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Der Neue Extraktivismus

Bolivien: Die Wirtschaft unter der Regierung Morales

Seit 2004 sind die bolivianischen Staatseinnahmen um fast 20 Prozentpunkte

des BIP gestiegen. Dieser Zuwachs ist enorm (zum Vergleich: Die Gesamteinnahmen

der US-Regierung lagen in den vergangenen 40 Jahren bei

durchschnitt lich 18,7 Prozent des BIP). Der größte Teil der Steigerung war

den umfangreicheren Staatseinnahmen aus Erdöl- und Erdgas geschuldet,

die seit der 2005 beschlossenen Erhöhung der Förderabgaben erzielt werden

konnten. Die Regierung Morales setzte die Erhöhung von Einnahmen aus

der Erdöl- und Erdgasindustrie 2006 durch die Wiederverstaatlichung der

Betriebe fort. Dadurch stiegen die Staatseinnahmen in diesem Sektor von

2004 bis 2008 um 3,5 Milliarden US-Dollar: von 58,30 auf 401,1 US-Dollar

pro Kopf (Dollarwert des Jahres 2008). Der Anteil am BIP betrug 5,6 Prozent

im Jahr 2004 und erreichte einen Höchststand von 25,7 Prozent im vierten

Quartal 2008. Der größte Zuwachs davon fand nach 2006 statt . Bis zum

zweiten Quartal 2009 sanken die Staatseinnahmen aus Erdöl und Erdgas von

ihrem Höchststand wieder auf 21,1 Prozent des BIP ab. Diese Entwicklung

war dem Rückgang der Weltmarktpreise für Erdöl und Erdgas im dritt en

Quartal 2008 geschuldet, der Bolivien durch die Verträge der Regierung mit

ausländischen Erdgaskonzernen erst mit Verzögerung erreichte.

Auch die Staatsausgaben erhöhten sich unter Morales erheblich, jedoch

viel geringer als die Einnahmen: von 34 Prozent des BIP 2005 auf 45,1

Prozent 2008. Dadurch konnten während dieses Zeitraums beträchtliche

Haushaltsüberschüsse erwirtschaft et werden, im Gegensatz zu den beständigen

Haushaltsdefi ziten der Jahre 2000 bis 2005. Dies hatt e ein immenses

Anwachsen der internationalen Währungsreserven zur Folge, vermutlich

größer als notwendig.

Die wichtigste fi nanzpolitische Maßnahme bestand jedoch in der Erhöhung

der Ausgaben 2007 bis 2009 (erste Jahreshälft e). Der Haushaltsüberschuss

von fünf Prozent des BIP im ersten Quartal 2008 verwandelte sich

in ein Defi zit von 0,7 Prozent des BIP im ersten Quartal 2009 – eine deutliche

Verschiebung um fast sechs BIP-Prozentpunkte. Wohl vor allem durch

diese Maßnahme wurden Bolivien die schwersten Folgen des Abschwungs

erspart, der den übrigen Teil der Region mehrheitlich erfasste. Ohne die

wiedererlangte Kontrolle der Regierung über Erdgasproduktion und -einkünft

e wäre dies nicht möglich gewesen.

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