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Der Neue Extraktivismus

Wäre eine Menschenrechtsklausel, wie sie in dem FTA enthalten ist, ernst gemeint,

müsste sie zumindest im Falle Kolumbiens, wo seit Jahren systematisch

Menschenrechte verletzt werden, im selben Moment angewendet werden, in

dem das Freihandelsabkommen mit der EU in Kraft tritt . Neben dem Europäischen

Parlament müssen dem Abkommen noch die nationalen Parlamente

Kolumbiens und Perus, eventuell auch alle Parlamente der EU-Mitgliedstaaten

zustimmen. Sollte das FTA in Kraft treten, wird es extraktiven Industrien wie

dem Bergbau zusätzlichen Auft rieb geben, weil es die Rechte von Investoren

stärkt.

Agrarextraktivismus - Soja für Europas Fleischprododuktion

Auch der Extraktivismus im Agrarbereich wird in Lateinamerika durch die

EU befördert. Fast 80 Prozent der für die europäische Fleischproduktion benötigten

Eiweißfutt ermitt el werden importiert. Dies entspricht 22 Millionen

Tonnen Sojaschrot und 13 Millionen Tonnen Sojabohnen jährlich (Agrarkoordination

2011: 2) 7 . Laut Berechnungen des Bundes für Umwelt und Naturschutz

(BUND) wird in Übersee auf circa 20 Millionen Hektar Soja für die

europäische Tierproduktion angebaut. Davon entfallen allein 2,8 Millionen

Hektar auf Deutschland, was fast der Fläche Brandenburgs entspricht (Schuler

2007: 5). Ohne diesen „Import von Fläche“ sind der hohe Fleischkonsum

und die teilweise Überproduktion in Europa nicht denkbar. Während sich

zwischen 2000 und 2007 die Fleischexporte der EU um 32,4 Prozent erhöht

haben, stiegen die Futt ermitt elimporte im gleichen Zeitraum um 17 Prozent

(Wiggerthale 2011: 11).

Dank politischer Entscheidungen in den 1960er Jahren ist der Import von

Sojabohnen vom Zoll befreit. Nutznießer waren damals die USA als Hauptexporteur

von Soja. Während zum Schutz der EU-Agrarindustrie die meisten

Agrarprodukte durch hohe Zölle geschützt sind und die EU gleichzeitig

ärmere Länder zur Öff nung ihrer Märkte drängt, sind Futt ermitt el aus Soja

7 Bei der Verarbeitung von Sojabohnen entstehen circa 80 Prozent Sojaschrot und als

Nebenprodukt etwa 20 Prozent Sojaöl. Für die Produktion von einem Kilogramm

Schweinefl eisch werden 540 Gramm Sojaschrot verfütt ert, für ein Kilogramm Pute

765 Gramm, ein Kilogramm Hähnchen 470 Gramm und ein Kilogramm Rindfl eisch

920 Gramm (Schuler 2007: 5).

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