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Der Neue Extraktivismus

men würde, der bei der Ausbeutung der Vorkommen erzielt werden würde.

Für den Fall, dass die Initiative nicht erfolgreich sein würde, wurde als zweite

Möglichkeit die Förderung des Erdöls vorgesehen. Seitdem besteht der Streit

zwischen diesen zwei Optionen in wechselnder Intensität latent fort. Es geht

dabei um zwei unterschiedliche Standpunkte zur Erdölförderung und zur Entwicklung

überhaupt.

Am 18. April 2007 verkündete die ecuadorianische Regierung durch ihren

Präsidenten und auf Initiative des Ministers für Energie und Bergbau die

„Politik zum Schutz der Völker in freiwilliger Isolation“. Am 5. Juni wurde die

ITT -Initiative offi ziell im Präsidentenpalast vorgestellt und am 14. Juni umriss

der Minister für Energie und Bergbau die Strategie für den Energiesektor im

Energieplan 2007-2011. Dort wurden die beiden Optionen in Bezug auf ITT

dargestellt. In dem Plan wurden der Inhalt und die Tragweite der Initiative zur

Belassung des Erdöls im Boden genau erklärt.

Es folgte eine Etappe des Tauziehens, die Initiative erlebte Sternstunden und

Momente wachsender Skepsis. Präsident Correa erntete bei der Vorstellung

der Idee, das Amazonasgebiet zu schützen, um größere globale Auswirkungen

für die Umwelt zu verhindern, Applaus von der UNO, der OPEC, dem Weltsozialforum

und auf vielen anderen internationalen Gipfeln.

Besonders hinzuweisen ist auch auf die frühe Unterstützung der Initiative

durch Deutschland. Im Juni 2008 sprachen sich Vertreter_innen aller Fraktionen

des deutschen Bundestags öff entlich für die ITT -Initiative aus und forderten

die Bundesregierung zu entschiedener Unterstützung auf. Diese Positionierung

öff nete viele Türen. Um so mehr erstaunte die Entscheidung des Ministers für

wirtschaft liche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, vom September

2010, die einen Tiefschlag für die Initiative bedeutete. Niebels Entscheidung,

die Initiative nicht zu unterstützen, verringerte weltweit die Möglichkeit

wirksam um Unterstützung zu werben und Förderzusagen zu bekommen, da

viele potenzielle Geber_innen das deutsche Engagement für unumstößlich gehalten

hatt en. Diese Entscheidung schien, zumindest zeitweise, dem Geiz eines

Krämers zu entsprechen und nicht der Größe eines Staatsmannes.

Gleichzeitig wurde jedoch parallel weiterhin die Möglichkeit verfolgt, zumindest

einen Teil des im ITT -Gebiet gelagerten Erdöls zu fördern. Diese

Möglichkeit, die Vorkommen von Tiputini und sogar von Tambococha auszubeuten,

ist auf höherer Regierungsebene bis heute präsent.

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