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FinanzBusinessMagazin 03-2016

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Folgen des Brexit:

Was leitende Bank-

Manager sagen

Preisboom auf den

Wohnungsmärkten

Mobile-Banking

verdrängt Online-

Banking

ETF-Markt dürfte sich bis 2021 abermals

verdoppeln

Versicherungsbranche in Deutschland:

Gewinnerstrategien für das Jahr 2025

Weckruf der InsurTechs:

Viel Lärm um Nichts?

Ausgabe 3/2016

www.FinanzBusinessMagazin.de

1


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LV - eJournal 2015/16

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EDITORIAL I FinanzBusinessMagazin

EDITORIAL

Die aktuelle Studie von Oliver Wyman „Versicherung 2025 – Ein Zukunftsszenario für die Gewinner

von morgen“ analysiert die Treiber des Wandels im Versicherungsmarkt bis zum Jahr 2025,

schätzt Folgen ab und zeigt neue Perspektiven auf. Von Wachstum ist nur in selektiven Feldern

auszugehen, während das alte Stammgeschäft bröckelt: So könnte das Beitragsvolumen in der

Lebensversicherung je nach Politikvorgaben um vier Milliarden Euro sinken, in der Schadenund

Unfallversicherung herrscht nahezu Stagnation. Von 245.000 traditionellen Vermittlern und

Maklern werden im Szenario der Studie rund 100.000 aus dem Markt ausscheiden. Chancen hingegen

bietet eine konsequente Digitalisierung: Sie ermöglicht Versicherern, bis zum Jahr 2025

ihre Kostenquote um ein Viertel zu senken und zugleich besseren Service anzubieten.

InsurTechs werden die Versicherungswirtschaft umkrempeln: Etablierte Versicherer sind gut

beraten, diesen Trend nicht kleinzureden. Doch wie laut ist der Weckruf der InsurTechs wirklich?

Denn obwohl sie längst mehr als ein Phänomen sind, nutzen InsurTechs ihr Potenzial

noch nicht auf allen Ebenen aus. Das zeigt der InsurTech-Radar von Oliver Wyman und Policen

Direkt. Darin wurden die Start-ups der Versicherungswirtschaft erstmals einem umfassenden

Check unterzogen und entlang der Versicherungswertschöpfungskette systematisch analysiert

– von der Angebotsseite über den Vertrieb bis hin zum Betrieb.

Leitende Bank-Manager spielen durch, welche Alternativen es nach dem Brexit zum Standort

London für sie geben kann. Das geht aus einer Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) zu

den möglichen Folgen des Brexit hervor, an der rund 360 leitende Banker aus Großbritannien,

Frankreich, den USA und Deutschland teilgenommen haben. Die Analyse wurde im Juni 2016,

kurz vor dem Referendum zum EU-Austritt Großbritanniens erhoben. Rund 20 Prozent der

Finanzdienstleistungs-Jobs in London könnten an andere globale Finanzplätze verlagert werden,

wie aus der Studie hervorgeht.

Mobile-Banking entwickelt sich weltweit zum entscheidenden Kanal für Bankgeschäfte und

trägt wesentlich zu einer hohen Kundenloyalität bei. Über keinen anderen Kanal äußern sich

Privatkunden nach Interaktionen so positiv wie über eine App oder eine mobile Webseite. Das

ergab die weltweite Befragung von rund 115.000 Privatkunden in 17 Ländern, darunter 9.800

in Deutschland, die die internationale Managementberatung Bain & Company im Rahmen ihrer

Studie „Loyalität im Privatkundengeschäft: Banken machen mobil“ durchgeführt hat.

Das Redaktionsteam

Ausgabe 2/2016

3


FinanzBusinessMagazin I INHALTSVERZEICHNIS

BANKEN

6 Folgen des Brexit: Was leitende Bank-Manager sagen

8 Stresstest zeigt stärkere Widerstandsfähigkeit des Bankensystems im Eurogebiet

10 Globale Studie zur Kundenloyalität im Privatkundengeschäft: Mobile-Banking verdrängt Online-Banking

12 Digitales CRM im Retail Banking erlaubt Umsatzwachstum von 40 Mrd. Euro

14 A.T. Kearney: Kein Ende des Umbaus bei deutschen Privatkundenbanken in Sicht

16 Zahlungsverkehr kostet Banken eine Milliarde Euro bis 2018

17 Corporate-Banking-Index: Erträge mit Firmenkunden fallen auf tiefsten Stand seit 2009

19 Die nächste Bankenkrise kommt bestimmt:

Banken müssen Risiken vor Kreditvergabe umfassender analysieren

21 Private Banking: Erträge der Vermögenden steigen, die der Banken nicht

22 Bankkunden fordern digitalen Service

24 Stresstest 2016: EZB erhöht den Druck auf Bankengeschäftsmodelle - Europäischen Banken drohen im

Stressfall Kapitallücken von bis zu 20 Mrd. Euro

26 Studie: So digital sind Banken im Firmenkundengeschäft

28 BaFin plant Verbot des Retailvertriebs von Bonitätsanleihen

INVESTMENTS

30 Coller Capital Global Private Equity Barometer - Summer 2016:

Wachstum des Schattenkapitals wird die Renditen von Private Equity-Fonds reduzieren

32 Studie:

Boom bei Beteiligungskäufen im Mittelstand / Private Equity-Häuser erwarten auch 2016 starke Zuwächse

31 2015 zeigte: Wenig Angebot für Anleger Geschlossener Beteiligungen

33 Aktienrenditen: Stärkster Wertzuwachs seit der Finanzkrise

34 ETF-Markt dürfte sich bis 2021 abermals verdoppeln

IMMOBILIEN

37 Preisboom auf den Wohnungsmärkten

39 Brexit: Immobilienbranche rechnet mit Verstärkung des Immobilienbooms in Deutschland

41 Nachfrage nach Büroflächen europaweit höher als das Angebot

42 Weiterhin hohe Transaktionsaktivitäten bei Offenen Immobilienfonds

44 Baufinanzierung: Banken hadern mit der Vergabe von Immobilienkrediten

4 Ausgabe 2/2016


INHALTSVERZEICHNIS I FinanzBusinessMagazin

VERTRIEB / MARKETING

45 Lieber persönlich als virtuell: Für deutsche Verbraucher macht der Faktor Mensch den Unterschied

46 Call Center vor dem Abstieg? Banken sollten ihre Kontaktkanäle ganzheitlich überdenken

48 Nachwuchsmangel aufgrund mangelhafter Stellenanzeigen?

VERSICHERUNGEN

49 Versicherungsbranche in Deutschland: Gewinnerstrategien für das Jahr 2025

52 Das große Warten: deutsche Versicherer zu zögerlich bei Innovationen

54 Weckruf der InsurTechs: Viel Lärm um Nichts?

56 InsurTechs werden als innovativ, aber nicht unbedingt seriös wahrgenommen

57 Betriebsrente und Produktinnovationen könnten den schwächelnden Markt beleben

58 Aktuelle Studie von Aon Hewitt zur betrieblichen Altersversorgung:

Fast die Hälfte der befragten Unternehmen hält Überprüfung ihres Versorgungswerkes für erforderlich

59 Zielrente – Mogelpackung zulasten der Arbeitnehmer?

61 Outsourcing in der Assekuranzwirtschaft: Wachsender Kostendruck setzt Umdenken in Gang

62 67rockwell Consulting:

Digitalisierungsstrategien deutscher Versicherungsunternehmen greifen nicht weit genug

63 So investieren Versicherer

64 Nach dem Garantiezinsschock: „Klassik hat endgültig ausgedient“

65 Niedrigzins treibt Pensionsverpflichtungen in die Höhe

67 Assekuranz im Social-Media-Aufwind

IMPRESSUM

23 Impressum

Ausgabe 2/2016

5


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Folgen des Brexit:

Was leitende Bank-Manager sagen

BCG-Studie: Entscheider denken nach über Alternativen

zum Standort London - Hohes Maß an Unsicherheit über

weitere Entwicklungen

Leitende Bank-Manager spielen

durch, welche Alternativen es nach

dem Brexit zum Standort London für

sie geben kann. Das geht aus einer Umfrage

der Boston Consulting Group (BCG)

zu den möglichen Folgen des Brexit hervor,

an der rund 360 leitende Banker aus

Großbritannien, Frankreich, den USA und

Deutschland teilgenommen haben. Die

Analyse wurde im Juni 2016, kurz vor

dem Referendum zum EU-Austritt Großbritanniens

erhoben. Rund 20 Prozent

der Finanzdienstleistungs-Jobs in London

könnten an andere globale Finanzplätze

verlagert werden, wie aus der Studie hervorgeht.

Das beträfe alle Unternehmensbereiche

von Banken, insbesondere den grenzüberschreitenden

Zahlungsverkehr, das

Investmentbanking und das Handelsgeschäft.

Frankfurt gehört zu den attraktivsten

Standorten für in London vertretene

Finanzdienstleister, die aufgrund

des anstehenden britischen EU-Austritts

erwägen, ihre Geschäftsaktivitäten ins

Ausland zu verlagern. "Insbesondere die

ökonomische und politische Stabilität in

Deutschland, kombiniert mit der Verfügbarkeit

qualifizierter Arbeitskräfte,

macht den Standort Frankfurt am Main

zur Top-Adresse, wie aus dieser Umfrage

kurz vor dem Brexit hervorgeht", sagt

Bankenspezialist Dr. Wolfgang Dörner,

Senior Partner und Leiter des Frankfurter

BCG-Büros.

14 Kriterien als Maßstab

für die Attraktivität von Standorten

Die Banker bewerten Frankfurt unter

neun globalen Finanzzentren als Alternative

zur britischen Finanzmetropole

am besten, gefolgt von New York und

Dublin. Insgesamt wurde die Attraktivität

von neun Standorten abgefragt. Neben

Frankfurt, New York und Dublin sind

diese: Amsterdam, Hong Kong, Luxemburg,

Madrid, Paris und Singapur. Jede

Stadt hat nach Ansicht der Bank-Manager

unterschiedliche Stärken. Paris etwa

schneidet sehr gut ab, wenn es um die

Lebensqualität geht. New York wiederum

kommt dann ins Spiel, wenn einige amerikanische

Banken sich dazu entschieden,

dem EU-Markt den Rücken zuzukehren.

Die Standortattraktivität für Banken wurde

anhand von 14 Kriterien erhoben – u.

a. Infrastruktur, Geschäftsumfeld, Stabilität,

Lifestyle-Faktoren sowie Zugang zu

Märkten und Institutionen.

Was Frankfurt tun muss

für noch höhere Anziehungskraft

Bei einem spontanen Ranking der Finanzzentren

ohne vorgegebene Bewertungskriterien

sehen die befragten Banker

Frankfurt hinter New York und Dublin

auf Platz drei. Vor allem die Briten bevorzugen

dann Dublin und New York.

Doch Frankfurt ist besser als sein Ruf:

Werden objektive Standortkriterien herangezogen,

gibt es eine Präferenz für

das Finanzzentrum am Main – vor allen

Alternativen. Um auch bei weichen Faktoren

besser zu punkten, müssen Stadt

und Region vor allem ihre Internationalität,

zum Beispiel bezogen auf vermeintliche

Sprachbarrieren, sowie die

vergleichsweise günstige Wohnungssituation

besser vermarkten und die kulturelle

Attraktivität für ein breiteres internationales

Publikum erhöhen. "Zwei

6 Ausgabe 2/2016


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

Quelle: © pixabay.com

Drittel der Finanzunternehmen haben

noch keine genauen Pläne für eine mögliche

Standortverlagerung nach dem

Brexit. Die meisten rechnen mit einer

Verlagerung innerhalb der nächsten ein

bis zwei Jahre", erklärt Bankenspezialist

Dr. Wolfgang Dörner.

Jobverlagerungen

auch in anderen Branchen

Bankenvertreter erwarten nach dem britischen

"Nein" zur fortgesetzten EU-Mitgliedschaft

nicht nur Jobverlagerungen

in ihrer eigenen Branche, sie sehen insbesondere

das Dienstleistungsgewerbe

und Versicherungen, aber beispielsweise

auch die Pharmabranche und die Biotechnologie

in Großbritannien vor tiefergreifenden

Umbrüchen. "Nicht nur Frankfurt,

sondern auch andere Wirtschaftszentren

in Deutschland sollten sich auf Jobverlagerungen

aus verschiedenen Branchen

vorbereiten und die Chance des Zuzugs

von qualifizierten Talenten aktiv nutzen",

sagt Dr. Wolfgang Dörner.

Unklarheit über Konsequenzen

und langfristige Auswirkungen

Fast 60 Prozent rechnen mit dauerhaften

Einschränkungen beim Zugang zum

EU-Markt oder lang anhaltender Unsicherheit,

bis die EU und Großbritannien

entsprechende Vereinbarungen als Konsequenz

aus dem Brexit treffen werden.

Dennoch sehen, auf Grundlage dieser

Umfrage vor der Brexit-Abstimmung, die

meisten Finanzdienstleister den Folgen

des Brexit für die Finanzindustrie insgesamt

eher gelassen entgegen. "Die Zeit

wird uns zeigen, ob sie richtig liegen",

sagt Dr. Wolfgang Dörner.

Autor: www.bcg.de

Ausgabe 2/2016

7


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Stresstest zeigt stärkere Widerstandsfähigkeit

des Bankensystems

im Eurogebiet

Banken können heute

besser mit wirtschaftlichen

Schocks

umgehen als im Stresstest

von 2014. 37 von der EZB

beaufsichtigte Banken nahmen

mit einer robusten

harten Kernkapitalquote

(Common Equity Tier 1 –

CET1) von durchschnittlich

13 % am EU-weiten Stresstest

teil. Durchschnittlicher

Rückgang des CET1-Kapitals

im adversen Szenario

um 3,9 Prozentpunkte;

durchschnittliche CET1-

Quote mit 9,1 % dennoch

höher als im Stresstest von

2014. Beim Stresstest geht

es nicht um das Bestehen

oder Durchfallen; Ergebnisse

werden auf nicht mechanistische

Weise in den

Beschlüssen des diesjährigen auf sichtlichen

Überprüfungs- und Bewertungsprozess

(Supervisory Review and Evaluation

Process – SREP) berücksichtigt. Erwartungen

der Aufsicht an die Kapitalausstattung

der Banken im Euroraum insgesamt

gegenüber 2015 weitgehend unverändert.

Wie die Europäische Zentralbank (EZB)

bekannt gab, zeigen die Ergebnisse des

EU-weiten Bankenstresstests, dass die

Banken im Euro-Währungsgebiet ihre

Widerstandsfähigkeit erhöht haben. Die

Erwartungen der Aufsicht an die Kapitalausstattung

der Banken insgesamt

bleiben gegenüber 2015 weitgehend unverändert.

Der von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde

(European Banking

Authority – EBA) koordinierte Stresstest

umfasste 51 Banken in der Europäischen

Union, darunter 37 bedeutende Institute,

die direkt von der EZB beaufsichtigt werden

und rund 70 % der Bankaktiva im Euroraum

repräsentieren. Die Ergebnisse des

Quelle: © Sergey Nivens - Fotolia.com

Stresstests wurden heute auf der Website

der EBA veröffentlicht. Die 37 von der EZB

beaufsichtigten Banken nahmen mit einer

durchschnittlichen harten Kernkapitalquote

(Common Equity Tier 1 – CET1) von 13

% am Test teil, was eine Verbesserung gegenüber

den 11,2 % im letzten EU-weiten

Stresstest von 2014 darstellt. Im adversen

Szenario belief sich der durchschnittliche

Kapitalrückgang auf 3,9 Prozentpunkte

und lag damit über den 2,6 Prozentpunkten

im Stresstest von 2014. Grund hierfür

waren unter anderem eine strengere

Stresstestmethodik und ein härteres adverses

Szenario, das sich erneut über einen

Dreijahreszeitraum erstreckte und bei

dem statische Bilanzen zugrunde gelegt

wurden. Dank der großzügigeren Kapitalausstattung

und weiterer Verbesserungen

seit 2014 fiel die endgültige durchschnittliche

CET1-Quote im adversen Szenario

mit 9,1 % dennoch höher aus als 2014 (8,6

%). Von einer Ausnahme abgesehen, belief

sich das CET1-Kapital aller Banken auf

8 Ausgabe 2/2016


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

einen Wert deutlich über der Benchmark

von 5,5 %, die 2014 im hypothetischen

adversen Szenario galt. Hierin spiegelt

sich die insgesamt solide Kapitalausstattung

der Banken, die Gegenstand des von

der EBA initiierten Stresstests waren.

„In dem Ergebnis des Stresstests kommen

die beträchtliche Kapitalaufnahme und die

zusätzlichen Maßnahmen zum Ausdruck,

welche die Banken in den vergangenen

zwei Jahren zur Sanierung ihrer Bilanzen

durchgeführt haben“, so Danièle Nouy,

Vorsitzende des Aufsichtsgremiums der

EZB. „Der Bankensektor ist heute widerstandsfähiger

und kann deutlich besser

mit wirtschaftlichen Schocks umgehen als

noch vor zwei Jahren.“ Der Kapitalrückgang

von durchschnittlich 3,9 Prozentpunkten

im adversen Stresstestszenario

war auf eine Reihe von Risikofaktoren zurückzuführen.

Hierzu zählen unter anderem:

• das Kreditrisiko, das im Schnitt mit 3,8

Prozentpunkten zum gesamten CET1-

Rückgang beitrug,

• das Marktrisiko, dessen Beitrag bei

durchschnittlich 1,1 Prozentpunkten

lag, vor allem infolge von Neubewertungsverlusten

aus zum Zeitwert ausgewiesenen

Vermögenswerten, und

• das operationelle Risiko, das im Mittel

mit 0,9 Prozentpunkten zu Buche

schlug, wofür Verlustprojektionen im

Zusammenhang mit Verhaltensrisiken

verantwortlich waren; dieses Element

kam erstmals im Stresstest 2016 zum

Einsatz.

Darüber hinaus beeinflussten einige weitere

Faktoren den Kapitalrückgang positiv

bzw. negativ. Hier ist unter anderem das

Nettozinseinkommen, Erträge aus Gebühren

und Provisionen sowie der Verwaltungsaufwand

zu nennen. Es wurde auch

untersucht, wie sich Einkommensfaktoren

unter Stressbedingungen verhalten. So

wurde das Nettozinseinkommen im adversen

Szenario einem erheblichen Stress

ausgesetzt. Verglichen mit dem Basisszenario

beliefen sich die Auswirkungen auf

1,3 Prozentpunkte. Beim Stresstest geht

es zwar nicht um das Bestehen oder Durchfallen,

doch werden die Ergebnisse auf

nicht mechanistische Weise als einer von

mehreren Inputfaktoren bei der Festlegung

des Säule-2-Kapitals im Rahmen des

allgemeinen auf sichtlicher Überprüfungsund

Bewertungsprozess (Supervisory Review

and Evaluation Process – SREP) der

EZB berücksichtigt. Das Säule-2-Kapital

setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

Säule-2-Anforderungen und Säule-

2-Empfehlungen.

Die Ergebnisse des Stresstests werden

von der EZB für die Säule-2-Empfehlungen

verwendet, wobei unter anderem

auch den Auswirkungen Rechnung getragen

wird, die sich aus der Annahme einer

statischen Bilanz und aus Gegenmaßnahmen

der Banken ergeben. Weitere Einzelheiten

hierzu finden sich in den Fragen

und Antworten zum EU-weiten Stresstest

2016. Daher lassen sich aus den Ergebnissen

des Stresstests keine Säule-2-Empfehlungen

ableiten. Die SREP-Beschlüsse

werden Ende 2016 abgeschlossen und

gelten ab Anfang 2017.

Die EZB erwartet von den Banken, dass sie

die Vorgaben der Säule-2-Empfehlungen

jederzeit erfüllen. Bei Nichterfüllen dieser

Vorgaben ergreift die EZB nicht automatisch

Maßnahmen, sondern analysiert die

Gründe und Umstände hierfür eingehend

und legt gegebenenfalls spezifische aufsichtliche

Maßnahmen fest. Die Säule-

2-Empfehlungen sind für die Begrenzung

des ausschüttungsfähigen Höchstbetrags

(Maximum Distributable Amount – MDA)

der Gewinne irrelevant.

Autor: www.bundesbank.de

Ausgabe 2/2016

9


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Globale Studie zur Kundenloyalität im

Privatkundengeschäft: Mobile-Banking

verdrängt Online-Banking

Mobile-Banking entwickelt sich

weltweit zum entscheidenden Kanal

für Bankgeschäfte und trägt

wesentlich zu einer hohen Kundenloyalität

bei. Über keinen anderen Kanal äußern

sich Privatkunden nach Interaktionen so

positiv wie über eine App oder eine mobile

Webseite. Das ergab die

weltweite Befragung von

rund 115.000 Privatkunden

in 17 Ländern, darunter

9.800 in Deutschland,

die die internationale Managementberatung

Bain &

Company im Rahmen ihrer

Studie „Loyalität im Privatkundengeschäft:

Banken

machen mobil“ durchgeführt

hat. In Deutschland

ist der Anteil mobiler Interaktionen

zwischen Kunde

und Bank zwischen 2012

und 2015 von nahezu null

auf rund 20 Prozent gestiegen.

Im Gegenzug ging

vor allem der Anteil des

Online-Bankings zurück.

Insbesondere die junge Generation nutzt

ihr Smartphone zunehmend für Bankgeschäfte.

In Deutschland setzen inzwischen

mehr als 60 Prozent der 18- bis 24-Jährigen

auf Mobile-Banking. Doch auch bei

den Älteren erfreut es sich immer größerer

Beliebtheit, Bankgeschäfte mobil zu

tätigen.

„Mobile-Banking ist im Alltag angekommen“,

betont Bain-Partner und Studienautor

Dr. Markus Bergmann. „Während

Deutsche es vor allem für Routinetransaktionen

nutzen, funktioniert es in Vorreiternationen

wie den Niederlanden

bereits als Vertriebskanal.“ Dort kaufen

Kunden selbst komplexe Produkte wie einen

Kredit per App oder mobiler Webseite.

Welchen Stellenwert das Mobiltelefon

im Alltag der Bankkunden mittlerweile

hat, unterstreicht ein weiteres Ergebnis

der Studie: Danach könnten sich in vielen

Ländern vor allem Jüngere eher mit dem

Verlust ihres Portemonnaies als mit dem

ihres Smartphones abfinden. „Noch aber

sind Bankprodukte wie EC- oder Kreditkarte

analog im Geldbeutel und nicht in

Quelle: © Sergey Nivens - Fotolia.com

digitaler Form auf dem Mobiltelefon“, erklärt

Bergmann. „Auf Dauer drohen die

Banken so ins Abseits zu geraten.“

Gut 40 Prozent der Bankkunden in

Deutschland sind Omnikanal-Nutzer

Ein überzeugender mobiler Auftritt allein

bewegt die Kunden jedoch nicht dazu,

mehr Bankprodukte zu kaufen oder ihre

Bank weiterzuempfehlen. Im Gegenteil:

Rein digital agierende Kontoinhaber stehen

ihrer Bank sogar eher kritisch gegenüber.

Eine mit dem Net Promoter®

Score (NPS®) messbar hohe Loyalität

weisen der Bain-Studie zufolge vor allem

Omnikanal-Nutzer aus. In Deutschland

erledigen bereits gut 40 Prozent der Kunden

ihre Bankgeschäfte sowohl in den Filialen

und Callcentern als auch über digi-

10 Ausgabe 2/2016


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

tale Kanäle. Ihre Zufriedenheit zahlt sich

aus. Über alle Nutzerprofile und Altersgruppen

hinweg hängen hohe NPS-Werte

eng mit der Zahl der erworbenen Produkte

und der Kundenbindung zusammen. Bei

den NPS-Werten in Deutschland hat die

ING-DiBa die Nase vorn, auf den Plätzen

zwei und drei liegen mit der DKB und mit

comdirect zwei weitere Direktbanken vor

dem ersten Filialisten, der Sparda-Bank.

Die Lücke beim NPS zwischen Direkt- und

Filialbanken beginnt sich allerdings in vielen

Ländern zu schließen. Traditionellen

Kreditinstituten gelingt es mit Omnikanal-

Konzepten zunehmend, ihre Kunden in

den Filialen, am Telefon, online und mobil

gleichermaßen zu begeistern.

Für einen überzeugenden Auftritt in allen

Kanälen und für zügige Fortschritte auf

dem Weg hin zum Omnikanal sind vier

Stellhebel entscheidend:

1. Besserer Kundenservice. Je intuitiver

und einfacher Online- und Mobile-

Banking funktionieren, desto eher

kommt es zu der gewünschten Verlagerung

von Routinetransaktionen in

digitale Kanäle. Insbesondere die Filialen

erhalten so mehr Raum, um im

persönlichen Gespräch und bei komplexen

Produkten zu überzeugen.

2. Digitalisierung von Vertrieb und Beratung.

Das Ziel ist eine durchgängig digitalisierte

Kundenreise im Vertriebsund

Beratungsprozess. Dazu müssen

neue Technologien wie die Videoauthentifizierung

eingesetzt und interne

Prozesse umgestaltet werden.

3. Schärfere Positionierung der Filialen.

In einem Hub-and-Spoke-Netz haben

Filialen fünf Funktionen: Branding,

Beratung bei komplexen Produkten,

Mobilisierung für die digitale Welt,

persönliche Unterstützung vor Ort

und Pflege der Kundenbeziehung.

4. Innovative Methoden für die Transformation.

Mit dem sogenannten

Hot-House-Ansatz können Banken in

ausgewählten Filialen innovative Konzepte

entwickeln und deren Anwendbarkeit

direkt testen. Für den anstehenden

Transformationsprozess sind

zudem der Einsatz agiler Methoden

und ein breit angelegtes, konsequent

gemanagtes Change-Management-

Programm erforderlich.

Kostenreduzierung

um bis zu 50 Prozent möglich

Werden die Hebel richtig angesetzt, kann

der Anteil mobiler Kanäle an den Produktabschlüssen

auf 30 bis 50 Prozent

gesteigert werden. Die Kosten für Filialen

und Callcenter wiederum lassen sich

um 30 bis 50 Prozent senken. Auch wenn

die Zahl der Filialen deutlich zurückgehen

wird, bleiben sie ein integraler Bestandteil

eines jeden Omnikanal-Konzepts.

Sie tragen zur Kundenloyalität bei und

erlauben es den Banken, sich sichtbar

vom Wettbewerb abzuheben. Bain-Partner

Dr. Dirk Vater, Co-Autor der Studie

und Leiter der Praxisgruppe Banken im

deutschsprachigen Raum, ist überzeugt:

„Mit Mobile-Banking allein können Kreditinstitute

im digitalen Zeitalter nicht

gewinnen, mit intelligenten Omnikanal-

Konzepten dagegen schon.“

Autor: www.bain.de

Quelle: © pab_map - Fotolia.com

Ausgabe 2/2016

11


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Digitales CRM im Retail Banking erlaubt

Umsatzwachstum von 40 Mrd. Euro

Studie deckt brach liegende Potentiale

bei Privatkundenbanken auf und zeigt,

wie die Champions Customer Relationship Management

(CRM) ertragssteigernd nutzen.

„Europas Banken haben in den letzten

zwei Jahrzehnten 20 Mrd. Euro in Technologien

für Customer Relationship Management

investiert, schöpfen deren Potentiale

aber nicht aus. Würden sie, wie

die Vorreiter, konsequent den Kunden in

den Mittelpunkt rücken und die technologischen

Möglichkeiten umfassend in ihr

Geschäftsmodell integrieren, könnten sie

insgesamt 30 bis 40 Mrd. Euro mehr Umsatz

machen“, kommentiert Dr. Torsten

Eistert, Partner bei A.T. Kearney die Studie

der Managementberatung.

In ihrer aktuellen Studie „Cultivating the

Customer Relationship in Banking“ haben

die Finanzexperten von A.T. Kearney die

Auswirkungen von Customer Relationship

Management auf die Umsatzentwicklung

bei mehr als 100 Privatkundenbanken in

Europa untersucht und qualitative Interviews

mit einem Dutzend Vertreter führender

CRM-Lösungsanbietern geführt. Das

Ergebnis: Die meisten europäischen Retailbanken

lassen die Wettbewerbsvorteile,

die in einem datenbasierten Customer Relationship

Management liegen, ungenutzt.

Damit verspielen sie in Summe bis zu 40

Mrd. Euro: 10 bis 14 Mrd. Euro können sie

allein durch eine optimierte Preisbildung

erzielen, 8 bis 11 Mrd. Euro durch Cross-

Selling, hinzu kommen noch weitere Umsatzquellen

durch Reduzierung von Kundenabwanderung,

Neukundengewinnung

z.B. via social media und Upselling.

Was zeichnet Customer Relationship

Management der Besten laut den Ergebnissen

der Studie aus? Konzentrieren

sich die Vorreiter auf Mitarbeiter,

Daten oder auf beides?

Die Studie zeigt, dass die erfolgreichsten

Banken, die auf Kundenbindung durch Mitarbeiter

setzen, zwar mit 1.000 bis 1.700

Euro Umsatz pro Kunden ein Vielfaches

des europäischen Durchschnitts erzielen,

zugleich aber mit einem Mitarbeiter

nur rund 400 Kunden abdecken können.

Laufend steigende Personalkosten üben

Druck auf dieses Geschäftsmodell aus.

Nur wenige europäische Retailbanken

(die deutsche ING Diba, mBank und Nationwide)

decken eine breite Kundschaft

mit nur wenigen Angestellten ab – 1.800

bis 2.400 Kunden pro Mitarbeiter – und

weisen deutlich niedrigere Cost-Income

Ratios aus als der Wettbewerb.

Diese Banken, die ihr CRM vor allem auf

Digitalisierung und datengestützte Produkt-

und Serviceangebote stützen, haben

ein Geschäftsmodell, das sich leichter

skalieren lässt als das der Wettbewerber –

ihr Geschäftsmodell wächst also bei steigender

Kundenzahl mit, ohne dass hohe

neue Investitionen vonnöten wäre. So

können sie ihre Konkurrenten in punkto

Kosten und Profitabilität weit hinter sich

lassen. Polens mBank zum Beispiel erzielt

322.000 Euro Umsatz pro Mitarbeiter:

263 Prozent mehr als der Durchschnitt

des osteuropäischen Landes. Vor allem

aber überzeugt die mBank ihre Kunden

durch nutzerfreundliche Services, die zu

ihren individuellen Bedürfnissen passen:

12 Ausgabe 2/2016


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

Quelle: © pixabay.com

proaktiv angebotene kurzfristige Kleinkredite,

wenn die Kunden beim Einkaufen

höheren Finanzbedarf haben, oder location-based

Couponing.

Die Vorreiter zeigen, dass die Potentiale

von CRM zur Kundengewinnung und

-bindung nur dann vollends ausgeschöpft

werden, wenn CRM organisationsweit zur

Anwendung kommt und fester Bestandteil

der Bankkultur und der täglichen Routine

wird. Aus der Studie geht zugleich hervor,

dass bei vielen Retailbanken Silodenken

und dezentralisiertes Kundenmanagement

die Prozesse bestimmen und sie mit

historisch gewachsenen IT-Plattformen

über die Komplexität multipler Systeme

und individueller Schnittstellen stolpern,

obwohl die Zukunft in offenen Architekturen

und Schnittstellen liegt, die es erlauben,

gezielt mit Ökosystempartnern

(z.B. FinTechs) zusammenzuarbeiten.

„Das Ergebnis der Studie“, so Achim Kaucic,

Co-Autor der Studie, „ist umso überraschender,

als europäische Retailbanken

es sich nicht leisten können, Umsatzpotenziale

zu verschenken“: Zwischen 2007

und 2014 hätten sie inflationsbereini-

gt mehr als 10 Prozent an Umsatz verloren

Das entspreche einem Rückgang

von jährlich zwei Prozent, während das

Bruttoinlandsprodukt im europäischen

Durchschnitt im gleichen Zeitraum real

um 3,4 Prozent gewachsen sei. Die Institute

seien, so ergänzt Eistert, durch den

historischen niedrigen Zins, ein Marktumfeld,

das den Wettbewerb anfache, und

Geschäftsmodelle, die kaum Differenzierungsmöglichkeiten

über klassische

Bankprodukte böten, enorm unter Druck

– der sich durch zunehmende Regulierung

und Niedrigzinspolitik weiter verstärke.

Digitales CRM böte die große Chance, sich

jenseits der Kostenloskultur vom Wettbewerb

abzusetzen: „Die Retailbanken

brauchen offene IT-Architekturen und einen

Kulturwandel weg vom Anbieter klassischer

Produkte hin zu einem Lösungsanbieter

mit überragenden Services. Der

beste Weg: Sie tun sich mit neuen Partnern

zusammen, um die digitalen Möglichkeiten

auszuschöpfen. Arbeiten sie

zum Beispiel mit den Fintechs zusammen

statt gegen sie, können beide Seiten profitieren.“

Autor: www.atkearney.de

Ausgabe 2/2016

13


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

A.T. Kearney:

Kein Ende des Umbaus bei deutschen

Privatkundenbanken in Sicht

Aktuelles Ranking unter Europas Privatbankkunden

zeigt einen leichten Aufschwung

nach der Finanzkrise. Sorgen

bereitet immer noch die Kostensituation:

vor allem in Deutschland und Österreich.

„Die Situation der europäischen Banken

für Privatkunden entspannt sich langsam,

wenngleich die meisten Institute, besonders

die deutschen, ihre Ausgaben nicht

in den Griff bekommen haben“ fasst Andreas

Pratz, Leiter des A.T. Kearney Beratungsbereiches

Financial Services in

Deutschland, Österreich und der Schweiz

die Ergebnisse

des aktuellen „Retail

Banking Radar“

zusammen:

Mit einem leichten

Ertragswachstum,

kombiniert mit

rückläufiger Risikovorsorge,

konnten

europäische Institute

insgesamt ihre

Gewinne steigern,

hätten es aber

nicht geschafft,

ihre Kosten zu reduzieren.

Besonders

dramatisch, so

Pratz: Deutschlands

Banken hätten

vor Österreich die

zweitschlechteste

Cost-Income Ratio – diese Kennziffer bemisst

das Verhältnis zwischen Aufwand

und Ertrag und gibt Auskunft über die Effizienz

eines Instituts.

Der seit 2007 jährlich erscheinende Retail

Banking Radar der Mangementberatung

untersucht die Performance europäischer

Retailbanken und erlaubt damit

einen umfassenden und einzigartigen

Einblick in die Stärken und Schwächen

der Privatkundenbanken und zeigt, wo

sich deutsche Institute im europäischen

Wettbewerb befinden. Für die aktuelle

Studie wurden die Daten von fast 100

Privatkundenbanken und Bankengruppen

in 22 europäischen Ländern hinsichtlich

der Kriterien Ertrag pro Kunde und Mitarbeiter,

Gewinn pro Kunde, Cost-Income-

Ratio und Kreditrisikovorsorgequote untersucht.

Zum ersten Mal wurden in der

Studie auch Champions unter den europäischen

Privatkundenbanken identifiziert:

jene Institute, die sich besonders

deutlich bei Kosten, Ertrag und Digitalisierung

vom Wettbewerb absetzen.

Das Privatkundensegment

ist seit der Finanzkrise,

so die diesjährigen

Ergebnisse,

weiterhin stark unter

Druck, befindet sich

nun aber nachweisbar

auf dem Weg der Erholung.

Zwar stagniert

wegen der historisch

niedrigen Zinsen der

durchschnittliche jährliche

Ertrag pro Kunde

(666 Euro) – doch

konnte dies durch weitere

Senkungen der

Risikovorsorge (um

32 Prozent) ausgeglichen

werden, so dass

ein deutliches Gewinnwachstum

je Kunde zu verzeichnen ist

(18 Prozent). Keine Verbesserung dagegen

ist bei der Kostensituation zu vermerken,

die sich sogar leicht verschlechtert

(61 Prozent Cost-Income-Ratio).

Die Studie zeigt starke Unterschiede

zwischen den Regionen: Die skandinavischen

Länder und die Schweiz verteidigen

ihre Spitzenposition beim Ertrag

pro Kunde – nicht nur dank ihrer stabilen

Wirtschaft, sondern auch, weil sie

14 Ausgabe 2/2016


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

die ausgeprägte digitale Affinität ihrer

Kunden für sich zu nutzen wissen. Die

südeuropäischen Banken haben kraft

drastischer Kostenkürzungen, Abbau

von Filialen und Digitalisierung von Geschäftsprozessen

den Sprung zurück in

die Gewinnzone geschafft. Die osteuropäischen

Privatkundenbanken kämpfen

dagegen weiterhin mit Risikovorsorge-

Ausgaben auf hohem Niveau. In Westeuropa

hat z. B. ein kleines Land wie die

Niederlande, Deutschland und Frankreich

überholt. Grund dafür ist die positive Ertragsentwicklung,

deutlich gestiegener

Ertrag je Mitarbeiter und verbesserter

Cost-Income-Ratio. Österreich und

Deutschland schneiden bei der Effizienz-

Kennziffer Cost-Income-Ratio wiederum

am schlechtesten ab.

kann den Status Kosten-Champion für

sich beanspruchen. Die italienische Intesa

Sanpaolo, die schwedische Nordea und

die spanische Bankia zeigen sich vorbildlich

mit Kostenreduktion zwischen 11 und

43 Prozent gegenüber 2010, die durch

Filialbereinigung und Vereinfachung der

gesamten Organisation erreicht wurde.

Das Ergebnis der deutschen Retailbanken

ist durchaus gemischt: Während die Ertragsentwicklung

leicht positiv ist und die

Risiken im europäischen Vergleich am

stärksten minimiert haben, konnten sie

beim Thema Effizienz keinen Fortschritt

erzielen – mit der Konsequenz sinkender

Gewinne (- 3 Prozent).

Gleichzeitig sind zwei deutsche Direktbanken

unter den Ertrags-Champions

vertreten: Die ING-DiBa und die Deutsche

Kreditbank konnten, wie auch die polnische

mBank und die britische Nationwide,

durchgängig im zweistelligen Bereich

von 2010 bis 2015 wachsen. Diese Spitzenreiter

haben sich in ihren Angeboten

und Prozessen konsequent auf den Kundenbedarf

konzentriert und sind Pioniere

beim sogenannten „frictionless Banking“:

Sie bieten nicht nur neue Services, sondern

auch eklatant vereinfachte Abläufe

z. B. für Kontoeröffnung oder Kreditantrag.

Die ING in den Niederlanden oder die

Commerzbank-Tochter mBank beweisen

überdurchschnittliche Leistung bei der

Digitalisierung. Keine deutsche Filialbank

„Die deutschen Banken drohen im europäischen

Wettbewerb zurückzufallen“,

kommentiert Pratz, Co-Autor und Initiator

der Studienreihe, das Abschneiden

heimischer Institute: Der Abstand bei Effizienz

vergrößere sich weiter, während

Champions bei Wachstum, Kosten und

digitaler Transformation die Geschwindigkeit

erhöhten. „Wenn die Deutschen den

europäischen Anschluss nicht verpassen

wollen, müssen sie ihre Cost-Income-

Ratio um 10 Prozentpunkte verbessern

– das entspricht pro Kunde ca. 50 Euro

mehr Ertrag oder weniger Kosten.“ Pratz

schätzt, dass sich die Optimierung der

Effizienz gleichermaßen aus Kostenreduktion

wie auch aus Umsatzsteigerung

schöpfen muss: „Neben Abbau der Filialen,

Digitalisierung des Vertriebs und des

Betriebs und Ausbau von frictionless banking

werden die deutschen Institute auch

ihre Preispolitik überdenken müssen:

Gratiskonten sind ein Auslaufmodell.“

Autor: www.atkearney.de

Ausgabe 2/2016

15


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Zahlungsverkehr kostet Banken

eine Milliarde Euro bis 2018

Eine Milliarde Euro allein an Projektkosten

für Personal kommen auf

die rund 2.000 Kreditinstitute in

Deutschland nur in den kommenden zwei

bis drei Jahren zu – und nur im Bereich

Zahlungsverkehr. Regularien wie SEPA,

PSD II oder ein gesetzliches Basiskonto,

aber auch neue Bezahlverfahren wie Instant

Payments, paydirekt und Big Data

sorgen bei deutschen Geldhäusern für

diese Zusatzausgaben. Es gilt parallel an

diversen Stellschrauben zu drehen. Das

bedarf vieler Fachkräfte und damit zusätzlichem

Geld. Das zeigt eine aktuelle

Markteinschätzung der Unternehmensberatung

PPI, für die vor dem Hintergrund

langjähriger Projekterfahrung die relevanten

Themen sowie die Kosten für die

benötigten Manntage addiert wurden. Allein

die Vereinheitlichung des Euro-Zahlungsverkehrs,

kurz SEPA, war eine große

Investition, die Banken bewältigen mussten.

Seit dem 1. Februar 2016 sind alle

Euro Überweisungen und Lastschriften

vollständig auf das einheitliche System

umgestellt. Nun folgt noch die analoge

Umstellung für Nicht-Euro-Länder – ein

Kostenaufwand in Höhe von etwa zwölf

Millionen Euro für deutsche Geldhäuser.

Das Update der SEPA-und SWIFT Regelwerke

schlagen mit weiteren 15 Millionen

Euro zu Buche. Noch weitaus massiver

werden die Aufwände für die Erfüllung der

PSD-II-Vorschriften. Die Zahlungsdiensterichtlinie

verursacht nach Einschätzung

der PPI-Experten 250 Millionen Euro allein

für die Umsetzung. Insgesamt verursachen

allein die aufgezählten Standardisierungen

und Regulierungen Kosten in Höhe

von 354 Millionen Euro.

Neben den zwingend umzusetzenden Regularien

beeinflussen aber auch 15 neue

Zahlungsverkehrsprodukte und allgemeine

Trends die Banken in den kommenden

zwei bis drei Jahren. „Die Implementierung

neuer Systeme und Aufrüstung bestehender

Systeme im Rahmen von Big

Data wird voraussichtlich allein 65 Millionen

Euro an Personalkosten verbrauchen.

Auch wenn es sich um keine regulatorische

Vorgabe handelt, wird daran keine Bank

vorbeikommen“, erklärt Dr. Hubertus von

Poser, Partner und Zahlungsverkehrsexperte

bei der Unternehmensberatung PPI.

Berechnung einer Mammutaufgabe

Er hat ausgerechnet, welche enormen

Investitionen die deutschen Kreditinstitute

bis 2018 allein im Zahlungsverkehr

stemmen müssen. Für die Rechnung hat

PPI alle Themen, die auf Banken in Sachen

Zahlungsverkehr zukommen, in einer

Themenlandkarte zusammengefasst.

Dabei handelt es sich um Regularien und

Gesetze wie die PSD II, die zwingend umzusetzen

sind sowie um Trends und allgemeine

Themen. Hochgerechnet auf den

Gesamtmarkt ergeben sich für alle 33

Themenfelder somit Kosten von rund einer

Milliarde Euro. „Gravierend ist, dass

den Kosten kaum zusätzliche Erträge gegenüberstehen“,

sagt von Poser. Es handelt

sich somit um weitere Kosten für die

bereits in Effizienzprogrammen feststeckenden

Banken.

Begeisterung für den Zahlungsverkehr

wecken

Neben den Kosten müssen die Kreditinstitute

auch den erhöhten Bedarf an Fachkräften

stemmen. „Immer mehr Banken

in Deutschland stellen fest, dass die Zahlungsverkehrsexperten

in den eigenen

Reihen ausgelastet sind und die Rekrutierung

auf dem Arbeitsmarkt schwierig

ist“, berichtet der PPI-Experte. Neben

der Möglichkeit, externe Mitarbeiter auf

Projektbasis zu beauftragen, kommt vor

allem der internen Talentsuche eine große

Bedeutung zu. „Aufgabe der Führungskräfte

und Personaler ist es, die zentra-

16 Ausgabe 2/2016


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

le strategische Relevanz und Attraktivität

des Zahlungsverkehrs aufzuzeigen. Zahlungsverkehrsexperten

müssen weg vom

Nerd-Vorurteil“, sagt von Poser. Banken,

denen dieser Schachzug gelingt, profitieren

später von günstigeren Umsetzungskosten,

weil sie nicht teuer einkaufen

müssen. Auch für Mitarbeiter lohnt sich

die Qualifikation zu langfristig gefragten

Spezialisten.

Autor: www.ppi.de

Corporate-Banking-Index: Erträge

mit Firmenkunden fallen auf tiefsten

Stand seit 2009

Profitabilität des Corporate-Banking in

Deutschland sinkt im zweiten Halbjahr

2015 deutlich. Zins- wie Provisionsüberschuss

der Banken stehen unter

Druck. Kreditmarge bewegt sich nahe historischen

Tiefstständen. Verschärfte Regulierung

führt zu weiter steigenden Verwaltungskosten.

Nach einem traditionell

stärkeren ersten Halbjahr 2015 und der

damit verbundenen temporären Entspannung

hat sich die Lage im Firmenkundengeschäft

der deutschen Banken wieder

verschärft. Der Bain-Corporate-Banking-

Index fiel in den beiden Dimensionen Ertrag

und Profitabilität in der zweiten Jahreshälfte

2015 und liegt nun beim Ertrag

nahe des Indexwerts der ersten sechs

Monate des Jahres 2009, als die Banken

weltweit mit den Folgen der Finanzkrise

zu kämpfen hatten (Abbildung 1). Anders

als noch im ersten Halbjahr 2015 konnten

die Banken ihr schwaches Zinsergebnis bis

zum Jahresende nicht mehr durch höhere

Provisionseinnahmen kompensieren.

Die Nachfrage nach Krediten ist seit 2011

stabil, das Kreditvolumen liegt bei rund

1 Billion Euro. Doch die durchschnittliche

Kreditmarge schrumpft seitdem kontinuierlich:

von 1,9 auf zuletzt 1,4 Prozent.

Damit liegt sie nur noch 0,1 Prozentpunkte

über den historischen Tiefstständen von

2008. Dr. Jan-Alexander Huber, Partner

bei Bain & Company und Corporate-Banking-Experte,

weist auf erhebliche Unterschiede

innerhalb der Branche hin: „Einzelne

Institute erzielen mit Kernkunden

im Kreditgeschäft weiterhin durchaus attraktive

Renditen. Ihr effizienter und fokussierter

Vertrieb zahlt sich hier sichtbar

aus.“ Höhere Effizienz ist umso wichtiger,

da die Verwaltungskosten im Firmenkundengeschäft

unverändert steigen. Das

liegt vor allem an der Anpassung der Tarifgehälter

sowie der Umsetzung neuer regulatorischer

Anforderungen. In der Folge

steigt die Cost-Income-Ratio auf 43 Prozent

und ist damit so hoch wie noch nie

seit der Jahreswende 2008/2009.

Ausgabe 2/2016

17


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Eigenkapitalrendite sinkt

auf 14 Prozent vor Steuern

Entlastet wurde das Ergebnis auch im

zweiten Halbjahr 2015 durch eine Kreditrisikovorsorge

weit unter dem langjährigen

Durchschnitt. Die Banken profitieren nach

wie vor von der robusten Konjunktur und

den rückläufigen Firmeninsolvenzen. Das

reicht allerdings nicht aus, um den Profitabilitätsverfall

zu stoppen. Besonders

augenscheinlich wird dieser bei der Eigenkapitalrendite

vor Steuern: Mit 14 Prozent

ist sie im zweiten Halbjahr 2015 auf

das niedrigste Niveau seit Überwindung

der Finanzkrise gesunken. „Die Banken

kämpfen im Firmenkundengeschäft nicht

nur mit schwindenden Erträgen und steigenden

Kosten“, stellt Dr. Christian Graf

fest, Principal bei Bain & Company und

Co-Autor der Studie. „Sie müssen auch ihr

Eigenkapital stärken, was die Rendite zusätzlich

belastet.“

Ertragssituation stabilisieren und

neue Potenziale erschließen

Die deutschen Banken durchlaufen derzeit

eine weitere Runde von Kostensenkungen.

Werden diese konsequent und

nachhaltig umgesetzt, können sie die

nötige Entlastung verschaffen. Mittelund

langfristig aber müssen die Institute

Wege finden, ihre Ertragssituation zu

stabilisieren und neue Gewinnpotenziale

zu erschließen. Mit einer konsequenten,

vom Kunden her gedachten Digitalisierung

kann es gelingen, sich vom Wettbewerb

abzusetzen. „Corporate-Banking

bleibt attraktiv“, so Bain-Partner Huber.

„Dafür sprechen die immer noch zweistelligen

Eigenkapitalrenditen. Doch nur

mit neuen strategischen Ansätzen und

höchster Effizienz können die Banken in

diesem Markt auf Dauer bestehen.“

Autor: www.bain.de

18 Ausgabe 2/2016


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

Die nächste Bankenkrise kommt

bestimmt:

Banken müssen Risiken vor Kreditvergabe

umfassender analysieren

Bankenkrisen laufen meistens nach

dem gleichen Muster ab: Bei guter

Konjunktur sind die Banken großzügig

in ihrer Kreditvergabe. Folgt dann

aber der wirtschaftliche Abschwung

und Kredite geraten

unter Druck, sind sie

auf Zahlungsausfälle meist

nicht ausreichend vorbereitet.

Das passierte 2008

durch die Subprime-Krise

in den USA und während

der europäischen Bankenkrise

2010. Trotzdem wachsen

die Kreditvolumina

seit Jahren stärker als das

Bruttoinlandsprodukt (BIP)

oder bleiben auf hohem

Niveau. So lag das Kreditvolumen

deutscher Banken

Ende 2015 bei 80,6 Prozent

vom BIP gegenüber 81,8

Prozent Ende 2014. Damit

steigt auch das Ausfallrisiko,

nicht zuletzt wegen der anhaltenden

Niedrigzinspolitik in Europa und der Konsumfreude

der Deutschen. Ein ähnliches

Bild zeigt sich in den Emerging Markets:

Dort wuchs der Anteil ausgegebener Kredite

am BIP von 77 Prozent in 2007 auf

128 Prozent im Jahr 2015. Entsprechend

nahmen auch die Risiken zu.

Um diesen Risiken besser zu begegnen,

faule Kredite früh zu erkennen und so Zahlungsausfälle

zu vermeiden sollten Banken

ihre Kreditrisiken professioneller verwalten,

sagen die Roland Berger-Experten in

ihrer neuen Studie "Better safe than sorry

– Mastering hidden risk in the loan portfolio".

"Durch die großzügige Kreditvergabepolitik

der vergangenen Jahre können

Banken schnell wieder in unruhiges Fahrwasser

kommen, sollte sich die Konjunktur

eintrüben", erklärt Markus Strietzel, Partner

von Roland Berger. "Außerdem kann

noch niemand absehen, ob der Brexit Auswirkungen

auf die Rückzahlung von Unternehmens-

oder Immobilienkrediten haben

wird." Einige Emerging Markets kämpfen

heute schon mit Konjunkturproblemen

oder schwachen Zukunftsaussichten. Ist

die Rezession erst einmal in vollem Gange,

sind Banken doppelt betroffen: Einerseits

führt die rückläufige Kreditnachfrage

zu sinkenden Zinseinnahmen und andererseits

verlangen Kreditausfälle mehr Risikovorsorge

und höhere Rückstellungen.

Umfassende Analyse der Kreditportfolien

nötig

Kreditinstitute sollten sich daher frühzeitig

auf diese Szenarien vorbereiten und

eine umfassende Analyse ihrer gesamten

Kreditengagements vornehmen. Denn ein

tiefgreifendes Verständnis jedes einzelnen

Kredits bietet große Vorteile: Neben der hö-

Ausgabe 2/2016

19


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

heren Transparenz in Bezug auf bestehende

Risiken, können auch potenzielle Ausfallkandidaten

früher identifiziert werden. Zudem

helfen diese Informationen, Prozesse

und Richtlinien weiterzuentwickeln und so

mögliche Marktveränderungen besser zu

antizipieren. "Kreditinstitute sollten auch

nicht-finanzielle Indikatoren stärker unter

die Lupe nehmen", rät Roland Berger-

Partner Kai-Stefan Schober. "Umfangreiche

Daten und Risikoprofile von Kunden haben

die Banken ohnehin." Allerdings wurden

Kreditrisiken bisher nur anhand einiger,

meist vergangenheitsbezogener, Finanzindikatoren

analysiert, anstatt alle verfügbaren

Informationen einfließen zu lassen.

"Die Folge sind Auswertungen, die nicht

das tatsächliche Risikopotenzial widerspiegeln

und zu falschen Entscheidungen bei

der Kreditvergabe führen können", sagt

Schober.

Sechs Schritte für einen erfolgreichen

Bewertungsprozess

Für eine umfassende Bewertung von Kreditportfolien

sind nach Ansicht der Experten

von Roland Berger sechs Schritte erforderlich:

1. Erstellung einer Liste von Risikoindikatoren:

Kreditinstitute sollten hier

auch zukunftsbezogene finanzielle und

nicht-finanzielle Indikatoren sowie individuelle

Verhaltensmuster von Kunden

berücksichtigen. Hat ein Kunde in

der Vergangenheit seine Kredite immer

vollständig zurückgezahlt, ist davon

auszugehen, dass dies auch in Zukunft

der Fall sein wird.

2. Abgleich der Liste: In der Datenbank

vorhandene Risikodaten werden mit

weiteren externen Informationen,

etwa aus Unternehmensregistern oder

Bonitätsdatenbanken, abgeglichen und

fehlende Informationen ergänzt.

3. Bewertung jedes einzelnen Risikoindikators

unter Berücksichtigung von

bank- und länderspezifischen Regularien,

wie etwa unterschiedliche Steueroder

Insolvenzgesetze.

4. Quantitative Analyse: Die ausgewählten

Risikoindikatoren müssen unter

Berücksichtigung historischer Daten

anhand von Kennzahlen wie beispielsweise

Verzugstage bei Zinszahlungen

analysiert werden.

5. Automatisierung des Bewertungsprozesses:

Mithilfe des eigenen IT-Systems

sollte das Kreditinstitut die erhobenen

Daten genau auswerten und so

drohende Kreditausfälle schnell erkennen.

6. Überprüfung von Prozessen und Systemen:

Regelmäßige Tests sollten dabei

helfen, Prozesse und Risikoindikatoren

permanent zu aktualisieren.

Die Überprüfung von Kreditportfolien ist

für Banken sehr aufwändig und kann je

nach den individuellen Voraussetzungen

zwischen acht und zwölf Wochen dauern.

"Doch der Aufwand lohnt sich, denn er

ermöglicht den Banken, vor der Kreditvergabe

genauer zu wissen, mit welchem

Schuldner sie es zu tun haben", rät Markus

Strietzel. "Spätestens wenn die nächste

Bankenkrise droht, zahlt sich diese

Mühe auf jeden Fall aus."

Autor: www.rolandberger.com

20 Ausgabe 2/2016


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

Private Banking:

Erträge der Vermögenden steigen,

die der Banken nicht

Die im Private Banking verwalteten

Vermögen (Assets under Management,

AuM) sind im vergangenen

Jahr in Deutschland um 9% und in Europa

insgesamt um 7% gestiegen. Dazu

trug die positive Entwicklung an den Kapitalmärkten

bei: In Deutschland kamen

5 %-Punkte der Aufwärtsbewegung von

Kursgewinnen, nur 4 %-Punkte durch

zusätzlich angelegte Kundengelder (Nettomittelzuflüsse).

In Europa stammten 3

%-Punkte der insgesamt 7% aus Kursgewinnen

und 4 %-Punkte aus Mittelzuflüssen.

Dies sind Ergebnisse aus dem neuen

Private Banking Survey von McKinsey &

Company. Die Unternehmensberatung befragte

dafür fast 200 Banken in Europa,

Nordamerika, Asien, Lateinamerika und

dem Mittleren Osten.

Die deutschen Anleger erzielten im Vergleich

zu den Kunden im restlichen Europa

höhere Erträge, da sie mehr Mut zum Risiko

zeigten. 33% der AuM stecken hierzulande

in Aktien gegenüber 29% in Europa;

die Barbestände sind gleichzeitig mit 26

statt 31% Anteil in Deutschland geringer.

Ein Fünftel der verwalteten Vermögen in

Deutschland sind in festverzinsliche Papiere

angelegt. „Angesichts schrumpfender

Umsatzmargen müssen die Banken Antworten

auf die verschärfte Regulierung, die

Digitalisierung und die steigenden Ansprüche

der Kunden finden“, sagte McKinsey-

Seniorpartner Philipp Koch als Co-Autor zur

Vorstellung der Analyse. Die Umsatzmarge

der deutschen Anbieter ist im vergangenen

Jahr von 70 auf 68 Basispunkte (0,68 Prozent

des verwalteten Vermögens) gefallen.

Die Gewinnmarge stagnierte hierzulande

bei 17 Basispunkten, während sie im europäischen

Schnitt 26 Basispunkte erreicht.

Koch: „Europaweit sind die absoluten Erträge

der Institute im Private Banking seit

sechs Jahren jeweils gestiegen und erreichen

jetzt wieder das Vorkrisenniveau von

2007.“

Tiefgreifende

absehbar

Marktveränderungen

Dass die Volumina im Private Banking

auch in den kommenden Jahren kontinuierlich

steigen, ist keineswegs ausgemacht.

Im Gegenteil: „Den Anbietern

bleibt nicht viel Zeit, sich auf die schon

heute absehbaren Veränderungen einzustellen“,

so Experte Philipp Koch. Er

nennt vier entscheidende Trends: Kunden

nehmen die Vermögensverwaltung

zunehmend selbst in die Hand. „Gebühren

und Kosten sind heute transparenter

denn je, daher sollten die Banken ihr

Wertversprechen sehr klar machen können

und sich vom Markt differenzieren“,

so Koch.

Kunden setzen mehr auf digitale Angebote.

Auch im gehobenen Segment sind

Online- und Multichannel-Angebote salonfähig

geworden; die Anbieter müssen

ansprechende Konzepte hierfür bereithalten.

Die Kosten bleiben unter Druck. Regulatorische

Vorschriften, Wettbewerb und

steigende Kundenansprüche erzwingen

eine schlanke und agile Struktur. Koch:

„Die Kostenbasis weiter zu verschmälern,

gehört zu den wichtigsten Themen

der Branche.“

Private Banking erfordert neue Talente.

Anspruchsvollere und digitalaffine Kunden

auf der einen Seite, neue Formate

und Produkte auf der anderen – das verändert

auch die Rollen der Mitarbeiter

im Private Banking. „Die richtigen Mitarbeiter

für das Banking von morgen zu

gewinnen, gehört zu den Kernaufgaben

des Topmanagements“, berichtet Koch.

Weltweit ist eine Verschiebung der Gewichte

im Private Banking zu beobachten.

Das Vermögen der wohlhabenden

Kundenschicht (high net worth, HNW)

Ausgabe 2/2016

21


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

ist in den vergangenen fünf Jahren um

40% auf zuletzt umgerechnet 53 Billionen

Euro gestiegen. Dabei sind aber

deutliche Unterschiede im Wachstum zu

verzeichnen: Ein Drittel des Zuwachses

stammt aus Asien. Dort stieg das Vermögen

um 13,4% jährlich im Vergleich

zu 5,8% in Nordamerika und nur 2,8%

in Westeuropa.

Autor: www.mckinsey.de

Bankkunden fordern digitalen Service

Immer mehr Bankkunden wünschen

sich ein komplett digitalisiertes und

auf ihre individuellen Bedürfnisse

zugeschnittenes Angebot ihrer Bank. Wie

die Umfrage „Privatkundengeschäft der

Zukunft“ der Wirtschaftsprüfungs- und

Beratungsgesellschaft PwC ergab, stehen

für die Mehrzahl der deutschen Kunden der

persönliche Bankberater (77 Prozent), individuelle

Beratung (68 Prozent), ein rund

um die Uhr erreichbarer Kundenservice

(66 Prozent), Mobile Banking-Angebote

(59 Prozent) und sichere Finanz-Apps (52

Prozent), etwa zur Verwaltung von Bankkonten,

ganz oben auf der Prioritätenliste.

Die Banken sind indes stark auf ihren Produktvertrieb

fokussiert. Die Hälfte der Befragten

erklärte, ihre Bank melde sich nur,

wenn sie ein Produkt – und dabei häufig

ihr eigenes – verkaufen will. Rund 44 Prozent

besuchen keine Bankfiliale mehr. Lediglich

19 Prozent sagten, ihre Bank weise

sie regelmäßig auf günstige Angebote von

anderen Instituten hin. Dabei interessieren

sich 44 Prozent der Befragten durchaus

für Angebote von Wettbewerbern –

gut 57 Prozent wären sogar bereit, dafür

etwas zu zahlen. An der repräsentativen

Online-Befragung nahmen 1.048 Bundesbürger,

die älter als 18 Jahre sind, teil.

Hohe Bereitschaft zur Datenanalyse

für individuellen Service

Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung

wird Mobile Banking immer beliebter.

Gut ein Drittel der Deutschen erledigt Bankgeschäfte

bereits über Smartphone, Tablet

oder Smartwatch, ein weiteres Viertel würde

es gerne ausprobieren. Darüber hinaus

sind knapp 60 Prozent der Befragten mit

einer Analyse ihrer persönlichen Daten einverstanden,

um individuelle Angebote zu

erhalten. Knapp 40 Prozent würden ihrer

Bank sogar für eine umfassende Finanzberatung

ihr gesamtes Vermögen offenlegen.

Rund ein Drittel von ihnen würde ihrer

Bank auch nicht-finanzielle Daten etwa

über Beruf, Hobbys oder persönliche Ziele

zur Verfügung stellen. „Die überwältigende

Mehrheit der Bankkunden vertraut ihrer

Bank. Die Bereitschaft, persönliche Daten

offenzulegen, ist durchaus vorhanden. Die

Banken sollten viel stärker in den Dialog

22 Ausgabe 2/2016


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

mit ihren Kunden treten, um deren Produkt-

und Servicewünsche herauszufinden.

Eine fortschrittliche Datenanalyse kann dabei

immens helfen“, sagt Dr. Holger Kern,

Partner bei PwC und Bankenexperte. Als

wichtigste Funktion einer Banking-App

nennen 76 Prozent der Befragten Tipps

zum Steuersparen. Etwa 70 Prozent der

Umfrageteilnehmer erwarten von Finanz-

Apps außerdem Geldspartipps wie aktuelle

Rabattangebote und Hilfe beim Erreichen

der eigenen Sparziele. „Die Banken sollten

sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren und

innovative digitale Serviceleistungen entwickeln,

statt Produkte und Services anzubieten,

die nicht zum Kunden passen.

Eine ‚Kaffee-App‘ benötigt der Kunde nicht

von seiner Bank“, erläutert Daniel Wildhirt,

Bankenexperte bei PwC, der die Befragung

federführend begleitet hat.

Robo Advice wird kein Selbstläufer

Digitale Innovationen wie Robo Advice

können im Privatkundengeschäft bald

eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Zwar haben bislang lediglich vier Prozent

einen Robo Advisor ausprobiert, gut

zwölf Prozent möchten dies aber in den

nächsten Monaten tun. Rund 45 Prozent

nennen eingesparte Beratungsgebühren

als Grund, sich automatisiert online beraten

zu lassen, und ein Drittel der Befragten

wünscht sich, dass ihre Bank

Robo Advice einführt – auch in Kooperation

mit einem anderen Anbieter. Rund 32

Prozent der Befragten würden den Empfehlungen

eines Robo Advisors eher vertrauen

als denen eines Anlageberaters,

da diese auf mathematischen Berechnungen

basieren. „Der Kunde wünscht

sich günstige, rentable und leicht verständliche

Anlageprodukte. Daher wird

der Trend weiter hin zur automatisierten

Anlageberatung gehen. Jedoch wird

Robo Advice kein Selbstläufer: Banken

sollten den Kunden diese Ergänzung zur

Beratung aktiv anbieten und erklären“,

empfiehlt Wildhirt.

Autor: www.pwc.de

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Ausgabe 2/2016

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FinanzBusinessMagazin I BANKEN

Stresstest 2016: EZB erhöht den Druck

auf Bankengeschäftsmodelle -

Europäischen Banken drohen im

Stressfall Kapitallücken

von bis zu 20 Mrd. Euro

Bis zu neun der 51 untersuchten Banken müssten sich

voraussichtlich zusätzliches Kapital beschaffen /

Auch deutsche Banken leiden unter fallenden

Nettozinserträgen bei steigenden Risiken und

regulatorischem Druck

Am 29. Juli hat die European Banking

Authority (EBA) die Ergebnisse des

aktuellen Bankenstresstests veröffentlicht,

in dem 51 der größten europäischen

Banken - davon neun aus Deutschland

- auf ihre Widerstandfähigkeit bei

nachteiligen ökonomischen Bedingungen

wie einer substantiellen Konjunkturabkühlung

oder deutlich sinkenden Immobilienpreisen

getestet wurden. Die Ergebnisse

zeigen, dass Banken unter solchen Stressbedingungen

damit rechnen müssen, im

Schnitt 30% ihres Kapitals im adversen

Szenario zu verlieren. Dadurch fällt die

durchschnittliche harte Kernkapitalquote

(CET1 Ratio) von 14,8% auf 9,5%. Anders

als bei früheren Stresstests haben sich

die Europäische Zentralbank (EZB) und

die EBA jedoch dafür entschieden, keine

allgemeine Mindestkapitalquote vorzugeben.

Stattdessen werden die Ergebnisse

vom Bankenaufseher für den jährlichen

Beurteilungsprozess verwendet, um den

individuell angemessenen Kapitalbedarf

je Bank zu ermitteln. Dr. Philipp Wackerbeck,

Leiter der Financial Services Practice

bei Strategy&, der Strategieberatung von

PwC, erklärt zu den heute veröffentlichten

Ergebnissen und deren Auswirkungen

für Finanzinstitute: "Unsere Analyse der

Stresstestergebnisse deutet darauf hin,

dass sich voraussichtlich bis zu neun von

51 Banken zusätzliches Kapital beschaffen

müssen. Auf europaweit aggregierter Basis

kann bei Eintreten des adversen Szenarios

ein Kapitalbedarf von 16 bis 20 Mrd. Euro

auftreten. Das entspricht einem notwendigen

Anstieg der aktuellen Kapitalausstattung

um ca. 1%." Eine interessante

Beobachtung ist, dass die Ergebnisse der

beteiligten Länder durchaus vergleichbar

sind und es keine Konzentration in Südeuropa

gibt. Italienische Banken haben

beispielsweise im Durchschnitt besser abgeschnitten

als erwartet. Da die Rendite

der europäischen Banken 2015 mit 6,5%

signifikant unter dem Vorkrisenniveau von

15 bis 20% bleibt, ist zu erwarten, dass

die Kapitalmärkte den betroffenen Banken

nur zögerlich zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten

anbieten werden. Das impliziert,

dass höchstwahrscheinlich die bestehenden

Eigenkapitalgeber die Last der

Rekapitalisierung tragen müssen.

Eigenkapitalausstattung

nicht ausreichend

Mit einem durchschnittlichen Rückgang der

harten Kernkapitalquote unter negativen

wirtschaftlichen Rahmenbedingungen um

3,8 Prozentpunkte ist die Auswirkung des

aktuellen Stresstests noch einmal höher

als der Rückgang um 3,3 Prozentpunkte

in 2014. Trotz der daraufhin veranlassten

Stärkung der Kapitalausstattung der Banken,

die über die letzten Jahre in einem

Anstieg der harten Kernkapitalquote von

24 Ausgabe 2/2016


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

11,1% in 2014 auf 13,2% in 2016 resultierte,

wird die bei Eintreten des adversen

Szenarios zu erwartende Kapitallücke mit

16 bis 20 Mrd. Euro signifikant höher ausfallen

als 2014. Damals mussten Banken

lediglich 4,7 Mrd. Euro zusätzliches Kapital

aufnehmen. Erwartungsgemäß stellen

Verluste aus Kreditrisiken, die aus Kreditausfällen

und fallenden Bewertungen

von Sicherheiten bei schwierigen ökonomischen

Rahmenbedingungen resultieren,

den größten Treiber bei den Kapitalauswirkungen

für Banken dar. Die Verluste aus

Kreditrisiken belaufen sich 2016 jedoch

auf ähnliche Werte wie beim vorherigen

Stresstest. Daraus lässt sich ableiten,

dass Banken ihr Risikoprofil im Kreditgeschäft

nicht wesentlich verändert haben.

Tatsächlich ist der durchschnittliche Anteil

notleidender Kredite am gesamten Kreditvolumen

seit dem letzten Stresstest

bei europäischen Banken sogar von 4,8%

auf 4,1% gesunken. Hierbei bilden italienische

Banken die Ausnahme, da diese

immer noch mit der Reduktion ihrer enormen

Anzahl notleidender Kredite in den

Bankbilanzen zu kämpfen haben.

Fallende Nettozinserträge

bei steigenden Marktrisiken

und regulatorischem Druck

"Nach unserer Analyse stammen die erhöhten

Auswirkungen unter Stressbedingungen

neben den Verlusten aus Kreditrisiken

auch von einem sich verschärfenden

Rückgang der Nettozinserträge, einem

stärkeren Einfluss von Marktrisiken sowie

einer fortschreitenden Einführung der

Basel-III-Regularien. Dies spiegelt weitestgehend

die Durchsetzung einer stringenteren

und konservativeren Methodik

für diese Elemente durch die europäischen

Aufseher im diesjährigen Stresstest wider",

sagt Burkhard Eckes, Leiter Banking

& Capital Markets bei PwC. "Auch Banken

in Irland und Spanien haben die Basel-

III-Anforderungen noch nicht ausreichend

in ihren Kapitalpositionen reflektiert, was

zum Teil zu deutlichen Kapitalrückgängen

im Stresstest führt." Die Finanzkrise hat

das Geschäftsumfeld für Banken grundlegend

verändert und stellt noch immer

eine fundamentale strategische Herausforderung

für traditionelle, bilanzintensive

Bankengeschäftsmodelle dar, die stark

von Nettozinserträgen abhängig sind. Angesichts

des aktuellen Niedrigzinsumfelds

und des daraus resultierenden hohen

Drucks auf Nettozinsmargen sind Banken

gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu

überdenken und andere Ertragsquellen zu

erschließen. Dies wird auch in den Stresstestergebnissen

zum Nettozinsertrag

deutlich, die im Durchschnitt mit einem

Einbruch um 6% im Baseline-Szenario

und um 17% im adversen Szenario einen

signifikanten Anstieg der Auswirkung im

Vergleich zu 2014 aufzeigen.

Regulatorischer Druck auf Banken steigt

Laut Wackerbeck enthalten diese Ergebnisse

eine klare Nachricht: "Mit dem

diesjährigen Stresstest erhöhen die europäischen

Aufseher den Druck auf die Banken,

sich zu reformieren. Wir beobachten

in Italien Banken mit einem hohen Anteil

notleidender Kredite in den Bilanzen oder

in Irland und Spanien Geldhäuser mit Ka-

Ausgabe 2/2016

25


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

pitalelementen, die durch Basel III gerade

stufenweise außer Kraft gesetzt werden.

Gleichzeitig erwirtschaften diese Banken

jedoch nur geringe, nichtnachhaltige

Überschüsse - Letzteres gilt insbesondere

auch in Deutschland. Zusätzliches Kapital

aufzunehmen ist schlussendlich aber

nicht ausreichend, um die strukturellen

Probleme der Branche zu lösen, da dieser

Schritt die Kapitalkosten steigert, ohne

zu höheren Einnahmen oder Wachstumsraten

zu führen." Jenseits der Kapitalanforderungen

unterstreicht der Stresstest,

dass Banken ihre Strategie mit Blick auf

das aktuelle ökonomische und regulatorische

Umfeld sowie die zunehmende Konkurrenz

durch Start-ups aus dem FinTech-

Bereich neu bewerten müssen. Banken

sollten ihre Geschäftsmodelle daher konsequent

weiterentwickeln und gezielt in

Innovationen, Produktion und Marketing

investieren, um die Chancen der Digitalisierung

zur Transformation des bisherigen

Geschäftsmodells zu nutzen. Sie sollten

sich darauf fokussieren, ihre Erträge zu

verbessern und gleichzeitig ihre Abhängigkeit

von Zinserträgen zu reduzieren.

Damit würde auch die Widerstandsfähigkeit

gegenüber Stressbedingungen erhöht.

"Reine Kostensenkungsprogramme

reichen wohl nicht aus, um den im Stresstest

zu Tage getretenen strategischen Herausforderungen

zu begegnen. Die europäische

Bankenindustrie muss vielmehr

ihre gesamte Wertschöpfungskette hinterfragen

und wo nötig neu ausrichten.

Wenn die Banken diesen steinigen Weg

nicht konsequent weiter beschreiten, wird

der nächste Stresstest deutlich schlechter

ausfallen", so das Fazit von Wackerbeck.

Autor: www.pwc.de

Studie: So digital sind Banken

im Firmenkundengeschäft

43 Prozent der Institute haben keine Digitalkanäle

abseits von E-Mail

Für 64 Prozent der Unternehmen in

Deutschland gehören moderne Kommunikations-

und Vertriebswege zu

den wichtigsten Kriterien bei der Auswahl

von Dienstleistern. In der Geschäftsbeziehung

mit ihrer Hausbank müssen die Firmen

bisher jedoch Abstriche machen. Ein

sehr gutes Digitalangebot bescheinigt aktuell

weniger als jede zehnte Firma ihrer

Hausbank. Der Grund: Bisher bietet nur

etwas mehr als jedes zweite Institut ihren

Firmenkunden Services über digitale Kanäle

abseits von E-Mail an (57 Prozent).

Eine App hat gerade einmal eine von fünf

Banken im Programm, Videotelefonie weniger

als jede zehnte. Dies sind Ergebnisse

der Studie "Geschäftsbeziehungen

von Firmenkunden zu Banken" der Unternehmensberatung

Kampmann, Berg &

Partner. Für die Studie befragte das Institut

Forsa 200 Geschäftsführer, Vorstände

und Entscheider aus mittelständischen

Unternehmen. Deutsche Firmen treiben

derzeit die Digitalisierung ihres Geschäfts

voran. Der Vertrieb läuft in 46 Prozent der

Unternehmen bereits überwiegend digital

26 Ausgabe 2/2016


BANKEN I FinanzBusinessMagazin

ab, der Kundenservice in 38 Prozent der

Betriebe. Doch nicht nur im eigenen Haus

haben Unternehmen die Bedeutung der

Digitalisierung erkannt: Fast zwei Drittel

der Firmen achten bei der Wahl ihrer

Dienstleister darauf, ob dieser moderne

Kommunikations- und Vertriebswege anbietet.

Bei großen Unternehmen mit 100

bis 250 Millionen Euro Umsatz legen neun

von zehn auf diesen Aspekt wert.

Kein Anschluss unter diesem

Digitalkanal

Ein sehr gutes Digitalangebot bescheinigt

aktuell jedoch weniger als jede zehnte

Firma ihrer Hausbank. Digitale Services

für Firmenkunden sind abseits von E-Mail

bei 43 Prozent der Banken Fehlanzeige.

Selbst über ein Kontaktformular im Online-Banking-Bereich,

seit Jahren Standard

im Privat-kundengeschäft, kann weniger

als jedes zweite Unternehmen ihre

Bank erreichen (43 Prozent). Eine App für

die mobile Kommunikation

bietet gerade einmal jede

fünfte Bank an (19 Prozent),

Chatfunktionen sind ähnlich

rar gesät (17 Prozent).

Über soziale Medien ist nur

jede zehnte Bank für ihre

Geschäftskunden erreichbar

- und auch die viel beworbene

Videoberatung ist mit

sechs Prozent Verbreitung

alles andere als ein etablierter

Kanal. Nach Banktyp differenziert

zeigt sich: Kunden

von Großbanken haben in

Bezug auf das Digitalangebot

besonders hohe Ansprüche,

die aus ihrer Sicht von

den Instituten noch nicht

erfüllt werden. So hat beispielsweise weniger

als jeder zehnte Privatbankkunde

bisher eine Service-App von seiner Hausbank

registriert. Bei den Kunden von Genossenschaftsbanken

gibt jeder Dritte an,

von einer solchen App zu wissen. Überdurchschnittlich

hohe Werte zeigen die

genossenschaftlichen Banken auch beim

Chat (13% im Vergleich zu 6% bei Privatbanken),

Social Media Kanälen (15% zu

9%) und sogar beim klassischen Kontaktformular

(50% zu 41%). "Anwendungen,

die Kunden von genossenschaftlichen

Banken als innovativ wahrnehmen, sind

für Kunden von Großbanken oft nicht mehr

als Standard", sagt Dr. Marc Jochims, Executive

Partner der Unternehmensberatung

Kampmann, Berg & Partner.

Onlinekontakt als wichtiges

Ergänzungsangebot

"Banken mit ausgefeilten digitalen Serviceangeboten

sind ihrer Zeit ein Stück

weit voraus", so Jochims weiter. "Bei

freier Wahl bevorzugen die meisten Entscheider

für Servicefragen noch die klassischen

Kanäle - Telefon, E-Mail und persönlichen

Kontakt, wie die Studie zeigt."

Demnach ist für eine große Mehrheit das

Telefon Kontaktmittel Nummer Eins. E-

Mail und persönlicher Kontakt sind mit

Ausgabe 2/2016

27


FinanzBusinessMagazin I BANKEN

20 beziehungsweise 19 Prozent gleichauf.

Ein Kontaktformular nutzt nur einer von

100 Geschäftskunden, wenn er die Wahl

hat. Jochims begründet diese Zurückhaltung

mit den hohen Ansprüchen, die Geschäftskunden

an Bankdienstleistungen

haben. Sicherheit und individuelle Betreuung

seien dabei das A und O, wie auch die

Studie zeigt. Als Ergänzungsangebot sind

die digitalen Kontaktmöglichkeiten dem

Experten zufolge für Banken aber wichtig,

um vor allem junge Entscheider sowie

Dienstleistungsunternehmen von der

Zukunftsfähigkeit zu überzeugen. Diese

Zielgruppen zeigen sich besonders aufgeschlossen

gegenüber digitalen Kommunikationswegen.

Hier äußerten überdurchschnittlich

viele Teilnehmer in der Studie

den expliziten Wunsch, ihre Hausbank

möge sowohl für Servicefragen als auch

für die Abwicklung von Bankgeschäften

weitere Kommunikationskanäle zur Verfügung

stellen, die sie aktuell noch nicht

bietet. "Beim Aufbau digitaler Servicekanäle

geht Qualität vor Quantität", so Firmenkundenexperte

Jochims von Kampmann,

Berg und Partner. "Besonderes

Augenmerk sollte auf Datenschutzaspekte

und individuelle Betreuung gelegt werden,

so werden digitale Services zum Kontaktangebot

mit echtem Mehrwert."

Autor: www.kampmann-berg.de.

BaFin plant Verbot des Retailvertriebs

von Bonitätsanleihen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beabsichtigt aus Gründen des

Anlegerschutzes, die Vermarktung, den Vertrieb und den Verkauf von Bonitätsanleihen an

Privatkunden zu verbieten. Dazu hat sie die beabsichtigte Allgemeinverfügung im Entwurf

veröffentlicht. Bis zum 2. September 2016 besteht Gelegenheit, dazu schriftlich Stellung

zu nehmen.

Die BaFin plant, den Retailvertrieb

von Zertifikaten zu verbieten, die

sich auf Bonitätsrisiken von Referenzunternehmen

beziehen. „Strukturierte

Produkte, die sich auf Kreditrisiken

beziehen, können für institutionelle Investoren

eine sinnvolle Anlagealternative

sein. In die Hände von Privatkunden gehören

sie aus unserer Sicht aber nicht“,

begründet Exekutivdirektorin Elisabeth

Roegele den Schritt der Aufsicht. „Uns ist

bewusst, dass wir die Zertifikateindustrie

damit vor Herausforderungen stellen“,

sagt Roegele. „Aber gerade weil der Zertifikatemarkt

bei uns in Deutschland einen

hohen Stellenwert hat, dessen Ruf und

Glaubwürdigkeit von zentraler Bedeutung

sind, müssen wir bei einzelnen Produkten

intervenieren.“ Die BaFin habe bei den Bonitätsanleihen

vor allem wegen der hohen

Produktkomplexität erhebliche Bedenken

für den Anlegerschutz. Bei Bonitätsanleihen

sind Kreditrisiken von Referenzunternehmen

ausschlaggebend für Verzinsung

und Rückzahlung des investierten Geldbetrags.

Von besonderer Relevanz ist da-

28 Ausgabe 2/2016


INVESTMENTS I FinanzBusinessMagazin

bei, ob ein Kreditereignis in Bezug auf die

zugrundeliegende Referenzverbindlichkeit

eintreten wird. Privatkunden können

dies in der Regel nicht bewerten. Für sie

ist nicht erkennbar, wie groß die Wahrscheinlichkeit

für die Rückzahlung des

Anlagebetrags ist und ob die Übernahme

des Kreditrisikos durch die Höhe des Zinsversprechens

adäquat vergütet wird. Als

problematisch sieht die BaFin auch das

in der Produktstruktur angelegte Risiko

eines Interessenkonflikts an. Emittenten

sind einerseits Produzenten der Bonitätsanleihen,

die an Privatkunden abgesetzt

werden. Andererseits unterhalten sie aber

auch Geschäftsbeziehungen zu den Unternehmen,

deren Bonitätsrisiken sie in

ihren Produkten zugrunde legen, und treten

etwa selbst als Kreditgeber auf. Die

gängigen Vertragsbedingungen für Bonitätsanleihen

räumen den Emittenten

in diesem Zusammenhang erheblichen

Spielraum ein. Anlegerschutzbedenken

bestehen aber auch darin, dass bereits die

Produktbezeichnung „Bonitätsanleihe“ irreführend

ist. Anders als der Name nahelegt,

handelt es sich dabei nicht um Anleihen

im klassischen Sinne. Der Anleger ist

bei wirtschaftlicher Betrachtung nämlich

gerade nicht (Anleihe-) Darlehensgeber,

sondern übernimmt vielmehr eine ähnliche

Rolle wie ein Versicherungsgeber und

damit das Risiko des Kreditereignisses.

Diese „Rollenverwirrung“ lässt Bonitätsanleihen

bei Privatanlegern fälschlicherweise

als Zinspapiere erscheinen.

Die BaFin hatte in den letzten Monaten untersucht,

inwieweit Bonitätsanleihen aktiv

auch an Privatkunden vertrieben werden

und ob diese ausreichend über die Risiken

aufgeklärt werden. Dabei zeigte sich, dass

Emittenten Bonitätsanleihen gezielt für

den Absatz an Privatkunden produzieren.

Die Auswertung der Beratungsdokumentation

machte deutlich, dass diesen Kunden

die Funktionsweise der Produkte in der

Regel nicht adäquat erklärt wird. Mit dem

Verbot macht die BaFin von ihrer Möglichkeit

zur Produktintervention Gebrauch.

Das Kleinanlegerschutzgesetz führte diese

im Juli 2015 ein. Die Aufsicht kann seitdem

die Vermarktung, den Vertrieb und

den Verkauf bestimmter Finanzprodukte

beschränken oder verbieten, etwa um Anleger

zu schützen (§ 4b Wertpapierhandelsgesetz).

Autor: www.bafin.de

Ausgabe 2/2016

29


FinanzBusinessMagazin I INVESTMENTS

Coller Capital Global Private Equity

Barometer - Summer 2016:

Wachstum des Schattenkapitals wird die Renditen von

Private Equity-Fonds reduzieren

Mittelgroße Limited Partner (LPs)

finden es schwer mit ausreichend

Volumen in ihre ausgewählten

General Partner zu investieren. Anleger

glauben, dass sich der Ruf von Private

Equity allmählich verbessert. In Private

Equity (PE) investierende Limited Partner

hinterfragen den begrenzten Einsatz

von leistungsorientierter Bezahlung in

ihren Einrichtungen. Nach

dem aktuellen von Coller

Capital herausgegebenen

Global Private Equity Barometer

glauben zwei Drittel

der LPs, dass das schnelle

Wachstum von Private

Equity „Schattenkapital“

- direkte Investitionen von

LPs, Co-Investments und

Separate Accounts - die

Renditen von Private Equity-Fonds

verringern wird.

Das Barometer beschreibt

darüber hinaus die Popularität

von Co-Investments,

einer Form des Schattenkapitals,

welches von ungefähr

der Hälfte von Private

Equity-Investoren genutzt

wird: fast zwei Drittel der

LPs berichten, dass ihre Co-

Investments in den vergangenen Jahren

höhere Renditen erzielt haben als ihre Private

Equity-Portfolios im Allgemeinen.

Anleger glauben, dass das aktuelle Investitionsumfeld

schwieriger geworden

ist - fast 70 % der LPs sagen, dass die

Unberechenbarkeit der heutigen globalen

Wirtschaft Investitionsentscheidungen

grundsätzlich schwieriger gestaltet. Dies

hat ihre Begeisterung für Private Equity

jedoch nicht geschmälert - 88 % der LPs

beabsichtigen in den nächsten Jahren ihre

Kapitalzusagen beizubehalten oder zu erhöhen.

„Anleger sehen dabei nicht nur die

kurzfristigen Marktschwankungen“, sagt

Jeremy Coller, CIO von Coller Capital. „In

einer Welt, in der viele Asset-Klassen unvorhersehbar

oder in Schwierigkeiten sind,

glauben sie, dass Private Equity weiterhin

gute langfristige risikoadjustierte Rendite

bringen wird. “Es ist gut zu sehen, dass

Investoren ihre Allokation zu Private Equity

Fonds erhöhen”, sagt Michael Schad,

Partner bei Coller Capital. „Dies ist aber

keine Überraschung, da Private Equity Investoren

langfristig jährlich Nettorenditen

im zweistelligen Bereich erzielt haben.“

Limited Partner sind in den vergangenen

Jahren kritischer geworden - 70 % der LPs

sagen, dass Private Equity-Investoren einzelnen

GPs gegenüber weniger loyal sind

als früher - und dies hat den Wettbewerb

zwischen LPs für die gefragtesten Fonds

30 Ausgabe 2/2016


INVESTMENTS I FinanzBusinessMagazin

verstärkt. Ein verstärkter Wettbewerb erwies

sich für einige Anleger als Herausforderung,

insbesondere für mittelgroße Anleger

- fast 90 % der mittelgroßen Limited

Partner geben an, dass es für sie schwierig

ist, in dem von ihnen gewünschten

Umfang mit ihren ausgewählten Managern

zu investieren. Private Equity-Investoren

glauben das talentierte Investoren innerhalb

ihres Sektors immer mobiler werden;

zwei Drittel der LPs geben an, dass Individuen

eher zu einem anderen LP wechseln

als noch vor fünf Jahren. In diesem

Zusammenhang sind die Ansichten von

Anlegern über die Art und Weise ihrer Bezahlung

interessant. Über die Hälfte der

LPs glauben, dass ein leistungsbezogenes

Element hinzugefügt werden oder einen

größeren Teil ihrer Vergütung ausmachen

sollte.

Der Ruf von Private Equity

Nach Aussagen von Anlegern verbessert

sich der Ruf der Asset-Klasse allmählich.

Im Vergleich zu 55 % der LPs im Barometer

von 2012 glauben zwei Drittel der

LPs, dass der Ruf von private Equity nun

neutral bzw. gut ist. Ermutigend ist, dass

44 % der Anleger, die Private Equity einsetzen

der Meinung sind, dass die Industrie

einen besseren Ruf verdient, als sie es

derzeit hat.

Anlagen und Renditen

Ein Viertel der LPs plant ihre Zielzuweisungen

an Hedge-Fonds zu reduzieren.

Sie planen jedoch, alles in allem, ihre Allokation

zu anderen alternativen Assetklassen

zu steigern - rund ein Drittel der

LPs plant ihre Allokation zu Private Equity,

Infrastruktur und Immobilien zu steigern.

LPs erzielen weiterhin attraktive Renditen

aus Private Equity - 87 % der LPs erzielten

jährliche Nettorenditen von über

11 % über die gesamte Lebensdauer ihrer

Private Equity-Portfolios, und ein Fünftel

erzielte Nettorenditen von über 16 %. Ein

Drittel der LPs erzielte Nettorenditen von

über 16 % aus nordamerikanischen Übernahmen

und über ein Viertel der LPs erzielte

ähnliche Renditen aus europäischen

Übernahmen. Anleger sagen, dass sie erwarten,

dass die von Private Debt Fonds

erzielten Renditen in den nächsten 3 - 5

Jahren zurückgehen werden.

Die Aussichten für Private

Equity-Märkte in Industrie- und

Entwicklungsländern

LPs erwarten, dass sich die Bedingungen

für Private Equity in den nächsten Jahren

allmählich verbessern werden und dass in

Nordamerika und Europa 2017 ein stärkeres

Jahr sein wird als 2016. Dieses Jahr

wird allgemein angenommen, dass die

Bedingungen in Nordamerika schwieriger

sind als in Europa - zwei Fünftel der Anleger

geben an, dass sie 2016 in Nordamerika

als schwächer als durchschnittliche

Jahre ansehen. Anleger verfolgen ähnliche

Strategien für nordamerikanisches und

europäisches privates Beteiligungskapital.

Als Gruppe planen sie ihre Allokation gegenüber

großen Buyouts etwas zu verringern

und ihr Exposure in kleine und mittelständische

Buyouts, Wachstumskapital

und Private Debt zu erhöhen. In Private

Equity-Märkten ist Asien ein beliebtes Ziel

für Anleger. Über die Hälfte von LPs haben

eine Exposition gegenüber chinesischem

Private Equity und ein Viertel dieser Gruppe

plant seine Anlagen zu erhöhen. Zwei

Fünftel der LPs haben eine Allokation zu

Südostasien und Indien und 17 % dieser

LPs planen ihre Zusagen in diesen Regionen

aufzustocken. Obwohl nur knapp

über ein Zehntel der Limited Partner derzeit

eine Private Equity-Allokation zu Afrika

hat, plant ein Drittel dieser Gruppe seine

Anlagen zu erhöhen.

Autor: www.collercapital.com

Ausgabe 2/2016

31


FinanzBusinessMagazin I INVESTMENTS

Studie: Boom bei Beteiligungskäufen

im Mittelstand / Private Equity-Häuser

erwarten auch 2016 starke Zuwächse

Die Beteiligungsbranche plant umfassende

Investitionen in mittelständische

Unternehmen in

Deutschland. Während sich die Marktentwicklung

bei großen Deals eingetrübt hat,

sind die PE-Häuser optimistisch, auch im

laufenden Jahr 2016 bei Mid-Cap-Deals

mit einem Volumen von etwa 20 Millionen

Euro auf hohem Niveau zuzulegen. Dabei

hält der Trend zur Buy- and Build-Strategie

an: Neben Eigenkapital

bringen die PE-

Gesellschaften Branchenexpertise

und

unternehmerisches

Know-how ein, um

ihre Beteiligungen

zum Erfolg zu führen.

Das ergibt die

bereits zum 10. Mal

durchgeführte Studie

zur deutschen Beteiligungsbranche

von

Rödl & Partner. Im

Branchenfokus liegen

Unternehmen aus den Bereichen Automotive

sowie Maschinen- und Anlagenbau

vor der IT- und Gesundheitsbranche.

„Der Private Equity-Markt boomt. Einziges

Handicap für die Investoren ist die niedrige

Zahl verkaufswilliger Unternehmen",

erklärt Partner Jochen Reis von Rödl &

Partner Eschborn, der die Studie durchgeführt

hat. „Deutsche Mittelständler sind

weltweit begehrt. Wer sein Unternehmen

verkaufen will, ist in der komfortablen

Lage, sich den Käufer auszusuchen. Dabei

fällt die Wahl vor allem auf PE-Häuser, die

eine klare Perspektive aufzeigen, das Unternehmen

fortzuführen und in künftiges

Wachstum zu investieren." Entscheidend

für die Verkaufsentscheidung an eine Beteiligungsgesellschaft

ist immer häufiger

deren unternehmerisches Engagement.

„Der eindeutige Trend geht zur Buy- and

Build-Strategie. Mit ihr können PE-Häuser

auch bei hohen Kaufpreisen noch eine gute

Rendite erzielen", betont Björn Stübiger,

Leiter des Bereichs Corporate Finance und

M&A bei Rödl & Partner. „Das gilt besonders

beim Verkauf zur Lösung der Nachfolge.

Die Unternehmer suchen Käufer

ihres Lebenswerks gezielt danach aus, ob

sie neben Kapital auch Branchenexpertise

und operative Erfahrung einbringen."

Gebremst wird die

Entwicklung des PE-

Marktes durch die

Preisspirale und die

niedrigen Zinsen.

„Viele Beteiligungskäufe

scheitern auch

im Mittelstand an den

zu hohen Kaufpreisvorstellungen.

Die

Unternehmen haben

keinen Druck zu verkaufen.

Denn eine

Unternehmensbeteiligung

erzielt aktuell

eine weitaus höhere Rendite als die Anlage

des Verkaufserlöses", so Stübiger.

„Es erweist sich auch nicht als hilfreich,

dass so viel Kapital bereit steht. Das hat

die Begehrlichkeiten auf Verkäuferseite

wachsen lassen." Wichtiger Treiber bei

der Aufnahme von Beteiligungskapital ist

die internationale Expansion deutscher

Unternehmen. Hier haben global aufgestellte

PE-Häuser die Nase vorn. „Kapitalgeber

aus dem anglo-amerikanischen

Raum erleichtern mit ihrem Netzwerk den

Einstieg in ausländische Märkte", betont

Reis. „Zwar ist die Konkurrenz durch strategische

Investoren, insbesondere aus

Asien, sehr stark. Aber die USA sind außerhalb

der Europäischen Union nach wie

vor der wichtigste Markt für deutsche Unternehmen.

Zur Finanzierung der Expansion

in den Vereinigten Staaten sind amerikanische

PE-Investoren die erste Wahl."

Autor: www.roedl.de

32 Ausgabe 2/2016


INVESTMENTS I FinanzBusinessMagazin

Aktienrenditen:

Stärkster Wertzuwachs seit der

Finanzkrise

BCG-Studie ermittelt durchschnittliches

Wachstum von 12 Prozent

pro Jahr - Hauptgewinner am Aktienmarkt

sind US-Firmen und die Pharma-

und Medienbranche - Continental

beste deutsche Aktie mit 33 Prozent

durchschnittlicher Aktienrendite pro Jahr

Die globalen Top-Unternehmen haben in

den vergangenen fünf Jahren überdurchschnittlich

viel Wert für ihre Aktionäre

geschaffen – trotz hoher Volatilität der

Märkte und schwacher Weltkonjunktur.

Zwischen 2011 und 2015 legten die weltweit

führenden börsennotierten Unternehmen

im Durchschnitt um 12 Prozent

Aktienrendite pro Jahr zu. Die zehn Bestplatzierten

unter den Unternehmen mit

der höchsten Marktkapitalisierung (sogenannte

Large-Caps) erreichten sogar eine

durchschnittliche Aktienrendite zwischen

35 Prozent und 75 Prozent pro Jahr. Zu

diesem Ergebnis kommt der Value Creators

Report 2016 der Boston Consulting

Group (BCG). Die seit 1999 jährlich veröffentlichte

Studie weist eine Rangliste der

global führenden wertschaffenden Unternehmen

aus. "Diese Entwicklung der Aktienrenditen

ist ein historischer Rekord",

sagt Frank Plaschke, Partner bei BCG und

Experte für Corporate-Development. "Angesichts

der Turbulenzen an den Aktienmärkten

und der zunehmenden weltwirtschaftlichen

Unsicherheit entspricht das

Ergebnis nicht den gängigen Erwartungen.

Es zeigt vielmehr: Unternehmen, die

nachhaltig gut wirtschaften, können auch

in einem schwierigen Marktumfeld einen

überdurchschnittlichen Wertzuwachs erzielen."

Die BCG-Rangliste 2016 basiert

auf einer Analyse von rund 2000 führenden

globalen Unternehmen aus 28 Branchen.

Die Wertsteigerung wurde anhand

der durchschnittlichen Aktienrendite im

Zeitraum von 2011 bis 2015 gemessen;

die Aktienrendite setzt sich zusammen

aus dem Dividendenertrag und dem Kursgewinn

einer Aktie. Die 200 Unternehmen

mit einer Marktkapitalisierung von jeweils

mindestens 44 Milliarden US-Dollar, die

den größten Wert schufen, fassten die

BCG-Experten in einer Rangliste der globalen

Large-Caps zusammen.

Pharma-/Biotechnologie- und Medienbranche

gewinnen

US-Unternehmen belegen 7 der Top-

10-Plätze unter den Large-Caps. Die Gewinnerbranchen

sind Pharma- und Biotechnologie

sowie Medien. Am meisten

Grund zur Freude hatten Anleger beim

US-Konzern Regeneron Pharmaceuticals:

Der Erstplatzierte brachte seinen Anlegern

seit 2011 rund 75 Prozent Aktienrendite

pro Jahr ein. Der Zweitplatzierte, Allergan,

brachte es immerhin auf rund 43 Prozent

durchschnittliche Wertschaffung. Ähnlich

zufrieden dürften die Anteilseigner von

Medienunternehmen sein. Das südafrikanische

Medien- und Verlagshaus Naspers

(Platz 4), der chinesische Social-Media-

Spezialist Tencent (Platz 7) und das Internet-TV-Netzwerk

Netflix (Platz 8) glänzten

ebenfalls mit Spitzenwerten. "Viele Unternehmen

aus Pharma und Medien haben

in den vergangenen Jahren ihre Portfolios

bereinigt, innovative Entwicklungen vorangetrieben

und vor allem frühzeitig in

die Digitalisierung von Prozessen und Produkten

investiert. Das zahlt sich bereits

jetzt durch eine überdurchschnittliche

Umsatz- und Gewinnentwicklung aus", erläutert

Frank Plaschke.

Continental ist beste deutsche Aktie

Die beste Aktienentwicklung in Deutschland

hat die Continental AG erreicht. Der

Autozulieferer schaffte es mit 33 Prozent

Aktienrendite pro anno auf Rang 12 der

Large-Caps. Im branchen- und größenübergreifenden

Vergleich deutscher Bör-

Ausgabe 2/2016

33


FinanzBusinessMagazin I INVESTMENTS

senunternehmen führt mit Abstand der

Pharma- und Laborausrüster Sartorius,

der eine mittlere Aktienrendite von 64

Prozent pro Jahr erwirtschaftet hat.

Umsatzwachstum als entscheidender

Faktor nachhaltiger Aktienrendite

Die BCG-Experten ermittelten sechs fundamentale

Werttreiber für die Aktienrendite:

Umsatzwachstum, Gewinnmarge,

Dividende, reduziertes Aktienvolumen,

Schuldenabbau und gestiegene Börsenbewertung.

Als entscheidender Faktor

für nachhaltig steigende Gewinne kristallisiert

sich das Umsatzwachstum immer

stärker heraus, wenn dieses profitabel

ist. Bei einigen Unternehmen lässt sich

die Aktienrendite allerdings vor allem auf

gestiegene Börsenbewertungen zurückführen.

"Steigende Bewertungen bedeuten,

dass Anleger weiter steigende Erträge

erwarten. Die Gefahr einer künftigen

Aktienblase darf man dabei nicht außer

Acht lassen", so Frank Plaschke. "Langfristige

Anleger sollten immer die verschiedenen

Werttreiber im Auge behalten. Sich

in seiner Anlagestrategie nur auf ein oder

zwei Faktoren zu konzentrieren, kann zu

ungewollten Überraschungen führen."

Autor: www.bcg.de

ETF-Markt dürfte sich bis 2021

abermals verdoppeln

Allein in Europa könnten die verwalteten

Vermögen von derzeit

500 Milliarden Euro auf rund 1,6

Billionen Euro steigen, zeigte eine PwC-

Studie / Robo-Advisor gelten unter inzwischen

als zweitwichtigster Wachstumstreiber

/ Der steigende Druck der

Regulierer auf das Provisionsmodell

dürfte den Anbietern weiteren Zulauf

bescheren / PwC-Experte Hammer:

„Der Triumphzug des ETFs ist nicht aufzuhalten.“

Der Triumphzug börsengehandelter Indexfonds

(ETFs) ist nicht aufzuhalten.

Befeuert von neuen Investmenttrends

wie Robo-Advisory und dem tendenziell

günstigen regulatorischen Umfeld dürfte

sich der 3,2 Billionen Dollar schwere globale

ETF-Markt in den kommenden fünf

Jahren abermals verdoppeln, zeigt eine

Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungsgesellschaft

PwC.

Ein besonders starkes Wachstum erwarten

Fachleute für Europa. Hier könnte

das verwaltete Vermögen von rund 500

Millionen Dollar bis 2021 auf 1,6 Billionen

Dollar steigen. Für die Studie sprach PwC

mit Managern von 60 der größten ETF-

Emittenten weltweit. Die befragten Unternehmen

decken mehr als 80 Prozent

des globalen Marktvolumens ab.

Warum „Robo-Advisory“

den ETF-Anbietern nutzt

„Sowohl unter Privatanlegern als auch

unter institutionellen Investoren ist

die Nachfrage nach ETFs ungebrochen

– und alles spricht dafür, dass dieser

34 Ausgabe 2/2016


INVESTMENTS I FinanzBusinessMagazin

Trend in den nächsten Jahren anhalten

oder sich sogar noch einmal verstärken

wird“, sagt Markus Hammer, Leiter der

Bereichs Asset and Wealth Management

bei PwC in Deutschland. „Eine Schlüsselrolle

könnte dabei unserer Studie zufolge

den sogenannten Robo-Advisorn

zufallen.“ Diese neuartigen Tools, die

aus der Fintech-Szene stammen, aber

inzwischen auch bei vielen Banken zum

Einsatz kommen, stellen Anlegern in automatisierter

Form das für sie passende

Portfolio zusammen. Die meisten Robo-

Advisor greifen dabei auf ETFs zurück.

Laut Studie könnten die Anlageroboter

zumindest im europäischen Retailmarkt

schon bald zum zweitwichtigsten

Wachstumstreiber avancieren. Lediglich

ein Thema sieht die Branche momentan

als noch relevanter an – nämlich die allgemeine

Finanzbildung.

Smart-Beta-Fonds sind erst

der Anfang

Eine entscheidende Rolle spielt der Umfrage

zufolge auch die weitere Ausdifferenzierung

der Produktpalette. Ursprünglich

dienten ETFs in erster Linie

dazu, bestimmte Aktienindizes wie den

Dax, den EuroStoxx 50 oder den MSCI

World abzubilden. Längst lassen sich mit

Exchange Traded Funds aber auch komplexere

Investmentstrategien verfolgen.

Ein Beispiel sind ETFs, die beispielsweise

gezielt in Aktien von Unternehmen investieren,

die hohe Dividenden ausschütten

oder ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum

ausweisen.

„Diese sogenannten Smart-Beta-Fonds

bescheren vielen Anbietern momentan

hohe Zuflüsse“, sagt Hammer. „Unsere

Studie allerdings zeigt, dass die

Produktentwicklung damit noch lange

nicht am Ende ist. Das größte Wachstumspotenzial

in Europa dürften in den

kommenden Jahren ETFs haben, die in

festverzinsliche Anlagen investieren. Ein

anderes großes Thema werden aktiv gemanagte

Indexfonds. Diese relativ neue

Produktkategorie soll die Brücke schlagen

zwischen ETFs einerseits und klassischen

Investmentfonds andererseits.“

Eine starke Marke ist wichtiger als

der „Track Record“

Am stärksten vom ETF-Boom dürften

auch in den kommenden Jahren jene Anbieter

profitieren, die schon seit Jahren

am Markt sind und über einen entsprechenden

Bekanntheitsgrad verfügen. So

meinten 60 Prozent der Umfrageteilnehmer,

zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren

in der Branche gehöre ein eingeführter

Markenname. Dahinter folgte mit 42

Prozent der Zugang zu institutionellen

Investoren – während „Track Record“

(38 Prozent) und „niedrige Kosten“ (35

Prozent) lediglich im Mittelfeld landeten.

Spannend wird zu beobachten sein, wie

sich die zunehmende Regulierung der Finanzbranche

in den kommenden Jahren

auf die ETF-Anbieter auswirken wird.

Ein Beispiel ist die europäische „MiFID II“-

Richtlinie, die Anfang 2018 in Kraft treten

soll. Durch sie dürfte sich der Druck

auf provisionsgestützte Vertriebsmodelle

weiter erhöhen – was ETFs aufgrund ihrer

vergleichsweise niedrigen Gebühren zupass

kommen könnte. Immerhin 50 Prozent

der befragten Branchenmanager gaben

an, dass „MIFID II“ beziehungsweise

der parallel in Großbritannien durchgeführte

„Retail Distribution Review“ (RDR)

„tendenziell positive Folgen“ auf die ETF-

Branche hätten. 13 Prozent sprachen sogar

von „signifikant positiven Folgen“,

während die übrigen Teilnehmer meinten,

für eine abschließende Bewertung sei es

noch zu früh.

Autor: www.pwc.de

Ausgabe 2/2016

35


IMMOBILIEN I FinanzBusinessMagazin

Preisboom auf den Wohnungsmärkten

Der Mietpreisanstieg auf dem Wohnungsmarkt

in den acht von JLL

untersuchten Städten*, Berlin,

Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln,

Leipzig, München und Stuttgart hat sich

im ersten Halbjahr 2016 weiter beschleunigt.

Über alle Städte hinweg ist in diesen

ersten sechs Monaten (gegenüber H1

2015) mit einem Plus von 6 % der stärkste

Mietpreiszuwachs in einem Jahresvergleich

seit Beginn der Untersuchung

in 2004 zu notieren, er reicht in den einzelnen

Städten von 4 % bis 7 %. Seit

2004 beträgt der Mietpreisanstieg in den

Städten damit insgesamt zwischen 21 %

(Köln) und 59 % (Berlin). Die Dynamik bei

den Kaufpreisen für Eigentumswohnungen

hält ebenfalls an: die hohen Wachstumsraten

der vorherigen Halbjahre wurden in

sechs Städten übertroffen. Nur Berlin und

Leipzig blieben hier außen vor. Der Kaufpreisanstieg

in den ersten sechs Monaten

gegenüber 2004 erreicht damit eine Spanne

von 54 % (Köln) bis 104 % (Berlin)

– ohne Leipzig, das lediglich um 2 % zulegte.

Dort hatte nach dem ersten Boom

infolge der Wiedervereinigung die Nachfrage

wieder deutlich nachgelassen.

Den höchsten Anstieg bei den angebotenen

Mietpreisen** im ersten Halbjahr

2016 gegenüber dem Vergleichszeitraum

des Vorjahres verzeichnete mit einem

Plus von rund 8 % Düsseldorf, gefolgt

von Leipzig (7 %). In Köln, Hamburg,

München, Berlin und Stuttgart bewegte

sich der Anstieg auf Jahressicht zwischen

5 und 6 %. Frankfurt bildet das Schlusslicht

mit + 4 %. „In allen Städten außer

Frankfurt und Stuttgart liegen den aktuellen

Entwicklungen stark steigende Preise

im Neubauangebot zugrunde, die in

der Regel hochwertiger und damit teurer

als Wohnungen aus dem Bestand sind“,

so Roman Heidrich, bei JLL Team Leader

Residential Valuation Advisory Berlin.

Und weiter: „Die Steigerungsraten für Bestandsmieten

liegen in den untersuchten

Städten zwischen 1 und 3 Prozentpunkten

niedriger, aber mit 3 bis 7 % auf Jahressicht

immer noch deutlich über dem

Trendverlauf der Vorjahre. Damit lässt

sich zugleich in keinem der untersuchten

Wohnungsmärkte die Wirksamkeit der

Mietpreisbremse beobachten. Unbeeindruckt

vom verfehlten Regulierungsinstrument

steigen die Mieten aufgrund des

deutlichen Nachfrageüberhangs weiter.“

Stärker als im letzten Halbjahr zugelegt

haben auch die Angebots-Kaufpreise für

Eigentumswohnungen**. Bis zur Jahresmitte

verteuerten sie sich in Leipzig mit

über 20 % im Jahresvergleich am stärksten.

Nicht viel weniger sind es in Stuttgart;

die schwäbische Landeshauptstadt

kommt auf 17 %. Zweistellig im Plus bewegen

sich die Angebotspreise auch noch

in München (13%) und Köln (10 %).

Durchaus kräftig ist die Zunahme in Berlin

(9%), Frankfurt (6 %) und Düsseldorf

(5 %), moderat in Hamburg mit einem

Plus von 2%. „Gegenläufig zum Mietmarkt

sind bei den Eigentumswohnungen

in sechs der untersuchten Städte höhere

Preissteigerungsraten für Bestandswohnungen

als im Neubausegment zu beobachten“,

so Sebastian Grimm, bei JLL

Team Leader Residential Valuation Advisory

Frankfurt. Grimm weiter: „Die preisliche

Schere zwischen Bestands- und

stark zunehmenden Neubauangeboten

hatte sich über die letzten Jahre immer

Ausgabe 2/2016

37


FinanzBusinessMagazin I IMMOBILIEN

weiter geöffnet. Teilweise erreicht der Anteil

des Neubaus schon 40 % aller Angebote.

Deren Preise haben ein Niveau erreicht,

das potentielle Käufer sich wieder

vermehrt Bestandswohnungen zuwenden

lässt. Die Folge: mittlerweile haben auch

hier die Preise stark zugelegt.“

Untersuchungsergebnisse

für die einzelnen Städte im Überblick:

Alle untersuchten Städte zeigen hohe

Mietpreisanstiege im 1.Halbjahr 2016

München bleibt die mit Abstand teuerste

Stadt: die Angebotsmieten legten auf

Jahressicht um 6,2 % auf 16,90 Euro/

m²/Monat zu. Günstiger wird es für Hessens

Wohnungssuchende: Frankfurt verzeichnete

trotz des spürbaren Anstiegs

von 4,3 % auf 13,30 Euro/m²/Monat die

schwächste Dynamik der untersuchten

Städte, liegt im Angebotspreis aber nach

wie vor vor Stuttgart (12,55 Euro/m²/

Monat). Dessen Zuwachs (5,2%) wird

getoppt von Hamburg, wo sich die Mieten

nach sieben Halbjahren der Stagnation

zum ersten Mal wieder kräftig nach oben

bewegt haben. Sie verteuerten sich auf

Jahressicht um +6,3 % auf 11,50 Euro/

m²/Monat.

Mit dem gleichen Plus erfuhr Köln seinen

stärksten Anstieg seit Beginn der Zeitreihe

in 2004. Mit einer Angebotsmiete von

10,55 Euro/m²/Monat wird Düsseldorf

beim Angebotsmietpreis (10,35 Euro/m²/

Monat) übertroffen – dies trotz dessen

kräftigsten Steigerung unter den untersuchten

Städten von 7,6 %. Vergleichsweise

günstig bleibt die Hauptstadt.

Nachdem 2015 der Aufwärtstrend etwas

nachgelassen hatte, zeigen die Auswertungen

für das erste Halbjahr auf Jahressicht

eine Wachstumsrate von 5,4 % auf

9,55 Euro/m²/Monat. In Leipzig setzte

sich der Anstieg der Mieten der letzten

Halbjahre fort: mit einem deutlichen Plus

von 6,9 % gegenüber dem Vergleichszeitraum

des Vorjahres liegen die Medianmieten

mittlerweile bei 6,20 Euro/m²/Monat.

„Die Nachfrage bleibt der wesentliche Treiber

der Mietpreise. Der Neubau hat sich in

den Großstädten erhöht, droht nun aber

vielerorts zu stagnieren, wie aktuelle Baugenehmigungszahlen

belegen. Nur eine

Angebotsausweitung hilft gegen weitere

Mietpreisanstiege, auch wenn dadurch das

Angebot teurerer Mietwohnungen an sich

ansteigt. Durch Umzug aus Bestandwohnungen

in einen Neubau machen darüber

hinaus Wohnungen im mittleren Preissegment

im Wohnungsbestand verfügbar“, so

Heidrich.

Eigentumswohnungen in München

viermal so teuer wie in Leipzig

In allen untersuchten Märkten geht die

Preisspirale weiter nach oben. Dabei verzeichneten

Leipzig, Stuttgart und München

im ersten Halbjahr die höchsten

Preisanstiege. „Der Aufwärtstrend auf den

Märkten für Eigentumswohnungen ist ungebrochen.

Weiter angetrieben von den

günstigen Finanzierungsmöglichkeiten

und einem Angebot in den Großstädten

unterhalb der Nachfrage steigen die Preise

wieder wie in den Boomjahren 2012

und 2013. Der zunehmend preisbedingten

Umlandwanderung stehen genügend zahlungskräftige

Kaufinteressenten gegenüber,

die die Preisentwicklung antreiben“,

so Sebastian Grimm.

Wer eine Wohnung kaufen will, muss in

München am tiefsten in die Tasche greifen.

6.490 Euro/m² werden im Mittel für

einen Quadratmeter aufgerufen und damit

auf Jahressicht 12,5 % mehr. Alle

anderen Städte liegen weit unter den

Angeboten der Isarmetropole. Nach einer

kurzen Stagnation sind die Preise in

Frankfurt um 5,5 % auf 4.210 Euro/m²

38 Ausgabe 2/2016


IMMOBILIEN I FinanzBusinessMagazin

gestiegen. Weiter kräftig zulegt haben

sie in Stuttgart: dort betrug der Zuwachs

16,8 % auf 3.900 Euro/m². „In den letzten

Jahren führte ein überproportional

zunehmender Zuwachs an Einwohnern

bei viel zu geringem Neubau zu einer

Preiserhöhung von durchschnittlich 15 %

pro Jahr. Auch im Bestand haben sich

die Preise deutlich verteuert“, so Grimm.

3.880 Euro/m² kostet im Durchschnitt

eine Eigentumswohnung in Hamburg. Es

ist unter den acht Städten mit 2,4 % der

moderateste Anstieg. Mit einem Plus von

5,2 % auf Jahressicht setzte sich der Aufwärtstrend

des letzten Jahres in Düsseldorf

fort. In der nordrhein-westfälischen

Landeshauptstadt muss im Mittel mit

Kaufpreisen von 3.320 Euro/m² gerechnet

werden. Düsseldorfs Kaufpreisniveau hat

zum ersten Mal die Hauptstadt erreicht,

bei 9,9 % lag die Steigerung in Berlin. Köln

blieb, im Gegensatz zum Mietwohnungsmarkt,

bei den Kaufpreisen hinter Düsseldorf

– dies trotz eines Plus von 9,3% auf

3.100 Euro/m². Den mit knapp über 20 %

höchsten Anstieg aller acht von JLL untersuchten

Städte verzeichnete der nach wie

vor mit Abstand preiswerteste Markt: In

Leipzig konnten sich Kaufwillige im Mittel

für 1.620 Euro/m² eine Eigentumswohnung

zulegen.

Autor: www.jll.de

Brexit: Immobilienbranche

rechnet mit Verstärkung

des Immobilienbooms in Deutschland

Zu den Hauptprofiteuren des Brexit-

Votums der britischen Wähler werden

nach Ansicht der Immobilienbranche

der deutsche Immobilienmarkt

und der Finanzplatz Frankfurt zählen: In

einer aktuellen Befragung von Immobilienmarktakteuren

gaben 57 Prozent an,

dass sie mit positiven Folgen für den Immobilienmarkt

in Deutschland rechnen.

Sowohl die Transaktionsvolumina als auch

die Kauf- bzw. Mietpreise werden nach

Meinung der Mehrheit der Befragten steigen.

Das betrifft insbesondere den Standort

Frankfurt, wo sogar nach Ansicht von

86 Prozent der Befragten die Preise für

Wohnimmobilien weiter steigen werden.

79 Prozent rechnen mit steigenden Preisen

für Büroimmobilien. Grund für diese Einschätzung

dürfte die zukünftig steigende

Bedeutung Frankfurts als Finanzplatz

sein: 72 Prozent der Befragten erwarten,

dass der Finanzplatz Frankfurt am meisten

von einem Austritt des Vereinigten

Königreiches aus der EU profitieren wird.

Ausgabe 2/2016

39


FinanzBusinessMagazin I IMMOBILIEN

Dublin liegt mit 13 Prozent auf dem zweiten

Platz, Paris wird nur von sechs Prozent

als Profiteur eines Brexits gesehen.

Das sind die Ergebnisse einer Online-

Befragung von 555 deutschen Immobilienmarktteilnehmern,

die von EY Real

Estate durchgeführt wurde.

Die Folgen eines Brexits für das eigene Unternehmen

sind für die Branche allerdings

noch weitgehend unklar: Jeweils etwa ein

Fünftel der Befragten sehen vor allem positive

bzw. negative Auswirkungen, ein

weiteres Fünftel sieht keine Relevanz für

das eigene Geschäft. Immerhin 40 Prozent

sehen sich hingegen derzeit außerstande,

die Auswirkungen zu bewerten.

Insbesondere die befragten Finanzierer

(52 %) können die Folgen für ihr Unternehmen

noch nicht einschätzen. Insgesamt

wird aber das zukünftige Geschäft

im Vereinigten Königreich (UK) – unabhängig

vom Sitz des Unternehmens – derzeit

neubewertet. Nur ca. ein Drittel der

Unternehmen ohne Hauptsitz in UK plant

eine Fortführung ihrer Aktivitäten in UK

auf bisherigem Niveau. „Bei einem großen

Teil der Befragten scheint die zukünftige

Geschäftsausrichtung zum gegenwärtigen

Zeitpunkt noch nicht absehbar zu sein“,

sagt Christian Schulz-Wulkow. Er ist Partner

und Leiter des Immobiliensektors bei

EY Real Estate in Deutschland, Österreich

und der Schweiz und verantwortet die

Studie.

Deutscher Immobilienmarkt

wird positiv gesehen

Immobilieneigentümer in Deutschland

dürften in weiten Teilen vom Brexit profitieren.

Jeder zweite Befragte ist demnach

überzeugt, dass Mieten und Kaufpreise

in Deutschland steigen werden. Negative

Brexit-Effekte auf Mieten, Kaufpreise,

Transaktionsvolumina und Finanzierungskosten

in Deutschland erwarten im Durchschnitt

aller Befragten nur 10 bis 15 Prozent.

Auch die Finanzierungskonditionen

in Deutschland bleiben nach

Ansicht von etwa 70 Prozent

der Befragten stabil. „Es

deutet sich an, dass internationale

Investoren, die vorerst

nicht mehr in London

investieren möchten, noch

stärker auf den deutschen

Immobilienmarkt drängen

werden“, kommentiert

Schulz-Wulkow. Die Ergebnisse

der Umfrage deuten

darauf hin, dass Frankfurt in

den kommenden Jahren davon

profitieren könnte. Die

ohnehin sehr hohe Bankenpräsenz,

der Sitz der Europäischen

Zentralbank und

die sehr gute Verkehrsanbindung

dürften dabei eine

Rolle spielen.

Autor: www.ey.com

40 Ausgabe 2/2016


IMMOBILIEN I FinanzBusinessMagazin

Nachfrage nach Büroflächen

europaweit höher als das Angebot

Dem aktuellen European Offices

Market Report des internationalen

Immobiliendienstleistungs-Unternehmens

Savills zufolge wurde die Büroflächennachfrage

in Europa im 1. Quartal

2016 durch den Mangel an hochwertigem

Angebot beeinträchtigt. Dabei wird sich

auch der prognostizierte Anstieg der Neubautätigkeit

um 22 % in den meisten Städten

kaum auswirken.

Der Büroflächenumsatz in Europa summierte

sich im 1. Quartal 2016 auf insgesamt

1,75 Mio. m² und liegt damit annähernd

auf Vorjahresniveau. Geringe

Neubautätigkeit bei gleichzeitig hohem Flächenumsatz

haben in den meisten Städten

das Angebot zum Erliegen gebracht. Lediglich

Warschau (+ 180 Bp. ggü Q1 2015),

Kopenhagen (+ 20 Bp.) und London West

End (+ 10 Bp.) verzeichneten einen Anstieg

des Flächenangebots. Der Büroflächenumsatz

des 1. Quartals 2016 ist vor allem auf

Unternehmensexpansionen zurückzuführen,

womit sich der Nachfragezuwachs im

kleinteiligen bzw. mittleren Flächensegment

in diversen Städten erklären lässt.

Durch einen Rückgang des Flächenfertigstellungsvolumens

um 16 % in 2015 bei

gleichzeitig dynamischer Vermietungstätigkeit

in den vergangenen 12 Monaten ging

der verfügbare Flächenbestand drastisch

zurück. Auf Basis der aktuellen Projektentwicklungspipeline

wird bis Jahresende ein

Büroflächenzuwachs von 22 % bzw. 2,7

Mio. m² prognostiziert. Dieses Volumen

entspricht etwa 42 % des durchschnittlichen

5-Jahres-Umsatzes in Europa, wird

sich jedoch auf die meisten Märkte kaum

spürbar auswirken. Außer in Warschau und

Brüssel sind viele Projekte bereits vorvermietet

– in Berlin liegt dieser Anteil sogar

bei 63 %. Es wird davon ausgegangen,

dass die Leerstandsraten weiter zurückgehen

bzw. stabil bleiben. Die durchschnittliche

Leerstandsrate ging von 8,4 % in Q4

2015 auf 8,1 % in Q1 2016 zurück und

liegt damit auf dem niedrigsten Niveau seit

7 Jahren.

In 92 % der europäischen Märkte wird ein

Anstieg der Mieten prognostiziert. Durch

den Neubauflächenzuwachs wird der Aufwärtsdruck

auf die Spitzenmieten nachlassen.

Nach einem Plus von 3 % im Vorjahreszeitraum

stiegen die Spitzenmieten in

CBD-Lagen im 1. Quartal 2016 um durchschnittlich

4,9 %. Die Mieterincentives gingen

in den vergangenen 12 Monaten signifikant

zurück. Aktuell belaufen sie sich auf

7,7 % der Gesamtmiete gegenüber 10 %

im vergangenen Jahr. Aufgrund der Angebotsknappheit

sind einige Mieter zwischenzeitlich

bereit, längerfristige Mietverträge

abzuschließen, wenn es ihnen dadurch gelingt,

günstigere Mietkonditionen zu verhandeln.

Auch in Lagen außerhalb des CBD zogen

die Spitzenmieten an. Allerdings fiel der

Anstieg mit durchschnittlich 2,9 % geringer

aus als in CBD-Lagen und ebenso geringer

als im Vorjahr. Savills zufolge überrascht

diese Entwicklung etwas angesichts

der Nachfrage nach City-Lagen. Für B-Lagen

gibt es jedoch kaum Beweggründe, so

dass die Nutzer nicht bereit sind, dort hohe

Mieten zu zahlen.

Lydia Brissy, Director European Research

bei Savills, merkt an: „Trotz des für 2016

erwarteten hohen Flächenfertigstellungsvolumens

gehen wir davon aus, dass die

durchschnittlichen Leerstandsraten in 71

% der in unserer Analyse beleuchteten europäischen

Märkte zurückgehen oder stabil

bleiben werden. Der geplante Neubauflächenzuwachs

wird aufgrund der anhaltend

hohen Nachfrage zügig absorbiert sein. Das

für 2017 projektierte Büroflächenfertigstellungsvolumen

liegt 9 % unter dem Niveau

von 2016, so dass die Angebotsknappheit

auf absehbare Zeit anhalten wird.“

Autor: www.savills.de

Ausgabe 2/2016

41


FinanzBusinessMagazin I IMMOBILIEN

Weiterhin hohe Transaktionsaktivitäten

bei Offenen Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds haben sich

im Zeitraum 1. Oktober 2015 bis

31. März 2016 weiterhin positiv

entwickelt. Dies ist ein Ergebnis des aktuellen

Ratings der Offenen Immobilienfonds

durch die FERI EuroRating Services

AG. Sämtliche der zwölf bewerteten Fonds

erhielten eine Ratingnote zwischen A- und

A+, was dem Rating-Kommentar „sehr

gut“ entspricht. „UniImmo: Europa“ und

„UniImmo: Deutschland“ erhielten die

Note A+, die beste im aktuellen Rating

vergebene Note. Acht Fonds wurden mit

der Note A bewertet, zwei Fonds mit der

Note A-. Von den untersuchten Fonds wurden

elf quantitativ auf Basis der öffentlich

verfügbaren Informationen bewertet.

Der „LEADING CITIES INVEST“, der sich

auf ausgewählte europäische Metropolen

konzentriert, wurde hingegen aufgrund

seiner jungen Historie anhand einer qualitativen

Analyse bewertet. „UniImmo:

Europa“, „Deka-ImmobilienEuropa“ und

„WestInvest InterSelect“ konnten sich im

Vergleich zum vorherigen Rating für das

dritte Quartal 2015 um eine Ratingklasse

verbessern. Lediglich „grundbesitz Europa

RC“ ist als einziger der untersuchten Fonds

eine Ratingklasse heruntergestuft worden.

„Mittlerweile bewegen sich alle Ratings innerhalb

des Bereichs von A- bis A+ und

befinden sich somit auf einem sehr hohen

Niveau“, sagt Wolfgang Kubatzki, Leiter

Real Estate der FERI EuroRating Services

Quelle: © denisismagilov - Fotolia.com

AG. „Die Offenen Immobilienfonds profitieren

von dem hohen Interesse an Immobilien.

Dabei weisen die Offenen Immobilienfonds

einen deutlichen Renditespread

zu deutschen Staatsanleihen auf, deren

Renditen sich auf einem historischen Tiefstand

befinden“, so Kubatzki weiter.

7 Milliarden Euro Transaktionsvolumen

in sechs Monaten realisiert

Gemäß den der FERI EuroRating vorliegenden

Daten für die elf quantitativ

bewerteten Fonds wurden im Zeitraum

4. Quartal 2015 bis 1. Quartal 2016 für

rund 1,5 Milliarden Euro (ca. 21 Prozent)

Objekte in Frankreich ver- und gekauft,

dicht gefolgt von Deutschland mit 1,3 Milliarden

Euro (rund 20 Prozent) und Großbritannien

mit rund 1,1 Milliarden Euro

(rund 16 Prozent), jeweils gemessen am

gesamten Transaktionsvolumen (An- und

Verkäufe) in Höhe von rund 7 Milliarden

Euro. Die restlichen 43 Prozent verteilen

sich auf weitere 13 Länder, wobei sich

Niederlande und die USA mit jeweils rund

550 Millionen Euro Transaktionsvolumen

(jeweils rund 8 Prozent) nochmals abheben.

Der Trend geht zu größeren Objekten

Bei den elf quantitativ bewerteten Fonds

wurden im Zeitraum 4. Quartal 2015 bis

1. Quartal 2016 in Summe 60 Immobilien

für insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro

verkauft. Das entspricht einem Durchschnitt

von rund 58 Millionen Euro pro Immobilie.

Im selben Zeitraum wurden für

diese Fonds Ankäufe von 27 Immobilien

im Wert von ebenfalls rund 3,5 Milliarden

Euro getätigt. Das entspricht einem

Durchschnittswert von rund 130 Millionen

Euro pro Immobilie. „Viele Fondsgesellschaften

haben das aktuelle Marktumfeld

für Verkäufe genutzt und haben gleichzeitig

ihre Portfolien bereinigt. Es zeigt sich

ein Trend in Richtung größerer Objekte

42 Ausgabe 2/2016


IMMOBILIEN I FinanzBusinessMagazin

Quelle: © Kzenon - Fotolia.com

und ungebrochener Marktaktivität“, kommentiert

Kubatzki.

Über die Hälfte aller Objektverkäufe

fanden in Deutschland statt

Betrachtet man die reine Anzahl der insgesamt

60 Objektverkäufe isoliert vom Transaktionsvolumen,

so entfallen alleine auf

Deutschland 31 Immobilienverkäufe (rund

52 Prozent) im Betrachtungszeitraum. „Einige

Fondsgesellschaften haben sich von

kleineren und älteren Immobilien mit vorwiegender

Büronutzung in Deutschland

getrennt“, kommentiert Kubatzki. Von den

insgesamt 27 Immobilienankäufen entfallen

acht Immobilenankäufe auf Deutschland

(rund 30 Prozent) bei einem dazugehörigen

Ankaufs-Transaktionsvolumen von rund 630

Millionen Euro. Demgegenüber stehen die

31 Immobilienverkäufe in Deutschland mit

einem dazugehörigen Verkaufs-Transaktionsvolumen

von rund 710 Millionen Euro.

Dies entspricht einem Ankaufs-Durchschnittswert

von rund 79 Millionen Euro

pro Immobilie und einem Verkaufs-Durchschnittswert

von rund 23 Millionen Euro pro

Immobilie, jeweils in Deutschland.

Möglicher Brexit fand keine Beachtung,

Frankreich der große Verlierer

Während sich die Immobilienwerte in den

Portfolios für Großbritannien noch erhöht

haben – dem Verkaufsvolumen von rund

490 Millionen Euro steht ein Einkaufsvolumen

von rund 610 Millionen Euro gegenüber,

ist die größte Veränderung bei den

Frankreich-Immobilien zu verzeichnen:

rund 1,2 Milliarden Euro Verkaufswerte

standen Ankaufswerten von lediglich rund

300 Millionen Euro gegenüber.

Fonds mit hoher Liquiditätsquote

stehen vor Herausforderungen

Die Spanne der im Untersuchungszeitraum

zuletzt gemeldeten freien Liquiditätsquoten

der elf quantitativ untersuchten Fonds

liegt zwischen 8,5 Prozent und 22 Prozent.

„Die Anlage der Liquidität stellt die

Fondsmanager im Niedrigzinsumfeld vor

große Herausforderungen. Viele werden

es schwer haben, noch eine positive Rendite

für ihre freie Liquidität zu erzielen“, so

Kubatzki. Im Detail gibt es bei den drei in

die Bewertung einfließenden Kriterien Performance

(25 Prozent), Immobilienportfolio

(50 Prozent) und Finanzstrukturen (25

Prozent) deutliche Unterschiede zwischen

den einzelnen Fonds. So erreichen „Uni-

Immo: Europa“ und „UniImmo: Deutschland“

die Ratingklasse A+, beide Fonds

werden aber in der Kategorie Performance

sowohl von „grundbesitz europa RC“ als

auch von „hausinvest“ leicht übertroffen.

Autor: www.feri.de

Ausgabe 2/2016

43


FinanzBusinessMagazin I FINANZIERUNGEN

Baufinanzierung: Banken hadern mit

der Vergabe von Immobilienkrediten

Deutschlands Kreditinstitute gehen

bei der Immobilienfinanzierung

derzeit unterschiedliche Wege:

Während sich viele Institute seit Inkrafttreten

einer neuen EU-Richtlinie im März

bei der Kreditvergabe deutlich restriktiver

verhalten, weiten andere Institute die Immobilienfinanzierung

noch aus, wie Analysen

der auf Finanzdienstleister spezialisierten

Unternehmensberatung Cofinpro

zeigen. Insgesamt herrscht derzeit bei der

Immobilienkreditvergabe auf dem Markt

eine große Unsicherheit, zumal der Branche

eine weitere Regulierung mit strengeren

Richtlinien für Baufinanzierungen

droht. Neue Modelle zur Risikobewertung

würden treffsichere Aussagen zur künftigen

Tilgungsfähigkeit ermöglichen und

Transparenz schaffen – für Banken und

ihre Kunden gleichermaßen.

Derzeit blicken Banken bei der Risikobewertung

eines Immobilienkredits noch

überwiegend in die Vergangenheit oder die

Gegenwart. Bei der Analyse der drei zentralen

Faktoren einer Kreditentscheidung,

nämlich Rating, Kapitaldienstfähigkeit und

Sicherheiten werden lediglich in geringem

Maße Prognosen hinsichtlich zukünftiger

Entwicklungen herangezogen. „Es ist von

zentraler Bedeutung für die Banken, bessere

Modelle zu entwickeln, die die Daten

in die Zukunft fortschreiben und verschiedene

Szenarien simulieren. Bisher häufig

genutzte Excel-Berechnungen reichen

hierfür nicht aus – eine systemgestützte

Datenbasis ist für diese Bewertungen essentiell“,

sagt Melanie Purgar, Senior Expert

Consultant bei Cofinpro. „Auf dieser

Grundlage ist es noch präziser möglich,

die richtigen Kredite zu vergeben und die

richtigen abzulehnen.“

So müssten in die Analyse beispielsweise

verstärkt die künftige Entwicklung der

Immobilienpreise und Einkünfte, inkl.

der Mietpreisentwicklung bei vermieteten

Immobilien oder die Zinsentwicklung für

die Prognose künftiger Belastungen des

Kunden einfließen. Mit Hilfe von Simulationsmodellen

kann die Bank dann eine

exaktere Kreditentscheidung treffen. „Für

den Kunden ist es wichtig, dass diese in

einer individuellen Beratung transparent

und verständlich kommuniziert wird – anhand

mehrerer Szenarien. Wird dabei beispielsweise

deutlich, dass die gewünschte

Kredithöhe für beide Seiten ein Risiko

darstellt, kann die Bank den Kunden unterstützen,

mit einer kleineren Immobilie

doch noch den Traum vom Eigenheim zu

realisieren“, so Purgar. Fintechs wie z.B.

auxmoney gehen bereits diesen Weg und

überprüfen mit Hilfe von innovativen Simulationsmodellen

die Kreditwürdigkeit

ihrer Kunden. Teilweise fließen Hunderte

von Daten in die Entscheidung über eine

Kreditvergabe mit ein. Szenarioanalysen

bei der Immobilienkreditvergabe minimieren

auch die Risiken für Banken gerade

im derzeitigen unsicheren Markt- und Zinsumfeld.

Steigen die Zinsen oder sinken

die Immobilienpreise wieder, drohen in

einigen Jahren bei der Anschlussfinanzierung

Kreditausfälle. „Es gilt für die Institute

gerade auch bei Immobilienkrediten,

langfristig zu denken und ihren Kunden

heute Kredite zu vermitteln, die auch in

zehn Jahren noch getilgt werden können“,

so die Immobilienkreditexpertin von Cofinpro.

Autor: www.cofinpro.de

44 Ausgabe 2/2016


VERTRIEB / MARKETING I FinanzBusinessMagazin

Lieber persönlich als virtuell:

Für deutsche Verbraucher macht der

Faktor Mensch den Unterschied

Deutsche Verbraucher wollen lieber

mit echten Menschen sprechen

statt digitale Kanäle zu nutzen,

wenn sie den Kundenservice für Beratung

oder bei Problemen in Anspruch nehmen.

Laut einer Studie des Dienstleistungsunternehmens

Accenture gaben drei Viertel

(74%) der Befragten an, dass sie die

menschliche Interaktion bevorzugen. Digitale

Kanäle werden vor allem für Standardanfragen

in Anspruch genommen. Die

Konsumenten erhoffen sich auf diesem

Weg schnellere Antworten und eine bessere

Verfügbarkeit. Allerdings finden nur

sechs Prozent, dass digitale und physische

Kanäle gut aufeinander abgestimmt sind.

„Zu glauben, dass mit den neuen digitalen

Möglichkeiten die Servicequalität und damit

die Kundenzufriedenheit automatisch

steigen, ist ein Trugschluss“, sagt Sven

Drinkuth, Geschäftsführer bei Accenture

Strategy und Leiter des Bereichs Advanced

Customer Strategy. „Die Unternehmen

dürfen den Faktor Mensch nicht aus

den Augen verlieren. Mitarbeiter im Kundenservice

werden zu oft als Kostenfaktor

gesehen. Dabei sind sie es, die den Ausschlag

geben, ob ein Kunde bei seinem

Anbieter bleibt oder enttäuscht zur Konkurrenz

wechselt.“

Guter Rat darf teuer sein

Die Studie ‘Digital Disconnect in Customer

Engagement’ von Accenture Strategy basiert

auf der jährlichen durchgeführten Verbraucherumfrage

Global Consumer Pulse

Research. Dafür wurden weltweit mehr

als 24.000 Konsumenten hinsichtlich ihrer

Zufriedenheit mit Marketing-, Vertriebsund

Servicekanälen sowie ihrer Loyalität

befragt, darunter 1.240 aus Deutschland.

Die Studie zeigt, wie sich das Verhalten

und die Einstellungen von Kunden in Bezug

auf digitale und analoge Kundenerlebnisse

verändern. Drei von vier deutschen

Verbrauchern bevorzugen demnach den

persönlichen Kontakt bei Beratung (78%)

und bei Problemen (74%). Jeder Dritte

(31%) wäre sogar bereit, für ein Produkt

oder eine Dienstleistung einen höheren

Preis zu zahlen, wenn damit ein besserer

Kundenservice verbunden wäre. Insbesondere

beim Besuch eines Geschäfts

schätzen die Kunden in Deutschland eine

gute Beratung (70%) sowie die Möglichkeit,

Produkte anzufassen und auszuprobieren

(66%). Das sind deutlich höhere

Werte als in vergleichbaren europäischen

Ländern oder in den USA. Schlechte Erfahrungen

bei der Beratung oder mit dem

Kundenservice haben zudem Folgen. Mehr

als die Hälfte der Befragten (52%) hat daraufhin

im vergangenen Jahr mindestens

einen Anbieter gewechselt. Am häufigsten

haben Kunden Einzelhändlern (17%),

Mobilfunkanbietern (13%) sowie Banken

(11%) den Rücken gekehrt.

Markentreue war gestern

Grund zur Sorge haben die Unternehmen

auch wegen der abnehmenden Bindungskraft

von Marken. So empfindet nur ein

Viertel (26%) der Befragten eine besondere

Loyalität gegenüber ihren aktuellen

Anbietern und jeder Vierte (40%) gab an,

häufiger über einen Wechsel nachzudenken,

als noch vor zwei Jahren. Auch bei

der Suche nach einem neuen Anbieter

spielt die Reputation nur eine untergeordnete

Rolle (23%). Viel wichtiger sind

Kriterien wie der Preis (64%), der Service

Ausgabe 2/2016

45


FinanzBusinessMagazin I VERTRIEB / MARKETING

(61%) und das Produkt (47%). „Die Loyalität

gehört heute nicht mehr der Marke

sondern dem Erlebnis“, sagt Sven Drinkuth.

„Was zählt, ist der Moment. Diesen

müssen die Unternehmen erkennen und

mit maßgeschneiderten Serviceangeboten

und persönlicher Beratung reagieren.

Dafür braucht es das passgenaue Zusammenspiel

des Mitarbeiters im Kundenservice

und der digitalen Servicekanäle, so

dass ein einheitliches Kundenerlebnis entsteht.“

Einmal weg, immer weg

Für die Unternehmen steht viel auf dem

Spiel. Das Umsatzvolumen, das durch

abgewanderte Kunden verloren geht,

beträgt allein für Deutschland hochgerechnet

rund 330 Milliarden Euro. Sich

um bestehende Kunden zu kümmern,

zahlt sich also aus. Immerhin sagen drei

Viertel (77%) der Wechsler, dass sie bei

ihrem Anbieter geblieben wären, wenn

dieser sich mehr Mühe gegeben hätte.

Diese Kunden zurück zu gewinnen, ist

sehr aufwändig und teuer. So erklärten

knapp zwei Drittel (63%), dass sie sich

nicht vorstellen können, wieder zu ihrem

alten Anbieter zurück zu gehen. Und die,

die zurückkommen, tun das nur, wenn

sie Preisvorteile sehen. „Die Digitalisierung

ist hilfreich, aber kein Allheilmittel“,

sagt Sven Drinkuth. „Digitale Servicekanäle

erhöhen die Möglichkeiten für Kunden,

den Kontakt aufzunehmen und das

funktioniert auch wesentlich einfacher

und schneller als früher. Aber echte Kundenbindung

entsteht erst durch den Menschen.

Das ist umso wichtiger, weil Unternehmen

oft nur eine Chance haben,

wenn es wirklich drauf ankommt. Geht

das schief, sagt der Kunde ade.“

Autor: www.accenture.com

Call Center vor dem Abstieg?

Banken sollten ihre Kontaktkanäle

ganzheitlich überdenken

Die Akzeptanz konventioneller Call

Center geht bei Bankkunden rapide

zurück. So hat sich zum Beispiel

die Abschlussbereitschaft über diesen

Kontaktkanal innerhalb von vier Jahren

von 28 auf 14 Prozent halbiert. Mit diesem

Ergebnis untermauert die Studie

„Kundenberatung der Zukunft“ von Sopra

Steria Consulting, dass eine konkurrenzfähige

Customer Journey mit isoliertem

Kanaldenken im digitalen Zeitalter unmöglich

geworden ist. Banken stehen so-

46 Ausgabe 2/2016


VERTRIEB / MARKETING I FinanzBusinessMagazin

mit vor der Herausforderung, die telefonische

Kundeninteraktion als weiterhin

notwendiges Element nahtlos in die Omni-

Channel-Betreuung zu integrieren. Trotz

häufig hoher Anrufaufkommen in den Call

Centern deutscher Banken sinkt die Akzeptanz

der Kunden, zu telefonieren – und

zwar substanziell. Wie ein Vergleich zweier

Kundenbefragungen von Sopra Steria

Consulting zeigt, ist die Bereitschaft, telefonische

Auskünfte eines Call Centers in

Anspruch zu nehmen, zwischen 2011 und

2015 von 38 auf 22 Prozent zurückgegangen.

Ebenfalls um 16 Prozentpunkte sank

im gleichen Zeitraum die Zustimmung zu

telefonischer Call-Center-Beratung von 37

auf 21 Prozent. Am wenigsten sind Bankkunden

derzeit zu Abschlüssen über diesen

Vertriebskanal bereit – hier liegt die

Akzeptanz nur noch bei 14 Prozent. Lediglich

für Serviceaktivitäten wie die Durchgabe

von Kontodatenänderungen steht

das Call Center mit 36 Prozent noch relativ

hoch im Kurs; 2011 jedoch betrug die

Zustimmung noch 53 Prozent.

„Die Umfrageergebnisse zeigen, dass es

nicht damit getan ist, das traditionelle

Call Center einfach nur umzubenennen.

Auch unter einem neuen Namen wie Kundenservicecenter

muss seine Rolle im

Omni-Channel-Mix völlig neu definiert

werden“, kommentiert Simon Oberle,

Manager Digital Banking bei Sopra Steria

Consulting. Dazu gehöre in erster Linie

eine durchgängige Integration der Datenbasis

mit allen digitalen und nicht-digitalen

Kontaktkanälen. Auf diese Weise

wissen Agenten im Servicecenter sofort,

an welcher Stelle ein anrufender Kunde

mit seiner Informationssuche auf anderen

Kanälen nicht fündig geworden ist.

Idealerweise liegen den Servicecenter-

Agenten sämtliche Kontaktinformationen

einschließlich begonnener Beratungen

und aktueller Kampagnen in Echtzeit vor.

Unter dieser Prämisse können Banken

das, was früher Call Center hieß, zu einer

Drehscheibe der Kundeninteraktion im

Omni-Channel weiterentwickeln. Diese

müssten auch auf Ergebnisse aus Chats

mit Bankkunden zugreifen können und

neue Serviceangebote wie beispielsweise

eine Videoberatung liefern – Angebote,

die sich gerade an jüngere Kundensegmente

wenden. Diese informieren sich

stärker digital und kommunizieren häufig

lieber per Chat als per Telefon. Die kurzen

Responsezeiten eines solchen Informationsangebots

könnten einen wichtigen

Beitrag leisten, die generelle Akzeptanz

gegenüber einem Kundenservicecenter

zu steigern. Zumindest ein Teil der deutschen

Kreditinstitute hat diese Herausforderung

offenbar erkannt: Laut dem

Branchekompass Banken 2014 von Sopra

Steria Consulting will rund ein Drittel von

ihnen bis 2017 in den Ausbau ihres Kundenservicecenters

investieren.

Autor: www.soprasteria.de

Quelle: © Kurhan - Fotolia.com

Ausgabe 2/2016

47


FinanzBusinessMagazin I VERTRIEB / MARKETING

Nachwuchsmangel aufgrund

mangelhafter Stellenanzeigen?

Stellenanzeigen für den Versicherungsvertrieb

sind nicht aussagekräftig

genug, um die angebotene

Stelle beurteilen zu können. Dies ist ein

zentrales Ergebnis einer Untersuchung

der FH Dortmund und der Versicherungsforen

Leipzig. Ein funktionierendes Vertriebsmanagement

ist der Schlüssel zum

Unternehmenserfolg und damit weit oben

immer auf der Agenda von Versicherern

und Maklern. Ein schlechtes Image sowie

die deutliche Überalterung der Vermittlerschaft

führen zu einem spürbaren Nachwuchsmangel

in der Branche. Die offenen

Stellen attraktiv darzustellen, ist Aufgabe

der Versicherungsunternehmen. Ob

sie das wirklich tun, untersuchte Prof. Dr.

Matthias Beenken von der Fachhochschule

Dortmund gemeinsam mit den Versicherungsforen

Leipzig. Anhand zweier zentraler

Hypothesen wurde untersucht, ob

die Personalwerbung für Vertriebspositionen

noch mit den heutigen Anforderungen

an die Stelle des Versicherungsvermittlers

kompatibel ist, und ob Versicherer

ihre Personalwerbung im Vergleich auch

zu anderen Dienstleistungsbranchen attraktiv

genug gestalten.

Für die Studie wurde eine Zufallsstichprobe

von 85 Stellenanzeigen für Vertriebspositionen

aus Versicherungs-, Finanzdienstleistungs-

und sonstigen Dienstleistungsunternehmen

untersucht. Dabei handelte es

sich überwiegend um selbstständige Vertriebspositionen

auf Basis eines Handelsvertretervertrags

nach § 84 HGB, teilweise

auch um angestellte Positionen. Es zeigte

sich, dass Stellenausschreibungen von

Versicherern häufig nicht aussagekräftig

genug sind, um die Stellen angemessen

bewerten zu können. Fast nie wird die Perspektive

einer abwechslungsreichen Tätigkeit

hervorgehoben. Auch die Selbstständigkeit

und andere Karrieremotive werden

eher selten in den Fokus gerückt. In der

Regel werben Versicherungsunternehmen

hingegen mit dem attraktiven Einkommen,

das Bewerber erwartet. „Das steht

in einem gewissen Widerspruch zur empirischen

Wirklichkeit, nach der jeder zweite

selbstständige Versicherungsvermittler

kein Einkommen erzielt, das gemessen an

vergleichbaren Angestelltentätigkeiten,

zum Beispiel im Versicherungsinnendienst,

zufriedenstellend ist“, so Studieninitiator

Beenken. „Außerdem spricht das Motiv

‚viel Geld verdienen‘ die jüngeren Generationen

kaum noch an, denen das Einkommen

zwar nicht unwichtig, aber eine

erfüllende und sinnstiftende Tätigkeit viel

wichtiger ist.“ Die von der Tätigkeit geforderten

Kompetenzen sowie Informationen

über die Arbeitsbedingungen werden jedoch

nicht immer ausgewiesen. Auffällig

ist zudem, dass Anzeigen von Versicherern

typischerweise keine oder nur sehr

vage Anforderungen an die fachlichen,

methodischen und sozialen Kompetenzen

der Bewerber formulieren.

„Es entsteht der Eindruck, dass der Versicherungsverkauf

keine besonderen Anforderungen

stellt und für Jedermann

leicht erlernbar ist“, so Sascha Noack,

Kompetenzfeldleiter Versicherungsvertrieb

bei den Versicherungsforen Leipzig.

„Dabei sind Beratung und Vermittlung

beispielsweise durch die Vermittlerregulierung,

die enorme Angebotsvielfalt, sich

ständig ändernde rechtliche Vorgaben,

Niedrigzins-bedingte Veränderungen von

Vorsorgestrategien oder eine komplexe

Besteuerung von Altersvorsorgeprodukten

eine hoch anspruchsvolle Tätigkeit.“

Im Vergleich zu den untersuchten

Stellenanzeigen der anderen Branchen

zeigt sich, dass Anzeigen sehr viel konkreter

formuliert werden können und dadurch

eher dazu anregen, sich mit der angebotenen

Position zu beschäftigen. „Bei

Versichereranzeigen entsteht teilweise

der Eindruck, dass gar keine konkret frei

gewordene Agentur beworben wird, son-

48 Ausgabe 2/2016


VERSICHERUNGEN I FinanzBusinessMagazin

dern die Anzeige nur eine Art unverbindlicher

Aufforderung zur Kontaktaufnahme

darstellt und erst später geprüft wird, für

welche Aufgabe ein Bewerber gebracht

wird“, so Noack weiter. „So lustlos würde

kein Personalmanager auf die Suche

gehen, wenn er eine qualifizierte Stelle

im Innendienst auszuschreiben hat“, ergänzt

Beenken. „Damit verfestigen Versicherer

ohne Not das Klischee, dass Außendiensttätigkeiten

einen geringeren

Stellenwert aufweisen als solche im Innendienst,

wundern sich dann aber über

massive Nachwuchsprobleme.“ Aus der

Untersuchung ergeben sich einige Handlungsempfehlungen,

wie Versicherer ihre

Stellenanzeigen für Vertriebsmitarbeiter

attraktiver gestalten können. Perspektiven,

die die Arbeit als Vermittler bietet,

sollten konkreter, inhaltlich gehaltvoller

sowie zielgruppenfokussierter sein. Weiter

sollten Karrieremöglichkeiten eher in

den Vordergrund gestellt werden, als das

Einkommen. Die Selbstständigkeit und

die Abwechslung, die die Arbeit als Versicherungsvermittler

bietet, könnten betont

werden. Insgesamt gilt es, die Stelle

anspruchsvoller darzustellen und Soft

Skills wie Teamfähigkeit hervorzuheben,

die gerade bei der jüngeren Generation

einen hohen Stellenwert haben.

Autor: www.versicherungsforen.net

Versicherungsbranche

in Deutschland:

Gewinnerstrategien für das Jahr 2025

Die aktuelle Studie von Oliver Wyman

„Versicherung 2025 – Ein Zukunftsszenario

für die Gewinner von morgen“

analysiert die Treiber des Wandels im

Versicherungsmarkt bis zum Jahr 2025,

schätzt Folgen ab und zeigt neue Perspektiven

auf. Von Wachstum ist nur in selektiven

Feldern auszugehen, während das

alte Stammgeschäft bröckelt: So könnte

das Beitragsvolumen in der Lebensversicherung

je nach Politikvorgaben um vier

Milliarden Euro sinken, in der Schadenund

Unfallversicherung herrscht nahezu

Stagnation. Von 245.000 traditionellen

Vermittlern und Maklern werden im Szenario

der Studie rund 100.000 aus dem

Markt ausscheiden. Chancen hingegen

bietet eine konsequente Digitalisierung:

Sie ermöglicht Versicherern, bis zum Jahr

2025 ihre Kostenquote um ein Viertel zu

senken und zugleich besseren Service anzubieten.

Wer heute sein Kern-Geschäftsmodell

klar definiert, strategische Schwerpunkte

setzt und eine agile Firmenkultur

etabliert, ist auch gegen steigenden Wettbewerbs-

und Kostendruck gewappnet.

Die Oliver Wyman-Studie gibt einen klaren

Orientierungsrahmen mit Erfolgsbausteinen

und archetypischen Geschäftsmodellen

für Gewinnerstrategien im Jahr 2025.

Kennen Sie Klaus Könner? Er ist Vorstandsvorsitzender

der „Solide Leben AG“

– und lebt im Jahr 2025. Ebenso wie seine

Branchenkollegen Nicola Netz, Sven

Slim und Henri Hipp hat er eine Zeitreise

Ausgabe 2/2016

49


FinanzBusinessMagazin I VERSICHERUNGEN

unternommen und berichtet rückblickend

über den absolvierten Erfolgspfad seines

Unternehmens. Die vier fiktiven Entscheider

aus der aktuellen Oliver-Wyman-

Studie „Versicherung 2025“ haben es alle

geschafft: Sie unterzogen ihr Unternehmen

im Jahr 2016 mit genauem Zielbild

und ausgewählten Handlungsbausteinen

einem kräftigen Veränderungsprozess –

und führten es so in sicheres Fahrwasser.

Dabei positionierten sich die Versicherer

höchst unterschiedlich: mal klassisch generalistisch,

mal hocheffizient und pfeilschnell.

„Anhand der Fallbeispiele skizzieren

wir vier Transformationspfade, die aus

unserer Sicht als Gewinnerstrategien gelten

dürfen“, sagt Markus

Zimmermann, Partner bei

Oliver Wyman und Leiter

des Versicherungsbereichs

Deutschland,

Österreich und Schweiz.

„Wandel ist in der Versicherungsindustrie

bei jedem

Unternehmen Programm.

Es kommt jetzt

darauf an, die strategische

Stoßrichtung zu definieren

und dann den Umbau

konsequent voranzutreiben“, so Zimmermann.

„Klar ist: Nur noch einige große

Marktteilnehmer werden 2025 das komplette

Spektrum an Produkten, Services

und Vertriebskanälen bieten können.“

Differenzierte Wertversprechen und

strikte Kundenorientierung

Von den vier charakteristischen Erfolgsunternehmen

ist in Zukunft nur ein Typus ein

wirklicher Allrounder: der Blue-Chip-Komfortpartner.

Er agiert omnipräsent, markenstark

und kooperiert dabei im Hintergrund

auch mit „White Label“-Anbietern

für Spezial- und Nischenprodukte. Dagegen

stellt sich der vertriebsstarke Stammgeschäfts-Modernisierer

so auf, dass

er häufig in bestimmten Regionen oder

Kernsegmenten verankert ist und damit

nah, vertrauenswürdig und durchgängig

kundenorientiert agiert. Einige Versicherer

behaupten sich laut Analyse auch als

leistungsstarke Risiko- oder Produktspezialisten,

wobei sie je nach Ausprägung ihrer

Risikoexpertise und Spezialisierung als

innovative Qualitätsanbieter oder plattformorientierte

Produktfabriken auftreten

können. Der agile Preis- und Kostenführer

punktet mit einem Konzept, das besonders

zu Online- und Direktversicherern passt:

einfach, günstig und schnell – dank maximaler

Digitalisierung sowie hoch agiler

analytischer Fähigkeiten. So unterschiedlich

die strategische Ausrichtung

auch sein mag:

Alle Marktteilnehmer

stehen gemeinsam vor

drei großen Herausforderungen.

Sie müssen

eine stets kundenzentrierte

Unternehmenskultur

schaffen, die Agilität

ihrer Organisation stärken

und über neue Anreize

und Denkmuster ihr

Talentmanagement neu

ausrichten. „Nötig ist ein Denken und Arbeiten

über Bereichsgrenzen hinweg mit

offener Feedback-Kultur. Erst wenn dies

gelingt, entstehen neue Geschäftsmodellbausteine

und eine wahrnehmbare

Kundenorientierung“, sagt Zimmermann.

Gute Nachrichten für Kunden: Sie erwarten

auch dank Digitalisierung ganz neue

Interaktionsmöglichkeiten, flexiblere Produkte

sowie mehr Service und Transparenz.

„Auf der für den Kunden erlebbaren

Schaden- und Serviceseite werden Versicherer

in zahlreiche neue Leistungsfelder

und Mehrwertdienste investieren, die sie

auch mithilfe externer Partner erbringen.

Versicherung 2025 ist geprägt von ‚erlebter

Sicherheit‘ und einfacher Kommunikation

entlang aller Kanäle“, sagt Rouget

Quelle: © Gee - Fotolia.com

50 Ausgabe 2/2016


VERSICHERUNGEN I FinanzBusinessMagazin

Pletziger, Principal im Bereich Versicherungen

bei Oliver Wyman. Dabei besetzt

nicht mehr jedes Versicherungsunternehmen

die Kundenschnittstellen selbst. Mancher

Anbieter wird zum reinen Risikoträger

im Hintergrund – also bewusst ohne

strategische Kontrolle der Kunden- und

Vertriebsschnittstelle.

Omnikanal ist Trumpf, Provisionen

schrumpfen, Effizienz wächst

Gerade für den Vertrieb erwartet Zimmermann

einschneidende Veränderungen:

„Alte Fürstentümer innerhalb von Versicherungsunternehmen

bröckeln – und

Kunden gehören in Zukunft in der Regel

dem Unternehmen, und nicht einem Vertriebsweg

oder Vermittler.“ Dominieren

werden sogenannte Omnikanalmodelle,

wobei die Bedeutung von digitalen Medien,

Aggregatoren sowie unabhängigen

Drittvertrieben wächst. In traditionellen

Vermittlerorganisatioen muss ein nahtloses

Zusammenspiel zwischen Mensch

und Online-Unterstützungsinstrumenten

erfolgen. Den klassischen Versicherungsvermittlern

und -beratern stehen schwere

Zeiten bevor: Verändertes Kundenverhalten

und verschärfte regulatorische Vorgaben

zur Vertriebsvergütung sorgen laut

Oliver Wyman-Analyse dafür, dass von

den rund 245.000 traditionellen Vermittlern

und Maklern im Jahr 2014 bis 2025

rund 100.000 aus dem Markt ausscheiden.

Für viele ist das eine wirtschaftliche

Notwendigkeit, denn das erzielbare Provisionsvolumen

im Markt sinkt ebenfalls

drastisch um 40 bis 50 Prozent. Das Kostenmanagement

behält in der Versicherungswirtschaft

überragende Bedeutung.

„Die Branche wird ihre mittlere Kostenquote

ohne Provisionen im Schnitt um 20

bis 25 Prozent senken können und müssen“,

prognostiziert Pletziger. Besonders

hohe Effizienzgewinne seien bei den Abschlussgemeinkosten

sowie bei hoch automatisierbaren

internen Betriebs-, Schaden-

und Servicefunktionen realisierbar.

In der IT hingegen bleiben die künftigen

Effizienzgewinne im Branchenschnitt bis

2025 noch ohne Wirkung, da im Gegenzug

erhebliche Investitionen in Digitalisierungs-

und Data Management-Themen

nötig sind. Die verschärfte Regulierung

und niedrige Zinsen lassen das Risiko- und

Kapitalmanagement stärker in den Mittelpunkt

rücken. Versicherer werden diesen

Bereich enger in strategische Planungen

und Investitionsentscheidungen einbinden.

In der Produktentwicklung werden

zudem viele Unternehmen aufgrund der

Solvency-II-Vorgaben bis 2025 deutlich

schärfere interne Transparenzanforderungen

festgelegt haben.

Autor: www.oliverwyman.de

Quelle: © yexela - Fotolia.com

Ausgabe 2/2016

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FinanzBusinessMagazin I VERSICHERUNGEN

Das große Warten:

deutsche Versicherer zu zögerlich bei

Innovationen

InsurTech-Trend wird als Chance erkannt, aber eigene

Geschäftsmodelle werden kaum weiterentwickelt

Die deutschen Versicherungsunternehmen

fokussieren zu stark auf

interne Themen wie Infrastrukturen

und Prozesse und zeigen sich zögerlich,

wenn es darum geht, Innovationen zu entwickeln.

Sie drohen dadurch zunehmend

den Anschluss an neue InsurTech-Trends

zu verpassen. Zwar wird in der Branche

allgemein anerkannt, dass Versicherungs-

Start-ups große Chancen bieten. Dennoch

haben die wenigsten Unternehmen bisher

Prozesse und Maßnahmen angestoßen,

um neue digitale Produkte und Dienstleistungen

am Versicherungsmarkt durchzusetzen.

Sie erwarten zudem, dass die

klassischen Vermittler zu den Verlierern

der InsurTech-Innovationswelle gehören

werden, und hoffen darauf, ihr Geschäft

künftig über andere Vertriebskanäle generieren

zu können. Dies sind zentrale Ergebnisse

der aktuellen InsurTech-Studie

von zeb. Die Strategie- und Managementberatung

– führend in der Beratung von

Unternehmen im europäischen Finanzsektor

– hat untersucht, wie deutsche Versicherungsunternehmen

aktuelle Insur-

Tech-Trends bewerten und beabsichtigen,

darauf zu reagieren. Insgesamt haben

sich über 120 Vorstände, Führungskräfte

und Experten aus der Versicherungsbranche

an der zeb-Studie beteiligt, was gemessen

am Beitragsvolumen mehr als 80

% des deutschen Versicherungsmarktes

entspricht. Dr. Matthias Uebing, verantwortlicher

zeb-Partner für das Versicherungsgeschäft,

erläutert: „Die deutsche

Assekuranz öffnet sich Schritt für Schritt

neuen Geschäftsideen und Innovationen.

Das geschieht aus unserer Sicht jedoch zu

langsam. Die Branche muss lernen, wesentlich

schneller und konsequenter auf

die Bedürfnisse ihrer digital verwöhnten

Kunden einzugehen.“

Quelle: © DragonImages - Fotolia.com

Sehr großes Interesse – aber geringe

Kenntnis des InsurTech-Marktes

Die InsurTech-Studie von zeb ist auf sehr

großes Interesse der Branche gestoßen.

Angesichts dessen überrascht es, dass nur

die Hälfte der Versicherer (52 %) angibt,

den InsurTech-Markt genauer zu beobachten.

So besteht bei der Bekanntheit von

InsurTechs großer Nachholbedarf. Fast

alle Versicherer kennen Vergleichsportale

und digitale Makler. Andere innovative Geschäftsmodelle,

die zudem die Versicherer/

Vermittler unterstützen, statt zu konkurrieren,

fristen dagegen ein „Schattendasein“

(zum Beispiel White-Label-Apps für

Vermittler, Prozessunterstützungstools,

Schadenmanagement). Unterm Strich:

Von zurzeit über 50 InsurTechs in Deutschland

sind den Versicherern nur eine Handvoll

Unternehmen bekannt.

52 Ausgabe 2/2016


VERSICHERUNGEN I FinanzBusinessMagazin

Quelle: © yurolaitsalbert - Fotolia.com

Versicherer sehen hohes Potenzial –

setzen aber keine Maßnahmen um

Im Detail ergab die zeb-Studie, dass die

deutschen Versicherer mehrheitlich vom

Potenzial der InsurTechs als Innovationstreiber

überzeugt sind. So bewerten

74 % der Befragten den InsurTech-Trend

als relevant bzw. sehr relevant. 73 %

der Befragten erwarten zudem, dass sich

durch deren Geschäftsmodelle Chancen

für die etablierte Branche ergeben. Den

Vermittlern hingegen werden schwere

Zeiten vorhergesagt. 56 % der Versicherer

denken, dass hier die Risiken überwiegen.

Jakob Baron, Manager bei zeb

und Autor der Studie, ergänzt: „Versicherer

gehen offenbar davon aus, dass

klassische Vermittler gegenüber Aggregatoren

und digitalen Maklern Kunden

verlieren werden. Aus unserer Sicht

sollten die Versicherer jedoch nicht zu

sehr darauf vertrauen, dass das Geschäft

künftig im selben Umfang über

andere Kanäle kommt. Es gilt vielmehr,

vor allem den eigenen Vertrieb zukunftsfest

aufzustellen.“ Die Unternehmen haben

bislang kaum Maßnahmen umgesetzt,

um diese Chancen zu realisieren

oder den Risiken zu begegnen. Nur 19

% der Studienteilnehmer geben an, InsurTech-Ideen

adaptiert zu haben. 17 %

der Befragten bejahen, mit InsurTechs

zu kooperieren, und 3 % haben Abwehrmaßnahmen

umgesetzt.

Versicherer überlassen Innovationen

den InsurTechs – und warten ab

Stattdessen verlassen sich Versicherer auf

Altbewährtes. 91 % geben an, auf ihre bestehenden

Geschäftsmodelle zu vertrauen

und Innovationen nur dann zu übernehmen,

wenn diese sich am Markt durchgesetzt

haben. Nur 9 % der Versicherer

sehen sich als Innovationsführer. Das ist

aus Sicht von zeb ein zu zögerliches Vorgehen.

„Die Versicherer sind zu stark mit

ihren internen Themen beschäftigt. Die

Verbesserung des Kundenerlebnisses wird

dabei fast kampflos den InsurTechs überlassen“,

bilanziert Jakob Baron. „Es wird

aktuell oft geschrieben, dass Versicherer

sich neu erfinden und innovative Lösungen

erarbeiten. Die Studie beweist jetzt das

Gegenteil“, so abschließend Dr. Matthias

Uebing. „Bis auf sehr wenige, große Versicherungskonzerne

ist die Branche passiv

und abwartend.“

Autor: www.zeb.de

Ausgabe 2/2016

53


FinanzBusinessMagazin I VERSICHERUNGEN

Weckruf der InsurTechs:

Viel Lärm um Nichts?

Studie zu Gewinnern und Verlierern unter Start-ups in

der Versicherungswirtschaft von Oliver Wyman und

Policen Direkt

InsurTechs werden die Versicherungswirtschaft

umkrempeln: Etablierte Versicherer

sind gut beraten, diesen Trend

nicht kleinzureden. Doch wie laut ist der

Weckruf der InsurTechs wirklich? Denn obwohl

sie längst mehr als ein Phänomen sind,

nutzen InsurTechs ihr Potenzial noch nicht

auf allen Ebenen aus. Das zeigt der Insur-

Tech-Radar von Oliver Wyman und Policen

Direkt. Darin wurden die Start-ups der Versicherungswirtschaft

erstmals einem umfassenden

Check unterzogen und entlang

der Versicherungswertschöpfungskette systematisch

analysiert – von der Angebotsseite

über den Vertrieb bis hin zum Betrieb.

„Wir zeigen in 19 Branchenfeldern, welche

Newcomer und welche Geschäftsmodelle

man zwingend auf dem Radarschirm haben

muss“, sagt Dietmar Kottmann, Insurance-

Partner bei Oliver Wyman und Co-Autor der

Studie. Zentrale Ergebnisse des InsurTech-

Radars sind:

• Bei Versicherungsangeboten liegen die

besten Chancen der InsurTechs nur in

Nischenbereichen wie situativen oder

Community-basierten (P2P)-Ansätzen.

Traditionelle Versicherer können sich

dagegen mit echten Angebotsinnovationen

auch in der digitalen Welt behaupten.

• Aktuell findet der Hauptangriff der InsurTechs

im Versicherungsvertrieb statt

– mit guten Erfolgsaussichten.

• Der Versicherungsbetrieb wird von InsurTechs

in Deutschland im internationalen

Vergleich bisher vernachlässigt,

obwohl dort viel zu holen wäre.

Die Industrie ist aufgewacht. „Der Weckruf

der InsurTechs ist unüberhörbar“, sagt Nikolai

Dördrechter, Geschäftsführer von Policen

Direkt als Co-Autor der Studie. „Die

digital agierenden InsurTechs, befeuert von

kühnen Wachstumsphantasien, frischem

Wagniskapital und einer Menge Gründergeist,

haben einen längst überfälligen

Strukturwandel in der Versicherungswirtschaft

ausgelöst.“

Zwischen Hype und Hysterie

Naht also das Ende der etablierten Versicherer

oder ist der Weckruf der InsurTechs

nur viel Lärm um Nichts? Fakt ist: Die InsurTechs,

im Jahr 2015 weltweit gefüttert

mit 2,7 Milliarden US-Dollar Risikokapital,

könnten selbst Versicherungsriesen in arge

Bedrängnis bringen. Der InsurTech-Radar

zeigt: Die Schwergewichte der Branche

wirken verunsichert und reagieren teils hyperaktiv.

Die Folge: Unternehmen setzten

oft rasch eine Digitalagenda auf. „Bisher

schwankt die Branche zwischen Hype und

Hysterie. Es ist an der Zeit, das Thema

nüchtern und analytisch zu betrachten“,

sagt Dietmar Kottmann, Partner und Digital

Insurance Lead Europa bei Oliver Wyman.

Angebote: Hier punkten etablierte

Versicherer

Die Analyse demonstriert: Nicht auf allen

Gebieten sind die von InsurTechs in den

Markt getragenen Technologien und Prozesse

so unwiderstehlich, dass sie die herrschende

Ordnung vollständig in Frage stellen.

So tun sich die InsurTechs vor allem im

traditionellen Kerngeschäft der Versicherer

schwer – nämlich beim Kreieren neuer Angebote.

Zwar existieren innovative Konzepte,

wenn es zum Beispiel darum geht,

situativ per Smartphone einen Versicherungsschutz

abzuschließen oder Policen

aufzusetzen, die enge Communitys adressieren.

„Das allerdings sind Nischenthemen,

in denen geringes wirtschaftliches Potenzial

steckt“, sagt Versicherungsexperte

54 Ausgabe 2/2016


VERSICHERUNGEN I FinanzBusinessMagazin

Kottmann. „Im Klartext: Nur weil Peer-to-

Peer draufsteht, muss es sich noch lange

nicht um ein überlegenes Geschäftsmodell

handeln.“

Viel mehr Erfolg trauen die Studienautoren

jenen Traditionsanbietern zu, die es

schaffen, Angebote zur Absicherung neuer

digitaler Risiken im Markt zu platzieren.

Wachsendes Gewicht bekommen auch innovative

Versicherungsprodukte rund um

das Internet der Dinge, Produkte, die neben

reinem Versicherungsschutz „erlebbare

Sicherheit“ bieten sowie Produkte, die

Big-Data-Technologien nutzen – allerdings

müssen Versicherer hier Quereinsteiger

aus vorgelagerten Industrien fürchten. So

könnten beispielsweise Automobilhersteller

ihre Wertschöpfung verlängern, indem sie

im Bereich der Telematik eigene Versicherungsangebote

auflegen. Trotz Preisdrucks

und erhöhter Transparenz können auch

etablierte Versicherer erfolgreich Low-Cost-

Angebote auf den Markt bringen. Hier bekommen

sie allerdings die Konkurrenz von

InsurTechs besonders zu spüren, so ein

Studienergebnis.

Die mit Abstand größte InsurTech-Aktivität

in Deutschland herrscht im Versicherungsvertrieb.

„Hier ist ein harter Wettbewerb

zwischen Alt und Neu entbrannt“, so Nikolai

Dördrechter. „Auch wenn die InsurTechs

den Etablierten erst einen relativ kleinen

Teil der Kunden abspenstig machen konnten,

ist es den Start-ups dennoch gelungen,

enormen Druck auf die gewachsenen

Vertriebsstrukturen auszuüben.“ Der InsurTech-Radar

zeigt: Versicherer fürchten,

dass im Vertrieb Oligopole der Onlinemakler

entstehen, wie es Preisvergleichern wie

Check24 bereits gelungen ist. Bislang machen

die Kundenbedürfnisse und das mangelnde

Interesse an Versicherungen den

InsurTechs einen Strich durch die Rechnung.

So haben auch traditionelle Vertriebe

eine Chance zu bestehen, wenn sie sich

über hochwertige Kundenberatung und digitale

Omnikanal-Modelle positionieren.

Signifikante Geschäftschancen werden in

Deutschland noch liegengelassen, wenn es

um Digitalstrategien im Versicherungsbetrieb

geht. Das gilt laut InsurTech-Radar für

Start-ups wie für Etablierte gleichermaßen.

„Im Betrieb gibt es vor allem im Schadenbereich

viel Potenzial, das in Deutschland im

Gegensatz zum Ausland noch wenig adressiert

wird“, sagt Nikolai Dördrechter. Seine

Überzeugung: InsurTechs in Deutschland

sollten verstärkt auf Segmente zielen, die

ein höheres wirtschaftliches Potenzial versprechen.

Viel Aktivität, wenig Disruption

Fegen die Start-ups bald über alles Bestehende

radikal hinweg? Davon sei noch nicht

auszugehen, sagt Oliver Wyman-Partner

Kottmann: „Es gibt viel InsurTech-Aktivität,

aber noch wenig echte Disruption in

Deutschland.“ Zwar sind nach den USA hierzulande

die meisten dieser Gründungen zu

beobachten. „Aber nicht hinter jeder hippen

Webseite steckt ein gutes Geschäftsmodell.

Längst nicht alle InsurTechs werden überleben.

Es besteht viel Potenzial zur Partnerschaft

zwischen Alt und Neu.“ Dennoch

seien Versicherer gut beraten, sich genauer

mit den Start-ups zu befassen. Zumal die

Geschäftsmodelle der InsurTechs oft eine

Zusammenarbeit mit etablierten Versicherern

vorsehen. Der InsurTech-Radar zeigt:

Deutschland kann international eine führende

Rolle bei der Digitalisierung der Assekuranz

einnehmen. Die starke Position

der deutschen Versicherungswirtschaft mit

führenden Unternehmen wie Allianz oder

Munich Re sei eine gute Startrampe. Viel

Arbeit und erhebliche Investitionen seien

freilich nötig. „Einige der deutschen Insur-

Techs wie Schutzklick zeigen heute schon

ihr Potenzial, sich auch international erfolgreich

zu etablieren“, sagt Kottmann.

Autor: www.oliverwyman.de

Ausgabe 2/2016

55


FinanzBusinessMagazin I VERSICHERUNGEN

InsurTechs werden als innovativ, aber

nicht unbedingt seriös wahrgenommen

InsurTechs versuchen mit frischen

Ideen, modernen Technologien und

lockerer Kundenansprache den Markt

für Versicherungsprodukte umzukrempeln

sowie etablierten Versicherern und Versicherungsmaklern

Marktanteile streitig zu

machen. Zwei Drittel (69 Prozent) der Finanzenentscheider

und -mitentscheider in

Deutschland sind der Ansicht, dass Verbraucher

von den alternativen Anbietern

profitieren können. Dies geht allerdings

einher mit einer wahrgenommenen Überforderung.

Fast vier von fünf (78 Prozent)

der Versicherungskunden sind der Ansicht,

dass der Finanz- und Versicherungsmarkt

durch die Angebote von InsurTechs unübersichtlicher

wird. Dies zeigt die dritte

Befragungswelle des YouGov FinTech Tracker

des internationalen Marktforschungsund

Beratungsinstituts YouGov, für den

rund 1.000 private Finanzentscheider

und -mitentscheider vom 02.05.2016 bis

09.05.2016 internetrepräsentativ befragt

wurden. Dabei besteht die Stärke der InsurTechs

gegenüber klassischen Angeboten

aus Konsumentensicht in der klaren,

einfachen Darstellung der Produkte sowie

dem schnellen, einfachen Abschlussprozess

online oder per App. Auch profitieren

die neuen Anbieter gegenüber klassischen

Anbietern von einer weniger förmlichen

Ansprache, wodurch die Produkte besonders

für jüngere Verbraucher an Attraktivität

gewinnen. Dies zeigt die qualitative

Studie „Produktinnovationen in der Assekuranz“,

die Kundenerlebnisse und -erwartungen

unter anderem zu InsurTechs

tiefergehend analysiert.

Verbrauchervertrauen

bei klassischen Anbietern höher

„Ein klarer Vorteil klassischer Versicherer

gegenüber den relativ neuen InsurTechs

ist das Vertrauen, dass Verbraucher diesen

entgegenbringen. Gerade bei Versicherungen

orientieren sich Versicherungsnehmer

stärker an großen Gesellschaften mit

Tradition und gutem Ruf“, sagt Jutta Rothmund,

Senior Consultant bei YouGov und

Leiterin der qualitativen Studie. „So werden

die Angebote der InsurTechs zwar als innovativ,

aber nicht unbedingt als seriös angesehen.

“Beispielsweise ist das Konzept von

friendsurance für die Verbraucher auf den

ersten Blick durchaus interessant, dabei

zieht vor allem das Versprechen von Schadenfreiheitsboni.

Bei näherer Betrachtung

ist den Konsumenten aber nicht klar, wo

genau der Vorteil zum klassischen Versicherungsprinzip

besteht. Dementsprechend ist

die Abschlussbereitschaft hier auch eher

gering. So können sich im YouGov FinTech

Tracker nur 13 Prozent der Markenkenner

von friendsurance vorstellen, dort Kunde zu

werden“, so Rothmund weiter.

„Auch situative Kleinversicherungen, wie sie

unter anderem AppSichern anbietet, stellen

aus Sicht der Konsumenten durchaus eine

sinnvolle Ergänzung des Versicherungsschutzes

dar. Das Angebot auf der Plattform

löste bei den Befragten jedoch auch Skepsis

aus. Wenngleich die günstigen Preise

attraktiv waren, hatten viele den Eindruck,

hier sollen unnötige Versicherungen vermarktet

werden.“ „Die Ergebnisse unserer

Studien zeigen, dass InsurTechs frischen

Wind in die Branche bringen, indem sie

Konsumentenwünsche aufgreifen und Versicherungen

eine gewisse Leichtigkeit und

Einfachheit geben. Damit reduzieren sie die

Barrieren gerade jüngerer Konsumenten,

sich mit dem Thema Versicherungen zu

beschäftigen. In Punkto Vertrauenswürdigkeit

und Beratungskompetenz können und

müssen sie aber von den etablierten Anbietern

einiges lernen. Versicherungen sind

und bleiben ein ernsthaftes Thema, das

auch Jüngere nicht auf die leichte Schulter

nehmen. Letztlich können InsurTechs und

klassische Anbieter gegenseitig voneinander

lernen und profitieren“, so Rothmund.

Autor: www.yougov.de

56 Ausgabe 2/2016


VERSICHERUNGEN I FinanzBusinessMagazin

Betriebsrente und

Produktinnovationen könnten den

schwächelnden Markt beleben

Wie sich der Gesamtmarkt bis 2025

entwickeln wird, hängt auch vom

politischen Rahmen ab – dies gilt

insbesondere für die Lebensversicherung.

Das Beitragsvolumen könnte bei einer gesetzlich

verordneten Stärkung der betrieblichen

Altersversorgung von rund 94 Milliarden

Euro im Jahr 2014 bis 2025 auf 98

Milliarden Euro steigen. Bleiben Vorgaben

der Politik aus, droht laut Analyse ein Absinken

auf 90 Milliarden Euro. Die Niedrigzinsen

belasten weiterhin das Ergebnis und

die Attraktivität der privaten Altersvorsorgeprodukte.

In der Schaden- und Unfallversicherung

erwarten die Experten von Oliver Wyman

nahezu Stagnation. Von 2014 bis 2025

werde das Prämienvolumen um nur sieben

Prozent von rund 63 auf 67 Milliarden

Euro zulegen. Während die Kraftfahrtsparte

deutlich schrumpft, erhöhen sich die

Beitragseinnahmen in der gewerblichen

Sach- und Haftpflichtversicherung. Neue

Wachstumschancen und Innovationsimpulse

bestehen insbesondere in den Feldern

„Neue Mobilität“, „Internet der Dinge“

und im „Mid-Corp“-Firmensegment.

Entwarnung gibt Zimmermann für ein bereits

diskutiertes Szenario, wonach „Online-

Riesen“ als unmittelbare Wettbewerber auf

den Plan treten könnten. Dazu werde es

nicht kommen: „Wir erwarten nicht, dass

Internetkonzerne wie Google oder Amazon

selbst als Risikoträger in das direkte

Versicherungsgeschäft einsteigen werden.

Gleichwohl kommen sie – neben einer Vielzahl

neuer Plattformpartner – dank ihres

Kundenzugangs und ihrer Kundenkenntnis

als wichtige und verhandlungsstarke Kooperationspartner

für die Versicherungsindustrie

in Frage“, so der Oliver Wyman-

Experte. Zusätzlichen Wettbewerbsdruck

und verstärkte Innovationskraft bringen

darüber hinaus zahlreiche InsurTech-Unternehmen

in den Markt. Dies betrifft neue

Formen der Kundeninteraktionen ebenso

wie die Prozesse „hinter dem Vorhang“.

Versicherer müssen dauerhafte Innovation

als Teil ihrer eigenen DNA begreifen. Häufig

braucht es dafür zu Beginn spezifische

Innovations- und Digitalisierungsteams,

die jedoch sukzessive wieder Teil der Organisation

werden müssen. Daneben wird

es neue Formen der Kooperation mit jungen

innovativen Unternehmen geben, um

vielversprechende Geschäftsmodelle unabhängig

von eigenen Prozessen und Systemen

zu testen. „Nur wer frühzeitig und

mutig Neues ausprobiert, wird sich auch

2025 erfolgreich im deutschen Versicherungsmarkt

positionieren können“, so Zimmermann.

Autor: www.oliverwyman.de

Quelle: © Kurhan - Fotolia.com

Ausgabe 2/2016

57


FinanzBusinessMagazin I VERSICHERUNGEN

Aktuelle Studie von Aon Hewitt

zur betrieblichen Altersversorgung:

Fast die Hälfte der befragten Unternehmen hält

Überprüfung ihres Versorgungswerkes für erforderlich

Der anhaltende Niedrigzins und die

damit einhergehenden Veränderungen

im deutschen Lebensversicherungsmarkt

wirken sich zunehmend

auch auf die betriebliche Altersversorgung

(bAV) aus: Fast die Hälfte der Unternehmen

hält es für erforderlich, ihr Versorgungswerk

grundsätzlich zu überprüfen.

Mehr als 20 Prozent von ihnen haben

bereits Veränderungen vorgenommen,

indem sie beispielsweise die zugesagte

Verzinsung reduziert oder aber von leistungs-

auf beitragsorientierte Zusagen

umgestellt haben. Dies ist das Ergebnis

der aktuellen Studie „Insurance Survey

2016: Rethink Insured Pensions“, die Aon

Hewitt, der weltweit führende Anbieter

von Services im Bereich Human Resources,

durchgeführt hat. Dazu wurden mehr

als 70 – sowohl im DAX geführte als auch

mittelständische – Unternehmen aus den

unterschiedlichsten Branchen befragt.

Die Lebensversicherer reagieren mit neuen

Produkten und eingeschränkten Garantieversprechen

auf das Niedrigzinsumfeld

und den sich aus der europäischen Richtlinie

Solvency II ergebenen Anforderungen.

„Unternehmen, die ihren Mitarbeitern eine

betriebliche Altersversorgung mit Versicherungsbezug

anbieten, müssen handeln“,

erläutert Thorsten Teichmann, Geschäftsführer

der Aon Pensions Insurance

Broker GmbH in Hamburg und Partner bei

Aon Hewitt. Betroffen seien Vertragsverhältnisse

mit zahlreichen Versicherern, sei

es aufgrund der Schließung bestehender

Tarife oder der eingeschränkten Zugangsmöglichkeit

zu noch vorhandenen Garantieprodukten

für Versorgungszusagen für

neue Mitarbeiter. Das habe der Großteil

der Unternehmen auch erkannt.

Statt nur zu einem anderen Lebensversicherer

zu wechseln, der das zur Versorgung

passende Produkt noch anbietet,

empfiehlt bAV-Experte Teichmann den Unternehmen

zu prüfen, ob nicht eine grundsätzliche

Modernisierung der Versorgung

sinnvoller ist. Die Aon Hewitt-Studie ergab,

dass es für 45 Prozent der Befragten

sogar denkbar wäre, ihre Versorgungsregelung

komplett neu zu gestalten, wenn

Handlungsdruck entstehen sollte. Bei der

Wahl eines neuen Versicherungsproduktes

ist 88 Prozent der Befragten die finanzielle

Stabilität des Anbieters sehr wichtig –

gefolgt von Transparenz (48 Prozent) und

Flexibilität (37 Prozent). Für 65 Prozent

der Arbeitgeber sind außerdem die Möglichkeit,

Hinterbliebene im Todesfall und

Mitarbeiter im Fall der Berufsunfähigkeit

(55 Prozent) abzusichern, wichtige Bestandteile

des bAV-Angebotes. Mehr als

60 Prozent der befragten Unternehmen

wünschen sich daher, die Leistungen bei

Alter, Tod und Invalidität in einem Versicherungsvertrag

zu bündeln. „Hier sind

die Lebensversicherer aufgefordert, die

Produkte der neuen Generation dahingehend

weiterzuentwickeln, dass sie sich

auch für die Abbildung komplexer Versorgungsordnungen

eignen, um sie uneingeschränkt

für die bAV tauglich zu machen“,

macht Teichmann deutlich.

Große Unsicherheiten bestehen noch bei

den Handlungsoptionen und deren Vorund

Nachteilen. „Das Angebot an neuen

Produkten ist nicht mehr so homogen und

selbst für Fachleute nicht immer transparent“,

berichtet der Aon Hewitt-Manager.

Bei den Produkten der neuen Generation

könne sowohl die garantierte als auch die

zum Rentenbeginn hochgerechnete Leistungshöhe

nur sehr eingeschränkt als

Entscheidungsgrundlage herangezogen

werden. Um das passende Produkt zu finden,

seien – anders als bei klassischen

58 Ausgabe 2/2016


VERSICHERUNGEN I FinanzBusinessMagazin

Tarifen – Produktmerkmale, wie beispielsweise

Gestaltungsrechte bei der Kapitalanlage

oder die Einschlussmöglichkeit von

Zusatzversicherungen, ausschlaggebend.

Die Versicherer lenken ihren Fokus im Bereich

der bAV auf die Direktversicherung.

Bei der Nutzung als Rückdeckungsversicherung

haben die neuen Produkte noch

Schwächen. „Hier ist darauf zu achten,

dass die Versorgungsregelung sehr sorgfältig

ausgestaltet wird, damit es nicht

zu unerwünschten bilanziellen Effekten

kommt“, mahnt Teichmann.

Die Studie ergab auch, dass die Unternehmen

an der arbeitgeberfinanzierten

Versorgung festhalten wollen: Unverändert

gegenüber dem Vorjahresergebnis

ist der überwiegende Teil der Befragten

(87 Prozent) davon überzeugt, dass die

bAV auch zukünftig eine wichtige Rolle

spielen wird, um neue Mitarbeiter zu gewinnen

und Arbeitnehmer zu binden. Nur

11 Prozent der Unternehmen überprüfen

derzeit, ob sie ihr Angebot einstellen.

Autor: www.aonhewitt.com

Zielrente – Mogelpackung zulasten

der Arbeitnehmer?

Wege aus der Zinsfalle mit Defined Ambition

In der andauernden Niedrigzinsphase

suchen Unternehmen nach alternativen

Betriebsrentenkonzepten. Immer

häufiger taucht in diesem Zusammenhang

der Begriff „Defined Ambition“

oder „Zielrente“ in der Öffentlichkeit auf.

Gemeint ist damit, dass lediglich eine

dauerhafte Betriebsrentenhöhe (Zielrente)

angestrebt wird, der Arbeitnehmer

jedoch kein garantiertes Leistungsniveau

erhält. Dieses kann je nach Ertragslage

schwanken, also auch geringer ausfallen.

Der Arbeitgeber ist somit nicht in

der Pflicht, für die in Aussicht gestellten

Leistungen einzustehen, da im Falle ungünstiger

Entwicklungen das Leistungsniveau

– auch während des Rentenbezugs

– korrigiert werden darf. Handelt es sich

also um ein Konzept, das die Arbeitgeber

aus der Haftung nimmt – zulasten der Arbeitnehmer?

„Der Arbeitgeber kann nicht

gezwungen werden, hohe Betriebsrenten

zuzusagen und zu garantieren und damit

verbundene langfristige finanzielle Risiken,

die sich gerade in der seit Jahren

andauernden Niedrigzinsphase zeigen,

einzugehen“, erklärt Dr. Rafael Krönung,

Aktuar und Principal bei Aon Hewitt. „Das

Konzept der Defined Ambition oder Zielrenten

unterstützt vielmehr das Bestreben,

Arbeitnehmern auch zukünftig eine

attraktive Versorgung zu ermöglichen“,

führt Krönung weiter aus. So zeigen realistische

Beispielrechnungen, dass im

Vergleich zu klassischen Modellen – auch

ohne erhöhtes Risiko in den Kapitalanlagen

– eine Erhöhung des Leistungsniveaus

um mehr als 50 Prozent zugunsten

der Arbeitnehmer möglich wäre. Der Preis

hierfür: Die Rentenhöhe ist nicht garantiert

und könnte bei Bedarf auch nach unten

angepasst werden.

Ausgabe 2/2016

59


FinanzBusinessMagazin I VERSICHERUNGEN

Quelle: © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Defined Ambition oder Zielrenten stellen

für Krönung im aktuellen Marktumfeld

eine Chance dar, weiterhin auskömmliche

Betriebsrenten zu ermöglichen. Erwartet

beispielsweise eine Pensionskasse derzeit,

dauerhaft 2,75 Prozent an Kapitalverzinsung

zu erzielen, könnte den Versicherten

bei einem Renteneintritt mit 65 Jahren für

ein Versorgungskapital von 100.000 Euro

eine lebenslange Altersrente von rund

5.500 Euro jährlich gewährt werden. Bei

dieser Summe handelt es sich um das Leistungsniveau,

das man glaubt, dauerhaft

erreichen zu können – also die Zielrente.

Stellen sich die ursprünglichen Annahmen

im Nachhinein als unzutreffend heraus,

müsste die Zielrente nach oben oder unten

angepasst werden.

Dazu Krönung: „Die derzeitige Realität

bei den klassischen Zusagekonzepten ist

hingegen, dass aufgrund der vorsichtig

zu wählenden Rechnungsgrundlagen in

aktuellen Tarifen für das gleiche Versorgungskapital

eher eine garantierte Rente

in Höhe von ca. 3.000 Euro p.a. resultieren

würde.“ Selbst wenn die Rentenleistung

jährlich durch erwirtschaftete

Überschüsse um 1,5 Prozent erhöht würde,

erreicht diese klassische garantierte

Rente das Niveau des Zielrentensystems

erst, wenn der Versicherte 96 Jahre alt

ist. Eine Gegenrechnung zeigt auf, dass

sich die Zielrente selbst bei einer Kürzung

der Leistungen um 45 Prozent noch

auf dem Niveau der garantierten Rente

befinden würde. Gerade im Hinblick auf

die Senkung des aufsichtsrechtlichen

zulässigen Höchstrechnungszinses für

Neuzusagen auf lediglich 0,9 Prozent ab

dem 1. Januar 2017 ist klar: Ohne Änderungen

an den traditionellen Betriebsrentenkonzepten

werden sich Arbeitnehmer

darauf einstellen müssen, dass die

zugesagten Garantieleistungen weiter

sinken werden. Selbst Überschussbeteiligungen

können diese Verminderungen

des Leistungsniveaus bei Weitem nicht

kompensieren. Ein Verzicht auf Garantien

zugunsten einer deutlich höheren

Zielrente ist somit keine Mogelpackung,

sondern vor allem auch im Interesse der

Arbeitnehmer.

Autor: www.aonhewitt.com

60 Ausgabe 2/2016


VERSICHERUNGEN I FinanzBusinessMagazin

Outsourcing in der

Assekuranzwirtschaft: Wachsender

Kostendruck setzt Umdenken in Gang

Noch halten sich deutsche Versicherer

mit Outsourcing-Investitionen

zurück. Doch das dürfte sich in Zukunft

ändern: Laut einer aktuellen Untersuchung

von Sopra Steria Consulting sehen

35 Prozent der befragten Unternehmen in

der Auslagerung von Geschäftsprozessen

hohe Potenziale zur Realisierung von Kostensenkungen.

Die Untersuchung zeigt

aber auch, dass Outsourcing-Erfolge in

dieser Branche nur mit einer veränderten

Unternehmenskultur und verstärkter Prozessstandardisierung

möglich sind.

Die Auslagerung von IT-Anwendungen und

Querschnittsfunktionen bietet in der Versicherungsbranche

ein besonders hohes

Kosteneinsparpotenzial. Zu diesem Ergebnis

kommt die empirische Untersuchung

„Outsourcing-Potenziale in der deutschen

Versicherungswirtschaft“

von

Sopra Steria Consulting.

Ebenfalls

lohnenswert nennen

86 Prozent

der befragten Unternehmen

die –

in Teilen bereits

praktizierte – Auslagerung

ihres

Output-Managements.

Das ist insofern

nicht überraschend, als das interne

Output-Management nicht dem Kerngeschäft

eines Versicherers zugerechnet

wird und somit keinen direkten Beitrag

zur Wertschöpfung leistet. Als klassische

Outsourcing-Kandidaten gelten insbesondere

die unterstützenden Funktionen, weil

sie zumeist stärker standardisiert sind,

eine geringere Komplexität aufweisen und

sich durch eine Auslagerung somit höhere

Skaleneffekte erzielen lassen. Zudem

ist das Outsourcing-Risiko bei unterstützenden

Querschnittsfunktionen in der

Regel deutlich geringer und die Transaktionshäufigkeit

größer als bei strategisch

bedeutsamen Prozessen.

„Versicherungsgesellschaften sollten den

Wertschöpfungsbeitrag ihrer Prozesse

zum eigenen Kerngeschäft konsequent

analysieren, da sich nur so das unternehmensindividuelle

Outsourcing-Potenzial

unter Berücksichtigung der strategischen

Ausrichtung valide abschätzen lässt“,

empfiehlt Studienautor Harry Schumacher.

Eine Überprüfung der eigenen Wertschöpfungskette

sei auch deshalb angeraten,

weil auf diese Weise am schnellsten

erkennbar wird, welche Prozessbereiche

beim Outsourcing die größten Kostenvorteile

versprechen. Allerdings streut

die derzeitige Unternehmensorganisation

vieler Versicherungen beim Outsourcing

oftmals Sand ins Getriebe. Schuld daran

sind zumeist spartenund

produktorientierte

Organisationstrukturen,

die zudem für den vergleichsweise

geringen

Standardisierungsgrad

in der Versicherungsbranche

verantwortlich

sind. „Höhere Kosteneffizienz

durch Prozess-

Outsourcing setzt folglich

organisatorische Veränderungen

voraus, die ihrerseits

nur mit einer gewandelten Unternehmenskultur

gelingen können“, so Harry

Schumacher. Wie hoch der Kostendruck in

der Assekuranzwirtschaft heute ist, belegt

nicht zuletzt der „Branchenkompass Insurance

2015“ von Sopra Steria Consulting:

Sieben von zehn der dafür Befragten bezeichneten

die Kostenlage ihres Unternehmens

als eine zentrale Herausforderung.

90 Prozent gaben sinkende Prozesskosten

und steigende Prozesseffizienz als eine ihrer

strategischen Prioritäten für die nächsten

Jahre an.

Autor: www.soprasteria.de

Ausgabe 2/2016

61


FinanzBusinessMagazin I VERSICHERUNGEN

67rockwell Consulting:

Digitalisierungsstrategien deutscher

Versicherungsunternehmen greifen

nicht weit genug

Die Digitalisierungsstrategien deutscher

Versicherungsunternehmen

schöpfen nach wie vor die

Potentiale der Digitalisierung nicht aus.

Zu diesem Ergebnis kommt 67rockwell

Consulting bei ihrer Analyse der Digitalisierungsaktivitäten

im Versicherungsbetrieb.

Die aktuelle Studie zeigt, dass die

Strategie- und Projektansätze im Wesentlichen

der Optimierung tradierter Strukturen

folgen – die notwendige nachhaltige

Änderung der Geschäftsmodelle der

Versicherungsunternehmen entlang der

Möglichkeiten digitaler Transformation ist

nicht erkennbar. „Im Vordergrund stehen

aktuell Kosteneinsparpotentiale, die durch

die Verbesserung von Prozessen gehoben

werden sollen. Die Herausforderungen der

Digitalisierung greifen jedoch sehr viel

weiter. Vielen Unternehmen

fehlt noch immer das klare

Zielbild ihrer Digitalisierungsaktivitäten

und damit

auch die Vorstellung, was

zukünftig möglich sein wird“,

sagt Marcus Laakmann, Geschäftsführender

Gesellschafter

bei 67rockwell Consulting.

Die aktuell durchgeführte

Studie zur Digitalisierung im Versicherungsbetrieb

zeigt, dass die Erhöhung der

Prozessgeschwindigkeit (71 %), die Verbesserung

der Kommunikationswege (71

%), die Verbesserung des Kundenservice

(65 %) und die Hebung von Kosteneinsparpotentialen

(65 %) als die wesentlichen

Ziele der Digitalisierung angesehen

werden. Veränderungen auf der Produktseite

und die sich ergebenden Herausforderungen

im Kundenumgang bekommen

laut der Studie erst langsam Priorität:

Projekte wie Self-Service-Portale und Onlineberatungen

sind in Planung, deren

Umsetzung steht noch aus. Die Integration

detaillierten Untersuchungen zum digitalen

Verhalten der Kunden bei der Entwicklung

der Digitalisierungsmaßnahmen

ist dabei nur mittelbar erkennbar. „Die

Entwicklung der digitalen Transformation

rund um die deutschen Versicherungsunternehmen

zeigt, dass die Kundenschnittstelle

noch deutlicher in den Fokus der Digitalisierungsaktivitäten

gerückt werden

muss. Den Segmentierungsstrategien der

Insure-Techs gelingt es inzwischen zunehmend

erfolgreich, die ertragsstarken Kunden

aus bestehenden Vertragsmodellen

zu lösen“, führt Laakmann aus. „Um hier

die richtigen Schwerpunkte bei den Maßnahmen

zur Kundenbindung zu setzen,

empfiehlt sich eine detaillierte Analyse der

Kundenkontaktpunkte auf

Basis des Customer-Journey-Ansatzes“,

führt Laakmann

aus. „Unsere Auftraggeber

konnten so ihre

Budgets in für den Kunden

nutzenstiftende Maßnahmen

lenken und Fehlinvestitionen

vermeiden. Es ist essentiell,

die Kundenerwartungen und

das digitale Verhalten der

Kunden zu kennen, denn

nicht alles, was technisch möglich ist, wird

auch vom Kunden angenommen.“

Die Ergebnisse zeigen, dass bei 50 % der

Unternehmen veraltete IT-Systeme sowie

eingeschränkte IT-Kapazitäten bei einer

gleichzeitig sehr hohen Zahl laufender

IT-Projekte stark limitierende Faktoren

der Digitalisierung sind. Zusätzlich werden

die Möglichkeiten der Digitalisierung

in den Gesellschaften und Sparten der

Unternehmen unterschiedlich bewertet;

bei knapp 50 % der befragten Unterneh-

62 Ausgabe 2/2016


VERSICHERUNGEN I FinanzBusinessMagazin

men sind verschiedene Organisationseinheiten

mit der Digitalisierung befasst.

Der Schritt, die Gesamtverantwortung

der Steuerung der digitalen Transformation

der oft neu geschaffenen Position

des CDO (Chief Digital Officer) zu

übertragen, ist ein konsequenter Schritt

in Richtung Stabilisierung der Geschäftsmodelle.

„Die nachhaltige Anpassung der

Geschäftsmodelle aufgrund der digitalen

Transformation ist zwingend notwendig.

Nur wer ein klares Zielbild seiner Digitalisierungsstrategie

hat, wird im Wettbewerb

bestehen können. Die feste Verankerung

der Kundensicht ist dabei der

wesentliche Erfolgsparameter, “ fasst

Laakmann zusammen.

Autor: www.67rockwell.de

So investieren Versicherer

Kapitalanlagen übersteigen erstmals 1,5 Billionen Euro

Die Kapitalanlagen der deutschen

Versicherer haben 2015 erstmals

die Marke von 1,5 Billionen Euro

überschritten. Rund 80 Prozent des Investitionsvolumens

entfallen auf Zinsanlagen

– beispielsweise Pfandbriefe, Rentenfonds

oder auch Darlehen. In Staatsanleihen

investieren die Versicherer weniger als

häufig angenommen – sie machen in der

Direktanlage weniger als 6 Prozent der

gesamten Kapitalanlagen aus. Die deutschen

Erst- und Rückversicherer hielten

zum Jahresende 2015 Kapitalanlagen im

Volumen von 1,509 Milliarden Euro. Im

Vergleich zu 2014 ist dies ein Anstieg um

fast 60 Milliarden Euro bzw. rund 4 Prozent.

Festverzinsliche Kapitalanlage dominiert

Damit Versicherer jederzeit ihre zugesagten

Verpflichtungen erfüllen können,

investieren sie überwiegend in sichere

Kapitalanlagen mit langfristig planbaren

Zinserträgen. Diese Rentenanlagen machen

vier Fünftel des gesamten Anlagevolumens

aus. Lediglich 20 Prozent entfallen

auf Investitionen mit höheren Risiken

bzw. weniger gut kalkulierbaren Erträgen.

Der Aktienanteil beispielsweise lag zum

Jahresende 2015 nur bei gut 4 Prozent,

auf Immobilien und Unternehmensbeteiligungen

entfallen zusammengenommen

rund 13 Prozent. Das Verhältnis von Renten-

zu anderen Kapitalanlagen ist seit

einigen Jahren weitgehend stabil. Unter

den Rentenanlagen dominieren Anleihen:

Rentenfonds machen 22 Prozent der gesamten

Kapitalanlagen aus, Unternehmensanleihen

7,2 Prozent und Staatsanleihen

sowie Anleihen anderer öffentlicher

Schuldner 5,7 Prozent.

56 Milliarden Euro für Häuslebauer

Auch als Kreditgeber spielt die Versicherungswirtschaft

eine bedeutende Rolle.

Gut 18 Prozent der Kapitalanlagen fließen

in Darlehen – überwiegend an Kreditinstitute

und die öffentliche Hand. Aber auch

für Privathaushalte sind Versicherer wichtige

Kapitalgeber. In Hypotheken zur Immobilienfinanzierung

stecken 3,7 Prozent

der Kapitalanlagen – das entspricht rund

56 Milliarden Euro.

Autor: www.gdv.de

Ausgabe 2/2016

63


FinanzBusinessMagazin I VERSICHERUNGEN

Nach dem Garantiezinsschock:

„Klassik hat endgültig ausgedient“

Laut einer Kurzbefragung erwarten

Versicherer Stückeverluste im deutlichen

zweistelligen Bereich. Die

Branche muss nun Maßnahmen ergreifen,

um auf dem Damm zu bleiben. Die Absenkung

des Garantiezinses auf 0,9 Prozent ist

insgesamt schlecht für die Branche, aber

dennoch erforderlich. Das gestehen sich

die Versicherer selbst

ein. Simon-Kucher &

Partners hat mit einer

Kurzbefragung

unter Versicherungsmanagern

ein Stimmungsbild

der Branche

eingefangen.

Dass die Absenkung

schlecht für die Branche

ist, geben demnach

über die Hälfte

der Befragten zu.

Gleichzeitig sind drei

Viertel der Meinung,

dass diese Regelung

zwingend ist. Die gute Nachricht: Fast

jeder Zweite sieht in dem notwendigen

Übel eine Chance. „Richtig so, Klassik hat

endgültig ausgedient. Versicherer sollten

nun das Beste daraus machen und die

Senkung vielleicht sogar positiv für sich

nutzen“, erklärt Dr. Dirk Schmidt-Gallas,

Member of the Board bei Simon-Kucher.

Stückeverluste und

Gegenmaßnahmen

Das Ganze klingt zunächst nach einer

Katastophe: Die Hälfte der Befragten ist

sich bereits sicher, dass die Absenkung

des Garantiezinses zu massiven Stückeverlusten

führen wird. Demnach erwarten

acht von zehn einen Stückeverlust

im zweistelligen Bereich für das kommende

Jahr. Über die Hälfte schätzt den

Rückgang auf 10-25 Prozent ein. Mehr

als jeder Zehnte glaubt, dass es Stückeverluste

in Höhe von 35 Prozent oder

mehr geben wird. „Das ist eine beachtliche

Menge – aber überrascht nicht“, so

Studienleiter Frank Gehrig, Director bei

Simon-Kucher. „Man wird den Beitrag

nicht halten könnten. Die Versicherer

haben nun handeln, um langfristig wieder

auf einen grünen Zweig im Neugeschäft

zu kommen.“ Das glauben auch

die Befragten, die

konkrete Maßnahmen

ergreifen

wollen. So planen

fast drei Viertel

der Befragten,

neue Produkte

Quelle: © vege - Fotolia.com

mit alternativen

Garantieformen

und mehr als die

Hälfte neue Produkte

ohne Garantien

auf den

Markt zu bringen.

„In die Offensive

zu gehen ist jetzt

genau der richtige Weg“, so Gehrig. Eine

weitere Reduktion von Verwaltungs- und

Abschlusskosten – die mehr als die Hälfte

planen – sieht Gehrig hingegen nicht als

Lösung des Kernproblems. Die Begeisterung

in der Branche hält sich also allgemein

in Grenzen. Auch, da ein Großteil

den Zeitdruck und verlorene Kapazitäten

aufgrund der Garantiezinssenkung als

lästig empfindet. Denn mehr als die Hälfte

der Befragten findet, dass sie durch

die notwendigen Reaktionen auf den abgesenkten

Garantiezins daran gehindert

wird, sich mit volumen- und ertragsrelevanten

Themen zu beschäftigen. Und für

rund ein Drittel wird die Überschussbeteiligung

durch die Absenkung des Garantiezinses

wichtiger. „Um in Zukunft

wieder zu punkten muss die Assekuranz

anpacken: nämlich jetzt neue Produkte

entwickeln, die bei Endkunden und Vertrieb

ankommen“, so Schmidt-Gallas.

Autor: www.simon-kucher.com

64 Ausgabe 2/2016


VERSICHERUNGEN I FinanzBusinessMagazin

Niedrigzins treibt

Pensionsverpflichtungen in die Höhe

Willis-Towers-Watson-Analyse “German Pension Finance

Watch / 2. Quartal 2016

Die aktuellen Marktturbulenzen hinterlassen

ihre Spuren auch in der

Bilanzierung betrieblicher Pensionspläne.

Im zweiten Quartal 2016 stiegen

die Pensionsverpflichtungen der DAX-

Konzerne um 7,0 Prozent auf 428,8 Mrd.

Euro, nachdem der Rechnungszins auf

1,7 Prozent gefallen war. Hingegen stieg

das Planvermögen leicht um 0,4 Prozent

auf 237,0 Mrd. Euro. Zu diesem Ergebnis

kommen Modellberechnungen von Willis

Towers Watson. Die „German Pension

Finance Watch“ (GPFW) stellt die Auswirkungen

der Kapitalmarktentwicklungen

auf deutsche Benchmark-Pensionspläne

dar. Verglichen wird ein Musterplan, der

Ende 2003 vollständig ausfinanziert war

(100-Prozent-Plan) und laufend in Höhe

der neu verdienten Ansprüche dotiert wird

mit einem für ein DAX- beziehungsweise

MDAX-Unternehmen typischen Pensionsplan.

Rechnungszins unter Druck

Von April bis Juni kletterten die Pensionsverpflichtungen

der DAX-Konzerne um

7,0 Prozent auf 428,8 Mrd. EUR, zeigt die

Hochrechnung des DAX-Musterplans. Auch

die Pensionsverpflichtungen

der MDAX-Unternehmen

verzeichneten

ein Plus von

6,9 Prozent auf 67,1

Mrd. EUR. Grund für

diesen deutlichen Anstieg

war der Verfall

des Rechnungszinses. Dieser war im zweiten

Quartal um 42 Basispunkte auf 1,70

Prozent eingebrochen, nachdem schon im

ersten Quartal ein Rückgang um 38 Basispunkte

auf 2,12 Prozent zu verzeichnen

war. „Diese Talfahrt lässt sich zum einen

auf die Leitzinspolitik der Europäischen

Zentralbank (EZB) und der US Federal Reserve

(US Fed) und zum anderen auf eine

gestiegene Nachfrage nach sicheren Anlagen

zurückführen. So wurden im März die

Leitzinsen im Euroraum gesenkt und in den

USA – anders als erwartet – nicht erhöht.

Die Ausweitung des Quantitative Easing-

Programms der EZB sowie die Marktturbulenzen

in Folge des Brexit ließen die Nachfrage

nach den für die Zinsfestsetzung

maßgeblichen AA-Anleihen steigen. In der

Folge reduzierten sich ihre Renditen und

damit der anzusetzende Rechnungszins

weiter“, erklärt Dr. Thomas Jasper, Leader

Retirement Western Europe von Willis Towers

Watson, die aktuelle Entwicklung. Er

betont: „Dadurch stieg der in den Bilanzen

anzusetzende Verpflichtungsumfang für

die betriebliche Altersversorgung – erfolgt

gemäß der Rechnungslegungsvorschriften

unmittelbar der Volatilität des Zinsumfelds.“

Planvermögen stabil,

Verpflichtungsumfang gestiegen

Trotz des turbulenten Marktumfelds wuchsen

die Planvermögen im DAX um 0,7 Prozent

auf 237,0 Mrd. Euro; im MDAX blieben

sie stabil bei 27,8 Mrd. Euro. Hingegen

waren aufgrund des Niedrigzinsumfelds

deutlich höhere Pensionsverpflichtungen

in den Bilanzen anzusetzen – im

DAX 428,8 Mrd. Euro (+7 Prozent)

und im MDAX 67,1 Mrd. Euro (+

6,9 Prozent). Dies hat im zweiten

Quartal zu einem deutlich geringeren

Ausfinanzierungsgrad von

Pensionsplänen geführt. Der Ausfinanzierungsgrad

zeigt das Verhältnis

von Pensionsverpflichtungen und

den Finanzmitteln, die zu ihrer Erfüllung

zurückgestellt werden. Die GPFW kommt

zu dem Schluss, dass die Planvermögen

im DAX Ende Juni einen Ausfinanzierungsgrad

von nur 55,3 Prozent erreichten – ein

Rückgang um weitere 3,5 Prozentpunkte

gegenüber Ende März. Bei den MDAX-

Planvermögen fiel das Minus mit 2,7 Prozentpunkten

auf 41,5 Prozent etwas mo-

Ausgabe 2/2016

65


FinanzBusinessMagazin I VERSICHERUNGEN

derater aus. „Da es sich bei den Pensionen

um langfristige Verpflichtungen handelt,

hat der aktuelle Druck auf das Bilanzbild

keinen unmittelbaren Einfluss auf den

Cashflow. Die Zahlung der Betriebsrenten

ist weiterhin gewährleistet“, erklärt Jasper.

Dennoch sollten

seiner Meinung nach

sowohl Unternehmen

als auch die Politik

nicht untätig bleiben:

„Eine flächendeckende

Verbreitung

der betrieblichen Altersversorgung

(bAV)

ist immer noch nicht

erreicht. Daher gilt

es, die gesetzlichen

Rahmenbedingungen

für die bAV weiter zu verbessern, damit es

den Unternehmen erleichtert wird, ihren

Mitarbeitern ein werthaltige bAV anzubieten“,

fordert der Altersversorgungsexperte.

bAV-Verantwortlichen in Unternehmen

empfiehlt er, die Marktturbulenzen zum

Anlass zu nehmen, um den angebotenen

Pensionsplan noch einmal zu prüfen: „Ist

das bAV-Angebot zeitgemäß? Kann die

Finanzierungsstrategie weiter ausgefeilt

werden? Sind Risikomanagement und Reporting

auf dem aktuellen Stand?“ Jasper

führt aus: „In den letzten Jahren haben

zahlreiche Unternehmen ihre bAV überarbeitet

und ihre Finanzierungsstrategien an

das Niedrigzinsumfeld angepasst. Damit

ist die bAV ‚wetterfest‘ aufgestellt – ganz

im Sinne von Unternehmen und Mitarbeitern.“

bAV: aus Mitarbeitersicht der

wichtigste Weg für die ergänzende

Altersvorsorge

Bei Arbeitnehmern steht die bAV weiterhin

hoch im Kurs, wie eine aktuelle Studie,

der „Global Benefits Attitudes Survey“

von Willis Towers Watson, belegt. Knapp

70 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland

geben an, hauptsächlich über die bAV für

ihre Rente vorzusorgen. Über 90 Prozent

meinen, dass die bAV ein gleichwertiges

oder sogar besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis

bietet als die private Altersvorsorge.

Mehr als vier Fünftel

(83 Prozent) wünschen sich,

dass ihr Arbeitgeber eine aktive

Rolle bei der Bereitstellung

einer Altersversorgung

spielt. „Gerade hier kann die

Politik ansetzen, wenn sie

eine weitere Verbreitung der

ergänzenden Altersvorsorge

erreichen will. Mitarbeiter

wollen die bAV und für Unternehmen

ist es im Hinblick

auf die Mitarbeitergewinnung

und -bindung mehr als sinnvoll, auf

diesen Wunsch einzugehen. Wenn nun die

Politik bürokratische Hürden und unnötige

Komplexität ausräumt, steht einer weiteren

Verbreitung nichts im Weg“, kommentiert

Jasper.

Quelle: © denphumi - Fotolia.com

Hohes Interesse an

Wahlmöglichkeiten –

Beratung erforderlich

Drei Viertel der Mitarbeiter wünschen sich

eine flexible bAV, um die Höhe ihrer Eigenbeiträge,

Auszahlungsoptionen und z.B.

eine Hinterbliebenenversorgung an ihre

individuelle Lebenssituation anzupassen.

Jasper betont: „Wenn Unternehmen entsprechende

Wahloptionen anbieten und

Mitarbeitern beispielsweise durch eine individuelle

Beratung helfen, aus dem angebotenen

Pensionsplan das Beste für sich

herauszuholen, stärkt das die Mitarbeiterbindung

erheblich.“ So sagen fast drei

Viertel der Mitarbeiter, die mit ihrer bAV

zufrieden sind, dass sie gern bis zur Rente

bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber arbeiten

möchten.

Autor: www.willistowerswatson.com

66 Ausgabe 2/2016


VERSICHERUNGEN I FinanzBusinessMagazin

Assekuranz im Social-Media-Aufwind

Aktuelle Trendstudie von HEUTE UND MORGEN

untersucht Mediennutzung und Kommunikation der

Bundesbürger sowie aktuelle Social-Media-Aktivitäten

der Versicherer und Krankenkassen

Der Lebensalltag der meisten Bundesbürger

– und damit auch der

Versicherungskunden – wir immer

digitaler und vernetzter. Angetrieben

wird diese Entwicklung durch das mobile

Internet und die wachsende Zahl an Social-Media-Kanälen.

Aktuell verbringen

die 18-65-Jährigen durchschnittlich bereits

fünf Stunden täglich im Internet und

in den sozialen Netzwerken; klassische

Medien und Kommunikationskanäle verlieren

demgegenüber an Bedeutung. Auf

diesen rasanten Wandel müssen sich auch

die Versicherer und Krankenkassen in ihren

Kommunikationsangeboten und Geschäftsprozessen

einstellen. Sie tun dies

im Social-Media-Bereich

bereits aktiver

und erfolgreicher als

oft angenommen –

zugleich fällt es jedoch

noch schwer

mit den rasanten

Veränderungen im

Kundenverhalten

schrittzuhalten,

echte Strategien

zu entwickeln und

eigene digitale Aktivitäten

auf Markenebene wirksam zu

integrieren. Dies zeigt die aktuelle Trendstudie

«Mediennutzung und Kommunikation

in Deutschland 2016» des Marktforschungsinstituts

HEUTE UND MORGEN in

Kooperation mit dem Kommunikationsberater

„As im Ärmel“. 2.000 Bundesbürger

im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, die

über Internetanschluss verfügen, wurden

im April 2016 repräsentativ zu ihrer Mediennutzung

und ihrem Kommunikationsverhalten

im Alltag befragt. Zugleich wurden

die aktuellen Social-Media-Aktivitäten

und Strategien von 210 deutschsprachigen

Versicherern und Krankenkassen

aus der DACH-Region differenziert nach

unterschiedlichen Medienkanälen analysiert

(Stand: Juni 2016).

Der moderne Kunde: mobil und digital

vernetzt

Der normale digitale Alltag verteilt sich

aktuell auf zwei Stunden stationäres Surfen

am PC, eine Stunde mobiles Surfen

via Smartphone oder Tablet, eine Stunde

E-Mails lesen und schreiben, und jeweils

eine halbe Stunde Aktivität mit „Whats-

App“ und in den – so genannten – „sozialen

Medien“. Als besonders wirksam in

der Ausbreitung der Digitalisierung im Alltag

erweist sich das Smartphone:

2010 nutzten dieses

erst 36 Prozent der bis

65-jährigen erwachsenen

Bundesbürger, heute sind es

über 80 Prozent.

Zu den bevorzugten Aktivitäten

zählen dabei das

Lesen und Schreiben von

„WhatsApp“-Nachrichten sowie

von klassischen E-Mails,

das Checken sozialer Netzwerke

sowie das Lesen von

News aus aller Welt. 42 Prozent nutzen ihr

Smartphone nicht nur tagsüber, sondern

auch noch abends im Bett vor dem Einschlafen

und jeder Dritte (33%) auch bereits

wieder vor dem Aufstehen. Mit dem

Smartphone als „zweiter Haut“ mutieren

die Deutschen zunehmend zum „Homo Digitalis“.

Gewinner und Verlierer der veränderten

Mediennutzung im Alltag

Im Entwicklungsvergleich der letzten fünf

Jahre zeigen sich bei der Mediennutzung

der Bundesbürger deutliche Gewinner und

Ausgabe 2/2016

67


FinanzBusinessMagazin I VERSICHERUNGEN

Verlierer: so hat beispielsweise die tägliche

Nutzung des Messenger-Dienstes «Whats-

App» seit 2010 besonders stark von 20

Prozent auf aktuell über 65 Prozent zugenommen,

während sich die Verwendung

´normaler´ SMS-Dienste im gleichen Zeitraum

mehr als halbierte (2010: 51%, 2016:

23%). Ebenfalls zugenommen, wenn auch

weniger stark, haben die täglichen Aktivitäten

auf «Facebook» (2010: 32%, 2016:

49%). «Twitter» und «Instagram» werden

aktuell erst von sieben Prozent der erwachsenen

Bundesbürger täglich genutzt.

Zu den Verlieren zählt - wie zu erwarten -

weiterhin das klassische TV. Insbesondere

bei den jüngeren Bundesbürgern: 54 Prozent

der erwachsenen Schüler, Azubis und

Studenten würden - vor die Wahl gestellt

– heute bereits lieber auf das klassische

Fernsehen als auf «YouTube» verzichten

(Bevölkerungsdurchschnitt: 19%). Generell

nutzen weiterhin vier Fünftel (79%) der

Bundesbürger das ´Echtzeit-TV´ (2010:

84%); allerdings verbringen sie im Vergleich

zu anderen Medienkanälen deutlich

weniger Zeit vor dem Fernseher als früher.

Die unter 40-Jährigen würden zudem mittlerweile

eher auf das Telefonieren als auf

das Chatten verzichten; nur bei den älteren

verhält es sich umgekehrt. Zudem lassen

sich unterschiedliche „digitale Typen“ ausmachen,

die immer weniger vom Alter der

Nutzer als von deren Medienkompetenz

und Bildungsbiographie abhängen; die tradierte

Unterscheidung in „Digital Natives“

und „Digital Immigrants“ verwischt zunehmend

- trotz weiterhin bestehender Unterschiede.

„Der fortschreitende Wandel des

Alltagsverhaltens in puncto Mediennutzung

und Kommunikation hat für die Assekuranz

erhebliche Auswirkungen auf die Erreichbarkeit

und Markenwahrnehmung der

Kunden und nicht zuletzt für die Gestaltung

der unmittelbaren Kundenbeziehungen“,

sagt Tanja Höllger, Geschäftsführerin beim

Marktforscher und Unternehmensberater

HEUTE UND MORGEN.

„Die Potenziale des mobilen Internets und

der sozialen Netzwerke im Hinblick auf

Reichweiten und Nutzungskontexte ist

enorm. Um diese wirksam zu nutzen und

den Anschluss an den Wettbewerb nicht

zu verlieren, müssen alte Denkmuster in

Frage gestellt und der Spagat zwischen

Strategie und nachlaufendem Aktionismus

gelingen. Einfach nur irgendwie dabei zu

sein, reicht nicht aus.“

Assekuranz im Social-Media-Aufwind –

zugleich noch deutliche

Entwicklungs- und Innovationspotentiale

Von den 210 im Rahmen der Studie untersuchten

deutschsprachigen Versicherern

und Krankenkassen verzichten aktuell lediglich

16 Gesellschaften gänzlich auf den

Einsatz von Social-Media-Kanälen in ihrer

Marken- und Kundenkommunikation. Die

in den sozialen Netzwerken aktiven 194

Gesellschaften sind in 25 verschiedenen

Plattformen und Diensten mit insgesamt

933 Social-Media-Profilen vertreten. Die

meisten Versicherer nutzen bereits durchschnittlich

sechs bis acht Social-Media-

Kanäle, rund jedes fünfte Unternehmen

allerdings auch erst ein oder zwei. Besonders

aktiv sind hier Provinzial, Allianz

und Techniker Krankenkasse. Allgemein

ist es für die Kunden noch schwer ein

zusammenhängendes, einheitliches Bild

der Social-Media-Aktivitäten der Anbieter

zu gewinnen. Zugleich decken sich die

Schwerpunkte der Aktivitäten der Assekuranz

im Social Web nicht automatisch mit

den aktuellen Nutzungsschwerpunkten

der Bundesbürger: so sind bspw. 57 Prozent

der Versicherungen auf „Twitter“ aktiv,

während nur sieben Prozent der Deutschen

den Kurznachrichtendienst täglich

nutzen. Hingegen bieten nur zwei Prozent

der Versicherungen „WhatsApp“ als Kommunikationskanal

an, obwohl zwei Drittel

(65%) der Bundesbürger diesen Messenger

täglich nutzen. Zugleich erscheinen

68 Ausgabe 2/2016


VERSICHERUNGEN I FinanzBusinessMagazin

die Social-Media-Aktivitäten häufig eher

noch als „Anhängsel“ denn als Bestandteil

einer integrierten digitalen Kommunikationsstrategie.

„Social Web und digitaler

Markenaufbau sind für die Versicherungsbranche

teils immer noch Neuland“, sagt

Marko Petersohn von dem auf die Assekuranz

spezialisierten Kommunikationsberater

„As im Ärmel“. „Die professionelle und

zielgerichtete Nutzung der neuen Kommunikationskanäle

nimmt aktuell allerdings

deutlich zu.“

Aktuelle Social-Media-Reichweiten

der Assekuranz

Auf „Facebook“ hat sich die Reichweite der

gesamten Versicherungsbranche seit Januar

2013 kontinuierlich um über 300 Prozentpunkte

auf aktuell 3,5 Millionen „Fans“

gesteigert. Spitzenreiter sind hier die Allianz,

Zurich und Techniker Krankenkasse.

Keinem Unternehmen gelingt es allerdings

bisher mehr als drei Prozent seiner Kunden

auf Facebook zu erreichen bzw. zu

aktivieren. Die Abonnentenzahl der Versicherer-Seiten

auf „Xing“ hat sich seit 2013

recht kontinuierlich auf mittlerweile über

170.000 entwickelt. Zahlenmäßig führen

hier Ergo, R+V und Axa. Die Follower-Entwicklung

auf der aufstrebenden Plattform

„Instagram“ - auf der immerhin bereits

37 Versicherer und Krankenkassen aktiv

sind - steigerte sich in den vergangenen

12 Monaten um etwa 650 Prozentpunkte.

Die absolute Zahl der Follower ist mit rund

33.500 Personen allerdings noch gering.

Die Reichweite unterschiedlicher Versicherungskanäle

auf „YouTube“ hat sich

seit Anfang 2013 kontinuierlich auf aktuell

über 76.000 Abonnenten entwickelt; eine

absolute Steigerung von über 1.100 Prozentpunkten.

Deutlicher Spitzenreiter ist

hier die AOK Rheinland/Hamburg, gefolgt

von der HUK 24. Während die YouTube-

Abonnentenzahl absolut betrachtet noch

gering ausfällt, kann die Zahl von aktuell

1,58 Mio. Video-Aufrufen bei einer Steigerung

von über 900 Prozent in den letzten

drei Jahren bereits stärker beeindrucken.

Eher noch zu verschlafen scheinen viele

Versicherer hingegen den – insbesondere

durch den Messenger-Dienst „Whats-

App“ in der Breite ausgelösten – Eintritt

in das „Messenger-Zeitalter“: Versicherer

bieten ihren Kunden bisher erst selten die

Möglichkeit, per „WhatsApp“ oder anderen

Messenger-Diensten mit ihnen in Kontakt

aufzunehmen. Gerade mit der unmittelbaren

digitalen Kommunikation via Chat,

Skype und Messenger zeigen sich viele

Versicherer noch sehr zurückhaltend, bzw.

tun sich schwer mit aktuellen Entwicklungen

im Medien- und Kommunikationsverhalten

Schritt zu halten.

Assekuranz bei Akzeptanz der

Social-Media-Aktivitäten

im Branchenmittelfeld

Fragt man die Bundesbürger selbst, welche

Unternehmen und Branchen mit ihren

Social-Media-Auftritten in den verschiedenen

Kanälen am meisten geschätzt

werden, ergibt sich für Versicherer und

Krankenkassen ein gemischtes Bild: Viele

Bundesbürger können sich beispielsweise

vorstellen, mit Versicherern zu „Skypen“

oder per „Messenger“ Kontakt aufzunehmen,

während Aktivitäten auf „Twitter“

von den Kunden nur wenig erwartet werden.

Besonderes Potenzial sehen diese auf

„YouTube“.

Am stärksten wertschätzen die Bundesbürger

Social-Media-Aktivitäten der Branchen

Automobil und Konsumgüter, die Assekuranz

landet im Branchenranking hier

im Mittelfeld; vor Banken und Sparkassen.

Wichtig zudem: unterschiedliche Social-Media-Kanäle

erfordern differenzierte

Strategien und müssen sich zugleich in ein

übergeordnetes digitales Gesamtgerüst

einfügen.

Autor: www.heuteundmorgen.de

Ausgabe 2/2016

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