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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

richteten extraktiven Modells sich unter Morales nicht nur nicht verändert hat,

sondern sogar noch verstärkt worden ist – in einer Zeit, da wir Bolivianer_innen

gehofft hatt en, zur Verarbeitung von Öl und Gas überzugehen und somit

nicht mehr nur ein Exporteur von Rohstoff en zu sein. Dritt ens off enbarte der

indigene Marsch, dass das Konzept des plurinationalen Staats enorme Widersprüche

zu einem auf Rohstoff exporte ausgerichteten extraktiven Modell aufweist,

welches für sein Funktionieren des Zentralismus und einer einheitlichen

Nation bedarf. Es stellte sich die Frage, ob das politische Gebilde des plurinationalen

Staats in einer extraktivistischen Ökonomie funktionieren und ob

das extraktivistische Modell die Interessen der indigenen Völker überhaupt

vertreten kann.

Der vorliegende Beitrag soll den durch den indigenen TIPNIS-Marsch von

2011 aufgeworfenen Konfl ikt analysieren. Dabei soll der Frage nachgegangen

werden, inwiefern dieser Protestmarsch Ausdruck der Widersprüche des plurinationalen

Staats Bolivien ist – einer Ordnung, die sich auf ökonomische und

politische Pluralität beruft , diese jedoch einer auf extraktivistische Exportwirtschaft

ausgerichteten Regierungspolitik unterwirft . Die Herausforderung besteht

wohl darin, den Zusammenhang zwischen der indigenen Mobilisierung

des TIPNIS und dem extraktivistischen Modell Boliviens zu erklären. Dies

muss beinhalten, die Merkmale des Konfl ikts aufzuzeigen, sowie die beteiligten

Akteure, die Verbindungen zwischen diesen Akteuren, ihre Interessen und

die eines Staats, der ein extraktivistisches Rohstoff exportmodell auszubauen

versucht.

Bei der Untersuchung dieser Aspekte ist es wichtig, die von den indigenen

Gemeinschaft en des TIPNIS angestoßenen Entwicklungsprojekte zu berücksichtigen,

und zu betrachten, welche Alternativen sie dem die Staatsräson dominierenden

extraktivistischen Ansatz entgegenstellen.

Grundlegendes zum Verständnis des Konfl ikts

TIPNIS ist ein staatlich anerkanntes indigenes Territorium dreier indigener

Gruppen der Amazonasregion: der Yuracares und der Chimanes, die im Bergregenwald

leben und eine amazonische Wirtschaft sweise verfolgen, die auf

einer komplexen Verknüpfung von Jagd, Fischfang, Sammeln und Landwirtschaft

basiert, sowie der Mojeños Trinitarios, die vor allem die Überschwemmungswälder

und -savannen bewohnen und ebenfalls die amazonische

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