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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

Revolten niederschlug (Azzellini 2007: 20ff .). Der größte Aufstand war der

sogenannte Caracazo im Februar 1989, bei dem – ausgelöst durch gestiegene

Fahrpreise – in der Hauptstadt Caracas und anderen Städten massive Proteste

und Plünderungen durch die verarmte Bevölkerungsmehrheit statt fanden.

Die brutale Repression forderte je nach Schätzung zwischen 1.000 und 3.000

Menschenleben auf Seiten der Protestierenden (Kühn 2007: 128ff ). Im Jahr

1992 putschten linke Militärs unter der Federführung des heutigen Präsidenten

Hugo Chávez gegen den spätestens seit dem Caracazo völlig delegitimierten

Präsidenten Carlos Andrés Pérez. Chávez legte durch den Putsch und eine

souveräne Fernsehansprache nach dessen Niederschlagung den Grundstein

für seinen Wahlerfolg 1998, den er mit anti-neoliberalen Positionen erzielte

(Azzellini 2007: 21).

Die Ressourcenpolitik in Venezuela ist eng mit der Geschichte des 1976 geschaff

enen staatlichen Erdölunternehmens PDVSA verbunden. Hierbei wurde

der vormals private Besitz an eben dieses Unternehmen übertragen, ohne allerdings

das Management oder die Unternehmenskultur zu verändern. PDVSA

wurde weiterhin wie ein Privatunternehmen, mit dem Ziel der Profi tmaximierung

geführt, was besonders Mitt e der 1980er Jahre deutlich wurde: Als Reaktion

auf die Versuche seitens der venezolanischen Regierung, den Staatsschulden

mit Hilfe der Gewinne von PDVSA beizukommen, internationalisierte sich das

Unternehmen, um die Abgaben zu verringern. Als in den 1990er Jahren ausländische

Investitionen im Erdölsektor ermöglicht wurden, verlegte sich PDVSA

darauf, weniger profi table Ölfelder von Privatunternehmen ausbeuten zu lassen

und das Öl von diesen zu kaufen. Dies führte teilweise zu der skurrilen Situation,

dass PDVSA Verluste mit diesen „Outsourcing-Geschäft en“ machte, da die

Privatunternehmen für die Dienstleistung höhere Preise für dieses Öl verlangten

als es auf dem Weltmarkt wert war (Wilpert 2007: 89 ff .).

Eines der zentralen Anliegen von Chávez war es, PDVSA wieder unter staatliche

Kontrolle zu bringen. Dies gestaltete sich mehr als problematisch, wie

der Putschversuch im April 2002 eindrucksvoll zeigte, als die Opposition den

Austausch der PDVSA-Führung zum Anlass nahm, militärisch gegen die Regierung

von Chávez vorzugehen (Azzellini 2007: 36).

4 Ende der 1990er Jahre lebten ca. 50 Prozent der venezolanischen Bevölkerung unter

der Armutsgrenze (Mähler 2011: 4).

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