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WIR-Ausgabe3-2016-WEB

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Flucht und Bildung

Auf der Suche nach Chancen S. 8

Das Mitgliedsmagazin der Kinderfreunde Österreich

Ausgabe 3 | 2016

schule im aufbruch

Mit Begeisterung

lernen

Seite 4

wieder mit

AKTUELL

Rote Falken

Bundeskonferenz

Seite 16

Gute-Nacht-Geschichte

Kopf über!

thema

Seite 27

Interview mit BM

S. Hammerschmid

k ind er

in der Heftmitte

Seite 9

termine Büchertipps rote falken elterncafé


Frühe Hilfen

Unterstützung für Familien

Entgeltliche Einschaltung

Familien brauchen Unterstützung, damit sie

ihren Kindern gute Rahmenbedingungen für

das Aufwachsen bereitstellen können. Sei es

durch soziale Netzwerke (Familie, FreundInnen,

NachbarInnen, Bekannte) oder durch Unterstützung

und Hilfe von Fachleuten und Institutionen. Dies

gilt insbesondere für Familien in belastenden

Situationen. Hier setzen Frühe Hilfen an.

Das Leben mit einem

Kind bringt viel Freude

Manchmal kann es aber auch verunsichern

und überfordern, weil das Kind mehr

Aufmerksamkeit braucht, als man

geben kann. Oder weil es Spannungen

im familiären Umfeld gibt oder das

Geld nicht mehr reicht. Hier bieten die

Frühen Hilfen Unterstützung an.

VORSORGEMITTEL DER

BUNDESGESUNDHEITSAGENTUR

Ein kostenfreies Angebot

Frühe Hilfen sind ein kostenfreies Angebot

für alle Schwangeren und Familien

mit Säuglingen und Kleinkindern in

belastenden Lebenssituationen. Das

reicht von persönlicher Beratung über

Begleitung bei Behördenwegen bis hin zu

Anleitung und Unterstützung bei Pflege,

Versorgung und Erziehung des Kindes.

Frühe Hilfen in

allen Bundesländern

In allen Bundesländern stehen

Frühe-Hilfen-Netzwerke zur

Verfügung. Weitere Infos sowie ein

Netzwerk in Ihrer Nähe finden Sie

auf der Frühe Hilfen Website.

Mehr Informationen:

www.fruehehilfen.at


Inhalt 3

Das nächste

kommt im Dezember!

26

14

09

Liebe Leserinnen,

liebe Leser!

Schule aus SchülerInnenperspektive

04 | Bildung vom

Kindergarten lernen

Das Schulsystem kann sich so einiges

vom Elementarbereich abschauen.

09 | Interview BM Sonja

Hammerschmid

Die Neugierde der Kinder hoch

halten...

12 | Kinderfreunde-

Sommer

Ferienerinnerungen

15 | Elterncafé

Wir sind mit der Lehrerin

unserer Tochter unzufrieden…

18 | So verändern wir

die Welt

… mit Hand, Herz und Hirn

25 | Buchtipps

Neuigkeiten aus dem Verlag

Jungbrunnen

27 | Gute Nacht

Geschichte

Kopf über! (von Gudrun Kopp)

Wir haben die schönsten

Momente vom Kinderfreunde-

Sommer festgehalten!

Als wir bei der Redaktionssitzung für

diese WIR-Ausgabe saßen, fiel das

Schlagwort „durch Begeisterung

lernen“. Das gefiel uns so gut, dass wir es

direkt zum Titelthema des ganzen

Magazins gemacht haben. Wir sind zu

unserer Bildungsministerin, Sonja

Hammerschmid, gegangen und haben

sie gefragt, was es aus ihrer Sicht braucht,

damit Kinder durch Begeisterung lernen

können. Wir haben Kinder selber gefragt,

was sie begeistert beim Lernen. Wir sind

der Frage nachgegangen, was die Schule

in punkto Begeisterung vom

Kindergarten lernen kann und haben

Best-Practice-Beispiele gefunden, wie

Schule abseits von fadem

Frontalunterricht gestaltet werden kann.

Eine Initiative, die uns besonders

begeistert, weil sie Schule von den

Bedürfnissen der Kinder ausgehend

komplett neu denkt, ist „Schule im

Aufbruch“ von Margret Rasfeld.

Günther Leeb hat sich für diese WIR das

Konzept genauer angeschaut und

berichtet von einer Schule, in der es

Fächer wie „Herausforderung“ oder

„Verantwortung“ und keine Noten gibt.

Viel Spaß beim Lesen!

Die WIR-Redaktion

12

Offenlegung und Impressum: (Nach § 25 Abs. 1 – 3 Mediengesetz)

Die Zeitung „WIR“ berichtet über die Arbeit der Kinderfreunde in Österreich und präsentiert deren gesellschaftspolitische

Positionen. Darüber hinaus liefert die Zeitung einen Überblick über sämtliche Dienstleistungsangebote der Österreichischen

Kinderfreunde.

Medieninhaber und Herausgeber: Österreichische Kinderfreunde, Bundesorganisation, 1010 Wien, Rauhensteingasse 5/5,

Tel. 01/5121298, Fax 01/5121298/62, Homepage: http://www.kinderfreunde.at, E-Mail: kind-und-co@kinderfreunde.at

Bundesvorsitzender: Christian Oxonitsch

Mitglieder des Bundesvorstandes: Gertrude Bohmann, Josef Eichinger, Mario Ellmeier, Bruno Fußenegger,

Alexia Getzinger, Helmut Gotthartsleitner, Simon Griessenböck, Friedrich Grundei, Josef Hieden, Sandra Kapuy,

Andreas Kollross, Andrea Krischke-Bischof, Sieglinde Lesjak, Kurt Nekula, Inge Niederer, Andreas Posch, Peter

Pumpler, Cornelia Schmidjell, Roland Schwandner, Erich Wahl

Bundesgeschäftsführer: Daniel Bohmann

Redaktion: Bohmann, Blum, Gruber-Pruner, Hackl, Kögl, Leeb, Moser, Müller, Rous, Heim, Walter

Redaktionsadresse: Österreichische Kinderfreunde, Bundesorganisation, 1010 Wien, Rauhensteingasse 5/5

Anzeigenverwaltung: Michaela Rous, Tel. 01/5121298/55

Druck: Leykam Let’s Print, Bickfordstraße 21, 7201 Neudörfl

Fotos: Österreichische Kinderfreunde, Votava

Grafische Gestaltung & Layout: Sabrina Hackl

Einzelpreis: € 1,82, Jahresabonnement: € 8,72


4 Thema

Kindergarten

Bildung vom

Kindergarten lernen

Die Kinderfreunde sind der größte private Betreiber von Kindergärten in ganz Österreich

und wir sind es aus gutem Grund: Weil wir ein Verständnis für Elementarpädagogik

haben, von dem sich das restliche Bildungssystem einiges abschauen könnte.

Wenn man an seine eigene Zeit im Kindergarten zurückdenkt,

dann sind es meist sehr positive Erinnerungen: Man erinnert sich

an unterstützende und fürsorgliche Pädagoginnen. Oder daran,

wie man verschiedenste Dinge gemeinsam mit anderen Kindern

erkunden und entdecken konnte. Und in den meisten Fällen an

einen Ort, an dem man sich wohlgefühlt hat und ohne Druck,

Hausübungen oder Prüfungsangst irrsinnig viel gelernt hat.

Dieser Zugang, Kinder für das Lernen zu begeistern, ihnen das

notwendige Werkzeug zum Entdecken in die Hand zu geben, sie

auf ihrem Weg zu begleiten und gleichzeitig ausreichend Freiraum

zu gewähren, der ist im Kindergarten spürbar. Leider

nimmt er mit zunehmendem Alter der Kinder immer mehr ab, bei

manchen ändert er sich sogar radikal mit dem Eintritt in die

Schule. Plötzlich nimmt man Kinder nicht mehr (oder zumindest

viel weniger) als lernende Subjekte wahr, die eigene Interessen,

Antriebe und Stärken haben. Sie werden viel mehr als Gefäße

gesehen, in die Lehrpersonen Wissen hineinfüllen können. Wenn

dieses vermittelte Wissen nicht drinnen bleibt, dann muss das

Gefäß beschädigt sein und es braucht irgendeine Art von

Reparatur. Oder zumindest genug Angst vor dem Versagen, dass

es all seine Kraft aufwendet, um das notwendige Wissen

zumindest kurzfristig zu behalten.

Naturgemäß ist unser Verständnis von Kindern beziehungsweise

Menschen im Allgemeinen ein anderes: Jeder Mensch will lernen.

Dabei hat jede und jeder ein eigenes Tempo und Bereiche, in

denen es besser oder schneller geht als in anderen. Pädagogische

Arbeit heißt, Kinder dabei zu unterstützen und die Neugierde und

den eigenen Antrieb zum Lernen zu wecken und zu fördern.

Während sich vielleicht die Interessen verändern und die

Bereiche verschieben, für die man besonders viel Begeisterung

entwickelt, so bleibt man sein Leben lang ein lernendes Subjekt

und verwandelt sich weder mit dem sechsten Geburtstag noch

mit Abschluss der Volksschule in ein Objekt, das belehrt werden

muss.

Wie wir als Kinderfreunde Bildung verstehen, leitet sich daraus

ab. Wir wollen ein Bildungssystem, in dem die Vielfalt der Kinder

nicht zu Aufteilung nach „gut“ und „schlecht“ führt. Wir wollen,

dass Kinder in ihren Potenzialen gefördert und in ihren

Interessensbereichen gefordert werden. Wir wollen, dass Kinder

gerne in die Schule gehen, weil sie gerne lernen und gerne

nachhause gehen, weil dort kein Riesenhaufen Hausübung oder

Nachhilfe auf sie warten. Kurz: Wir wollen für alle Kinder das,

was in der Elementarpädagogik (und in den vielen Schulen, die

es jetzt schon gut machen) auf der Tagesordnung steht. Weil die

Pädagoginnen im elementaren Bereich herausragende Arbeit unter

teilweise schwierigen Bedingungen (s. Artikel Seite 5) leisten.

Deshalb wollen wir statt „Schule im Kindergarten“ mehr Kindergarten

in der Schule, weil Begeisterung am Lernen nicht nur

Kleinkinderkram ist. Diese Begeisterung zu vermitteln ist keine

Frage des Alters, sondern eine Frage der pädagogischen Haltung.

Das Schulsystem kann sich hier so einiges vom Elementarbereich

abschauen. Und dabei lernen, wie Kinder lernen, ohne belehrt zu

werden.

Daniel Bohmann

Bundesgeschäftsführer der Kinderfreunde


Arbeitsalltag in

Kinderbetreuungseinrichtungen

Thema 5

Bauch voll? Popo sauber? Ein bisserl basteln? Manchmal sind die Vorstellungen

zum Arbeitsalltag in Kindergärten allzu einfach. In der

frühen Kindheit wird ein wichtiger Grundstein für die Persönlichkeitsentwicklung

gelegt. Deshalb ist Beziehungs- und Bildungsarbeit

mit Kleinkindern weit mehr als die Sicherstellung pflegerischer Mindeststandards.

In einer Kooperation mit dem Institut für Familienforschung

hat das Institut für Kinderrechte eine Studie durchgeführt,

in deren Mittelpunkt die Herausforderungen im beruflichen Alltag

von ElementarpädagogInnen und KindergartenassistentInnen stehen

und wie diese bewältigt werden.

ElementarpädagogInnen und KindergartenassistentInnen arbeiten

in einem Spannungsfeld zwischen institutionellen Rahmenbedingungen,

gesellschaftlichen Ansprüchen und sozialen Gegebenheiten.

Eines der zentralen Ergebnisse der Studie – für die insgesamt 58 Beschäftigte

in Kindergärten in Wien, St. Pölten, Innsbruck und Klagenfurt

befragt wurden - ist, dass dieses Spannungsfeld so starken

Stress verursacht, dass den individuellen Bedürfnissen der einzelnen

Kinder kaum entsprochen werden kann.

„Weil alles gleichzeitig ist und man entscheiden muss, wo bewegt man sich

hin oder was hat jetzt Vorrang? (...) diese Reizüberflutung, ja. Man redet gerade

mit Eltern, dann streiten zwei, die kommen, der weint, der andere hat

in die Hose gemacht (...) Da läutet das Telefon.

Manchmal habe ich das Gefühl, ich müsste Gott sein, um allen gerecht zu

Seit dem desaströsen Abschneiden Deutschlands und Österreichs

beim PISA-Test rückte der Kindergarten in den Fokus der

Bildungspolitik. Kinder aus Familien mit anderen Muttersprachen

wurden als Quelle des schlechten Abschneidens identifiziert,

der Kindergarten sollte fortan dafür sorgen, dass diese Kinder

gut deutschsprechend in die Schule kommen. Die Schuleinschreibung

wurde nach vorne verlegt und Tests zur Überprüfung

von sprachlichen Fähigkeiten eingeführt. Seit 2010 müssen alle

Kinder ab dem 5. Lebensjahr mindestens 16 Stunden pro Woche

einen Kindergarten besuchen und jene Kompetenzen erwerben,

die in einem bundesweit gültigen Bildungsplan festgelegt sind.

In den jüngsten Bildungs-Reformvorschlägen der Regierung wird

ein eigenes „Elementarpädagogik-Paket“ vorgelegt. Besonders

hervorgehoben wird auch hier, wie wichtig es ist, dass allen

Kindern ein guter Start in die Schule ermöglicht werden soll.

Daher sollen Eltern zur Schuleinschreibung Unterlagen aus dem

Kindergarten mitbringen und eine „gemeinsame

Schuleingangsphase“, in der das letzte Kindergartenjahr und die

ersten beiden Schuljahre als Einheit aufgefasst werden, soll

errichtet werden.

Alle diese Reformen sind grundsätzlich positiv zu bewerten. Von

KindergartenpädagogInnen und LehrerInnen gemeinsam

entwickelte Bildungs- und Unterstützungsangebote würden dazu

werden. Und gerade wie du sagst, das Hinsetzen und bei den Kindern sein,

ist (...) so selten, dass das schon so was Wertvolles ist, dass man einfach Zeit

hat und sagt, ich habe Zeit, setz dich hin, nimm dir ein Buch, ich bin einfach

da oder so und ich lese dir einmal vor. (...) Da ist das ganz, ganz selten, dass

so was im Alltag zwischendurch mal möglich ist.“

Die StudienteilnehmerInnen betonen, dass vor allem mit verbessertem

Betreuungsschlüsseln und kleineren Gruppen gegengesteuert

werden sollte.

Marion Hackl, Institut für Kinderrechte und Elternbildung

Der Bericht zur Studie:

http://www.kinderfreunde.at/V/Institut-fuer-Kinderrechte/

Projekte/2015/Arbeitsalltag-in-Kinderbetreuungs-einrichtungen

Besonderheiten und

Herausforderungen

des Arbeitsalltags

in Kindergarten und

Bildung beginnt im Kindergarten – oder?

Kinderkrippe

beitragen, dass es nicht mehr alleine vom Elternhaus abhängt, ob

Kinder in der Schule Erfolg haben oder als Versager abgestempelt

werden.

Bezweifelt darf jedoch die Umsetzung werden, wenn nicht

weitere Maßnahmen ergriffen werden. Nämlich:

• der Kindergarten muss unter das Dach des Bildungsministeriums

INSTITUT kommen,

FÜR KINDERRECHTE & ELTERNBILDUNG

Hackl, Marion; Geserick, Christine; Hannes, Caterina; Kapella, Olaf

ÖSTERREICHISCHES INSTITUT FÜR FAMILIENFORSCHUNG AN DER UNIVERSITÄT WIEN

• Verbesserungen FEBRUAR 2015 der Rahmenbedingungen (Gruppengröße und

Personalschlüssel) und

• gleichwertige und teilweise gleichzeitige Ausbildung von Elementar-

und Primarpädagoginnen.

Dann kann ich mir vorstellen, dass der Kindergarten tatsächlich

zur Bildungseinrichtung wird und eine gemeinsame

Schuleingangsphase zum Wohle unserer Kinder gelingt.

Andernfalls befürchte ich, dass die in die Schule mitzubringenden

Unterlagen zu einer Art „Abschlusszeugnis“, das von der

Schulleiterin ausgewertet wird, verkommt. Ob wir damit

bildungsbenachteiligten Kindern zu Bildungsgerechtigkeit

verhelfen, bleibt zu bezweifeln.

Heide Lex-Nalis

Sprecherin der Plattform EduCare


6 Thema

»Wenn mir in der Grundschule einer gesagt

hätte, mein Lehrer ist mein Freund,

hätt ich gesagt, spinnst du eigentlich?

Aber jetzt ist der Lehrer mein Freund! «

Margret Rasfeld hat entlang des neuen deutschen Schul-Modells „Gemeinschaftsschule“ eine Schule entwickelt,

die in die Zukunft weist und auf das Leben vorbereitet. Ihr Modell ist mittlerweile auch in Österreich

bekannt geworden und wird schon da und dort angewendet. Sie hat bei unserer Tagung „Aufbruch_2016“,

am 4. Juni, einen Vortrag gehalten und dabei verdeutlicht, warum wir die bisherigen Schul-

Modelle hinter uns lassen müssen. Die Anforderungen an ein Schulsystem der Zukunft hat sie am Beispiel

der von ihr gegründeten „Evangelischen Schule Berlin-Mitte“ konkretisiert.

Schule totel verändern statt kleine Änderungen machen

Wir haben riesige Herausforderungen, die wir nicht mehr wegschieben

können: Ökologie, Biodiversität, wie wir Landwirtschaft

betreiben, usw. Kinder erleben dabei Erwachsene, die ziemlich viel

aussitzen und Erwachsene, die nicht handeln. Da besteht die Gefahr,

dass die Kinder das dann auch wegschieben, obwohl sie eigentlich

eine andere Welt wollen.

Eine andere große Herausforderung haben wir mit der Flüchtlingsbewegung.

Wie wir damit umgehen, ohne die Menschlichkeit

zu verlieren, ist die große Schwierigkeit dabei. Eine andere ist der

Umgang mit Komplexität. Die Welt ist globalisiert, alles ist kompliziert.

Die Welt war früher schon komplex, nur haben wir es

nicht so gemerkt. Und wenn ich mir dann Schulen ansehe, wo der

Lehrer in die Stunde geht und was am Ende rauskommt: Er teilt


Thema 7

Arbeitsblätter aus und die Lösung steht im Lehrerhandbuch. So

kann man den Umgang mit Komplexität nicht lernen. Wenn es

immer nur richtige und falsche Antworten gibt und keine Ambivalenzen,

Widersprüche und sowohl als auch, dann kriegen wir

einfach auch falsche Haltungen mit.

Der heimliche Lehrplan in der Schule heißt „Zerstückelung“ in

Lernfächer, die nichts miteinander zu tun haben; und das in

einer Welt die immer komplexer wird. Von „Verstehbarkeit“

kann da keine Rede sein. Deshalb müssen wir uns überlegen,

wie kommen wir aus der Zerstückelung raus, wie kommen wir

an Jahrespläne, Wochenpläne, etc. Wir leben noch an einer

Schule mit einem Stundenplan, der aus dem letzten und

vorletzten Jahrhundert stammt und einem Schulsystem, das

aus dem Mittelalter stammt. Kastensystem. Hauptfunktion von

Schule ist Selektion. Da müssen wir uns nicht wundern, wenn

wir eine gespaltene Gesellschaft haben. „Gewinner und Verlierer“

ist der heimliche Lehrplan von Schule.

Was die eigentliche Frage ist

In welcher Welt wollen wir leben und was ist der Sinn von Schule

im 21. Jahrhundert? Ein Paradoxon ist, dass wir noch nie eine

Generation (von Schülern) hatten, die so viel Bereitschaft zeigte,

sich zu engagieren. Viele wollen eine andere Welt, ökologischer,

anders Zusammenleben, Gerechtigkeit – die Schule deckelt dieses

Engagement in einem Fächerkorsett. Es ist eine Verantwortung

von uns, dass das abgeschafft wird. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel!

Keine Reparatur im Alten.

Schule sollte auf vier Säulen aufgebaut werden

• Lernen, Wissen zu erwerben

• Lernen zusammen zu leben

• Lernen zu sein

• Lernen zu handeln

Was ist das Besondere an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum?

Sie ist eine „Gemeinschaftsschule“, das ist eine neue Schulform

in Deutschland, die trennt nicht nach Leistung, sie nimmt alle,

nach dem Motto: Finde heraus, welche Lernarrangements geeignet

sind, um mit solcher Heterogenität am besten umzugehen.

• Die Gemeinschaftsschule ist eine Ganztagsschule.

• Es gibt keinen Fächerstundenplan.

• Die Klassen sind in den ersten zwei Stunden „Lernbüros“,

jeweils für Deutsch, Englisch, Mathe und „Natur &

Gesellschaft“, weil dort alle Materialien vorhanden sind, die

dazu gebraucht werden.

• Die Jahrgänge 7, 8 und 9 arbeiten gemischt. (=die Grundschule

in Berlin dauert 6 Jahre, anschließend kann man die Gemeinschaftsschule

besuchen)

Die Kinder kommen morgens in die Schule und entscheiden

selbst, wo sie hingehen (in welches Lernbüro) und arbeiten mit

Material für selbstbestimmtes Lernen. Wer Fragen hat, fragt

zuerst Mitschüler, ein/e LehrerIn ist aber auch da.

Im Lernbüro kann man herumgehen, sich hinlegen oder nach

draußen gehen, man sitzt da nicht am Tisch und vorne beschallt

dich eine/r. Kinder, die nicht gut ruhig sitzen können, rennen

manchmal einmal um den Schulhof und kommen wieder rein.

Gemeinschaftsschulen brauchen erst ab der 9. Stufe Noten zu

geben. Die Kinder lernen für sich und nicht für die Note.

Kinder melden sich selbst zum Test an, wenn sie ein Thema abgeschlossen

haben und darüber einen Test schreiben möchten.

Wir nehmen die Schulbücher, schmeißen die Hälfte raus, nehmen

nur das wesentliche, bringen das in Material, das man verstehen

kann und das sind dann die Basics, die man in den zentralen Prüfungen

braucht. Wir schneiden damit in allen zentralen Tests hervorragend

ab. Das gilt für alle Schulen in Deutschland, die so arbeiten.

Und die ganze Angst ist rausgenommen (vor den Prüfungen).

Kinder bekommen ein Zertifikat, wo draufsteht, was gut gemacht

wurde, was man besser machen kann, usw.

Wer krank ist, verpasst nichts. Er macht da weiter, wo er/sie

aufgehört hat. Die Kinder führen Logbücher über ihre Aktivitäten

und Fortschritte.

Ein Tag in der Woche ist Projekttag, 5 Stunden, die Schüler

können eigenen Forschungsfragen nachgehen, können dabei die

Schule verlassen, Leute interviewen, usw. Man kann so mit

außerschulischen Partnern super zusammenarbeiten. Bis zu acht

Wochen haben die Kinder dazu Zeit. Dafür werden einfach Fächer

von mehreren Klassen zusammengelegt. Um den Umgang mit

Komplexität zu erlernen und auch vorzuleben gilt die Devise

„geht nicht, gibt’s nicht“.

Die Klasssen haben zwei Klassenlehrer, die sind nicht doppelt

drin, aber beide verantwortlich. Jeder hat zwei bezahlte Stunden

für je 13 Schüler für Einzelcoachings. Das ist immer freitags. Sonst

würde das nicht funktionieren. Das ist der Kern der

Beziehungskultur. Für die Schüler ist es wichtig zu sagen „Ich hab

da immer einen ... (meinen Tutor)“. Manche Schüler sagen, „Wenn

mir in der Grundschule einer gesagt hätte, mein Lehrer ist mein

Freund, hätt ich gesagt, spinnst du eigentlich? Aber jetzt ist der

Lehrer mein Freund!“

Die Woche endet bei uns mit der „Schulversammlung“, die ist

wichtig für Solidarität und Gemeinschaft. Da versammelt sich die

ganze Sekundarstufe. Die Schulversammlung wird immer von einer

Klasse vorbereitet. Da gibt's fixe Elemente: das Lied der Woche,

das öffentliche Loben und Bedanken. Dabei gehen die Kinder

nach vorne und können sich bei wem bedanken oder wen loben,

sagen worauf sie stolz sind oder was sie erreicht haben.

Dann gibt’s „speak your mind“, da kann man sagen, was einem

nicht gefällt und Vorschläge machen, es werden Projekte vorgestellt,

usw.

Ein wichtiges Fach bei uns (für 12 bis 13-Jährige) heißt

„Verantwortung“. Jedes Kind sucht sich eine Aufgabe im

Gemeinwesen. Dort wird „Herz-Intelligenz“ und „Herz-Kraft“

entwickelt. Wir gehen dabei z. B. in Brennpunktschulen in die

ersten Klassen und die Schüler helfen dort mit.

Unser bestes Fach ist „Herausforderung“ (für 13-, 14- und

15-Jährige). Dabei gehst du für drei Wochen raus aus Berlin in der

Gruppe und suchst dir eine Herausforderung: Mitarbeit am

Biobauernhof, einen Wanderweg gehen ohne Geld, ….. Da lernen

die Kinder, dass das Leben nicht nach Plan läuft, Umgang mit Unsicherheit,

Teamarbeit, Konflikte lösen und du merkst, was du alles

in dir hast. Es geht dabei jemand mit, der über 18 ist.

Das Video vom gesamten Vortrag findest du auf

unserer Website:

http://www.kinderfreunde.at/News/Aktuelle-News/

AUFBRUCH-wir-feierten-ein-Fest-der-Paedagogik


8 Thema

Flucht und Bildung

Foto: Votava

Auf der Suche nach Chancen.

Christian Oxonitsch

Bundesvorsitzender der

Österreichischen Kinderfreunde

Mein

Kommentar

Marty McFly würde

Ganztagsschulen lieben!

Der Blick in die Zukunft ist vor allem bildungstechnisch

sehr wichtig. Die Bundesregierung

hat sich – sehr zur Freude der

Kinderfreunde – auf den Ausbau der Ganztagsschulen

geeinigt. (750 Mio. Euro aus

Abschlagszahlung der Bankenabgabe werden

investiert). Ein riesiger Schritt in die richtige

Richtung. Ich bin sicher: Würde Marty McFly

mit seinem DeLorean in neun Jahren Österreich

besuchen, dann würde er die Ganztagsschulen

lieben. Ziel der Vereinbarung:

Jedes Kind soll im Umkreis von 20 km eine

Ganztagsschule zur Verfügung haben. Diese

schafft bessere Chancen für unsere Kinder,

erleichtert die Vereinbarkeit von Familie und

Beruf und bringt mehr gemeinsame Familienzeit,

weil Lernen und Aufgaben in der Schule

erledigt werden. Besonders für AlleinerzieherInnen

ist die Ganztagsschule eine erhebliche

Entlastung. Darüber hinaus kurbelt der

Schulausbau die Wirtschaft an. Pädagogisch

ist die verschränkte Form der Ganztagsschule

die richtige Entscheidung, denn nur sie verhindert,

dass Bildungskarrieren vererbt werden

und schafft absolute Chancengleichheit.

Für uns Kinderfreunde ist aber weiterhin klar:

Der wichtigste Schritt ist die flächendeckende

(!!) gemeinsame (!!) ganztägige(!!) und kostenfreie

(!!) Schule für alle 6- bis 14-Jährigen.

Das stärkt die Stärken und schwächt die

Schwächen wie das auch nationale und internationale

Studien sehr eindrucksvoll zeigen.

Nun gilt es, die Gelder sinnvoll zu verteilen.

Bei der Mittelaufteilung muss darauf geachtet

werden, dass Bundesländer, die bereits Ganztagsschulen

in verschränkter Form haben,

nun auch Geld für die Unterstützung für Betreuungs-

bzw. Essensbeiträge erhalten können.

Wir Kinderfreunde erinnern: Für viele

Familien scheitert der Besuch einer Ganztagsschule

an den Essensbeiträgen! Ein Umstand,

der nicht zu akzeptieren ist.

Während der letzten eineinhalb Jahre

waren wir Kinderfreundinnen und

Kinderfreunde in der Betreuung von

Flüchtlingen engagiert – vor allem

Jugendliche und teilweise junge

Familien schafften den Weg zu uns. Im

Gepäck haben sie unterschiedliche

Bildungsgeschichten und gemeinsam

ist ihnen häufig ein Problem: Sie fallen

aus der Schulpflicht. Dass es trotzdem

geht, zeigen mehrere Initiativen und

Projekte.

In der HTL Mödling wurde

beispielsweise, auf Betreiben von

Privatpersonen und Schulleitung, ein

Lehrgang für 22 junge Flüchtlinge

eröffnet, in dem diese die

Voraussetzungen für den Besuch einer

Fachschule erwerben und somit auch

einen ersten Schritt in Richtung eines

entsprechenden Bildungsabschlusses

setzen konnten. Dabei wurde auch

darauf geachtet, dass der Unterricht

teilweise gemeinsam mit Regelklassen

abgehalten wurde, um Kontakte zu

fördern. Nachdem der überwiegende

Teil der TeilnehmerInnen den Lehrgang

positiv absolvieren konnten, wird es

diesen auch im Schuljahr 2016/17 geben.

Größer wird dieses Thema in Wien

gedacht, wo mit dem Jugend-College

ein Bildungsangebot für 1000 nicht

mehr schulpflichtige Flüchtlinge

gesetzt werden soll. Der Hintergrund

der Stadt ist, dass auch für jene, die

nicht mehr in die Schulpflicht fallen,

ein entsprechendes Angebot gesetzt

und damit entsprechende Perspektiven

eröffnet werden. Das College

funktioniert aber nicht für alle

Jugendlichen gleich, sondern klärt

vorher die Voraussetzungen und

Bedürfnisse ab, um dann zielgerichtet

ein Angebot für die Jugendlichen zu

setzen und so auf einen

Bildungsabschluss

im

Pflichtschulbereich oder auf einen

Lehrabschluss abzuzielen. Dabei sollen

Deutschkenntnisse ebenso vermittelt,

wie praktische Fähigkeiten gestärkt

werden und das modular. Dieses

Angebot ist auf 15- bis 21-Jährige

ausgelegt, die einen Asylstatus

zuerkannt oder subsidiären Schutz

erhalten haben, also in Österreich

bleiben können. Somit wird neben der

individuellen Perspektive, die den

Jugendlichen geboten werden soll,

auch ein wichtiger integrativer Schritt

gesetzt – die jungen Menschen werden

nicht sich selbst überlassen.

Aus Sicht der Kinderfreunde sind beide

Initiativen, trotz ihrer unterschiedlichen

Größe und Ausformung, positive

Signale in einer schwierigen Materie.

Zugleich sind sie aber nur ein Tropfen

auf dem heißen Stein, weil sie bei

weitem nicht jene Menge an Leuten

erreichen, die erreicht werden sollten,

um möglichst rasch den Schritt in

Richtung Normalität zu gehen.

Erstrebenswert wäre es, wenn auch

andere Bundesländer dem Beispiel

Wiens folgen und entsprechende

Angebote schaffen würden, denn es

darf nicht vergessen werden: viele der

jungen Menschen, die nach Österreich

kommen, haben in ihrer Heimat etwas

gelernt und bringen neben

handwerklichen Fähigkeiten häufig

auch Schulbildung mit, die sie hier

nutzen können. Letzten Endes liegt es

an den Möglichkeiten, die ihnen

gegeben werden, ob sie diese

Fähigkeiten einsetzen können, um

selbst für ihr Auskommen zu sorgen.

Sinnvoll wäre es allemal.

Michael Kögl


Fotos: Alexander Schwarzl

Die Neugierde der

Kinder hochhalten

Interview mit Bildungsministerin Sonja Hammerschmid

Das Schwerpunktthema dieser WIR lautet „Durch Begeisterung

lernen“ – was braucht es aus Ihrer Sicht, dass Kinder in der Schule

mit und durch Begeisterung lernen können?

Hammerschmid: Motivierte und begeisterte Lehrerinnen und Lehrer!

Begeisterte LehrerInnen sind der Schlüssel zum Erfolg, weil sie durch ihre

Begeisterung Kinder anstecken und mit auf die Reise nehmen können. Und

man muss eine Pädagogik wählen, die Kinder sehr spielerisch und ihren

Interessen und Neigungen entgegenkommend unterrichtet. LehrerInnen

müssen die Neugierde der Kinder hochhalten. Die Kunst ist es, diese

Neugierde, diese Wissbegierigkeit und Kreativität der Kinder nicht zu

verlieren, sondern ganz gezielt zu fördern.

Was braucht es, damit LehrerInnen motiviert und engagiert arbeiten

können?

Hammerschmid: Gute infrastrukturelle und räumliche Rahmenbedingungen

und eine gute solide PädagogInnenausbildung, also das Handwerkszeug,

um Unterricht lebendig und kreativ gestalten und auch die Bildungsziele

und Kompetenzziele zu erfüllen. Und ein ganz wesentlicher

Punkt ist, dass diejenigen LehrerInnen werden, die das mit Begeisterung

tun und die Kinder ganz einfach lieben. Das muss die Hauptmotivation sein.

Es gibt ganz tolle innovative Schulfächer wie „Wald“ oder „Glück“.

Was wäre ihr Lieblingsschulfach?

Hammerschmid: Ich war total beeindruckt von Frau Rasfeld, die ich bei

„Schule im Aufbruch“ kennengelernt habe und wo sie unter anderem das

Schulfach „Verantwortung“ vorgestellt hat. Das geht mir seither nicht

mehr aus dem Kopf, weil ich das wirklich toll gefunden habe. Es hat schön

gezeigt, was soziales Engagement mit den Kindern macht. Und wie schnell

Kinder in der Lage sind Verantwortung zu übernehmen und zu tragen. Das

möchte ich gerne unterstützen.

Welche Maßnahmen stehen auf Ihrer Prioritätenliste ganz oben?

Hammerschmid: Wenig überraschend die Ganztagsschule – beschlossen

mit dem 750-Millionen-Euro-Paket, um mehr SchülerInnen ganztägige

Schulformen anbieten zu können. Im besten Falle sind das verschränkte

Schulformen, wo Unterricht, Spiel, Spaß, Essen und Sport sich abwechseln.

Wir wissen, dass das die besten Lernerfolge bringt. Unser Ziel ist es, bis

2025 40% aller Schulen ganztägig zu führen und wir hoffen dann auf eine

Sogwirkung, dass das Thema ganztägige Schulformen stärker

angenommen wird.

Der zweite wichtige Punkt ist das Autonomiepaket der Bildungsreform.

Wir glauben, dass die PädagogInnen vor Ort sehr genau wissen, was sie

brauchen. Pädagogisch ist da vieles denkbar. Der jahrgangsübergreifende

Unterricht ist an den Volksschulen schon oftmals in Schulversuchen

praktiziert worden, geht aber auch hin zu wirklich neuen Modellen, wie

einem Modulsystem, das davon ausgeht, dass jedes Kind seine eigene

Lerngeschwindigkeit in den Fächern hat.

Im Zusammenspiel dieser Komponenten können wir das Schulsystem

wirklich einen massiven Schritt nach vorne bringen.

Wir freuen uns als Kinderfreunde sehr, dass die „Schule ohne

Schultasche“, die wir schon seit vielen Jahren fordern, nun endlich

kommt. Das andere Herzensanliegen von uns ist die Gesamtschule –

haben wir eine Chance, dass auch die in absehbarer Zeit auf die

Tagesordnung kommt?

Hammerschmid: Sie kennen die Situation! (lacht) In der Bildungsreform

ist das Modellregionenpaket drinnen, das vertrauensbildend für das

Thema wirken und zeigen soll, wie Gesamtschule gelingen kann. Wobei

wir alle wissen, dass in ländlichen Regionen, wo es keine Alternative im

Sinne einer Unterstufen-AHS gibt, die Gesamtschule gelebte Tradition ist.

Ich bin selbst in so eine Schule gegangen. Die Gesamtschule ist ein

sozialdemokratisches Anliegen und wird es immer sein, aber

Koalitionsregierungen verlangen Kompromisse.

Meine Tochter ist jetzt zwei, die wird es in ihrer Schullaufbahn

wahrscheinlich nicht mehr erleben?

Hammerschmid: Ach, so pessimistisch wäre ich nicht. (lacht) Es geht hier

ganz stark um die Ängste. So wie in der Integrationspolitik, geht es auch

in der Bildungspolitik um Ängste der Menschen.

…aber bei der Gesamtschul-Frage schon ganz stark auch um

festgefahrene ideologische Standpunkte

Hammerschmid: Ja, das ist auch einer der Gründe, warum wir jetzt mit

dem Thema ganztägige Schulformen anfangen. Das ist ein Thema, das

Konsens findet und uns jedenfalls ein Stück weiter bringt. Wenn das gut

gemacht ist, dann ist das eine wirklich tolle Schulform, die für

Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit steht und das ist ein

sozialdemokratisches Ziel.

Das Interview mit Sonja Hammerschmid führte Karin Blum.


10 Thema

Best Practice

Durch Begeisterung lernen

Garten, Wald und Glück

Es ist keine neue Erkenntnis, dass wir uns Dinge besser merken,

die wir beim Tun lernen, als jene, die wir nur lesen oder von

jemandem vorgetragen bekommen. Dass unser Regelschulsystem

trotzdem und noch immer zu einem sehr hohen Prozentsatz nach

dem Prinzip Frontalunterricht funktioniert, ist eigentlich

verwunderlich.

Aber es gibt auch immer mehr Beispiele, die zeigen, wie spannend,

lebensnah und lustvoll Unterricht sein kann, wenn er mit

Begeisterung gemacht wird. Hier stellen wir einige kurz vor: Zur

Nachahmung empfohlen!

Wald

Eine Neue Mittelschule in Liesing hat seit einigen Jahren das

Schulfach „Wald“ auf dem Stundenplan stehen. Einmal pro Woche

geht die Klasse in den Wald, um dort Bäume und Böden zu

erforschen, Tiere und ihre Futterstellen zu entdecken oder

beispielsweise Strömungsexperimente am fließenden Wasser zu

machen. Durch die Waldpädagogik als Schulfach lernen die Kinder

nicht nur unheimlich viel über die Tier- und Pflanzenwelt,

sondern auch soziale Kompetenzen, Zusammenhalt der Klasse,

Konfliktlösung sich Erfahren und Einordnen werden – sozusagen

nebenbei – mitgelernt.

Glück

In der Steiermark gibt es seit 2009 das Schulfach „Glück“, und das

an Schulen aller Schultypen. Im Glück-Unterricht nehmen die

SchülerInnen an Erlebnissen wie Rollenspielen, Klettern, Zelteln

usw. teil, die sie Vertrauen und Achtsamkeit lehren sollen. Im Anschluss

an das Erlebte wird gemeinsam reflektiert. Das Unterrichtsfach

ist in Module aufgeteilt, die die Themenbereiche psychosoziale

Gesundheit (Selbstwert, Empathie, Kommunikation

und Konfliktbewältigung), Bewegung, Ernährung und Gesundheit

und der Körper als Ausdrucksmittel abdecken. Dabei geht es immer

ums Tun und ums Erfahren – Unterricht, der den SchülerInnen

und LehrerInnen Spaß macht und unersetzliche Lebenserfahrungen

mitgibt.

Garten

In Traiskirchen hat sich im letzten Jahr gemeinsam mit dem

Kinderfreunde-Projekt connect.traiskirchen ein Gemeinschafts-

Landwirtschaftsprojekt entwickelt – der Garten der Begegnung.

Auf einem ein Hektar großen Acker bauen seit diesem Frühjahr

TraiskirchnerInnen und Geflüchtete gemeinsam Obst und Gemüse

an. Ein wichtiger Teil des Projekts sind die Traiskirchner Schulen

– die Neue Mittelschule und die Sozialintegrative Förderschule

haben sich kurzerhand entschlossen „Garten“ in ihren

Unterrichtsplan aufzunehmen. Seither kommen die SchülerInnen

und LehrerInnen einmal in der Woche mit ihren Fahrrädern in den

Garten, wo sie ein eigenes Feld haben, das sie gemeinsam

bewirtschaften und schon mit der ersten reichen Ernte belohnt

wurden. Im Kochunterricht wird das absolut biologisch produzierte

Gemüse dann gleich verarbeitet. Die SchülerInnen lernen den

kompletten Kreislauf vom Aussäen, über das Pflegen und Gießen

bis zur Ernte und Verarbeitung kennen und übernehmen

Verantwortung für ihr Feld und ihr Gemüse. Zum Teil kommen die

jungen GärtnerInnen auch außerhalb des Unterrichts und mit

ihren Eltern in den Garten und wenn die Arbeit am eigenen Acker

erledigt ist, helfen sie auch mal mit in der Gemeinschaftsfläche

Kartoffelkäfer abzuklauben oder Unkraut zu zupfen. Dass bei all

dem auch noch Begegnung und Austausch mit jungen Geflüchteten

stattfindet ist ein mehr als positiver Nebeneffekt.

Karin Blum


Thema 11

Umfrage:

Wie erleben Kinder die Schule?

In deiner Schule, wie und was

lernst du da am liebsten?

„Ich liebe Mathe, Deutsch, Zeichnen, Turnen und Werken.

Französisch haben wir auch. Wir werden noch Englisch

lernen. Ich lerne am liebsten in der Klasse. Bei Französisch

dürfen wir in Gruppen zusammensitzen. Mal-Rechnungen, Dividieren

und Plus-Minus mache ich gerne. Ich bin sportlich, ich kann gut

Sprinten, Weitwerfen kann ich nicht so gut, aber Hürden und so.

Manchmal können wir entscheiden, was wir zeichnen wollen. Meine

Lehrerin heißt Katharina und sie ist nett. Manchmal ist sie auch streng

zu denen, die nicht mitmachen oder zuhören.“

Tatjana, 8 Jahre, VS Stubenbastei, 1010 Wien

„Ich mag am liebsten, wenn ich meine

Geschichten schreiben kann, das mach‘ ich

eigentlich am liebsten am Tisch. Die Geschichten

handeln vom Herr der Ringe und von Der

Hobbit. Wir haben da so ein Heft und da kann ich meine

Geschichten hineinschreiben. Eigentlich gibt’s bestimmte

Geschichtentage, aber ich mach‘ schon daneben noch

ziemlich viel Geschichten. Sonst mag ich eigentlich am

liebsten Turnen, weil da sind oft lustige Spiele und das

macht Spaß.“

Moritz, 11 Jahre, Integrative Lernwerkstatt Brigittenau,

1200 Wien

„Ich mag den Wochenplan ganz gerne. Da steht das Arbeitsbuch und die Seite, die wir machen sollen in D, M und Englisch. In den

Wochenplanzeiten können wir vom Wochenplan machen, was wir wollen. Am Ende der Woche muss es gemacht sein. Wenn etwas

Wichtiges fehlt, muss es am Wochenende gemacht werden. Mathe mag ich am liebsten und in Deutsch bin ich am besten. Beliebt

ist es, wenn wir uns einen Teppich nehmen dürfen und darauf sitzen. Mit zwei, drei Schülern gemeinsam mach ich das gerne. Ich

mag, dass wir oft rausgehen. Wir haben einen relativ großen Garten. Da dürfen wir uns meistens frei bewegen, in der Mittagspause

eine halbe Stunde, sonst eine bis eineinhalb Stunden. Einmal musste die dritte Klasse den ganzen Sportplatz ausmessen für Mathe.

Manchmal machen wir auch was in der Gruppe und wir sind oft turnen. Jeden Tag machen wir ein bisschen in der Gruppe (25

Kinder, 10 Dritte, 15 von der 1. Klasse) oder arbeiten allein oder zu zweit am Wochenplan.“

Elena, 9 Jahre, VS Kirschenallee, 1220 Wien

Ist das jetzt Lernen?

Non-formale und informelle Bildung in der Kinder- und

Jugendgruppenarbeit der Rote Falken und Kinderfreunde

Regelmäßig treffen sich Minis, Freundschaftskinder und Rote

Falken in unseren ehrenamtlichen Kindergruppen. Dort spielen

und basteln sie, diskutieren, fahren auf Zeltlager, machen Ausflüge

und sie lernen. Aber nicht nur die Kinder, in unseren Gruppen

lernen Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam,

voneinander und miteinander.

Vieles davon ist informelle Bildung, etwa wenn ein Kind beim ersten

Mal Eislaufen nach 10 Minuten fragt: „Ist das jetzt Lernen?“

Oder wenn ein Kind dem anderen zeigt, wie eine Palette zu Brennholz

zerlegt wird, mit den Worten „so macht ma des!“. OrganisatorInnen

von Zeltlagern habe ein Logistik-Praktikum absolviert,

das jedes Studium in den Schatten stellt. GruppenleiterInnen lernen

Führungsqualifikationen, die keine Fortbildung zu vermitteln

mag. Informelle Bildung basiert in unserer Organisation auf Beziehungen

und Freundschaft. Einiges lernen wir durch Fehler und

vieles durch das Lösen von Problemen. Aber immer stehen die

Freude am Tun und die Begeisterung für die Sache im Mittelpunkt.

Doch auch in der non-formalen Bildung haben die Kinderfreunde

und Roten Falken einiges zu bieten. Mit Angeboten wie der Kinderrechte-Uni,

Lehrgänge für GruppenleiterInnen oder junge BetreuerInnen

(Juhe-Kurs), Seminare, Tagungen, politische Wanderungen,

Gedenkstättenfahrten, Workshops auf Zeltlager uvm. Dabei

wenden wir Methoden an, die lernen im Tun, lernen im Austausch,

lernen am Beispiel, Freiwilligkeit und Interesse am Thema

ermöglichen.

Infobox

Formale Bildung: Aus- und Weiterbildung in staatlichen

Bildungsinstitutionen (wie Schule, Universität, Institutionen der

Berufsbildung)

Non-formale Bildung: beabsichtigtes, gezieltes und

selbstgesteuertes Lernen außerhalb klassischer

Bildungsinstitutionen (etwa in der Kinder- und Jugendarbeit)

Informelle Bildung: ungeplantes, in unmittelbaren

Lebenszusammenhängen („Learning by doing“) und außerhalb von

Bildungsinstitutionen erfolgtes Lernen


12 Aktuell

Kinderfreunde

Sommer 2016

2016

sommeraktivitäten

sommeraktivitäten

Bezirkssommerlager der Kinderfreunde Bezirk Melk

Ferien auf Burg Finstergrün mit den Kinderfreunden Salzburg

Aktivferien der

Kinderfreunde Burgenland

im Jufa Neutal

Ferienspektakel der

Kinderfreunde Auersthal –

Kreativtag

Naturforscher-Zeltlager Siegendorf

Schlauchbootfahrt im Rahmen des Zeltlagers der

Kinderfreunde Gumpoldskirchen

Foto: Galerie Belvedere

Sommerakademie der Kinderfreunde Wien

Jugendcamp der Kinderfreunde Oberösterreich in Obertraun


Aktuell 13

connect döbriach

Eine Ferienwoche

für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Im Juli 2016 haben die Österreichischen Kinderfreunde erstmals

knapp 60 unbegleitet geflüchtete Jugendliche für eine Woche ins

Kinderfreunde Falkencamp Döbriach am Millstättersee

eingeladen. Für die Kinderfreunde und die Roten Falken gehört

das jährliche Sommerlager im Camp Döbriach zu einem Fixtermin

im Kalender – viele Kinder und Jugendliche haben an diesen

Ort wunderbare Erinnerungen. Genau dieses Gefühl sollte auch

geflüchteten Jugendlichen ermöglicht werden.

Die Burschen und Mädchen leben gemeinsam in Wien Ottakring

in einer Flüchtlingsunterkunft und kommen aus den

unterschiedlichsten Ländern: Afghanistan, Syrien, Iran, Irak, Jemen

oder der Ukraine. Ihr Alltag im neuen Zuhause ist nicht immer

einfach, da sie während ihres Asylverfahrens mit vielen

Schwierigkeiten zu kämpfen haben: Die Verfahren sind langwierig,

Deutsch muss gelernt werden, nicht für alle gibt es einen

Schulplatz, Geld ist knapp und ihre Familien sind oftmals noch

im Krisengebiet. In Döbriach sollten sie einfach einmal abschalten

und die Zeit genießen können.

Täglich nach dem gemeinsamen Frühstück gab es ein Zusammentreffen

aller Jugendlichen mit dem Team, um den Tag zu

strukturieren und gemeinsame Aktivitäten zu starten. Vormittags

wurde den Mädchen ermöglicht mit einer Betreuerin zum Strand

zu gehen und im Mädchenfreiraum den See zu genießen. Nachmittags

waren bei schönem Wetter alle gemeinsam baden und

plantschen. Die Nähe zum See wurde in der Vorbereitung durchaus

kritisch gesehen. Es war klar, dass nur ein kleiner Teil der

Gruppe gut schwimmen konnte. Die oberste Regel galt von Anfang

an: „Niemand geht allein an den Strand!“. Das hat wunderbar

geklappt – alle TeilnehmerInnen haben sich an diese Vorgabe

gehalten, es war immer eine Aufsichtsperson am Steg und die Jugendlichen

waren zwar lebhaft im Wasser, haben aber stets aufeinander

Rücksicht genommen, sich nicht überschätzt und auch

versucht, sich gegenseitig schwimmen zu lernen. Andere Sportangebote

– Fußball, Volleyball, Radfahren, Spiele – verkürzten die

Tage. Die Jugendlichen konnten frei entscheiden, wann sie was

machen wollten. Diese Freiheit haben sie sichtlich genossen.

Geschlafen haben die Jugendlichen natürlich in einem Zeltdorf,

mit einer kleinen Feuerstelle in der Mitte. Jeden Abend wurde

gemeinsam ein Feuer gemacht, selbstverständlich mit

Steckerlbrot, Marshmallows und Erdäpfeln, dazu wurde gesungen

und getanzt. Ab 22:00 kehrte Ruhe ein, die Jugendlichen sind ins

campeigene Jugendzentrum abgerauscht um dort gemeinsam mit

Burschen und Mädchen aus anderen Delegationen zu tanzen.

Rund um Mitternacht sind alle müde ins Bett gefallen.

Anfangs war es für die Gruppe von connect.döbriach sichtlich

eine neue Situation, einiges wurde auch als gewöhnungsbedürftig

bezeichnet – beispielsweise die Übernachtung im Zelt. Täglich

sind unsere Gäste aber lockerer geworden, sie haben sich

untereinander ganz neu kennengelernt, es sind neue

Freundschaften entstanden und die Heimfahrt kam doch für fast

alle zu früh. Für die Österreichischen Kinderfreunde war das

bestimmt nicht die letzte Ferienaktion für geflüchtete Jugendliche.

Ferien für alle!

Laura Schoch


14 Wissen

Wenn die Lehrer anders sind,

dann sind wir auch anders

Schule aus SchülerInnenperspektive

Im Rahmen der UN-Kinderrechte-Konvention ist festgehalten, dass

jedes Kind ein Recht auf Bildung hat. Dieses beinhaltet mehr als

Schulpflicht. Es bedeutet, jedem Kind/Jugendlichen die

bestmöglichen Chancen zu bieten, um sich Wissen anzueignen

sowie Kompetenzen und Handlungsstrategien für eine Orientierung

in der Welt und eine konstruktive Weiterentwicklung unserer

Gesellschaft entwickeln zu können. SchülerInnen unterschiedlicher

Schulstufen haben in Gesprächen mit MitarbeiterInnen des

Instituts für Kinderrechte und bei der Enquete: „Zukunft trotz(t)

Herkunft“ der AK die Möglichkeit erhalten, einzubringen welche

Erfahrungen sie im Schulalltag machen und was ihnen wichtig ist,

um gut lernen zu können.

Im Kontext Wissensvermittlung ist den SchülerInnen wichtig, dass

unterschiedliche Lernniveaus und - geschwindigkeiten

berücksichtigt werden. Sie berichten von demotivierenden

Erfahrungen, wenn dies nicht der Fall ist.

gelebt wird. Leider machen SchülerInnen oftmals sehr gegenteilige

Erfahrungen.

Einmal habe ich Bauchschmerzen bekommen, (...) und ein bisschen ist Kotze

reingekommen, in meines (Anm. in sein Teller). Und ich habe schnell

den Lehrer gefragt, bitte, kann ich abgeben, und er so: Nein, du musst es

aufessen. (9 Jahre)

Wenn eine Schülerin während der Diskussion sagt: „Wenn die Lehrer

anders sind, dann sind wir auch anders,“ dann ist hiermit der

wechselhafte Prozess eines wertschätzenden Umgangs genauso

angesprochen, wie die Verantwortung, die LehrerInnen in diesem

Kontext tragen. SchülerInnen möchten PädagogInnen, die sie als

wertvolle Menschen wahrnehmen und als erwachsene Bezugspersonen

zur Verfügung stehen, die Verständnis für die Situation ihrer

SchülerInnen aufbringen und ihre Lebenserfahrung als Ressource

anbieten.

Zum Beispiel ich konnte meine Eltern nicht fragen. (...) und wenn man aufzeigt,

(...) und versteht es nicht. Warum hast du nicht aufgepasst? Warum

redest du? Und man ist leise. (...) und dann wollt ich nicht mehr fragen.

(...) Also mich hat der Unterricht dann gar nicht mehr interessiert.

(14 Jahre)

Zudem wünschen sie sich, dass an den Interessen der SchülerInnen

angeknüpft wird, sowohl hinsichtlich der Unterrichtsmethoden,

als auch der Inhalte. Im Fall der befragten SchülerInnen bedeutet

dies z. B. eine verstärkte Nutzung moderner Medien und die

Behandlung aktueller politischer und gesellschaftlicher, sowie

lebenspraktischer Themen.

Dafür braucht es Erwachsene an Schulen, die auf diese Aufgabe

vorbereitet und bei ihrer Erfüllung begleitet werden. Dies wiederum

bedeutet, dass (zusätzliche) finanzielle Ressourcen in schulisches

Personal investiert werden sollten 1, um dort, wo es nötig ist, den

PädagogInnen-SchülerInnen-Schlüssel zu verbessern; 2, um Themen

wie Persönlichkeitsbildung, Gruppendynamik, Kinderrechte,

Selbstreflexion intensiver in der Aus- und Weiterbildung der PädagogInnen

behandeln zu können und um 3, Zeit für regelmäßige,

professionell begleitete Supervision und Teambesprechungen zu

schaffen, die PädagogInnen einen Rahmen bieten, um ihr eigenes

Handeln laufend zu reflektieren und so ihr pädagogisches Handlungsrepertoire

zu erweitern.

Ein weitaus größeres Augenmerk lag während der Diskussionen

allerdings auf dem Aspekt der sozio-emotionalen Bildung. In diesem

Kontext steht für die befragten SchülerInnen im Vordergrund,

dass ein Klima des wertschätzenden Miteinanders an der Schule

Marion Hackl


k i n d er

Dieses Mal mit einem ummibären-Katapult und Malala,

die sich seit sechs Jahren für Kinderrechte stark macht.

Foto: Russell Watkins/Department for

International Development.

Young

Hearts

Kinder, die die Welt verändern

Dieses Mal: Malala Yousafzai

Malala ist jetzt 17 Jahre alt. Sie kommt aus Pakistan und setzt sich

seit ihrem elften Lebensjahr für Kinder- und Mädchenrechte in ihrer

Heimat ein. Besonders wichtig ist ihr, dass Mädchen zur Schule gehen

können. Das ist im Swat-Tal, in der Gegend von Pakistan, in der

sie aufgewachsen ist, nicht selbstverständlich. Schulen für Mädchen

werden dort von Gruppen der Taliban (Terrororganisation) immer wieder

zerstört. Mädchen, die zur Schule gehen und LehrerInnen die sie

unterrichten, werden bedroht. Malala hat darüber in einer britischen

Tageszeitung regelmäßig berichtet. Deswegen verübten die Taliban, als

sie 14 Jahre alt war ein Schussattentat auf sie. Malala hatte Glück.

Sie hat den Mordanschlag überlebt und wurde nach Großbritanien zur

medizinischen Behandlung gebracht. Seither lebt sie mit ihrer Familie

dort, da es in Pakistan zu gefährlich für sie wäre. Für das Recht auf

Bildung für Mädchen setzt sich Malala immer noch ein. Das Mädchen ist

durch ihr Engagement sehr berühmt geworden. Sie besuchte 2013 sogar

Barack Obama, den Präsidenten der USA. Aber egal wie wichtig die Personen

sind mit denen sie spricht, sie nimmt sich nie ein Blatt vor

den Mund, sondern sagt ihr Meinung. Barack Obama hat sie zum Beispiel

dafür kritisiert, dass die USA Bomben über Pakistan abwerfen um gegen

Terroristen wie die Taliban zu kämpfen. Sie findet, dass dadurch viel

zu viele unschuldige Menschen verletzt und getötet werden. Ihrer Meinung

nach wäre es besser, in die Bildung der Kinder zu investieren,

um gegen Terrorismus zu kämpfen.

Im Jahr 2014 wurde Malala Yousafzai der Friedennobelpreis verliehen. Sie ist damit die mit

Abstand jüngste Preisträgerin.

eite 1


Das bin ich :) – Das sind wir !

Name: Isabella

Alter: 15 Jahre

Gruppe: Rote Falken Linz Schiffswerft

Seit wann dabei: Seit 8 Jahren

Was taugt dir bei den Kinderfreunden/Falken

am meisten: Das Zusammenarbeiten älterer und kleinerer

Kinder, Zeltlager, dass sich alle vertragen.

Coolstes Erlebnis bei den Falken/Kinderfreunden:

meine Rottuchverleihung von Betty

Wann hast du das letzte Mal die Welt verändert:

Beim letzten Pfingstcamp.

Dein Motto: Lebe dein Leben so wie du willst, nicht wie es andere wollen.

Fabio zu seinem Freund Tim:

„Hast du schon mal eine Portion

Pommes durch den Wald rennen

gesehen?“ „Nein!“ sagt Tim. Darauf

Fabio: „Ha, da kannst du mal

sehen wie schnell die sind!“

rat auf draht

„In meiner Klasse spricht auf

einmal niemand mehr mit mir.

Meine beste Freundin hat

begonnen, Lügen über mich

zu erzählen und jetzt möchte

niemand etwas mit mir zu tun

haben. Was soll ich tun?“

Kleines Rätsel

Ein Optimist ist kein

a) Segelboot b) Werkzeug

c) Mensch, der alles positiv sieht

Hast du deine beste Freundin schon gefragt, was los ist?

Am besten fragst du sie, wenn ihr alleine seid. Dann kann sie

nicht einfach ausweichen. So kannst du erfahren, warum sie

sich auf einmal so verhält. Schließlich seid ihr ja schon länger

befreundet und mögt euch. Das ändert sich nicht von einem

Tag auf den anderen.

Wenn du herausfindest, was dahinter steckt, habt ihr auch

die Möglichkeit euer Problem zu klären. Z.B. wenn sie sich

über etwas geärgert hat, kannst du dich entschuldigen.

Oder vielleicht hat sie etwas über dich gehört, was gar nicht

stimmt und du kannst es aufklären. Auch in der Klasse könntest

du jemanden fragen, mit dem du dich bisher gut verstanden

hast. Schließlich kennen dich deine MitschülerInnen

und haben sich bisher gut mit dir verstanden. Es kann auch

helfen, ehrlich zu sagen, dass sie Unwahrheiten über dich

verbreitet. Ich wünsche dir viel Mut!

Bei Problemen und Fragen sind wir unter der Notrufnummer 147 für dich da!

eite 2

Auflösung Rätsel:

c) Werkzeug


Wir basteln ein

Gummibärchen-

Katapult

Du brauchst dafür:

• 8 Eisstaberl

• 6 Gummiringerl

• 1 Plastiklöffel

• Gummibärchen oder andere Geschosse

Schritt 1 | Schleck mindestens 8 Eis (oder 4 Twinnis)

und sammle die Eisstaberl

Schritt 2 | Nimm vier Eisstaberl und binde sie an

beiden Enden mit je einem Gummiringerl zusammen.

(blau)

Schritt 3 | Nimm vier weitere Eisstaberl und binde

sie an nur einem Ende mit einem Gummiringerl

zusammen (rot)

Schritt 4 | Zwischen diese Eisstaberl (rot) steckst

du die mit dem blauen Gummiringerl zusammengebundenen

Staberl und machst sie am Kreuzungspunkt

mit einem weiteren Gummiringerl

fest.

Schritt 5 | Mach den Löffel mit einem (oder mehreren)

Gummiringerl fest.

Schritt 6 | Für den Abschuss eines Gummibärchens

drückst du auf die Löffelspitze und hälts

dabei das vordere Ende des Katapults fest.

Viel Spaß!

eite 3


clara comix 2-16_Layout 1 29.09.16 22:44 Seite 1

CLARA-Comic Nr.: 3/2016

Das ist

YASIN...

...er ist mit seiner Mutter

und der kleinen Schwester

nach Österreich geflohen,

weil in seiner Heimat Krieg

herrscht.

Helft ihm bitte, sich bei uns

einzugewöhnen!

Magst du

einen

Kaugummi?

Nervt deine kleine

Schwester genauso

wie meine?

Schön, dass du da

bist. Wir helfen dir

beim Lernen!!

SPÄTER...

MARHABA,

YASIN

Zum Glück ist auch

SAHI in der Klasse,

sie spricht gut

Arabisch

In der Pause

spielen schon

alle zusammen!

Wie das wohl ist,

wenn man in einem

ganz fremden Land zur

Schule gehen muss??

Schlimm!

Aber wir werden

ihm helfen, so gut

wir können.

Am

Heimweg ...

Nix wie

Ausländer!

Sind bei euch in der

Schule auch so

viele Ausländer

???

...da sind nur

Kinder!!

So ein

GONZO!

eite 4


?

«

Willkommen im

Aktuell 15

Elterncafé

Immer wieder werden wir Kinderfreunde nach unserem

Standpunkt zu aktuellen Themen gefragt. Wir versuchen

hier Antworten zu finden. Hast du auch eine

Frage rund um Kinder, Erziehung, Familie? Dann

schreib uns deine Frage und wir bemühen uns um eine

Antwort – von FreundInnen für FreundInnen!

Fragen an: Österreichische Kinderfreunde, kind-und-co@kinderfreunde.at

Liebes Kinderfreunde–Team, wir haben folgendes Problem:

Wir sind mit der Lehrerin unserer neunjährigen Tochter Sofia

unzufrieden und möchten unserem Ärger Luft machen. Wir

haben aber Sorge, dass unser Kind danach benachteiligt

werden könnte und würden gerne wissen, wie wir dabei

vorgehen sollen. Was ratet ihr uns? Familie aus Fürstenfeld

Wir verstehen Ihre Sorge. Doch eines sollten Sie sich bewusst

machen: Probleme können immer nur dann gelöst werden,

wenn diese offen angesprochen werden. Grundsätzlich ist eine

positive Haltung gegenüber Pädagogen und Pädagoginnen

und das Vertrauen, dass diese genauso wie Sie am Wohle Ihres

Kindes interessiert sind, förderlich für die Zusammenarbeit.

Möglicherweise ahnt die Lehrerin Ihrer Tochter von dem Problem

noch nichts und ist sehr dankbar für Ihre Rückmeldung.

Die folgenden Fragestellungen können für Sie als

Gesprächsvorbereitung hilfreich sein und eine konstruktive

Gesprächsführung mit der Lehrkraft maßgeblich erleichtern. Falls

es Ihnen hilft, machen Sie sich Notizen und nehmen diese zum

Gespräch mit.

• Was genau führt zu unserem Unmut?

Möglicherweise gibt es konkrete Anlasssituationen, welche

angeführt werden können.

• Wieviel Information haben wir über das Problem? Beruht diese

auf unserer Wahrnehmung, der Wahrnehmung unseres Kindes,

eines anderen Kindes oder anderer Eltern?

• Wer hat das Problem? Wir als Eltern oder ist damit auch ein

Leidensdruck für unser Kind verbunden? Ein Beispiel hierfür

könnten Schulängste sein.

• Wie würde der zufriedenstellende Idealfall aussehen?

• Gibt es Möglichkeiten zur Unterstützung und Zusammenarbeit

mit uns als Eltern um den gewünschten Zustand zu

verwirklichen?

Ob ein Kind zu einem Gespräch hinzugezogen werden soll, ist abhängig

von der Thematik. Da alle Beteiligten vereint sind, kann

ein Kinder-Eltern-LehrerInnen-Gespräch für die Problemlösung

hilfreich sein. Auf eine sensible Gesprächsführung ist unbedingt

zu achten, reden Sie nicht über Ihr Kind, sondern beziehen Sie es

aktiv in das Gespräch ein. Hitzige Diskussionen sollten nur von

Erwachsenen ausdiskutiert werden, um unnötigen Stress für Ihr

Kind zu vermeiden.

Versuchen Sie, auch wenn Ihr Ärger noch so groß ist, möglichst

ruhig zu bleiben. Kritikgespräche sind für alle Beteiligten

unangenehm. Wenn Kritik jedoch sachlich vermittelt wird, erhöht

das die Bereitschaft zuzuhören. Eine gute Gesprächsbasis und

Verständnis für das Anliegen des Gegenübers werden dadurch

möglich. Fragen Sie die Lehrerin nach ihrer Wahrnehmung von der

Thematik. Dies bedeutet nicht automatisch, dass Sie die Meinung

der Lehrerin teilen, sondern vermittelt Wertschätzung und

Interesse. Vermeiden Sie Schuldzuweisungen, sprechen Sie Ihre

Erwartungen und Wünsche für die Zukunft an, und versuchen

Sie einen gemeinsamen Lösungsansatz zu finden. Sollte das

Gespräch zu emotional werden, vereinbaren Sie einen neuen

Gesprächstermin, wenn notwendig mit einem/r BeratungslehrerIn,

welche/r vermittelnd agiert.

Im Falle dessen, dass sich Ihre Sorgen nach dem Gespräch

bestätigen sollten oder der unzufriedenstellende Zustand

weiterhin erhalten bleibt, scheuen Sie sich nicht davor erneut ein

Gespräch zu führen, falls notwendig auch mit dem/der DirektorIn.

Wir wünschen viel Erfolg beim Gespräch!

Gratiseinschaltung


16 Rote Falken

Denn für die

Wirtschaft lernen wir...

Still ist es um die heimische Bildungspolitik und damit auch um

die schulische Ausbildung der jungen Menschen in diesem Land

geworden. Wurde bei den vorangegangenen Bildungsministerinnen

in aller Öffentlichkeit über Sinn und Unsinn von so mancher

Reform diskutiert, bleiben diese nun aus. Geht es um die Zukunft

junger Menschen, ist wohl kaum ein anderer Bereich so wichtig

wie jener der Bildung. Und schon ist es wieder soweit, selbst ich

als Autor dieses Beitrages denke dabei sofort an Ausbildung.

Dabei würde es bei Bildung um so vieles mehr gehen als nur den

Bereich der Ausbildung. Warum denken wir nicht offensiv über

eine Schule nach, die dazu anregt sich selbst auszuprobieren, den

eigenen Interessen nachzujagen und auch einmal zu träumen?

Ist es denn um so vieles wichtiger, für den Arbeitsmarkt

vorbereitet zu werden? Nein, natürlich nicht. Und dennoch sind

beinahe alle Lehrpläne nur auf eines ausgerichtet, auf die

maximale Verwertbarkeit der künftigen Arbeitskraft. Zu stark ist

der Einfluss der Wirtschaft auf die Lehrpläne und Schulformen

dieser Republik – jene die am stärksten vom Schulsystem

betroffen sind, also Kinder und Jugendliche – haben kaum ein

Mitspracherecht, wenn es um die Gestaltung ihrer Lehrinhalte

geht. Dabei wäre es so einfach, diese in die Bildungsplanung und

in die Gestaltung des Lehrplans einzubeziehen. Dazu müsste

man aber vor allem die Wirtschaft zurückdrängen und man

müsste den jungen Menschen zuhören. Dazu braucht es aber

mutige Menschen, die diesen Weg auch gehen wollen. Am Ende

des Tages könnte dies bedeuten, dass wir ein Bildungssystem

vorfinden, das die Neigungen und Interessen der Auszubildenden

in den Vordergrund stellt und nicht die maximale Verwertbarkeit

der Arbeitskraft. Also: Seien wir mutig.

Helmut Gotthartsleitner,

Bundesvorsitzender der Roten Falken

Die Roten Falken laden herzlich

zur Bundeskonferenz 2016

save the date!

Alle zwei Jahre treffen sich die Roten Falken um ihre inhaltliche

Ausrichtung zu diskutieren, Beschlüsse zu fassen und

ein neues Bundesteam zu wählen. „Wir leben Demokratie

und binden die Kinder der Falkengruppen in unsere Konferenz

ein. Natürlich nutzen wir dieses Treffen auch, um Falken

aus allen Bundesländern zu treffen, uns kennen zu lernen,

auszutauschen und zu vernetzen“, so Chrisi Schauer,

stellvertretende Bundesvorsitzende. Sie wird gemeinsam

mit Falkenkids und FalkenfunktionärInnen die Konferenz

vorbereiten und freut sich schon sehr auf zahlreiche Teilnehmende.

Kommt vorbei! :)

Wenn ihr Fragen habt oder euch anmelden möchtet, tut das bitte unter

rote.falken@kinderfreunde.at oder 0664 885 408 76!

INFO

11. bis 13. November 2016, Seminar-Park-Hotel Hirschwang,

Trautenberg-Straße 1, 2651 Reichenau

Zielgruppe: Rote Falken (Gruppenstundenkinder ab 10 Jahren),

JunghelferInnen, GruppenleiterInnen, Landesteam usw.

– Jugendliche unter 16 Jahre bitte in Begleitung!

Kosten: Für die ordentlich Delegierten übernehmen die

Roten Falken Österreich die Übernachtung und Verpflegung.

Die Anreise ist von den Ländern zu bezahlen.

Anmeldung: Interessierte aus Wien, Niederösterreich,

Oberösterreich und Tirol wenden sich bitten direkt an ihr

Rote Falken Landesteam. Falls du das nicht kennst - melde

dich bei uns im Bundesbüro wir vermitteln euch ☺.

Und für alle anderen: Meldet euch direkt bei uns im

Bundesbüro!

Rote Falken Österreich, 0664/885 408 76,

rote.falken@kinderfreunde.at (Bettina Heim)


Rote Falken 17

jahr des camps

Ein kleiner Rückblick auf 2016

Und plötzlich ist das Jahr des Camps vorbei. Ja, das ist traurig, aber

wir blicken zurück auf drei tolle, erlebnisreiche Camps. Vom PfiLa

haben wir in der letzten Ausgabe schon berichtet und hier die Berichte

vom Sommerlager und IFM-Camp. Danke an alle, die mit dabei

waren und das alles ermöglicht haben! Freundschaft und dran

denken: Nach dem Camp ist vor dem Camp! (Das Sommerlager

2017 findet vom 15. bis 29. Juli statt)

Döbriach Sommerlager

So ein Sommerlager ist wie immer, aber doch immer ganz besonders!

Dieses Jahr hat der MinisterInnenrat viel über gesunde Ernährung

vs. Zugang zu Süßigkeiten diskutiert. Das Volk der Kinderrepublik

hat für eine „All-in-one-Party“ gestimmt. Und mit einem

kleinen aber feinen pädagogischen Team und der Mithilfe aller

Gruppen wurden der Kreativvormittag und die Öffentlichkeitsaktion

umgesetzt. In der zweiten Woche war es dann etwas ruhiger

(viele waren schon am IFM Camp). Aber wir haben gehört, dass

Camp mal für sich zu haben und nicht ständig von Programm zu

Programm zu hetzen, war sehr fein!

IFM Camp 2016

2.500 Menschen (davon knapp 200 aus Österreich) trafen sich von

23. Juli bis 5. August am Willy-Brandt-Zeltlagerplatz in Reinwarzhofen.

Hier ein extrem kurzer Rückblick:

Erinnerungen der Kids

Mit vielen Jugendlichen im Dorf zu sein ist richtig cool. Da gibt’s immer

was zu sehen, entdecken, Blödsinn zu machen aber auch ganz viel zu

lernen. Um 23.00 Uhr ins Zelt zu müssen war … nicht so toll!

Erinnerungen der Jugendlichen

Ähmm,… ja,… also… Das ist jetzt fast alles zensiert, denn „was am IFM-

Camp passiert bleibt am IFM-Camp“. Aber wir wissen jetzt:

• Camp-Demokratie ist anstrengend, aber Erfolg bringend

• „Heute gehen wir früher schlafen“ ist eine Erfindung der Lügenpresse

• Unser Selbstbewusstsein ist einen Kilometer gewachsen.

Erinnerungen der BetreuerInnen

HelferInnenbesprechung im Dorf, Dorfparlament, Morgenkreis, Stadt-

Parlament, Technik-Sitzung, Head of Delegation Meeting, Meeting

„Pervention of Sexual Violence“, Treffen der Gruppen aus Österreich,…

Einen längeren Reisebericht findet ihr auf www.rotefalken.at und

weitere Erinnerungen und Fotos vom Camp, Ergebnisse der Workshops,

die Camp-Zeitung und Camp-News könnt ihr am Blog der

IFM ansehen www.welcome2anotherworld.org.

Lustig war's – und das

ist der Beweis :)


So

verändern

wir die Welt

Mehrjahresthema

o verändern

wir die Welt

Wir schreiben das Jahr 2016. In ganz Österreich haben die Kinderfreunde-Gruppen und

deren Einrichtungen, sowie die Roten Falken in vielen Schritten den Kampf gegen das die

Welt beherrschende große Monster und seine Gehilfen „Kauf-halt-was“, „Ist-halt-so“

und „Muss-so-sein“ aufgenommen und mit über 1000 Projekten, sogenannten „Schritten“,

die Welt zum Besseren verändert. Viele Menschen konnten aus den Fängen des

Monsters befreit werden. Gemeinsam haben wir Leuchttürme errichtet, die uns anhand

unserer Werte den Weg in eine bessere Welt weisen.

Wir haben „monsterfreie Zonen“ geschafften und Alternativen

aufgezeigt. Doch wenn wir uns umsehen, dann müssen wir

feststellen: Das Monster ist immer noch da. Überall herrscht Krieg,

Ausbeutung und Armut. Auch seine Gehilfen „Kauf-halt-was“, „Isthalt-so“

und „Muss-so-sein“ spuken noch herum und wenn wir

nicht aufpassen, dann fallen auch wir selbst ganz rasch wieder in

alte Muster zurück. Es ist daher höchste Zeit, wieder etwas zu tun!

Es ist Zeit für: Hand, Herz und Hirn, den dritten Teil unserer Kampagne.

Ab sofort bei euren Kinderfreunde und Falken Gruppen.

So verändern wir die Welt – mit Hand, Herz und Hirn

Auch im dritten Teil der „Mehrjahrestrilogie“ geht es darum, die

Welt zu verändern. Nicht nur das Monster hat Gehilfen, auch wir

haben uns dieses Mal Verstärkung in Form von drei Helferlein

geholt: Hand, Herz und Hirn werden uns dabei unterstützen, das

Monster in seine Schranken zu weisen und selbst dabei immun

gegen die Angriffe der Monstergehilfen zu werden. Das ist gar nicht

so einfach. Denn ähnlich wie ein Chamäleon wechselt das Monster

ständig seine Erscheinung und seine Strategien. Wir müssen daher

sehr achtsam sein und auch mal hinterfragen, ob sich nicht in die

eine oder andere Angewohnheit schon einer der Gehilfen Handlungsraum

verschafft hat. Herz, Hand und Hirn werden uns dabei

helfen, auch hinter jeder noch so bunten und lieblichen Fassade

oder Tarnung die Monstergehilfen zu entdecken: So verändern wir

die Welt – mit Hand, Herz und Hirn. Dazu haben wir uns viel vorgenommen.

Jedes dieser Helferlein steht für ein Aktionsfeld, in dem

wir bis zur nächsten Aufbruch Tagung im Jahr 2020 aktiv werden

wollen.


Thema 19

Hand

Steht für Methoden. Wir wollen alle Kinderfreunde Strukturen dazu ermächtigen, sich mit uns als

Organisation auseinanderzusetzen. Wir werden Unterlagen ausarbeiten, um tatsächlich allen Gruppen

unsere Grundlagen zu vermitteln. Dazu werden wir Schulungsveranstaltungen anbieten und

wir werden ein Konzept für einen Kinderbeirat erarbeiten, der bei wichtigen Entscheidungen der

Kinderfreunde miteingebunden wird.

Herz

Steht für die Freundschaft. Freundschaft verbindet und steht für den Umgang, den wir untereinander

pflegen. Unsere Beziehungen zueinander sind freundschaftlich. Eigentlich kein Platz für „Mussso-sein“

und „Ist-halt-so“. Sowohl im Umgang untereinander in der Gruppe oder im Verhältnis BetreuerIn

und Kinder. Um diese Freundschaften zu vertiefen haben wir ein „Freundschaftsbuch“ entwickelt,

dass ab 2017 in den Gruppen, unseren Einrichtungen, bei unseren Camps oder wo auch immer

Kinderfreunde oder Falken einander treffen, verwendet werden kann. Dieses „Freundschaftsbuch“

wird viele lustige und spannende kooperative Aufgaben und Aktivitäten enthalten. Ein weiteres

Highlight stellt in diesem Zusammenhang das von uns entwickelte kooperative Brettspiel „Verändern

wir die Welt“ dar. Dieses wird ab Mitte Oktober im Organisationsshop der Kinderfreunde erhältlich

sein.

Hirn

Hier geht es um Positionsfindung. Dazu werden Fachtagungen abgehalten, die als Kick-offs für die

weitere inhaltliche Auseinandersetzung dienen sollen. Mit der „Max-Winter-Tagung“ wurde dieser

Prozess zum Thema „Bildung“ bereits gestartet. Weitere ähnliche Formate zu den Themen

„Kinderrechte“ und „Familie“ werden folgen. All diese Erkenntnisse sollen in einem neuen

pädagogischen Grundsatzprogramm zusammengefasst werden.

Nachdem wir in den ersten beiden Teilen unseres Mehrjahresthemas

vor allem den Finger auf Missstände gelegt haben und versucht

haben, Alternativen aufzuzeigen, geht es nun ans Eingemachte:

Es geht um Selbstreflexion und somit letztendlich um eine

Überprüfung unseres Handelns. Denn wir haben Werte und danach

wollen wir handeln. So verändern wir die Welt. Mit Herz,

Hand und Hirn!

Martin Müller

Auf der Homepage www.veraendernwirdiewelt.at findest

du mehr Informationen und aktuelle Materialien zum

Mehrjahresthema. Dort gibt es auch diverse Logos und

Grafiken zum Downloaden. Die Freundschaftsbücher

werden Anfang 2017 an die Gruppen und Einrichtungen

ausgegeben. Jede Gruppe bzw. Einrichtung erhält ein

individuelles personalisiertes Exemplar.

Last Call zur Einreichung

eurer Projekte für den

Anton-Tesarek-Preis 2016

Jedes Jahr vergibt die Bundesorganisation den Preis für

außerordentliche Projekte der Kinder- und Jugendgruppen.

Er soll die pädagogische Arbeit in den Gruppen und

Einrichtungen der Kinderfreunde Österreich, die sich an den

Kinderfreunde-Werten Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit,

Solidarität, Vielfalt und Frieden orientiert, anerkennen und

fördern.

Benannt ist der Preis nach Anton Tesarek, der 1925 die Roten

Falken gründete.

Zu Jahresende wählt der Bundesvorstand der Kinderfreunde

aus den Einreichungen drei Gewinner-Projekte aus, die dann

in feierlichem Rahmen ihre Preise erhalten. Einreichen kann

jede Gruppe (ob Ortsgruppe oder Einrichtung) ganz einfach

mit dem Tesarek-Formular.

Einsendeschluss: 1. Dezember 2016

Nähere Infos:

http://www.kinderfreunde.at/Tesarekpreis

martin.mueller@kinderfreunde.at, Tel. 01/5121298-53


20 Familien

Family

Lessons

Geschichten aus dem Eltern-Alltag

von Sylvia Kuba

schnell

Zeit Paradoxon

Die „Family Lessons“ erscheinen auf

dem Blog sylviakuba.at. Sie zeigen

das Leben unter Kindern in lustigen

Statistiken und Grafiken. Weil Elternsein

eben sauanstrengend, aber auch

verdammt lustig ist. Und weil das Zusammenleben

besser klappt, wenn

man ab und zu über sich selber lacht.

Tempo der Kinder

Eile der Eltern

tralala ur stress

x 8:00 Uhr

Montag Morgen

skuba

sylviakuba.at

Daddy Cool

Andreas & Theo

Das Einschlafen war nicht einfach, war es doch ein besonders

aufregender Tag, der erste Zoobesuch. Wie du in meinem Arm

immer schwerer wurdest und deinen Mund noch das

Milchbärtchen zierte, überlegte ich: Wo war der Anfang des du

und ich? Als mir bewusst wurde, dass du am Weg bist? Keine

Ahnung! Auch wenn Mann sich noch so bemüht, die neun

Monate deiner Anreise gehören dir und deiner Mama. Bei der

Ultraschalluntersuchung, wo ich feststellte, dass wir beide einen

sehr ähnlichen Haaransatz haben? Der Tag deiner Geburt,

als ich dich im OP das erste mal im Arm hielt, ich glaube, da war

er, der Moment wo ein Funke von dir zu mir flog und etwas

Besonderes begann.

Du bist mein zweites Kind und jeder Handgriff, jedes Tun fühlt

sich vertraut und doch so ungewohnt an. Zum Einen sind es die

neuen „Regeln“ im Umgang mit Säuglingen – man salbt keinen

Hintern mehr ein, man gibt kein Öl ins Badewasser, man bietet

keinen Tee zum Trinken an… – zum Anderen bist es du. Du mit

deinen großen, beobachtenden Augen, mit deinem

umwerfenden Lachen, deiner Beharrlichkeit, mit der du ein Ziel

verfolgst, deinem Zorn und deiner Neugierde. In vielem erkenne

ich deine Mama, deine Schwester oder mich wieder, aber du

bist THEO eine eigene kleine aber starke Persönlichkeit. Jetzt

bist du schon fast sieben Monate und stürzt dich mit Mut und

Kühnheit in jeden Tag: „Wie entkomme ich vom Wickeltisch“,

„auf der Spieldecke herumturnen“, „Regalfächer ausräumen“

und „Papier zerreissen und essen“ – stets auf die schützenden

und stützenden Hände deiner Familie bauend.

Es ist für mich eine Freude, dich auf deinen Abenteuern zu

begleiten und dabei zu beobachten wie du staunst, begreifst,

erfühlst und erlebst. Deine Uneingenommenheit die Welt zu

erfahren und zu begreifen wird mich wieder lehren, die Welt

durch Kinderaugen zu sehen und das ein oder andere zurecht

zu rücken.

Andreas & Theo


Familien 21

Martin (5): „ich

bin zwar nicht

getauft, dafür aber

geimpft!“

„Rote FalkInnen heraus…“

„Wenn ein Baby zu früh

geboren wird, dann kommt es

in den Brotkasten“, erklärt

der 6-jährige Rene seiner

Freundin.

Das neue Regenoutfit hält was es verspricht…

Wir machen uns die Welt

wie sie uns gefällt!

„Papi, welche ist deine

Lieblingsrichtung – vorne, hinten,

links oben in der Ecke, rechts oder

schräg?“ fragt der 7-jährige Luis

seinen Papa.

Die zweijährige Ida sitzt mit ihrer

Mama am See und beobachtet

Enten und Schwäne. „Wo schwimmen

die Enten hin Ida?“ Ida: „In

Urlaub!“ Idas Mama: „Was machen

die Enten im Urlaub?“ Ida:

„Schwäne füttern!“


22 Leben

Da ist's immer lustig!

vorarlberg

Weiterentwicklung als Grundsatz unserer Arbeit

Seit 20 Jahren bieten die Kinderfreunde Vorarlberg Betreuungseinrichtungen für Kinder im Alter von 15

Monaten bis zum Kindergarteneintritt an. Jährlich werden rund 200 Kinder begleitet und 50 Mitarbeiterinnen

beschäftigt. Mit Angelika Fußenegger (Unternehmenskulturentwicklung) wurden über einen

Zeitraum von mehreren Jahren Werte und Leitsätze erarbeitet, die sich wie ein roter Faden durch die

tägliche Arbeit mit den Kindern und Eltern ziehen. Im Sommer hat auf Führungsebene ein Seminar

stattgefunden, um diese Werte und Leitsätze auf ihre Aktualität und Praxisnähe zu überprüfen. Ein

weiterer Schwerpunkt war die Aktualisierung des pädagogischen Konzepts, welches noch mehr Qualität

in die tägliche Arbeit bringen soll. Entwickelt wurde das Konzept von unserer langjährigen Mitarbeiterin

Caroline Bégin, Kindergartenpädagogin und Leiterin der „Villa Wichtl“, bei der wir uns sehr herzlich für

dieses – ehrenamtliche – und große Engagement bedanken!

s

OBERösterreich

Kinderfreunde Linz luden zur „Summeraction“

Die Summeraction der Linzer Kinderfreunde fand heuer zum ersten

Mal statt. Unter dem Motto „Neun Wochen Ferien, neun kostenlose

Angebote“ erhielten Kinder und Familien zwischen dem 16. Juli und

dem 19. September 2016 Einladungen zu tollen Freizeitaktivitäten,

umgesetzt von 25 ehrenamtlich Aktiven. „Die Summeraction wurde

ganz bewusst als kostenloses Angebot für Kinder und Familien konzipiert.

Wir wollen, dass echter Sommerspaß keine Frage der Geldbörse

ist“, so Markus Benedik, der Geschäftsführer der Linzer Kinderfreunde.

So passt die Summeraction perfekt zum Jahresthema der Linzer

Kinderfreunde, das heuer unter dem Titel „Hier verändern wir die Welt“ läuft. Vom gemeinsamen Spielen

über Bastelangebote, gemeinsame Picknicks bis hin zum Wasserspaß im Freibad war alles dabei. Mit dem

Summeraction-Sammelpass gab es ab drei besuchten Terminen sogar ein kleines Geschenk.

Foto: KF Linz

Unser Kinderfreunde

Österreich

kärnten

„Kraft Tanken“ am Faaker See

In der Woche vom 11. bis 17. Juni 2016 fand das Projekt

„Kraft Tanken“ für Alleinerzieherinnen im Kinder- und

Jugenderlebnishotel Drobollach statt. In Kooperation

mit der Volkshilfe Kärnten und den Kinderfreunden

Kärnten konnte acht Müttern und ihren Kindern ein

schöner Urlaub ermöglicht werden. Um die Mütter

ein wenig zu entlasten, wurde für die Kinder eine

ganztägige Betreuung zur Verfügung gestellt. Des

Weiteren hatten die Alleinerzieherinnen die Möglichkeit,

psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen. Bei

herrlichem Sommerwetter wurde gebadet, gespielt und

gebastelt. Mit dem Besuch im Tierpark Rosegg sowie in

der Kärntentherme konnten dann auch die Regentage

überbrückt werden. Zum Abschluss der Woche wurde

bei einem gemütlichen Lagerfeuer gemeinsam getanzt

und gesungen. „Kraft Tanken“ war eine unterhaltsame

Woche für die Mütter und Kinder, um neue Kontakte zu

knüpfen, sich

auszutauschen

und zu erholen.

Ein interessantes

Projekt,

welches auch

im nächsten

Jahr wieder

stattfinden wird.

Foto: KF Stmk/Nikola Milatovic

WIEN

Kinderfreunde und ÖBB

starten ein weiteres

gemeinsames Familienprojekt

in ganz Österreich

Im Sinne der Vereinbarkeit von Beruf und

Familie bieten die ÖBB seit heuer gemeinsam

mit den Kinderfreunden während längerer Ferien und an etlichen schulfreien

Einzeltagen an Standorten in ganz Österreich (Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck,

Villach, Graz) Ferienbetreuung für Kinder von ÖBB Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

an. Räumlichkeiten, Verpflegung und alles Administrative organisiert

die ÖBB, für das freizeitpädagogische Programm, das standortabhängig ist, ist

die jeweilige Kinderfreunde Landesorganisation verantwortlich. Das Gemeinschaftsprojekt

von sechs Kinderfreunde-Landesorganisationen verspricht durch

unsere freizeitpädagogische Expertise Spaß für Kinder, sorgenfreies Arbeiten für

Eltern und präsentiert die Kinderfreunde als professionellen Partner für österreichweit

agierende Unternehmen.


Salzburg

v v

Gesundheitsförderungsprojekt:

Ein tolles

erstes Jahr

Das erste Jahr des Gesundheits-förderungsprojektes

„G’scheid g’sund“ fand

seinen aktiven, lustigen und

abenteuerlichen Abschluss

für die Familien der teilnehmenden

Kids und Teens Ende Juni im Falkencamp Döbriach. Bei

sommerlichen Temperaturen und Campingaction wurde gespielt,

geplantscht, gelacht und gelaufen. Um das gesunde Wochenende unvergesslich

zu machen, durften beim abendlichen Lagerfeuer – neben

einer Gitarre und vielen Kinderstimmen – Maiskolben, Steckerlbrot

und Folienkartoffel natürlich nicht fehlen. Ab Herbst starten wir in

eine weitere Runde „G’scheid g’sund“ und freuen uns auf ein neues

Jahr mit vielen interessierten und motivierten Kids und Teens!

Wenn du zwischen 6 und 14 Jahre alt bist und Lust hast mitzumachen

– melde dich doch einfach unter: gscheid-gsund@sbg.kinderfreunde.at

oder 0662/455 488. Wir freuen uns auf

dich!

niederösterreich

Familienausflug

nach Carnuntum

mit Erlebnisworkshops

& Familienfest

Im Rahmen eines landesweiten Familienausfluges

luden die Kinderfreunde

Niederösterreich zu einer Abenteuerreise ins

Römerland Carnuntum. „In über 215 Städten

und Gemeinden Niederösterreichs sind Kinderfreundinnen

und Kinderfreunde Jahr für Jahr

ehrenamtlich für Kinder und Familien engagiert.

Mit dem landesweiten Familienausflug sagen wir als

Landesorganisation dafür Danke, indem wir unseren

Stadt- und Ortsgruppen ein spezielles Tagesausflugsprogramm bieten“,

freut sich Landesvorsitzender Bgm. Andreas Kollross über die erneut

gute Beteiligung.Am Vormittag stand das spielerische Kennenlernen

des Lebens in der Römerstadt Carnuntum auf dem Programm. Nach

einem gemeinsamen Mittagessen startete ein Familienfest mit einem

Stationen-Spiel rund um die Kinderfreunde-Werte Solidarität, Freiheit,

Frieden, Vielfalt, Gleichheit. Den Abschluss bildete eine Zaubershow

mit Magic Dominik und Sammy, seinem zaubernden Seehund.

Tirol

Erlebniswochenende

und Ausflug in

den Alpenzoo

Wie jedes Jahr, so auch heuer, hat die Ortsgruppe Pradl/Amras ein

Erlebniswochenende für ihre Mitgliederkinder und kleine FreundInnen

im Zwergerlhaus auf der Hungerburg veranstaltet. Neben dem

Basteln und Toben im und rund um‘s Haus standen eine Fackelwanderung

und ein Lagerfeuerabend am Programm. Dabei wurde an Kinder,

die bereits seit Jahren regelmäßig an den Gruppenstunden und

sonstigen Veranstaltungen teilnehmen, das Blauhemd verliehen.

Für uns als Kinderfreundortsgruppe ein sehr bewegender Abend, da

wir seit Jahren wieder eine Rote Falken Gruppe haben! Des Weiteren

besuchten unsere Minis während einer Gruppenstunde den Alpenzoo,

was sowohl für die Kinder als auch für die BetreuerInnen ein

tolles Abenteuer war. Die Begegnung mit den Tieren und der große

Spielplatz sorgten für glänzende Kinderaugen und der plötzliche

Platzregen noch für den einen oder anderen Nervenkitzel!

Burgenland

NaturforscherInnen-Zeltlager der

Kinderfreunde Siegendorf

Auch heuer wieder fand das traditionelle

Zeltlager der Kinderfreunde

Siegendorf im Pusztahof

statt. Das diesjährige Motto

„NaturforscherInnen" kam bei

den 65 Kindern im Alter von 3

bis 12 sehr gut an. Die Naturwerkstätte

Marz brachte den wissbegierigen Zeltlagerteilnehmerinnen

und Teilnehmern, mit ihrem „Natur on Tour Mobil“, das Thema

Wald großartig näher. Ein Highlight – wie jedes Jahr – war natürlich

die freiwillige Feuerwehr, die den Kindern die Hitze erträglicher

machte. Am Freitag gab es eine große Grillfeier mit den Eltern, bei

der die Mädchen und Buben ihre Künste an den Trommeln vorführen

durften. Ob Groß oder Klein, alle freuen sich schon wieder auf

das nächste Zeltlager im Jahr 2017.

steiermark

Super Fest zum 70-Jahr-Jubiläum

„Nach dem Motto ‚Kindern Wurzeln und Flügel geben‘ sind wir für

die Familien der Region da“, so Karl Müller, Vorsitzender der Kinderfreunde

Schladming, der mit 77 Ehrenamtlichen aus der Ortsgruppe

und befreundeten Vereinen ein beeindruckendes Fest mit 33 Spiel-,

Kreativ- und Sportstationen auf die Beine stellte. Nebst den kleinen

und großen BesucherInnen waren auch zahlreiche Ehrengäste, allen

voran Expositurleiter Dr. Christian Sulzbacher zum Fest gekommen.

Bürgermeister Ernst Fischbacher brachte die Dachsteinkönigin und

ihre Prinzessinnen mit und von den Kinderfreunden tummelten

sich Landesgeschäftsführerin DIin Barbara Binder und Landevorstandsmitglied

Gottfried Buder im Geschehen. Weitere Highlights

waren noch der hoch dotierte Glückshafen und ein „Dancing Star-

Bewerb“, bei dem sich viele Kinder und auch einige Teenager-Spätlesen

einer strengen Szenewirtenjury stellten.

Leben 23


24 Aktuell

Neuigkeiten & Termine

Was geht ab?! | stmk

Wie Sie Ihr Kind gut beim Erwachsenwerden begleiten können

8. Nov. & 15. Nov. 2016, 19.00 bis 21.00 Uhr

Gesprächsrunden für Eltern von Jugendlichen ab 10 Jahren,

zweiteilige Veranstaltung.

Kinderfreundehaus, 1. OG, Schlossergasse 4/Tummelplatz, 8010 Graz

Infos & Anmeldung: 0316/82 55 12-21, famak@kinderfreunde-steiermark.at

film ab! Internationales Kinderfilmfestival | oö

12. bis 20. November 2016

Moviemento Kino Linz

Wer Kino mag und sich dafür interessiert, wie Kinder in anderen Ländern leben,

ist beim „Internationalen Kinderfilmfestival“ in Linz genau richtig. Beim Kinderfilmfestival

werden Filme aus aller Welt gezeigt.

Infos: www.kinderfreunde.cc

Elliot, der Zauberelf (Familien-Theaterevent) | stmk

2. Dezember 2016, 15.30 Uhr

davor ab 14.00 Uhr Spiel & Spaß mit Knax-Klub

(für Kinder von 3 bis 10 Jahren, mit od. ohne Begleitperson)

Volkshaus Wartberg, Dorfstraße 44, 8661 Wartberg

Infos & Anmeldung: 0664/8055329, ekiz-muerztal@kinderfreunde-steiermark.at

Weitere

Informationen

findest du auf

unserer Website:

www.kinder

freunde.at

Kinderfreunde Musical 2016 | wien

Linas WELT (nur für Kinder ab 6 Jahren)

13./20./27. November 2016, 11.00 Uhr

4./11./18. Dezember 10216, 11.00 Uhr

im Raimund Theater

Infos & Anmeldung:

Tel. 01/401 25, kind-und-co@wien.kinderfreunde.at

Kostenlose Zählkarten ausschließlich bei den Wiener Kinderfreunden!

Erinnert ihr euch noch an Österreich vor

einem Jahr? Anfang September machten

sich große Gruppen von Flüchtlingen, die

tage- und wochenlang auf dem Bahnhof in

Budapest festsaßen, zu Fuß auf den Weg

nach Österreich. Geflüchtet vor Krieg,

Elend und Perspektivenlosigkeit mussten

sich die Regierungschefs von Deutschland

und Österreich eingestehen, dass diese Bewegung

nicht aufzuhalten war. So taten sie

das einzig Richtige: Sie ermöglichten diesen

Menschen die sichere und menschenwürdige

Durch- und Weiterreise in unser

Land. Wir Kinderfreunde halfen dabei, an

den Grenzen, auf den Bahnhöfen, in Traiskirchen

und an vielen Orten, an denen wir

diesen Menschen als Menschen begegnet

sind und sie willkommen hießen.

Heute erklären uns Jungminister und Landesfürsten,

dass diese „Willkommenskultur“

ein Fehler gewesen sein soll. Das kann

ich so nicht stehen lassen: Ich bin im letzten

Herbst hunderten geflüchteten Kindern

in unserem connect.family.day.center am

Wiener Westbahnhof begegnet. Besonders

entsetzt hat mich ihr Schuhwerk mit

dem sie hunderte Kilometer querfeldein

zurückgelegt hatten: Flip-Flops, Badeschlapfen,

teilweise waren sie barfuß. Sofort

kamen mir die ArbeiterInnenkinder im

Jahr 1908 in den Sinn, die barfuß oder in

zerschlissenen Schuhen im Winter auf der

Straße spielten. Sie waren mit ein Grund,

warum die Kinderfreunde vor über 100

Jahren gegründet wurden. Wir haben damals

geholfen und wir tun es heute. Wir

kümmern uns um ArbeiterInnenkinder aus

Simmering und genauso um Flüchtlingskinder

aus Aleppo. Weil das die Jahrhundertidee

der Kinderfreunde ist. Und dass die

kein Fehler ist, das wissen wir.

Love is in the air…

Unsere Bundesfalkensekretärin, Betty Schinninger hat am

11. September mit ihrem Graufalken und oberösterreichischen

Kinderfreund Gerhard Heim Hochzeit gefeiert. Wir gratulieren

den beiden aller herzlichst und wünschen ihnen viele, viele

glückliche Jahre voller Liebe, Freundschaft und Abenteuer.

Daniel Bohmann

Bundesgeschäftsführer der

Österreichischen Kinderfreunde


Leben 25

Sigrid Eyb-Green

Die Sonnenschaukel

Verlag Jungbrunnen 2016, ISBN 978-3-7026-

5902-8, ab 4 Jahren

Ein Kunstwerk

zum immer

wieder Staunen

und Entdecken:

Vier Zwerginnen

ziehen im Garten

ein, zwischen

Lauch, Kohl und

Zuckererbsen.

Sie nehmen

uns mit durch

das Jahr – jede hat ihre ganz eigenen

Besonderheiten und doch gehören sie

untrennbar zusammen. Der Jahreskreislauf

ist ein wiederkehrendes Thema und

begleitet Kinder oft durch ihre gesamte

Kindergarten- und Schulzeit. „Die

Sonnenschaukel“ ist ein Jahreszeiten-

Bilderbuch der ganz besonderen Art: Ein

poetischer, gereimter Text mit brillanten,

detailreichen Illustrationen – Seite für Seite

eine Überraschung!

Armin Kaster

Ferdi, Lutz und ich auf

Klassenfahrt

Verlag Jungbrunnen 2016, ISBN 978-3-7026-

5903-5, ab 8 Jahren

Wenn diese drei Burschen

unterwegs

sind, ist das Chaos

vorprogrammiert!

Diesmal verschlägt

es die drei Stadtkinder

aufs Land, denn

Ferdi, Lutz und ich

sind auf Klassenfahrt.

Und die ist alles andere als erholsam:

Auf der ersten Wanderung verirren

sie sich, beim Bootfahren werden sie fast

von Bremsen totgebissen und schrammen

knapp am Ertrinken vorbei; Oma, die

auch mitgefahren ist, fällt bei der Nachtwanderung

in einen Ameisenhaufen und

verknallt sich dann auch noch in den Busfahrer…

Da hilft wirklich nur noch ein Riesen-Eisbecher

mit allem Drum und Dran.

Purer Lesespaß – witzig illustriert von Susanne

Göhlich!

Robert Klement

Halbmond über Rakka –

Verführung Dschihad

Verlag Jungbrunnen 2016, ISBN 978-3-7026-

5907-3, ab 13 Jahren

Endlich ein neuer

Roman von Robert

Klement: Spannend

beleuchtet er ein

brandaktuelles Thema

aus verschiedenen

Perspektiven! Nicos

frühere Freundin Leila

ist von zu Hause abgehauen

und in den Dschihad nach Syrien

gezogen. Wie konnte das geschehen, ohne

dass jemandem in der Klasse etwas aufgefallen

war? Als Nico Nachforschungen

anstellt, trifft er Ahmed, mit dem er früher

Fußball gespielt hat. Ahmed und seine

Freunde sind ihm sympathisch und er

verbringt gerne Zeit mit ihnen. Doch dann

gerät Nico immer tiefer ins Netz radikaler

Islamisten und gleichzeitig ins Visier des

Staatsschutzes. Und schließlich will er mit

Ahmed nach Syrien reisen…

Diese und weitere Bücher aus dem Verlag Jungbrunnen sind zu bestellen unter http://www.kinderfreunde.at/Shop2/Kinder-und-Jugendbuecher.

Nachgelesen

im Archiv

1990 - Im Falkencamp wird die

„Kinder-Universität“(KUNI) erfunden

Die Idee entstand im Falkencamp Döbriach eigentlich schon ein

Jahr vorher. Unter der Leitidee „was ich kann, das zeig ich dir“

wurden Kinder angeregt, das eigene Know-How in einer Art

„Kurssystem“ anderen Kindern anzubieten. 1990 war das Modell

bereits verfeinert und die KUNI wurde zum festen Bestandteil der

pädagogischen Camp-Konzeption: „KUNI nennen wir die

Sammlung aller Aktivitäten und Projekte im Camp, die wir

gemeinsam durchführen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob

diese Aktivitäten vom pädagogischen Team oder von den BetreuerInnen

oder von den Kindern kommen.“

Auszug KUNI-Kurs-Liste 1990:

• Traktorfahren für Mädchen

• Teppich weben

• Spielen mit dem

Fremdwörterlexikon

• Floßbau

• Massagekurs

• Fußball für Mädchen

• Kinderrechte

• Lateinamerikanische Volkstänze

• Klecksi Kurs

Mehr als 10 Jahre lang wurden im

Falkencamp KUNI-Kurse entwickelt

und angeboten. Die beliebten Kleingruppenprojekte

(Mehrtageswanderung zum Stützpunktlager, Rad-, oder

Kanutour) konnten als KUNI-Kurse kostenlos „gebucht“ werden.

Alle Angebote verfolgten einen emanzipatorischen Lernansatz,

wobei der Spaß-Faktor an vorderster Stelle stand. Auch Camp-

MitarbeiterInnen wurden ins KUNI-System mit einbezogen. So

wurde in der Camp-Werkstätte ein Kurs „Schweißen für Mädchen“

angeboten und in der Wäschekammer gab es „Bügeln für

Buben“.

Heute wird die Idee der Kinderuniversität durchaus erfolgreich

von verschiedenen Bildungs- und Forschungseinrichtungen,

Museen und wissenschaftlichen

Instituten oder Firmen aufgegriffen.

Kinder erhalten im Rahmen von

Ferienspielen vielerlei Möglichkeiten,

in spielerischer Form dort zu

„schnuppern, wo das Wissen zuhause

ist“. Schade, dass damit der

emanzipatorische KUNI-Gedanke

aus der Falkencampzeit dem

Gedanken des „Doktorhutes für

Volkschulkinder“ Platz gemacht hat.

Ernst Pürstinger


Ein Netz für

Kinderrechte

Der 20. November ist bei uns Kinderfreunden eines der wichtigsten Daten

im Jahreskreis: Wir feiern den Internationalen Kinderrechtetag.

Kinderfreunde-Gruppen landauf, landab packen rund um den 20. November

ihre sieben Zwetschgen zusammen und gehen auf die Straße, um sich für

die Rechte der Kinder stark zu machen.

Aber sind nicht eh schon alle Kinderrechte umgesetzt?

Leider nein. Weltweit werden die Rechte von Kindern jeden Tag

und in vielfältigster Weise verletzt: Kinder erleben Krieg,

werden nicht ausreichend medizinisch versorgt, werden Opfer

von Gewalt, leiden Hunger, sind zum Arbeiten gezwungen und

sterben an leicht heilbaren Krankheiten – von Mitsprache,

Bildung und Teilhabe einmal ganz zu schwiegen. Aber auch in

unserem Land ist noch viel zu tun: Das Recht auf Bildung

beispielsweise muss für alle Kinder gleich gelten, auch für

Flüchtlingskinder und –jugendliche. Kinder müssen mitreden

dürfen, wenn es um ihre Interessen wie zum Beispiel in der

Stadtplanung oder in Schulfragen geht. Und die Beseitigung

von Kinderarmut und den damit einhergehenden schlechten

Zukunftschancen ist für die Umsetzung der Kinderrechte ganz

wesentlich.

Kinderrechte-Aktion 2016

Heuer werden überall in ganz Österreich Netze für Kinderrechte

gespannt. Gemeinsam mit den Kindern in den Kinderfreunde-

Gruppen zeigen wir damit, dass Kinder Rechte haben und dass

wir an ihrer Seite stehen, wenn es darum geht, diese endlich

umzusetzen.

Wenn du eine Kinderrechte-Aktion unterstützen magst, melde

dich in deiner Landesorganisation.

Alle weiteren Infos, Vorlangen zum Ausdrucken,

Tipps und Materialien findest du unter

www.kinderfreunde.at/kire

entgeltliche Einschaltung


Leben 27

Kopf über!

Gerade hatte die Lehrerin auf dem Baumstamm

Platz genommen, da strömten auch schon die

Schüler und Schülerinnen herbei. Neben Juri, dem

kleinen Erdmännchen, suchte sich gerade Sasu, der

Papagei, seinen Platz. Ein Stück weiter trabte

Luchs-Mädchen Nila herbei und ließ sich neben

Jamo, dem kleinen Schimpansen, nieder. Als letztes

hüpfte noch Lana, das Känguru-Mädchen, auf

ihren Platz.

Am ersten Tag nach den Ferien war alles wieder wie

neu in der Zoo-Schule, so dass die Lehrerin den

Ablauf noch einmal erklärte. „Wir werden also ab

sofort alle Aufgaben in der Schule erledigen“, beendete

die Eule schließlich ihre Ausführung. Die Tierkinder

machten ganz große Augen. Keine Bücher,

Hefte und Stifte mehr schleppen?

Juri hüpfte aufgeregt auf seinem Platz hin und her.

Als Erdmännchen hatte er es ja nicht leicht alles

herum zu tragen. Auch Papagei Sasu krächzte laut

vor Begeisterung. Bloß Känguru-Mädchen Lana

schaute etwas bedrückt drein. Was dies wohl zu

bedeuten hatte?

Am nächsten Tag eilten die Schüler und Schülerinnen

erneut herbei, um Neues über die Welt zu lernen.

Wieder merkte die Lehrerin, dass Lana etwas

niedergeschlagen wirkte. „Was beschäftigt dich

denn?“ fragte sie deshalb das kleine Känguru nach

dem Unterricht. „Es geht um meine Mama“, erwiderte

Lana. „Sie hat mir dieses Jahr lauter schöne

neue Stifte und Bücher geschenkt. Und jetzt soll ich

alles immer in der Schule lassen?“ Die Eule verstand

die Sorge ihrer Schülerin. Schließlich wollte

sie ihre Mutter nicht enttäuschen.

Etwas besorgt verabschiedete sich die Lehrerin von

Lana. Das kleine Känguru sah ganz schön wackelig

aus, wie sie mit voll gefülltem Beutel nach Hause

hüpfte. Sie hatte sich nicht davon abbringen lassen

ihre Bücher und Stifte mitzunehmen.

Einige Momente später hörte die Lehrerin plötzlich

ein lautes Krächzen von Papagei Sasu. „Lana!“

jauchzte auch Jamo aufgeregt. Schnell flatterte die

Eule in die Richtung des Tumults und erschrak sehr.

Das kleine Känguru war eine Böschung hinunter

gestürzt und hatte sich dort im Gebüsch verfangen.

Sie weinte fürchterlich! Schnell flog die Lehrerin zu

ihr. Auch Jamo war schon nach unten geklettert, um

Lana zu helfen. Gemeinsam konnten sie sie aus

ihrer misslichen Lage befreien.

„Was ist denn passiert?“ fragte die Lehrerin. „Wir

haben ein wenig herum getollt und plötzlich hat es

Lana umgeworfen…“ begann Sasu zu erzählen. „...

und mein Beutel war so voll gefüllt“, beendete Lana

selbst die Erklärung. Sie schaute noch immer etwas

erschrocken drein.

„Also ich glaube, dass es deiner Mama lieber ist, du

lässt deine Sachen in der Schule und kommst dafür

gesund nach Hause“, sprach die Eule in all ihrer

Weisheit.

„Natürlich ist mir das lieber“, ertönte da eine Stimme

aus dem Hintergrund. In der Zwischenzeit war

nämlich auch Lana’s Mutter herbei gehüpft und

hatte das Gespräch mitgehört. „Du lernst so bestimmt

auch genug!“ zwinkerte sie ihrer Tochter zu

und strich ihr tröstend über den Kopf. „Heute hast

du uns sogar schon etwas über die Schwerkraft gelehrt!“

fügte dann die

Eule gutmütig hinzu.

Da begann auch Lana

zu kichern und war sehr

erleichtert, dass sie von

nun an auch ganz unbeschwert

von der Schule

nach Hause hüpfen

konnte.

von Gudrun Kopp

Kinder-, Jugend- und

Familienpsychologin


Das neue

Brettspiel

!

P.b.b. GZ02 Z030918M

Österreichische Kinderfreunde, Rauhensteingasse 5/5, 1010 Wien

Das Spiel ist ab Oktober 2016 im

Organisationsshop der Kinderfreunde erhältlich.

Zu bestellen auf www.kinderfreunde.at oder per

Mail an brettspiel@kinderfreunde.at

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