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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

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Die neue Verhandlungskommission war nicht mehr so gewichtig und profi -

liert wie die vorherige. Die mit der Leitung der internationalen Verhandlungen

betraute Person, Ivonne Baki, verfügt über keinerlei Erfahrungen im Umweltbereich

und hat zudem eine umstritt ene politische Vergangenheit. Sie soll die

Interessen von Texaco verteidigt haben und war eine große Fürsprecherin des

Freihandelsvertrags mit den USA, der aufgrund der starken Proteste der Bevölkerung

nicht zustande kam. Ende 2011 präsentierte Baki eine Liste möglicher

Geldgeber_innen, die für eine Summe von 116 Millionen US-Dollar

aufk ommen würden, von denen jedoch weniger als 2,5 Prozent in eff ektiven

Zahlungen bestanden. Die Liste enthält sogar einen Beitrag der deutschen

Bundesregierung in Höhe von knapp 47 Millionen US-Dollar, der ausdrücklich

nicht für den Yasuní-ITT -Fonds, sondern für andere Projekte im Amazonasgebiet

vorgesehen ist. Ein weiterer Betrag von 50 Millionen US-Dollar

besteht in einer Umschuldung der italienischen Regierung und beinhaltet eine

als illegitim angesehene Schuld.

Der Verdacht wurde laut, dass die Erdölindustrie eine herrschende Position

zurückerobert hatt e. Gewiss ist, dass der Erfolg der Yasuní-ITT -Initiative,

der bei ihrer offi ziellen Präsentation 2007 nicht absehbar gewesen war, mit zunehmender

Konsolidierung massive Gegenreaktionen hervorrief. Man könnte

behaupten, dass der Erfolg der Initiative selbst neue, schwere Gefahren heraufb

eschworen hat. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Initiative weiterhin

durch Correas Zweifel und Unsicherheit sowie den andauernden Druck der

Ölkonzerne bedroht ist. Denn die Initiative übersteigt die Verständnis- und

Handlungsfähigkeit des Präsidenten.

Mehrere Bedrohungen schweben über Yasuní

Es werden also nach wie vor klare Signale an die Politik zur Umsetzung des

Vorschlags erwartet. Es bedarf kohärentem und konsistentem Handeln auf Regierungsebene.

Unabdingbar ist, dass die potenziellen Geber_innen Vertrauen

in den Treuhand-Fonds haben können, ohne dass dabei die Souveränität

Ecuadors angetastet würde. Dieses Gleichgewicht zwischen Vertrauen und

Souveränität, um sicherzustellen, dass die Mitt el gemäß den Plänen der ecuadorianischen

Regierung verwendet werden, ist essenziell.

Doch auch wenn der Treuhand-Fonds wichtig ist, reicht er nicht aus.

Präsident Correa muss die durch ihn selbst verursachten Probleme wieder

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