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Der Neue Extraktivismus

deutlich, dass ohne eine radikale Senkung des weltweiten Rohstoffk onsums

jegliche Versuche, zu einem post-extraktivistischen Modell überzugehen, beschränkt

sind. Im abschließenden Beitrag widmet sich Eduardo Gudynas der

Frage, wie Übergänge zu einem Post-Extraktivismus unter den gegebenen

Bedingungen aussehen könnten. Eine Erhöhung der staatlichen und sozialen

Kontrolle über die extraktiven Industrien ist dafür laut Gudynas unabdingbar.

Es gehe aber nicht darum, künft ig sämtliche Rohstoff förderung zu unterbinden,

diese jedoch deutlich einzuschränken.

Gudynas‘ Überlegungen geben den Anstoß für viel weiter gehende Debatten.

In diesem Sinne hat das Auslandsbüro für die Andenregion der RLS mit

Sitz in Quito Anfang 2010 die regionale Arbeitsgruppe „Alternativen zur Entwicklung“

ins Leben gerufen. Zahlreiche AutorInnen aus diesem Band, aber

auch Politiker_innen aus den progressiven Regierungen und Vertreter_innen

sozialer Organisationen, die teilweise auf lokaler Ebene bereits Alternativen

implementieren, analysieren dort nicht nur die real existierenden Politiken

von Bolivien, Ecuador und Venezuela, sondern arbeiten darüber hinaus an

Vorschlägen, die einen Weg aus der Rohstoff -Falle aufweisen können. Der diskursive

Horizont der Gruppe ist dabei die Erreichung eines erfüllten Lebens

(buen vivir / vivir bien). Sie setzt dabei nicht einfach nachhaltige Entwicklung

an die Stelle von herkömmlicher Entwicklung, sondern verwirft , wie der Name

„Alternativen zur Entwicklung“ schon andeutet, das Entwicklungskonzept an

sich, als historischen Ausdruck einer diskursiven Neuordnung der Welt in „entwickelt“

und „unterentwickelt“, die nach dem 2. Weltkrieg ihren Anfang nahm.

Ökonomische Diskurse, neugeschaff ene Disziplinen in Forschung und Lehre,

entwicklungspolitische Institutionen und ihre Planungslogiken, Vorstellungen

über industrielle Landwirtschaft aber auch darüber, was ein gelungenes Leben

ist, verdichteten sich zu einem mächtigen Dispositiv, das letztlich bis heute das

Gefälle zwischen ehemaligen Kolonien und Metropolen zementiert und den

zerstörerischen Weg des globalen Nordens als Königsweg propagiert. Andere,

autochthone Lebensweisen wurden hingegen systematisch als „rückschritt -

lich“ disqualifi ziert und von den entsprechenden Politiken marginalisiert.

Insofern arbeitet die Gruppe auch an der Entkolonisierung von populären

Vorstellungen über ein gelungenes Leben, indem sie beispielsweise die Stadt

als alleinigen Ort des sozialen Erfolgs entmythifi ziert und in der Region noch

bestehende Kontinuitäten zwischen ländlichen und urbanen Lebensweisen zu

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