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Der Neue Extraktivismus

kann nichts anderes sein als Preistreiberei. Denn allein der Gedanke an eine

zukünft ige Transaktion ist spekulativ“ (Sabini Fernández 2008:15). Abgesehen

von den verschiedenen Schwankungen des Finanzsystems, hat der Preis

für bestimmte Getreide und Ölfrüchte auf dem Weltmarkt zu einer Expansion

ihres Anbaus geführt. Dadurch wurden nicht nur traditionelle Anbaukulturen

verdrängt, sondern auch der landwirtschaft liche Anbau auf unberührte Wälder,

Regenwälder und Yungas ausgedehnt. Es lässt sich eine Reprimarisierung der

Ökonomie feststellen, bei der der Handelsbilanzüberschuss des Landes durch

den Export von Gen-Soja aufrecht erhalten wird, wodurch die Zahlungen an

verschiedene externe Gläubiger sowie die Bedienung der lokalen und internationalen

Finanzinteressen gewährleistet werden (Giarraca/Teubal 2005).

Im Rahmen dieses von der fi nanzwirtschaft lichen Bewertung abhängigen

Akkumulationsmodells, lässt sich das Auft auchen neuer Akteure nicht nur

in der Produktion feststellen, sondern auch im Handel und der Spekulation.

Wenngleich die Figur des Großgrundbesitzers als Nutznießer dieses Systems

bestehen bleibt, ist dieser nicht mehr der hegemoniale Akteur und auch nicht

mehr der am meisten begünstigte. Zu den neuesten und von dem System am

meisten profi tierenden Akteuren gehören die bekannten Saatgut-Pools und

-konzerne sowie Investmentfonds. Mit der Verdrängung der Familienproduktion

geht eine off enkundige Ausbreitung von Unternehmen einher, die

mit großen, durch Sonderverträge abgesicherten Volumina umgehen und

auf kurzfristige Profi te aus sind. Ihre Größe und Form kann sehr variieren,

und hängt vom Besitz oder Nichtbesitz an Ländereien, der Ausdehnung der

Anbaufl ächen, den vorhandenen Mitt eln etc. ab. Gleichzeitig bildet sich allmählich

eine Schicht von kleinen Grundbesitzer_innen heraus, die ihr Land

angesichts der Unmöglichkeit, mit der Größe und der Technologie der großen

Konzerne mitzuhalten, verpachten. Zu diesen neuen Akteur_innen innerhalb

der Produktionssphäre gesellen sich noch die Exporteur_innen und die

großen Lebensmitt elkonzerne, deren Stellenwert innerhalb der Wertschöpfungskett

e von Tag zu Tag zunimmt. Dazu gehören vor allem die Zulieferer

von Saatgut und Betriebsstoff en, die verarbeitende Industrie, Supermärkte,

etc. (siehe Teubal/Rodríguez 2002). Des Weiteren ist die Produktionsform

dieses Modells eng mit der Verwendung eines speziellen Technologiepakets

verknüpft , weshalb bestimmte mit seiner Weiterentwicklung und Modernisierung

befasste Verbände zunehmend an Einfl uss gewinnen 5 und zu den traditi-

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