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Der Neue Extraktivismus

In der Tat dehnen sich die Kohlenstoff märkte, angetrieben von der Gier der

Kapitalakkumulation, immer weiter aus. Diese Märkte dehnen sich zu einer

Blase, ähnlich der Immobilienblase, die zum jüngsten Zusammenbruch der Finanzwelt

mit globalen Folgen führte. Ein zentrales Merkmal dieser neuen Blase

ist, dass auf den Kohlenstoff märkten ein wenig greifb ares Gut gehandelt wird.

Der Kapitalismus kolonisiert das Klima und stellt damit seinen erstaunlichen

und abartigen Erfi ndungsreichtum bei der Suche und dem Finden neuer ausbeutbarer

Sphären unter Beweis. Durch diese extreme neoliberale Übung, der sich

auch die „progressiven“ Regierungen Lateinamerikas nicht entziehen, werden die

Kapazitäten von Mutt er Erde zu einem Geschäft über den Kohlenstoffk reislauf.

Besorgniserregend ist, dass die Atmosphäre immer mehr zu einer neuen Ware gemacht

wird – konzipiert, reguliert und verwaltet von denselben Akteuren, die die

Klimakrise verursacht haben, und nun über ein ausgefeiltes fi nanzwirtschaft liches

und politisches System von den Regierungen Subventionen erhalten. Es sei daran

erinnert, dass dieser Prozess der Klimaprivatisierung in der Zeit des Neoliberalismus

angestoßen wurde, von der Weltbank, der Welthandelsorganisation und

weiteren internationalen Organisationen.

Die Geschichte der Kohlenstoff märkte begann mit dem Cap-and-Trade-

Ansatz, der eine Obergrenze für Emissionen und den Tausch von Emissionsrechten

vorsah. Die vermeintlichen Obergrenzen, die den kontaminierenden

Industrien von den Regierungen auferlegt wurden, entwickelten sich, wie man

gesehen hat, statt zu einem Instrument der Emissionsreduktion vielmehr zu

einem Stimulus für noch mehr Kontamination. Nach nicht unbedeutender

vorheriger Einfl ussnahme verteilen die Regierungen nun Emissionsrechte

praktisch kostenlos und in vielen Fällen mit Obergrenzen, die über den realen

Emissionen liegen, wodurch die großen Umweltverschmutzer_innen noch belohnt

werden, indem sie überschüssige Emissionsrechte verkaufen können.

Gleichzeitig wurde ein komplexes Finanzsystem entwickelt, in dem ein Gegenwert

für CO 2 festgelegt wurde. So entstanden die Kohlenstoff märkte, mit

einer Reihe verfälschter Äquivalenzrelationen zwischen Industrieemissionen

und Aufnahme von Kohlenstoff durch die Ökosysteme.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das System der REDD-Projekte

nicht die auf den Weltmarkt gerichtete massive und plündernde Extraktion von

Rohstoff en verhindert, die nicht nur zu Unterentwicklung, sondern auch zu

der globalen Umweltkrise führt. Im Gegenteil: Diese Umweltmärkte dürft en in

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