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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

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dafür, dass die Idee eines Erdöl-Moratoriums mit Nachdruck auf der politischen

Bühne des Landes eingebracht werden konnte. In einem historischen

Moment, als sich die langen und schwierigen Kämpfe verschiedener Bereiche

der Gesellschaft festigten, wurde sie Teil des Wahlbündnisses Movimiento

País (heute Alianza País) für den Zeitraum 2007 bis 2011, das 2006 erarbeitet

worden war. Inzwischen jedoch verliert die Idee wieder schnell an Schlagkraft ,

plant die Regierung doch, die Erdölförderung auf das südliche Zentrum des

Amazonasgebiets auszudehnen.

Der damalige Vorschlag beinhaltete nicht nur, die territoriale Ausdehnung

der Erdölförderung zu stoppen. Es ging auch um die Optimierung bereits bestehender

Projekte, ohne dabei weitere ökologische und soziale Schäden zu

verursachen. Es sollte der größtmögliche Vorteil für das Land aus jedem einzelnen

Barrel Öl gezogen werden, das gefördert, raffi niert, transportiert und

verkauft wurde, anstatt das Fördervolumen zu maximieren.

Vom Erdöl-Moratorium zu einem neuen Lebensstil

Aufgrund all der erwähnten Forderungen wurde im Juni 2005 vorgeschlagen,

das Erdöl im Nationalpark Yasuní nicht zu fördern. Der Vorschlag war Bestandteil

des Plädoyers für ein umfassendes Erdöl-Moratorium in dem Positionspapier

von Oilwatch Un llamado ecológico para la conservación, el clima y

los derechos („Ein ökologischer Aufr uf für den Schutz, das Klima und die Rechte“),

das bei dem ersten Treff en der Expertengruppe zu Schutzgebieten im italienischen

Montecatini formuliert wurde. Danach fand er auch Eingang in das von

Oilwatch 2006 herausgegebene Buch Asalto al paraíso: empresas petroleras en

áreas protegidas ( „Angriff auf das Paradies: Erdölkonzerne in Schutzgebieten“).

Die wichtigsten Punkte der Initiative für die Nicht-Förderung des Öls waren

also schon lange vor dem Amtsantritt von Rafael Correa formuliert worden.

Die Yasuní-ITT -Initiative stützt sich auf vier Grundpfeiler: 1) Schutz einer

weltweit unvergleichlichen biologischen Vielfalt – der bislang größten durch

Wissenschaft ler_innen nachgewiesenen, 2) Schutz des Territoriums und somit

des Fortbestands indigener Gruppen in freiwilliger Isolation, 3) weltweiter

Klimaschutz durch Nicht-Förderung einer großen Menge von Erdöl, wodurch

eine Emission von 410 Millionen Tonnen CO 2 verhindert wird, 4) ein erster

Schritt in Richtung einer Post-Erdöl-Transition in Ecuador als Vorbild für anderen

Regionen. Als fünft er Pfeiler ließe sich noch die Möglichkeit hinzufügen,

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