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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

Bolivien: Erfolgreiche Neuverhandlung der Gasverträge

Bolivien war über lange Zeit eines der Experimentierfelder für diese neoliberalen

Politikstile. Eingeläutet wurde diese Phase durch eine schwere Wirtschaft skrise

1982, in deren Folge zur Konsolidierung des Staatshaushaltes drastische

Kürzungsmaßnahmen durchgeführt und Importbeschränkungen aufgehoben

wurden. Das Ergebnis war eine noch weitergehende Verelendung der unteren

Bevölkerungsschichten. Eine weitere Maßnahme zur Entschuldung war das

Schröpfen des staatlichen Ölkonzerns YPFB, der 65 Prozent seiner Einnahmen

an den Staat abführen musste und ein Investitionsverbot aufgedrückt

bekam. In der sehr kapitalintensiven Petroindustrie bedeutete dies einen drastischen

Produktivitätsrückgang. 1993 kam mit Gonzalo Sánchez de Lozada

ein willfähriger Erfüllungsgehilfe neoliberaler Praktiken ins Präsidentenamt,

der die Privatisierung und Zerschlagung des Monopolisten YPFB, unter anderem

mit der geringen Produktivität begründet, in drei kleinere Unternehmen

in die Wege leitete und die neoliberale Umstrukturierung des bolivianischen

Öl- und Gassektors vorantrieb (Fritz 2006: 7ff .).

Von besonderer Bedeutung ist hierbei das Gesetz 1689 über die Kohlenwasserstoff

e, das die Besitzverhältnisse an den fossilen Energieträgern dahingehend

veränderte, dass diese lediglich staatliches Eigentum waren, solange sie

sich unter der Erde befanden. Dies stand im Widerspruch zur damals gültigen

Verfassung, nach der die Energieträger unveräußerliches Eigentum des bolivianischen

Staates waren (ebd.: 11).

Entgegen der Erwartungen der liberalen Wirtschaft stheorien führte die Liberalisierung

der Erdöl- und Erdgasförderung nicht zu mehr Wett bewerb, sondern

zu einem Oligopol der drei Konzerne Petrobras, Repsol YPF und Total,

die bei der Exploration, Förderung, dem Vertrieb und Export von Erdöl und

-gas fast den ganzen Markt unter sich auft eilten.

Gegen Ende der 1990er Jahre regte sich Widerstand gegen die vorgenommenen

Privatisierungen. Mit dem „Wasserkrieg“, der als Aufb ruch sozialer

Bewegungen gegen die Jahrzehnte währende autoritäre Herrschaft gilt und

bei dem in wochenlangen Protesten am Ende eine Privatisierung des Wassers

1 Neoliberalismus bezeichnet hierbei eine orthodoxe, einseitig an Kapitalinteressen

orientierte Politik, nicht die politischen Th eorien, die unter dem Begriff Neoliberalismus

gesammelt werden ( Ptak 2007: 13-86).

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