Cimbernland

HeikeArnold

Magazin über zimbrische Sprachinseln in Italen. Ihre Geschichte, Gegenwart & Zukunft. Herausgeber: Cimbern-Kuratorium-Bayern e. V.

Kinderzeichnung „Orko“ von Severin J.F. Berger 2011

CIMBERNLAND

MAGAZIN ÜBER ZIMBRISCHE SPRACHINSELN IN ITALIEN. IHRE GESCHICHTE, GEGENWART & ZUKUNFT.

Cimbern Kuratorium Bayern e. V. // www.cimbern-kuratorium-bayern.de // Jahrgang 2015/16


INHALTE

NACHRUFE

EDITORIAL

REISEN

Cimbernfahrt 2014 nach Bassano, Roana und Lusérn

Mit Prof. Rowley im Fersental

„Amoi en Bersntol“ - Cimbernfahrt 2015

MEILENSTEINE 2015

Online-Wörterbuch und neue Homepage

SPRACHWISSENSCHAFT

Akademiker-Zimbrisch von Dr. Remigius Geiser

Aus den sprachinseln

Die deutschen Sprachinseln, Gastbeitrag von Luis Thomas Prader

Die Sprachinsel Lusérn lädt ein

Gedichte in zimbrischer und italienischer Sprache von Prof. Sergio Bonato

Das Land der Minnesänger, Beitrag von Prof. Anthony Rowley

schwerpunkt

1915-2015 - Erster Weltkrieg in Italien, Beitrag von Dr. Jörg Ruthrof


INHALTE

veranstaltungen

Vortrag Prof. Rowley in Geisenhausen

Die Sprachenvielfalt der Bayern

Jahreshauptversammlung in Holzhausen

Benefiz-Sonntagsmatinée mit Andrea Azzolini

Kultur + literatur

Literaturpreis Tönle Bintar

Neuerscheinungen

Literaturempfehlungen

KURATORIUM

Ehrenmitgliedschaften

Beitrittserklärung

Zahlen und Fakten

Danksagungen

ausblick 2016/17

Impressum


in memoriam

wir denken an ...

Dr. Ferdinand Jaquet

13. Sept. 1929, + 14. Februar 2015

Ministerialdirigent a. D.

Ehem. Geschäftsführer der Flughafen München GmbH

Therese Huber

19. Mai 1940 - 01. Nov. 2015

Bonbruck


An meinem Grabe

Da steht ihr nun, wollt mich betrauern, ihr

glaubt, dass ich hier unten bin:

ihr mögt vielleicht zunächst erschauern -

doch schaut einmal genauer hin.

Ich bin nicht hier - wie ihr vermutet, mein

Körper mag hier unten sein,

doch während die Musik noch tutet, bin

ich schon lang nicht mehr allein.

Seht ihr die Blätter dort im Wind? Es sind

sehr viele - sicherlich -

doch achtet drauf wie schön sie sind; und

eins der Blätter - das bin ich.

Seht die Wolken am Himmel ziehen,

schaut ihnen zu und denkt an mich,

das Leben war doch nur geliehen, und eine

Wolke - das bin ich.

Die Schmetterlinge auf der Wiese, perfekt

erschaffen - meisterlich,

ich bin so fröhlich grad wie diese, und

einer davon - das bin ich.

Die Wellen, die vom Bach getragen, erinnern

sie vielleicht an mich?

Ihr müsst nicht lange danach fragen: denn

eine Welle - das bin ich!

Blumen erblühen in all ihrer Pracht, die

Rose und selbst der Wegerich,

und alle sind für euch gemacht, und eine

Blume - das bin ich.

Ich möchte nicht, dass ihr jetzt trauert, für

mich wär das ganz fürchterlich.

Tut Dinge, die ihr nie bedauert: Denn Eure

Freude - das bin ich!

Heinz Rickal


CIM-

BERN-

LAND


EDITORIAL

AUFBruch ins

digitale

ZEITALTER

Jakob Oßner. Vorstandsvorsitzender

Liebe Mitglieder und

Freunde des Cimbern-Kuratoriums,

mit unserem 2015 neu gestalteten „Cimbernland“ - Magazin möchten wir

eine Brücke schlagen zwischen Gestern, Heute und Morgen - zwischen Erinnerungen

an den Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren in Italien und dem Lebenswerk

von Hugo F. Resch über

unsere Erlebnisse auf Reisen

und Fahrten bis zu den

heuer stattgefundenen Veranstaltungen,

die allesamtregen

Zuspruch fanden.

Zu den Erfolgen des Vereinsjahres 2015 zählt zweifelsohne die Fertigstellung

des langjährigen Projektes „Digitales Wörterbuch“ von Hugo

F. Resch. Seit Anfang des Jahres ist das Lebenswerk Resch‘s für ein weltweites

Publikum online zur Verfügung. Um das Wörterbuch herum wurde

eine neue Homepage aufgebaut, die sehr gut angenommen wird.

Als Genuss der Sinne lässt sich sicher die Ende September stattgefundene

Benefiz-Sonntagsmatinée mit dem jungen Pianisten Andrea Azzolini

bezeichnen. Zahlreiche Gäste waren gekommen, um den Tschaikowsky-Absolventen

und Enkel von Rino Azzolini zu hören. Im Oktober 2015 führte

unsere Cimbernfahrt ins Fersental, wo wir schöne Tage verbringen durften.

Im November 2015 schließlich hatten wir die Ehre, unserem emer. Papst Benedikt

XVI. im Vatikan in Rom die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft zu überreichen

- ein ganz besonderes, unvergessliches Erlebnis. Weitere Ehrenurkunden

wurden im Rahmen der Vorstandssitzung am 18. Dezember 2015

in München verliehen. Abschied nehmen mussten wir 2014/15 vonunserem

Mitglied Dr. Ferdinand Jaquet, der als Leiter der Staatskanzlei viel für das

Kuratorium getan hat und von Frau Therese Huber, die sich lange Zeit als

Berichterstatterin engagierte.

Mit einem herzlichen Vergelt‘s Gott verabschieden wir uns für dieses

Jahr bei allen, die uns aktiv unterstützt und treu begleitet haben.

Die Kinderzeichnung auf dem Titelblatt der „Cimberland“ 2015/16 stammt

aus der Hand von Severin J. F. Berger (Sohn unseres Vorstandsmitglieds Dr.

Raphael Berger, dem Preisträger des „Tönle Bintar“ (zusammen mit Dr. Remigius

Geiser).

Herzlich, Ihr


eiseberichte

CIMBERNFAHRT 2014

ROANA - BASSANO - ASIAGO - LUSÉRN

Die Jahresfahrt 2014 des Cimbern-Kuratoriums

zu den deutschen Sprachinseln Roana, Asiago

und Lusérn begeisterte die 62 Teilnehmer aus

München, Nürnberg, Landshut und Velden mit

einem abwechslungsreichen Programm. Neben

Besichtigungen architektonischer Meisterwerke,

Begegnungen mit zimbrischen Freunden,

ihrer Geschichte, Kultur und Sprache blieb ausreichend

Raum für das stille Gedenken an die

Opfer des Ersten Weltkrieges – und den Mitbegründer

des Kuratoriums Hugo Resch, dessen

Todestag sich zum zwanzigsten Mal jährte.

Text und Fotos: Heike Arnold

Mit einem bis auf den letzten Platz gefüllten Reisebus und einem

zusätzlich eingesetzten Kleinbus startete die Cimbernfahrt

2014 am Tag der Deutschen Einheit in Richtung Roana/

Robàan, der Partnerstadt der niederbayerischen Gemeinde

Velden. Nach einem ausgezeichneten Mittagessen, das traditionell

in S. Michele all’Adige eingenommen wurde, führte

der erste Weg zum Hugo-Resch-Denkmal, das im vergangenen

Jahr am Cimbernmuseum „Haus dar Simbarn Bissekot“

in Roana eingeweiht worden war. Dort gedachte man dem -

unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten

– Landshuter Sprachforscher, der sich über Jahrzehnte

hinweg um Land, Leute und Sprache der Cimbern bemüht hat

und „für immer in den Herzen der Cimbern“ geblieben ist.

Gefühlvoll betonten Valentino Frigo, Roana’s Bürgermeister

und Prof. Sergio Bonato, Vorsitzender des Cimbernkuratoriums

der Sieben Gemeinden, wie wichtig und bedeutsam die

Arbeit Resch‘s war und auch heute noch ist. Nach der Niederlegung

eines Blumengrußes am Denkmal verwies Jakob

Oßner als Vorsitzender des Kuratoriums auf eine der wertvollsten

Hinterlassenschaften des Cimbernfreundes – das

cimbrisch-deutsche Gesamtwörterbuch, das im Original

300 Akten umfasst. Er bedankte sich in diesem Zusammenhang

bei der mitgereisten Münchenerin Ruth Rosner, die

dem Kuratorium aus ihrem Stiftungsvermögen 20.000 Euro

für die Entwicklung einer Online-Version des Wörterbuches


eiseberichte

zur Verfügung gestellt hat – eine Zuwendung, ohne die

dieses Vorhaben hätte nicht realisiert werden können.

Ein Grußwort von Landrat Peter Dreier wurde vom langjährigen

Vorsitzenden des Kuratoriums und jetzigen

Ehrenvorsitzenden Josef Seidl verlesen; von Nina Geiselbrechtinger,

Tochter des ehemaligen Landrats Hans

Geiselbrechtinger, wurde es ins Italienische übersetzt.

Reich an Kultur und sicher im Geschmack

In Begleitung der Übersetzerin und Kommunikationsexpertin

Anna Balasso ging es am Samstagvormittag

zur Villa Barbaro, nach ihrem Standort auch bekannt

als Villa Maser.

Geplant und gebaut wurde die Villa in der Zeit von

1554 - 1558. Sie gilt als Musterbeispiel eines palladianischen

Landhauses, so genannt nach dem ital. Architekten

Andrea Palladio. Die Villa Barbaro ist Teil des

UNESCO-WELTERBES und befindet sich in Privatbesitz.

Das architektonische Meisterwerk wird auf Wikipedia

so beschrieben: Im Konzept der Villa Maser (…) sind

auf vorbildliche Weise beide Aufgaben einer damaligen

Villa vereinigt: Die Nutzung als repräsentativer Ort

des Vergnügens und der Erholung für die Auftraggeber

und deren Gäste als auch eine „Villa rustica“, ein

durchdachtes, möglichst wirtschaftlich organisiertes

Zentrum für eine ertragreiche Nutzung des Landgutes.

(…).

Dem entspricht die Öffnung der Villa zur Natur durch

die Arkaden der Seitenflügel. Die bildhauerische Ausschmückung

erfolgte durch Alessandro Vittoria.

In ihrem Inneren, das nur mit übergroßen Filzpantoffeln

betreten werden darf, überrascht die Villa mit

perfekter Illusionsmalerei von Paolo Veronese. Die

Kunst dieser Malerei, auch „Die Illusion der Realität“

genannt, besteht in einer „Täuschung des Auges“,

die „Draußen und Drinnen“ scheinbar eins werden

lässt. So spürt man im südöstlich gelegenen Raum

Stanza del Tribunale d’Amore, dem Zimmer der ehelichen

Liebe, förmlich den raschen Atem der jungen

Ehefrau, die zwischen ihrem Ehemann und ihrem Anwalt

vor dem Richter kniet. Spontan möchte man ihr

durch die in Scheinarchitektur gemalten Säulen und

Nischen nähertreten und lauschen, was sie zu ihrer

Verteidigung zu sagen hat.

Für einige Minuten der Illusion verfallen, brach die

Reisegruppe in die an Sehenswertem reiche Stadt

„Bassano del Grappa“ (cimbrisch: Bassan) auf. Ihren

Namen verdankt die Stadt nicht, wie man meinen

könnte, dem bekannten Tresterbrand, sondern

dem benachbarten Berg Monte Grappa, der im Ersten

Weltkrieg Schauplatz schwerer Kämpfe war.


eiseberichte

AUF DEN SPUREN

Andrea Palladio‘s

IN BASSANO DEL GRAPPA

Auch in Bassano begegnet

man wieder dem Architekten

Palladio. Nach seinem

Entwurf entstand im 13.

Jahrhundert die berühmte

Holzbrücke Ponte degli Alpini

über die Brenta.

Nicht ohne einen Abstecher

in das Grappa-Museum

„Wir leben alle unter dem gleichen Himmel,

aber nicht alle haben den gleichen Horizont“

(Konrad Adenauer)

zu machen und eine Verkostung der edlen Spirituosen

vorzunehmen, folgte am späten Nachmittag der Besuch

der Villa Angarano in Bassano. Bei diesem Gebäude handelt

es sich um ein 1548 von Palladio entworfenes Herrenhaus,

von dem jedoch lediglich die Flügelbauten nach

den Plänen des berühmten Architekten gebaut wurden.

Das Gebäude wurde 1996 von der UNESCO mit anderen

Villen Palladios zum Weltkulturerbe erklärt.

Mit großer Begeisterung für die äußere Schönheit des

Gebäudes und den jahrhundertealten Baumbestand im

Park der Villa, ließ sich die Reisegruppe bereitwillig im

ehemaligen Stall des Gutes nieder – einem aufwändig

mit edlen Holzboxen ausgestattetem Raum, den sich rassige

Zuchthengste mit einer edlen Pferdedame teilten.

Bei bestem Wein und bestem Käse konnte über Gott und

die Welt philosophiert und nach Herzenslust fotografiert

werden.

Reich an Impressionen und beeindruckt vom guten Geschmack

der Italiener kehrte die Reisegruppe am Abend

ins Albergo alla Vecchia Stazione zurück. Dort sollte sie

– gemeinsam mit geladenen Gästen - einen unvergesslichen

„cimbrischen Abend“ erleben.

Dass dieser Abend, zu

dem auch der Veldener Bürgermeister

Ludwig Greimel

mit Gattin Susanne sowie

der Geschäftsführer des

Marktes Velden, Thomas

Schratzenstaller, angereist

waren, ein solch großer

Erfolg wurde, ist vor allem

Nina und Hans Geiselbrechtinger

zu verdanken.

Sie hatten

über ihre privaten

Kontakte die „Gruppo

Folk“, das „Duo

Vellar“ und den Corale

Cimbra als hervorragende

Repräsentanten der cimbrischen Kultur

für die Gestaltung des Abends gewinnen können. Bis

in die frühen Morgenstunden wurde gemeinsam getanzt,

gesungen und gelacht, viele neue Freundschaften

wurden begründet und alte Beziehungen erneut

aufgefrischt – ein herzlicher, friedlicher Abend ganz

im Sinne der gelebten Partnerschaft im vereinten Europa.

Berührende Stimmen.

Bewegende Worte.

Zeichen des Friedens.

Am Sonntagvormittag, dem Tag der Hl. Giustina, standen

der Besuch des katholischen Gottesdienstes in

der Kirche von Roana und die Besichtigung des „Forte

Interotto“ zur Wahl. Während ein Teil der Reiseteilnehmer

am Fort den Gefallenen des Ersten Weltkrieges

gedachten, ließ sich der andere Teil von wunderbaren

Chorstimmen „ergreifen“.


eiseberichte

Dem anschließenden Mittagessen im bekannten und

beliebten Ristorante von Francesco Rebeschini folgte

der Besuch einer Käserei und die Besichtigung des

Mausoleums von Asiago.

Begleitet von Gianluca Rodighiero, einem der jüngsten

italienischen Mitglieder des Kuratoriums, fand am

späten Nachmittag im beeindruckenden Sitzungssaal

des Rathauses von Asiago ein Empfang statt. Der

noch sehr junge Stadtrat Franco Nella und der ebenfalls

erst knapp vierzigjährige Bürgermeister Roberto Rigoni

Stern machten ihre Sache mit Hilfe der Übersetzer

ausgesprochen gut. Beide zeigten sich engagiert und

bestens über die langjährigen Verbindungen zwischen

dem Cimbern Kuratorium und der Kommune Asiago informiert.

Mit dem mitgebrachten Veldener Volksfestbier

im Fass und weiteren regionalen Produkten aus Bayern

machte das Kuratorium den Vertretern der Stadt eine

große Freude. Umgekehrt freute

man sich im Kuratorium über

die Zeichen der Freundschaft,

die vom Bürgermeister Asiago’s

überreicht wurden. Nach einem

langen, sehr interessanten Tag

wurde bis spät in die Nacht über

die zahlreichen Erlebnisse sowie

das Programm des nächsten

und letzten Reisetages gesprochen

– den Besuch der 300-Seelen-Gemeinde

Lusérn.

„Wir sind die Letzten, aber

kein Museum!“

So lautet der Titel einer Geschichte

von Helmut Luther im

Reiseblatt der Frankfurter Allgemeinen

Zeitung vom 22. Mai

2014 – ein lesenswerter Beitrag, in dem die Rede ist von

der uralten Sprache und Kultur der Zimbern und dem

Tourismus, der das Überleben des Zimbrischen ermöglichen

soll.

Ein „Example par excellence“, was die Erreichung

dieses Zieles betrifft, ist der kleine Ort Lusérn in der Region

Trentino-Südtirol. Mit einem Dokumentationszentrum,

in dem jährlich beeindruckende Ausstellungen

zu diversen historischen Themen der Region gezeigt

werden, einem mit modernster Technik ausgestatteten

Kulturinstitut, dem kleinen Haus von Prükk, in dem man

in die Welt der Bewohner von anno dazumal eintauchen

kann und mit einer kleinen, aber feinen Pinakothek hat

sich das kleine Höhendorf Lusérn zu einem beliebten

Touristenort entwickelt. Allein im letzten Jahr besuchten

rund 12.000 Besucher das Dokumentationszentrum,

darunter auch viele Schulklassen. Mit zahlreichen

Publikationen, meist dreisprachig in zimbrisch-italienisch-deutsch,

trägt das Dokumentationszentrum sehr

zur Bekanntheit der deutschen Sprachinseln in Italien bei.

Zu verdanken hat Lusérn die positive Entwicklung dem

ehemaligen Bürgermeister Luigi Nicolussi-Castellan, der

zwanzig Jahre lang in München gearbeitet hat und neben

Zimbrisch und Italienisch auch ein sehr gutes tedesco

beherrscht. Und zudem die Kunst, seine Zuhörer durch

lebendige Erzählkunst rasch in seinen Bann zu ziehen.

Doch Nicolussi-Castellan ist nicht nur ein meisterhafter

Kommunikator, sondern auch ein versierter Finanzierungsmanager.

Dank seiner Hartnäckigkeit und seinem

festen Willen, die Sprache und Kultur seiner urbayerischen

Vorfahren zu bewahren, hat er dafür gesorgt, dass Lusérn

als Sprachinsel anerkannt und mit EU-Mitteln gefördert

wurde. Durchaus zunächst gegen einigen Widerstand in

der Bevölkerung konnten damit die genannten Projekte

realisiert werden. Mit Erfolg, wie der Mittsiebziger auf

charmante Art berichtet. Der Wegzug der Familien aus

dem Dorf konnte gestoppt und sogar einige Arbeitsplätze

für Frauen geschaffen werden – eine Entwicklung, die

„nicht der Einhaltung einer Frauenquote geschuldet

ist“ wie der Alt-Bürgermeister sagt, sondern „dem Respekt

vor den Frauen, die eine wichtigere Rolle für die

Gesellschaft spielen als die Männer und deshalb ganz

selbstverständlich ein Recht auf Arbeit und finanzielle

Unabhängigkeit haben.“


eiseberichte


eiseberichte

Das Fazit der Reise:

Die deutsch-italienische Freundschaft

ist keine Illusion

Und sie wird weiterleben, wenn – wie auf

der Cimbernfahrt 2014 – vom bayerischen

Cimbern-Kuratorium immer wieder neue

Mitglieder gewonnen werden, die sich für

den Erhalt der zimbrischen Sprache und

Kultur begeistern.

Zu dieser Begeisterung tragen seit Jahren

sowohl auf den Reisen des Kuratoriums

als auch auf den diversen Veranstaltungen

renommierte Sprachwissenschaftler und

Historiker bei wie z. B. Prof. Dr. Heydenreuter,

Prof. Dr. Anthony Rowley und Dr.

Remigius Geiser – wertvolle Verbindungen,

die von früheren Vorständen des Kuratoriums

geknüpft und über viele Jahre hinweg

gehegt und gepflegt werden. Die neue Vorstandschaft

unter dem Vorsitz von Jakob Oßner, dem

ehemaligen 2. Bürgermeister und Partnerschaftsbeauftragen

von Velden will es ihren Vorgängern gleich tun:

„Meine Vorstandskollegen, unsere Beisitzer und ich

werden ihr Bestes geben, um die wichtige Arbeit des

bayerischen Cimbern-Kuratoriums im Sinne der Gründer,

Förderer und Mitglieder mit Erfolg fortzuführen“,

versprach Jakob Oßner. „In Zeiten der Digitalisierung

wollen wir neben der persönlichen Beziehungspflege,

die durch nichts zu ersetzen ist, zunehmend die neuen

Medien zur Archivierung des umfangreichen Wissensschatzes

über die Cimbern und den Dialog mit unseren

cimbrischen Freunden nutzen.“ So wird Ende des Jahres

die komplett überarbeitete Homepage des Kuratoriums

freigeschaltet, in die u. a. das cimbrische Wörterbuch

von Hugo Resch in einer Online-Version, aber auch sein

umfangreiches Ton-Archiv und eine Fülle interessanter

Quellen integriert ist. Zu gegebener Zeit wird über die

neue Homepage ausführlich berichtet.---#

Quelle: Pressebericht aus dem Jahr 2014

INFORMATIONEN FÜR TOURISTEN

Deutschsprachige Führungen:

Anna Balasso

authorized Tour Guide /Reiseleiterin

Deutsch/ Englisch/Italienisch

Via Baratto 52

36015 Schio (Vicenza) Italy

mob. +39 347 4464530

skype: anba73

balassoanna@gmail.com

Fotos, linke Seite:

Gottesdienst in der Kirche von Roana

Käserei

Mausoleum von Asiago

Villa Barbarano

Forte Interotto 01

Forte Interotto 02

Foto, rechts oben:

Besuch im Dokumentationszentrum Lusérn

mit Luigi Nicolussi-Castellan


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Mit prof. anthony rowley

auf wanderschaft im

„Valle di mocheni“

Studenten der Münchner Universität erkunden das Fersental.

Sprachforschung inklusive.


eiseberichte


eiseberichte


eiseberichte

studenten aus münchen im tal:

untersuchungen

Vergangene Woche kam eine Gruppe deutscher Studenten von der Universität München mit zwei Professoren

in unser Tal. Der Besuch wurde von Prof. Anthony Rowley organisiert, den alle kennen werden,

denn er hat für unsere Sprache viel getan. Ziel des Besuchs war es, dass die Studenten unsere Gemeinschaft

besser kennenlernen und eigene Untersuchungen über unsere Sprache durchführen. Es sind Studenten,

die für das Lehramt studieren. Nach der Ankunft am Montag besuchten sie die Autonome Region;

außerdem sprachen sie an der Universität Trient mit Forschern, die über weniger bekannte Sprachen

arbeiten. Am Dienstag galt der Besuch dem Sitz des Kulturinstituts in Palai und dem Museumsbauernhof

„Filzerhof“. Sie führten auch Gespräche mit dem Florutzer Bürgermeister Luca Moltrer und mit dem Präsidenten

des Regionalrates Diego Moltrer. Am Mittwoch besichtigten sie die Kirche von Außerflorutz und

gingen dann je eigene Wege im Tal, um Untersuchungsdaten zu sammeln. Am Donnerstag besuchten sie

die Florutzer Grundschule, um den Unterrichtsablauf in einer dreisprachigen Schule zu erleben. Weiterhin

wurden von den Studenten sprachliche Daten aus den verschiedenen Talgemeinschaften erhoben.

Am Freitag, dem letzten Tag, kehrten sie heim. Es ist das zweite Mal, dass Professor Rowley eine studentische

Exkursion ins Tal organisiert hat – die erste solche Fahrt war vor zehn Jahren.

Deutsche Übersetzung des fersentalerischen Pressetextes von Prof. Anthony Rowley


eiseberichte

Amoi en Bersntol

Cimbernfahrt 2015

Text: Jakob Oßner Gruppenfoto: Heike Arnold

Nach dem Zustieg in Velden, Landshut und München konnte Vorsitzender

Jakob Oßner bestens gelaunte Reiseteilnehmer zur Jahresfahrt

des bayerischen Cimbern-Kuratoriums ins Fersental begrüßen.

Neben den Alt-Bürgermeistern Josef Nagl, Franz Xaver Gallecker

und Hans Tiefenbeck, aus einigen Partnergemeinden des Landkreises,

galt der besondere Gruß Prof. Dr. Anthony Rowley von

der LMU München, der nicht nur der ausgewiesene Sprachwissenschaftler

für den „Bayerischen Dialekt“ ist, sondern auch der Spezialist

für die „Fersentalerische Mundart“ wie sie im Fersental bei

Trient auch heute noch von ca. 1.000 Einwohnern gesprochen wird.


eiseberichte

Anthony Rowley gelang es bereits bei der Hinfahrt, die

Zuhörer im Bus über die Geschichte der Bewohner des

Fersentals umfassend zu informieren. Dr. Jörg Ruthrof

berichtete über die schrecklichen Geschehnisse im ersten

Weltkrieg in dieser Gebirgsgegend. Aufgrund der

Abgeschiedenheit der relativ armen Bevölkerung im Tal

konnte diese kleine deutsche Kultur- und Sprachinsel

bis heute erhalten werden.

Die bayerisch-tirolerische Mundart, die hier noch gepflegt

wird ist die der Einwanderer des Mittelalters,

erklärte später auch Leo Toller, der Leiter des sehenswerten

Fersentaler Kulturinstituts in Palai beim Empfang

am Samstagvormittag im Gemeindehaus von

Paiai. Leo Toller berichtete auch anschaulich über die

Entwicklung, Schwierigkeiten, aber auch besonderen

Bemühungen der Verantwortlichen, angefangen bei der

Beschulung der Kinder, die Kultur und Sprache der Fersentaler

zu erhalten.

Im Gemeindehaus von Florutz konnten sich die Besucher

aus Bayern bei der abendlichen Festveranstaltung

am Samstag mit dem erst 1922 gegründeten folkloristischen

Chor „Cantiamo con Gioia“ die fersentalerische,

italienische und deutsche Lieder musikalisch gekonnt

darboten, von den Bemühungen der Fersentaler, ihre

Kultur zu erhalten, überzeugen. Von einer engagierten

Lehrerin wurden mit einer Kindergruppe heimatliche

Lieder einstudiert und in außerordentlich musikalisch

liebenswürdiger Form vorgetragen. Massimo, ein

18-jähriger Solist an der „Ziach“ begeisterte die große

Besuchergruppe aus Bayern mit bekannten alpenländischen

Melodien. Vorsitzender Jakob Oßner bedankte

sich mit einem Präsent bei der gemischten Chorgruppe,

bei Leo Toller und den Bürgermeistern von Florutz

und Palai und würdigte ihre Bemühungen zur Erhaltung

ihres Brauchtums und ihrer liebenswerten Kultur und

Sprache.

Kulinarischer Höhepunkt der Reise war das Mittagessen

am Sonntag auf der Burg Persen (Pergine). Vor der

Rückreise über Trient am Montag durfte die sachkundige

Stadtführung nicht fehlen. Trient, lediglich 117.000

Einwohner groß, ist Universitäts- und Bischhofsstadt

und hat eine reichhaltige Geschichte, Kultur und ist umgeben

von Naturschönheiten und einem der schönsten

Domplätze Europas. Das Mittagessen bei Kuratoriumsmitglied

Zeni in San Michele war auch heuer würdiger

Abschluss einer gelungenen Kultur- und Bildungsfahrt

des bayerischen Cimbern-Kuratoriums.

Oben: Leo Toller, Leiter des Fersentaler Kulturinstituts im

Gespräch mit Prof. Anthony Rowley und seiner Gattin

während des Besuchs der aktuellen Ausstellung

im Kulturzentrum Fersental

Mitte: Der Chor „Cantiamo con Gioia“ mit Kindergruppe am

Folklore-Abend im Gemeindehaus von Florutz

Unten: Blick auf die Burg „Pergine“

Fotos: Heike Arnold


M 2


015


meilensteine

Vom Papier ins

World Wide Web

Das vergleichende cimbrisch-deutsche Gesamwörterbuch

von Hugo F. Resch konnte zwanzig Jahre

nach dem Tod des Cimbernforschers in die neue

Homepage des Cimbern Kuratoriums integriert werden.

Damit ist sein großes Werk vollendet.

Dies ist ein Werk aus dem Nachlass von Hugo Resch (1925–1994), Gründungsmitglied und langjährigem

Vorsitzenden des Cimbernkuratoriums Bayern e. V. Es wird auf dem Stand veröffentlicht, wie es

Hugo Resch bei seinem Tode hinterlassen hat. Im Vorwort wird über die Entstehung und das Konzept,

über Vorzüge, aber auch über Unzulänglichkeiten und Inkonsequenzen Rechenschaft abgelegt werden.

Philologische Themen standen schon bei der Gründung des Cimbernkuratoriums mit im Vordergrund.

In § 2 der Satzung heißt es: „Zweck der Vereins ist ... die Pflege und Erhaltung der Sprache und Kultur

der sogenannten Cimbern .... Im besonderen geht es bei den Aufgaben des Vereins um die Herstellung

eines Wörterbuchs, einer Grammatik und eines Lesebuchs, damit sowohl Schülern wie auch Erwachsenen

brauchbares Unterrichts- und Bildungsmaterial vermittelt werden kann“.

Wert des zimbrischen Wortschatzes

Wissenschaftliche Erläuterungen zum

cimbrisch-deutschen Gesamtwörterbuch

von Prof. Dr. Anthony Rowley

Der philologische Wert des Zimbrischen liegt einerseits in dessen Beharrsamkeit, anderseits auch in der

Rezeption romanischer Einflüsse. Als der Münchner Sprachforscher Johann Andreas Schmeller in Begleitung

Einheimischer erstmals anno 1833 auf die Hochebene hinaufstieg und sein zimbrischer Führer vom

herrlichen Vollmond sagte: Der Mano leüchtet aso hüpesch, da, so notiert Schmeller in seinem Tagebuch

(Bd 2, S. 174), da „war mir als sey ich hinaufgestiegen in das Land und in die Zeit der Minnesänger, ja

in die der Notkere und Otfriede“, also zurück in die Sprachwelt des 9. und 10. Jahrhunderts nach Christi

Geburt. Vielfach wird angenommen, dass die Zimbern ihren heutigen Sprachstand im 12. Jahrhundert

aus dem Süden des bairischen Sprachraums mitbrachten. Das Zimbrische ist somit der altertümlichste

bairische, ja deutsche Dialekt schlechthin. Denn seit der Besiedlungszeit sind die Zimbern von den Neuerungen

des binnendeutschen Sprachraums abgeschnitten; das Bairische, das sich hier erhalten hat, ist

in mancher Hinsicht der Dialekt des Mittelalters. Wenn das Wort zannen im Zimbrischen wie im Binnenbairischen

‘weinen’, ‘weinerlich sein’ bedeutet, dann werden die bairischen Dialekte diese Bedeutung

wohl schon damals gekannt haben, als die Zimbern auswanderten.


meilensteine

Die zimbrischen Mundarten haben auch manche

Wörter beibehalten, die im Binnenland verloren

gingen; als Beispiele seien aus dem Sieben Gemeinden

enne für ‘Stirn’ (wie im Althochdeutschen)

oder gedingo für ‘Hoffnung’ (seit über 600 Jahren

im Binnenland nicht mehr gebräuchlich) genannt.

Das macht das Zimbrische über seinen Eigenwert

hinaus zu einem überaus wichtigen Zeugnis für

die Geschichte der bairischen Mundarten, ja der

deutschen Sprache überhaupt. Und in ihrer Sprache

steckt zudem die ganze Kultur und Geschichte

der Zimbern. Das Zimbrische hat zum Beispiel romanische

Wörter mit überaus altertümlichem Lautstand

übernommen, und diese Lehnwörter sind

ein wichtiges Zeugnis für die Geschichte der italienischen

Dialekte der Region. Nach Aussage des

Zimbrischen kann man erschließen, dass die italienischen

Dialekte der Nachbarschaft in früheren

Jahrhunderten viel stärkeres ladinisches Gepräge

hatten als die heutigen venezianischen Mundarten.

Stand der Forschung

Das Zimbrische gehört zu den am besten erforschten

und beschriebenen Kleinsprachen Europas.

Wörterbuch und Grammatik sind die zwei wichtigsten

Arbeitsinstrumente, um eine Sprache zu

dokumentieren, um Texte zu verstehen und Unterrichtsmaterialien

zu erarbeiten. Es gibt seit der

Grammatik des Arztes Girardo Slaviero aus Rotzo

(1679-1753) eine ganze Reihe von Grammatiken

der zimbrischen Einzelmundarten sowie mehrere

Übersichten über die Grammatik aller zimbrischen

Mundarten; hier sind gleich drei Namen zu nennen:

Johann Andreas Schmeller mit seinem wegweisenden

Werk „Über die sogenannten Cimbern“ (1838,

Nachdruck 1984 auf Veranlassung des Cimbernkuratoriums),

ferner Eberhard Kranzmayer (1981) und

Bruno Schweizer (2008), deren Grammatiken aus

der ersten Hälfte des 20. Jh. lange nach dem Tode

der Verfasser veröffentlicht wurden. Da Agostino

dal Pozzos Übersicht über den zimbrischen Wortschatz

vom Ende des 18. Jahrhunderts verschollen

ist, gibt es bis heute im Bereich des Wortschatzes

noch keine Gesamtübersicht. Die durchaus beachtliche

Zahl von Wortsammlungen behandelt immer

einen bestimmten Unterdialekt des Zimbrischen.

Der Rechtsanwalt Simone Pietro Bartolomei aus

Pergine (1709–1763) verfasste gegen Ende seines

Lebens ein Werk über die Herkunft der Alpenbewohner

mit einem Anhang „Catalogus multorum

verborum quinque dialectuum, quibus Montani

Perginenses, Roncegnenses, Lavaronenses,

Septempagenses et Abbatienses utuntur“. Es handelt

sich um ein Wörterbuch unter anderem von Lavarone

und den Sieben Gemeinden mit etwa 1500

Wörtern. Kurz darauf (1763) veröffentlichte der

aus den XIII Gemeinden stammende Marco Pezzo

(†1785) eine dritte Auflage seiner Studie „Dei Cimbri

veronesi, e vicentini” mit einem Vokabular, in

dem[nbsp]er mehr als tausend zimbrische Wörter

aus den Dreizehn Gemeinden aufzählt. Im gleichen

Jahr hat Piermodesto Dalla Costa (1692-1778), der

wohl aus Asiago stammte, ein Wörterbuch des Zimbrischen

der VII Gemeinden mit etwa 800 Wörtern

publiziert. Auch Abt Agostino dal Pozzo (1732-1798)

aus Castelletto bei Rotzo begann in dieser Zeit, den

zimbrischen Wortschatz zu sammeln. Veröffentlicht

wurde sein „Vocabolario domestico“, ein nach

Sachgruppen geordnetes zimbrisch – italienisches

Glossar mit etwa 700 Einträgen, erst posthum im

Jahre 1820.

Diese frühen Wörtersammlungen wurden auch

der interessierten deutschen Fachwelt in Übersetzungen

zur Verfügung gestellt. Dadurch hat der

junge Johann Andreas Schmeller von der Existenz

des Zimbrischen erfahren. Schmellers zimbrisches

Wörterbuch ist im Ansatz eine Übersicht über den

Wortschatz der zimbrischen Enklaven; es handelt

sich nämlich um eine Darstellung auf der Grundlage

der Sprache der VII Gemeinden mit Seitenblicken

in die Sprache der XIII Gemeinden. Auch im

20. Jahrhundert ließ das Interesse am Wortschatz

des Zimbrischen nicht nach. Besonders erwähnenswert

ist das Wörterbuch von Umberto Martello

Martalar (1974) aus Mezzaselva. Giulio Vescovis

Wörterbuch, aus dem Hugo Resch schöpfte, ist bis

heute nicht vollständig publiziert. Für Giazza wurden

alle bisherigen Wortschatzsammlungen im „dizionario

comparato“ von Adriana Bulgarelli (2007)

synoptisch wieder veröffentlicht. Diese Sammlungen

enthalten jeweils zwischen 500 und 4000 Wörter,

einen Bruchteil des Gesamtwortschatzes.


meilensteine


meilensteine

Das einzige Werk, das überörtlich-umfassend ist,

ist Eberhard Kranzmayers „Glossar zur Laut- und

Flexionslehre der deutschen zimbrischen Mundart“

(1985), als Wortverzeichnis zu Kranzmayers

zimbrischer Grammatik (1981) angelegt; aber diese

Wortliste ist in allem, was ein richtiges Wörterbuch

ausmacht – Beispielsätze, Bedeutungserklärungen

– unzureichend; sie hat ausschließlich die

Funktion, die in der Grammatik zitierten Wörter

alphabetisch zu erschließen. Es fehlt also eine zusammenfassende

und auch Lusern berücksichtigende

Darstellung des zimbrischen Wortschatzes

insgesamt.

Hugo Reschs „Vergleichendes Cimbrisches

Gesamtwörterbuch“

Folgerichtig konzentrierten sich die wissenschaftlichen

Bemühungen des Kuratoriums auf das Thema

eines umfassenden „Vergleichenden Cimbrischen

Gesamtwörterbuchs“. Hugo Resch wollte mit seinem

Wörterbuch diese Forschungslücke schließen

und gleichzeitig eine allgemein verständliche

Übersicht über den Wortschatz des Zimbrischen

bieten.

Viele Jahre lang widmete sich Hugo Resch diesem

Vorhaben. Dazu angeregt hat ihn nach seiner eigenen

Aussage in den Arbeitsberichten, die regelmäßig

in der Vereinszeitschrift „Cimbernland

erschienen sind, der Mailänder Germanist Marco

Scovazzi. Resch spürte in allen zimbrisch-sprachigen

Dörfern und Weilern Leute auf, die die alte

Sprache noch nicht abgelegt hatten, und sammelte

von ihnen Wörter, Flurnamen, Erzählungen, Gespräche,

Volkssagen und Lieder in Zimbrisch. In

seiner Bibliothek sammelte er alle Grammatiken,

Wörterbücher und Texteditionen. Er ließ keine Gelegenheit

aus, mit den Zimbern ins Gespräch zu kommen,

möglichst gleich auf Zimbrisch. So kannte er

die meisten Sprecher in den VII und XIII Gemeinden

persönlich, und noch heute ist sein Name im Zimbernland

überall bekannt. In seiner Wortsammlung

stößt man auf über 50 namentlich genannte Gewährspersonen,

u. a. aus den VII Gemeinden Rino

Azzolini, Umberto Martello und Igino Rebeschini,

aus Lusern Ferdi Nicolussi und Luigi Nicolussi

Castellan. Hugo Resch hatte keine sprachwissenschaftliche

oder germanistische Ausbildung absolviert;

er gehört – wie viele der einheimischen zimbrischen

Sprachforscher – zu denjenigen, die sich

aus Begeisterung für die Sache dem Zimbrischen

gewidmet haben. Dass er nicht vom Fach war, war

ihm bewusst und erklärt wohl seine Scheu, mit seiner

Arbeit unter Philologen hausieren zu gehen.

Im Laufe der Arbeiten hat er sich aber die Tugenden

des Wörterbuchmachers angeeignet, zu denen

Geduld und ein langer Atem gehören. So entstand

über viele Jahre hinweg die umfangreiche Wörtersammlung

in rund 350 Leitzordnern mit je etwa

250 Belegblättern, insgesamt über 70 000 Blätter

– auf jedem Blatt stehen authentische zimbrische

Satzbelege für ein bestimmtes Wort aus den verschiedenen

zimbrischen Gegenden, ergänzt durch

Angaben zum Wortgebrauch, zur Wortherkunft und

durch Hinweise auf weitere einschlägige Wörterbücher.

Wenn die Sammlung eine Schwäche hat,

dann vor allem im Bereich der Quellenangaben –

aber Hugo Resch hatte dies selber erkannt und war

dabei, nachzubessern.

Weiterführung des Projekts durch das

„Cimbernkuratorium“

Hugo Resch hat das Wörterbuch in seinen letzten

Lebensjahren weitgehend abgeschlossen, in

Cimbernland 12/1987, S. 473, wird verkündet, das

Wörterbuch befinde sich „in der Endbearbeitung“,

und weiter: „Die baldige Drucklegung in Teilen wird

angestrebt“. In Cimbernland 16/1988, S. 152, wird

gemeldet, es sei nunmehr „in großen Teilen druckreif.

Es muß versucht werden, zusätzliche Mittel für

die Drucklegung in Lieferungen zu erhalten.“ Aber

zu einer Veröffentlichung kam es wegen seiner langen

und schweren Krankheit nicht mehr. Nach seinem

Tode im Jahre 1994 übernahm das Cimbernkuratorium

das Vermächtnis seines Mitbegründers

und setzte im Einvernehmen mit der Familie ein

Beratergremium ein, um die angemessenste und

effektivste Art zu erkunden, das „Vergleichende

Cimbrische Gesamtwörterbuch“ der Öffentlichkeit

zur Verfügung zu stellen. Reschs Tochter Christine

Fischer sei hier besonderer Dank ausgesprochen.

Dem Gremium gehörten die Professoren Richard

Brunner (Ulm), Helmut Humbach (Mainz) und Anthony

Rowley (München) an. Die Mitglieder kamen

zum Schluss, dass das Resch’sche Werk für die

Wissenschaft von Bedeutung ist.


Denkmal zu Ehren von Hugo F. Resch in Roana

Man war sich der Schwächen bewusst, aber klar

war auch: Kein Wörterbuch ist je perfekt. Erinnert

sei an eine Episode aus dem Leben Johann Andreas

Schmellers: Als Schmeller seinem Geldgeber Kronprinz

Ludwig, dem späteren König Ludwig II., über

seine Arbeiten am „Bayerischen Wörterbuch“ Bericht

erstattete und sagte, er sei noch nicht fertig,

er feile unaufhörlich daran, da antwortete der

Kronprinz: „mit dem vielen Feilen feilt man oft das

Gute wieder weg. Man muß einmal abschließen“

(Tagebücher Bd 2, S. 4).

Das Beratergremium hatte sich seinerzeit mit

einigen skeptischen Fragen auseinanderzusetzen.

Ist das Material authentisch? Ja, es enthält eine

Vielzahl von Belegen, die mit Quellenangaben versehen

sind, andere offenkundig aus lebendiger

zimbrischer Rede, zu der Hugo Resch eindeutig

unmittelbaren Zugang hatte. Ist es repräsentativ?

Ja, es wird nicht nur das Auffällige verzeichnet,

sondern auch die kleinen Alltagswörter und die

Lexeme, deren Verwendung nicht von der der verwandten

deutschen Entsprechungen abweicht; die

Quellenauswahl ist gut – auch wenn Kranzmayers

und Bruno Schweizers damals unveröffentlichten

Arbeiten nicht berücksichtigt werden konnten.

Bringt es überhaupt etwas Neues? Auch hier, ja.

Erstens in der Zusammenschau der verschiedenen

zimbrischen Varianten, zweitens schon wegen

der Fülle des Materials. Zuletzt: Konnte Hugo

Resch das überhaupt? Er konnte es, und er hatte

sich ein festes Konzept überlegt, das er akribisch

von Anfang bis Ende konsequent durchhielt. Hugo

Resch hatte eine enorme sprachliche Begabung

und ein beachtliches Gedächtnis. Er hat sich das

nötige Handwerkszeug selbst angeeignet, in dieser

Hinsicht einem anderen Zimbernforscher, seinem

Vorgänger Johann Andreas Schmeller, nicht

unähnlich. Es ist nicht zu leugnen, dass andere

die eine oder andere Herkunftsdeutung oder Bezug

zum Althochdeutschen in Frage stellen oder

anders sehen würden, aber das ist fast die Regel

auch innerhalb der Zunft und schmälert den Wert

der Sammlung keineswegs. Seine Arbeitsweise

entspricht wissenschaftlichen Gepflogenheiten.

Zwar nennt er seine Quellen nicht konsequent –

hier war er bei seinem Tod erst dabei, die Quellenangaben

zu überarbeiten, aber er lokalisiert alle

Wörter und Sätze genau, und zwar durch die Farbe

des Papiers, auf dem sie geschrieben sind.

Ablauf der Arbeiten

Das Cimbernkuratorium beschloss, die Sammlung

Hugo Reschs elektronisch in Form einer strukturierten

Datenbank zu sichern. Hugo Resch selbst

hat mit seiner methodischen Arbeitsweise die

Umsetzung dieses Plans erleichtet, indem er sein

Wörterbuch quasi als strukturierte Datenbank auf

Papier anlegte. Er trug auf A4-Blätter immer an

gleicher Stelle in einheitlicher Weise die gleichen

Informationen ein, und zwar: Einzahl, Mehrzahl,

grammatikalische Angaben, Unterdialekt des Zimbrischen,

italienische und deutsche Übersetzung,

althochdeutsche oder lateinische Vorläufer, Synonyme,

gegebenenfalls Literatur- und Quellenangaben,

Erklärung der Wortherkunft, typische

Satzbelege und Redewendungen, Vergleiche mit

den anderen zimbrischen Dialekten. Das erleich-


meilensteine

terte die Programmierarbeit erheblich; für die einzelnen

Informationen, die Hugo Resch jeweils zu

einem Wortbeleg machte, brauchte es im Grunde

jeweils eine Position in der Eingabemaske für die

Datenbank.

Die Arbeiten begannen 1996. Die Konzepte stammen

von Thomas Kurzhals, der eine Eingabemaske

für das Programm Access entwarf. Zunächst

waren Thomas Kurzhals und einige seiner Mitstudenten

mit der Eingabe beschäftigt. Im Jahr 1999

berichteten Thomas Kurzhals und Anthony Rowley

vor der Jahreshauptversammlung des Cimbernkuratoriums

über das Vorhaben. Ein Problem war

die rasante Entwicklung der Datenbanksysteme,

die man eigentlich immer wieder updaten hätte

müssen. Das ging aus praktischen Gründen nicht.

Leider stockten die Arbeiten von 1999 an aus verschiedenen

Gründen völlig, und Thomas Kurzhals,

eine treibende Kraft, trat sein Referendariat fern

von München an.

Nachdem es im Jahre 2005 gelungen war, Frau

Christiane Jell aus München im Rahmen eines

400-Euro-Jobs für die Eingabe der Daten zu gewinnen,

konnten bis 2008 schließlich sämtliche

Daten eingegeben werden. Frau Jell hat als Halbtags-Schreibkraft

der Kommission für Mundartforschung

der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

mit diffizilen Schreibvorlagen große

Erfahrung. Zeitweilig war auch Michaela Jell an

den Eingabearbeiten beteiligt. Nach Abschluss

der Dateneingabe ging es um das Zusammenspielen

aller Daten und um eine Programmierung, die

den Zugriff ermöglicht. Hierfür wurde im Frühjahr

2009 Dr. Günter Koch von der Universität Passau

gewonnen, ein erfahrener Dialektologe, der auch

EDV-bewandt ist. Dass Herr Dr. Koch kurz darauf

eine Universitätsstelle mit hoher Lehrverpflichtung

antrat, hat die Arbeiten zwangsläufig noch verzögert.

Aber schließlich gelang es, alle Probleme

zu überwinden und alle Wortwurzeln – insgesamt

11713 Einträge an der Zahl – in der neuesten Version

der Datenbank zu vereinigen und alphabetisch

zu sortieren. Dafür gebührt auch Thomas Kraus

vom EDV-Dienst der Bayerischen Akademie der

Wissenschaften Dank.

Nach der Fertigstellung wurde das Ganze zur

Überprüfung an zwei Kenner verteilt: an Alexander

Glück, einen erfahrenen Dialektologen, der beim

Korrekturlesen der Edition von Bruno Schweizers

„Zimbrischer Gesamtgrammatik“ große Erfahrung

auf dem Gebiet der Sprachinselkunde gesammelt

hat, und an Remigius Geiser, der sich freundlicherweise

bereit erklärt hat, die Angaben für die

Sprache der VII Gemeinden genau unter die Lupe

zu nehmen. Alexander Glück hat offenkundige Fehler

verbessert, die zum Teil uneinheitlichen Bedeutungsgliederungen

vereinheitlicht und die sprachhistorischen

Angaben bereinigt.

Die Originalordner Hugo Reschs wurden dann

von der Familie Resch dem Dokumentationszentrum

Lusern anvertraut, wo eine Kopie in Form von

PDF-Dateien entstanden ist.

Dies ist ein Werk aus dem Nachlass von Hugo

Resch und wird auf dem Stand veröffentlicht, wie es

Hugo Resch bei seinem Tode hinterlassen hat. Der

letzte Schliff, den Hugo Resch selbst dem ganzen

hätte geben können, fehlt. Unebenheiten, die aus

Zeitnot heraus nicht bereinigt wurden, seien hier

vorneweg erwähnt: Manche italienischen Glossierungen

fehlen. Auf eine Korrektur der italienischen

Eintragungen wurde verzichtet. Die Wortherkunftsangaben

und die sprachgeschichtliche Seite sind

nicht immer auf dem neuesten Stand. Zusammensetzungen

und Ableitungen werden wie in

Hugo Reschs Vorlagen dem Grundwort oder dem

Bestimmungswort nachgeordnet und erscheinen

nicht immer auf der hierarchisch obersten Ebene

der Datenbank, sondern sind über die Grund- und

Bestimmungswörter aufzufinden. Wir sind aber zuversichtlich,

dass die vielen Vorteile diese Schwächen

kompensieren werden.

Schon die Vielzahl der Belegsätze macht es zu

einer zimbrischen Sprachdokumentation ersten

Ranges.---#


meilensteine

Lebenswerk des „Botschafter

Bayerns in Italien“ vollendet

Mit der Online-Version des cimbrisch-deutschen Gesamtwörterbuchs

auf der neuen Homepage des bayerischen Cimbern-Kuratoriums

konnte das Lebenswerk des Landshuter Sprachforschers Hugo

Friedrich Resch (1925-1994) vor wenigen Wochen abgeschlossen

werden.

Text: Heike Arnold

Für die rund 25.000 Begriffe in zimbrischer Sprache,

die Hugo F. Resch Zeit seines Lebens gesammelt

und – damals völlig zeitgemäß! – auf rund 70.000

Seiten Papier in 300 LEITZ-Ordnern archiviert hatte,

war es eine lange und mitunter mühsame Reise.

Bis die digitale Version des cimbrisch-deutschen

Gesamtwörterbuchs im Dezember 2014 online gehen

konnte, waren viele Jahre Digitalisierungs- und

Programmierarbeit von Wissenschaftlern notwendig

gewesen. Umso mehr freuen sich die beteiligten

Experten, dass das Wörterbuch heuer, zwanzig

Jahre nach dem Tod Resch‘s, endlich einem breiten

Personenkreis zur Verfügung gestellt werden kann

– weltweit!

Mit der 1:1-Umsetzung des Papier-Archivs in

eine frei verfügbare Online-Version mit einfachem

Suchalgorhythmus kann das geistige Erbe Hugo

Resch‘s jetzt seinen vollen Nutzen entfalten. Ermöglicht

wurde die Realisierung des Online-Wörterbuches

durch eine großzügige Spende aus dem

Stiftungsvermögen der Münchenerin Ruth Rosner,

die im Erhalt der uralten bayerischen Sprachwurzeln

in Form der zimbrischen Sprache eine wichtige

und wertvolle Arbeit sieht.

Um das Online-Wörterbuch in die Homepage des

bayerischen Cimbern-Kuratoriums zu integrieren,

war eine Umstellung auf ein leistungsstarkes Content

Management System und ein Relaunch der seit

2012 vorhandenen Website nötig – eine Investition,

die sich gelohnt hat. Mit der neuen Homepage,

die von Heike Arnold aus Velden realisiert wurde,

präsentiert sich das vor über 40 Jahren gegründete

Kuratorium als eine moderne Institution, die sich

über das Bairisch-Zimbrische hinaus global für den

Erhalt der Sprachenvielfalt und den Schutz von

Sprachminderheiten einsetzt.

Die komplexen Inhalte der Website sind sowohl

für Wissenschaftler weltweit als auch für Laien

höchst interessant und von hohem Nutzen. Neben

einführenden Erläuterungen über den Zusammenhang

der beiden Sprachen Bairisch und Zimbrisch

gibt es in mehreren, multimedialen Archiven zahlreiche

Optionen, sich mit dem „vergessenen Bairisch“

auseinanderzusetzen – und anzufreunden.

Doch auch das, was den Zusammenhalt einer Gemeinschaft

stärkt, wird auf der Homepage dokumentiert

– etwa die Reisen in die zimbrischen XIII

und VII Gemeinden in Italien, die das bayerische

Cimbern-Kuratorium seit vielen Jahren regelmäßig

unternimmt oder die interessanten Veranstaltungen,

von denen heuer mehrere stattgefunden haben.

Und weil letztlich die getätigten Investitionen

auch wieder erwirtschaftet werden wollen, gibt es

auf der neuen Homepage neben Formularen zur

Mitgliedschaft auch eine Seite „SPENDEN“ mit entsprechenden

Informationen. Zu erreichen ist die

neue Homepage unter:

www.cimbern-kuratorium-bayern.de


meilensteine

WAS SIE FINDEN, WENN SIE SUCHEN.

Sie finden – zum jetzigen Stand der Entwicklungen

– 1 : 1 alles, was im Papier-Archiv von Hugo Resch

zu finden ist. Bitte berücksichtigen Sie bei Ihrer

Suche, dass die Arbeit an seinem cimbrisch-deutschen

Gesamtwörterbuch durch seinen Tod im Jahr

1994 endete. Begriffe jüngeren Datums werden

demnach nicht gefunden (wie z. B. „Mobiltelefon“

oder „Computer“).

WIE SIE FINDEN, WAS SIE SUCHEN.

Nehmen wir als Beispiel den Begriff „Wald“. Die

besten Suchergebnisse erzielen Sie als „Nicht-Experte

“, wenn Sie sich 50 Treffer pro Seite anzeigen

lassen und es bei der Standard-Voreinstellung

„Suche mit allen Wörtern“ belassen.

Sie erhalten insgesamt 370 Treffer, auf 8 Seiten

mit je 50 Treffern verteilt. Die erste Spalte der Trefferliste

entspricht den Dokumenten (Seiten), in

denen der Begriff „Wald“ vorkommt. Die zweite

Spalte der Trefferliste zeigt an, um welche der drei

cimbrischen Sprachen es sich im Suchergebnis

handelt. Die dritte Spalte gibt Auskunft darüber,

wie oft innerhalb eines Dokumentes der gesuchte

Begriff – hier „Wald“ - gefunden wird. Sie sehen,

dass innerhalb des Dokuments „balt“ in der Sprache

der VII Gemeinden der Suchbegriff „Wald“

insgesamt 45 x gefunden wird – ein Indiz für die

Relevanz des Suchergebnisses. Wenn Sie nun auf

den Treffer „balt“ klicken, öffnet sich (sinnbildlich)

die Seite (des Leitz-Ordners), auf der Hugo Resch

alles zum Begriff „Wald“ gesammelt hat. Wo sich

der Begriff „Wald“ innerhalb des Dokuments überall

versteckt, finden Sie am schnellsten heraus,

wenn Sie die Option „Suchbegriff(e) hervorheben“

anklicken.

Probleme? Vorschläge? Wünsche?

Mit dem ersten Entwicklungsschritt vom Leitz-Ordner-Archiv

zum digitalen Online-Wörterbuch mit

funktionierender Suche ist ein Quantensprung

gelungen, der es ermöglicht, das Lebenswerk von

Hugo Resch einem breiten Publikum verfügbar zu

machen. Selbstredend ist im Laufe der nächsten

Jahre eine sukzessive Weiterentwicklung und Verfeinerung

des Online-Wörterbuches möglich – und

geplant. Doch dazu wollen wir zunächst unsere Statistiken

auswerten und Ihr geschätztes Feedback

abwarten. Wenn Sie Probleme, Verbesserungsvorschläge

und Wünsche zum Online-Wörterbuch haben,

schreiben Sie bitte an:

post@cimbern-kuratorium-bayern.de

FÜR DIE BISHERIGE, GROSSARTIGE LEIS-

TUNG SAGEN WIR HERZLICH DANKE AN:

Thomas Kurzhals (Konzept und Entwicklung

einer ACCESS-Datenbank), Christiane Jell und

andere (Dateneingabe), Dr. Alexander Glück

(Beratung, Kontrolle und Ergänzungen des Datenbestands

und Korrektur), Tobias Barkschat

(Umsetzung der Online-Version), Prof. Dr. Anthony

Rowley, Dr. Remigius Geiser und Dr. Raphael

Berger (Beratung und Kontrolle).

EIN GROSSES DANKESCHÖN AUCH AN:

Frau Christine Fischer, die das Projekt angeregt

und alle Originalunterlagen ihres Vaters

Hugo Resch zur Verfügung gestellt hat und

Frau Ruth Rosner, die uns mit einer Spende

aus ihrem Stiftungsvermögen die Finanzierung

des Online-Wörterbuchs ermöglicht hat.

Rosner, die uns mit einer Spende aus ihrem

Stiftungsvermögen die Finanzierung des Online-Wörterbuchs

ermöglicht hat.


wissenschaft

AKADEMIKER-ZIMBRISCH

von Remigius Geiser, Salzburg

Als Johann Andreas SCHMELLER am 5. Oktober

1833 das alte Rathaus von Sleeghe (Asiago), Verwaltungssitz

der Sieben Gemeinden, betrat (1),

fand er unten im Hausflur einen alten Schrank mit

der Inschrift:

Hia saint de Brife von Siben Kaméun.

Diese Beobachtung hat seither, wie viele andere

auch, immer wieder Anlass gegeben zu der Vermutung,

dass das Zimbrische als „Landessprache“ einer

autonomen, nahezu souveränen Alpenrepublik

nicht nur eine eigene, tradierte Schriftform besaß,

worauf erst kürzlich wieder Ermenegildo BIDESE

(2) ausführlich hingewiesen hat, sondern dass diese

Schriftsprache nicht nur religiöse und poetische

Aufgaben erfüllte, wofür es zum Glück zahl- und

umfangreiche Textbelege gibt, sondern auch für

administrative und juridische Zwecke entwickelt

und verwendet wurde.

Mangels einschlägiger, erhalten gebliebener Dokumente

aus der Zeit der zimbrischen Autonomie

lässt sich diese Frage nach der einstmaligen Existenz

einer zimbrischen Verwaltungs- und Rechtssprache

in den Sieben Gemeinden nicht sicher

beantworten. Es gibt allerdings neben der Archivsuche

noch einen zweiten Weg, um sich dieser

Fragestellung anzunähern, nämlich die Probe aufs

Exempel:

Lässt sich mit dem erfreulicherweise sehr üppigen

zimbrischen Wortschatz der letzten 300 Jahre, umfassend

kompiliert von Hugo RESCH und online angeboten

vom Cimbern Kuratorium Bayern e.V. (3),

ein gewöhnlicher, rechtlich-administrativer Text

aus dem Italienischen ins Zimbrische der Sieben

Gemeinden übertragen?

2013 wurde von mir ein derartiger Versuch unternommen,

und zwar mit dem Entwurf für die Satzung

des zimbrischen Volksgruppen-Vereins, dessen

Gründung Voraussetzung war für die rechtliche

Anerkennung der Zimbern als ethnische Minorität

in der Provinz Vicenza.

Resultat:

Das Zimbrische erwies sich als sehr gut geeignet

für den gewünschten Zweck. Für sämtliche administrativen

und juristischen Fachausdrücke des

Italienischen konnte ein entsprechender, gut passender

und präziser zimbrischer Begriff gefunden

werden. Kein einziges Mal musste ein neues

Fremdwort aus dem Italienischen oder sonstwo her

geholt werden.


wissenschaft

Selbstverständlich findet sich das entsprechende

Spezialvokabular nur zum geringen Teil im bäuerlichen

Wortschatz von Tobàlle (Mezzaselva), den

der Briefträger Bèrto MARTALAR (Umberto MARTEL-

LO) kompetent und gewissenhaft zusammengetragen

hat (4), sondern zum allergrößten Teil im sehr

reichhaltigen Wörterbuch des Advokaten Julius VI-

SCHOFAR (Giulio VESCOVI) von Sleeghe (5).

Julius VISCHOFAR (1826-1916) war Jurist und Politiker

in Sleeghe, ein gebildeter und geachteter Ehrenmann,

der neben dem Italienischen auch das

Zimbrische perfekt beherrschte und uns dankenswerter

Weise den zimbrischen Wortschatz des gebildeten

städtischen Bürgertums mit all den vielen

abstrakten Begriffen und Fachausdrücken der gelehrten

Stände übermittelt hat. Sein Wörterbuch ist

zwar in das umfassende Werk von Hugo RESCH (3)

vollständig eingearbeitet worden, doch liegen dort

meistens nur die schriftdeutschen Entsprechungen

vor. Für den hier angestrebten Zweck (Übersetzung

eines italienischen Textes) wurde daher überwiegend

auf die ursprüngliche zimbrisch-italienische

Fassung zurückgegriffen (5).

Abschließend kann festgestellt werden, dass die

einstmalige Existenz einer zimbrischen Verwaltungs-

und Rechtssprache mit dem vorliegenden,

erfolgreichen Versuch um ein gutes Stück wahrscheinlicher

geworden ist.

1) Seite 600 in http://cimbri.npage.de/buecher-und-papers.html#-

Schmeller1838

2) BIDESE, Ermenegildo 2010: La tradizione scritta e letteraria. -

In BIDESE, Ermenegildo (Ed.): Il cimbro negli studi di linguistica.

- UNIPRESS, Padova 2010, pp. 61-85.

3) http://www.cimbern-kuratorium-bayern.de/index.php/online-woerterbuch.html

4) http://cimbri.npage.de/buecher-und-papers.html#Martalar1974

5) https://cloud.1und1.de/ngcloud/external?path=Vi-

schofar%201880%20von%20241603461&token=E-

7D1E1F639D52F90&mandant=06&locale=de&viewType=0&guestToken=b7sX9o6EQ--iC_lBORXEQg&loginName=241603461#_


wissenschaft

SETZE-RECHT

Punt

Zimbarn dar Siban Komàüne

St. 1 – Schaffonghe

Is gaschàffet an gamòanschaff bia bèlnt mòonan de stt.

36 und vüar me Rèchte dar Lantenar.

De gamòanschaff is ganaamet „Punt Zimbarn dar Siban

Komàüne“, garüüfet òch „Federazione Cimbri 7C.“, und is

gaschàffet met briive me Nodèere dott. Muràro am-me ...

..... (khèst. ..... ).

Dar „Punt Zimbarn 7K“ is de gamòanschaff dar khutten

me Zimbar-gaprèchte dar Siban Komàüne und òonighet-sich

umme-naach in ziilen me khlòan völkhlen dar

Taützen Zimbarn ba hèrbighet da.

St. 2 – Gahàltede

De gamòanschaff is gaschàffet af zait ungazillet.

St. 3 – Ziile

Dar „Punt Zimbarn 7K“ hat nèt vor ziil in gabìn, khüjet met

khòome un ghit-sich zo tüünan khauma met diisen ziilen

anlòan:

1. Heegan un ziigan au de sinne dar Taützen Zimbarn,

nützanten an ilcharn bèkh zoa-zo vorkhünnan;

2. Bohüütan un ziigan au in schatz dar Zimbrischen

hooben dar Siban Komàüne: gaprècht, prööche und sitten,

gabròche, gaboonte, naamen dar saiten und söttanz;

3. Legan-sich panàndar met allen, ba saint naach

höögaran de Zimbrische baise un d iarn bosùntarn

mèrchar, vòlganten in Garìchten und allame vom-me Hause

dar Ögnarn Hòomelsen Bizzekhot ko Rbaan und vomme

Richt-Hause;

4. Ziigan vüar und heegan de leedighe èrbot und

òonighe panàndar met allen in Taützen Zimbar-völkharn

nützanten de Töpse, ba èrbatent naach dar hooben, und

in khutten, ba-da saint von schittarn gaprèchtarn;

5. Bohüütan z bizzen un de ziile, ba haltent z guut,

de khselle un de hooba dar khutten me Zimbar-gaprèchte

dar Siban Komàüne;

6. Schaffan und höögaran khlòone òffenliche semele

un bosùntare haüsar dar hooben;

7. Biirtan hòoghe zaite, gafàifeche, vaartighe

me vòlkhe pootanten òch ghèzzeche un gatrènkhe,

und vorkhèmminghe ambràlle zoa-zo ziigan vüar

und höögaran in schatz dar Zimbrischen hooben dar

Siban Komàüne met-ten sain viildar-hanne löösten;

8. Machan alle de gatüüneche ba dorkhénnat-sich

vor dèstar zoa-zo dorgràifan de ziile ba dar „Punt Zimbarn

dar Siban Komàüne“ legat-sich vüar;

STATUTO

Federazione

Cimbri dei 7 Comuni

Art. 1 – Costituzione

È costituita una associazione ai sensi degli artt. 36 e seguenti

del Codice Civile.

L’associazione è denominata “Punt Zimbarn dar Siban

Komàüne”, detta anche “Federazione cimbri 7C.”, ed è

costituita con atto del Notaio dott. Muraro il … ……. (rep.

………..).

La “Federazione cimbri 7C” è l’associazione del gruppo

linguistico Cimbro sei Sette Comuni ed ha come espressione

unitaria gli obiettivi della minoranza etnica Germanofona

– Cimbra ivi residente.

Art. 2 – Durata

L’associazione è costituita a tempo indeterminato.

Art. 3 – Finalità

La “Federazione cimbri 7C” non ha fini di lucro, è apartitica

e si pone come esclusivo perseguimento quello delle

seguenti finalità:

1. Conservare e sviluppare la coscienza Germanofona-Cimbra,

mediante l’uso di ogni mezzo di comunicazione;

2. Tutelare e sviluppare il patrimonio culturale Cimbro

dei Sette Comuni: idioma, usi e costumi, folclore, tradizioni,

toponomastica e quant’altro relativo;

3. Cooperare con tutte le forze intese alla valorizzazione

della Cimbricità e dei suoi caratteri peculiari nell’osservanza

dei Laudi e di tutto quanto attiene all’Istituto di

Cultura Cimbra di Roana e all’Istituzione Regoliera;

4. Promuovere e conservare la continua collaborazione

ed intesa con tutte le popolazioni Germanofone-Cimbre

attraverso le Unioni culturali operanti e con le

minoranze linguistiche esistenti;

5. Tutelare gli interessi e gli obiettivi economico-sociali

e culturali del gruppo di lingua Cimbra dei Sette Comuni

6. Costituire e valorizzare musei locali e istituti culturali

specifici;

7. Organizzare rassegne, concerti, feste popolari

anche con somministrazione di cibi e bevande, e manifestazioni

in genere finalizzate alla promozione e alla

valorizzazione del patrimonio culturale Cimbro dei Sette

Comuni nelle sue molteplici forme;

8. Svolgere tutte le attività che si riconoscono utili

per il raggiungimento dei fini che la “Federazione Cimbri

7C” si propone.


wissenschaft

9. Biirtan und haltan panàndar de gatüüneche mettar

hooben und met-teme vorkhünnan ba saint guut zo ziigan

vüar un zo vaartigan de 700 jaar dar büürtonghe dar

Vüüronghe un d andarn jaar-gadànkhe me Punte;

10. Arbatan metanàndar met-ten andarn dorkhànten

schittarn Taützen gaprèchtarn;

11. Gheenan naach dar òoneghekhot dar Zimbrischen

Pünte ba-da saint zoa-zo dorgràifan d òoneghekhot

allar dar Zimbarn.

Zoa-zo dorgràifan de khselleghen ziile, de Gamòanschaff

nützet intslózzanten und übarbeeganten de diinoste von

laüten dar saindarn ghèerne und umme nicht.

Dar Gamòanschaff is khènt vorpòotet zo machan an gatüünach

andarst òdar bia is khöt denàu, auzonthiin von

den ba saint gapùnt enghe met innàndarn.

St. 3 – Sitze

Dar „Punt Zimbarn 7K“ hat de sitze in dar Hòoghen Ebane,

im-me Komàune von ......, haus nümmarn ...., am-me

beeghe ..........

St. 5 – Khselle

Khselle vom-me „Punte“ saint alle dii ba habant-sich

gaschràibet inn in-z komàun-puch dar Zimbarn im-me

komàune dar iarn sitze im-me lante dar Siban Komàüne,

un bèlnt gheenan naach in ziilen dar gamòanschaff sobìa

im-me st. 2 und habent gòlt de gamòane gultonghe me

jaare gastéllet vom-me Vüürar-Raate.

Man-sich nèt sainan inkhséllet vor an stukhe zait nennòch

insteet von andarn.

In khsellen is galàzzet dar schurr zoa-zo machan guut un

gapézzaran de Setze-Recht un de richtonghe, zo prengan

vüar de rüüfe von stötzen vom-me „Punt Zimbarn 7K“,

und vor alle d andarn diinoste gavésteghet von diisar Setze-Rechte

òdar von sain richtonghen. Khòaz man khèmman

insteet von andarn.

Dar titolen me khselle ist vom-me mennesche sèlbort und

man-sig-en nèt übargheban, nòch übartragan af draite

nemmìndor naachkhemmenar òdar reeden.

An-d-òaz vortràghet-sich bidar de ziile

me st. 2, man-ar nèt bolàiban an khsell.

An-d an khsell khimmet gajùkhet auz, dar Vüürar-Raat hat

zo prèchtan drau.

An-d eppada-bia an khsell nemmèar limmet tòal von dar

Gamòanschaff, nòotet-z nèt ghèltan-me èersinkh de gultonghe,

nòch antì-andare ghèlte, nòch antòal me schatze

dar Gamòanschaff.

St. 6 – Khselleghe Stötze

De khselleghen Stötze vom-me „Punt Zimbarn 7K“ saintta:

a) De Vorkhèmminghe von Allen in Zimbarn;

b) Dar Vüürar-Raat;

c) Dar Voorsteenar;

d) De Vööbare dar Khünten;

e) Z khsellach dar schòadalar.

9. All’organizzazione e al coordinamento delle attività

culturali e promozionali atte a promuovere e celebrare

i 700 anni della nascita della Reggenza e le altre ricorrenze

della Federazione

10. Collaborare con le altre minoranze linguistiche

Germanofone riconosciute

11. Perseguire l’unione delle Federazioni Cimbre

esistenti per il raggiungimento dell’unione di tutti i Cimbri.

Per il raggiungimento degli scopi sociali, l’Associazione

si avvale in modo determinante e prevalente delle prestazioni

personali, volontarie e gratuite dei propri aderenti.

È fatto divieto all’Associazione di svolgere attività diversa

da quelle sopra menzionate, ad eccezione di quelle ad

esse direttamente connesse.

Art. 4 – Sede

La “Federazione Cimbri 7C” ha sede in Altopiano, nel Comune

di ……, al civico n° …. In via ……….

Art. 5 – Soci

Sono soci della “Federazione” tutti coloro che si sono

iscritti all’anagrafe dei Cimbri del proprio comune di residenza

nel territorio dei Sette Comuni e che intendono

perseguire gli scopi associativi di cui all’art. 2 ed abbiano

versato la quota annuale associativa fissata dal Consiglio

Direttivo.

La qualità di socio non può essere temporanea e non è

trasferibile.

I soci hanno il diritto di voto per l’approvazione e le modificazioni

dello Statuto e dei regolamenti, per la nomina di

parte degli organi direttivi della “Federazione Cimbri 7C”.

e per tutte le altre funzioni stabilite dal presente Statuto o

dai suoi regolamenti. Non sono ammesse deleghe.

Il titolo di socio è personale e non può essere ceduto, né

trasmesso a terzi nemmeno per via successoria o testamentaria.

Eventuali azioni contrarie agli scopi di cui all’art. 2 sono

incompatibili con il mantenimento della qualità di socio.

L’eventuale espulsione di un socio deve essere deliberata

dal Consiglio Direttivo.

Il socio che per qualsiasi motivo cessi di far parte dell’Associazione

non ha diritto al rimborso delle quote, né alla

restituzione di altre contribuzioni eventuali, né di quota

parte del patrimonio dell’Associazione.

Art. 6 – Organi sociali

Gli Organi sociali della “Federazione Cimbri 7C” sono:

a) L’Assemblea Generale dei Cimbri;

b) Il Consiglio Direttivo;

c) Il Presidente;

d) I Revisori dei Conti.

e) Il collegio dei probiviri


wissenschaft

St. 7 – De Vorkhèmminghe von Allen

De Vorkhèmminghe is gamàchet au von allen in khsellen

eltor dan 18 (achtzan) jaar, beeln is galàzzet dar schurr

zoa-zo machan guut un gapézzaran de Setze-Recht un de

Richtonghe, un zo naaman de Stötze dar Gamòanschaff,

auzonthiin von Komàun-mannen dar Rèchte.

De Vorkhèmminghe, gamàchet au von khsellen ambràlle,

khimmet garüüfet auz af de gaboone baise und af de ungaboone

baise.

De Vorkhèmminghe von Allen khimmet garüüfet zua af

de gaboone baise alle jaar zbeen veerte ammìndor, anda

nèt bosùntarne stènte nöötigan mèeror semele; de

Vorkhèmminghe khimmet garüüfet auz hörtan benne dar

Vüürar-Raat bill-se rüüfan zua, òdar ammìndor 1/3 dar

khselle bill schraiban un pöödaman an voorsonghe me

Voorsteenare.

De gaboone semele bill-da sainan alle jaar voar me 31

mòajen, in dar Hòoghen Ebane ka-me sitze ba preart

mèeror garècht me Vüürar-Raate. De baise un de zaiten

dar semele at-te bòtta khèmment gavésteghet vom-me

Vürar-Raate.

De Vorkhèmminghe von Allen, sòvel de gaboone biivel

de ungaboone, legat-sich panàndar garècht sainten da

ammìndor halbe khselle in dar èersten semele, òdar

antì-an sèltzana khselle in dar zbeenten semele, ba is-ta

ammìndor 30 stünte darnaach dar èersten.

An de Vorkhèmminghe intslózzet nèt andarst, dar

Voorsteenar òdar dar zbeente Voorsteenar me Vüürar-Raate

sitzat-ar voar, ba prenghet vüar de zeelare und an

schraibar, auz von khsellen ba-da saint.

De gaboone Vorkhèmminghe khimmet zo oorte

garècht imbìtzanten 2/3 allar ba-da saint, umme:

1. Machan guut de zeeringhe me jaare, habanten

ghèt khunten dar Vüürar-Raat un de Vööbare dar Khünten;

2. Machan guut de khünten me khselleghen gatüüneche

dar hooben, voranàuz òch;

3. Vorhöövan z klooban in Vüürar-Raat und in de

Vööbare dar Khünten;

4. Alle d andarn gatüüneche òdar

dinkh umme de ziile dar setze-rechte;

De gaboone Vorkhèmminghe khimmet zo oorte garècht

intslózzanten dii ba saint mèeror, umme:

5. Schurr me Vüürar-Raate;

6. Schurr dar Vööbare dar Khünten;

7. Schurr me khselleche dar Schòadalar;

De ungaboone Vorkhèmminghe khimmet zo oorte garècht

imbìtzanten 2/3 allar ba-da saint, umme:

8. Gapézzaran de Setze-Recht un d iarn möglichen

Richtonghe;

9. Zormàchan in „Punt Zimbarn 7C“.

Art. 7 – L’Assemblea Generale

L’Assemblea è costituita da tutti i soci di età superiore

ai 18 (diciotto) anni, ai quali spetta il diritto di voto per

l’approvazione e le modifiche dello Statuto, dei Regolamenti

e per la nomina degli Organi Direttivi dell’Associazione,

ad esclusione dei rappresentanti dei Comuni

che sono di Diritto.

L’Assemblea, composta dalla generalità dei soci, viene

costituita in via ordinaria e in via straordinaria.

L’Assemblea Generale viene convocata ordinariamente

almeno due volte all’anno, salvo che particolari circostanze

non richiedano ulteriori convocazioni; l’Assemblea

sarà indetta ogni qualvolta il Consiglio Direttivo riterrà

di convocarla, o ne farà richiesta scritta e motivata

al Presidente almeno 1/3 dei soci.

La convocazione ordinaria avverrà entro il 31 maggio di

ogni anno, in Altopiano nella sede ritenuta più idonea

dal Consiglio Direttivo. I modi e i tempi di convocazione

vengono stabiliti di volta in volta dal Consiglio Direttivo.

L’Assemblea Generale, sia ordinaria che straordinaria,

si costituisce validamente con la presenza di almeno

la metà dei soci in prima convocazione, e con qualsiasi

numero di soci in seconda convocazione da tenersi almeno

30 minuti dopo la prima convocazione.

Salvo diversa determinazione da parte dell’Assemblea,

essa è presieduta dal Presidente o dal Vicepresidente

del Consiglio Direttivo, il quale propone, fra i soci presenti,

gli scrutatori e un segretario.

L’Assemblea ordinaria delibera validamente con

il voto favorevole di 2/3 dei presenti in merito a:

1. Approvazione del consuntivo annuale, udite le

relazioni del Consiglio Direttivo e dei Revisori dei Conti;

2. Approvazione del programma socio-culturale e

relativo preventivo;

3. Revoca della fiducia al Consiglio Direttivo ed ai

Revisori dei Conti;

4. Qualsiasi altro programma o argomento attinente

gli scopi statutari;

L’Assemblea ordinaria delibera validamente, a maggioranza

relativa, in merito a:

5. Elezione del Consiglio Direttivo;

6. Elezione dei Revisori dei Conti.

7. Elezione del collegio dei Probiviri

L’Assemblea straordinaria delibera validamente con il

voto favorevole di 2/3 dei presenti in merito a:

8. Modifica dello Statuto e dei suoi eventuali Regolamenti.

9. Scioglimento della “Federazione Cimbri 7C”.


wissenschaft

De gaschrìftar dar vorkhèmminghe khèmment untarschriibet

von dèmme ba is gasìtzet voar dar Vorkhèmminghe

und vom-me schraibare me gaschrìfte, un galàzzet niidar

kan-dar sitze me „Punte“ und ilchar khsell man-se luugan

aan.

Man-sich nèt plòodan bidar baz hat gasétzet de Vorkhèmminghe

von Allen speetor dan 60 taaghe darnaach az is

khènt intslózzet.

St. 8 – Vüürar-Raat

1. Dar Vüürar-Raat is gamàchet au von achtzan

Raat-Mannen, òondar atte bòtta zornéart von dar Vorkhèmminghe

dar inschràiban inz Zimbrische komàun-puch

von ilcharme komàune (in allame 8 Komàüne), òondar

atte bòtta ganaamet von Komàun-Mannen von ilcharme

komàune auz von inschràiban in-z Zimbrische komàunpuch

me sain komàune, in allame N°8, dar Voorsteenar

òdar an gaschìkhanar dar saindarn vom-me Hause dar Ögnarn

Hòomelsen Bizzekhot ko Rbaan, un dar Voorsteenar

òdar an gaschìkhanar dar saindarn dar Mòanschaff

dar Pèrgar „Hòoga Vüüronghe dar Siban Komàüne“. De

Raat-Manne stötzent vor drai jaar; alle möghent khèmman

zornéart vor an andara bòtta un saighent vor 1/3 alle

jaar. Im-me Vüürar-Raate möghent nèt lèmman tòal dii ba

èrbatent gòlt leedighe vor in „Punt Zimbarn 7K.“ Benne z

böar nöötikh zo vortàuschan an Raat-Mann, riivet in sain

diinost drajar jaar dèar, ba in de leste Vorkhèmminghe hat

gasnàppet mèeror rüüfe.

2. An-d an komàun òdar mèeror komàüne naamen

nèt in sain gaschìkhan vor in punt indarzàlt von 30

taaghen darnaach dar gavoorse, diisar khimmet zornéart

von inschràiban inz Zimbrische Komàun-Puch me sain

komàune indarzàlt von draizkh taaghen darnaach.

3. Dar Voorsteenar khimmet zornéart von dar vorkhèmminghe

dar khselle vüar-gapràcht vom-me vüürar-raate,

zoa-zo sainan zornéart mizz-ar sain inschràibet inz

komàun-puch dar Zimbarn dar Siban Komàüne vor 3 jaar

ammìndor (ditzan gapoot is nèt vor in èersten schurr me

punte) sobìa dar Zbeente Voorsteenar òch, un benne z

nòotet dar Schraibar un dar Löösar; alle de diinoste daurnt

asò langhe bìa de selben dar Raat-Manne.

4. Dar Vüürar-Raat leghet-sich panàndar gaboont

alle manade òdar benne z preart garècht me Voorsteenar

òdar eppadòome insteet von iime, òdar benne z voorsent

ammìndor an drittol dar Raat-Manne, òdar de Vööbare

dar Khünten. De sitzonghe saint garècht sainten da 9

Raat-Manne ammìndor, und mèeror dan halbe rüüfe intslózzent;

an-d ist an ebane dar rüüf von dèmme ba sitzet

voar übarbeeghet. Raat-Manne möghent nèt prèchtan

drau, intslózzan und machan tüünan umme dinghe ba se

habent an bizzen sandare sèlbort òdar d iarn vraünte òdar

sbaagarschaft fintz af z zbeente lid. In gaschrìftarn dar sitzonghe

bèlnt khèmman gatràt voar de dinkh baròat naach

dar ordnonghe me taaghe, allez baz is khènt

I verbali delle assemblee saranno firmati da chi ha presieduto

l’Assemblea e dal segretario verbalizzante, sono depositati

presso la sede della “Federazione” e ogni socio

può prenderne visione.

Le deliberazioni assunte dall‘Assemblea Generale sono

inoppugnabili dopo 60 giorni dalla loro adozione.

Art. 8 – Consiglio Direttivo

1. Il Consiglio Direttivo è composto da diciotto Consiglieri,

N°1 eletto dall’Assemblea Degli iscritti all’anagrafe

Cimbra di ogni singolo comune (Totale 8 Comuni) , N°1

nominati dal Consiglio Comunale di ogni singolo comune

tra gli iscritti all’anagrafe dei Cimbri del comune di competenza,

per un totale di N°8, il Presidente o un suo delegato

dell’Istituto di Cultura Cimbra di Roana e il Presidente

o un suo delegato della Comunità Montana “Spettabile

reggenza dei Sette Comuni”. I Consiglieri durano in carica

tre anni; possono essere tutti rieleggibili per un secondo

mandato e scadono per 1/3 ogni anno. Non possono fare

parte del Consiglio Direttivo coloro che con la “Federazione

Cimbri 7C.” hanno un rapporto continuativo di lavoro

retribuito. Nel caso fosse necessario sostituire un Consigliere

gli subentrerà, per completare il suo mandato triennale,

quel candidato che nella precedente Assemblea

aveva ottenuto il maggior numero di voti.

2. Qualora un comune o più comuni non designino

il proprio rappresentante in seno alla federazione entro

30 giorni dalla richiesta lo stesso sarà eletto dagli iscritti

all’Anagrafe Cimbra del comune di competenza entro i

trenta giorni succesivi.

3. il Presidente viene eletto dall’assemblea dei soci

su proposta del consiglio direttivo, per essere eletto deve

essere iscritto all’anagrafe dei Cimbri dei Sette Comuni da

almeno 3 anni ( tale norma non vale per la prima votazione

della federazione) come pure il Vicepresidente, e

in caso di necessità il Segretario ed il Cassiere contabile;

tutte le cariche hanno la stessa durata dei rispettivi mandati

di Consigliere.

4. Il Consiglio Direttivo si riunisce normalmente

ogni mese o quando il Presidente o chi ne fa le veci lo

ritenga opportuno, oppure quando almeno un terzo dei

Consiglieri, o i Revisori dei Conti, ne facciano richiesta.

Le sedute sono valide con la presenza di almeno nove

Consiglieri e le deliberazioni sono prese a maggioranza

assoluta di voti; in caso di parità prevale il voto di chi presiede.

Consiglieri non possono prendere parte a discussioni,

deliberazioni e altri provvedimenti su affari nei quali

abbiano interessi personali o ve li abbiano i loro congiunti

o affini entro il secondo grado. Nei verbali delle sedute

saranno riportati gli argomenti indicati all’ordine del giorno,

tutte le deliberazioni prese e quant’altro richiesto dai

Consiglieri e Revisori dei Conti. I Verbali sono approvati

dal Consiglio Direttivo, sottoscritti e controfirmati da chi

ha presieduto la seduta e dal verbaliz


wissenschaft

intslózzet òdar nòch gavoorset von Raat-Mannen un Vööbarn

dar Khünten. De gaschrìftar saint gamàchet guut

vom-me Vüürar-Raate, untarschriibet vüar und hiin von

den, ba saint gasìtzet voar dar sitzonghe und me schraibare

ba hat-se garìchtet au.

5. Dar Vüürar-Raat hat de beetorste macht vor

z gaboone und ungaboone stötzan, ilchardar-hanne,

und übar allame ist-me galàzzet allez ba sèa nèt gahàltet

èersinkh bosùntar vor de Vorkhèmminghe von Allen

òdar, intslózzanten-z de selbe, vor andare stötze.

Ba nèt andarst, dar Vüürar-Raat hat zo:

a) Zuarüüfan de Vorkhèmminghe von Allen;

b) Prengan vüar in de Vorkhèmminghe mögliche

bèksele vor diisa setze-recht und vor de richtonghe;

c) Ziigan vüar alle de gatüüneche garìchtet inn vomme

„Punt Zimbarn 7K“;

d) Schraiban panàndar de zeeringhe me jaare, zeelanten

au bia is gant vüar z haus-haltan un de diinoste vor

dez selbe jaar;

e) Prengan vüar in de Vorkhèmminghe de khünten

me khselleghen gatüüneche dar hooben vom-me jaare,

voranàuz òch;

f) Naaman un nützan mögliche auzonte lidardar

vom-me Vüürar-Raate, met bosùntarn diinosten, vor de

viildar-hanne gatüüneche;

g) Stellan alle jaar de gamòane gultonghe;

h) Intslózzan de gatüüneche naach me st. 5, lestar

abesitz.

St. 9 – Voorsteenar

Dar Voorsteenar bohüütet ambràlle z bizzen me Punte, ar

ist-sen dar rèchteghe gaschìkhane un hat-sen z bosùntarach

zo untarschràiban. Ar vortràghet in Punt im-me

garìchte vraan allen richtar-stüülen, rüüfet zua in Vüürar-

Raat un machet tüünan baz diisar hat intslózzet.

Insteet vom-me Voorsteenar, an-d-ar ist nèt hia òdar

botèppet, is-ta dar Zbeente Voorsteenar met allen in

khrèpfen.

St. 10 – Vööbare dar Khünten

1. Z Khsellach dar Vööbare dar Khünten is gamàchet

au von drai gaboon lidardarn und von zbòa boròoten. Diise

khèmment zornéart von dar Vorkhèmminghe von Allen

un stötzent vor drai jaar; kan dar ebane von rüüfen de

höögare altekhot übarbeeghet. Vor in diinost dar Vööbare

dar Khünten möghent nèt khèmman zornéart de vraünte

òdar de sbaagarschaft dar Raat-Manne fintz af z draite lid

un dii ba èrbatent gòlt leedighe vor in „Punt“. Z Khsellach

dar Vööbare naamet von innont in sain Voorsteenar. Benne

z böar nöötikh zo vortàuschan an gaboon Vööbar, is-ta

insteet dar èerste zorneerane dar zbeen baròoten vööbare.

zante che li ha redatti.

5. Il Consiglio Direttivo ha i più ampi poteri per

l’amministrazione ordinaria e straordinaria, senza eccezioni

di sorta, e più segnatamente gli sono conferite

tutte le facoltà che non siano riservate in modo esplicito

all’Assemblea Generale o, per deliberazione della stessa,

ad altri organi.

Spetta, tra l’altro, al Consiglio Direttivo:

a) Di convocare l’Assemblea Generale;

b) Di proporre all’Assemblea eventuali modifiche

al presente Statuto ed ai regolamenti;

c) Di promuovere tutte le attività istituzionali

della “Federazione Cimbri 7C”;

d) Di compilare i consuntivi annuali, corredandoli

della relazione sull’andamento dell’esercizio economico

e funzionale per l’anno di competenza.

e) Di proporre all’Assemblea il programma socio-culturale

annuale e relativo preventivo;

f) Di nominare ed avvalersi di eventuali aderenti

esterni al Consiglio Direttivo, con deleghe specifiche,

per i diversi settori di attività;

g) Di stabilire le quote associative annuali;

h) Di decidere sui provvedimenti previsti all’art. 5,

ultimo comma.

Art. 9 – Presidente

Il Presidente tutela in generale gli interessi della Federazione,

ne é il legale rappresentante e

ne ha la firma. Rappresenta la Federazione in giudizio in

ogni grado di giurisdizione, convoca il Consiglio Direttivo

e dà esecuzione alle sue deliberazioni.

Il Presidente, in caso di assenza o di impedimento, è

sostituito dal Vicepresidente a tutti gli effetti.

Art. 10 – Revisori dei Conti

1. Il Collegio dei Revisori dei Conti si compone di

tre membri effettivi e di due supplenti. Essi vengono eletti

dall’Assemblea Generale e durano in carica tre anni; a

parità di voti prevale l’anzianità per età. Non possono

essere eletti alla carica dei Revisori dei Conti i parenti e

gli affini degli consiglieri entro il terzo grado e coloro che

con la “Federazione” hanno un rapporto continuativo di

lavoro retribuito. Il Collegio dei Revisori nomina nel suo

seno il proprio Presidente. Nel caso fosse necessario

sostituire un Revisore effettivo, gli subentrerà il primo

eletto dei due revisori supplenti.


wissenschaft

2. Z Khsellach dar Vööbare dar Khünten man vorkhèmman

de semele me Vüürar-Raate und z hat zo lèmman

tòal in dar Vorkhèmminghe von Allen. In an bosùntarz

puch schraibet-z sain bizzach un de nòan und vööbart de

khünten.

3. De Vööbare dar Khünten habant-sich zo legan

panàndar alle jaar viar veerte ammìndor, ambràlle alle

drai manade.

St. 11 – Stötzan de bètze

Z guut un de bètze vom-me „Punte“ khèmment gastötzet

vor-z jaar, alle jaar höövanten aan am-me 1 ghennare und

riivanten am-me 31 bainecht-manade.

Alle jaar dar Vüürar-Raat ghit khunten vom-me guute un

bètzen darpài richtanten au an schrift zoa-zo untarlegan-en

dar Vorkhèmminghe zo machan-en guut indarzàlt

von vüf manaden darnaach me oorte me khselleghen diinoste.

Im-me khunten mizzant-sich hörtan zòogan de güütar, de

ghèlte òdar de galàzzan gabìnne.

Is gamàchet an vorpòotach zo nèt ghèban auz, eeben

af d unslèchte baise, gabìnne òdar z obar-mèeront me

stötzan, nennòch güütar, spaarenghe òdar bètze bail de

Gamòanschaff hat z galeebach, az-ta nèt dar ziil òdar de

tòalonghe sainan vorpòchet vom-me rèchte òdar tüünt an

bööle andarn gamòanschaffen ba, vor rècht, setze-recht

òdar richtonghe, machan an tòal vom-me selben und oonighen

gahàüsede.

De gabìnne und z obar-mèeront me stötzan habent zo

khèmman gazéart zoa-zo machan gheenan de gatüüneche

dar gamòanschaff un dii ba saint gapùnt enghe met

innàndarn.

St. 12 – Schatz

Dar schatz vom-me „Punte“ is gamàchet au von gamòan

gultonghen, sussìdien un ghèlten, von übarghèban un

galàzzan güütarn, un baz nòch eppada-bia is-me ghèt un

gasnàppet von iime.

An dar „Punt“ khìmmet zormàchet, d ungaboone Vorkhèmminghe

von Allen khìmmet zo oorte und machet naaman

bèar ghiltet auz. Dar gantze schatz khimmet ghèt me

Hause dar Ögnarn Hòomelsen Bizzekhot ko Rbaan.

St. 13 – Khsellach dar Schòadalar

Zoa-zo khèmman zo oorte met ilchardar sèrghe ba

büürtatate inmìtten vom-me „Punte“ umme diisa Setze-Recht,

de sain richtonghe un d iarn höttare, sòvel

schüschen in khsellen indrìn biivel schüschen diisen

und me Vüürar-Raate, khimmet garìchtet inn an

Diinost dar Schòadalar in drajen, ba intslózzet ane

nicht derbìdar bia-z ist rècht un nèt bidar z gapoot dar

stt. 827-831 vom-me Puche me Garìchte dar Lantenar.

De schòadalar khèmment ganaamet at-te bòtta von plòodarn,

an ilchar von den bill naaman an schòadalar un dar

draite khimmet ganaamet met gamòanar òonighe, naach

in stt. 810 un vüar P.G.L.

2. Il Collegio dei Revisori dei Conti ha la facoltà di

assistere alle adunanze del Consiglio Direttivo e deve

intervenire all’Assemblea Generale. Registra in apposito

libro i propri accertamenti e rilievi ed esercita il controllo

contabile.

3. I Revisori dei Conti devono riunirsi almeno

quattro volte all’anno, generalmente ogni trimestre.

Art. 11 – Esercizio finanziario

L’esercizio economico e finanziario della “Federazione”

ha durata annuale, con decorrenza dal 1° gennaio

e termine il 31 dicembre di ogni anno.

Il Consiglio Direttivo redige annualmente il rendiconto

economico-finanziario unitamente ad una relazione accompagnatoria

da sottoporre all’approvazione dell’Assemblea

entro cinque mesi dalla chiusura dell’esercizio

sociale.

Nel rendiconto devono in ogni caso risultare i beni, i

contributi o i lasciti ricevuti.

È fatto divieto di distribuire, anche in modo indiretto,

utili o avanzi di gestione, nonché fondi, riserve o

capitale durante la vita dell’Associazione, salvo che la

destinazione o la distribuzione siano imposte dalla legge

o siano effettuate a favore di altre associazioni che,

per legge, statuto o regolamento, facciano parte della

medesima e unitaria struttura.

Gli utili e gli avanzi di gestione dovranno essere impiegati

per la realizzazione di attività istituzionali

dell’ente e di quelle ad esse direttamente connesse.

Art. 12 – Patrimonio

Il patrimonio della “Federazione” è costituito da quote

associative, da sovvenzioni e contributi,

da beni ceduti, lasciti e quant’altro comunque ad essa

devoluta e da essa acquistato.

L’eventuale scioglimento della “Federazione”. è deliberato

dall’Assemblea Generale straordinaria, che provvederà

alla nomina di uno o più liquidatori. L’intero

patrimonio sarà devoluto all’Istituto di Cultura Cimbra

di Roana.

Art. 13 – Collegio Arbitrale

Per la definizione di ogni controversia che sorgesse in

seno alla “Federazione” in merito al presente Statuto,

ai suoi regolamenti e alle loro interpretazioni, sia tra i

soci fra loro che tra questi e il Consiglio Direttivo, verrà

istituita una Commissione Arbitrale di tre persone, la

quale deciderà inappellabilmente secondo equità, salvo

il disposto degli artt. 827-831 del Codice di Procedura

Civile.

Gli arbitri saranno nominati di volta in volta dalle parti,

ciascuna di esse nominerà un arbitro ed il terzo sarà

nominato di comune accordo, a norma degli artt. 810 e

seguenti C.P.C.


wissenschaft

St. 14 – Reeghel am-me lesten

Baz-da is nèt galuughet aan ganòat in diisar Setze-Rechte,

gheet naach in gapooten dar rèchte ba saint jüste vor

ditzan.

Garìchtet au ka Ghènebe am-me vümve Òostar-Manade

2013

Art. 14 – Norma finale

Per quanto non contemplato espressamente nel presente

Statuto, si farà riferimento alle disposizioni di legge vigenti

in materia.

Redatto ad Enego il cinque Aprile 2013

Dr. Remigius Geiser, *05.11.1951 in München

studierte 1971-77 an der Ludwig-Maximilians-Universtität München Biologie.

Mit seiner Diplomarbeit über die Käferfauna der Fichten-Rindenhaufen

erwarb er 1977 den Titel des Diplom-Biologen. Nach freier Mitarbeit am

Lehrstuhl für Landschaftsökologie der Technischen Universität München

- Weihenstephan - in der Zeit von 1978-83 und als Assistent am Lehrstuhl

für angewandte Zoologie der Technischen Universität München - Weihenstephan

- in den Jahren 1984-87 ist Dr.h.c. Geiser seither als Privatgelehrter

in Salzburg tätig.

Fachgebiete: Faunistik, Ökologie und Artenschutz mitteleuropäischer Käfer

(Coleoptera) sowie Fragen des Darwinismus und der Soziobiologie.

Remigius Geiser ist Mitglied in zahlreichen Vereinen, u. a. ist er Vorstandsmitglied

im Curatorium Cimbricum Bavarense, München und Vizepräsident

des Kulturvereins „Freunde der Zimbern“ in Salzburg.

Quelle: http://remigius.org/

Foto rechts: Kirche von Palai

Aufnahme von Dr. Jörg Ruthrof während

der Cimbernfahrt 2015 ins Fersental


gastbeitrag


gastbeitrag


aus den sprachinseln


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aus den sprachinseln

SUUMAR

Süüze gaséghe von pèrghen,

vrischar aatom von bèllarn,

hòotare tiifekhot me hümmale,

liichtar glisamo

vomme grüün und vomme plaaben.

Nööte zo vorliiran-sich

in anlòanekhot

hörtan gavàzzet met sainan hia,

in stille

òften dorkhloopet von ruufen.

Vèrre

vomme stoobe dar valtzen dingar,

vèrre

vomme gatèkkalach dar dingar von nichtsame.

Und khèmman drau zo vènnan-sich mèeront baar,

mèeront lèntikh,

mèeront nagane von sich sèlbort

und von andarn.

Hòrran-sich òonikh met allame

und met allen,

sobìa z gazìttarach, rénghe und stèrch,

in z galeebach dar bèlte.

Galüst zo ziigan vüar

naach disame trétta-bègale dar steeln,

hörtan höögor,

zon dèmme liichten glisamen

vomme grüün und vomme plaaben

ane riivan.

Sèrgio Bonàto Khuntz

(gakhèart in zimbrisch vomme Remìgio Geiser)


aus den sprachinseln

ESTATE

Dolce profilo di monti,

fresco respiro di boschi,

chiara profondità di cielo,

luminose trasparenze

di verde e di azzurro.

Bisogno di perdersi

in solitudini

colme di assidue presenze,

in silenzi

percorsi da ripetuti richiami.

Lontano

dalla polvere delle cose false,

lontano

dal frastuono delle cose da niente.

E scoprire di trovarsi più veri,

più vivi,

più vicini a noi stessi

e agli altri.

Sentirsi uniti a tutto

e a tutti,

come vibrazioni fragili e forti

nella vita dell’universo.

Voglia di andare avanti

lungo questo sentiero di sassi,

sempre più in su,

verso quelle luminose trasparenze

di verde e di azzurro

senza fine.

Sèrgio Bonàto Khuntz


aus den sprachinseln

Dar Gròoze Gankh umme z Vèlt

Dar gròoze gankh umme z vèlt,

z gròoze gapeet.

Steenan au az mòrgazen vrüün

zo ghèban an takh dar sunnen

und me binte,

is gapeet.

Trèttan vüar mettanàndar

vor bèllar un biisen plüümanten

vomme langhese,

is gapeet.

Durgheenan liichte baite

vrai fintz in z óart dar bèlte,

is gapeet.

Zeelan au und lüsanan auz

z galüst und in bèa

vomme hèertzen,

is gapeet.

Gheenan zo misse

liid zo rèttan alle de bèlt,

is gapeet.

Singan de alten letànjen

zo pintan z dorgànghene

zomme khèmmanten,

is gapeet.

Schénkhan sich de gavèrban òjar

mèrch dar khséllekhot und vomme

naüghen laibe,

is gapeet.

Khèeran in de khércha az àbazen,

vor de beeghe un de haüsar

von hòrtan,

is gapeet.

Leeban asò de vilghe dar Aufart,

de Aufart me Kristen,

sun me Gótte und sun me manne,

in vaartakh ba pintet d èerda

zomme hümmale:

ist z gròoze gapeet,

dar Gròoze Gankh umme z Vèlt.

Sèrgio Bonàto Khuntz

( gakhèart in zimbar-gaprècht vomme Remìgio

Geiser )

Gadénkhan de tòoten un de vèrren

und hòrran se lèntikh und nagane

indarzalt uzàndarn,

is gapeet.


aus den sprachinseln

La Grande Rogazione

La grande rogazione,

la grande preghiera

Alzarsi al mattino presto

per dare un giorno al sole e al vento,

è preghiera.

Camminare assieme

per boschi e prati fioriti di primavera,

è preghiera.

Percorrere spazi aperti

liberi fino ai confini del cielo,

è preghiera.

Raccontare e ascoltare

le gioie e le sofferenze del cuore,

è preghiera.

Partecipare alla messa

inno cosmico di salvezza,

è preghiera.

Cantare le antiche litanie

per unire passato e futuro,

è preghiera.

Ricordare i morti e i lontani

e sentirli vivi e vicini dentro di noi,

è preghiera.

Donarsi le uova colorate

segni di amicizia e di vita nuova,

è preghiera.

Tornare la sera in chiesa,

tra le strade e le case di sempre,

è preghiera.

Vivere così la vigilia dell‘ Ascensione,

l‘ Ascensione di Cristo,

figlo di Dio e figlio dell‘ uomo,

la festa che unisce terra e cielo:

è la grande preghiera,

la Grande Rogazione.

Sergio Bonato Khuntz


aus den sprachinseln

die sprachinsel l


aus den sprachinseln

usérn lädt ein ...


aus den sprachinseln

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lusérn lädt ein ...


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aus den sprachinseln


aus den sprachinseln


S


chwer

punkt


schwerpunkt

Lusern und die 7 gemeinden

zur zeit des 1. weltkriegs

1915 - 1917

Text: Dr. phil. Jörg Ruthrof

Während große Teile Europas schon 1914 zum Kriegsgebiet wurden,

blieb es in Südeuropa - und hier besonders an den Südhängen der Alpen

mit der damaligen Grenze zwischen Italien und Österreich-Ungarn

- zunächst noch ruhig und erst mit dem Bündniswechsel Italiens zu den

alliierten Gegnern von Deutschland und Österreich-Ungarn sowie der

Kriegserklärung wurden große Gebiete der cimbrischen Sprachinseln

zum direkten Frontgebiet. Die Hintergründe mit der militärischen Sicherung

dieser Grenze und die Folgen für Lusern und die Orte der Sieben Gemeinden

stehen im Mittelpunkt der Ausführungen im folgenden Artikel,

der als Vortrag beim Bayerischen Cimbernkuratorium gehalten wurde.

la grande guerra

Die Ausgangslage vor 1915

und die Festungsbauten auf der Hochebene

Obgleich der Vortrag als Schwerpunkt die Zeit des 1.Weltkriegs 1915-17/18 in Lusern und in den Sieben

Gemeinde hat, gehört zum Kontext auch speziell hier die Vorgeschichte, die zum Festungsbau auf österreichischer

wie italienischer Seite ab 1860 führte. Denn erst dadurch fiel der Hochebene eine Schlüsselrolle

für die „Südfront“ bzw. Gebirgsfront im 1.Weltkrieg zu, deren Auswirkungen sich bis heute sehen,

erahnen und in Museen nachspüren lassen.

In gewisser Weise wurde der Grundstein für die Härte dieses Kriegskonflikts ab 1915 in dieser Region

der Südalpen schon ab 1860 gelegt. Beginnend mit regionalen Aufständen der italienischen Bevölkerung

1848 in der damals noch österreichischen Provinz Lombardei-Venetien - die österreichischen Truppen

unter Feldmarschall Radetzky konnten diese 1848/49 nach vorübergehendem Teilrückzug bis in die

Festung Verona erfolgreich niederschlagen - kam es 1859/60 zu einem erneuten Regionalkonflikt, als

das Königreich Sardinien-Piemont in österreichisches Territorium einmarschierte, von Frankreich entsprechende

militärische Hilfe erhielt und im Juni 1859 dann in den Schlachten von Magenta und Solferino

(Gründungsanlass für „Rotes Kreuz“ durch Henri Dunant!) die österreichischen Truppen vernichtend

schlug.

Die Habsburger zogen sich an die Bergkette der Südalpen zurück und konnten hier weitere Angriffe

italienischer Truppen erfolgreich abwehren, als Resultat aber verlor Österreich große Gebiete in Oberitalien

und zog in der Region von „Welschtirol“ auf den Berghöhen eine neue Grenzlinie. Diese hielt

dann erfolgreich bis zum Ende des 1.Weltkriegs. Für die Sieben Gemeinden und die Hochebene von


schwerpunkt

1

Vielgereut (Folgaria) und Lafraun (Lavarone)

mit der Sprachinsel Lusern

bedeutete dies, dass die nördliche

Hochebene von Vielgereut und Lafraun

wie die Sieben Gemeinden als direktes

Grenzgebiet „gerade noch“ zu Österreich

gehörten. Italien konnte sich so

zunächst die Lombardei als Gebietsgewinn

sichern und gab sich nach dem

„Frieden von Zürich“ 1859 zudem ab

1861 als Königreich und erstmals auch

als damaligen Nationalstaat eine neue

Staatsform.

Dieser verlorene Krieg von 1859 und

die neue Grenzziehung - noch dazu trotz ihrer unwirtlichen

gebirgigen Situierung - veranlasste die

österreichische Militärführung an der neuen Grenze

Sicherungsanlagen in Form von Festungen zu bauen.

Die ersten Sperranlagen und Festungen damals

erlebten ihre erste Feuerprobe, als Österreich 1866

im deutsch-österreichischen „Bruderkrieg“ genau

an dieser Südgrenze vom Königreich Italien angegriffen

wurde, da Italien als Bündnispartner Preußens

in den hauptsächlich auf Deutschland konzentrierten

Konflikt eingriff und sich so erhoffte, auch

Welschtirol mit der Region Trient und Venetien bei


schwerpunkt

bei der Gelegenheit in seinen Landesbesitz eingliedern

zu können. Und es war die preußische Regierung,

die Italien als Dank für die Bündnistreue

versprach, im Fall eines Sieges über Österreich

die Region Venetien dem italienischen Königreich

anzugliedern. Durch den Sieg der Preußen über

Österreich bei Königgrätz mit den anschließenden

Friedensverhandlungen schaffte es Italien schließlich

auch, die Region Venetien als Kriegsgewinn zu

bekommen. Seit 1866 verlief daher die Grenze zwischen

Italien und Österreich genau zwischen der

Hochebene von Vielgereut-Lafraun 9(österreichisch)

und der

Hochebene

der Sieben

Gemeinden

(italienisch).

Als Ironie

der vorherigen

Kriegsereignisse

beschlossen

1882 dann

das deutsche

Kaiserreich,

Österreich-Ungarn

und Italien

einen „Dreierbund“

als Bündnispartner

zu gründen

in Erweiterung

des schon seit 1879 bestehenden Zweierbunds

zwischen Deutschland und Österreich. Dieser

Bund hielt sogar noch bis über den Beginn des

1. Weltkriegs hinaus, aber der alliierte Bund der

Kriegsgegner, die „Entente Cordiale“ mit Frankreich,

England, Russland und weiteren Staaten,

machte - ähnlich wie Preußen im 1866er Krieg - Italien

ein schwer abzuschlagendes Angebot: Sollte

Italien den Dreierbund verlassen, bekäme es im

Gegenzug bei erfolgreichem Kriegsverlauf für die

Mächte der „Entente“ als Dankesgeschenk nicht

nur Welschtirol, sondern den Teil Tirols bis zum

Brenner.

Auf österreichischer Seite wurde zudem gleich

nach 1866 begonnen, die neue Grenze noch massiver

mit Festungsanlagen und Sperrwerken zu

sichern. Die neue Festungslinie begann dabei in

Riva am Gardasee und zog sich bis nach Kärnten

und Slowenien hin. Die Festungen auf der Hochebene

auf österreichischer Seite unterstanden dem

„Rayon Tirol“ mit dem Landesverteidigungskommando

Tirol als Entscheidungsinstanz und waren

in zehn Verwaltungsabschnitte, sogenannte „Subrayons“

bzw. Grenzabschnitte eingeteilt, die Festungen

auf der Hochebene von Vielgereut-Lafraun

bildeten hier den Grenzabschnitt 5 und die Festungen

bis zum Suganertal/Val Sugana den Grenzabschnitt

6.

Bis nach 1900 blieb jedoch die Hochfläche von

Vielgereut-Lafraun zunächst von massiven Festungsneubauten

verschont, da die ab 1866 gebauten

Festungen in einer ersten Bauwelle bis 1884

und von 1884 bis etwa 1900 vor allem als Talsperren

und an den flankierenden Berghängen von

Tälern - wie etwa dem Suganertal - errichtet wurden,

um dort massiert den im Kriegsfall zu erwartenden

Durchbruch italienischer Truppen Richtung

Norden zu verhindern. Erst im Zusammenhang mit

der technisch immer versierteren modernen Militärtechnik

ihrer Zeit wie etwa immer stärkeren

Gebirgskanonen und Mörsern mit der Möglichkeit,

Munition von bis zu 30cm Durchmesser abzuschießen,

folgte ab 1907 auch der Bau weiterer

Sperrwerke und Zwischenfestungen im Hochgebirge.

Als modernsten Baustoff der Zeit wurden die Festungen

aus Stampfbeton errichtet und mit Eisenarmierungen

innen gestützt, die Decken zwischen

den Stockwerken waren 2,5 Meter dick und die

Festungsanlagen wurden geschickt mit bestehenden

Naturfelsen kombiniert, die so zusätzlichen

Schutz für die Festungen boten. Teilweise wurde

es zudem nötig, in die bestehenden Felsen

auch neue Räume hinein zu sprengen, wie etwa

bei der Festung Lusern. Die Festungen hatten zudem

jeweils mehrere gedeckte Panzertürmen mit

schweren Festungskanonen und Turmhaubitzen

und neben den Verwaltungs- und Schlaf- sowie

Aufenthalts- und Lagerräumen für die Mannschaften

gab es natürlich Sanitätsräume, ein Gefängnis

und wegen der Abgeschnittenheit der Festungen


schwerpunkt

von weiterer militärischer Versorgung und notfalls

Reservetruppen beim Festungskampf gab es sogar

Totenkammern mit Nischen für die Särge, wenn Gefallene

nicht gleich bestattet werden konnten.

Auf österreichischer Seite entstanden so von West

nach Ost auf der Hochebene die österreichischen

Festungen Serrada, S.Sebastiano, Sommo (bei

Vielgereut), Lusern als vorgeschobenster Posten

gegen Süden, Gschwendt (bei Lafraun), Verle mit

Spitz Verle und Vezzena. Danach folgten neben

den ab 1915 umkämpften Bergen auf der Hochebene

der Sieben Gemeinden

zum Suganertal hinunter ältere

Sperranlagen mit Fortsetzung

der Festungskette

in Richtung der Fassaner Alpen.

Auf italienischer Seite

hatte teilweise schon vor der

großen österreichischen Festungsbauphase

ab 1907 im

Gebiet der Sieben Gemeinden

auf ideal gelegenen Höhenzügen

mit Blick Richtung

Nordwest - also auf die österreichische

Festungskette und

die damalige Staatsgrenze -

in den 1880er Jahren der Festungsbau

begonnen.

Hier entstanden Festungen

am Monte Maso (1885) beim

Pasubiopass, Forte Interrotto

(1885), Forte Ratti (1906),

Forte Corbin (1910-11), Forte

Campolongo (1912-14) und

Forte Verena (1912-14) bei Roana, Forte Enna (1910-

12), Forte Lisser (1911-12) bei Enego und Forte

Campomolon (1912) bei Tonezza. Im Gegensatz zu

den österreichischen Festungen waren die italienischen

Festungen im Inneren oft aus Naturstein erbaut

und teilweise auch deshalb bei Kriegsbeginn

1915 teilweise unterarmiert oder ganz desarmiert,

wie etwa die Festung am Monte Interrotto bei Roana,

die nach Ausbruch der Kämpfe im Gebiet der

Sieben Gemeinden ab Mai 2015 nur noch als Artilleriestützpunkt

und Militärlazarett diente und ein

Jahr später auch unzerstört bei der Frühjahresoffensive

1916 in österreichische Hand gelangte.

1

Auch die heute noch sichtbaren enormen Zerstörungen

gerade der italienischen Festungen zeigen

den Unterschied in der Architektur, hält man den

Erhaltungszustand der österreichischen Festungen

dagegen bei Kriegsende 1918.

Lusern und seine Festung am Vorabend

des Krieges

Nach diesem doch umfangreichen, aber auch in

gewisser Weise notwendigen Einblick in die Rahmenbedingungen

und die militärische

Situation der Region als Gebiet

direkt an der damaligen Reichsgrenze

zwischen Österreich und Italien

muss als nächstes der Blick der Sprachinsel

Lusern gelten, wo ab 1911

oberhalb des Dorfes eine der damals

modernen Festungen gebaut wurde.

Gerade hier „im Kleinen“ läßt sich zugleich

der bereits zuvor angedeutete

Nationalitätenkonflikt im damaligen

direkten Grenzgebiet als Zugehörigkeit

zur deutschen oder italienischen

Sprachgruppe nachverfolgen, der in

der ganzen Region seit den 1860er

Jahren unter der gesellschaftlichen

Oberfläche köchelte.

Mit dem ab 1862 in Lusern als Pfarrer

wirkendem Kurat Franz Zuchristian

(gebürtig aus Südtirol), dem

ersten deutschen Pfarrer überhaupt

seit dem 17. Jahrhundert - Lusern

wurde kirchenmäßig traditionell von

Trient aus betreut - änderte sich viel: Der Gottesdienst

und der Schulunterricht wurde unter ihm in

Deutsch abgehalten und in Kenntnis der Besonderheit

des zimbrischen Dialekts sorgte er dafür, dass

die sprachliche und soziale Situation des Dorfes

und seiner Bewohner von deutschsprachiger Seite

stark gefördert wurden mit der Umwidmung der

Ortsschule zu einer deutschen Schule oder der

Gründung einer Klöppelschule. So bekennen sich

in einer Volkszählung von 1900 insgesamt 915 Luserner

als deutschsprachig und nur 14 geben als

Muttersprache italienisch an.


schwerpunkt

5

Herrschaftsbereich

Diese „Kulturarbeit“ gefiel nicht allen im Dorf

und erst recht nicht den sogenannten „Irredentisten“

in Welschtirol, die von der Region Trient aus

versuchten, die zahlreich vorhandenen deutschsprachigen

Grenzregionen im österreichischen

als Teil und für die italienischen

Staatsideen zu gewinnen. So wurde schon

vor 1900 immer wieder versucht, über den Fürstbischof

in Trient die Kirchen- und Schulsprache in

Lusern wieder auf Italienisch umwidmen zu lassen.

Dieser andauernde Nationalitätenstreit spaltet

auch immer mehr die Luserner Bevölkerung,

weshalb es im Dorf um 1900 durchaus bewußt

national gewählte Namen für die Dorfgasthäuser

gibt - die „deutschen“ Luserner haben ihr „Gasthaus

Andreas Hofer“ (heute der Gasthof „Ferdy“)

und die „italienischen“ Luserner treffen sich in der

„Albergo Tricolore“ am Marktplatz (heute die Bar

neben dem Rathaus). Ebenso erreichen es einige

Familien, dass neben der deutschen Schule auch

wieder eine italienische Schule eröffnet wurde und

so der Sprachen- bzw. Zugehörigkeitskonflikt weiter

verschärft wurde.

1911 ist aber nicht nur das Jahr, als mit dem Festungsbau

oberhalb von Lusern begonnen wurde,

1911 erlebte der Ort zugleich eine seiner

schlimmsten Katastrophen, als nämlich am 9.

August 1911 ein Feuer fast zwei Drittel des Dorfes

zerstörte. Insgesamt 368 Luserner verloren ihr gesamtes

Hab und Gut, 58 Häuser wurden zerstört

und 79 Familien verloren ihre Häuser, die entweder

komplett oder teilweise zerstört waren. Der

Schaden des Brandes wurde auf bis zu 370.000

Kronen beziffert, wobei die entsprechende


schwerpunkt

Deckungssumme der Versicherung zugleich nur mit

31.000 Kronen berechnet wurde. Mit der schnellen

Hilfe vieler - auch der beim Festungsbau eingesetzten

österreichischen Truppen - gelingt zunächst

das Eindämmen des Feuers.

Als nächster Schritt gründete sich danach im Ort

ein „Hilfskomitee“, das zunächst über alle sprachlich-emotionalen

Grenzen und Anfeindungen hinweg

den Wiederaufbau koordinieren wollte und

sollte. Nur wenige Wochen später spaltet sich dieses

Komitee jedoch aus genau diesen Problemen

heraus und die „italienischen Luserner“ gründeten

ihr eigenes Komitee. So wurde zugleich der Plan für

den Wiederaufbau des Ortes zu einem Wettstreit,

welches Komitee mit welchen Spenden aus dem

deutschsprachigen oder dem italienischsprachigen

Raum mehr an Finanzmitteln sammeln konnte.

Bis 1912 war dann zwar

der Ort wieder aufgebaut

mit neuen Häusern, der

Konflikt aber blieb.

Der Kriegsausbruch

in Lusern und in den

Sieben Gemeinden 1915

Der Bevölkerung in Lusern blieben lediglich gut

drei Jahre Frieden danach in ihrem Dorf im Schatten

der neuen österreichischen Festung. Als im August

1914 nach dem Attentat von Sarajewo auf den

österreichischen Thronfolger in „Europa die Lichter

ausgingen“ wie namhafte Historiker gern das

Szenario vom Juli/August 1914 mit gegenseitigen

Zusicherungen der Waffenhilfe und Ultimaten umschreiben,

blieb es an der Grenze zwischen Österreich-Ungarn

und Italien zunächst noch ruhig. Der

Krieg machte sich jedoch schon darin bemerkbar,

dass die Luserner Männer zum österreichischen

Militär einberufen wurden und mit ihren Einheiten

zunächst nach Osten in die heutige Ukraine transportiert

wurden, wo ihnen als Bundesgenossen

des deutschen Kaiserreichs schwere Kämpfe gegen

das russische Heer bevorstehen sollten.

In dieser Situation - Österreich schien durch die

Konzentration seiner Truppen an der Ostfront von

Süden her leicht angreifbar - lockten die Mittelmächte

der „Entente“ das Königreich Italien immer

intensiver, seine „Stillhalterolle“ als Partner des

Dreierbunds mit Österreich und Deutschland aufzugeben

und versprachen dem möglichen neuen

Partner als sicheren Gebietsgewinn bei einem Seitenwechsel

Welschtirol und die Region des heutigen

Südtirols sowie weitere bisher österreichische

Gebiete an der Adria. Für die „Italienfreunde“ in

Welschtirol, die in der sogenannten „Lega Nazionale“

schon seit der Zeit um 1900 ihr Sammelbecken

hatten, schien dies die Lösung ihrer Probleme

zu sein. Im April 1915 verpflichtete sich Italien daraufhin

im „Abkommen von London“ mit den Mittelmächten,

aus dem alten Dreierbund auszuscheren

und als dritte Kriegsfront von Süden her gegen die

früheren Vertragspartner sich in den Krieg einzumischen

innerhalb eines Monats.

Am 23. Mai 1915 erklärte

daraufhin der italienische

König Vittorio Emanuele

III. den Kriegseintritt

seines Landes gegen

Österreich-Ungarn. Jetzt

hieß es auch für die Bewohner

in den Sieben

Gemeinden, für ihr Land in den Krieg zu ziehen -

mit dem sicher auch beunruhigenden Blick vieler

Richtung Norden zur österreichischen Festungskette

hin, von wo im Kriegsfall für die eigene Heimat

die sichere Zerstörung drohte. Und es kam, wie es

kommen musste: Neben den regulären Truppen

in den österreichischen Festungen wurden Standschützen-

und Landsturmeinheiten mobilisiert

und zur Verstärkung schnell bis aus Salzburg und

Böhmen an die südliche Landesgrenze transportiert

und der österreichische Kaiser Franz Joseph

kommentierte die Kriegserklärung an sein Land als

„Verrat, wie die Geschichte keinen zweiten kennt

…“.

Obgleich - und hier richtet sich in den Tagen des

Kriegsbeginns 1915 der Fokus wieder auf Lusern -

die österreichischen Festungen stärker armiert und

moderner gebaut waren, wäre der Plan der italienischen

Militärführung, die Festungskette des Gegners

durch Dauerbeschuss zu durchbrechen und

dann in die österreichischen Kernlande hinein zu

marschieren fast stellenweise gelungen.


schwerpunkt

Bei Kriegsbeginn waren in der Festung Lusern gut

160 Soldaten einer Festungsartillerieeinheit mit ihren

Offizieren stationiert. Für sie - wie auch für die

Bevölkerung in Lusern - begann der wirkliche Krieg

dann am 25. Mai 1915, als die italienischen Festungen

von der Hochebene her ein dreitägiges Dauerfeuer

auf die Festung legten, bei dem bis zum 28.

Mai dann über 5000 Geschosse auf die Festung

hagelten. Die Geschütztürme stürzten ein, die Festungspanzerung

war an etlichen Stellen zerschossen

und die Artilleriegeschütze für den Fernkampf

waren nicht einsatzfähig, zudem drohten Teile der

Betondecken in den Stockwerken einzustürzen.

Der damalige Luserner Festungskommandant hielt

dem psychologischen Druck dieses Dauerbeschusses

nicht stand, erlitt einen Nervenzusammenbruch

und ordnete das Hissen der weißen Fahne

als Zeichen der Kapitulation an. Unterhändler waren

schon zu den italienischen Posten unterwegs,

als die benachbarten österreichischen Festungen

ein Sperrfeuer um das Werk Lusern legten, so ein

italienisches Vorrücken zur Festung verhindern

wollten und die Unterhändler wieder ins Werk Lusern

zurückzwangen.

Denn das Hissen der Fahne wurde nicht nur von

den Italienern beobachtet, die sich sicher waren,

damit eine Bresche in die Festungskette geschlagen

zu haben, auch die eigenen Nachbarfestungen

bemerkten die weiße Fahne und vom Fort Verle aus

- Luis Trenker war damals dort stationiert und hat

diese Zeit und Erlebnissen in seinem Buch „Sperrfort

Rocca Alta“ beschrieben - wurde eine dem

Werk Verle zugeordnete Einheit des „Deutschen

Alpenkorps“ zum Werk Lusern in Marsch gesetzt,

die dort die weiße Fahne abnahm und zugleich die

Festung wieder einsatzbereit machte.

Im Dorf Lusern richtete ein erster Angriff am 24.

Mai und der Dauerbeschuss ab 25. Mai 1915 an

mehreren Häusern große Schäden an und beschädigte

auch die Kirche, zugleich war ein Mädchen

aus Lusern bei diesem ersten schweren Artillerieangriff

das erste mehrerer Zivilopfer im Dorf.

Die Luserner begaben sich so schnell als möglich

auf die Flucht und verließen ihr Dorf. Später entschloss

sich die österreichischen Militärbehörde,

die Bevölkerung von Lusern als geschlossene

Gruppe bis zum Kriegsende 1918 in Braunau im

Bezirk Aussig in Böhmen neu anzusiedeln in einer

Barackenstadt - und es blieb nicht die letzte

Umsiedlung der Luserner, denn die „Option“ im

2.Weltkrieg sorgte dafür, dass die sich als deutsch


schwerpunkt

bekennenden Luserner Familien 1939/40 erneut

ihre Heimat verlassen mussten und wieder in Böhmen

neu angesiedelt wurden. Der Krieg blieb trotzdem

„Dauergast bei den Lusernern in ihrem Exil,

denn bis zum Kriegsende 1918 wurden noch viele

2

junge Männer

zum Militärdienst

eingezogen

und natürlich

machte

auch die

allgemeine

schlechte

Versorgungslage

nicht Halt vor

den Luserner

Familien.

Zuletzt noch

ein Blick auf

die Sieben

Gemeinden:

Auch hier

erlebte mit

den ersten

Angriffen der

Festungen

die Zivilbevölkerung die allgemeine Zerstörung

ihrer Häuser und Dörfer. Wie die Österreicher evakuierte

die italienische Militärführung die Bevölkerung,

jedoch nur aus den gefährdeten Zonen. Ein

Jahr nach Kriegsbeginn auf der Hochebene, im Mai

1916, begann dann die österreichische „Frühjahresoffensive“,

mit der die Militärführung von Norden

her über die Bergketten in die Tiefebene bei

Vicenza vorstoßen wollten und so einen Keil in die

italienischen Verteidigungslinien treiben wollten,

um zugleich ihre eigenen Truppen bei deren Kämpfen

am Piave und Isonzo zu entlasten.

Am Morgen des 15. Mai 1916 beginnt der Angriff

mit einem Dauerbeschuss der italienischen

Kampfgräben aus 369 schweren Geschützen mit

bis Kalibern von bis zu 30,5 cm Durchmesser. So

können die Österreicher am 17. Mai an verschiedenen

Stellen die italienischen Linien durchbrechen,

am 20. Mai werden zudem durch die massiven

Angriffe die italienischen Truppen in der

Region Vezzena zur Aufgabe ihrer Stellungen gezwungen

und am 28. Mai eroberten die Österreicher

Asiago und Camporovere. Danach allerdings

0

kam die Offensive ins Stocken und die auf diese

Weise mit hohen Verlusten eroberten Gebiete

wurden bis auf weiteres gehalten und verteidigt.

Neue Entwicklungen an anderen Brennpunkten

der Südfront waren danach der Grund, dass sich

die Österreicher am 24. Juni 1916 dazu entschlossen,

ihre eigenen Linien wieder in die Bergregion

zurück zu verlegen. Zurück blieben bis auf wenige

stehende Mauerreste zerstörte Dörfer und Weiler in

weiten Teilen der Hochebene der Sieben Gemeinden,

deren Bevölkerung zudem fast komplett umgesiedelt

worden war in die Tiefebene und bis nach

Süditalien. Und hier wurden jene, die miteinander

zimbrisch sprachen auch noch als „österreichische

Spione“ beschimpft und angepöbelt.


schwerpunkt

1 5

Dr. phil. (des.) Jörg Ruthrof M.A., Wendelstein

Literatur (in Auswahl):

-Baratter, Lorenzo: Dagli Altipiani a Caporetto/Von den Hochebenen nach Karfreit; Dokumentationszentrum

Lusern Onlus (Hrsg.); Lusern, 2007

-Grestenberger, Erwin Anton: K.u.k. Befestigungsanlagen in Tirol und Kärnten 1860-1918;

Wien, 2000

-Nicolussi Castellan, Valentina/Zammateo, Paolo: Il grande incendio die Luserna/Der

große Brand von Lusern/Das groas vaür vo Lusérn; Dokumentationszentrum Lusern (Hrsg.);

Lusern, 2013

-Pieropan, Gianni: Guida alle fortezze degli Altipiani; Schio, 1982


ver

an

stal

tung

en


veranstaltungen

DIE SPRACHENVIELFALT

DER BAYERN

VERANSTALTUNG IM LANDSHUTER SALZSTADEL

AM 08.03.2015

Mundart werd gred, ned

gschriem.

Diese und weitere interessante Erkenntnisse gewannen

die etwa 100 Teilnehmer der Veranstaltung

„Die Sprachenvielfalt der Bayern“ im Landshuter

Salzstadel, zu der das bayerische Cimbern-Kuratorium

am zweiten Märzsonntag eingeladen hatte.

Text und Fotos: Heike Arnold

Dass trotz strahlendem Wetter so viele Gäste den

Weg in den Landshuter Salzstadel fanden, freute

Veranstalter und Akteure gleichermaßen. Nicht nur

aus der Hauptstadt München und dem Landkreis

Landshut waren die an Sprache und Kultur der

Bayern und Zimbern interessierten Besucher gekommen;

auch Gianluca Rodeghiero, Beisitzer des

Kuratoriums aus dem norditalienischen Asiago,

hatte es sich die Teilnahme nicht nehmen lassen.

Und der Besuch sollte sich lohnen.

Nach der kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden

des bayerischen Cimbern-Kuratoriums Jakob

Oßner und einer flotten bairischen Musik – wunderbar

gespielt von Christina Schott (Akkordeon)

und Ulrike Schott (Keybord) -, machte der Veldener

Mundartdichter Erich Stenger mit seinem Werk von

Josef, Maria und dem Kind vom Heiligen Geist

den Auftakt. In seiner Muttersprache, dem Boarischen,

nahm er die Zuhörer mit auf eine Gedankenreise

in die Vergangenheit – in die Zeit von Maria und

Josef, vor mehr als 2000 Jahren. Mit der Erinnerung

an den Heiligen Josef, dem man dieser Tage wieder

gedenke, eröffnete Stenger eine philosophische

Auseinandersetzung über ein Thema, über das bis

heute nicht gerne geredet wird. Es ist ja auch – heute

wie damals - schwer zu erklären, dass die Maria

schwanger

wurde von einem

andern

als ihrem geliebten

Josef,

dieser andere

Mann aber

in Wirklichkeit

gar nicht

existiert und

die Maria

auch nichts

mitkriegt hat

von der Zeugung!

Man(n), also der Josef, musste es halt glauben,

dass es sich bei dem Jesus um ein Kind vom

Heiligen Geist handelt – um was ganz Besonderes.

Wie er mit seinem Schicksal hadert, der Josef, und

wie er sich mit der Frage quält, ob er das Kind als

sein eigenes annehmen und die Verantwortung für

die Familie übernehmen soll – von Erich Stenger in

boarischer Mundart vorgetragen, hört sich die alte

Geschichte plötzlich sehr aktuell an, sehr menschlich,

mitfühlend – ja mitleidend. Dieser Effekt, erfährt

das Publikum später von Prof. Jakob Ossner,

liegt daran, dass nur die Mundart, nur der Dialekt

diese „Wärme und Nähe“ vermitteln kann, während

das Hochdeutsche, die Schriftsprache, eher

kalt sei.

Mundart werd gred, ned gschriem.

Cimbernexperte Dr. Remigius GeiserSo wichtig und

wertvoll den Bayern das Boarische ist, so wichtig ist

es den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen

weltweit, dass ihre Orts- und Muttersprachen nicht

aussterben. Etwa den Zimbern, die in den XIII und


veranstaltungen

Jeder Mensch ist mehrsprachig!

VII Gemeinden und Lusérn bis heute ein aus dem 11.

Jahrhundert stammendes, von Emigranten nach Italien

gewandertes Bairisch sprechen. Einer, der diese seltsame

und nur schwer zu verstehende Sprache perfekt beherrscht,

ist der Dipl.-Biologe Dr. Remigius Geiser aus

Salzburg. Das Vorstandsmitglied des bayerischen Cimbern-Kuratoriums

ist ein ausgewiesener Zimbern-Experte

und damit ein Glücksfall für den gemeinnützigen

Verein, der sich in den 1970er Jahren gründete, um die

alte Sprache und Kultur der Zimbern vor dem Vergessen

zu bewahren. Geiser verstand es, das Auditorium mit

einem zimbrischen Sprachbogen in den Bann zu ziehen,

der mit bekannten Gebeten wie dem „Vater unser“

und „Ave Maria“ begann und bei einem heiter-nachdenklichen

Frühlingsgedicht endete. Wer genau „luste“,

konnte die Ähnlichkeiten der beiden Sprachen

bairisch und zimbrisch erkennen, und wem das von

Geiser „Appetit machend“ dargebotene Zimbrisch nicht

ausgereicht hat, findet weitere Sprachbeispiele sowohl

auf der Homepage des Kuratoriums als auch auf dem

Video-Kanal Geiser’s auf youtube[i]

Was ist eigentlich … echter Dialekt?

Hätten Sie’s gewusst? 7.102 Sprachen (!) wurden am

23.02.2015 auf unserer Erde gesprochen. Doch schon

heute oder morgen könnten es nur noch 7.101 sein.

Oder 7.100. Sprachen sterben. Sagt die Wissenschaft.

In hundert Jahren, so Jakob Ossner, Professor für Didaktik

der deutschen Sprache und Mitglied des Rats

für deutsche Rechtschreibung, sollen es nur noch etwa

70 sein. Nach diesen nüchternen und erschreckenden

Zahlen zum Beginn seines Vortrages, spendet Ossner

seinen Zuhörern dann aber gleich einen Trost: Das Bayerische

wird laut der DIN-Zertifizierungsregeln, die

es auch für Sprachen gibt, als „eigene“ Sprache

definiert – und die Hoffnung, dass es noch einige Generationen

überleben wird, ist groß. War es vor einigen

Jahrzehnten vor allem bei den Städtern noch „verpönt“,

sich mit „Zuagroastn“ in Mundart zu unterhalten, sind

gegenwärtig besonders die Jungen wieder stolz auf ihren

Dialekt und sprechen ihn auch auf Facebook[i] & Co.

Doch was ist eigentlich echter Dialekt? Prof. Jakob Ossner

kennt die Antwort. Dialekt oder Mundart, sagt er, ist

das, was Geredet wird. Hochdeutsch dagegen ist das,

was geschrieben wird – die Schriftsprache eben. Und

wie sich das Ganze dann vermischt, wenn die bairische

Mundart nicht gesprochen, sondern aufgeschrieben

wird, macht er an einem Beispiel deutlich (Abb. 1).

Dass, wie Prof. Ossner an Hand weiterer Beispiele belegt,

jeder Mensch mehrsprachig ist und es auch im

Dialekt Mehrsprachigkeit (Bsp.: Millebitschn, Muichbitschn,

Milchhaferl) gibt, sind interessante Erkenntnisse,

die jeder Teilnehmer aus der kurzweiligen, immer

wieder von bairischer Musik bereicherten Veranstaltung

mit nach Hause nehmen konnte. Zu den wertvollsten

Lehren des Tages gehört jedoch sicher, dass allein der

Dialekt es vermag, wahre Emotionen zu transportieren

und echte Verbundenheit herzustellen.

Und wer jetzt gerade denkt, dass da „wieda amoi vui

zu vui Gfui im Spui is“, der hat nicht ganz unrecht. So

samma hoid: Mia in Bayern. ---#

Den Vortrag „Jeder Mensch ist mehrsprachig“ von

Prof. Dr. Jakob Ossner finden Sie im PDF-Format auf unserer

Homepage. Der QR-Code bringt Sie als Nutzer eines

Smartphones direkt zur Download-Seite.


veranstaltungen


veranstaltungen

zimbrische

Gedichte + Gebete

vorgetragen in zimbrischer

sprache vom cimbernexerten

Dr. remigius

geiser, universität salzburg,

am 08.03.2015 im

salzstadel landshut.

Rit lacest dolupta volorepe pellessit latum

rehendis ati dolorem comnihi liquati

ut vel ipsus am vero ipsunto blam hilis

dolupta derese sitaspienis est et unt acit

et ipsam que ped eostia aut quatibusam,

ulparch icatem acia sunt aut aut ommodisin

ratum quiatur sit aut et volum fugit

Hannes Beeghenbint Satalar:

Gasànkh übar-n Langhez

Ais un snèa vorsbìntanten

d èerda rüstat-sich grüün,

nakhont-ròote pöömelen

khèarnt börfan loop un plüün.

Trüübe vallanten nèt mèar

snea-bazzardar von steeln;

bia voar, in liichte rèndelen

in-z mear khèarnt gheen de beeln.

Az hia de dinkh saint heveghe,

z jaar zòogan-ta üz makh

von mòrgande af abande,

ba loofan tüüt dar takh.

De zait in minschen manaden,

se machet nòch iar khèar;

dar mann, am-bòtta stirbat-ar,

bar segan-en nemmèar.

Beeldar mann, dar sterchorste,

üz sicharn möcht an stunt,

un az nèt zölle Lachesi,

baz Atrop hat gaspùnt ?

Billa, gròoza billekhot,

leeban asò unbaròat:

gatrótt af zait unsichara

untar an sicharn tòat !

Seelga zait, ba tröömat-sich,

is ditzan leeban üz,

imm ooghe-plikhe vludarnten

bia vom-me glitz an grüüz.

Heevikh-schööne hümmale,

ich saüfte z aüch, mi khèar,

bia in sain hòomant günnat-me

vorloorandar romèar.

Bèar ghit miar müüdem vèttinghen

zo vludarn auf sò hòoch ?

Und maindar seeln un m aatome

khraft und macht ghit òch ?

Z pluut in-z hèertze standa-mar,

oh trüüba bèlt-galùst !

Z ist nuar zait, daz plüüntaten

sichore rèete in pruust.


Grüüza-dich, Marìa, vòlla grazien,

dar Guute Hèere ist mét diar;

gabàighet pist du von allen de baibar,

un gabàighet ist dar frütten von me dain pauche,

Gesù. Hòoliga Marìa, Muutar me Guuten Hèeren,

pitt vor ozàndare vòlla sünte,

hèmmest un in de zait me ögnarn tòote.

Amen.

Avemaria dal messale cimbro attualmente in uso, approbato dalle autorità ecclesiastiche competenti.

Englischer Gruß aus dem aktuell im Gebrauch befindlichen zimbrischen Messbuch,

approbiert von den zuständigen kirchlichen Autoritäten.


veranstaltungen


veranstaltungen

JAHRESHAUPTVER-

SAMMLUNG Im NEUEN

Trachtenzentrum

Holzhausen

Aus dem Zeitungsbericht von Jakob Oßner zur Jahreshauptversammlung 2015, erschienen in der

Vilsbiburger Zeitung vom 04.08.2015:

Landshut/Holzhausen. Trotz herrlichem Badewetter kamen viele Mitglieder des

Bayerischen Cimbernkuratoriums nach Holzhausen ins Bayerische Trachtenkulturzentrum

zur Jahreshauptversammlung.

Vorsitzender Jakob Oßner begrüßte unter den zahlreich erschienenen Ehrengästen

auch den Bundestagsabgeordneten Florian Oßner, MdB, der seinerseits in

seinem Grußwort die völkerverständigende Zusammenarbeit des Kuratoriums

mit den cimbrischen Partnergemeinden Oberitaliens gerade in einer wieder

unsicherer gewordenen Zeit herausstellte und lobte. Hier erinnerte der Abgeordnete

an die herausragende Arbeit der Gründerväter des Kuratoriums Hugo

Resch und Hans Geiselbrechtinger vor 45 Jahren. Ehrenvorsitzendem Josef Seidl

gebührt der besondere Dank der mit viel Herzblut und Geschick die vielfältigen

Aufgaben des gemeinnützigen Vereins ein anderthalb Jahrzehnt leitete.

In seinem Tätigkeitsbericht stellte Vorsitzender Jakob Oßner die besonders

gelungene neue Homepage des Cimbernkuratoriums, www.cimbern-kuratorium-bayern.de,

heraus, die im letzten Jahr online ging. Hier dankte der Vorsitzende

der fleißigen Web-Masterin Heike Arnold, die in der Projektgruppe

„Digitales Cimbrisches Wörterbuch“ mit Projektleiter Prof. Dr. Antony Rowley,

Schriftführer Hans Geiselbrechtinger, Dr. Alexander Glück und Dr. Remigius

Geiser der jahrelangen Arbeit der Sprachwissenschaftler zum Erfolg verhelfen

konnte. Ein Höhepunkt im jährlichen Vereinsgeschehen sind für die Mitglieder

die Jahresfahrten zu den deutschen Sprachinseln in Oberitalien.


veranstaltungen

Der freundschaftliche Empfang mit den abendlichen folkloristischen

Darbietungen der cimbrischen Kultur in den Gemeinden von Roana und

Asiago bleibt für viele unvergessen. Hier stellte Oßner die weitere kulturelle

und sprachliche Förderung des Jugend-und Schüleraustausches

mit Oberitalien heraus.

Bereits am 27. September wird im Salzstadel ein besonderer musikalischer

Leckerbissen in einem Sonntagsmatinee von dem 23-jährigen

Nachwuchspianisten Andrea Azzolini aus Roana/Vicenza dargeboten.

Vor dieser Reise in die klassische Musik wird auch an das segensreiche

Wirken des früheren Landrates Hans Geiselbrechtinger

beim Zustandekommen der Gemeindepartnerschaften

erinnert, bemerkte Vorsitzender

Jakob Oßner. Im Tagesordnungspunkt

Satzungsänderung wurde dem Vorschlag der

Vorstandschaft mit großer Mehrheit zugestimmt.

Demnach können in Zukunft u.a. besonders um

das Kuratorium verdienten Personen die Ehrenmitgliedschaft

verliehen werden. Die einwandfreie

Kassenführung von Schatzmeister Rudi

Holzner wurde von den Kassenprüfern Heinz

Bauer und Adolf Weindl bestätigt.

Im Hauptreferat sprach Dr. phil. Jörg Ruthroff

über den Beginn des 1. Weltkrieges und die Geschehnisse

vor 100 Jahren auf der Hochebene

von Asiago (siehe „Schwerpunkt“, S. XX-XX)

Gruppenfoto vor dem Trachtenkultur

Trachtenkulturzentrums Holzhausen

Jörg Ruthrof bei seinem Vortrag (rec

Trachtenhaube im Museum (rechts u

Fotos: Heike Arnold


zentrum Holzhausen (oben), Blumenpracht im Hof des

(Mitte), Rundgang durch die Anlage (links unten), Dr.

hts oben), Blick ins Auditorium (rechts mittig), historische

nten).

veranstaltungen


92

Andrea Azzolini


veranstaltungen

benefiz-sonntagsmatinée mit

jungpianist andrea azzolini

Andrea Azzolini - ein Name, den sich Liebhaber der klassischen Klaviermusik

merken sollten

Das 23-jährige Ausnahmetalent unter den Jungpianisten begeisterte die Besucher der

Benefiz-Sonntagsmatinée des bayerischen Cimbern-Kuratoriums im Landshuter Salzstadel

mit Interpretationen von Chopin und Schumann.

Text: Heike Arnold

Künstlerfoto: Francesco Fratto

Von der klassischen Musikwelt wird er als außergewöhnliches

und mitreißendes junges Talent anerkannt.

Seine Auftritte, sagen Kenner, sind randvoll

mit jugendlicher Vitalität, Wärme und Temperament.

Wichtige Persönlichkeiten wie Dmitri Bashkirov,

Gary Graffman, Pavel Gililov, Leonid Margarius

und Vanessa Latarche, deren Bekanntschaft

Andrea Azzolini während seiner Ausbildung am

Tschaikowsky Konservatorium in Moskau machen

konnte, sind einhellig voller Lob für den auf sympathische

Weise jenseits der Bühne fast schüchternen

Italiener.

Dass nun gerade das bayerische Cimbern-Kuratorium

den jungen Künstler, der bereits Solo- und Orchester-Konzerte

im Wiener Saal in Salzburg, der

Rachmaninov Halle in Moskau und anderen großen

Bühnen in den wichtigsten Städten Italiens, in Österreich,

der Schweiz, in Russland, Bulgarien, England

und Holland gespielt hat, für ein Solo-Konzert

im Landshuter Salzstadel gewinnen konnte, ist

einer langen deutsch-italienischen Freundschaft

geschuldet – der Freundschaft von Rino Azzolini,

Großvater des Pianisten, mit Hans Geiselbrechtinger,

ehemals Landrat, und Hugo F. Resch, passionierter

Cimbern-Forscher. Diese Freundschaft wird

von den Kindern und Enkelkindern der Familien bis

heute gepflegt.

Musik ist Weltsprache.

Musik verbindet Generationen.

Musik überwindet Vorurteile.

In Erinnerung und Würdigung der Rolle, die sein

Großvater für das bayerische Cimbern-Kuratorium

spielt, entführte Andrea Azzolini sein altersgemischtes

Auditorium schnell „aus Zeit und Raum“.

Hochkonzentriert spielend von der ersten zärtlichen

Berührung der Klaviatur bis zum letzten Ton,

die Gedankenwelten der Komponisten scheinbar

verinnerlicht, begeisterte er mit seinen Interpretationen

von Chopins Ballade Nr. 2 op. 38, der Mazurka

op. 24 und dem Scherzo No. 4 op. 54. Erst

nach Ende des Konzerts ließ Andrea Azzolini die

Zuhörerschaft wissen, dass es sich beim Spiel von

Robert Schumann‘s Arabeske op. 18 und der Symphonischen

Etüde op. 13 um eine „Premiere“ gehandelt

hat; nie zuvor hatte er sie auf einer öffentlichen

Bühne gespielt.

Stolz auf das Talent und Können ihres Sohnes berichtet

Signora Azzolini, dass das Klavierspiel ihres

Sohnes schon im Alter von sieben Jahren eine

„Passion“ gewesen sei und niemand in der Familie

ihn zur klassischen Musik gebracht habe. Bis zu

seinem zehnten Lebensjahr sei Andrea – wie andere

Altersgenossen – sportlich sehr aktiv gewesen,


veranstaltungen

hätte sich im Kampfsport geübt, doch bald habe seine

Sorge, die Hände könnten Schaden beim Sport

nehmen, dazu geführt, sich ganz auf das Üben am

Klavier zu konzentrieren. Harte Arbeit sei das gewesen,

sagt die Mama, stundenlang habe er Tag für Tag

an seinem Instrument verbracht und schließlich am

„F. E. dall‘Abaco“-Konservatorium in Verona in Laura

Palmieri eine Lehrerin gefunden, die eine Schülerin

des berühmten Arturo Benedetti Michelangeli

war. Mit dreizehn Jahren debütierte Andrea Azzolini

mit dem Jugendorchester des Konservatoriums von

Padua mit Haydns Konzert in D-Dur. Danach absolvierte

er am Tschaikowsky-Konservatorium unter

der Leitung von Natalia Trull sein Studium der klassischen

Klaviermusik. 2015 wurde er zum künstlerischen

Leiter des „Bartolomeo Cristofori Piano Festival“

in Padua berufen.

Obwohl Andrea Azzolini beim Blick auf seinen bisherigen

Erfolg schon allen Grund hätte „abzuheben“,

war es ihm eine ehrliche Freude, auf der kleinen

Bühne des Landshuter Salzstadels schwungvoll

in die Tasten des perfekt gestimmten Steinways zu

greifen und dem Publikum „magische Momente“ zu

bescheren.

Dass für dieses Hörerlebnis der Spitzenklasse vom bayerischen

Cimbern-Kuratorium kein Eintritt verlangt werden musste, ist dem

Kultursponsoring der VR-Bank Landshut und anderen Spendern

zu verdanken – ein Engagement, das nicht unerwähnt bleiben

soll. Die Förderung von Freundschaften zwischen deutschen und

italienischen Jugendlichen mit cimbrischen Wurzeln, leistet einen

wichtigen Beitrag zum friedvollen Miteinander in Europa und zur

Pflege der uralten cimbrischen Sprache.

Musik ist Weltsprache.

Musik verbindet Generationen.

Musik überbrückt Grenzen.

Mehr über Andrea Azzolini im Internet unter:

www.andreaazzolini.com


veranstaltungen

Dank der freundlichen Unterstützung der VR-Bank Landshut eG konnte

freier Eintritt zu dieser Benefiz-Veranstaltung angeboten werden


K


ultur +

literatur


literaturpreis

Khennast-to mich?

Raphael Berger & Remìjo Geiser

Mèeror dan 2000 jaar èersinkh ich pin gabeest dar höögorste von-name timpeln

raiche, von bannont ich han gasnàppet in main naamen. Ditzan is gabeest vuudar

bait kan mòrgande von dar ünzarn Euròpen. Von denórch aràu han ich galùmmet au

in bèkh dort de zait un de saiten haikalnten ummarantà in de gadàchte dar laüte. Af

diisame beeghe dort völkhar un gabròche ich pin-mich gabèkselt, und von dèmme

bill-ig-ach zeelan au hia.

In-name lante dar bizzare, vüürare, faffe und schaafare ich pin gabeest dar gott

dar hellen. Von da pin ich partìart un gant kan aabende zon-name vòlkhe ba

hat gamàchet au an khaif grooza stat zöbarst von siban ekkarn und hat gabèttet

untar viil andare völkhar. Kan diisen pin ich beelz jaar gabeest dar höögorste

im-me raiche dar tòoten. Badar schöön da pin ich òften gabeest in de sinne

dar slèchten laüte, machanten da vörte. De hòoghen un de raichen habent

gamàchet büürtan auz von miar an sproz met-ame andarn naamen. Diisar gheet

in sain gankh haüte un nòch darnaach miliüüne von jaarn in de beetorsten saiten

me raiche dar ünzarn sunnen, sainten dar leste von iarn gròozen stearn. Ich

insteet, schiar an gott un dar höögorste im-me raiche dar tòoten, im-me klooben

dar slèchten menneschar pin ich gant an taüvel ba zèrret dehiin de seela, an urrandar

belpoz met büüghen sbartzen heerdarn vor ambràll fan laip, süüchanten

in tòat dar laüte, saintan-ar an riisar schau.

Darnaach, dorgheenanten de jaarhùndartar, de laüte saint-sich vorkhèart

zon-name andarn klooben. Denìnn is-ta dabàite vor an òonighen gott anlòan.

Darsàidez hat-ta nemmèar khòondar gadénkhet mich, in gott dar hellen, und ich

pin bolàibet dar tòat sèlbort. Dar hòolighe Remìjo von Reims hat ghèt in main

naamen andar vorkhèmminghe von taüveln.

Dorgheenanten diise zaiten, de main dorkhàntekhot is-sich gabeetart hörtan

mèeror af-an nòrt. Asò han ich gasècht vor d èerste bòtta de hòoghen pèrghe

un pin gant denàu und han von naüjame gavùnnet an andarz vòlkh, laüte ba

saint khènt vom-me nòrte, strauzikh un pööse, badar ziiganten vüar na-me iarn

beeghe. Ditzan vòlkh is nèt gabüürtet von gròozen steetarn, badar ist an vòlkh

dar akhar-manne, huntare, un benne z nöötet khriigare òch. Kan innàndarn ich

pin gant an belpoz dar bèllar un dar pèrghe, an polscha un troll, hölfar im-me


literaturpreis

hause, ba darmè schölta-sich grèman nia, eeben-az ar hat an linnez hèertze. Kan

iarn güütarn han ich gahèrbighet in schraindarn, züntarst me dache, im-me stalle

òdar in kubeln; badar kan iarn voodaren han ich gahèrbighet in tiifen taaldarn. Nèt

òften habant-sa mich gamöcht segan, badar ich han gasüüchet guute und hèerliche

laüte, ba saint òften gabüürtet von diisame pròttaten badar slèchten vòlkhe.

Darnaach de faffen vom-me klooben in in òonighen gott saint gant hörtan mèeror

birtikh un de laüte habent gahàt zo jukhan dehiin in klooben in mich schiar gantz.

Haüte pa taaghe gadénkhent mich nòch de eltorsten anlòan in völkharn af-an nòrt

und af-an mittartakh dar gròozen pèrghe. Imm edeln vòlkhe dar alten zimbarn af-an

mittartakh dar pèrghe han ich nòch hörtan in alten naamen schiar sobìa 2000 jaar

èersinkh. Da pin ich nòch dar „Òrko“, an strauzigar taüvel un biart dar hellen, ba

hèrbighet in taaldarn sobìa kan naach-khèmmenarn dar alten pèrgare, nèt in lünfen

òdar kubeln sobìa kan

nòrdarn laüten. Kan diisen

af-an nòrt khaif mintzikh

alte èenen un taja-müütare

anlòan khennent mich

nòch. Badar nòch haüte

pa taaghe khödant-sa zon

iarn khindarn: An-do pist

nèt in de hòome pa-dar

aaband-klòkken, denne

„kimmt da Louggä und packt

di!“

Dieser Text wurde mit dem

2. Preis beim Literaturwettbewerb

„Tönle Bintar 2014“

ausgezeichnet.

Die Kinderzeichnung „Orko“

stammt von Severin J.F. Berger,

2011


literaturpreis

Deutsche Übersetzung von „Khennast-to mich?“ von Dr. Raphael Berger:

Vor mehr als 2000 Jahren war ich der Herrscher

eines dunklen Reichs, dessen Name auf mich

übergegangen ist. Das war weit im Südosten unseres

Kontinents. Von dort aus habe ich mich auf

Wanderschaft durch Zeit und Raum begeben und

bin durch die Gedankenwelt der Menschen gereist.

Auf dieser Wanderschaft durch Völker und Kulturen

habe ich mich verändert und darüber werde ich

euch hier erzählen.

Aus einem Land von Philosophen, Politikern,

Priestern und Hirten, wo ich der Höllengott war

brach ich nach Westen auf, zu einem Volk, das

eine riesige Stadt auf 7 Hügeln erbaute und sich

von dort aus viele Völker unterwarf. Dort war ich

einst der Herrscher der Unterwelt. Aber schon hier

war ich öfter in den Gedanken der einfachen Leute

und habe dort Furcht verbreitet. Die Herrscher und

Reichen haben einen Klan anderen Namens aus

mir hervorgebracht. Dieser zieht heute und in Millionen

von Jahren noch in den äußersten Gefilden

unseres Sonnensystems als letzter großer unserer

Himmelskörper seine Bahn. Ich jedoch werde im

Glauben der einfachen Leute vom göttergleichen

Herrscher der Unterwelt zum seelenraubenden

Dämon wilder Gestalt mit schwarzen wuchernden

Haaren am ganzen Körper, angezogen vom Tode

der Menschen, ihnen als riesenhaftes Zerrbild

gleichend.

Im Lauf der kommenden Jahrhunderte haben die

Menschen einen anderen Glauben angenommen.

Dort gibt es nur Platz für einen einzigen Gott, seitdem

hat niemand mehr meiner als Gott der Hölle

gedacht und ich wurde zum Tod in Persen. Der hl.

Remigius von Reims hat nach mir einen Versammlungsort

für böse Geister benannt.

Im Lauf dieser Zeiten hat sich mein Ruf immer

weiter nach Norden hin verbreitet. So erblickte ich

einst das große Gebirge zum erstenmal und habe

mich dorthin begeben und wieder ein neues Volk

kennengelernt. Menschen, die vom Norden her

kamen und wild und grausam waren, aber auch

unbeirrt ihren Weg weitergingen. Es ist ein Volk,

das nicht in den grpßen Städten seinen Ursprung

genommen hat, sondern ein Volk der Bauern, Jäger

und wenn es sein sollte ein Volk der Krieger. Bei

ihnen wurde ich zum Wald- und Berggeist, zum

Troll und zum helfenden Hauskobold, den man

aber trotz Gutmütigkeit niemals verärgern durfte.

Ich hauste bei ihren Höfen in Schränken unter dem

Dach zum Stall oder in Höhlen, bei ihren Verrätern

aber hauste ich in tiefen Tälern. Sie durften mich

nicht oft zu Gesicht bekommen, aber ich war angezogen

von tugenhaften und sittsamen Menschen,

die dieses stolze, aber einfache Volk oft hervorbrachte.

Später wurden die Priester des Glaubens an den

einen Gott immer mächtiger und die Menschen

mußten den Glauben an mich fast ganz aufgeben.

Heutzutage erinnern sich meiner nur noch die ältesten

in den Völkern des Südens und des Nordens

der großen Berge. Im edlen Volk der alten Zimbern

südlich der Berge, die aber von den Menschen des

Nordens abstammen, habe ich fast wie vor 2000

Jahren immer noch den alten Namen. Dort bin ich

noch der „Orko“, ein wilder Dämon und Herr der

Hölle, der wie bei den Nachkommen der alten Menschen

der Gebirge in Tälern haust und nicht wie bei

den Menschen des Nordens in Löchern oder Höhlen.

Bei ihnen im Norden kennen mich nur noch

sehr wenige alte Großmütter und Ammen. Aber sie

sagen ihren Kindern noch heute: „Wenn du nicht

beim Gebetläuten daheim bist, dann kimmt „da

Louggä und packt di!“


literaturpreis


literatur


literatur


literatur

wortschatz

aus den deutschen sprachinseln

in italien

Eine Buchbesprechung von Dr. Remigius Geiser in Zimbrisch

mit deutscher Übersetzung von Luis Thomas Prader

De bosùntarn gaprèchtar leebent

nòch :-)

Hèmmest d „Òonighe Vüüronghe dar Alten Taützen

Bosùntarn Gaprèchtar me Bèlloschlante“ hat

gamàchet drukhan an schööz boart-puch, snappanten

drin alle de zbölf taützen bosùntarn gaprèchtar

af-an nòrt me Bèlloschlante, zoa-az-bar mögan-se

galàicharan abe alle mettanàndar. Dar titel ist „Il

tesoro linguistico delle isole germaniche in Italia“,

un dez bill mòonan „Dar schatz dar bosùntarn taützen

zunghen me Bèlloschlante“.

Raichez Bèlloschlant!

Biivel-dar zunghen!

Biivel-dar boart!

De boart un de boart-galéghe dar Siban Komàüne

saint khènt gaschriibet von drai èertighen khsellen

dar ögnarn: Bèrto Patùtz, Hannes Vischofar und

Enghele Frigo Majar. Diise drai puuben prèchtent

zimbrisch garècht und viil hüppesch, badar is-ta

òan dinghale, ba macha-mich lachan: Von diisen

zbölf bosùntarn gaprèchtarn, de zimbrische zunga

dar Siban Komàüne is d òonighe zo haban sèlbort

an alta schraibonghe darsàinsen seedar 500 jaarn

ammìndor. D andarn zimbrischen gaprèchtar habant-ar

nèt, und asò haüte pa taaghe nützant-sa

d alte schraibonghe dar Siban Komàüne, bail de

siban-komàünar habent gajùkhet dehiin d iar alte

schrift, nützanten de lèppischen sibilànten vomme

guuten Bèrten Martalar un de b dar slòttarn

von Tobàlle. Vor esèmpien im-me platte 158/159

lèsa-bar „visch“ von lusèrnarn und von ljètzanarn

und von allen in andarn bosùntarn gaprèchtarn,

bail de siban-komàünar ghèbant-üz „biss“, eeban-az

de Siban Komàüne òch na dar iarn alten

gabròche habent hörtan gaschriibet „visch“ - bittana

èboscha bèlt!

Auzonthiin von dèmme, pin ich allar gafròant seganten

alle diise zunghen nòch lèntikh un nòch

ganützet von ünzarn braavaten pèrgarn, ba steent

resche und haltent heerte nòch hèmmest - sallo

vüar asò !

Remìjo Geiser

Die Sprachinseln leben noch :-)

Nun hat das „Einheitskomitee der historischen

deutschen Sprachinseln in Italien“ ein schönes

Wörterbuch herausgegeben, das alle zwölf deutschen

Sprachinseln Nord-Italiens beinhaltet und

diese miteinander vergleicht. Der Titel lautet „Il

tesoro linguistico delle isole germaniche in Italia“

und bedeutet „Wortschatz aus den deutschen

Sprachinseln in Italien.“

Reiches Italien!

Wie viele Sprachen!

Wie viele Wörter!

Die Wörter und die Sätze der Sieben Gemeinden

sind von drei unserer kompetenten Freunde zusammengestellt

worden: von Umberto Patuzzi,


literatur

Il tesoro linguistico delle

isole germaniche in Italia

Wortschatz aus den

deutschen Sprachinseln in Italien

von Gianni Vescovi und Angelo Frigo Majar.

Diese drei Männer sprechen das Zimbrische sehr

gut und flüssig, aber da ist eine Sache, die mich lachen

macht: Von diesen zwölf Sprachinseln ist das

Zimbrische der Sieben Gemeinden die einzige welche

selber eine eigene alte Schreibweise seit mindestens

500 Jahren kennt. Die anderen zimbrischen

Sprachen haben das nicht und so nützen sie heute

die alte Schreibweise der Sieben Gemeinden, während

die Sieben Gemeinden ihre alte Schreibweise

aufgegeben haben und die sonderbaren Zischlaute

des guten Umberto Martello benutzen und die

b der letzten Züge von Mezzaselva. Zum Beispiel

lesen wir auf Seite 158/159 „visch“ bei Lusern und

den 13 Gemeinden und auch bei den anderen

Sprachinseln, während bei den Sieben Gemeinden

„biss“ steht, obwohl auch die Sieben Gemeinden

in ihrer alten Tradition immer „visch“ geschrieben

haben – was für eine verkehrte Welt!

von unseren guten Leuten in den Bergen gebraucht

werden, die gesund leben und immer noch ausharren

- weiter so!

Remigius Geiser

„Wortschatz aus den deutschen Sprachinseln

in Italien“ ist 2015 erschienen. Sie finden es in

einer zweisprachigen Online-Version auf der

Homepage des Einheitskomitees

historischer deutscher Sprachinseln in Italien.

Der QR-Code bringt Sie direkt an Ort und Stelle!

Davon abgesehen bin ich sehr erfreut zu sehen,

wie alle diese Sprachen noch lebendig sind und


literatur

München -

vergan-

genheits-

bewusst

und modern

von Dr. Reinhard Bauer und

Anke Wellner

Die Geschichte von München prägt dessen

Erscheinungsbild und Lebensart bis heute.

Die Stadt „bei den Mönchen“ an der Isar entstand

durch Handel und wurde zur Hauptstadt

des Herzogtums, Kurfürstentums und

Königreichs - schließlich des Freistaates

Bayern. Seit Jahrhunderten wird sie für ihre

Bauten bewundert und zieht viele Menschen

an. Für ihre Kultur und ihr Bier war und ist sie

berühmt. Als „Hauptstadt der Bewegung“

war sie aber auch Ursprungsort für Unheil

in der Welt. München wurde durch Bomben

zerstört und wieder aufgebaut. Die „heiteren

Spiele“ der Sommer-Olympiade 1972 mit ihren

tragischen Ereignissen rückten das „Millionendorf“

wieder in den Blickpunkt der

Weltöffentlichkeit. In den letzten Jahrzehnten

wurde die „Weltstadt mit Herz“ auch

eine Metropole der Wirtschaft mit Weltunternehmen.

Sie steht auch für Weltoffenheit

und Toleranz. Heute ist München mit seinen

Markenzeichen Oktoberfest und FC Bayern

für die meisten Deutschen und Touristen

aus aller Welt Sinnbild für Erfolg, Kultur, Genuss

und Lebensfreude. In der vorliegenden

lebendigen Chronik wird die ganze Spannbreite

des städtischen Lebens mit Wirtschaft

und Kultur in seiner Entwicklung mit vielen

Beiträgen vor Augen geführt. Hier wird auch

deutlich, warum die Lebensqualität und Wirtschaftskraft

der Landeshauptstadt München

Menschen anzieht und sie weiter wachsen

lässt.

Produktinformation

Gebundene Ausgabe: 308 Seiten

Verlag: mediaprint infoverlag gmbh; Auflage: 1. (10. Dezember 2014)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3981603672

ISBN-13: 978-3981603675

Größe und/oder Gewicht: 30,2 x 21,6 x 2,4 cm


literatur

Der Bildband ist zum Preis von EUR 12,96 u. a.

erhältlich bei AMAZON

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um


KURATORIUM

Ehrenmitgliedschaft des Cimbern-Kuratoriums

für emeritierten Papst

Benedikt XVI.

Ur, entur, cusanditatem inum

sum iliatin pariatur a ipsandam

et volestiandis ex elent

quibus, soloriam eos minctiatio

volest mos aut hiligendit

voluptus, omnim acero dolorro

od molenet untum aut voluptatibus

re, il mint hiligendic to

mintiam, quae nus dicia sinveli

gnihicimet quatem ipient.

Udae vernam is dis il in nossus

„Es ist für mich eine Ehre

beim Bayerischen Cimbernkuratorium

Ehrenmitglied sein zu dürfen“

- diese Worte des emeritierten Papstes Benedikt XVI.

am Ende der gut halbstündigen Privataudienz im Monastero

„Mater Ecclesiae“ im Vatikan waren für die

Delegation des Bayerischen Cimbernkuratoriums um

Vorsitzenden Jakob Oßner Höhepunkt bei der Überreichung

der in cimbrischer Sprache verfassten Ehrenurkunde.

Jakob Oßner dankte seinerseits dem Heiligen Vater

für den außerordentlich liebenswürdigen Empfang in

seinen Privaträumen des Klosters „Mutter der Kirche“

und für die Annahme der Ehrenmitgliedschaft. Das Bayerische

Cimbernkuratorium hat mit Ihnen ein ganz besonderes

Ehrenmitglied und fühlt sich dadurch zutiefst

geehrt, so Oßner. Die Würdigung zur Verleihung der Ehrenmitgliedschaft

erfolgte danach durch den Cimbernforscher

und Vorstandsmitglied Dr. Remigius Geiser

aus Salzburg in cimbrischer Sprache (hier in Deutsch):“

Wir Mitglieder des bayrischen Cimbern-Kuratoriums

erinnern uns immer noch gerne an die Zeit, als Ihr mit

uns oben in der Hochebene der Sieben Gemeinden weilet,

zusammen mit unserem verstorbenen Vorsitzenden

Hugo Resch und mit Herrn Prof. Sergio Bonato Khuntz,

der heute mit uns hierher gekommen ist. Mit großer

Freude haben wir sodann Eure Wahl zum Papst verfolgt

und nun haben wir beschlossen, Euch zum Ehrenmitglied

unseres Kuratoriums zu machen und deswegen

bitten wir Euch, diese Ehrenurkunde entgegenzunehmen“

, sagte Remigius Geiser.

In den Jahren 1975 und 1976 weilte der damalige Regensburger

Theologieprofessor Dr. Josef Ratzinger

mehrtägig bei einem Theologenkongress in Asiago

und Roana, das vom damaligen Cimbernforscher Hugo

Resch organisiert wurde. Zu dieser Zeit am 12. September

1976 wurde auch die Urkunde zur Gemeindepartnerschaft

von den damaligen Bürgermeistern Prof.

Sergio Bonato von Roana und Josef Kerscher vom Markt

Velden unterzeichnet.


KURATORIUM

Den sprachkundigen Theologieprofessor Dr. Josef

Ratzinger interessierte dann auch noch später

als Kardinal und Papst die Entwicklung und

wissenschaftliche Tätigkeit des Bayerischen Cimbern-Kuratoriums

in Bezug auf die cimbrische

Sprachforschung. Der heutige Ehrenvorsitzende

des Cimbern-Kuratoriums Josef Seidl gratulierte

deshalb auch in dessen Namen Kardinal Ratzinger

bei seiner Wahl zum Papst an Ostern 2005. Papst

Benedikt XVI. zeigte sich erfreut und erwiderte damals

das stilvolle Glückwunschschreiben.

Jakob Oßner und Prof. Sergio Bonato überbrachten

auch die Grüße ihrer jeweiligen Heimatgemeinden

Markt Velden und Roana. Sehr gut erinnerte sich

der Heilige Vater an Velden an der Vils. Obwohl

der damalige Kardinal von München und Freising

Josef Ratzinger nur einmal nämlich im Jahre 1980

die Firmung in Velden spendete, gab es bereits

frühere Besuche, da seine Tante Oberin Schwester

Theogona Ratzinger jahrzehntelang die Mädchenschule

in Velden leitete. Aber vor allem erinnerte

sich der emeritierte Papst noch sehr gut an seinen

im Jahre 2013 verstorbenen Veldener Kameraden

Wilfrid Stock und bedauerte sehr dass er ihn nicht

mehr während seines Pontifikats besuchen konnte.

Die Ehrenurkunde für den emer. Papst

Benedikt XVI. in zimbrischer Sprache

Gestaltung: Heike Arnold

Jakob Oßner, Remigius Geiser und Sergio Bonato

waren sich nach dem Besuch im Vatikan bei Benedikt

XVI., Papa emeritus, einig einen unvergesslichen

und ganz besonderen Moment in ihrem Leben

erfahren zu haben.


KURATORIUM

Venerabilis Pater Benedicte,

si mihi permittitis, nunc aliquot verba in lingua

cimbrica ad Vos proferam:

Hòogar Hèere !

Bar-andare khselle vom-me Curatorium Cimbricum

Bavarense gadénkhan nòch hörtan de zait, ba Iart

sait gabeest met üz-andarn au in de Hòoghe Ebane

dar Siban Komàüne, met-anàndar met-teme ünzarn

èrmen vüürare Hugo Resch und met-teme Hèeren

Prof. Sergio Bonato Khuntz, ba is khènt hia met üz

haüte. Un denne sai-bar gabeest alla gafròant segantan-ach

gaschùrret vor Baabost, und hèmmest

bar haban intslòzzet zo machan-ach an gaheerten

khsell vomm ünzarn Curatorium, und von diisame

beeghen pitta-bar-ach zo lèmman diisen hear-briif

!

Bonato Khuntz, der heute mit uns hierher gekommen

ist. Mit großer Freude haben wir sodann Eure

Wahl zum Papst verfolgt, und nun haben wir beschlossen,

Euch zu einem Ehrenmitglied unseres

Kuratoriums zu machen, und deswegen bitten wir

Euch, diese Ehrenurkunde entgegenzunehmen ! )

Remigius Geiser

( Übersetzung ins Schriftdeutsche:

Ehrwürdiger Vater Benedikt,

mit Eurer Erlaubnis werde ich nun einige Worte in

zimbrischer Sprache an Euch richten:

Hoher Herr !

Wir Mitglieder des Bayrischen Zimbern-Kuratoriums

erinnern uns immer noch an die Zeit, als Ihr mit

uns oben in der Hochebene der Sieben Gemeinden

weiltet, zusammen mit unserem verstorbenen Vorsitzenden

Hugo Resch und mit Herrn Prof. Sergio

Fotos: privat

Benedikt XVI. im Gespräch mit Dr. Remigius Geiser und Jakob

Oßner (oben links)

Überreichung der Ehrenurkunde (oben rechts)

Jakob Oßner und Dr. Remigius Geiser vor dem Petersdom in

Rom (unten)


KURATORIUM

danksagungen

Wir danken allen, die das bayerische Cimbern-Kuratorium durch aktive Mitarbeit, Spenden

und Sponsoring unterstützen. Besonders erwähnen wollen wir im Jahr 2015 das

Engagement von Frau Ruth Rosner aus München, die uns mit einer großzügigen Spende

in Höhe von 10.000 Euro die Realisierung des Projektes „digitales Online-Wörterbuch“

ermöglicht hat.

Unser Dank gilt auch unseren Partnerorganisationen in Italien und Deutschland für die

Unterstützung bei der Vorbereitung und Gestaltung unserer Reisen zu den Sprachinseln.

Ein besonderer Dank gilt hier unserer lieben Nina Geiselbrechtinger, die uns auch heuer

wieder mehrmals als Übersetzerin zur Seite gestanden ist.

Ein herzliches Vegelt‘s Gott richten wir an die Redaktionen der Zeitschriften „aviso“ und

„Südtirol“, mit deren Einverständnis wir die Beiträge von Luis Thomas Prader und Prof.

Anthony Rowley im Cimbernland abdrucken dürfen.


BEITRITTSERKLÄRUNG

Name/Organisation: __________________________________________________________________

Vorname: ________________________________ geboren am: ________________________

Strasse/Nr.: __________________________________________

PLZ/Ort: _____________________________________________ Land: _________________________

Telefon: _______________________ E-Mail: ______________________________________________

erklärt den Eintritt zum Cimbern Kuratorium e. V. Die gültige Satzung wird anerkannt.

Der Jahresbeitrag beträgt 25 Euro.

Cimbern Kuratorium e. V.

c/o Jakob Oßner (Vorstandsvorsitzender)

Putzenberg 1

84149 Velden

Gläubiger-Identifikationsnummer: DE89 ZZZ00000068304

Mandatsreferenz: ----

SEPA-LASTSCHRIFTMANDAT

Ich ermächtige Cimbern Kuratorium e. V., den Jahresbeitrag von 25 Euro von meinem Konto mittels

Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die von Cimbern Kuratorium e. V.

auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen.

Hinweis: Ich kann innerhalb von 8 Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten

Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen.

____________________________________________________

Vorname, Name (Kontoinhaber)

____________________________________________________

Strasse/Nr.

____________________________________________________

PLZ/Ort

___________________________________________________ _______________________________

Kreditinstitut Name

BIC/BLZ

DE__ ____ ____ ____ ____ __

IBAN (22 Stellen)

________________________________

alternativ: Kontonummer

_________________________________________

Ort, Datum, Unterschrift


KURATORIUM

Luptatate conse prem inulpar cipicae. Initatias adi utecae

volorep ernam, optas re providiciis nos aditatur mil ium

eat.

Harchil ma pa est, officatur sae enihillor si unt, consequas

re cumquaspe debis et volorest, same aut laut enis nonsedi

conem etur saectestium, quos essitas dit quis et peditist

voluptatis earumqu iatasitem quunt, aut aborro ex et

debist, sit autent ius eum et venimol eseque quas incto

consequ oditio tempost emquia volupta conse num aute

sequibus etus nessundio. Ut quis unt, odis vel et, aute

arum eture volorectus simpe sitiasp eratiae eatur rehenim

aiostiisto cus, comnimus acea idero quam id


ADRESSEN & LINKS

KURATORIUM


impressum

IMPRESSUM

Herausgeber:

Cimbern Kuratorium Bayern e. V.

vertreten durch Jakob Oßner, 1. Vorsitzender

Putzenberg 1

84149 Velden/Vils

Beiträge / Autoren:

Prof. Dr. Anthony Rowley

Dr. Remigius Geiser

Dr. Jörg Ruthrof

Heike Arnold

Luis Thomas Prader

Prof. Dr. Jakob Ossner

Chefredaktion, Layout/Satz:

Heike Arnold

Druck / Produktion:

Druckerei Lanzinger

Titelbild:

Severin J. F. Berger

Fotos :

Archiv Cimbern Kuratorium Bayern e. V.

Heike Arnold, Jörg Ruthrof

Abbildungen:

Lusern-Broschüre 2015

Dokumentationszentrum Lusérn

Luigi Nicolussi-Castellan

Schutzgebühr: 5,80 EUR

Mitglieder erhalten das Vereinsmagazin

Cimbernland“ kostenlos

ISBN:


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LUSERNA/LUSÉRN

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