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Eine Debatt e über die Grenzen des Rohstoff modells in Lateinamerika

standteil der die Departamentos verbindenden Entwicklung präsentiert, ohne

die Beziehungen der Machtgruppen innerhalb der Regierung von Evo Morales

und den für den TIPNIS vorgesehenen Entwicklungsmodellen off enzulegen.

Noch weniger wird erklärt, welche Rolle die Überlandstraße bei den Plänen der

bolivianischen Regierung für die Erdölförderung einnimmt, sowie bei den von

Brasilien angeführten Infrastrukturentwicklungsprojekten im Rahmen der Initiative

zur Regionalen Infrastrukturintegration Südamerikas (IIRSA).

Entwicklungslogiken und indigene Völker

Welche sind nun die zwei Formen von Produktions- bzw. Entwicklungslogik,

die im TIPNIS-Konfl ikt zur Debatt e stehen und die die ortsansässigen Akteure

mit ausmachen?

Einer Umweltstudie zufolge, die von März bis Juli 2011 von der nationalen

Naturschutzbehörde SERNAP (einer Abteilung des Vizeministeriums für Biodiversität)

ausgearbeitet wurde 3 , gibt es im TIPNIS zwei Entwicklunglogiken

bzw. -modelle, die unterschiedliche indigene Sichtweisen widerspiegeln

und in jeweils anderer Beziehung zu dem von der Regierung vorgeschlagenen

Entwicklungsmodell stehen. Einerseits existiert die ökonomische Logik

einer amazonischen Wirtschaft sweise der Yuracares, Chimanes und Mojeños

Trinitarios, die kollektive Nutzungs-, Zugangs- und Verbrauchsrechte an den

Ressourcen des Waldes beinhaltet. Diese indigene Wirtschaft sweise ist auf

Subsistenz und Ernährungssicherheit ausgerichtet und mischt sich mit einer

nachhaltigen Nutzung der Produkte des Waldes für kommerzielle Zwecke. Andererseits

gibt es die auf Koka-Anbau beruhende ökonomische Logik der andinen

Siedler_innen, Quechuas und Aymaras, die im Rahmen des Programms

zur Besiedlung des Tiefl andes durch die populistische Regierung ab 1952 in

das Gebiet kamen: Hier erfolgen Nutzung, Zugang und Verbrauch der Produkte

des Waldes individuell. Dieses Wirtschaft smodell bezieht sich innerhalb

des Wald-Kontextes stark auf ein höheres Gut – nämlich Land. Genauer: Wald,

der in Land zum Koka-Anbau verwandelt wird. Ihre Produktion dient rein

kommerziellen Zwecken, nämlich dem Verkauf von Koka-Blätt ern.

3 Die Studie wurde von der Umweltberatungsfi rma Rumbol – Sociedad y Naturaleza

durchgeführt und von zehn Fachleuten sowie sieben Mitgliedern des indigenen

technischen Teams des TIPNIS ausgearbeitet.

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