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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

gramme zur sozialen Sicherung implementiert und fi nanziert werden konnten

und somit großen Teilen der Bevölkerung, die durch die neoliberale Politik der

1980er und 1990er Jahre verarmt waren, geholfen werden konnte. Am deutlichsten

zeigt sich dieser Erfolg in Venezuela, wo zwischen 1999 und 2008 die

Armutsrate fast halbiert werden konnte. Aber auch in Bolivien und Ecuador

haben die durch Petrodollars fi nanzierten Sozialprogramme eine erste Senkung

der Amutsquote bewirkt. Gefahr birgt hierbei allerdings die einseitige

Ausrichtung auf die Rohstoff einnahmen: In allen drei Ländern machen die

Rohstoff exporte den Löwenanteil an den gesamten Exporten aus. 6 Verglichen

mit der Situation, die diese Länder in den 1990er Jahren erlebten, als durch

die Hegemonie des Neoliberalismus eine souveräne Rohstoff politik undenkbar

erschien, stellt die erhöhte staatliche Kontrolle über die Rohstoff sektoren

jedoch einen enormen Fortschritt dar.

Gleichzeitig ist gerade die Erdölförderung und Rohstoff ausbeutung im Allgemeinen

mit enormen Konsequenzen für die lokale Bevölkerung und die

Umwelt verbunden. Auch muss austariert werden, inwiefern die Exploration

und Ausbeutung neuer Rohstoffl ager den Rechten indigener Gemeinschaft en

entgegensteht. Schließlich waren es gerade in Bolivien und teilweise auch in

Ecuador indigene soziale Bewegungen die Evo Morales und Rafael Correa in

die Regierungsämter brachten. Diese fordern zu Recht die Respektierung ihrer

Lebensweise ein. Gerade der jeweilige Umgang mit Yasuni-ITT und dem

TIPNIS-Konfl ikt 7 (siehe Text von Sarela Paz in diesem Band) verdeutlicht die

Widersprüchlichkeit zwischen Regierungshandeln und den eigenen (diskursiven)

Ansprüchen. Unstritt ig ist, dass ein wirtschaft liches und soziales Modell,

das nur auf der Ausbeutung von Rohstoff en beruht, zumindest langfristig

überwunden werden muss, sollen die Errungenschaft en, die die neuen linken

Regierungen gerade für arme Bevölkerungsschichten erreicht haben, nachhaltig

wirksam sein.

6 Bolivien: 40, 5 Prozent; Ecuador: 50,5 Prozent; Venezuela: 95,8 Prozent. Alle

Zahlen aus dem Jahr 2009 (Mähler 2011: 3)

7 Dabei geht es um den Konfl ikt um den Bau einer Überlandstraße durch das

indigene Territorium TIPNIS in Bolivien.

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