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Der Neue Extraktivismus

der Amtszeit von Lucio Gutiérrez (2003 bis 2005) einen erneuten Höhepunkt

erlebten. Dieser hatt e kurz nach seiner Wahl mit dem IWF ein Abkommen zur

Privatisierung einiger von Petroecuadors Ölfelder unterzeichnet und gleichzeitig

die Privatisierung der vier profi tabelsten Ölfelder eingeleitet. Auch diese

Maßnahmen lösten heft ige Proteste aus, die jedoch nicht nur von den Gewerkschaft

en, sondern auch von sozialen Bewegungen – z.B. Student_innen, Indigenen

oder Lehrer_innen – getragen wurden, die 2005 Gutiérrez aus dem Amt

vertrieben (ebd.).

Nach zwei von politischer Instabilität gekennzeichneten Jahren wurde 2007

mit Rafael Correa ein dezidiert anti-neoliberaler Präsident gewählt, der vor allem

durch die Unterstützung sozialer Bewegungen an die Macht kam (Minkner-Bünjer

2007: 2). Wie auch in Bolivien nimmt die Rohstoff politik eine

wichtige Rolle innerhalb des Programms der Regierung Correa ein. Besondere

Aufmerksamkeit erlangte hierbei das Projekt „Yasuní-ITT “, bei dem gegen eine

Zahlung von Industrienationen ein in einem Naturschutzgebiet liegendes Ölfeld

nicht ausgebeutet und für unantastbar erklärt werden soll (Merino 2011:

8; siehe auch Beiträge von Acosta und Lang in diesem Band).

Jedoch spielt Erdöl eine sehr große Rolle für den ecuadorianischen Staatshaushalt.

Auch hier ist der zentrale Punkt der neuen post-neoliberalen Politik

eine Neuverhandlung der Verträge mit den Öl fördernden Unternehmen, die

ab nun als Dienstleister arbeiten sollen und vom Staat mit einem festen Betrag

pro gefördertem Ölfass entlohnt werden sollen. Dadurch sichert sich der

ecuadorianische Staat Mehreinnahmen durch Preisschwankungen am Markt.

Gleichzeitig wird das staatliche Unternehmen Petroecuador durch vermehrte

Investitionen und den Aufk auf – nicht die Enteignung – von Ölfeldern gestärkt.

Verstaatlicht im eigentlichen Sinne wurde nicht (Mähler 2011: 3).

Venezuela: Staatliche Kontrolle über Erdöleinnahmen

Die Situation in Venezuela ist in Grundzügen ähnlich wie in Bolivien und

Ecuador. Der lange Zeit größte Erdölexporteur der Welt geriet nach einer als

„goldenes Jahrzehnt“ bezeichneten Phase mit dem Verfall der Preise für Erdöl

ab 1982 in eine Wirtschaft s- und Schuldenkrise, deren Überwindung wie in

den beiden anderen Ländern durch neoliberale Maßnahmen erfolgen sollte.

Diese Maßnahmen führten genau wie in Bolivien und Ecuador auch zu einer

Verarmung der Bevölkerung 4 , die sich ab 1987 in zunehmend gewaltt ätigen

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