Rücken frei, organisiert

das Restaurant und die Kochschule: Angebote

schreiben, Personalplanung, Gästebetreuung.

Mit 17 Festangestellten und einem Anspruch

auf absolute Perfektion ist sie beschäftigt.

Die beiden sind angekommen. Das sagen sie.

Gemeinsam ziehen sie an einem Strang. Sie

sind glücklich.

Doch der Weg dahin war lange und steinig. Er

führte über Umwege. Viele dieser Umwege mussten

sein – das haben Barbara und Shane inzwischen

erkannt. Es waren Umwege, ohne die es vielleicht

nicht gegangen wäre. Auch, wenn man das oft nur

rückblickend feststellt.

Shane kam als 19-Jähriger aus Irland nach

Deutschland. Ohne Deutschkenntnisse. Einen Koffer

48 DEIN MÜNCHEN e.V.


ORIEN TIERUNG | Sei (m)ein Vorbild. Mach mir Mut!

und 100,– DM hatte er dabei. Mehr nicht. Das war

sein Startkapital.

Als Spüler fing er an. In Garmisch. Arbeitete sich

hoch zum Koch. Zum Küchenchef. Sein Weg

führte ihn von der Zugspitze nach Sylt, vom Servus

zum Moin Moin. Massengastronomie, Catering,

Sternegastronomie – in Letzterem fand er seine

Passion. Die Liebe zum Produkt, die Liebe zum

Kochen, Shane machte seine Leidenschaft zum

Beruf. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange

in Deutschland bleiben würde. Gerade in meiner

Anfangszeit habe ich viel gelernt. Zum Beispiel, was

knallharte Disziplin bedeutet. Als ich in München

im Hotel Königshof gearbeitet habe, mussten wir

um Punkt 9 Uhr startbereit sein. Diese Disziplin hat

mich oft weitergebracht.“

SCHEITERN, AUFSTEHEN,

WEITERMACHEN!

- Shane, hast Du eigentlich mal daran

gedacht, Deinen Beruf hinzuschmeißen,

weil er zu stressig war?

*Lacht* Absolut! Vor allem während meiner

Ausbildung. Aber auch danach. Selbst heute kommt

es ab und zu mal vor, wenn wieder Dinge passieren,

bei denen ich denke: Ach komm, schmeiß‘ einfach

alles in die Ecke! Aber ich weiß, dass mir das

gar nichts bringen würde. Man muss lernen, mit

Problemen umzugehen. Meine Arbeitstage dauern

gut und gerne mal 16 Stunden. Das hältst du nur

durch, wenn du liebst, was du tust.“

NO LIMITS Magazin 01

49


Sei (m)ein Vorbild. Mach mir Mut! | ORIEN TIERUNG

Barbara, Du bist gelernte Journalistin,

hast dann acht Jahre lang Hochzeiten und

Veranstaltungen organisiert. Jetzt bist Du

eine Vollblut-Gastronomin. Welchen Rat

würdest Du jungen Menschen geben, die

dabei sind, ihren eigenen Weg zu finden?

Es ist wichtig, seine eigenen Stärken herauszufinden

und sich auf diese zu konzentrieren. Und zu

verstehen, dass man nicht alles können muss.

Niemand kann alles. Ich weiß, was ich kann und

was ich nicht kann. Und wenn ich etwas nicht

kann, dann weiß ich zum Glück immer, wen ich

fragen kann. Das ist mein großes Kapital. Das

gibt mir Kraft. Natürlich braucht man dazu eine

Portion Selbstbewusstsein. Es gibt meiner Meinung

nach nicht DIE eine Sache, für die man bestimmt

ist. Das habe ich selbst erlebt. Ich habe so viel

Verschiedenes gemacht. Und ich weiß nicht, was

noch in Zukunft kommen wird. Man muss immer

offen sein für Neues. Sonst wäre das Leben ja

langweilig.

Auch Shane hat das praktiziert: Es ist wichtig, dass

man einfach anfängt. Lieber klein anfangen, als gar

50 DEIN MÜNCHEN e.V.


ORIEN TIERUNG | Sei (m)ein Vorbild. Mach mir Mut!

nichts zu tun. Mit dem richtigen Durchhaltevermögen

geht alles und man erreicht seine Ziele. Egal, was

das ist. Da bin ich mir sicher. Wo ein Wille, da ist

ein Weg.

Shane: Ja, just cook it. Tu es einfach! Du hast nichts

zu verlieren.

Barbara und Shane, warum engagiert Ihr Euch

für ein Projekt wie NO LIMITS?

Shane: Ich arbeite total gern mit Kindern und

Jugendlichen zusammen. Hey, ich war auch mal

jung und ein Teenager und da haben die Älteren

auf mich aufgepasst. Junge Menschen sind unsere

Zukunft. Wir müssen ihnen Perspektiven aufzeigen.

Barbara: Ja, wir würden ihnen einfach gerne positive

Energie mit auf den Weg geben. Zuversicht und

Selbstvertrauen. Wo gehobelt wird, fällt Späne.

Aber wichtig ist, dass gehobelt wird. Und dass

wir „Älteren“ den Mädels und Jungs mit Rat und

Tat und unseren Erfahrungen zur Seite stehen. Das

macht Mut, gibt Kraft und Energie.

NO LIMITS Magazin 01

51


FAKTEN-

CHECK

STARKE PARTNER.

ZUKUNFT GESTALTEN.

UNSER ERFOLG UND WIE

ES WEITERGEHT.

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53


Ohne Moos nix los. | FAKTEN CHECK

OHNE

MOOS

NIX LOS.

WARUM NO LIMITS! OHNE

STARKE PARTNER NICHT

FUNKTIONIEREN KANN.

... Da erlauben wir uns eine knappe Antwort:

Kein professionell geführtes Projekt

funktioniert ohne starke Partner und

Unterstützer!

Besonders dann nicht, wenn es sich um ein

nachhaltig angelegtes soziales und gesellschaftliches

Engagement handelt. Wir sehen uns immer wieder

mit der Erwartungshaltung konfrontiert, dass „sozial“

automatisch auch „umsonst“ bedeutet. Das jedoch

ist ein echter Trugschluss.

Für DEIN MÜNCHEN arbeiten Menschen mit Knowhow

aus den unterschiedlichsten Professionen, die

mit extrem viel Engagement, einer großen Portion

Mut, Optimismus und Energie antreten, um unsere

Gesellschaft mitzugestalten und einen positiven

Beitrag zu leisten.

Sehr viele Menschen schenken uns ihre Zeit

und ihr Wissen auf ehrenamtlicher Basis, opfern

freie Tage, Abende und Wochenenden. Ohne

dieses unglaublich wichtige Engagement wäre

vieles gar nicht möglich. Aber es geht eben nicht

ausschließlich mit Ehrenamt.

Für unsere professionellen Fachkräfte ist es

nicht nur Berufung, es ist ihr Beruf, und Projekte

einer gewissen Größenordnung kennen keine

Arbeitszeiten, es ist eben auch ein wahres Vollzeit-

Engagement.

Eine breit angelegte Initiative wie die von DEIN

MÜNCHEN braucht eine zentrale und verlässliche

54 DEIN MÜNCHEN e.V.


FAKTEN CHECK | Ohne Moos nix los.

Steuerung und Koordination für alle Mitarbeiter in

Vollzeit, Honorarkräfte und für das große Netzwerk

ehrenamtlicher Mitarbeiter. Hinzu kommen die

direkten Kosten der Realisierung, Fahrtkosten,

Ausrüstungen, Transporte, Unterkünfte, Materialen

jeglicher Art für Workshops, sportliche Aktivitäten

u.v.m. All das muss sich in allen Projekt-Budgets

abbilden.

Während durch unsere Leistung alle Partner und

Unterstützer „ihr“ Projekt also immer in guten

Händen wissen, bereiten wir bereits das nächste

vor, wickeln das letzte ab, konzipieren Projekte

für die Zukunft und halten während dieser Zeit

die Kommunikation zu Partnern, Helfern und

natürlich zu unserer Zielgruppe der Kinder und

Jugendlichen aufrecht. Unsere Projekte werden

stets so kalkuliert, dass das zur Verfügung gestellte

Budget auch nur im Rahmen des unterstützten

Projektes eingesetzt wird. Bei der Berechnung der

anfallenden Verwaltungskosten orientieren wir uns

selbstverständlich an der empfohlenen Quote des

DZI (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen).

Wir brauchen Partner und Spender, die die Projekte

ebenso ganzheitlich und nachhaltig betrachten und

sich für die Fortführung und Entwicklungen unserer

Projekte engagieren – dann sind wir in der Lage,

Großes zu bewirken!

Der Verein DEIN MÜNCHEN lebt von ungeheuer viel

Herzblut, Energie, Überzeugung und Optimismus,

aber auch in hohem Maße von dem Engagement

der Mitarbeiter, Mitdenker und Unterstützer.

Mara Bertling

DEIN MÜNCHEN IST ZU 100 % AUF HILFE UND FINANZIELLE

UNTERSTÜTZUNG ANGEWIESEN.

BITTE HELFEN SIE UNS MIT IHRER SPENDE, um benachteiligten Kindern und

Jugendlichen einen fairen Start ins Leben zu bieten und ihnen eine Basis zu

ermöglichen, auf die sie etwas aufbauen können.

Zusätzlich unterstützt jeder Multiplikator und jede helfende Hand das Ziel des Vereins, Mauern abund

Brücken aufzubauen. Von Ihnen unterstützte Projekte wollen wir in den Alltag der Kinder als

feste Stütze für Chancengleichheit in München etablieren.

NO LIMITS Magazin 01

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Verantwortung übernehmen. Zukunft gestalten. | FAKTEN CHECK

VERANTWORTUNG

ÜBERNEHMEN.

ZUKUNFT GESTALTEN.

AUS ÜBERZEUGUNG HANDELN.

Im Gespräch mit François Trausch, Chief Executive Officer Allianz Real Estate,

und Roland Fuchs, Head of European Real Estate Finance Allianz Real Estate.

Die Allianz Real Estate unterstützt die NO-LIMITS!-Projektstaffel 2015/2016 im Rahmen

ihres Corporate-Responsibility-Programms unter dem Dach der „Allianz Future Generation“

mit Erfahrung, Know-how und engagiertem Einsatz, um der heutigen Generation

Möglichkeiten aufzuzeigen, ganz eigene und vor allem authentische Wege zu gehen.

56 DEIN MÜNCHEN e.V.


FAKTEN CHECK | Verantwortung übernehmen. Zukunft gestalten.

einen ähnlichen Weg wie den unseren zu

beschreiten. Zumal es oft heißt, dass Unternehmen

und Geschäftsleute manchmal nicht in der Realität

leben. Soziales Engagement trägt ebenfalls dazu

bei, dass Mitarbeiter und Führungskräfte den Bezug

zur Realität nicht verlieren. Dieser “Reality Check”

ist auch bei unserer CSR-Mission wichtig: er wird

unser Unternehmen besser und für eine breite

Community relevanter machen.

François Trausch, Chief Executive Officer

Allianz Real Estate

Was genau ist die Marke „Allianz Future

Generation“ und wie integriert sich hier das

Engagement der Allianz Real Estate für DEIN

MÜNCHEN?

François Trausch: Als langfristiger Versicherer

und Investor gehört es zur Aufgabe der Allianz,

die Zukunft zu gestalten – auch über ihr Geschäft

hinaus. Future Generation beschreibt das

Engagement für Kinder, Jugendliche und junge

Erwachsene im Rahmen unserer nachhaltigen

Entwicklung als Unternehmen.

Roland Fuchs, Head of European

Real Estate Finance Allianz Real Estate

Es gehört inzwischen zum guten

Unternehmenston, ein Corporate-

Responsibility-Programm zu haben. Was

sind Ihre Erfahrungen?

François Trausch: Meiner Erfahrung nach hat sich

Corporate Social Responsibility (CSR) als äußerst

effektiv erwiesen, wenn neben einem finanziellen

Beitrag eines Unternehmens auch die Expertise

ihrer Mitarbeiter eingebracht werden kann. Beide

Komponenten sind gleichermaßen wichtig für ein

erlebbares und erfolgreiches CSR-Programm.

Im Finanzbereich hatten viele von uns das große

Glück, eine höhere Bildung zu genießen und sich

Wissen anzueignen. Sich aktiv an CSR-Aktivitäten

zu beteiligen, ist eine Möglichkeit, dieses Wissen

an Menschen weiterzureichen, die nicht so großes

Glück hatten wie wir und ihnen zu ermöglichen,

Als solches bündelt „Future Generation“ die

Maßnahmen und Initiativen der Allianz unter einem

Dach und fordert die Mitarbeiter auf, sich aktiv

zu engagieren. Einige andere Initiativen sind z.B.

die Partnerschaft mit SOS-Kinderdorf, die Allianz

Stiftung für Kinder oder der Verein Allianz für Kinder

in Bayern.

Die Zusammenarbeit mit DEIN MÜNCHEN und

unsere Beteiligung am NO LIMITS! Projekt fügt sich

perfekt unter dieser Marke ein: Sie erfolgt zugunsten

von Kindern, sie ist nachhaltig und unterstützt

gleichzeitig den Aufbau der künftigen Generation,

und unsere Mitarbeiter können aktiv dazu beitragen,

indem sie etwas Gutes für die Gesellschaft tun!

Ihr Engagement für DEIN MÜNCHEN

besteht nicht ausschließlich aus finanzieller

Unterstützung, sondern vor allem auch aus

der Integration der Mitarbeiter. Wie genau

sieht das aus?

Roland Fuchs: Was uns an dem Projekt besonders

gefällt, ist die Möglichkeit, sich über einen rein

finanziellen Beitrag hinaus zu engagieren. Unsere

Mitarbeiter haben so die Gelegenheit, an den

NO LIMITS Magazin 01

57


Verantwortung übernehmen. Zukunft gestalten. | FAKTEN CHECK

unterschiedlichen Workshops aktiv teilzunehmen

und die Kinder kennenzulernen.

Sie konnten eine Nähe zu den Kindern aufbauen

und durften an ihren Ideen, Hoffnungen und Sorgen

teilhaben. Dass wir die Workshops nicht nur aus

der Perspektive eines passiven Zuschauers erleben

durften, war ausschlaggebend für eine persönliche

und menschliche Beziehung zwischen uns und den

Kindern.

Inwieweit kann ein Projekt wie NO LIMITS!

Routinen im allgemeinen Denken und

Handeln aus Ihrer Sicht verändern?

Roland Fuchs: Die Art und Weise, in der eine

Gesellschaft denkt und handelt, ist zum größten

Teil eine Folge des individuellen Bewusstseins und

der persönlichen Verantwortung.

Ein Projekt wie NO LIMITS! kann dazu beitragen,

eine Brücke zwischen Menschen zu bauen, die

im täglichen Leben sonst wenig miteinander zu

tun haben, und so deren Bewusstsein schärfen.

Diese Brücke in beide Richtungen zu festigen und

zu passieren, obliegt jedoch der Verantwortung

eines jeden Einzelnen von uns.

...UND DAS SAGEN

MITARBEITER:

NO LIMITS! ist ein beeindruckendes

Projekt, da Schülern damit völlig neue

Zukunftsperspektiven eröffnet werden.“

Oliver Krieg

„Toller Spirit – ‚no-limits‘-Motivation!“

Karin Mehnert

„Ich war bei vielen Workshops von Anfang

an dabei. Die Teilnehmer haben sich enorm

entwickelt, das war deutlich spürbar! Das

gesamte NO-LIMITS!-Team hat einen tollen

Job gemacht – weiter so!“

Anita Lang-Schmid

„Das Projekt als solches und die

Workshops im Besonderen zu beschreiben,

bei denen

ich mit Freude teilnehmen durfte, sind ganz

schnell in einem Wort beschrieben:

GROSSARTIG =

GROSS sind das Projekt, das Engagement,

das Herz, die Idee, die Begeisterung,

die Motivation, der Spaß u. v. m. des

gesamten DEIN-MÜNCHEN-Teams und der

Teilnehmer sowieso.

ARTIG sind die Kids und natürlich die

Mitarbeiter der Allianz, die am Rande bei

all dem wunderbaren Erfolg der Kids dabei

sein dürfen.

Ich fand es sehr bereichernd mit den

Jugendlichen unter Ihrer Anleitung zu

gestalten und mitzuwirken. Miterleben zu

dürfen, wie sich Persönlichkeiten geformt

und Charaktere entwickelt haben war eine

besondere Erfahrung für mich.“

Kerstin Pizzulli

58 DEIN MÜNCHEN e.V.


FAKTEN CHECK | NO LIMITS! – Unser Erfolg.

NO LIMITS! –

UNSER ERFOLG.

WORAUF WIR STOLZ SEIN KÖNNEN UND WIE ES WEITER GEHT.

DAS SAGEN UNSERE JUGENDLICHEN PROJEKTTEILNEHMER:

NO LIMITS! war für mich, als hätte jemand neue Fenster

geöffnet, durch die ich vorher noch nie gesehen habe.

Ich hab so viele neue Ideen im Kopf und kann viel besser

einschätzen, welche davon auch realistisch sind.“

"Ich habe gelernt, dass ich

durch Ausprobieren und

Nachfragen viel lernen kann.“

„Ich habe wirkliche

Freunde gefunden.“

,,Eigentlich braucht doch jeder

Mensch vertraute Personen die

einem helfen. Bei NO LIMITS habe

ich diese Unterstützung gefunden.''

„Ich bin viel selbstbewusster geworden

und habe den MUT gefunden

meine Ziele auch zu verfolgen.“

„Ich habe gelernt, dass

man manchmal auch

wirklich kämpfen muss

und nicht einfach schnell

aufgeben darf!“

„Ausdauer bedeutet für mich, einfach nie aufzugeben

und weiterzumachen, auch wenn es unmöglich

scheint. Man findet immer einen Weg für seine

Träume und Ziele.“

,,NO LIMITS! hat mir echt geholfen,

herauszufinden, was ich eigentlich will.''

NO LIMITS Magazin 01

59


NO LIMITS! – Unser Erfolg. | FAKTEN CHECK

60 DEIN MÜNCHEN e.V.


FAKTEN CHECK | NO LIMITS! – Unser Erfolg.

NO LIMITS! und Mut bedeuten für mich, den

Mut zu haben über meine Grenzen zu gehen,

auch wenn ich Angst habe, dass ich scheitern

werde.

NO LIMITS! und Mut bedeuten für mich, den

Mut zu haben, offen zu sein, auch wenn ich

weiß, dass nicht jeder mich mögen oder mich so

akzeptieren wird wie „ich“ bin.

NO LIMITS! und Mut bedeutet für mich, den

Mut zu haben mich zu konzentrieren und zu

schweigen, denn ich rede sehr gern.

NO LIMITS! und Mut bedeuten für mich, den

Mut zu haben, anderen zuzuhören, auch wenn

es mich mal nicht interessiert, und aufmerksam

zu sein auf Dinge, die nicht jeder sieht oder

sehen will.

Und NO LIMITS! und Mut bedeuten für mich

auch noch „Gemeinschaft“, denn das sind

wir geworden, eine echte Gemeinschaft.

NO LIMITS Magazin 01

61


NO LIMITS! – Unser Erfolg. | FAKTEN CHECK

...UND WIE ES WEITERGEHT.

EINMAL BEI NO LIMITS TEILGENOMMEN UND

DAS WAR`S DANN? VON WEGEN!

Junge Menschen, die einmal in das Programm von DEIN MÜNCHEN aufgenommen wurden, haben

langfristig die Möglichkeit; an allen Angeboten und Projekten in den Bereichen Bildung, Kultur und Sport

teilzunehmen. Das macht das Angebot von DEIN MÜNCHEN einzigartig.

Im Bereich der Bildung entwickelte DEIN MÜNCHEN nun ein neues dreistufiges Bildungsprogramm, um

jungen Menschen einen nachhaltigen Prozess der Begleitung zu gewähren.

NO LIMITS. ENTDECKE DEINE

CHANCEN! (8 MONATE)

Persönlichkeiten entwickeln und stärken.

Potenziale erkennen und nutzen.

Lernen, an sich zu glauben.

NO LIMITS. NUTZE DEINE

CHANCEN! (3 MONATE)

Konkrete Vorbereitung auf das Berufsleben.

Bewerbungstraining. Coaching.

Schnuppertage in Unternehmen.

NO LIMITS. LEBEN!

(LANGFRISTIG)

Coaching. Begleitung. Patenschaften.

62 DEIN MÜNCHEN e.V.


„FANG DIE ZEIT“

„FANG DIE ZEIT“

KATRIN SOFIE F. UND DER DÄNE: SPOKEN BEAT FÜR NO LIMITS!

„Alles was mich glücklich macht, erlaub’ ich

mir selbst, wenn ich was will, renn’ ich dafür

bis ans Ende der Welt. Der Horizont vor meiner

Tür, das ist wohl ein Witz, ich hab’ die Grenzen

meiner Stadt neu gemacht - NO LIMITS!“

(NOLIMITS!-Song „Fang die Zeit“ – von Katrin Sofie

F. und dem Dänen)

Diese Zeilen stammen von dem Musiker-Duo „Katrin

Sofie F. und der Däne“, das seit 2014 auf Festivals,

Kleinkunstbühnen und Open-Stage-Sessions in

München ihr Publikum begeistern. Als wir sie auf

dem Giesinger Kulturpreis 2014 kennenlernten,

spielten Katrin und Frederik erst seit ein paar

Monaten zusammen. Kein Grund, um nicht gleich

den 1. Platz an diesem Abend zu gewinnen.

Möchte man die Musik von Katrin, die ausgebildete

Schauspielerin und Sprachwissenschaftlerin ist,

und Frederik, der seit seinem 15. Lebensjahr

Schlagzeug spielt und aus Kopenhagen kommt,

beschreiben, kommt einem wohl zunächst das

Wort „Sprechgesang“ in den Kopf. Witzige, aber

auch kritische Texte werden von Katrin über die

pointierten und treibenden Rhythmen von Frederiks

Schlagzeugspiel gesprochen. Da Sprechgesang

jedoch eher mit Hip-Hop assoziiert wird und die

beiden mit Hip-Hop als Subkultur eher wenig zu tun

haben, nennen sie ihr Genre ganz einfach „Spoken

Beat“.

Die Tatsache, dass Katrin und Frederik also ihr

eigenes Ding machen und ihre Musik nicht in

Schubladen stecken lassen, passte genau dazu,

wofür NO LIMITS! steht. So lag es auf der Hand,

dass Katrin und Frederik bisher nicht nur einen

Musik-Workshop („Musik bewegt dich“) für DEIN

MÜNCHEN gemacht haben, sondern für unser

Projekt NO LIMITS! auch einen eigenen Song

geschrieben und aufgenommen haben: „Fang

die Zeit“.

Wir freuen uns sehr über die Unterstützung von

Katrin und Frederik und können nur wärmstens

empfehlen, sich „Katrin Sofie F. und der Däne“ bei

nächster Gelegenheit live anzuschauen.

Und bis dahin hören wir den NO-LIMITS!-Song und

einen Text, den wir nicht besser hätten schreiben

können: „Die nächste Fahrt geht vorwärts,

rückwärts wäre verkehrt, da ist noch einiges

drin, schnapp dir dein Laserschwert! Schlag die

Grenzen nieder, die dein Glück kleiner machen,

du wirst ein Feuer entfachen!“

Georg Nietsch

NO LIMITS Magazin 01

63


„Magische Momente“

„MAGISCHE

MOMENTE“

... UND DAS PUZZLE DES LEBENS.

Jeder, der schon einmal einen Zaubertrick erlebt

hat, kennt das Gefühl, wenn man mit offenem Mund

dasitzt und sich fragt: „Wie geht so etwas?“

ABER WARUM SIND WIR SO

FASZINIERT VON MAGIE?

Vielleicht weil sie uns überrascht, unterhält

und begeistert. In jedem Fall aber, weil sie uns

eindrucksvoll beweist, dass Grenzen, seien sie

in unserem Denken oder unserer Wahrnehmung,

immer durchbrochen werden können. Denn Magie

hat nichts mit Logik zu tun. Magie funktioniert, weil

wir uns auf sie einlassen und sie annehmen. Und

genauso ist es im Leben auch. Wie oft passieren in

unserem Leben Dinge, die uns überraschen und die

uns einfach nicht logisch erscheinen? Zum Beispiel,

wenn wir einen geliebten Menschen verlieren.

Als wir Alexander Krist und Christian Münch, die

seit 2007 mit „Krist & Münch“ das einzigartige

Zaubertheater in München betreiben, besuchten,

führten sie unter anderem einen Zaubertrick auf,

der zeigte, dass es im Leben nicht immer um Logik

geht. Sondern darum, Grenzen zu überwinden und

ab und zu die eigene Perspektive zu ändern. Dieser

Zaubertrick heißt „Das Puzzle des Lebens“.

hält unsere Form zusammen und umschließt sie

komplett.

Nun kann es aber passieren, dass uns etwas

Unvorhergesehenes im Leben überrascht. Es

kommt also ein weiteres Teil zu unserer Form hinzu.

Für welches aber eigentlich kein Platz ist, denn

unser Rahmen ist ja schließlich komplett ausgefüllt

und unsere Form, unser Puzzle, vollständig. Doch

hier beginnt die Magie oder: der Trick des Lebens.

Alexander und Christian fingen an, die einzelnen

Teile des Puzzles neu zu arrangieren und so den

Blickwinkel auf die Form zu verändern. Und wie

durch Zauberhand entstand auf einmal Platz für

das neue und unerwartete Teil, welches sich in das

Gesamtbild einfügen konnte.

Das Faszinierende war: Obwohl ein neues Teil zu

unserem Puzzle hinzugekommen war, passte der

Rahmen auch hier in unser Gesamtbild. Es geht

also nicht nur um Logik im Leben. Sondern darum,

jedes neue Puzzleteil einzufügen und den Blick auf

bestehende zu verändern.

Georg Nietsch

Stellen wir uns unser Leben als Puzzle vor. Mit

großen und kleinen Teilen, von denen jedes für einen

Bereich in unserem Leben steht. Das größte Teil

steht zum Beispiel für die Familie. Ein anderes für

unsere Freundschaften und Liebe und wieder ein

anderes für unsere Wünsche und Hoffnungen. All

diese Teile zusammengefügt ergeben eine solide

Form, die jeder von uns vorgibt: durch den Rahmen,

den wir unserem Leben geben. Dieser Rahmen

64 DEIN MÜNCHEN e.V.


„Magische Momente“

NO LIMITS Magazin 01

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66


MEINE

LIEBLINGS-

BILDER

STIMMUNGSBILDER,

SITUATIONEN UND EINMALIGE

MOMENTE FÜR DIE EWIGKEIT.

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MEINE LIEBLINGS BILDER

68 DEIN MÜNCHEN e.V.


MEINE LIEBLINGS BILDER

Der Blick durch die Kamera fängt sensible

Stimmungsbilder, Situationen und einmalige

Momente für den Bruchteil einer Sekunde für die

Ewigkeit ein. Charaktere, besondere Momente

und Situationen werden sichtbar. Ein bedeutender

Augenblick – festgehalten in einem Bild.

Über Monate durfte ich auch die Teilnehmer von NO

LIMITS! mit meiner Kamera begleiten, fotografieren

und kennenlernen.

Die Fotos spiegeln nicht nur wider, was ich als

Fotograf in den jungen Menschen sehe, sondern

auch, was das Projekt NO LIMITS! für sie bedeutet.

Ich sehe mutige, interessierte, intelligente,

respektvolle und dankbare Persönlichkeiten,

die beginnen, ihren eigenen selbstbestimmten

Lebensweg zu finden und ihr Leben in die Hand

zu nehmen.

Mit viel Freude begegne ich den jungen Menschen

und bin dankbar, sie auf einer wichtigen Wegstrecke

als Fotograf mit dem Blick durch die Linse begleiten

zu dürfen.

Andreas Reiter, wohnhaft in München und aufgewachsen

in Texas, ist seit 1995 professioneller und selbstständiger

Fotograf. Der in München lebende Familienvater zeichnet

sich durch seine enorme Vielseitigkeit aus. Er fotografiert in

den Bereichen Fashion, Travel, People, Lingerie und Lifestyle.

Seit 2015 unterstützt er DEIN MÜNCHEN konsequent in vielen

Projekten mit großartigen Momentaufnahmen.

NO LIMITS Magazin 01

69


WAS MACHT EIGENTLICH...

WAS MACHT

EIGENTLICH...

Ich schaue mir öfter die Fotos und Videos von uns

allen an. Sie erinnern mich immer daran, wie wichtig

es ist, mutig zu seinen Talenten und Ideen zu stehen

und sie mit Plan und Durchhaltevermögen, aber vor

allem mit Spaß zu verfolgen. Ich bin dran!

...RADINA?

Ich war sehr gespannt auf NO LIMITS! Es war mal

etwas anderes, etwas Neues und ich war neugierig

auf neue Leute, neue Erlebnisse und auf mich. Als

NO LIMITS! dann zu Ende war, fiel mir der Abschied

von den tollen Menschen, mit denen ich so viel

Zeit verbracht hatte, schwer. Aber ich habe so viel

mitgenommen. NO LIMITS! hat mir gezeigt, dass

meine vermeintlichen Grenzen gar keine sind, sofern

ich ein echtes Ziel habe. Ich habe im Laufe des

Projekts entdeckt, dass Sprechen vor Menschen

eine Stärke von mir ist. Durch die Arbeit mit DEIN

MÜNCHEN, Joachim Franz und den Projektpaten

fühle ich mich wesentlich selbstbewusster. Es

fällt mir viel leichter, auf Menschen zuzugehen.

So habe ich schon die große NO-LIMITS!-

Abschlussveranstaltung moderiert und war nicht

nur vom positiven Feedback des Publikums,

sondern vor allem von mir selbst überrascht. Ich

habe tatsächlich ein Talent, zu moderieren!

Momentan bin ich in der elften Klasse der FOS für

Wirtschaft, mein Praktikum absolviere ich bei der

Versicherungskammer Bayern. An NO LIMITS! und

DEIN MÜNCHEN werde ich mich immer erinnern.

...NITISHA?

Als ich von NO LIMITS! gehört habe, wollte ich

unbedingt daran teilnehmen. Es klang interessant.

Sie sagten, in diesem Projekt kann man seine

Stärken entdecken. Am Ende des Projekts war ich

sehr froh, dass es so gut gelaufen ist, aber das Ende

bedeutete auch keine wöchentlichen Treffen mehr,

die mir so viel Spaß gemacht haben. Es hätte ruhig

noch etwas länger dauern können.

Momentan besuche ich die 10. Klasse auf einem

Wirtschafts-Technik-Gymnasium, wo ich in zwei

Jahren Abitur machen werde. Die Entscheidung,

auf ein Gymnasium und nicht auf die FOS zu

gehen, habe ich im Lauf von NO LIMITS! getroffen.

Ich hatte Angst, dass ich das Gymnasium nicht

schaffe, aber NO LIMITS! hat mir ordentlich Mut

und Selbstbewusstsein verschafft. Der Auslöser

70 DEIN MÜNCHEN e.V.


WAS MACHT EIGENTLICH...

waren vor allem die Treffen mit den prominenten

Projektpaten. Ich habe herausgefunden, dass sie

genauso wie wir alle sind, mit „highs und lows“.

Aber sie sind heute nur deshalb so erfolgreich, weil

sie niemals aufgegeben und immer an sich selbst

geglaubt haben. Genau das hat mir NO LIMITS!

beigebracht: Man darf zwar Angst haben, aber

man darf sich von ihr nicht ausbremsen lassen. Ich

bin viel selbstbewusster geworden und ich habe

entdeckt, dass ich sehr viele Chancen habe, aus

meinem Leben etwas Besonderes zu machen – ich

muss vor allem nur den Mut dazu haben.

...NELLY?

Als es mit NO LIMITS! losging, habe ich mir nicht

allzu viele Gedanken gemacht. Ich war nur neugierig

auf die Leute. Als das Projekt dann zu Ende war,

fiel mir der Abschied von den tollen Menschen, die

mich monatelang begleitet und mit mir gearbeitet

haben, sehr schwer. Auch den gemeinsamen Spaß

und das Zusammensein vermisse ich.

...SOPHIA?

Als ich das erste Mal zu NO LIMITS! ging, war ich

neugierig, aber auch sehr aufgeregt. Neugierig, weil

ich nicht wusste, was mich da erwartet. Aufgeregt,

weil ich meine Klassenkameraden anfangs nicht

so gut kannte und immer Probleme hatte, mit

fremden Menschen zu reden. Doch schon nach

ein paar Treffen habe ich mich erleichtert und sicher

gefühlt. Ich traf dort auch prominente Projektpaten,

die mich echt überrascht haben. Sie haben alle

klein angefangen, genau wie wir. Das hat mir Mut

gemacht. Nach NO LIMITS! habe ich die Mittlere Reife

geschafft und mich danach an einem Gymnasium

angemeldet. Mein Ziel ist das Abi. Ich habe mich seit

NO LIMITS! richtig weiter entwickelt und sehe viele

Dinge mit anderen Augen. Ich möchte viel reisen

und die Welt sehen. Ich will so vieles herausfinden.

Später möchte ich Menschen helfen.

Ich habe durch NO LIMITS! gelernt, viel offener für

neue Leute, Meinungen und Ideen zu sein. Heute

fällt es mir nicht mehr schwer, auf Menschen

zuzugehen. Ich habe während NO LIMITS! den

M-Zug gemacht und danach ging es für mich auf

die FOS. Bald habe ich gemerkt, dass ich eine

Pause brauche, und habe mit der FOS aufgehört.

Ich will mich mehr mit den Sachen beschäftigen,

die ich gerne mache, und das war parallel zur FOS

nicht möglich. Damals bestand mein Leben aus 60

Prozent Schule, 35 Prozent Tanz und 5 Prozent

Schlaf und es ging mir nicht gut. Die Pause hat

vieles verbessert. Im September fang ich wieder mit

der FOS an und bin startklar! Ich weiß jetzt, dass

mir mit Abschluss einfach mehr Türen offenstehen.

Ich habe meine Ziele genau im Blick, aber ich lasse

mich nicht mehr so hetzen und bin auf der Suche

nach meinen ganz eigenen Flow.

NO LIMITS Magazin 01

71


SCHÖN,

DASS

ES DICH

GIBT...

...DIESES GEFÜHL SOLLTEN

WIR ALLEN KINDERN UND

JUGENDLICHEN VERMITTELN!

München ist eine Stadt der Lebensfreude, eine wirtschaftlich und kulturell blühende Metropole

mit einer Vielzahl von Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung, Weiterbildung und zu einer

erfüllten, lebensfrohen Freizeit.

Doch die soziale Notlage vieler Kinder und Jugendlicher verhindert eine positive Entwicklung.

Perspektiven und Lebensplanungen sind dadurch extrem eingeschränkt und daher in

ihrem Scheitern oft vorgezeichnet. Die gesellschaftlichen Rollen werden auf diese Art viel

zu früh verteilt.

Nur Kinder und Jugendliche, die die Möglichkeiten haben, etwas aus sich zu

machen, machen auch etwas aus unserer Gesellschaft!

72


Dein München

DEIN MÜNCHEN

WIR SCHENKEN BENACHTEILIGTEN

KINDERN UND JUGENDLICHEN

UNSERE AUFMERKSAMKEIT.

Mit dem gemeinnützigen Verein DEIN MÜNCHEN

ermöglichen wir benachteiligten Kindern und

Jugendlichen nachhaltigen, unbürokratischen

und kostenlosen Zugang zu Bildung, Kultur und

Sport. Wir finden: Alle Kinder sollten mit dem Gefühl

aufwachsen, dass ihnen die Welt offensteht und sie

alles erreichen können, was sie sich vornehmen,

egal, aus welchen Verhältnissen sie kommen.

Unser Ziel ist es, junge Menschen am Rande der

Gesellschaft zu integrieren und sie nachhaltig zu

beteiligen. Das damit verbundene Lernen und

das Entdecken von Chancen führen nicht nur zu

einer Persönlichkeitsentwicklung und vermehrten

Lebensqualität, sondern auch zu einer Identifikation

mit der Gesellschaft.

Kurz: Es geht um Chancengerechtigkeit, Teilhabe

und Integration, um die Vermittlung von Wissen,

Kompetenzen, eines gesunden Selbstwertgefühls

und direkten positiven Erfahrungen, die fürs Leben

prägen.

BILDUNG ÄNDERT ALLES!

Sie ist der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben.

Wir fördern und begleiten Kinder und Jugendliche

in unseren Projekten gezielt in ihrer persönlichen

Entwicklung.

KULTUR VERBINDET!

Mit unseren Kulturprojekten fördern wir nicht

nur nachhaltig kreatives Potenzial, sondern auch

ein positives gesellschaftliches Verständnis und

Toleranz.

SPORT MACHT STARK!

Mit unseren Angeboten geben wir jungen Menschen

Halt, feste Anlaufstationen und vermitteln Werte

wie Teamgeist und Aus dauer für eine gesunde

Lebenseinstellung.

Junge Menschen, die einmal in das Programm von

DEIN MÜNCHEN aufgenommen wurden, haben

langfristig die Möglichkeit; an allen Angeboten und

Projekten in den Bereichen Bildung, Kultur und

Sport teilzunehmen. Das macht das Angebot von

DEIN MÜNCHEN einzigartig.

NO LIMITS Magazin 01

73


Dein München

GEMEINSAM

MEHR

ERREICHEN!

Der gemeinnützige und zu 100 % auf Spenden

angewiesene Verein DEIN MÜNCHEN lebt von

ungeheuer viel Herzblut, Energie, Überzeugung

und Optimismus, aber auch in hohem Maße von

dem Engagement der Unterstützer.

Mit Ihrer Spende können wir benachteiligten Kindern

und Jugendlichen einen fairen Start ins Leben bieten

und ihnen eine Basis schenken, auf die sie etwas

aufbauen können, und das tut uns allen gut!

5000 Kinder, die bereits von unseren Angeboten

profitieren können.

140 Projekte, die in den letzten vier Jahren

erfolgreich realisiert wurden.

1000 Ideen, aus denen mit Ihrer Unter stützung

Wirklichkeit werden könnte.

74 DEIN MÜNCHEN e.V.


IMPRESSUM

IMPRESSUM

HERAUSGEBER:

DEIN MÜNCHEN e.V.

POSTADRESSE:

Kunigundenstraße 61/Rgb.

80805 München

Tel.: +49 (0)89 18 93 459 0

Fax: +49 (0)89 18 93 459 29

info@dein-muenchen.org

www.dein-muenchen.org

ANSPRECHPARTNER:

Mara Bertling

m.bertling@dein-muenchen.org

REDAKTION UND AUTOREN:

Mara Bertling, Werner Dahlmann, Elisa Dudda,

Charlotte Habersack, Susanne Meier,

Georg Nietsch, Dr. phil. Rebekka Reinhard,

Manuel Schiffelholz, Dr. Nathalie Weidenfeld

JUGENDREDAKTION UND AUTOREN:

Andi, Brian, Changiz, Diana, Ela, Nitisha, Nelly,

Radina, Salome, Sophia, Valantis

LEKTORAT:

Sabine Stalujanis, M. A., Lektorat Punktgenau

FOTOS:

Andreas Reiter (www.andreasreiter.com),

Patrick Frost, istockphoto, photocase

GESTALTUNG:

Sebastian Wolter Design (www.sebastian-wolter.eu)

DRUCK:

flyeralarm GmbH

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MIT IHRER

SPENDE

KÖNNEN

WIR

HELFEN!

SPENDENKONTO | DEIN MÜNCHEN e.V.

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