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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

deutung, er nimmt eine zentrale Stellung ein und seine Hochs und Tiefs wirken

sich auf die Struktur des Agrarsektors aus. Daher erscheint es uns sinnvoll,

mit einer gründlichen Analyse der nationalen und internationalen fi nanzwirtschaft

lichen Umstände – sowohl während des Ausbrechens des Konfl ikts als

auch in aktuellen krisenhaft en Situationen – mögliche Deutungen des Agrarstreiks,

seines Ablaufs und der aktuellen Lage zu liefern.

Nachdem wir im ersten Teil des vorliegenden Beitrags diese institutionelle

Makroebene umreißen, ist es uns wichtig, zu verdeutlichen, dass die Akteure

jedoch nicht vollständig durch diese konditioniert sind, sondern dass ihre

Wahrnehmungen und Handlungsentscheidungen ebenfalls Auswirkungen auf

den Kontext haben. Die Konstruktion einer bestimmten Realität erlaubt ihnen,

eine Auswahl zwischen den vielfältigen ihnen zur Verfügung stehenden

Optionen zu treff en, wodurch einige umstandsbedingte Handlungen grundlegend

für die Festlegung von Schnitt linien des Konfl ikts werden. Wir glauben

daher, dass eine Rekonstruktion der Streitpunkte während des genannten

Zeitraums für ein breites Verständnis des Konfl ikts unabdingbar ist. In diesem

Sinne sind das Handeln der Mesa de Enlace (ME), die von der Regierung ergriff

enen Maßnahmen sowie die Reaktionen der politischen Parteien und anderer

gesellschaft licher Gruppierungen zentral für dessen Verständnis.

Des Weiteren wollen wir eine Refl exion über die von uns benutzten Begriff e

anstoßen, die zu dem Konfl ikt führenden fi nanzwirtschaft lichen Hintergründe

darstellen, die Ereignisabfolge beschreiben und schließlich die aktuelle Situation

im Kontext der globalen Krise kommentieren.

Konzeptualisierung des Konfl ikts

Zunächst fassen wir die Konfl ikte in der ersten Hälft e des Jahres 2008 unter

dem Begriff „Agrarstreik“ und verzichten auf den überfl üssigen Anglizismus

des „Lock-out“ (Aussperrung).

Während des gesamten 20. Jahrhunderts existierte diese Form der Proteste

der Landwirte, die nach der Rückkehr zur Demokratie 1983 sogar noch häufi

ger auft rat (siehe Giarracca/Teubal/Palmisano 2008). Es handelte sich um

kurze „Agrarstreiks“, die entweder zu einer Einigung zwischen den Landwirtschaft

svereinigungen mit den zuständigen Behörden führten oder, bei einer

nicht vollkommen zufriedenstellenden Lösung, wieder ausbrachen. Erst bei

dem Streik im Jahr 2008 dauerten die Proteste über einen derart langen Zeit-

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