Kunst und Wein - Schweizerische Weinzeitung

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Kunst und Wein - Schweizerische Weinzeitung

Rebecca Horn, 76, gilt als

eine der vielseitigsten und

kreativsten Künstlerinnen

Deutschlands. Für das

Kunstprojekt «Vendemmia

d’Artista» der Tenuta

dell’Ornellaia hat sie den

Jahrgang 2008 («L’Energia»)

künstlerisch interpretiert.

Schweizerische Weinzeitung — 16


Foto: Gunter Lepkowski

Kunst und Wein

ORNELLAIA 2008

L’ENERGIA

VON

REBECCA HORN

17 — Schweizerische Weinzeitung

40 000 Euro hat der Unternehmer

Georg Kofler für neun Liter Ornellaia

2008 bezahlt. Trinken wird der

frühere Chef der TV-Sender Pro7

und Premiere den edlen Blend

(54 % Cabernet Sauvignon, 27 % Merlot,

16 % Cabernet franc, 3 % Petit Verdot)

aus der Toskana aber kaum. Denn die

Salmanazar-Flasche ist nicht einfach das

Behältnis für die Menge Wein, die der

Geniesser landläufig in einer 12er-Kiste

kauft, sondern ein Kunstwerk.

Und davon gibt es nur dieses einzige

Exemplar.

Text: Hanspeter Eggenberger


Kunst und Wein

Geschaffen hat das filigrane, poetisch-verspielte Gebilde aus Kupferdrähten,

Trichtern und Spiegeln, das die grosse Flasche umgibt, die renommierte

Künstlerin Rebecca Horn. Das Werk wandelt eine Skulptur Horns

ab, die im Keller der Tenuta dell’Ornellaia in Castagneto Carducci steht.

Mit einem Kupferdraht, den sie um zehn Imperial-Flaschen (sechs Liter)

geschlungen hat, nimmt die Künstlerin ebenfalls Bezug auf die Skulptur.

Und die Papieretiketten von 100 Doppelmagnums (3 Liter) machte Rebecca

Horn durch handgemalte Elemente ebenfalls zu Unikaten.

Mit dem Jahrgang 2008 führt die Tenuta dell’Ornellaia zum dritten

Mal das Kunstprojekt «Vendemmia d’Artista», «Künstlerlese», durch. Die

Idee ist, dass Künstler jeweils «den einzigartigen Charakter des aktu ellen

Ornellaia-Jahrgangs» interpretieren. «Auf diese Weise werden», heisst es

in einer Verlautbarung des Hauses, «die Düfte und Empfindungen, die

der Wein hervorruft, sichtbar und greifbar gemacht und zudem Emotionen,

das Feingefühl und die Leidenschaft von Künstler und Wein

miteinander vereint.»

Die Verbindung von Kunst und Wein gibt es seit je in den ver schiedensten

Formen. Nicht nur, dass an Vernissagen von Kunstausstellun gen

traditionell Wein ausgeschenkt wird und dass man von nicht wenigen

Künstlern weiss, dass sie einen guten Schluck sehr zu schätzen wussten

und wissen. Der österreichische Künstler Josef Trattner malt sogar Bilder

mit Wein – nicht (unbedingt) mit Alkohol im Blut, sondern mit Wein als

Farbe auf Karton. Auch Kunst auf Flaschen ist weit verbreitet; Künstleretiketten

gibt es nicht nur beim berühmten Mouton Rothschild, sondern

auch bei vielen anderen Weinen, zum Beispiel beim Montagna Magica

von Daniel Huber aus dem Tessin oder bei den Spitzenweinen des Gutes

Der Barrique-Keller der Tenuta

dell’Ornellaia mit der Skulptur «Energia»

von Rebecca Horn (rechts). Die limitierte

Ornellaia-Edition grossformatiger

Flaschen mit Elementen des Kunstwerks:

die einzige Salmanazar (9 Liter),

10 Imperial-Flaschen (6 Liter) und

100 Doppelmagnums (3 Liter) – daneben

die Standardflasche Ornellaia 2008.

«Es ist nicht die Maschinenwelt,

die mich inspiriert,

es ist die Bewegung»

Rebecca Horn

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19 — Schweizerische Weinzeitung


SHORT FACTS

REBECCA HORN

GEBOREN 1944 im Odenwald

STATIONEN Internat, Studium

in Hamburg (Hochschule

für bildende Künste), London

(Stipendium an der St. Martin’s

School of Art), New York

(1972–1981), Professorin

an der Uni versität der Künste

in Berlin (1989–2009).

HÖHEPUNKTE Praemium Imperiale

des japanischen Kaiser-

hauses (2010), gilt als «Nobel-

preis der Künste». Unzählige

Einzelausstellungen, u.a.

als erste Frau im Guggenheim

Museum New York (1993).

Kunst und Wein

Geflecht aus Kupferdrähten,

Trichtern, Spiegeln: Für die künst-

lerische Umhüllung der einzigen

Salmanazar-Flasche Ornellaia 2008

hat Rebecca Horn Elemente ihrer

Skulptur reproduziert.

Schweizerische Weinzeitung — 20


Balthasar Ress aus dem deutschen Rheingau. Das Musée de la vigne et du

vin im Schloss Aigle (www.museeduvin.ch) zeigt derzeit unter dem Titel

«Von Warhol bis Tinguely» Künstleretiketten aus seiner Sammlung (bis

30. Oktober 2011). Der Kunstboom auf Weinflaschen findet indes nicht nur

Beifall: «Erfunden hat die Flaschenkunst übrigens vor über einem halben

Jahrhundert der Baron Philippe de Rothschild. Aber er beauftragte, dem

Rang seiner Weine entsprechend, nur weltbekannte Künstler, zum Beispiel

Niki de Saint Phalle, und die gestalteten für jeden Jahrgang nur ein ein ziges

Etikett!», grantelte Wolfram Siebeck unlängst im «Zeit-Magazin», «andere

Winzer respektierten seine Idee, indem sie sie nicht kopierten.»

Die «Vendemmia d’Artista» von Ornellaia unterscheidet sich wesentlich

vom landläufigen Künstleretiketten-Konzept. Hier wird nicht einfach

ein von einem Künstler geschaffenes Bild auf die Etikette eines Jahrgangs

gedruckt. Die Kunst beschränkt sich auf eine kleine Anzahl von Grossflaschen,

und an jede hat der Künstler bzw. die Künstlerin selbst Hand

angelegt. Und dann ist es auch nicht so, dass die Ornellaia-Besitzer (der

jahrhundertealte Familienbetrieb Marchesi de’ Frescobaldi in Florenz) den

satten Erlös dieser exklusiven Flaschen einfach selbst einsacken würde.

Die «Künstlerlese» ist ein Charity-Projekt, mit dem Kunst gefördert wird.

Der Nutzen für das Weingut liegt in der Medienpräsenz und in der öffentlichen

Resonanz des Kunstprojektes und der Auktionen.

21 — Schweizerische Weinzeitung

Einzigartige Etiketten für die

100 Doppelmagnums Ornellaia 2008

der «Vendemmia d’Artista»:

An jeder hat Rebecca Horn mit dem

Pinsel selbst Hand angelegt.

Die Idee für diese Künstlereditionen ist nach dem zwanzigjährigen

Jubiläum von Ornellaia mit dem Jahrgang 2005 entstanden. Damals wurden

Grossflaschen mit einer goldenen Etikette versehen und zugunsten

der Stiftung Friends of Florence, die Restaurierungsprojekte in Florenz

ermöglicht, versteigert. Insgesamt brachte die Aktion die stolze Summe

von 150 000 Euro ein.

Beim danach für die folgenden Jahre eingeführten Kunstprojekt geht

das, was die Versteigerungen der Flaschen einbringt, jedes Jahr an eine

andere Institution, jeweils im Land des Künstlers des Jahres. Die Wahl

des Künstlers richte sich «nach seinem künstlerischen Ausdruck, in dem

sich das Wesen des jeweiligen Ornellaia-Jahrgangs spiegeln sollte».

Den Jahrgang 2006, mit dem das Projekt gestartet wurde, charakterisierten

die Macher als «überschwänglich» und gaben dem italienischen


Kunst und Wein

Künstler Luigi Ontani das Stichwort «Esuberanza» zur künstlerischen

Umsetzung. Ontani hat vier Säulenskulpturen aus Keramik geschaffen,

die die vier Jahreszeiten symbolisieren und wie Brunnen funktionieren.

Sie stehen in der Eingangshalle der Tenuta dell’Ornellaia. Für die Grossflaschen

hat Ontani spezielle Etiketten gezeichnet. Der Erlös ging an das

Museum Poldi Pezzoli in Mailand für die Restaurierung von Gemälden

des Renaissance-Künstlers Andrea Previtali (1470–1528).

Für den «harmonischen» 2007er wurde die aus Ägypten stammende

Künstlerin Ghada Amer, die in New York lebt und arbeitet, beauftragt;

zusammen mit dem Iraner Reza Farkhondeh, mit dem sie seit vielen Jahren

zusammenarbeitet, setzte sie das Stichwort «Armonia» um. Amer schuf

eine Ausseninstallation in Form eines Gartens vor dem Kellereingang der

Tenuta; zusammen mit Farkhondeh gestaltete sie Etiketten für die Grossflaschen.

Der bei der Auktion in New York erzielte Erlös von 157 000 Dollar

ging an die Stiftung des Whitney Museum in New York.

«Energia» ist das Wort, das den 2008er Ornellaia charakteri siert,

und so heisst die Skulptur, welche Rebecca Horn geschaffen hat. Die

76-Jährige mit den flammend roten Haaren ist eine der profiliertesten und

bedeutendsten Künstlerinnen Deutschlands. Die Bildhauerin, Aktionskünstlerin

und Filmemacherin arbeitete schon früh mit den unterschiedlichsten

Medien wie Zeichnung, Skulptur, Installation, Kinetik, Foto grafie,

Performance, Aktion, Video, Film und Text. Einer grösseren Öffentlichkeit

konnte sie eine Performance erstmals 1972 an der legendären Documenta

5 unter der Leitung von Harald Szeemann zeigen. Damit begann eine

Vendemmia d’Artista 2006: «L’Esuberanza» (Überschwäng-

lichkeit) als Wesensmerkmal des Ornellaia-Jahrgangs.

Künstlerische Interpretation: Luigi Ontani. Er versteckt sich

hinter einer seiner vier die Jahreszeiten symbolisierenden

Säulenskulpturen aus Keramik, die wie Brunnen funktionieren

und in der Eingangshalle der Tenuta dell’Ornellaia stehen.

Links die limitierte Ornellaia-Edition grossformatiger Flaschen

mit Elementen des Kunstwerks.

«Jede Lese bringt eine klare

Persönlichkeit hervor, die durch

den klimatischen Verlauf

und die anschliessende Verfeinerung

im Weinkeller bestimmte

Nuancen ausbildet.»

Axel Heinz, Produktionsleiter und

Önologe der Tenuta dell’Ornellaia

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23 — Schweizerische Weinzeitung

Limitierte Ornellaia-Edition gross forma-

tiger Flaschen der «Künstlerlese» 2007:

vier Imperial-Flaschen, die das Wort

EVER bilden (links), das Stoff etikett des

Salmanazar-Unikats mit Stickereien und

Zeichnungen sowie Wortspielen der

Ausseninstallation vor der Kellerei (unten).

Vendemmia d’Artista 2007:

«L’Armonia» (Harmonie) als Charakteristikum

des Ornellaia-Jahrgangs.

Künstlerische Umsetzung: Ghada Amer

und Reza Farkhondeh.

grosse Karriere. Von 1989 bis 2009 hatte Rebecca Horn eine Professur an

der Hochschule der Künste in Berlin inne. Zu den Höhe punkten ihres internationalen

Erfolges gehört eine Retrospektive im New Yorker Guggenheim

Museum im Jahr 1993, die danach auch in der Natio nalgalerie Berlin und

in der Kunsthalle Wien gezeigt wurde. Es war übrigens die erste Einzelausstellung

einer Frau im Guggenheim. Im letzten Herbst wurde Horn

mit dem Praemium Imperiale des japanischen Kaiserhauses ausgezeichnet,

der als einer der höchsten Preise für zeitgenössische Kunst, sozusagen

als Nobelpreis für Kunst, gilt.

Die Förderung von Kunst und Künstlern liegt der arrivierten Kunstschaffenden

selbst am Herzen. Im Odenwald, wo sie herstammt, hat sie

ein Haus geerbt und darin ihre Werkstatt eingerichtet. Sie konnte danach

weitere Gebäude auf dem Gelände – ihre Eltern hatten hier eine Textilfabrik

betrieben – kaufen und hat in einem davon ihre eigene Stiftung,

die Moontower Foundation, errichtet. «Für junge Künstler ist es schwer,

nach dem Studium Fuss zu fassen», erläuterte Horn in einem Interview

in der «Welt» die Stiftungsidee, «hier soll ein kreativer Ort entstehen, um

sich im Austausch weiterzuentwickeln.»


Kunst und Wein

Vor dem Eingang der Kellerei: Die kreisförmige Aussen-

installation «Happily Ever After» von Ghada Amer und Reza

Farkhondeh – Ornellaia-«Künstlerlese» des Jahrgangs 2007.

Ihr Werk «Energia», das jetzt im Barriquekeller, im Herzen des Weingutes

Tenuta dell’Ornellaia, steht, wird vom Auftraggeber so beschrieben:

«Einer orientalischen Gottheit gleich wird mit tausend verflochtenen Armen

aus Kupfer und Spiegelelementen als Augen, die sich an der Decke reflektieren,

ein sich geschmeidig bewegendes, fast mystisches Wesen lebendig,

das die um es herum liegenden Barriques überragt und beschützt. Im

Inneren des Kunstwerkes scheinen Flüssigkeiten zu fliessen, die von der

konischen Form, in die seine Arme enden, angelockt werden, wie kommunizierende

Leitungen, in denen die wunderbare Alchemie erfolgt, welche

die Flüssigkeit in Wein verwandelt. Das Flechtwerk aus Kupfer schützt in

der Mitte der Skulptur die drei Glasgefässe, welche die Flüssigkeit enthalten,

die mit einer langsamen, günstig stimmenden Bewegung von nun an

jeden neuen Jahrgang des Ornellaia zelebrieren wird.»

Für die künstlerische Umhüllung der einzigen Salmanazar-Flasche

des Ornellaia 2008 hat Rebecca Horn Elemente ihrer Skulptur neu angeordnet.

Zusammen mit drei Imperial- und zehn Doppelmagnum-Flaschen

der Künstleredition wurde die 9-Liter-Bouteille am 19. Mai im Rahmen

eines Galadinners in der Berliner Nationalgalerie durch Christiane Gräfin

zu Rantzau, Chefin des Auktionshauses Christie’s in Deutschland, versteigert.

Insgesamt brachten die 14 Flaschen 130 000 Euro ein. Dieser Erlös

blieb gleich am Ort: Er ist für den Verein der Freunde der Nationalgalerie

für den Ankauf neuer Werke bestimmt.

Der Ersteigerer der Salmanazar, der aus Südtirol stammende Georg

Kofler, gilt zwar durchaus als anspruchsvoller Weingeniesser. Doch diese

Grossflasche dürfte geschlossen bleiben. Denn sowohl er wie seine Frau,

die als Christiane zu Salm bekannte frühere Chefin des Musiksenders

MTV Deutschland, sind passionierte Kunstsammler.

Eigentlich schade für den Wein. Denn der Ornellaia 2008 sei «ein

fantastischer Wein», den sie mit grossem Vergnügen getrunken habe, gab

Rebecca Horn gegenüber Nikolas Rechenberg (www.nikos-weinwelten.de)

zu Protokoll. Aber eigentlich trinke sie kaum Rotwein, eher leichte Weissweine:

«Die Roten sind mir zu schwer.»

SHORT FACTS

VENDEMMIA

D’ARTISTA

KÜNSTLERLESE Mit Jahrgang

2006 startete die Tenuta

dell’Ornellaia das Projekt

«Künstlerlese».

Jedes Jahr wird ein anderer

Künstler mit der Kreation

eines Werkes beauftragt,

das die Essenz des Weines,

die Eigenschaften des

Jahrgangs und seine Persönlichkeit

darstellen soll.

Die «Vendemmia d’Artista»

– in zeitgenössischer

Form – soll die Bedeutung

und den Stellenwert

der Auftragskunst zur

Zeit der Renaissance neu

aufleben lassen.

SHORT FACTS

TENUTA DELL’

ORNELLAIA

ADRESSE Via Bolgherese 191

57022 Castagneto

Carducci (LI)

GRÜNDUING 1981

GRÜNDER Marchese Lodovico

Antinori

HEUTIGE BESITZER Marchesi

de’ Frescobaldi

TEAM Leonardo Raspini

(Agronom, Generaldirektor),

Axel Heinz (Önologe,

Produktionsdirektor)

REBFLÄCHE 97 Hektaren, in

50 Parzellen unterteilt, an der

toskanischen Küste im Norden

der Maremma zwischen

Livorno und der Insel Elba

REBSORTEN Cabernet Sauvignon

(37 ha), Cabernet

franc (12 ha), Merlot (38 ha),

Petit Verdot (10 ha)

WEINE Ornellaia, Le Serre

Nuove dell’Ornellaia (Zweitwein),

Le Volte; Kultwein

Masseto (Merlot einer

7-Hektaren-Einzellage)

ERSTER ORNELLAIA-JAHRGANG

1985

INTERNET www.ornellaia.it

www.vendemmiadartista.it

Schweizerische Weinzeitung — 24


Ornellaia: Ein klassischer Bordeaux-Blend

Die Tenuta dell’Ornellaia in Castagneto Carducci erzeugt vier Rote:

Wahrzeichen und wichtigster Wein des Bolgheri-Guts ist der Ornellaia.

Text: André Kunz, Wolfram Meister

Der erstmals im Jahr 1985 erzeugte Wein, eine Cuvée aus

Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet franc und Petit Verdot,

wird dank konstanter, erstklassiger Qualität seit Jahren

international hoch taxiert (von den letzten 10 Jahrgängen

hat Parker noch keinen Ornellaia mit weniger als 91 Punkten

bewertet). Vom «Wine Spectator» ist der Ornellaia 1998

sogar zum «besten Wein der Welt» gekürt worden.

Der kostbare Rote reift 18 Monate lang in Barriques

aus französischer Eiche. Nach seiner Füllung (Produktion:

140 000 bis 160 000 Flaschen) ruht er für weitere 12 Monate

in den Ornellaia-Kellern. Mit grösster Aufmerksamkeit

werden schon die Weinberge, insgesamt 50 Parzellen,

gepflegt – etwa 80 Personen arbeiten an 365 Tagen zwischen

den Rebzeilen. Nach der Ernte erfolgt eine zweifache

Selektion auf dem Sortierband, bevor die Trauben

im Entrapper von den Stielen getrennt werden. Am ersten

Sortiertisch wird die Qualität jeder Traube überprüft, am

2008 ORNELLAIA

Tenuta dell’Ornellaia,

Bolgheri

54 % Cabernet Sauvignon,

27 % Merlot, 16 % Cabernet

franc, 3 % Petit Verdot

Dichtes, samtenes, fein

opulentes, fruchtiges

Bouquet, Brombeeren,

schwarze Kirschen, Röstaromen,

Vanille, Dörr-

früchte, Heidelbeeren,

Zedern, helle Schokolade.

Üppiger, fruchtiger,

dichter, kräftiger, für

einen Ornellaia eher maskuliner

Gaumen, viel und

leicht trockenes Tannin,

kräftige Aromatik, mollige

Frucht, dichte, breite

Struktur, langer, kraft-

voller Abgang.

18 / 20 2015–2030

2007 ORNELLAIA

Tenuta dell’Ornellaia,

Bolgheri

55 % Cabernet Sauvignon,

27 % Merlot, 14 % Cabernet

franc, 4 % Petit Verdot

Fr. 165.–

Verschlossenes, elegantes,

vielschichtiges, feingliedriges,

florales Bouquet,

rote und blaue Beeren,

Erdbeeren, Balsaholz,

Minze, Tabak. Eleganter,

ausgewogener, seidener,

frischer Gaumen mit

dichtverwobener Struktur,

verschlossene, kompakte

Aromatik, feines Tannin,

elegante, gute Frucht,

sehr langer, zarter Abgang.

Das Gegenteil des opulenten,

kraftvolle 2006ers,

aber auf gleichem Niveau.

19 / 20 2015–2035

2006 ORNELLAIA

Tenuta dell’Ornellaia,

Bolgheri

56 % Cabernet Sauvignon,

27 % Merlot, 12 % Cabernet

franc, 5 % Petit Verdot

Fr. 165.–

Samtenes, fruchtiges,

fein opulentes, komplexes

Bouquet, blaue Beeren,

Pflaumen, Edelhölzer,

Tabak, Pralinen, Kirschen,

Vanille. Verspielter,

kraftvoller, üppiger

Gaumen mit fein fetter,

süsser Frucht, kräftige,

würzige Aromatik, viel

gutes Tannin, gut eingebundener

Alkohol,

reife Säure, sehr langer,

voller Abgang.

19 / 20 2014–2035

25 — Schweizerische Weinzeitung

zweiten nehmen zehn Frauen jede einzelne Beere unter

die Lupe. Um zu verhindern, dass weder das kleinste Rebblatt

noch ein Stiel in den Gärtank gelangen.

60 bis 65 «Grundweine» werden getrennt voneinander

im Holz ausgebaut, erst später zur endgültigen Cuvée

miteinander verschnitten. «Das Verkosten der unterschiedlichen

Grundweine ist wie die Erstellung eines Röntgenbildes.

Man erkennt jedes einzelne Detail und jede Nuance,

die sich durch die veränderlichen Grössen im Weinberg

in den Sorten widerspiegeln», erklärt Ornellaia-Önologe

Axel Heinz.

Kleiner Rückblick. 2002 veräusserte Marchese Lodovico

Antinori sein Weingut an Robert Mondavi. Danach erlebte

Ornellaia zwei wechselvolle Jahre. Nach dem Verkauf von

Mondavis Aktienmehrheit an den internationalen Getränkekonzern

Constellation (2004) reichte dieser Ornellaia 2005

an Marchesi de’ Frescobaldi weiter.

Weitere in den letzen zwei

Jahren degustierte Ornellaias:

2005 ORNELLAIA

Tenuta dell’Ornellaia,

Bolgheri

56 % Cabernet Sauvignon,

27 % Merlot, 12 % Cabernet

franc, 5 % Petit Verdot

Fruchtiges, üppiges, süs ses,

vielschichtiges Bouquet,

Kirschen, Vanille, Caramel,

Eukalyptus. Kräf tiger,

fruchtiger, üppiger Gaumen

mit gutem Tannin, kräftige

Frucht, üppige Aromatik,

sehr langer, süsser Abgang.

19 / 20 2016–2030

2004 ORNELLAIA

Tenuta dell’Ornellaia,

Bolgheri

60 % Cabernet Sauvignon,

25 % Merlot, 12 % Cabernet

franc, 3 % Petit Verdot

Marmeladiges, pfefferiges,

laktisches Bouquet, Röstaromen,

rote Kirschen, Vanille,

Erdbeeren, Feuerstein,

kalter Rauch. Kerniger, kraftvoller,

eleganter Gaumen,

sehr gute Aromatik, viel

feines Tannin, gute Frucht,

dichte Struktur, würziger,

Abgang. Kann noch zulegen.

18 / 20 2012–2025

2001 ORNELLAIA

Tenuta dell’Ornellaia,

Bolgheri

65 % Cabernet Sauvignon,

30 % Merlot,

5 % Cabernet franc

Tiefes, dichtes, komplexes,

mineralisches, pfeffe-

riges Bouquet, Edelhölzer,

Black Currant, Tabak,

Korinthen, Mai Hom (Duftholz).

Aus gewogener,

ele ganter, vielschichtiger

Gaumen mit seidener,

dich ter Struktur, feines

Tan nin, langer, voller

Abgang.

19 / 20 trinken –2028

1998 ORNELLAIA

Tenuta dell’Ornellaia,

Bolgheri

60 % Cabernet Sauvignon,

35 % Merlot,

5 % Cabernet franc

Dichtes, herbes, tief -

grün diges Bouquet,

kalter Rauch, Lakritze,

Taba-Täfelchen, Mocca,

Leder. Trockener, herber,

klas sischer Gaumen

mit trockenem Extrakt,

sehr gute Aromatik,

trockener Abgang. Kann

noch zulegen.

18 / 20 trinken –2025

1990 ORNELLAIA

Tenuta dell’Ornellaia,

Bolgheri

82 % Cabernet Sauvignon,

14 % Merlot,

4 % Cabernet franc

Mineralisches, tiefgrün di ges,

komplexes Bouquet, Black

Currant, Minze, Granit, Rauch.

Ausgewo gener, eleganter,

vielschich tiger, voller Gaumen

mit sehr guter Aromatik,

feines Tannin, langer, frischer

Abgang. Nahe bei 19 Punkten.

18 / 20 trinken –2016

Der Süsswein der

Tenuta dell’Ornellaia

2008 ORNUS

Tenuta dell’Ornellaia,

Bolgheri

Duftiges, traubiges, üppiges

Bouquet, Marzipan, Zitrus,

Vanille. Breiter, weicher,

fruchtiger Gaumen, fette

Süsse, mittlere Säure, gute

Aromatik, weicher Abgang.

17 / 20 2015–2035

Erhältlich bei:

Bindella

Hönggerstrasse 115, 8037 Zürich

Fon 044 276 62 62

www.bindellaweine.ch

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