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Der Neue Extraktivismus

Rückgewinnung der Souveränität

Bolivien, Venezuela und Ecuador drängen den

Neoliberalismus zurück und bauen die staatliche

Kontrolle über ihre Rohstoff e aus

David Rojas-Kienzle

Die Regierungen Boliviens, Venezuelas und Ecuadors gelten als Beispiel für

eine neue anti-neoliberale Politik in Lateinamerika. Ob der Sozialismus des

21. Jahrhunderts in Venezuela, der plurinationale Staat in Bolivien oder die

Bürgerrevolution in Ecuador: Alle drei Regierungen sind angetreten, um dem

Neoliberalismus der 1990er Jahre ein Ende zu bereiten und eine gerechtere

und sozialere Wirtschaft spolitik umzusetzen. Und alle drei Länder verfügen

über teils beachtliche Rohstoff vorkommen, die bei der Umsetzung dieser neuen

Politik eine zentrale Rolle spielen. In diesem Zusammenhang ist bei der

Rohstoff politik in Wissenschaft und Medien meist von Nationalisierungen

oder Verstaatlichungen die Rede. Hierbei wird suggeriert, der Staat übernehme

die volle Kontrolle über die jeweiligen Rohstoff e und die Privatwirtschaft

bleibe außen vor. Der Blick ins Detail zeigt jedoch, dass sich die Prozesse und

Politiken, die unter den Schlagwörtern Verstaatlichung und Nationalisierung

subsumiert werden, wesentlich komplexer sind.

Seit den 1980er Jahren war der Neoliberalismus in den meisten lateinamerikanischen

Ländern die dominierende Staatsideologie. Die infolge von Staatsschulden

knappen Kassen sollten mit Hilfe von Krediten des Internationalen

Währungsfonds (IWF) wieder aufgefüllt werden. Diese wurden allerdings nur

gewährt, sofern Strukturanpassungsprogramme durchgeführt wurden. Diese

bedeuteten im Sinne des „Washington Consensus“ die praktische Durchsetzung

neoliberaler Th eorie in die Praxis, was in der Folge Privatisierungen auf

allen Ebenen bedeutete. 1

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