download des Buches als PDF (2,5 MB - FDCL

fdcl.berlin.de

download des Buches als PDF (2,5 MB - FDCL

Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

den Produzent_innen unmitt elbare Auswirkungen bevor, denn der Verkauf

der Sojaernte hatt e noch nicht begonnen. Die Erhöhung des Steueranteils hatte

einen Anstieg des Verkaufspreises von fast zehn Prozent zur Folge und ließ

aufgrund der damaligen Aussichten ein weiteres Ansteigen erwarten. Im ersten

Moment wurde diese indirekte Folge der Steuererhebung durch keinerlei

Kompensationsmechanismus abgemildert, was insbesondere kleine und mitt -

lere Produzent_innen traf. Bekanntermaßen sind die Kosten und die Sensibilität

gegenüber jeder Veränderung der Gewinnspannen größer, je kleiner ein

Produktionsbetrieb ist. Im Fall des Sojaanbaus spielt dieser Faktor eine entscheidende

Rolle, da das dafür notwendige Technologiepaket einen bedeutenden

Anteil an Betriebsstoff en enthält. Dennoch erschöpft e sich die Suche der

Agrarverbände nach Hilfe nicht bei ihren traditionellen Unterstützer_innen,

die sie als „Basis“ bezeichneten und die im Laufe des Konfl ikts eigene Wege als

„Selbstorganisierte“ gehen sollten, sondern sie versuchten, die Unterstützung

und die Legitimität der Proteste zu verbreitern, indem sie vom „allgemeinen

Interesse“ an der Landwirtschaft sprachen. Dadurch erreichten sie, dass auch

andere Forderungen und Akteure in den seit seinem Beginn sektorspezifi schen

Konfl ikt einbezogen wurden, vor allem mit Regierungsmaßnahmen unzufriedene

Teile der Gesellschaft . Als Beleg dafür lässt sich eine Kundgebung in der

Stadt Rosario am 25. Mai anführen, die sich durch ihre Größe und Heterogenität

auszeichnete. Abgesehen von der Anzahl der versammelten Menschen (je

nach Quelle ist von 170.000 bis 300.000 Teilnehmer_innen die Rede) fi el die

große Vielfalt auf: Einwohner_innen von Rosario aus verschiedenen sozialen

Schichten, „chacareros“ und andere Produzent_innen, der FAA angehörende

Jugendliche, die in Chören eine Agrarreform forderten, Großproduzent_innen

und Grundbesitzer_innen, Angehörige von mit der Regierung unzufriedenen

Piquetero-Bewegungen, etc. Der Begriff „Landwirtschaft “ war übergreifend

genug, sie alle zu vereinen; der Konfl ikt drehte sich jedoch um die Verteilung

der Bodenrente und nicht um eine Änderung des Akkumulationsmodells.

Dieses Bild zeigte sich während der ganzen Zeit, die der Konfl ikt andauerte

und der vor allem durch eine klare Aushöhlung der Bestimmungen geprägt

war. Die diskursiven Auseinandersetzungen sowie die Demonstrationen von

Stärke und Unterstützung schienen eine zentrifugale Kraft zu erzeugen, durch

die die Situation immer mehr polarisiert wurde. So wurden andere Sichtweisen

auf den Konfl ikt, die das „Agrobusiness“-Modell an sich oder das Verhalten

73

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine