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Der Neue Extraktivismus

wie ich nicht einen Fonds als Belohnung dafür einrichte, dass vor Somalia

keine Schiff e mit Lebensmitt eln mehr von Piraten überfallen werden. […]

Wir haben der ecuadorianischen Regierung deshalb vorgeschlagen, den Rahmen

des bestehenden REDD-Engagements in Ecuador auf die Region Yasuní

auszudehnen“(Niebel 2011).

Was hat es jedoch mit dem REDD-Programm auf sich, das Dirk Niebel so

sehr am Herzen liegt? Es basiert auf einem umstritt enen theoretischen Modell,

das die Funktion von Wäldern als Kohlenstoff speicher wirtschaft lich anerkennt

und dem in Wäldern enthaltenen Kohlenstoff einen monetären Wert

zuweist. Damit verbunden ist die Hoff nung, die Entwaldung insbesondere von

Tropenwäldern durch fi nanzielle Anreize zu reduzieren – also wird, genau wie

Dirk Niebel es nach eigenen Worten ablehnt, dafür bezahlt, dass etwas unterlassen

wird.

REDD+ schließt neben der vermiedenen Entwaldung, die in Geld umgerechnet

wird, zudem den aktiven Schutz der Ressource Wald als Kohlenstoff -

speicher durch nachhaltiges Management ein. Die praktische Umsetzung soll

im Kontext der internationalen Klimaverhandlungen auf der Grundlage des

Kyoto-Protokolls statt fi nden. Derzeit erhalten 14 Staaten UN-Mitt el, darunter

auch Ecuador, um unter den von FAO, UNDP und UNEP gesetzen Rahmenbedingungen

nationale Programme zu entwickeln. Allerdings befi nden sie sich

zumeist noch in einer Vorbereitungsphase („Readiness for REDD“), und unterschiedliche

Akteure ringen auf internationaler Ebene noch um verschiedene

Modelle. Hierbei steht unter anderem zur Diskussion, ob REDD die Kompensation

für den Erhalt der Wälder über den Emissionshandel fi nanziert, oder

aber über spezielle internationale oder nationale Fonds. So eindeutig, wie es

bei Dirk Niebel klingt, ist die Sache also in der Praxis noch lange nicht. Und sie

ist in ihren konkreten Auswirkungen extrem umstritt en.

Ohne Zweifel ist REDD einer der derzeit wichtigsten Vorstöße zur Merkantilisierung

der Natur – insofern verfolgt REDD genau die umgekehrte Logik

wie die ecuadorianische Yasuní-Initiative. Nicht Geld und Profi t werden dem

Leben untergeordnet, sondern Wald, also das Leben, wird in die Logik der Finanzmärkte

integriert und zur profi tablen Ware gemacht. Eine Logik, die dem

FDP-Technokraten Niebel, der Entwicklungshilfe ohnehin als Wirtschaft sförderung

und Erweiterung der Märkte für Deutschland versteht, sehr gelegen

kommt.

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