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Der Neue Extraktivismus

der Regierung kritisierten, umgehend unterdrückt oder einer der „Kriegsparteien“

zugeordnet. Die Äußerungen des Planungsministers Julio de Vido, „das

ist nichts für Unschlüssige“ und „wer sich nicht anschließt, bleibt zurück“, charakterisieren

diese Logik, die erst wieder verschwand, als der Konfl ikt vor den

Kongress kam. Die Entscheidung, die Debatt e dort zu führen, trotz der von

der Regierung vorgeschlagenen Einschränkungen der Gesetzesvorlage, war

eine demokratische Maßnahme, durch die die Situation entschärft und eine

rationale Interaktion ermöglicht wurde – unabhängig von ihrem Ausgang.

Nichtsdestotrotz lieferten sich beide Seiten parallel zur Kongressdebatt e eine

mediale Schlacht um die Aneignung des öff entlichen Raums , in der die „Logik

der Zahlen“ (darüber also, wer auf Demonstrationen mehr Menschen zusammenbekam)

dominierte. Dieser schwere Fehler der Regierung überdeckte die

demokratische Maßnahme, die Repräsentant_innen „aller“ (der verschiedenen

im Kongress vertretenen Parteien) über die Frage entscheiden zu lassen.

Bekanntermaßen verlor die Regierung zunächst die Schlacht um die öff entliche

Meinung und dann die in der Legislative.

Als Vizepräsident und Vorsitzender des Senats, Julio C. Cobos, sein Veto gegen

das Gesetzesvorhaben einlegte, das das Präsidialdekret Nr. 125 bestätigt

hätt e, bildete das den Schlusspunkt dieser Etappe des Konfl ikts und erlaubte

eine Abschwächung und Richtungsänderung.

Aktuelle Hintergründe zur globalen Krise

Nur kurze Zeit nach dem berühmten „Nein“ des Vizepräsidenten erhoben die

meisten Vertreter_innen der Agrarverbände erneut die Stimme gegenüber

der Regierung. Das überraschende Absinken der Rohstoff preise aufgrund der

globalen Finanzkrise hatt e ihnen einen bösen Streich gespielt: Denn die mangelnde

Flexibilität des geltenden Steuersystems verstärkte noch die Verkleinerung

der Gewinnspannen für Agrarproduzent_innen. Die Situation war in den

ersten Monaten des Jahres kaum vorauszusehen gewesen. Der Preis für Rohstoff

e stieg ständig weiter, da diese als Sicherheit gegen den Zusammenbruch

der bedeutendsten Akteure der Finanzwelt galten. Der Einbruch der Preise der

wichtigsten Agrarprodukte in den folgenden Monaten, belegt den großen Einfl

uss den die Finanzmärkte auf die Lebensmitt elpreise haben. Es konnte nicht

als Erklärung angeführt werden, die Chines_innen äßen weniger 8 , es habe

eine Lebensmitt elüberproduktion gegeben oder der Biodiesel sei nicht mehr

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