download des Buches als PDF (2,5 MB - FDCL

fdcl.berlin.de

download des Buches als PDF (2,5 MB - FDCL

100

Der Neue Extraktivismus

ben; im Jahr 2000 wurde sie in dem von mehreren Autoren verfassten Buch

El Ecuador post-petrolero (Ecuador nach dem Erdöl) aufgegriff en. Drei Jahre

später wurde die Idee von verschiedenen Umweltstift ungen offi ziell an das

Umweltministerium herangetragen. Kurz zuvor, im Jahr 2001, hatt en mit den

Auslandsschulden befasste Gruppen ein historisches Abkommen mit den internationalen

Gläubigern vorgeschlagen, mit dem die Schulden erlassen und

im Gegenzug der Schutz des Amazonasgebiets festgelegt werden sollte. Der

Vorschlag basiert auf dem Konzept der ökologischen Schulden, bei dem die

reichen Länder die Schuldner sind.

In einem anderen Teil des Amazonasgebiets, in der Provinz Pastaza, gelang

es durch den Widerstand der Kichwa-Gemeinde Sarayaku Aktivitäten des argentinischen

Erdölkonzerns Compañía General de Combustibles (CGC) im

Block 23 des Erdölkatasters zu verhindern. Das stellte einen großen Erfolg für

die kleine organisierte Gemeinschaft dar, vor allem wenn man bedenkt, dass

das Unternehmen bewaff nete Unterstützung durch den Staat erhielt. Die Gemeinde,

die durch internationale Solidaritätsaktionen unterstützt wurde, erreichte

im Juli 2004 eine historische Entscheidung der Interamerikanischen

Menschenrechtskommission, als diese eine Reihe vorübergehender Maßnahmen

für die indigene Gruppe der Sarayaku forderte. Der Beschluss wurde

in der ersten Jahreshälft e 2007 schließlich von der ecuadorianischen Regierung

akzeptiert.

Wenig später gerieten die Sarayaku jedoch wieder in Gefahr. Bei der Neuverhandlung

des Vertrags über Block 10 des Erdölkatasters, zwischen der Regierung

von Präsident Correa und dem Ölkonzern AGIP im November 2010, übertrugen

die Behörden dem Unternehmen einen Teil von Block 23, in dem Gebiete

mehrerer indigener Gruppen der Amazonasregion liegen. Auch das Gebiet von

Sarayaku befi ndet sich in diesem erweiterten Block 10. Diese Umstrukturierung

des Blocks wurde erneut hinter dem Rücken der betroff enen indigenen Ethnien

und Gemeinden vorgenommen, ohne sie vorher zu konsultieren oder um Erlaubnis

zu fragen – trotz der zu erwartenden Auswirkungen der Entscheidung

auf ihr Leben und ihre Territorien. Gleichermaßen besorgniserregend war das

Ausschreibungsverfahren vom Juni 2011 um den „Armadillo-Block“, in dem

nachweislich nicht kontaktierte Gruppen leben – laut Verfassung von 2008 ein

Grund, jede Form extraktivistischer Tätigkeiten zu verbieten.

All diese Vorschläge und Auseinandersetzungen bereiteten den Boden

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine