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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

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Energienutzung defi niert. Aufgrund der (fehlenden) Logik der Kohlenstoff -

märkte konzentrierte sich die Initiative auf das Erdöl. In Anlehnung an die

Klimageschäft e im Rahmen des neoliberalen Emissionsrechtehandels wurde

dafür ein ähnliches Modell ökologischer Schulden vorgeschlagen, bei dem die

Industriestaaten die Schuldner sind.

Eine weitere Bedrohung der Initiative besteht in einem möglichen marktförmigen

Ansatz für ihre Finanzierung. Es ist besorgniserregend, dass einige

Regierungsvertreter_innen in Ecuador, in Übereinstimmung mit internationalen

Befürworter_innen der Merkantilisierung, für eine Finanzierung durch

die Kohlenstoff märkte eintreten. Bei der Finanzierung der Initiative auf REDD

(„Modell zur Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer

Waldnutzung“) als Option für den Markt zu setzen, und nicht auf ITT ,

als Option für das Leben, und damit den Kohlenstoff zyklus in die Diskussion

zu bringen, ist eine bedenkliche öff entliche Positionierung. Der Kohlenstoff

des Erdöls lässt sich nicht mit dem der Wälder vergleichen. Der erste unterliegt

geologischen, der zweite biologischen Zeiträumen. Das marktförmige REDD-

Modell schätzt den pfl anzlichen Kohlenstoff der Wälder im Rahmen eines

Szenarios des An- und Verkaufs von Kohlenstoff speichern, so wie bei dem

Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung im Emissionshandel.

Die Yasuní-ITT -Initiative zielt auf die Vermeidung solcher Emissionen ab

und stellt damit die Logik bisheriger Klimaschutzpolitik in Frage. Wer die

REDD-Projekte befürwortet, weiß nichts über ihre negativen Folgen für indigene

Gemeinschaft en, ihre Territorien, ihre Ökonomien und Kulturen.

Mit der Einführung von REDD wird der Schutz der Wälder in die Sphäre

der Geschäft swelt überführt. Mit REDD erfolgt die Kommerzialisierung und

Privatisierung von Luft , Wäldern, Bäumen und der Erde insgesamt. Die Kolonisierung

durch das Kapital wird so noch weiter ausgedehnt. In gewisser

Weise frisst die Schlange des Kapitalismus damit immer weiter ihren eigenen

Schwanz. Es ist der Beleg dafür, dass der Kapitalismus als Zivilisation der Ungleichheit

von seinem Wesen her plündernd und ausbeuterisch ist; eine Zivilisation,

die „davon lebt, das Leben und die Sphäre des Lebens auszulöschen“

(Echeverría 2010). Die zunehmende Inwertsetzung der Natur ist letztlich ein

Akt der Blindheit gegenüber der Dringlichkeit, den Weg zu einer anderen Zivilisation

einzuschlagen. Und der Handel, wie Rosa Luxemburg richtig verstand,

bleibt eine bedeutende Quelle der Bereicherung und Akkumulation.

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