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Der Neue Extraktivismus

Die „Landwirtschaft der Zukunft “ – abschließende Bemerkungen

Der in diesem Beitrag beschriebene Wandel des agrarischen Akkumulationsmodells

zeigt die Fragilität und Abhängigkeit unserer Landwirtschaft vom

Weltmarkt auf. Betrachten wir alles, was durch die Lebensmitt elproduktion

an Wäldern und Yungas sowie an Wasserressourcen 10 verloren gegangen ist,

wird noch deutlicher, warum wir behaupten, dass die Regierung sich in der

Landwirtschaft für die Wahl des neoliberalen Modells und seiner Förderung

entschieden hat.

Im Hinblick auf die aktuelle Krise gibt es nach unserer Einschätzung zwei

Optionen: Weiterverfolgung des neoliberalen Weges mit der Aussicht auf

noch gravierendere Ausbrüche von Armut und Hunger, als wir sie während

der Jahre 2001/2002 erlebten, oder aber Ergreifen eines Maßnahmenpakets

zur Umstrukturierung dieses Modells und Neuorientierung auf das, was Vía

Campesina als „Ernährungssouveränität“ bezeichnet: „Organisation der Produktion

und des Verbrauchs von Lebensmitt eln entsprechend der Bedürfnisse

der lokalen Gemeinschaft en mit der Priorität auf Produktion und Verbrauch im

Inland. Dies beinhaltet das Recht, die nationale land- und viehwirtschaft liche

Produktion zu schützen und zu regulieren. Bauern und Bäuerinnen, Landlose

und Agrarproduzent_innen müssen Zugang zu Land, Wasser, Saatgut sowie

Produktionsressourcen und angemessene staatliche Unterstützung erhalten“

(www.viacampesina.org). Für Argentinien bedeutet das, zu einer direkten Lebensmitt

elproduktion zurückzukehren und den Zugang zu einer gesunden

und qualitativ hochwertigen Ernährung zu verteidigen, gegenüber den Interessen

der Wirtschaft und gegenüber der Erwirtschaft ung von Devisen zur Finanzierung

eines Staats, bei dem in Frage steht, dass er der Bevölkerung dient.

Nur der Kongress – in einer unabhängigen Position gegenüber den korporativen

ökonomischen Interessen, die oft mals durch Gouverneur_innen oder

10 In den Morgenstunden des 30. September 2010 wurde schließlich das Gesetz

über „Minimalforderungen für den Schutz der Gletscher und der periglazialen

Umwelt“ (Wasserfabriken für Gegenwart und Zukunft ) angenommen, ausgehandelt

zwischen dem Oppositionsabgeordneten Miguel Bonasso und dem Senator der

Regierungsfraktion Daniel Filmus. Es sei darauf hingewiesen, dass das Gesetz

zuvor von der Präsidentin abgelehnt worden war, mit der Begründung, die Exporte

des Primärsektors müssten gefördert werden (in diesem Fall zu Gunsten der

Bergbauunternehmen).

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