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Der Neue Extraktivismus

Bsirske und der ehemaligen Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-

Zeul unterstützt.

Was macht die Yasuní-Initiative in Deutschland politisch so att raktiv? Gegenüber

der Misere der jährlichen Klimaverhandlungen und dem faktischen

Scheitern der Biodiversitätskonvention, des Kyoto-Protokolls und der in Rio

1992 verkündeten Nachhaltigkeitsstrategien, handelt es sich hier um einen

ganz konkreten Vorschlag, einen Schritt in Richtung Klimagerechtigkeit zu

tun. Der globale Norden wird damit einem kleinen Teil seiner historischen

Verantwortung gerecht, seinen Wohlstand auf der einseitigen Ausbeutung von

Ressourcen aus dem Süden aufgebaut und durch seine ungehemmte Industrialisierung

und seinen Wachstum die Klimakrise provoziert zu haben. Die

Yasuní-Initiative steht zudem endlich für eine Logik, die nicht den Profi t, sondern

den Erhalt des Lebens in den Vordergrund stellt – eine Logik, die die

Bedürfnisse künft iger Generationen und die Endlichkeit unseres Planeten

wahrnimmt und in ihrer Bedeutung vor das schnelle Geld stellt, das menschliches

Handeln heutzutage in so erdrückender Weise bestimmt. Revolutionär ist

an dem Vorschlag auch, dass er von einem geopolitisch recht unbedeutenden

Entwicklungsland aus dem Süden wie Ecuador formuliert wurde, das damit in

einer Zeit des allgemeinen Zauderns international eine Vorreiterrolle in konkretem,

praktischem Natur- und Klimaschutz einnahm.

Die schwarz-gelbe Koalition, personifi ziert in Entwicklungsminister Dirk

Niebel (FDP), sollte dieser Aufb ruchstimmung jedoch ein jähes Ende bereiten.

Im September 2010 verkündete der Minister, man werde eine Einzahlung in

den von Ecuador nun eingerichteten Yasuní-Fonds „nicht in Betracht ziehen“. 1

Ohne die politische Tragweite der Initiative auch nur im Ansatz zu erkennen,

argumentierte er rein betriebswirtschaft lich, die ecuadorianische Initiative

weise keine komparativen Vorteile gegenüber anderen Ansätzen auf, wie dem

UN-Waldschutzprogramm REDD („Modell zur Verringerung von Emissionen

aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung“), und könne womöglich

einen Präzedenzfall schaff en. Diese kleingeistige Haltung des Ministers

traf nicht nur auf breites Unverständnis in den Medien und provozierte Protestaktionen.

Selbst bei den Entwicklungspolitiker_innen des Koalitionspartners

CDU-CSU machte sich Niebel mit dieser Haltung keine Freund_innen: So-

1 Brief von Minister Niebel an die Grüne MdB Ute Koczy vom 14.09.2010.

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