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Der Neue Extraktivismus

Ressourcen für Europa

Die Rohstoff strategien der EU und Deutschlands

gehen auf Kosten des globalen Südens

Tobias Lambert

Die rücksichtslose Ausbeutung natürlicher Ressourcen ist für Lateinamerika

nichts Neues. Seit der Eroberung durch Spanien und Portugal dient der Kontinent

als Lieferant von Rohstoff en. Länder wie Bolivien und Venezuela konnten

in den vergangenen Jahren zwar die staatliche Kontrolle über die Rohstoff e

sowie die Einnahmen aus den Erdöl- und Gasexporten deutlich erhöhen und

in Sozialprojekte investieren. Dieser „Neue Extraktivismus” hat jedoch nur

kurzfristige Vorteile. Die Abhängigkeit von den Rohstoff en steigt, deren Ausbeutung

wird durch die gerechtere Verteilung der Gelder wiederum stärker

legitimiert und Kritik daran politisch marginalisiert (Gudynas 2009: 193 ff .;

siehe auch Beiträge von Eduardo Gudynas in diesem Band).

Es sind jedoch nicht nur interne Kräft everhältnisse in den jeweiligen Ländern,

die den Übergange hin zu einem Post-Extraktivismus erschweren.

Nachgefragt werden die Rohstoff e zu einem großem Teil in den Ländern des

globalen Nordens sowie China. Die häufi g verheerende Menschenrechts- und

Umweltbilanz fällt in den Förderländern an, während die sozialen Kosten im

Preis eines Rohstoff es nicht abgebildet werden. Wenngleich rohstoff fördernde

Unternehmen überwiegend aus Ländern wie Kanada, den USA, der Schweiz

oder China stammen, sind die Europäische Union (EU) und Deutschland für

viele Probleme mitverantwortlich. Etwa 70 Prozent der EU-Importe sind Rohstoff

e oder Zwischenprodukte, während ärmere Länder des globalen Südens

überwiegend unverarbeitete Rohstoff e exportieren (WTO 2010: 58). Wirtschaft

ssektoren wie die Auto- und Chemieindustrie oder das Bauwesen hängen

vom Import zahlreicher Rohstoff e ab, die innerhalb der EU nicht oder nur

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