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Der Neue Extraktivismus

Vorschlags schien in greifb are Nähe gerückt zu sein. Und die internationalen

Reaktionen ließen nicht auf sich warten. Mehrere Länder begannen ernsthaftes

Interesse zu signalisieren.

Auch in der Zivilgesellschaft entwickelte sich eine interessante Debatt e, die

immer mehr an Intensität und Tiefe gewann. Es wurden diverse Dokumente

und Beiträge aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft eingebracht, sowohl

in Ecuador als auch im Ausland. Dank dieser Debatt e gelang es, über den

ursprünglichen Vorschlag von Entschädigungen oder internationalen Spenden

noch hinauszugehen und statt dessen die Idee internationaler Beiträge zu entwerfen,

die auf der gemeinsamen, aber diff erenzierten Verantwortlichkeit als

Grundprinzip globaler Umweltgerechtigkeit basiert. Die Diskussion brachte

auch zu Tage, dass es viele verschiedene Finanzierungsoptionen gab.

Eine im eigenen Erfolg gefangene Initiative

Als das Projekt deutliche Anzeichen für einen Erfolg zeigte, versetzte ihm ausgerechnet

Präsident Correa einen schweren Schlag. Obwohl er als einziger Regierungschef

der Welt über einen konkreten bahnbrechenden Vorschlag zur

Bekämpfung der Klimaerwärmung verfügte, blieb er ohne nachvollziehbaren

Grund der im Dezember 2009 in Kopenhagen abgehaltenen UN-Klimakonferenz

COP-15 fern. Zudem änderte er, nachdem er seine Vollmacht für eine

Unterschrift unter den internationalen Treuhandfonds-Vertrag auf dem Gipfel

bereits gegeben hatt e, im letzten Moment seine Meinung. Tage später, Anfang

Januar 2010, gab er eine verfehlte Erklärung ab, mit der er selbst die möglichen

Geber_innen des Yasuní-ITT -Fonds angriff sowie die Aufl ösung der Verhandlungskommission

und sogar den Rücktritt seines Außenministers auslöste.

In der Folge starteten die vermeintlich ruhigen Repräsentant_innen und

Winkeladvokat_innen der Ölkonzerne eine groß angelegte Desinformations-

und Verleumdungskampagne gegen die Initiative. Die Entgleisung von

Präsident Correa hatt e internationale Wirkung. Er hatt e – bewusst oder unbewusst

– die Glaubwürdigkeit der Initiative beschädigt und ihren Fortgang

ausgebremst, was negativ auf die revolutionäre Idee zurückfi el.

Paradoxerweise führten die Äußerungen des Präsidenten und die dadurch

ausgelösten Reaktionen dazu, dass in Ecuador viele Menschen erstmals von

der Initiative erfuhren. Die unterstützende Haltung der Bevölkerung stellte

einen Warnruf dar.

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