download des Buches als PDF (2,5 MB - FDCL

fdcl.berlin.de

download des Buches als PDF (2,5 MB - FDCL

Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

129

in geringem Maße vorhanden sind 1 . Die Abhängigkeit umfasst sowohl Energieressourcen,

wie Erdöl und Gas, als auch Mineralien, Metalle oder Holz. Ein

durchschnitt licher EU-Bürger verbraucht 43 Kilogramm Rohstoff e pro Tag.

In Asien sind es 14 Kilogramm und in Afrika 10. Wenngleich andere Regionen

wie Nordamerika (90 Kilogramm pro Kopf und Tag) und Ozeanien (100

Kilogramm) nochmal deutlich mehr verbrauchen, ist die EU eine überdurchschnitt

liche Verbraucherin von Rohstoff en. Etwa 23 Prozent der weltweit gehandelten

Rohstoff e werden von der EU importiert, die somit die Region mit

den höchsten Nett o-Importen von Rohstoff en darstellt (WTO 2010: 59 und

Friends of the Earth 2009: 21f.).

Auf den Druck von Unternehmen hin haben sowohl die EU als auch

Deutschland in den letzten Jahren das einstige Nischenthema Rohstoff politik

für sich entdeckt und jeweils Strategien entworfen, in deren Mitt elpunkt

die Sicherung von Rohstoff en für die Industrie steht. Als Hauptproblem der

Rohstoff versorgung machen die Europäische Kommission und die Bundesregierung

Wett bewerbsverzerrungen wie die Anwendung von Exportsteuern

und Beschränkung von Investitionen in den Förderländern aus. Die Interessen

der rohstoff reichen Regionen in Afrika, Asien und Lateinamerika, deren

Bevölkerungen in den meisten Fällen bisher nicht von den Rohstoff exporten

profi tieren konnten, werden dabei kaum berücksichtigt. Auch beim Import

von Agrarrohstoff en schadet die EU-Politik massiv den Menschen im globalen

Süden, wie das Beispiel der Soja-Importe aus Südamerika zeigt.

Wenngleich der Wunsch vieler Länder des Südens, die westlichen und nördlichen

Konsummuster zu kopieren, verständlich ist, ist das klassische Wachstumsmodell

nicht in der Lage, diese negativen Eff ekte zu minimieren. Das im globalen

Norden bestehende Wirtschaft ssystem, das auf einem enorm hohen Rohstoff -

verbrauch basiert, ist eine der grundlegenden Ursachen des Problems. Der Lösungsansatz

der EU und Deutschlands besteht bisher darin, die Anstrengungen

zur Sicherung von Rohstoff en für die eigene Industrie zu erhöhen.

1 Die eigene Produktion von Metallen in der EU beträgt zum Beispiel gerade einmal

drei Prozent der Weltproduktion. Dies bedeutet, dass etwa 48 Prozent des in der

EU benötigten Kupfers, 64 Prozent des Zinkerzes und Bauxits sowie 78 Prozent des

Nickels importiert werden. Bei Kobalt, Platin, Titan und Vanadium wird der gesamte

Bedarf importiert.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine