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Der Neue Extraktivismus

womöglich die Umwandlung von Urwäldern in solche doppelt profi tablen

Plantagen sogar befördert (Lohmann 2012).

Ein weiterer schwerwiegender Kritikpunkt bezieht sich auf die Rechte indigener

Gruppen, die das BMZ nach Aussage von Minister Niebel fördern

will. Mehrere indigene Zusammenschlüsse auf nationaler und internationaler

Ebene haben sich nämlich sehr deutlich gegen REDD und REDD+ ausgesprochen.

3 Ihr wichtigstes Argument ist, dass die von der UNO verbrieft en

kollektiven Landrechte der Ureinwohner_innen mit der Unterzeichnung von

REDD-Verträgen verpfändet werden. Teils werden diese Verträge mit Einzelpersonen

abgeschlossen, ohne dass die Gemeindeversammlung darüber befunden

hat. „Die Förderer der REDD-Projekte streifen in den Wäldern umher

und versuchen, die indigenen Völker und lokalen Gemeinden zu überzeugen,

die Abkommen zu akzeptieren. Sie versprechen den Menschen einen Gewinn

von Millionen von Dollar, wenn sie im Gegenzug dazu die Rechte auf ihr Land

und den Kohlenstoff der Wälder durch eine Unterschrift auf Dritt e übertragen“,

heißt es in einem Bericht über die praktische Realität von REDD in Peru. 4 Ein

indigener Anführer aus der Gemeinde Bélgica an der Grenze zu Brasilien prangert

beispielsweise an, dass eine jener privaten Einrichtungen der Gemeinde

„eine treuhänderische Übereignung [vorlegte], bei der die Gemeinde gezwungen

ist, die Verwaltung [des Gemeindegebietes] zu übergeben und die Entscheidungen

der Projektt räger 30 Jahre lang zu befolgen – ohne dass wir uns als

Personen entwickeln, frei über unser Gebiet entscheiden und nicht einmal die

Zukunft unserer Kinder planen dürfen“ (npla 2011). In einem geopolitischen

Kontext, in dem fast alle sozialen Konfl ikte in Lateinamerika sich um die Verfügungsgewalt

über Territorien drehen, in denen sich Rohstoff e jeglicher Art

befi nden, ist das ein schwerwiegendes Argument gegen REDD, da mit den kollektiven

Landrechten die Lebensgrundlage der indigenen Völker verschwindet

3 Siehe beispielsweise: www.forestpeoples.org/sites/fpp/fi les/publication/2011/11/

la-realidad-de-redd-en-peru-entre-el-dicho-y-el-hecho-para-el-sitio-web_0.pdf,

oder den Brief des indigenen Dachverbands CONAIE aus Ecuador an Ban-Ki Moon

unter: www.aininoticias.org/2011/07/%C2%A1no-dejemos-que-la-redd-delmercado-atrape-a-la-madre-naturaleza/

(Zugriff : 01.02.2012).

4 Siehe: www.forestpeoples.org/sites/fpp/fi les/publication/2011/11/la-realidadde-redd-en-peru-entre-el-dicho-y-el-hecho-para-el-sitio-web_0.pdf

(Zugriff :

01.02.2012).

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