Cruiser im Oktober 2016

cruisermagazin

Queere Sprache oder vom Versuch, politisch korrekt zu sein. Neu kochen wir im Cruiser! Uhuuuhnd: Gelebte Toleranz in Zug.

cruiser

DAS

oktober 2016 CHF 7.50

GRÖSSTE

SCHWEIZER

GAY-MAGAZIN

XXX

XXX

1

LGBTTIQ – und

wer bist du?

Queere Sprache

und ihre Tücken.

Gelebte Diversität

«Ship Of Tolerance» in Zug

PinkPanorama

Alles über das Filmfestival

Neu!

Cruiser kocht


STOP

SYPHILIS

IM OKTOBER ZUM GRATISTEST

SYPHILIS-TESTWOCHEN

Für Männer, die Sex mit Männern haben

Vom 1. bis 31. Oktober 2016

bei teilnehmenden Teststellen

www.drgay.ch

Mit freundlicher Unterstützung


3

Editorial

Liebe Leser

Auf der Cruiser-Redaktion treffen täglich unzählige Mails ein – viele der Absender versuchen, diese

Mails gender- und zielgruppenmässig so korrekt wie möglich zu formulieren. War früher einfach von

«Gay-Community» die Rede, trifft man heute immer mehr auf LGBT oder LGBT*. Es existieren aber noch

zahlreiche andere Schreibformen: manchmal bemüht, manchmal komisch … und fast immer stören

diese Formulierungen – diese künstlichen Konstrukte – den Lesefluss. Darum haben wir uns auf der Cruiser-Redaktion für diese

Ausgabe bemüht, die finale korrekte sprachliche Formulierung zu finden und präsentieren unsere Überlegungen hierzu in der

Titelgeschichte. Nun. Wie gesagt, wir haben uns bemüht. Dabei ist es dann auch geblieben, wie dieses Editorial ja bereits schon

zeigt. Viel Spass also mit dem neuen, lese(r)freundlichen Cruiser.

Herzlich; Haymo Empl

Chefredaktor

inhalt

4 Thema QUEERE SPRACHE

8 Kultur SHIP OF TOLERANCE

11 News National & International

12 Kolumne Bötschi klatscht

13 news UPDATE

14 KULTUR Buchtipp

16 Kolumne Thommen meint

17 KULTUR PINK PANORAMA

19 Kolumne MIRKO!

20 FINGERFERTIG CRUISER KOCHT!

22 News National & International

24 Serie Sexualität in

Geschichte & Literatur

27 Ratgeber Dr. Gay

28 Kolumne MICHI RÜEGG

29 VORSCHAU 30 JAHRE CRUISER

impressum

CRUISER MAGAZIN PRINT

ISSN 1420-214x (1986 – 1998) | ISSN 1422-9269 (1998 – 2000) | ISSN 2235-7203 (Ab 2000)

Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media

Infos an die Redaktion redaktion@cruisermagazin.ch

Chefredaktor Haymo Empl | Stv. Chefredaktorin Birgit Kawohl

Bildredaktion Haymo Empl, Nicole Senn

Bilder Bilddatenbank. Alle Bilder, soweit nicht anders vermerkt, mit Genehmigung der Urheber.

Art Direktion Nicole Senn | www.nicolesenn.ch

Redaktion Print Vinicio Albani, Anne Andresen, Thomas Borgmann, Bruno Bötschi,

Andreas Faessler, Mirko, Moel Maphy, Michi Rüegg, Alain Sorel, Peter Thommen,

Nihat Yasartürk.

Korrektorat | Lektorat Birgit Kawohl

Anzeigen anzeigen@cruisermagazin.ch

Christina Kipshoven | Telefon +41 (0) 31 534 18 30

WEMF beglaubigte Auflage 11 539 Exemplare

Druck Druckerei Konstanz GmbH

Wasserloses Druckverfahren

REDAKTION UND VERLAGSADRESSE

empl.media, Haymo Empl

Winterthurerstrasse 76, 8006 Zürich

redaktion@cruisermagazin.ch

Telefon 044 586 00 44 (vormittags)

CRUISER MAGAZIN ONLINE

Herausgeber & Verleger Haymo Empl, empl.media

Haftungsausschluss, Gerichtsstand und weiterführende

Angaben auf www.cruisermagazin.ch

Der nächste Cruiser erscheint am 4. November

CRUISER Oktober 2016


4 Thema

LGBTTIQ – und wer bist du?

Das Kreuz mit

dem Sternchen*

Mittlerweile existiert für die LGBT* Szene ein umfangreiches Glossar, das

jedwede sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zu berücksichtigen

sucht. Ein Dschungel aus Kürzeln und Anglizismen, durch die nicht mal die

Szene selbst durchblickt.

von Anne Andresen

N

a, hast du den Titel dieses Artikels

gelesen und prompt nach der Fussnote

gesucht? Keine gefunden? Es

gibt auch keine. Es ist nämlich so, dass die

Fussnote nirgendwo in diesem Heft zu finden

sein wird, sondern idealerweise bereits

in deinem eigenen Kopf beantwortet sein

sollte. Nicht? Dann darfst du gerne weiterlesen.

Dieses Sternchen hier verweist lediglich

auf alle eventuellen Satzzeichen, die ich auch

hätte verwenden können, zum Beispiel einen

Unterstrich. Es markiert gewissermassen die

Leerstelle, in der noch etwas anderes Platz

hat. Verstehst du nicht? Ich werde mich bemühen.

Schön bis zum Ende durchhalten.

Warum das mit der ganzen genderkorrekten

Sprache so nervig, aber trotzdem wichtig ist,

versucht eine idealistische Autorin hier zu ergründen.

Dabei hat sie herausgefunden, dass

sie selbst auch einen Platz in diesem

LGBT*-Glossar hat. Was man nicht alles lernt.

CRUISER Oktober 2016


Thema

LGBTTIQ – und wer bist du?

5

Verstörende Satzzeichen

Schon seit der Schulzeit haben Satzzeichen

etwas Verstörendes. Ich persönlich kenne

niemanden, der sich gerne mit Grammatik

und Kommasetzung auseinandergesetzt

hat. Aus Erfahrung weiss ich ausserdem,

wie man als Absender darunter leiden

kann, wenn in Email-Adressen ein Unterstrich

auftaucht. Weil es nie nur einen

max_mustermann@sonstwo.ch gibt, sondern

ebenso einen max-mustermann@sonstwo.ch

oder einen max.mustermann@sonstwo.ch.

So dass man am Ende nicht mehr weiss, welche

die richtige Adresse war und das Email

bei irgendwem Fremden dann im Mülleimer

landet. Und das wollen wir doch alle nicht:

Dass unsere Botschaft im Müll landet.

Max Mustermann wollte freilich aufgrund

der Lesbarkeit seinen Vor- vom Nachnamen

trennen. An die Lücke, die dieser

Unterstrich ebenso ausdrückt, hat er nicht

gedacht. Das kam später, hat mit den Mailadressen

nichts mehr zu tun und darauf will

ich eigentlich hinaus. Die Sache mit Max

«Wir wollen doch nicht,

dass unsere Botschaft

im Müll landet.»

deshalb hier nur am Rande, doch zeigt das

Beispiel, wie oftmals Sprache mehr Verwirrung

schafft, wo man sich Klarheit gewünscht

hat. Nach vielen Protesten in Bezug

auf die sprachliche Diskriminierung von

Frauen, nach vielen genervten Stimmen

von (leider männlichen und weiblichen)

Schreibenden, die die «Binnen-Is» und Unterstriche

als störende Steine in ihrem rauschenden

Redefluss betrachteten, hat man

sich in diesem Fall nun tatsächlich darauf

geeinigt, was als genderkorrekte Schreibweise

gilt und was nicht. Nachdem also hunderte

Journalist_innen, Lehrer_innen und

Politiker_innen in aberhunderte Fettnäpfchen

getreten sind, markiert mir hier gerade

meine Word 2011-Version diese Worte zwar

immer noch als falsch, aber es herrscht trügerischer

Friede in der Debatte. An die Seite

dieses Unterstrichs ist im ruhigen Gewässer

nach dem Sturm still und leise das Sternchen

gerückt, liebe Leser*innen, das friedlich

mit dem Unterstrich koexistiert. Beide ➔

ANZEIGE

CRUISER Oktober 2016


6

xxx Thema

LGBTTIQ xxx – und wer bist du?

Sprache beeinflusst unser Denken und, ohne dass wir es merken, provoziert sie Bilder im Kopf.

Schreibweisen sind im Übrigen Konsens, sie

inkludieren beide – das ist zumindest die

Idee – auch alle Menschen, die sich geschlechtermässig

auf der Skala zwischen

Mann und Frau bewegen. Das ist also das

Sternchen, von dem wir hier sprechen. Es

steht zwischen den Polen Mann und Frau für

Trans- und Intersexuelle. Abgesehen davon,

dass man inzwischen nicht so genau weiss,

was genau die beiden Pole Mann und Frau

eigentlich ausmacht.

«Das Queer-Alphabet

umfasst mittlerweile

unzählige Buchstaben.»

Und da haben wir es nicht mit zwei verschiedenen,

sondern mit zig Sexualitäten,

Geschlechter- und Lebensentwürfen zu tun.

CRUISER Oktober 2016

Das also ist das Kreuz mit dem Sternchen:

Das beständige Scheitern am Versuch, gegen

die sprachliche Diskriminierung von Menschen

vorzugehen.

Queeres Alphabet

Für alle dazwischen gibt es ein hübsches Alphabet,

das Queer-Alphabet, das fast ebenso

viele Buchstaben umfasst wie dasjenige von

A–Z, ein Glossar zur Bedeutung der verschiedenen

Abkürzungen findet sich z.B. auf der

Seite des rainbowproject.eu. Und vor fast jeder

Glossar-Liste, der man im Netz begegnet,

findet sich ein Artikel, der darüber aufklärt,

dass diese Liste ein work-in-progress, also ein

Arbeitsstand ist, der ständig erweitert wird.

Weil sich also niemand sicher sein kann, ob

sich nun auch wirklich alle darin wiederfinden,

existiert also das Sternchen* in der inzwischen

weitläufig von den Medien übernommenen

Bezeichnung Lesbian Gay Bisexual

Transsexual* weiterhin. Nur für den Fall.

Im Bemühen, jeden einzuschliessen,

niemandem auf die Füsse zu treten, nimmt

die Definitionswut teilweise grotesk anmutende

Formen an. Das Resultat ist, dass

wirklich genderkorrekte Sprache nur noch

innerhalb eines Fachdiskurses verstanden

werden kann und sich aus diesem nicht

mehr herausbewegt. Und dabei ist dieser

Diskurs so wichtig, gerade in der Öffentlichkeit

ausserhalb der Szene. Denn hier gibt es

immer noch Nachholbedarf, was die Gleichberechtigung

verschiedener Geschlechter,

Lebensformen und Sexualitäten betrifft.

Sprache beeinflusst unser Denken und,

ohne dass wir es merken, provoziert sie Bilder

im Kopf. Oder woran denkst du, wenn

du zur Sitzung der Abteilungsleiter eingeladen

wirst? (Dieser und weitere Hinweise

unter www.geschicktgendern.de) Vermutlich

an einen Konferenztisch voller Männer.

Dass auch Frauen mit am Tisch sitzen könnten,

blendet unsere visuelle Vorstellung aus.

Wo Sprache hingegen Verwirrung schafft,

wo sie irritiert, weil eben gewohnte Formulierungen

abgeändert, der Lesefluss durchbrochen

wird, da kann sie festgefahrene


Thema

LGBTTIQ – und wer bist du?

7

Denkmuster aufbrechen und Diskriminierung

sichtbar machen. Insofern macht es

Sinn, immer wieder darauf zu beharren,

dass sich korrekt ausgedrückt wird.

Sprache soll nicht ausgrenzen

Genderkorrekte Sprache, gerade weil kompliziert

und ungewohnt, weist auf bestehende

Missstände in der Gesellschaft hin und

macht Menschen in der Öffentlichkeit sichtbar,

die noch immer gesellschaftlich ausgegrenzt

werden. Leider ist es so, dass es beim

Lesen und Schreiben unbequem ist. Und wo

es unbequem wird, wird gemeckert oder sich

sogar verweigert.

Auch LGBT* birgt weitere Problematiken.

Erstens die, dass die Abkürzung beliebig

erweiterbar ist: LGBTQueerIntersexAllies*

ist nur eine der kürzeren Versionen. Ich mache

hier deshalb zur Sicherheit nochmal ein

Sternchen dran. (Wer an einer äusserst erheiternden

Auseinandersetzung mit einer dieser

Langversionen Spass hat, dem sei der Artikel

«The Queer Acronym Alphabet» auf www.

pride.com empfohlen). Zweitens die Problematik,

dass das T für Transmenschen steht.

Diese werden damit einer Szene zugeordnet,

die sich über sexuelle Präferenzen definiert,

während die Geschlechtsidentität erst einmal

nichts mit der Sexualität zu tun hat, und jemand,

der Transmensch ist, vielleicht einfach

seiner empfundenen Geschlechtsidentität

entsprechend ziemlich heteronormativ leben

möchte. Ein Grund, weswegen Verbände für

Transmenschen sich gegen das Wort transsexuell

aussprechen (transgender-network.ch).

Transmenschen haben, sofern sie nicht auch

noch schwul, lesbisch oder bi sind, nicht

zwangsläufig etwas mit der LGB-Szene zu

tun. Vielmehr erinnert dieser Eintopf an Zeiten,

in denen man eben alles, was in Bezug auf

«Geschlecht» irgendwie «nicht normal» war,

mit der Existenz eines sogenannten dritten

Geschlechts abgetan hat.

«Transmenschen haben nicht

zwangsläufig etwas mit der

LGB-Szene zu tun.»

Ein ganz anderes Problem tut sich also

auf in der Definition, die sich bewusst von

der Heteronormativität als «das Andere»

abgrenzt. Immer wieder auf den Unterschied

hinzuweisen, macht nicht heteronormativ

lebende Menschen zwar als grössere

Interessensgruppe sichtbar und rückt

sie in den gesellschaftlichen Diskurs, zugleich

definiert man sie damit aber immer

noch in Abhängigkeit von der Heteronormativität

– als ihr Negativ. Das ist zwar irgendwie

Punk und subversiv – den Dialog

aber fördert es nicht unbedingt, markiert es

doch permanent und extra das «wir sind

anders». Richtig ist deswegen auch in dem

Glossar des rainbowprojects definiert, dass

binäre Oppositionen nie gleichwertig sind,

dass immer eines, das sich vom anderen als

negativ abgrenzt, untergeordnet wird.

Während man also kontinuierlich darum

bemüht ist, die Binarität von Mann/Frau

abzuschaffen, schafft man eine neue, stärkere,

nämlich die von hetero und anders. So

bestätigt die Definitionswut ungewollt auch

immer wieder den Heterosexismus.

Ich frage mich inzwischen, wie viele

von euch Lesern mir bis zu diesem Punkt gefolgt

sind – und wen es selbst hier, wo man

meinen sollte, der Diskurs ginge jeden etwas

an, einfach nur nervt. Ich als Ally habe jedenfalls

eine Menge dazugelernt, als ich die

Glossare gewälzt habe.

Cis-Sexuell zu sein, das ist zum Beispiel

eine ganz tolle sprachliche Erfindung des Sexualforschers

Volkmar Sigusch: Hier wurde

nicht der Versuch unternommen, eine

Randgruppe korrekt zu definieren, sondern

im Gegenteil der Mainstream seiner Selbstverständlichkeit

beraubt: Es bezeichnet diejenigen

Menschen, deren biologisches Geschlecht

mit dem empfundenen Geschlecht

zusammenfällt, also Menschen mit Penis, die

sich als Mann definieren, und Frauen mit Vagina,

die sich als Frauen definieren. Normal

also – würde man jetzt unbedarft kommentieren.

Aber mit der Unbedarftheit ist es dann

eben vorbei. Cis markiert, dass man es bitteschön

nicht als normal hinnehmen soll. Soll

sich doch mal der Mainstream neu definieren,

das finde ich eigentlich eine gute Idee. Bis

wir da angekommen sind, dass diese Diskussionen

in das sprachliche Unterbewusstsein

gesickert sind und alle Menschen sichtbar

sein dürfen, ohne anders sein zu müssen,

werden wir uns weiterhin um-, neu- und

dazu-definieren. Habt Nachsicht mit allen,

die sich bemühen, aber mit dem Wandel nicht

schritthalten können, sonst sind alle nur genervt

und die Nachricht landet bei Max*Mustermann

im Spam. To be continued …

ANZEIGE


8 Kultur

Ship Of Tolerance

Diversität in der

Stadt Zug

Die Kunstinstallation «Ship Of Tolerance» von Ilya und Emilia

Kabakov ist seit einigen Wochen in der Stadt Zug zu sehen.

Ein «Mitmachprojekt» im Zeichen der Toleranz.

CRUISER Oktober 2016


Kultur

Ship Of Tolerance

9

Von Haymo Empl

E

s ist unübersehbar, in Zug ist etwas

im Gange: die Flaggen der Stadt wurden

durch bunte Segeltücher ersetzt,

viele Gebäude sind mit quadratischen Malereien

auf Stoff geschmückt und als Herzstück

steht am Quai gut sichtbar ein Holzschiff.

Hinter dem Mammutprojekt «Ship

Of Tolerance» steckt unter anderem das

Kunsthaus Zug; dieses will die Öffentlichkeit

einladen, sich mit dem Thema Toleranz

und Respekt zu beschäftigen. Damit leistet

das Kunsthaus einen künstlerischen Beitrag

zu einem aktuellen gesellschaftlichen Thema.

Das «Teilhabe-Projekt» von Ilya und

Emilia Kabakov soll also Toleranz durch gemeinsames

Tun mit anderen erfahrbar machen.

Nur: was ist ein «Teilhabe-Projekt»?

Das «Ship Of Tolerance» ist gut fünf

Meter breit und achtzehn Meter lang, die

Konstruktionsarbeiten dafür fanden in den

letzten Wochen in der Öffentlichkeit statt.

Man konnte also, wenn man denn wollte,

am Fortschritt des Baus visuell teilhaben.

Man konnte aber auch mitmachen, so wie

es die gut 120 Klassen öffentlicher und

«Toleranz mit Farbe und

Stoff visualisieren.»

privater Schulen sowie andere Institutionen

aus dem Kanton Zug im August gemacht

haben. «Toleranz» wurde mit Stoff und Farbe

visualisiert. Herausgekommen sind einzigartige,

individuelle und eindrückliche

Bild-Botschaften.

Grosse Resonanz

Sandra Winiger, Co-Kuratorin und Leiterin

der Kunstvermittlung Zug: «Wir hätten

niemals gedacht, dass dieses Projekt auf

derartige Resonanz stösst – entsprechend

fordernd war die Koordination. Jetzt, wo

das Projekt steht, sind wir stolz auf das Geleistete

und finden, die Anstrengung hat

sich gelohnt.»

Das «Ship Of Tolerance»–Projekt

wurde unter anderem bereits in Havanna,

Venedig, New York und Miami durchgeführt

immer mit dem Ziel, dass sich die

Öffentlichkeit aktiv mit dem Thema Toleranz

auseinandersetzt. Im Grossraum Zug

wohnen Menschen aus über 140 Nationen,

man lebt friedlich zusammen, ergo müssen

sich die verschiedene Kulturen und Lebensentwürfe

gegenseitig genügend Raum lassen.

Das funktioniert bekanntlich in Zug sehr ➔

ANZEIGE

Fesche Bua‘n, Weisswurst und a Mass,

machen im Tip Top an sauglatten Spass.

OKTOBERFEST IM TIP TOP:

ERÖFFNUNG: DIENSTAG 18.10.16 / BIS SAMSTAG 22.10.16

PINK MONDAY: 24.10.16 AB 21:30H GEÖFFNET.

P E T R A

’ S

tip

top

bar

DIENSTAGS BIS SAMSTAGS AB 18.30 UHR | SEILERGRABEN 13 8001 ZÜRICH WWW.TIP-TOP-BAR.CH CRUISER Oktober 2016


10

Kultur

Ship Of Tolerance

Die Künstlerin Emilia Kabakov vor dem «Ship of Tolerance» in Zug.

Die Segelmalereien der Jugendlichen im öffentlichen Raum: Thematisiert

werden auch «Regenbogenfamilien».

Das Schiff en Miniature im Kunsthaus Zug.

gut, dennoch ist es eindrücklich, was die

meist jugendlichen Kreateure der Bilder

beschäftigt: Auf einem Bild sieht man beispielsweise

eine Europäerin im Bikini, daneben

eine Muslima im Tschador. Darüber in

grellem Rot ein Fragezeichen. Genauso wird

auf den Bildern aber auch beispielsweise der

Krieg in Syrien thematisiert. Unter anderem

sind es genau diese Diskussionen, die die

Kabakovs mit dem «Ship Of Tolerance» anregen

möchten: Ilya und Emilia möchten

Menschen verschiedener Kontinente, Kulturen

und Identitäten verbinden, indem sie

diese aktiv in das Projekt einbeziehen.

CRUISER Oktober 2016

LGBT auch bei Jugendlichen

Was erstaunlich ist: Die meist jugendlichen

Teilnehmer konnten den Begriff «Toleranz»

für sich selbst definieren. Es gab weder Vorgaben

noch Restriktionen diesbezüglich – umso

erstaunlicher ist es, dass das Thema gleichgeschlechtliche

Liebe im weitesten Sinne immer

mal wieder aufgegriffen wurde. Jemand hat

beispielsweise ein Bild gemalt mit zwei Vätern

und zwei Müttern drauf. Vielleicht tut man

den Jugendlichen schlicht unrecht, wenn man

diese pauschal als «homophob» bezeichnet?

Schliesslich erfährt man besonders im gemeinsamen

Tun den Respekt gegenüber

fremden Kulturen, anderen Lebensentwürfen

und queeren Ideen. Auf die Frage, ob das

Schiff nicht doch letztendlich das «Baby» des

Künstlerehepaars sei, antwortet Emilia Kabakov

bestimmt: «Nein, das ist es nicht. Es ist

das Kunstwerk von allen, die daran teilgenommen

haben.»

«Ein Kunstwerk von allen, die

daran teilgenommen haben.»

Zug wird zur Ausstellungsfläche

Mit dem «Ship Of Tolerance» wird die Stadt

Zug zur Ausstellungsfläche, die Segelbilder

regen zum Staunen und Nachdenken an. Damit

dies möglichst flächendeckend erfolgen

kann, braucht es auch das Mitwirken der Behörden.

Kunsthaus-Kurator Matthias Haldemann:

«Es war eine Freude, wie die Stadt Zug

sich für dieses Projekt engagierte, sogar die

offizielle Beflaggung der Stadt zeigt temporär

Segeltuch-Malereien. Das gibt es sehr selten.»

Ilya Kabakov sagte einst: «Ein Künstler

sollte sich als Brücke der Kultur empfinden.

Sich nicht nur für sein eigenes Leben

und Handeln verantwortlich fühlen, sondern

für die ganze Kultur.» Das ist ihm mit

dem Projekt «Ship Of Tolerance» auf jeden

Fall gelungen.

Info

Aktuell ist bis 13. Oktober mit dem «Ship of

Tolerance» auch Zug Teil des internationalen

Fortsetzungsprojekts – nach Venedig, Moskau,

Sharjah, Siwa, St. Moritz, Havanna, Miami und

New York. Gemeinsam mit dem Team der

Kunstvermittlung und freiwilligen Helfern haben

Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihre Botschaften

zu Toleranz und Respekt in gemalten

Segelbildern manifestiert. Das «Kunsthaus

Zug-Mobil» ist während der gesamten Ausstellungsdauer

als Informations- und Diskussionsort

am Alpenquai stationiert.

Vom 22. bis 30. Oktober wird das «Ship of Tolerance»

auch als Sonderschau an der Zuger Messe

gezeigt. http://shipoftolerance.kunsthauszug.ch/


NEWS

National & International

11

NEWS

Gay-store.ch mit neuer Kollektion

Jack is Back!

Seit gut zwei Jahren existiert der Webshop

gay-store.ch und war von Anfang an auf Erfolgskurs.

Lars Petersohn, Inhaber des Stores:

«Mittlerweile haben wir beinahe 2000

Artikel auf Lager – welche wir direkt aus

der Schweiz versenden.» Beliebte Labels wie

«Pump» sind in beinahe allen Ausführungen

und Grössen erhältlich, aber auch angesagte

Marken finden den Weg in den Store:

Neu hat der Shop beispielsweise das

beliebte Label «Addicted» im Sortiment.

Die neue Kollektion des im Jahr 2009 in

Barcelona gegründeten Labels überzeugt

auch in der Herbstkollektion mit raffinierten

Schnitten und bester Verarbeitung zu

einem vernünftigen Preis. Aber nicht nur

die Neuheiten von «Addicted» gibt’s zu entdecken,

auch im Bereich Toys hat sich einiges

getan. Da wären beispielsweise die

Squirting Dildos von «King Cock». Was

«Squirting» genau bedeutet kann man im

Wörterbuch nachschlagen oder – spannender

– zusammen mit den neuen Kollektionen

auf www.gay-store.ch entdecken.

Fast zwei Jahre sind es mittlerweile bereits

her, seit sich Jack das letzte Mal auf dem

Dancefloor in Zürich hat blicken lassen, um

so grösser ist natürlich die Freude, als er

nun seine neuesten Pläne verriet. Pünktlich

zum Beginn des Oktobers – also gerade

beim Erscheinen dieser Cruiser Ausgabe –

hat er sich wieder daran gemacht, das Zürcher

Nachtleben zu erobern. Als Ort des

Geschehens hat sich Jack das «Kaufleuten

Backstage» ausgesucht, welches sich hoffentlich

schon alleine aufgrund seiner verschiedenen

Ebenen zum heissbegehrten

«Place2Be» entwickeln wird.

Welcome Back, Jack: Eine heisse Partysaison

steht uns bevor.

Übrigens: Die nächste Jack Party startet

am 10. Dezember.

www.jackcompany.com

ANZEIGE

Oktoberfest

IN DER MÄNNERZONE

FR 21. OKTOBER

SA 22. OKTOBER

FR 28. OKTOBER

SA 29. OKTOBER

AB 21 UHR

EINTRITT FREI

MIT DEM SINGENDEN

DIRNDL ROMY TRAVIS

MAENNERZONE.COM

BIER VOM FASS,

WEISSWURST & BREZEL!

CRUISER Oktober 2016


12

KOLUMNE

Bötschi klatscht

Als mir George Michael auf

die Füsse stand

Mike Oldfield wollte mich mit einem Blick töten.

George Michael stand mir auf die Füsse. Und

Fidel Castro? Den traf ich zweimal in Havanna.

Genau, heute mache ich Namedropping.

VON BRUNO BÖTSCHI

S

eit vier Tagen versuche ich, diese Kolumne

hinzukriegen. Bis jetzt vergeblich.

Morgen fliege ich in die Ferien

(nach Spanien). Und gestern mailte auch

noch Haymo Empl, der «Cruiser»-Chefredaktor,

und fragte, wann er meinen Text erwarten

könne.

Gopferdorri, bisher konnte ich das

immer verhindern. Diesmal aber scheint

es meine allerletzte Chance zu sein. In Folge

anhaltender Ideenlosigkeit bleibt mir

nichts anderes übrig: Namedropping!

Namen von Promis im Dutzend abrufen –

leichte Kost also.

Momoll, ich könnte von Melanie

Winiger erzählen und wie sie mich während

des Zürcher Film Festivals aus ihrem

Glas Prosecco trinken liess (und Stress, ihr

damaliger Mann, grantig guckte). Oder davon,

wie ich mit dem US-amerikanischen

Schauspieler George Hamilton im VW

Beatle durch Köln rollte.

Oder von Philipp Tingler. Genau, dieser

schreibende Muskelbulle. Er schnaubte

im Fitnesscenter vor mir auf dem Stepper.

Ich werde nie vergessen, wie er dabei seinen

Mund weit geöffnet hielt – die Zufuhr von

Frischluft war auf jeden Fall garantiert.

Während Tingler schwitzte, seckelte

ich hinter ihm auf dem Laufband. Es war

also unvermeidbar, dass ich irgendwann

auch seine Rückseite ansehen musste. Ich erschrak:

Dort, wo sich bei normal gebauten

Menschen der Hals befindet, bewegten sich

CRUISER Oktober 2016

bei Tingler quer übereinanderliegende,

schwitzende Würste (in der Grösse von drei

St. Galler Bratwürsten).

Nur: Den Tingler meine ich nicht. Und

den Hamilton und die Winiger auch nicht.

Wenn schon Namedropping, dann richtig

deftig-heftig - mit very international and important

people. Triple-AAA-Promis bitte!

«Könnten Blicke töten, wäre

ich mit 19 ermordet worden.»

Könnten Blicke töten, wäre ich mit 19

ermordet worden. Der englische Multiinstrumentalist

Mike Oldfield flog im gleichen

Flugzeug nach London. Ohne viel Aufsehen

erregen zu wollen, schlich ich am Gate zu

ihm hin und fragte, ob er mir eine Unterschrift

geben könne, eine Freundin sei ein

riesengrosser Fan seiner Musik. Resultat:

siehe oben.

Jahre später war ich zu einem Galadiner

im Openair-Klub Tropicana in Havanna

geladen. Fidel Castro hielt eine Rede. Ich

sass ganz vorne bei der Bühne, keine zwei

Meter vom Máximo líder entfernt. Zum

Glück hatte ich meine Kamera dabei. Ich

knipste und knipste. Als Fidel von der Bühne

ging, realisierte ich, dass ich ein grosser

Dummkopf bin: Ich hatte vergessen einen

Film einzulegen. Immerhin: Drei Jahre später

traf ich Fidel ein zweites Mal in Havanna

(mit Film).

In Sydney lief mir in einem kleinen,

verschrobenen Club morgens um fünf Uhr

George Michael über den Weg. Er kam mit

zwei Freunden gerade aus der Damentoilette.

Nein, ich habe ihn nicht nach einem

Autogramm gefragt. Ich habe gar nichts

gesagt und auch nicht gestarrt (wie alle anderen

im Club). Vielleicht hat er mich deshalb

danach angemacht. Oder wieso stand

er mir sonst während des Tanzens ständig

auf die Füsse?

Meine allererste Autogrammkarte

bekam ich von einem Schweizer Triple-

AAA-Promi. Nein, nicht von Roger Federer.

Der war damals noch gar nicht auf der Welt.

Ich rede von Heidi Abel. Sie war der Star des

Schweizer Fernsehen in den 1970er und

1980er Jahren. Es sind jetzt genau 30 Jahren

her, dass die charismatische Fernsehfrau gestorben

ist (wie schnell die Zeit vergeht).

Abel gab in der Waro im St. Gallischen

Wil eine Autogrammstunde, erzählten mir

meine Eltern später. Wirklich daran erinnern

kann ich mich nicht. Ich war drei. Aber

in meinem Kinderzimmer hing jahrelang

eine weisse Karte über dem Bett. Mit grüner

Farbe war darauf notiert: «Für Bruno, in Liebe

Heidi Abel.»

In diesem Sinne wünsche ich einen liebevollen

Herbst.

www.brunoboetschi.ch


NEWS

Update

13

NEWS

EDU-Initiative: Keine «Ehe für alle» im Kanton Zürich?

Eine Ehe von gleichgeschlechtlichen PartnerInnen

ist vielen Konservativen immer

noch eine Horrorvorstellung. Die EDU will

deswegen im Kanton Zürich diese Form der

Ehe verbieten.

Erst Anfang dieses Jahres scheiterte

die CVP beim Versuch, mit ihrer Initiative

«Für Ehe und Familie» die Ehe als Verbindung

von Mann und Frau in der Bundesverfassung

festzuschreiben, knapp. Jetzt

versucht die EDU im Kanton Zürich das

Gleiche noch einmal: Mit ihrer Initiative

«Schutz der Ehe» zielt auch sie darauf ab,

die Ehe als exklusives Recht von Hetero-

Paaren zu definieren – diesmal in der

Zürcher Kantonsverfassung. Und wieder

geht es im Kern darum, queere Menschen

zu diskriminieren.

Das Problem ist, dass gleichgeschlechtliche

Paare in der Schweiz immer noch nicht

heiraten dürfen. Die eingetragene Partnerschaft

weist gegenüber der Ehe diverse

Schlechterstellungen auf, beispielsweise das

Adoptionsverbot. Konservative werden immer

wieder versuchen, solche Ungleichheiten

beizubehalten. Doch zunächst geht es darum,

die EDU-Initiative zu Fall zu bringen. Dazu

wurde das Komitee «Gemeinsam weiter Zürich»

gegründet. Dem von den «Homosexuel-

len Arbeitsgruppen Zürich» (HAZ) initiierten

Komitee gehören LGBT-Organisationen

sowie Parteien von links bis rechts an. Mit

ihrer Arbeit baut das Komitee auf dem Erfolg

der Kampagne «Gemeinsam weiter» vom

Anfang des Jahres auf. Den Angriff der CVP

konnte diese abwehren. Und auch diesmal

stehen die Chancen gut: Gerade die fortschrittlichen

ZürcherInnen haben die

CVP-Initiative deutlich zurückgewiesen.

Entscheidend ist nun, dass am 27. November

wieder genügend von ihnen zur Abstimmung

gehen. (Marco Fritschi)

https://gemeinsamweiter-zh.ch

ANZEIGE

Body ESthEtic GMBh – KoMpEtEnzzEntruM Für äSthEtiSchE BEhandlunGEn

Faltenbehandlung mit natürlicher hyaluronsäure

penisverdickung 400.–

nasolabialfalte / lippen 400.–

Faltenbehandlung mit Botulinumtoxin pro zone ab 180.– bis 200.–

Kombi angebot für 3 zonen 540.–

Kombi angebot 3 zonen Botulinumtoxin und 1 Filler 740.–

Fadenlifting ab 790.– aqualyx – die Fettwegspritze ab 400.–

cavitation (Fettabbau) ab 199.–

dauerhafte haarentfernung mit Shr technologie ab 69.–

hautverjüngung mit neuester lasertechnologie ab 200.–

Öffnungszeiten

Montag – Freitag

7.30 – 20.00 Uhr

Samstag

8.30 – 18.00 Uhr

alle Behandlungen

unter ärztlicher leitung

Seefeldstrasse 75

8008 Zürich

Telefon 044 381 20 20

www.bodyesthetic.ch


14

Kultur

Buchtipp

Vom allseitigen Verrat

(an) der Liebe

In unserer Rubrik «Buchtipp» stellen wir ausgewählte Bücher vor und sagen,

ob diese lesenwert sind. Oder eben nicht.

Von Birgit Kawohl

F

rancine Prose sagt, dass ihr die Idee

zu ihrem neuen Roman gekommen

sei, als sie das Foto «Lesbisches Paar

im Le Monocle, 1932» des französischen Fotographen

Brassai gesehen habe. Wer war

die Frau, die dort im Herrenanzug, gross

und kräftig anzuschauen, mit ihrer zarten

Freundin sass? Bei Recherchen stiess sie auf

die interessante Biographie der Französin

Violette Morris (1893 – 1944), Sportlerin,

Rennfahrerin, Lesbe, Landesverräterin. Auf

diesem Hintergrund schafft Prose ein Sittenund

Gesellschaftsgemälde Paris’ der ausge-

CRUISER Oktober 2016

henden 20er Jahre bis in die Zeit des Zweiten

Weltkriegs. Hierzu baut sie eine gewagte

Struktur aus eigentlich mehreren literarischen

Werken auf, die jeweils durch die Figuren

und Handlungsorte miteinander verwoben

sind.

Spannender Perspektivenwechsel

Durch die Perspektivwechsel eröffnet sich

die grosse Chance, den Leser Handlungen

und Ereignisse multiperspektivisch erleben

zu lassen. Das, was zum Beispiel in der

US-Fernsehserie «The Affair» sensationell

gelingt, wirkt hier nicht überzeugend, da

zwar jede Figur etwas zum Geschehen

beiträgt, daraus aber keine wirklichen

Reibungspunkte entstehen. Letztendlich

sind es auch zu viele Fäden, die der Leser

über 500 Seiten in den Händen halten muss.

Buchrezension

In unserer Rubrik «Buchtipp» stellen wir

ausgewählte Bücher vor und sagen, ob diese

lesenwert sind. Oder eben nicht.


Andererseits kann man immer wieder

in die Künstler- und (fast) Unterwelt

eintauchen und das Lebensgefühl erleben,

dass in der überraschend freizügigen Zeit

zwischen den Weltkriegen in Städten wie

Berlin oder eben Paris herrschte. Neben

dem allgegenwärtigen Problem des Überlebens

in Zeiten von Inflation und drohendem

Krieg, ist die Liebe oder das, was die

Figuren dafür halten bzw. daraus machen,

das zentrale Thema des Romans. Sexuelle

Orientierung wird in vielen Fällen sehr variabel

gehandhabt. Lou (Violette Morris)

lernt hier, dass sie, die immer mit ihrem

männlichen Körper und Verhalten aufgefallen

ist, nichts Aussergewöhnliches ist.

Andererseits sieht man aber auch, dass sexuelle

Orientierung verleugnet wird,

wenn’s z.B. finanzielle Vorteile bringt.

Richtig glücklich wirkt daher langfristig

keine der Figuren, da trotz der scheinbaren

Freiheiten immer wieder Kompromisse

eingegangen werden (müssen). Und da

fühlt sich der Leser ganz schnell in die Gegenwart

katapultiert.

XXX 15

Nacht

XXX

SauNa

im maNN-o-maNN

NEu:

Jeden Samstag

bis Sonntagmorgen

um 6 uhr

geöffnet!

Nacht

SauNa

SpEcial

bis Ende Februar

2017 bezahlst Du für

den Nacht-Sauna-

Eintritt ab 23 Uhr

nur CHF 25.–!

Buchtipp

Francine Prose

Die Liebenden im Chamäleon Club.

C. Bertelsmann 2016.

Preis CHF 30,90

ISBN 9783570102299

ANZEIGE

Mann-o-Mann Sauna

St. Jakob Strasse 91

CH-9000 St. Gallen

+41 (0)71 244 54 64

info@mann-o-mann.ch

www.mann-o-mann.ch

CRUISER Oktober 2016


16

KOLUMNE

Thommen meint

«Wir sind doch

alle Menschen?»

Ich weiss nicht, wem der Gedanke gekommen ist, die Schwulenemanzipation

«mit Buchstaben zu behängen». Ein Analyseversuch.

VON PETER THOMMEN

W

arum fehlen daran eigentlich die

Buchstaben der Heteros und Heteras?

Das kann mir auch keineR

erklären. Denn sie gehören ja auch dazu!

Es ist mir unerklärlich, eine Ansammlung

von Buchstaben und Sternchen zu kreieren,

die sich alle ausserhalb der «Normalen»

ansammeln! Vor allem im Hinblick

auf die «gebetsmühlenartig» verbreitete

Hetero/a-Freundlichkeit.

Verschiedene Widersprüche tun sich

auf zwischen Geschlechtern und Gendern.

Politisch soll das einfach übertüncht werden?

Ganz zu schweigen von den Problemen,

die Schwule nur schon mal mit sich selbst

haben. Die soziale Gleichwertigkeit fängt bei

Mann und Frau an. Wir sollen nicht alle

«gleich» werden, sondern Verschiedene –

gleichwertig. Das ist eine gedanklichkulturelle

Leistung. Ob die dann alle in die

geöffnete Ehe passen, die sie historisch

ja erst zu Gleichen machen sollte, wage ich

zu bezweifeln.

Eigentlich sollte das Wohlergehen von

Menschen im Interesse derjenigen sein, die

sie gezeugt, getragen und geboren haben. Es

gibt kein Recht auf «Rückgabe an ein Versandhaus».

Mir fällt auf, dass jetzt alle einfach

zu den Schwulen und Lesben «geschickt»

werden, statt dass sich Mann und

Frau ihrer selbst annimmt. Sehr «homofreundlich»

ist das nicht gerade.

CRUISER Oktober 2016

Ich halte nichts von einer stillschweigenden

politischen Korrektheit. Widersprüche

müssen benannt und zumindest verstanden

werden. Schwule werden nie

politisch korrekt sein, aber sie müssen sich

damit abfinden können. Anpassung in äusseren

Formen bringt nicht wirklich etwas.

Ich lasse mich aber auch nicht davon

abbringen, mich für die Rechte anderer einzusetzen.

Aber es muss mir klar sein, warum

ihnen diese vorenthalten werden. Darum

lohnt es sich, in die Geschichte zu schauen,

um Antworten zu finden. Immer wieder

sehe ich Verständnislosigkeit als Reaktion

bei Schwulen, wenn sie diskriminiert werden.

Aus der Situation allein lassen sich aber

keine intelligenten Antworten ableiten.

«Ich halte nichts von

einer stillschweigenden

politischen Korrektheit.»

Gemäss einem Video-Interview mit

dem Besitzer eines Zürcher Pubs war der

Grund für den Hinauswurf zweier Männer

darin begründet, dass sie über eine gewisse

Normalität (Kuss sei ok) hinausgegangen seien.

In Gaybars gibt es durchaus Heteros, die

das auch tun, entweder spontan oder auch

provokativ. Das Entscheidende daran ist, mit

welchen Kriterien das beurteilt wird …

Intimitäten zwischen Frauen machen

keinen Hetero wütend und ich weiss von keinen

Frauen, die sich dann auf sie stürzen

würden. In den Schritt langen sich Männer

normalerweise nicht, ausser sie wollen das

wirklich und das gibt in einem Gaylokal keine

Probleme. Ganz anders unter Heteros.

Männer würden das gerne bei Frauen tun,

oder es sich von Frauen antun lassen. Ersteres

ist sozial problematisch und meist öffentlich

unerwünscht. Und nun sind wir mitten

im Sexismus der Gesellschaft angekommen.

Männer können noch immer nicht auf Augenhöhe

miteinander intim werden. Wir

Schwulen können uns dem nicht entziehen.

Darum ziehen wir uns in eigene Räume zurück,

die doch keiner mehr so richtig will.

Wir haben vergessen, dass wir immer

noch in einer von Scham gesteuerten Gesellschaft

leben. Das zeigt die erhitzte Burka-

Diskussion. Die Scham besetzt aber auch

ganz andere Ecken unseres Lebens, wie den

Umgang unter Männern.

LondonJames hat das schön formuliert

in seinem Anliegen für die Homo-Ehe:

«… heisst es in den Akten schlicht und einfach:

verheiratet. Dann braucht es weder ein

coming out am Arbeitsplatz oder sonstwo.

Man wird nicht blossgestellt.» (1)

Nun gibt es auch Menschen, die sich

für Andersgeartete schämen. Sie bedrohen

deren eigenen Zusammenhalt – hier den Heterosexismus.

Und es gibt auch Andersgeartete,

die sich «fremdschämen» – wegen derer,

die sich eventuell schämen könnten …

Ich vermute, dass damit Kuss-Aktionen nur

an der Oberfläche gekratzt wird.

1) In einem Posting auf Blick online

vom 1. September 2015


Kultur

Pink Panorama

17

15 Jahre lesbischwules Filmfestival

in Luzern

Vom 10. bis 16. November 2016 findet im stattkino

Luzern die 15. Ausgabe des lesbischwulen Filmfestivals

«PinkPanorama» statt. Das Filmprogramm

wird im Jubiläumsjahr mit einer Ausstellung in der

Kunsthalle ergänzt. Das Motto «vis-à-vis» zieht sich

dabei wie ein roter Faden durchs Festival.

Z

um 15. Geburtstag hat sich der Verein

«PinkPanorama» etwas Spezielles

einfallen lassen. Beispielsweise

findet vom 10. – 20. November 2016 in der

Kunsthalle Luzern eine Ausstellung statt;

Kunstschaffende aus der Region, aber auch

national und international bekannte Persönlichkeiten

haben sich mit dem Thema «vis-àvis

– dem Gegenüber einen Rahmen geben»

auseinandergesetzt. Mittels Bildern, ➔

ANZEIGE

Engelstrasse 62 _ 8004 Zürich _ +41 44 241 2822 _ www.kink.ch

SPRING / SUMMER 2016

SPRING / SUMMER 2016

Resort Capsule

January 2016

Resort Capsule

January 2016

Montag

17h - 20h

Dienstag - Freitag

12h - 20h

Samstag

11h - 18h

fon 044 241 28 22

www.kink.ch

like us

(kink-shop)

160521_1746_ins_183x132_cruiser.indd 1 21.05.2016 17:58:08


18

Kultur

Pink Panorama

Installationen und Filmen thematisieren sie

auf kreative Art die Begegnung mit dem

Gegenüber.

Bollywood-Film zur Eröffnung

Das Filmfestival wird mit «Life is a Moment»

(Norwegen 2015), einer Schweizer Erstaufführung,

eröffnet. Das Bollywood-Melodrama,

welches im norwegischen Outback

spielt, liefert neben einer witzigen Story

zahlreiche mitreissende Songs.

Das «PinkPanorama» wartet mit zwei

Vorpremieren auf: «Quand on a 17 ans»

(Frankreich 2016) spielt in einem französischen

Bergdorf und zeigt das Wechselbad

von Anziehung und Ablehnung zweier

junger Männer. Der Dokumentarfilm

«Mapplethorpe: Look at the Pictures» (USA/

Deutschland 2016) beleuchtet das das

Schaffen des schwulen Fotografen Robert

Mapplethorpe, der mit seinen erotischen

Darstellungen, Blumen und Porträts weltberühmt

wurde.

Golden Globe Nominierung

Im Film «Grandma» von Pete Weit (USA

2016) klappert die exzentrische Dichterin

Elle (Lily Tomlin) mit ihrer Enkelin Sage

sämtliche alten Freunde und Ex-Liebschaften

ab, um das Geld für Sages Abtreibung

zusammenzukriegen. Für ihre erste lesbische

Rolle mit immerhin 75 Jahren wurde

die lesbische Schauspielerin Lily Tomlin für

eine Reihe von Filmpreisen nominiert, darunter

auch für den Golden Globe.

Der Film «Three Generations» (USA

2016) mit Susan Sarandon wird als Schweizer

Erstaufführung gezeigt und handelt von

einer jungen New Yorkerin, die das Leben

als Frau hinter sich lassen will und eine Geschlechtsanpassung

wagt.

Menschenrechte und Podium

«PinkPanorama» engagiert sich seit der Geburtsstunde

vor 15 Jahren stark für die Menschenrechte.

Der Dokumentarfilm «Abominable

Crime» (Jamaika/USA 2013) begleitet

homosexuelle Menschen in Jamaika und

thematisiert so Gewalterfahrungen, Angst

und soziale Entwurzelung.

Beim traditionellen Podium unterhält

sich Sonja Hasler mit einer Dirigentin, einem

Künstler und einer Filmemacherin zum

Motto «vis-à-vis».

Vorpremiere: «Quand on a 17 ans», ein französisches Filmdrama von André Téchiné.

«Life Is A Moment»: (Gay) Bollywood in Norwegen.

Info

Das lesbischwule Filmfestival «PinkPanorama»

findet vom 10. bis 16. November 2016 im

stattkino am Löwenplatz im Bourbaki-

Panorama in Luzern statt. Die diesjährige

CRUISER Oktober 2016

Jubiläumsausgabe steht unter dem Motto

«vis-à-vis: dem Gegenüber einen Rahmen

geben». «PinkPanorama» existiert seit

2002 und wird vom gleichnamigen Verein

getragen. Auch dieses Jahr besteht das

Organisationsteam aus sieben Personen,

die alle ehrenamtlich arbeiten. Alle Infos auf

www.pinkpanorama.ch


KOLUMNE

Mirko!

19

Nur nicht vom eigenen Spiegelbild

erschrecken

lassen!

In der S3 zur Arbeit macht sich Mirko Gedanken

über sein Spiegelbild, den Umgang unter uns

Schwulen und weshalb man nicht immer nett

sein kann.

VON Mirko

D

a sitz ich also jeden Morgen im Zug,

meistens in der S3 zur Arbeit. Voller

Zug, aber jeder über sein Handy gebeugt

oder dann hinter diesem einen Gratisblatt

versteckt. Da, wo meine Eltern herkommen,

reden die Leute miteinander, ist

mir gerade wieder in den Ferien aufgefallen.

Ja, vor sieben morgens wahrscheinlich

auch weniger. So geh ich auch durch dieses

Gratisblatt und staune: Schweizer Jungs

sind eifersüchtig auf uns, weil wir cooler

sind. Ja klar sind wir cool. Wir müssen ja

auch nicht sitzen zum Pissen, wie die armen

Švicarski. He, geht gar nicht. Kann

sich jemand vorstellen, dass ein Schweizer

mit rosa T-Shirt macho aussieht? Ich nicht.

Bei uns klappt das. LOL.

Aber warum sind Schweizer eifersüchtig,

wenn wir cool sind? Logisch sehen wir

geil aus. Isch harti Arbeit, das. Aber freut

euch doch, dass ihr was Schönes zu sehen bekommt.

Wir tun’s ja auch für euch. Ja, auch

für uns, natürlich. Ich muss ja schliesslich

am Morgen als Erstes uf lääre Mage mich

selbst im Spiegel aaluege. Und wenn der im

Spiegel Scheisse aussieht, dann wär’s das

dann auch gewesen für diesen Tag. Also besser

am Aussehen rumwerkeln. Dafür ist’s

mir auch wert, dass ich meine Freizeit im

Fitness verbringe und jeden Samstag zum

Frizer renne.

So denke ich dann in der S3 schon

etwa: Gut, dass mich nicht der da rechts

oder der Andere zwei Abteile weiter aus dem

Spiegel aagluegt hat heute Morgen. Das wär

gar nöd gange. Bös, he? Ich kenn’ die bitchy

Bemerkungen in der Szene. Zu klein, zu

dick, zu alt, z wiiblich. Ja klar. Immer bin

ich denn au nöd nett, chasch gloube! Ich hab

auch schon laut gesagt, was ich da eben vorhin

in der S3 nur gedacht habe. Immer nett

sein, das wäre auch uncool, also bin ich auch

öfters grob. Ich weiss, das ist Scheisse, aber

«Immer nett sein, das wäre

auch uncool, also bin

ich auch öfters grob.»

gehört auch irgendwie zum Leben. Ich muss

auch einstecken. Blöd angemacht wurde ich

auch schon und es gab’s auch schon, dass ich

dann einen Tag lang oder wenigstens ein

paar Minuten mich selbst down fühlte.

Auch das gehört zum Leben.

Immer nätt si, ist halt wie sitzen zum

Pissen. Uncool. Wenn einer ein Asshole ist,

dann sag ich das auch und wenn einer mir

blöd kommt, dann kriegt er was zurück.

Doch isch es au nöd cool, überhaupt

nöd, im Stehen absichtlich neben das Klo zu

pissen. Das ist etwa sgliiche wie blödi Sprüch

zmache, nur um eine abezmache. Wie gseit,

ich muss mir ja am Morgen im Spiegel in

mein eigenes Gesicht schauen. Und ich sehe

nicht besser aus, nur weil ich jemanden zur

Sau gemacht habe. Wenn dir aber der im

Spiegel nicht gefällt, bin i nöd schuld. ¬– Na

ja, ausser vielleicht, weil du von mir gerade

einen frechen Spruch an den Kopf gekriegt

hast. Aber sogar dann musst du letschtändlich

mit dir selber klarkommen.

Ab und zu stehe ich dann vor dem

Spiegel, check meine Augenbrauen, drück

meine Haare in Form und dann denke ich:

Während ich mich hier zurechtmache und

viel Zeit brauche... diese Zeit nutzt der andere,

den ich schräg angeschaut habe, weil der

komplett aus der Form geraten ist, um Sex zu

haben. Der macht jetzt grad einen Typen

klar und ich zupfe mir meine Brauen. Beides

cool, für mich stimmt’s, ich hoffe für den andern

auch.

CRUISER Oktober 2016


20

Fingerfertig

Cruiser kocht

Wie man eine

Diva bändigt

Neu kochen wir im Cruiser! In der Küche gibt es Zutaten, die dem

Koch nicht gleich beim ersten Mal ihr köstliches Geheimnis preisgeben.

Eine kleine Rezept-Geschichte.

VON Nihat Yasartürk

A

uberginen sind die Diven der Gemüsewelt.

Nicht einfach im Handling,

aber mit einem unvergleichlichen

geschmacklichen Reichtum. Wie es

sich für eine Diva gehört, braucht es ein paar

Arbeitsschritte, bis sich die Aubergine in

ihrer Fülle offenbart. Dafür verlängert sie als

Protagonistin dieses Gerichts das Sommergefühl

in der Küche.

CRUISER Oktober 2016

Zutaten

2 Auberginen, in 5mm dicke Scheiben

geschnitten Knoblauchzehen nach Bedarf,

geschält

400g Tomaten, geschält und in Würfel

geschnitten

Basilikumblätter, in feine Streifen

geschnitten

Olivenöl, Balsamico, Bio-Zitrone,

Oregano, Salz, Pfeffer

Zubereitung

Auberginenscheiben salzen und 30 Min.

ruhen lassen. Anschliessend mit Haushaltpapier

trocken tupfen.

Knoblauchzehe im Olivenöl erhitzen und

Auberginenscheiben nach und nach

goldbraun anbraten. Knoblauchzehe

ersetzen, sobald sie stark braun wird.

Auberginenscheiben, Tomatenwürfel und

Basilikum mischen. Mit Olivenöl, Balsamico,

abgeriebener Zitronenschale, Oregano, Salz

und Pfeffer nach Belieben abschmecken.


Fingerfertig

Cruiser kocht

21

Erster Schritt: Salz als Entfeuchtungskur für die divenhaften Auberginen.

Info

Nihat organisiert seit gut vier Jahren Kochkurse

für einen guten Zweck, u.a. für Schulkinder

in der Türkei. Und er ist als Störkoch

oder als Caterer an privaten und geschäftlichen

Anlässen unterwegs. «Daneben» drückt er

als angehender Gymnasiallehrer seit Kurzem

wieder die Schulbank.

Die nächsten Kochkurse

– Sonntag, 30. Oktober Römisch-türkisch

– Mittwoch, 16. November türkische Mezze

– Sonntag, 27. November türkische

Wintergerichte

Auberginen, Tomaten, Basilikum und Olivenöl zaubern den Sommer zurück an den Tisch.

ANZEIGE

«Gesundheit ist die erste Pflicht im Leben.»

Oscar Wilde

Wir sind die erste Adresse für diskrete Beratung

in allen Gesundheitsfragen.

Stampfenbachstrasse 7, 8001 Zürich, Telefon 044 252 44 20, Telefax 044 252 44 21

leonhards-apotheke@bluewin.ch, www.leonhards.apotheke.ch

Ihr Gesundheits-Coach.


22

NEWS

National & International

NEWS

Vormerken: Der schwule Männerchor im November

Im Herbst 2016 singt der schmaz das zweite

Mal gemeinsam mit dem Konzertchor

Singkreis Egg. Zusammen widmen sich die

beiden Chöre in dem spannungsreichen Programm

«Stabat Mater et magis» dem Thema

«Bühnenwerk und/oder Kirchenmusik».

Der Gesang öffnet Türen, ermöglicht

Begegnungen an Orten und in Umgebungen,

wo Schwulsein auch heute noch nicht zu

einer gesellschaftlichen Realität geworden

ist. Mit ihm bauen sich Vorurteile ab und

Brücken auf.

Mit vier renommierten jungen Solist*innen

und dem Orchester «La Chapelle

Ancienne» bringen die rund 100 Sänger*innen

unter der Leitung von Ernst Buscagne

Auszüge aus Gioachino Rossinis Oper

«Tancredi», Giuseppe Verdis «Stabat Mater»

und als Hauptwerk Rossinis «Stabat

Mater» zur Aufführung: Am Samstag,

12. November 2016 in der Reformierten

Kirche Zürich Oberstrass sowie am darauf

folgenden Sonntag in der Reformierten

Kirche Egg ZH.

«Wir als schmaz freuen uns über inzwischen

mehr als 25 Jahre Brückenbau

im Rahmen unserer Möglichkeiten. Die

Zusammenarbeit mit dem Chor aus dem

Zürcher Oberland und die damit verbun-

denen Auftritte sind für uns weitere wichtige

Bausteine dieses Brückenbaus», so die

Jungs vom «schmaz».

www.schmaz.ch

Aidshilfe Schweiz an neuer Location

Mathias, Andi und Fabienne von der Aidshilfe Schweiz haben sich im neuen Grossraumbüro

bestens eingelebt.

Nach über 20 Jahren an der Konradstrasse

hat das Team von der Aidshilfe

Schweiz ein neues Domizil beim Helvetiaplatz

gefunden. Ein Grossraumbüro erlaubt

den direkten Austausch untereinander. «Wir

sind hier noch näher an der Szene», stellt

Andreas Lehner, stellvertretender Geschäftsführer,

fest. «Der Umzug war stressfreier

als gedacht, wir hatten in zwei Tagen

die Büros komplett gezügelt.» In den 20 Jahren

am alten Ort haben sich viele Unterlagen

und Dokumente angesammelt, diese können

am neuen Ort, wo der Platz etwas beschränkter

ist, nicht mehr gelagert werden.

«Wir sind extrem froh, dass das Staatsarchiv

die fachgerechte Archivierung übernommen

hat und wichtige Dokumente so auch interessierten

Personen öffentlich zugänglich gemacht

werden», so Andi Lehner weiter. Für

die Community ändert sich durch den

Standortwechsel nichts, die Ansprechpersonen

bleiben die gleichen.

www.aids.ch

CRUISER Oktober 2016


NEWS

National & International

23

Cranberry-Barkeeper Reto Caduff gewinnt Award

Reto Caduff hat an den Schweizer Cocktailmeisterschaften

gewonnen, und zwar – passend

zu seiner Tätigkeit in der Cranberry-

Bar – in der Kategorie «After Dinner». Dass

er fantastische Drinks mixen kann, ist den

meisten bereits nach dem ersten Besuch im

Cranberrys klar.

Der 37-Jährige Barkeeper arbeitet seit

neun Jahren in der angesagten Bar in Zürich

und hat zuvor schon einige Preise gewonnen,

beispielsweise wurde er «Barkeeper

Of The Year» im Jahr 2010. Sein Beruf

ist, so Reto, effektiv eine «Berufung». «Ich

liebe den Kontakt zu den Gästen, ich mag

die Arbeitszeiten und die damit verbundene

Abwechslung und letztendlich ist es natürlich

auch toll, dass ich im Cranberry

wirken und walten kann, ohne dass meine

Chefs gleich «nein» sagen», schmunzelt der

attraktive Barkeeper. Die Bar Awards wurden

in der Eventlocation «Chicago 1928» in

Zürich-Oerlikon durchgeführt und die

Trophäe gilt als die renommierteste Auszeichnung

in der Schweizer Barszene.

Cruiser gratulliert Reto herzlich!

ANZEIGE

Moustache Sauna

Engelstrasse 4, 8004 Zürich

Tel: +41 44 241 10 80

info@moustache.ch

www.moustache.ch

Mann-o-Mann Sauna

St. Jakob Strasse 91, 9000 St. Gallen

+41 (0)71 244 54 64

info@mann-o-mann.ch

www.mann-o-mann.ch

2 SAUNAS

VIELE GEMEINSAME VORTEILE:

JEDEN DIENSTAG: PARTNERTAG

Zu zweit kommen, nur einmal bezahlen.

MEMBERKARTE

Mit der M Sauna Memberkarte in zwei Saunas

immer günstiger kommen.

WEEKEND-TICKET

Ein Ticket zum Spezialpreis für 2 Saunas.

Gültig von Freitag bis Sonntag.

GRATIS RE-ENTRY

Kommen und gehen wo und wann du willst

am gleichen Betriebstag.

ABOS SIND IN BEIDEN

BETRIEBEN GÜLTIG

Profitiere von günstigeren Preisen im Abo. Und geniesse

die Abwechslung von 2 Betrieben in einem Abo.

M SAUNA KUNDENKARTE

Jetzt mit der Kundenkarte in beiden Betrieben

Punkte sammeln und profitieren! Neu kannst Du die

Punkte auch digital sammeln:

App gratis laden,

ohne Registration.

Code mit App scannen,

Punkte sammeln und profitieren!


24

SERIE

Homosexualität in Geschichte & Literatur

Schwuler Konkursverwalter

eines Kaiserreiches

Für den letzten Kanzler des Deutschen Kaiserreiches, Prinz Max von Baden,

stand gegen Ende 1918 fest: Der Kaiser, der Schuldige an der Niederlage im

Ersten Weltkrieg, musste abdanken. Doch da stellte sich die Kaiserin quer. Sie

war entschlossen, die Schwachstelle von Max auszunutzen: seine Homosexualität.

CRUISER Oktober 2016


SERIE

Homosexualität in Geschichte & Literatur

25

VON ALAIN SOREL

A

ls das Deutsche Kaiserreich als Grossmacht

ausgeschaltet wurde, weil es

den von 1914 bis 1918 dauernden Ersten

Weltkrieg verloren hatte und sich auch

innenpolitisch eine neue Epoche ankündigte,

wurde Prinz Max von Baden gerufen, einen

Ausweg zu finden. Er gelangte an eine Schaltstelle

der Macht im Staat. Ein Schwuler bekam

die Möglichkeit zu gestalten, seinem

Land eine neue Richtung vorzugeben.

Letztes Aufgebot

Prinz Max von Baden (1867 bis 1929) war der

letzte Reichskanzler von Kaiser Wilhelm II.

Dass es danach keinen kaiserlichen Reichskanzler

mehr geben würde, konnten beide

nicht wissen. Der Monarch hoffte selbstverständlich

darauf, in Amt und Würden zu

bleiben und noch viele Regierungschefs berufen

zu können. Aber seine Zeit war abgelaufen.

Wilhelm II. hatte sein Land in den

Krieg geführt und eine verhängnisvolle Rolle

gespielt. Jetzt diktierten die Sieger, zu denen

die USA und Grossbritannien gehörten,

die Bedingungen. Der Waffenstillstand und

damit die deutsche Kapitulation waren unvermeidlich

geworden.

Der deutsche Kaiser, der auch König

von Preussen war, berief Max von Baden am

3. Oktober 1918 zum Reichskanzler. Dass

sich der Kaiser zu diesem Schritt entschloss,

war eigentlich ein Zeichen der Schwäche.

Wäre er noch auf dem Höhepunkt seiner

Macht gewesen, hätte er Max von Baden

wohl kaum ernannt. Einerseits nicht, wie die

Forschung annimmt, wegen dessen homosexueller

Veranlagung (von der ein kleiner innerer

Zirkel wissen musste), anderseits war

Max von Baden auch politisch zweifellos

nicht nach Wilhelms Geschmack. Max galt

als liberal, aufgeschlossen und moderat in

seinen Ansichten.

Aber die bisher tonangebenden Kreise

an Hof und im Militär hofften, Max von Baden

würde Brücken schlagen zur gemässigten

Opposition, diese einbinden in eine Regierung

der nationalen Einheit und

aussenpolitisch genügend Ansehen besitzen,

um ein bestmögliches Friedensabkommen

für das Reich – und sie selbst – zu erreichen.

Notfalls halt auch mit einem Regierungschef,

der schwul war und nicht durchs Band

konservativ dachte.

Eine Ehe als grosses Opfer

Wobei Max von Baden unter Preisgabe innerer

Freiheit gesellschaftliche Konventionen

und Traditionen durchaus beachtete, wie

seine persönliche Lebensproblematik beweist.

Er, der seine erotischen Begehren in ➔

ANZEIGE

CRUISER Oktober 2016


26

SERIE

Homosexualität in Geschichte & Literatur

Prinz Max von Baden, letzter kaiserlicher

Reichskanzler.

Kaiser Wilhelm II war von 1888 bis 1918 letzter Deutscher Kaiser und König von Preussen.

der Jugend vollauf ausgelebt hatte, stellte die

Erwartungen der Dynastie des Grossherzogtums

Baden, zu der er gehörte, über seine sexuelle

Selbstbestimmung. Weil die Ehe seines

Vetters, des Grossherzogs Friedrich II., kinderlos

geblieben war, sah er sich selbst «in der

Pflicht», für die Fortsetzung der Dynastie zu

sorgen. Also wahrte er den Schein und ging

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts eine

Ehe ein.

Was ihn dieses Opfer innerlich gekostet

haben muss, kann man nur erahnen. Der

Historiker Lothar Machtan hat sich in seiner

neu erschienenen Biographie über Prinz Max

von Baden eingehend mit diesem Aspekt auseinandergesetzt.

Immerhin starb die Dynastie

nicht aus: Max wurde Vater einer Tochter

und eines Sohnes und jede Generation hatte

neue Nachkommen.

«Also wahrte er den Schein

und ging eine Ehe ein.»

Die Familie lebt heute in einem

Deutschland, das eine stabile, gefestigte Demokratie

ist – und es trotz vieler aktueller

Anfechtungen auch bleiben wird. In einem

Deutschland, in dem Homosexuelle sich

outen, öffentlich Karriere machen und Aussenminister,

Bundestagsabgeordnete und

Bürgermeister werden können. Davon war

das Deutschland von 1918 weit entfernt.

Der neue Kanzler, der – Sozialdemokraten

in seine Regierung aufgenommen hatte,

versuchte nun, zu retten, was zu retten war.

Der Kaiser kam von zwei Seiten her in

Bedrängnis. Der amerikanische Präsident

CRUISER Oktober 2016

Woodrow Wilson, sagte den Deutschen

deutsch und deutlich: keine Zukunft mit dem

bisherigen Personal ganz zuoberst. Fort mit

Wilhelm. Und dann brach die Novemberrevolution

aus und erfasste das ganze Land. Eine

Revolution verlangt einen Umsturz.

Die Kaiserin am Apparat

Da nun, da war Max von Baden bereit, das

Heft des Handelns in die Hand zu nehmen

und die Abdankung Wilhelms herbeizuführen.

Aber da funkte ihm, wie Historiker

Machtan vermutet, seine Homosexualität

dazwischen – in Gestalt einer Frau. Demnach

drohte Kaiserin Auguste Viktoria telefonisch

damit, Informationen über das Intimleben

von Max öffentlich zu machen,

wenn er Wilhelm zur Abdankung zwinge.

Max war verletzlich in diesem Bereich. So ist

es plausibel, wenn sein Nervenzusammenbruch

darauf zurückgeführt wird. Er fiel

mehrere Tage aus und mit ihm seine Regierung,

die gerade jetzt rund um die Uhr hätte

handeln sollen.

Doch zurück im Amt wuchs Max über

sich hinaus. Ein Schwuler wurde nicht, zu einem

Opfer, einem Getriebenen, einem Verfolgten,

sondern löste selber einen Staatsstreich

aus – in Form eines Fait accompli. Am

9. November 1918 stellte der Reichskanzler in

einer Erklärung die Monarchie vor vollendete

Tatsachen. «Der Kaiser und König hat sich

entschlossen, dem Throne zu entsagen. Der

Reichskanzler bleibt noch so lange im Amte,

bis die mit der Abdankung des Kaisers, dem

Thronverzicht des Kronprinzen des Deutschen

Reiches und von Preussen und der Einsetzung

der Regentschaft verbundenen Fragen

geregelt sind.»

Zwei Sätze genügten, um einen Kaiser

und dessen Sohn zu stürzen, Wilhelm II. und

sein Sohn, konnten nichts anderes mehr tun,

als Abdankung und Thronverzicht effektiv

nachzuliefern. Durch den Schritt von Max

wurde der 9. November 1918 historisch. Einen

Wimpernschlag lang hatte er ein Rendezvous

mit der Geschichte. Er hätte es verlängern

können, hätte es in der Hand gehabt, in

einer turbulenten Übergangszeit als Reichsverweser

seinem verwirrten Land Ruhe zu

geben und es zusammen mit Männern wie

dem späteren grossen Staatsmann Friedrich

Ebert in eine parlamentarische Demokratie

zu führen. Ein pluralistischer Mehrparteien-

Staat war ihm allerdings suspekt, dafür hätte

er wirklich liberal werden müssen. Aber so

warf er alles weg, legte die Reichskanzlerschaft

noch an diesem 9. 11. nieder und meldete

sich aus der Politik ab. Doch er löste eine

Kettenreaktion an Ereignissen aus; noch gleichentags

wurde die Republik ausgerufen.

In Deutschland blieb das nationalistischmilitaristische

Obrigkeitsdenken aber noch

lange bestehen, es nährte Intoleranz und Fanatismus

und auch Homosexuelle sollten

deswegen noch einen hohen Preis zu bezahlen

haben.

Homosexualität in Geschichte

und Literatur

Mehr oder weniger versteckt findet sich das

Thema Männerliebe in der Weltgeschichte,

der Politik, in antiken Sagen und traditionellen

Märchen – aber auch in Wissenschaft, Technik

und/oder Computerwelt. Cruiser greift einzelne

Beispiele heraus, würzt sie mit etwas Fantasie,

stellt sie in zeitgenössische Zusammenhänge

und wünscht bei der Lektüre viel Spass – und

hie und da auch neue oder zumindest aufgefrischte

Erkenntnisse.


RATGEBER

Dr. Gay

27

VON Vinicio Albani

Wie sicher ist PEP?

Vor kurzem sah ich den Film

«Théo et Hugo dans le même

bateau». Die Protagonisten haben

dort Sex ohne Kondom. Einer der

beiden ist HIV-positiv und nimmt

seinen Sexpartner in die Notaufnahme,

wo ihm sofort eine PEP

(Prä-Expositionsprophylaxe)

verschrieben wird. Und das,

obwohl klar ist, dass der HIV-

Positive seit Jahren unter Therapie

und seine Viruslast nicht

nachweisbar ist. Ist etwa der

Schutz durch Therapie doch

nicht so sicher, wie du sagst?

Nathan (29)

Hallo Nathan

Leider konnte ich keine Informationen zu

französischen PEP-Guidelines finden. Ich

vermute aber, dass die Geschichte aus

dramaturgischen Gründen so geschrieben

wurde, auch wenn die Praxis in Frankreich

vielleicht anders aussieht. Aber auch in der

Schweiz könnte das den Protagonisten passieren,

je nachdem, an welche Notfallstelle

sie sich wenden. Der Grund ist, dass jede

Notfallstelle eigene Guidelines hat, an die

sie sich hält. Eines steht aber fest: Eine

HIV-positive Person unter wirksamer antiretroviraler

Therapie kann das HI-Virus

nicht weitergeben, denn die Viruslast im

Blut ist nicht nachweisbar. Wo kein Virus

ist, kann es keine Ansteckung geben. Darauf

kannst du dich verlassen. Detaillierte

Informationen zum Thema findest du im

Rahmen der #undetectable-Kampagne auf

drgay.ch.

Alles Gute, Dr. Gay

Wie hoch ist das Risiko?

Manchmal stimuliere ich gerne

den Hintern meines Sexpartners

mit einem oder mehreren Fingern.

Es kommt vor, dass ich gleich

anschliessend meinen After oder

bei einem Dreier einen weiteren

verwöhne. Gibt es dabei ein

Infektionsrisiko mit HIV, Syphilis

oder Hepatitis C?

Roger (34)

Hallo Roger

Eine Ansteckung mit HIV ist so kaum möglich.

HIV ist ein relativ schwer übertragbares

Virus. Hauptübertragungsweg bei schwulen

Männern ist nach wie vor ungeschützter

Analverkehr. Syphilis ist wesentlich einfacher

übertragbar, hier wäre eine Ansteckung auf

diesem Weg möglich. Ansteckend sind sämtliche

nässenden Haut- oder Schleimhautveränderungen

sowie infiziertes Blut und infizierte

Körpersekrete. Syphilis kann sich

daher bei fast allen Sexualpraktiken übertragen.

Selbst durch Schmierinfektion ist eine

Übertragung möglich. Auch bei Hepatitis C

kann ein Risiko bestehen, denn das HC-Virus

ANZEIGE

Dr. Gay

wird vor allem durch Blut-Blut-Kontakte

übertragen. Bei sexuellen Kontakten ist das

Risiko also erhöht, wenn Blut im Spiel ist,

z.B. bei härteren Praktiken wie Fisten oder

bei blutigen Entzündungen im Enddarm.

Beim Fingern von mehreren Hintern kann

so Darmsekret mit HCV-haltigem Blut von

einem Körper in den anderen gelangen.

Auch beim gemeinsam benutzten Gleitmitteltopf

kann ein Risiko bestehen. Weitere

Informationen findest du auf drgay.ch unter

«Deine Gesundheit».

Alles Gute, Dr. Gay

DR. GAY

Dr. Gay ist eine Dienstleistung der Aids-Hilfe

Schweiz. Die Fragen werden online auf

www.drgay.ch gestellt. Ein Team von geschulten

Beratern beantwortet dort deine Fragen,

welche in Auszügen und anonymisiert im

«cruiser» abgedruckt werden.

BEGEGNUNG SCHWULER MÄNNER

22. und 23. Oktober 2016 | Infos: bsm-info.ch


28

KOLUMNE

MICHI RÜEGG

Me in

the Closet

Michi Rüegg denkt mal aus dem Schrank heraus

nicht nur an sich selber, sondern auch an die Welt.

Und versprüht dabei einen gewissen Pessimismus.

VON Michi Rüegg

S

eit kurzer Zeit habe ich einen eigenen

Flüchtling. Dabei handelt es

sich um so eine Art Coaching-

Programm. Einem Einheimischen wird ein

Flüchtling zugeteilt. Man trifft sich regelmässig

und hilft bei diesem und jenem. In

meinem Fall geht es vor allem um Konversation.

Der nette junge Mann, der mit mir

quasi verkuppelt wurde, kommt aus Syrien.

Seine Flucht war abenteuerlich, wie die

meisten Fluchten. Ich war etwas gerührt, als

er mir die Story erzählt hat. Bevor er floh,

hatte er studiert und würde eigentlich gut

Englisch sprechen – aber ich bleibe eisern

bei Deutsch. Wir sind bereits an dem Punkt,

wo man sich das eine oder andere private

Ding erzählt. Da muss ich etwas aufpassen.

Ich habe mir zwar vorgenommen, ihn ins

offene Geheimnis einzuweihen. Ich meine,

dass ich mit einem Typen liiert bin. Aber

man will ja auch nicht mit der Tür ins Haus

fallen. Weiss der Teufel, was da glaubensmässig

alles an Vorurteilen verankert ist.

Die Situation ist etwas seltsam. Nie in

den letzten fast zwanzig Jahre hatte ich irgendeinen

Grund, meine sexuelle Orientierung zu

verheimlichen. Aber nun mache ich es aus

Rücksicht auf jemand anderen. Das fühlt sich

falsch und richtig zugleich an. So wie heiss und

kalt im selben Moment. Oder besoffen sein auf

Koks. Wobei, auch das ist sehr lange her, genauso

wie das Verheimlichen.

CRUISER Oktober 2016

Die Welt, wenn ich das mal an dieser

Stelle sagen darf, die Welt ist im Moment ein

Scary Place. Russland, Ungarn, Polen und

dergleichen üben sich in Schwulenhass. Von

Afrika, Asien und Trumpistan will ich gar

nicht erst anfangen. Wäre Schwulenhass

Pokémon Go, wären Russland, Ungarn,

Polen und dergleichen bereits auf Level 24.

Es geht zwar noch weiter, aber Level 24 ist

schon mal: Respekt, Respekt. Während wir

hier um die genderkorrekte Ansprache von

Menschen diskutieren, die für sich eigene

Toiletten reklamieren, geht es andernorts

«Bleiben urban-liberalen

Hobbyvegetarier.

Intoleranz kennen sie

nur gegenüber Laktose

und Gluten.»

ziemlich abwärts für unsereins. Ich will –

Moment – hier keinesfalls in die AfD-Falle

treten und irgendwas von abendländischen

Werten faseln. Die sind total für’n Arsch. Alles,

was wir Gays und Lesben und so in den

letzten Jahren erreicht haben, haben wir

gegen die abendländische Kultur zustande

gebracht. (Allerdings unter Zuhilfenahme

der derzeit schwer angeschlagenen Aufklärung,

auch ein Produkt des Abendlandes,

aber das an dieser Stelle weiter auszuführen,

ginge definitiv zu weit.)

Im Moment ist nicht ganz klar, wo wir

eigentlich stehen. Die Islamisten finden uns

Homos mässig prickelnd. Die neuen autoritären

Europäer auch. Unter Trump und seinen

Followers sieht’s auch nicht nach Key

West für alle aus. Die Katholiken hatten

schon immer einen Soft Spot beim Thema

Schwulenhass. Und die neuen Evangelikalen

sehen uns sowieso in der Hölle schmoren.

Bleiben noch die zeitgemässen, urbanliberalen

Hobbyvegetarier mit Kindern in

der Montessorischule. Intoleranz kennen sie

nur gegenüber Laktose und Gluten. Aber die

haben alle Hände damit voll, ein mögliches

Burkaverbot zu diskutieren.

Wir haben’s echt nicht leicht. All meine

Hoffnung ruht auf den Schultern meines syrischen

Flüchtlings. Er soll mein Prophet

sein. Wenn ich ihm bald mal erzählen werde,

wer ich denn eigentlich so bin, wird er

reagieren. So. Oder so. Falls er cool bleibt,

besteht Hoffnung. Falls nicht, werde ich allenfalls

meinen Bordeaux-Vorrat austrinken

und mich langsam Richtung Antarktis verabschieden.

Ich habe gehört, dass die

Pinguine ziemlich aufgeschlossen seien. In

jederlei Hinsicht.


Juhuhubel!

30 Jahre Cruiser

29

Vom lokalen Vereinsblatt zur

Zeitung der

Schweizer Gay-

Community

Im Dezember 1986 wurde

im Zürcher Niederdorf

in den Gay-Lokalen eine

Broschüre verteilt.

Ihr Name: CRUISER.

Von Team Cruiser

K

leinformatig – mit ein paar wenigen

Seiten und viel Enthusiasmus – trat

man gegen die etablierte Konkurrenz

«Kontakt» an. Die Macher, mit dabei ➔

Ganz wichtig war damals auch der Szene-Guide: In der Zeit vor dem Internet war es die

einzige Möglichkeit, sich entsprechend zu informieren.

ANZEIGE

Danya Care

Danya Care GmbH,

Albisstrasse 55, CH-8134 Adliswil

Telefon: +41 (0)44 709 09 06

www.danyacare.ch

Schweizerische Stellenvermittlung

für Gesundheitsberufe

Alle Vermittlungsdienste

kostenlos – staatlich und

kantonal anerkannt

Wir suchen laufend Fachleute aus dem Gesundheitsbereich, Pflegefachfrau/-Mann HF, DNII, DNI

Physiotherapeuten, Ergotherapeuten sowie Ärzte und medizinische Fachangestellte – kostenlose

und unverbindliche Beratung! Alle weiteren Infos unter www.danyacare.ch.


30

Juhuhubel!

30 Jahre Cruiser

Markus Christen («Macho Men’s Shop»)

und Roger Staub, wollten einerseits für

Szenelokale und -shops eine weitere

Werbeplattform schaffen und andererseits

die Szene mit Infos, Klatsch und Tratsch

bedienen.

Cruiser leistete sich von Anfang an

eine Redaktion und bewies, dass ein

Szeneblatt mehr sein kann als nur ein

Kontaktanzeiger. Wir feiern im November

30 Jahre Cruiser und legen dann auch der

kompletten Nachdruck der ersten Nummer

bei.

Die 30 Jahre Cruiser sind eine bewegte

Geschichte: 30 Jahre Cruiser beinhalten eine

ganze Menge unterschiedlichster und vergänglicher

Geschichten. Aber auch unvergängliche

Erlebnisse. Mehr dann in der

nächsten Nummer. Daher: Hat dich in diesen

30 Jahren der Cruiser irgendwie beeinflusst?

Hat er gar dein Leben verändert?

Maile uns deine Geschichte zum Thema

«Cruiser und ich». Wir freuen uns auf deine

Inputs und Stories, die wir gerne im November

und Dezember publizieren werden.

Mail uns an: redaktion@cruisermagazin.ch

CRUISER Edition Sommer 2012

Dieses Magazin ist 25

Photographer Stefan Büchi

Alicia Parel, neue Geschäftsführerin Pink Cross – Madonna vs. Lady Gaga

Beschneidung, The Parade, Traumreisen, EuroGames Budapest, Marilyn Monroe,

Elvira & Cran Canaria

Der allererste Cruiser – wir legen diesen nächsten Monat als

Nachdruck bei.

Titel-Cover-Wand in der ehemaligen Cruiser-Redaktion.

CRUISER Oktober 2016


31

Ab November 2016 ist es soweit!

Cruiser und Mannschaft Magazin bündeln die Kräfte für

ihre Werbepartner und bilden die erste medienübergreifende

Kooperation der Schweizer LGBT-Medien.

Redaktionell bleiben beide Magazine unabhängig.

Cruiser und Mannschaft Magazin starten

ihre Zusammenarbeit

Ab November 2016 können Werbeformate in beiden Publikationen

platziert werden. Eine einheitliche Preisstruktur,

attraktive Kombi-Packages und ein Ansprechpartner für beide

Magazine ermöglichen eine landesweite Abdeckung,

ohne doppelten Aufwand. Mit Mannschaft Magazin als

führendes Lifestyle-Magazin und Cruiser als erfolgreiches

Zürcher Magazin wird eine Auflage von 22 000 Exemplaren

erreicht.

Beide Magazine bleiben weiterhin

redaktionell unabhängig

Die Zusammenarbeit fokussiert ausschliesslich auf den Bereich

des Medienmarketings – redaktionelle Inhalte sowie die

unabhängige, inhaltliche Ausrichtung der beiden Magazine

bleiben bestehen.

«Mit Mannschaft Magazin als

zuverlässigen Partner im Bereich

Inseratemanagement freuen wir

uns auf eine spannende und erfolgreiche

Zusammenarbeit. Dabei

bleiben die Werte jedes Magazins

bestehen – und unsere Leser

können sich weiterhin auf die bekannten

Inhalte freuen»


Haymo Empl

Geschäftsführer und Chefredaktor Cruiser

Mannschaft Magazin ist neu Ihr Ansprechpartner

für beide Magazine und Sie können von Kombi-

Angeboten profitieren. Die Medientarife für beide

Publikationen sind ab Mitte September verfügbar.

Beide Magazine können weiterhin auch separat

gebucht werden.

KONTAKT

Christina Kipshoven


+41 (0) 31 534 18 30

christina@mannschaft.com


gaycity.ch

Where to go in the little big city

2

1

MOUSTACHE

Die Sauna für Männer

Engelstrasse 4

www.moustache.ch

(Nachtsauna jeden Fr / Sa)

HUUSMAA

Kafi – Reschti – Bar

Badenerstrasse 138

044 241 11 18

www.huusmaa.ch

Sa & So Brunch 10:00 – 15:00

6

7

CHECKPOINT

Gesundheitszentrum

Konradstrasse 1

www.checkpoint-zh.ch

044 455 59 10

LEONHARDS-

APOTHEKE

Stampfenbachstr. 7

www.leonhards.apotheke.ch

044 252 44 20

8

9

MACHO

City Shop

Häringstrasse 16

www.macho.ch

PARAGONYA

Wellness Club

Mühlegasse 11

www.paragonya.ch

13

CRANBERRY

Bar

Metzgergasse 3

www.cranberry.ch

3

LES GARÇONS

Bar/Tanzbar

Kernstrasse 60

www.garcons.ch

Täglich geöffnet ab 18.30 Uhr

10

THE DYNASTY CLUB

2 Bars – 1 Eingang

Zähringerstrasse 11

www.dynastyclub.ch

4

MÄNNERZONE

Shop & Bar

Kernstrasse 57

www.maennerzone.ch

11

PREDIGERHOF

bistro – bar

Mühlegasse 15

www.predigerhof.ch

5

MED. DENT.

KLAAS FRIEDEL

Ehemals Zahnarzt am Helvetiaplatz

NEU: Heinrichstrasse 239

Mit Tram ab 4/13/17 bis Escher-Wyss-Platz

www.swissdentalcenter.ch

www.zahn-arzt.ch

043 444 74 00

12

TIP TOP BAR

Die Schlager Bar

Seilergraben 13

www.tip-top-bar.ch

Dienstag – Samstag ab

18.30 Uhr

Interesse in diesem

Inserat aufgeführt zu sein?

Anfragen an:

info@zbiro.ch

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine