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Der Neue Extraktivismus

raum an, ohne dass es zu einer Einigung mit den zuständigen staatlichen Stellen

gekommen wäre. Eigentlich war das Verhältnis zwischen Regierung und

Agrobusiness bis dahin gut und von einer gewissen wirtschaft lichen „Teilhabe“

geprägt gewesen, als die man die Besteuerung landwirtschaft licher Produkte

in den vorherigen Jahren, unter der Regierung von Néstor Kirchner, charakterisieren

könnte. Dennoch scheiterte eine Einigung mit der Regierung und am

25. März hielt die Präsidentin eine politisch bedeutsame Rede, mit dem Ziel,

den Konfl ikt öff entlich zu machen. Eine der Strategien, mit denen die Regierung

versuchte, die Forderungen des Agrarsektors zu delegitimieren, war die

Formulierung Lock-out, mit der suggeriert wurde, es gehe um gut verdienende

Grundbesitzer_innen, die sich „unsolidarisch“ gegenüber der Gesellschaft

verhielten. Verschiedene „regierungstreue“ Medien, Journalist_innen und Intellektuelle

griff en diese rhetorische Figur auf, um die von der Exekutive vorgegebene

binäre Sichtweise zu untermauern: Landwirtschaft (unternehmerisch,

oligarchisch, etc.) versus Regierung (fortschritt lich, umverteilend, etc.).

So wie wir hier die historische Bezeichnung „Agrarstreik“ verwenden (im

Gegensatz zu der des Lock-out), müssen wir auch deutlich machen, auf welche

Maßnahmen die Landwirt_innen eigentlich abzielten: Es handelte sich

dabei um korporative Maßnahmen (es ging nur um ein Segment innerhalb des

Agrarsektors, der sich damit angeblich selber schadete), die stark politisch aufgeladen

war und die von politischen Parteien und verschiedenen gesellschaft -

lichen Gruppen begleitet wurden, keinesfalls jedoch von einer „agrarischen

sozialen Bewegung“, wovon einige Mitt e-Links-Parteien sprachen.

Zum dritt en wollen wir die Legitimität des Regierungshandelns deutlich

machen. Der argentinische Staat hat laut Verfassung das Recht, für Exporte

Abgaben festzusetzen. Dieses Recht – Argentinien ist seit jeher ein Exporteur

von Rohstoff en – basiert auf den Überschüssen, die durch die Ausbeutung natürlicher

Ressourcen, etwa Land, Wasser, Erdöl, Erz, etc., erwirtschaft et werden.

Durch die „retenciones“ (Exportsteuern) schöpft der Staat diesen in der

politischen Ökonomie als „Rente“ bezeichneten Überschuss ab, der mit dem

Ansteigen der internationalen Preise ebenfalls wächst. Die Rente entspringt

dem Wesen des wichtigsten Produktionsmitt els der Landwirtschaft : dem Boden.

Im Kapitalismus wird diese Ressource wie eine Ware behandelt, obwohl

sie in Wirklichkeit kein Produkt menschlicher Arbeit ist, sondern ein Gemeingut,

das aus historischen Gründen in Privateigentum überging. 3 Die argentini-

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