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Der Neue Extraktivismus

Der Marsch der TIPNIS-Indígenas

Über den Zusammenhang zwischen den indigenen Protesten

in Bolivien und den extraktivistischen Modellen Südamerikas

Sarela Paz

Der „Wasserkrieg“ von Cochabamba in den Jahren 2000/2001 war in Bolivien

der Auft akt für eine ganze Reihe von Protesten der Bevölkerung. Diese waren

deutlich auf eine Demontage des neoliberalen institutionellen Rahmens

gerichtet, dem die Kapitalisierung und Transnationalisierung verschiedener

Naturressourcen in Bolivien gelungen war. Die ersten zehn Jahre des neuen

Jahrtausends waren angefüllt mit innenpolitischen Protesten und Kämpfen. Es

gab Momente großen Erfolgs, die der Bevölkerung die Mitsprache über die Zukunft

der strategischen Naturressourcen ermöglichten: über Erdgas und Erdöl,

Wasser und mineralische Ressourcen. Die Debatt e war von Mobilisierungen

und zivilem Ungehorsam geprägt. Eine Industrialisierung und produktive Entwicklung

zur Befriedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung, ökonomische

Perspektiven jenseits des Kapitalismus – das ließ uns Bolivianer_innen eine

Zukunft aufscheinen, die sich von der bisherigen Rolle in der Weltwirtschaft

unterschied. Die Wahl des ersten indigenen Präsidenten in der Geschichte des

Landes im Dezember 2005 ermutigte, ernsthaft über Möglichkeiten für einen

tiefgreifenden strukturellen Wandel der bolivianischen Gesellschaft nachzudenken.

Zehn Jahre später, von August bis Oktober 2011, unternahmen Indigene

einen Marsch, der den Blick lenkte auf das, was wir im Hinblick auf unsere

Träume und Pläne für die erste Hälft e des 21. Jahrhunderts bisher erreicht

hatt en Der Marsch machte zunächst deutlich, dass es zwischen den indigenen

Gruppen unterschiedliche Vorstellungen in Bezug auf Entwicklung gibt. Zweitens

zeigte er, dass der wirtschaft liche Ansatz eines auf Rohstoff exporte ausge-

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